Beiträge von Rekonvaleszent

    Hallo Rina!

    Ist bei vielen Aussteigern aus der Sucht so. Da bist Du kein Einzelfall. Ich bin jetzt 4 3/4 Jahre clean und träme auch noch ab- und an vom Konsum.

    Mein Therapeut erklärte es mal wie folgt: In den Träumen verarbeiten wir unser Leben und zu dem gehört auch unsere Alkoholvergangenheit.

    Suchtdruck hat sich aufgrund der Träume bei mir noch nie eingestellt. Daher sehe ich in solchen Träumen erst mal kein Rückfallrisiko für mich. Im Gegenteil, mir wird mein Problem im wahrsten Sinne des Wortes noch mal vor Augen geführt.

    Wohl gemerkt: So ist es bei mir und die Menschen sind nun mal verschieden.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Ilka : Dann hoffe ich mal, dass die werte Schwester eingeweiht ist und nicht auf die Idee kommt, dich zum Trinken zu animieren.

    Sicher dich ab, falls sich doch plötzlich das Verlangen einstellt, dann wirst Du wenigstens nicht auf dem falschen Fuß erwischt.

    Gutes Gelingen


    Seit heute bin ich mit Family Clan auf Urlaub.
    Kühlschrank is voller Bier.
    Mir total egal.

    Einerseits ist es erfreulich, dass Du schon 1 Monat geschafft hast.

    Aber die Urlaubsnummer mit dem prall gefüllten Kühlschrank, ist eine enorme Herausforderung für dein Suchtgedächtnis.

    Und was ist mit dem Rest der Mitreisenden? Wenn die Familie anfängt zu bechern, denn nur dazu dient ein solcher Kühlschrank, hast Du womöglich schneller 'ne Pulle am Hals als Du gucken kannst. Also wundere dich nicht, wenn sich rasch Suchtdruck einstellen kann.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!


    Warum soll eine ambulante Entgiftung in diesem Forum unerwünscht sein? Verstehe ich nicht. Bevor ich mich in eine geschlossene Einrichtung begäbe, wäre die ambulante stets meine erste Wahl. Und da bin ich beileibe keine Einzelfall.

    Tag 4, da ist ja schon mal ein richtig guter Anfang.

    Übrigens ist deine Taktik, Schritt für Schritt zu gehen, genau richtig.

    Du hast schon viel organisiert und umgesetzt. Gratulation. Du darfst heute schon ein bischen stolz auf dich sein.

    Kopf hoch, Du liest dich hervorragend.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Wie gesagt, das sind meine persönlichen Erfahrungen mit Suchtdruck. Ich garantiere nicht, dass sie bei anderen rasche Linderung bringen. Nur sind mir bessere Handlungsmöglichkeiten bislang nicht bekannt worden.

    Außerdem handelt es sich um eine männlich geprägte Sichtweise. Die liebe Damenwelt tickt gelegentlich etwas anders als die Herren und wird womöglich andere Schwerpunkte setzen, z.B. den komunikativen Aspekt stärker betonen als ich.

    Das muss halt jeder für sich ausprobieren, was ihm/ihr hilft.

    Und noch ein kleiner Nachschlag:

    Ein cleaner Polytoxikomane erläuterte mir, wenn bei ihm Verlangen nach einem Suchtmittel aufkommt, er sich selbst vorhält: "Wenn ich jetzt nachgebe, dann fängt die ganze Sch.... wieder von vorne an."

    Das leuchtete mir ein.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Meine bislang bewährten Gegenmaßnahmen bei Saufdruck:

    1.)
    Erst mal inne halten. Evt. sind es ganz ganz profane Dinge wie Hunger oder Durst. Gegen Hunger hilft essen und gegen den Durst Minaralwasser, am besten mit viel Kohlensäure. Haut man sich davon einen 3/4 l zügig rein, ist zumindest das unmittelbare Verlangen nach Alk erst mal gebannt.

    2.)
    Das sofortige Befassen mit Beschäftigungen, die einem Spaß machen.

    3.)
    Ggf. ein sofortiger Ortswechsel. Eine andere Umgebung setzt erst mal neue Reize.

    4.)
    Kontaktaufnahme mit Vertrauensperson: Partner; Freund; Teilnehmer einer analogen SHG, das Schreiben hier im Forum.

    5.)
    Laufschuhe an und raus in die Natur, rennen, joggen, zügiges Gehen, aber nicht in Richtung der nächsten "Tränke". Alternativ aufs Fahrrad und anständig kurbeln.

    6.)
    Bei mir ganz nützlich, mich selbst innerlich zur Ordnung rufen, indem ich mir sage :"Halt! Stopp! Da stimmt was nicht, denn ich will saufen!"


    Suchtdruck dauerte bei mir nie stundenlang, sondern war meist binnen einer Stunde verflogen.

    Nur beim allerersten Mal wurde ich einen ganzen Nachmittag lang gleich mehrfach gepiesackt. Das war bislang jedoch ein Einzelfall.

    Soweit ich informiert bin, wurde bislang fast jeder abstinente Alki irgendwann mal von Suchtdruck heimgesucht. Bei mir vornehmlich dann, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher getrunken habe. Aber auch das legt sich mit der Zeit.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Ich halte es für falsch, den Alkohol zu dämonisieren.

    Der Alkohol tut mir nichts. Er ist passiv. Um ihn zu konsumieren, muss ganz alleine ich aktiv auf ihn zugehen.

    Millionen Menschen können mit ihm umgehen, ich halt nicht. Das kann ich jetzt schlecht finden, ändert aber nichts an der Diagnose. Und an die müssen sich Hirn und Körper erst mal gewöhnen.

    Der gelegentliche Gedanke an den Konsum liegt in unserem Hirn begründet, der mit dem Konsum halt schöne Dinge verknüpft, vornehmlich durch den Ausstoß des Glückshormons Dopamin.

    Bei mir meldet sich der sehr gelegentliche Druck, zuletzt Ende November 2018 (!) dann schon mal, wenn ich in Situationen komme, in denen ich früher gerne und viel getrunken habe. Mache ich mir das klar und greife zu meinen Gegenstrategien, läuft er ziemlich schnell ins Leere.

    In den ersten Monaten meiner Abstinenz habe ich den Alkohol auch mal verteufelt, lag damit aber falsch. Er ist mir mittlerweile egal. Wer ihn trinken möchte, bitte schön. Ist jedoch nichts mehr für mich.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Ich war nach 5 Monaten Abstinenz das erste Mal wieder im Urlaub. Allerdings in einer Ferienwohnung und keinem AI Hotel.

    Ein Urlaub ist eine Frage der Vorbereitung. Stell dich darauf ein, dass sich gelegentlich das Suchtgedächtnis melden kann und welche Gegenstrategie dir zur Verfügung steht. Dann wirst Du wenigstens im Fall der Fälle nicht auf dem falschen Fuß erwischt.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    ist denn deine Hausärztin Suchtmedizinerin und/oder kennt sich gut mit Alkoholismus aus?
    Evtl. kann dir auch in diesem Fall die Suchtberatung helfen, einen Arzt zu finden, der entsprechend spezialisiert ist. Aber ich weiß natürlich auch nicht, ob das so viel schneller gehen würde ....

    Hallo!

    Camina hat die Sache auf den Punkt gebracht. Leider sind viele Hausärzte keine Experten in Fragen Alkoholismus und gehen da lieber auf Nummer sicher und das heißt Klinik. Aber auch da gibt's gravierende Unterschiede, von 'ner üblen Absteige bis hin zur einer gescheiten Klinik.

    Ich habe seinerzeit kalt entzogen und hatte überhaupt keine Probleme. Ganz im Gegenteil, je nüchterner ich wurde, um so besser ging es mir.

    Allerdings hatte ich meinen Ausstieg vorbereitet und die letzte Woche zuvor nur noch max. 3-4 Flaschen Bier und am letzten Tag noch ein halbes Wasserglas Obstler getrzunken. Am ersten Tag ging es morgens ins Fitnesstudio, mich mal austoben und nachmittags noch gut 2 Stunden aufs Fahrrad. Abends war ich so kaputt und schlief tief und fest. Auch an den nächsten Tagen trieb ich viel Sport und merkte, dass ich sogleich viel leistungsfähiger war, als zuvor. Es war eine Art Befreiungssignal für meinen Körper, dass ich nicht mehr trank. Meine mir selbst auferlegten Fesseln hatte ich abgelegt.

    Aber ich bin beileibe kein Paradebeispiel, allenfalls eine Ausnahme. Daher rate ich grundsätzlich allen davon ab, es wie ich zu machen. Das Thema Krampfanfall ist 'ne ganz üble und lebensgefährliche Kiste. Daher wende dich an einen erfahrenen Suchtmediziner. Namen und Adresse gibt es sicherlich bei der Suchtberatung.

    Bleib am Ball, es lohnt sich.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Manche brauchen halt mehrere Anläufe, bis es mit der Abstinenz klappt. Ich kennen jemand, der war 3x stationär weg bis es endlich in seinem Kopf Klick gemacht hat.

    Du bist beileibe keine Einzelfall.

    Ich kenne dich nicht, daher kann und möchte ich keine Ratschläge erteilen.

    Ich war erst in der Lage mich vom Alkohol zu lösen, als ich meiner Abstinenz absolute Priorität im Leben eingeräumt habe und bereit war, ihr alles, aber wirklich alles unterzuordnen.

    Wichtig war, mich von dem Gedanken zu verabschieden, es ginge doch noch irgendwann mal was mit dem Alkohol. Nämlich zu erkennen, das Alkoholismus wie eine Einbahnstraße verläuft. Es gibt kein zurück in ein früheres Stadium.

    Solange dieser dämliche Gedanke irgendwo im Hinterstübchen umher schwirrt, wird es schwer mit der Abstinenz. Denn dieser Gedanke legt den Nährboden für den Rückfall, so meine Sicht der Dinge.

    Ich habe mir in den ersten Monaten jeden Morgen nach dem Aufwachen geschworen: Heute trinkst Du nichts.

    Und was hilft? So lapidar es klingt: Das erste Glas stehen lassen.

    Kommt der Saufdruck, dann haben mir die alt bekannten Mittel geholfen:

    Viel Wasser. Habe ich keinen Durst, will ich auch kein Bier.

    Sofortiger Ortswechsel und raus aus der riskanten Situation.

    Rasche Befassung mit Dingen, die mir Freude machen.


    Ich bin jetzt im fünften Jahr unfallfrei unterwegs. Ich hoffe, es bleibt dabei.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    @anno: Über die Fragestellung bin ich überrascht, da Du doch weiter trinken willst. Was soll sich bei jemand ändern, der weiterhin an der Pulle hängt? Das erschließt sich mir nicht. ;)

    Jeder Mensch reagiert verschieden, daher gibt es keine Garantie, welche Werte sich wann genau bessern.

    Als das Gift endlich komplett raus war, ging es mir im Zeitraffer besser und zwar in allen Punkten. Besserer Schlaf, bessere Verdauung, fitter am Morgen, verträglicher am Tag, leistungsfähiger im Sport und auf der Arbeit.

    Mach doch einfach mal den Selbsttest, lass das Dreckzeug mal für 6 Monate außen vor und urteile dann selbst.

    Das zunehmende Verlangen nach Süßkram stimmt, das ist ein längerer Prozess bis der sich wieder legt. Ist aber auch klar:

    Vereinfacht gesagt, baut der Körper den Alkohol nun mal erst in Zucker um. Unser Körper ist daher auf Zucker geeicht und verlangt nach ihm, wenn schon nicht im Original (Alkohol), dann halt anderweitig (Schoko, Kekse, Kuchen, Gummibärchen...)

    Für ein ärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom und Depression erhält man nach dem SGB
    alleine 30 Grad.

    Je nach Fall sind auch deutlich mehr % drin. Nur wird bei einer zunächst erfolgten Einstufung von mindestens 50% eine 2-jährige Heilbewährung abgewartet, bis die Behörde zum kalten Schlag ausholt und gerne auf 30% rückstuft.

    Und der Unterschied zwischen beiden Werten ist um ein Vielfaches größer, als die nackte Zahl 20 es erst mal vermuten lässt.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo!

    Ich kann nicht beurteilen, ob Du schon "abhängig" unterwegs bist oder nur zu riskant säufst.

    Bist Du abhängig, dann machst Du einiges verkehrt. Da hätte dann Greenfox Recht.

    Bist Du nur riskant unterwegs, dann ist sind regelmäßige Pausen bei ansonsten moderatem Konsum ein guter Weg. Vielleicht kannst Du ja deinen Konsum in geordnete Bahnen lenken.

    Mit meinem Wissen von heute würde ich das Rad der Zeit für mich um gut 25 Jahre zurückdrehen und dann wie folgt trinken: Nur freitags und samstags ein paar Bierchen. Mehr nicht. Vielleicht ist das ja ein Weg für dich. Käme auf einen Versuch an.

    Gruß
    Rekonvaleszent, der diesen Vorschlag nicht mehr umsetzen kann, weil er den "point of no return" schon seit über 20 Jahren überschritten hat.

    Das hier ist irgendwie grad nur Geschwafel, aber ich wollte es einfach dalassen und mich melden.

    Hallo!

    Nein, ist es nicht. Es sind deine Gefühle und deine Sichtweise auf geschehene Dinge. Ich war auch jahrelang kein gutes Vorbild für meinen Nachwuchs. Zum Glück hat der mit dem Alkohol gar nichts am Hut. Ich hoffe, es bleibt dabei.

    Es ist absolut ok, dass Du hier deinen Frust lässt, dann ist schon mal Dampf aus dem Kessel. Alles besser, als zur Flasche zu greifen.

    Du stehst noch ganz am Anfang. Da gilt es Schritt für Schritt zu gehen.

    Gruß
    Rekonvaleszent


    Wie sieht es bei euch aus? Stellt ihr euch auch die Frage nach dem „Warum“?

    Das habe ich getan. Den einen Grund, weshalb ich in die Sucht abglitt, gibt es nicht. Es ist wie fast immer im Leben, ein bunter Strauß von einzelnen Faktoren, die in ihrer Zusammenschau zu dem Ergebnis des Suffs führten.

    Ich war überrascht wie viel ich aus einzelnen Schildderungen betroffener Süchtiger für mich herausfiltern konnte. Da gab es häufig Parallelen.

    Für mich war diese Herausarbeitung von Ursachen wichtig für das Verständnis meiner Abhängigkeit, warum ich so geworden bin.

    Daher kann ich nur raten, sich ebenfalls auf die Suche nach den Ursachen zu begeben.

    Wenn Einzelne meinen, sie hätten auch so alles im Griff, dann ist das halt ihr persönlicher Weg, der nicht der meine ist. Bleiben sie clean, machen sie für sich alles richtig.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Nun habe ich endlich das mit dem Zitieren rausbekommen, allerdings ist das etwas mühselig anfangs ;)

    Du Glückliche. Ich kann nur en bloc zitieren und dann was streichen. Alles andere ist mir zu hoch. Damit bin ich hoffnungslos überfordert. Und `'ne Betriebsanleitung (am besten mit Bildern) finde ich auch nicht.

    Du hast es klasse gemacht, gleich um einen "besseren" Berater zu bitten. Die Chemie muss schon halbwegs stimmen. Fehlen das Vertrauen und Symphatie kann man das diffizile Thema gleich vergessen.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Na ganz einfach: Sie ist aus Therapeutensicht geschrieben. Der Sprachstil ist nicht locker, man muss die Zeilen wie in einem Fachlehrbuch langsam lesen, die Kapitel sind langatmig gehalten. Daher handelt es sich nicht um einfache, sondern um eine sehr schwere Kost.

    Der Neueinsteiger benötigt m.E. erst mal ein knappes, verständlich geschriebenes Werk, das ihn/sie wie ein guter Krimi fesselt und ergreift. So meine bescheidene Meinung.

    Daher rate ich Anfängern erst mal zum Borowiak.

    Mit der Fibel kann später eine wissenschaftlich anmutende Vertiefung erfolgen.

    Gruß
    Rekonvaleszent

    Hallo Rina!

    Die Menschen sind halt verschieden. Ich habe Leute kennen gelernt, die erst nach der dritten Langzeittherapie den Dreh raus hatten.

    Auch dir rate ich zu Fachliteratur, in diesem Fall zu Werken, die von trockenen Alkoholikern über ihren Ausstieg geschrieben wurden. Die können dich vielleicht motivieren. Fang mal mit ALK von Borowiak an, einfach herrlich locker geschrieben.

    Gruß
    Rekonvaleszent