Beiträge von wolfsfrau

    Liebe Glühwürmchen,

    ... ich auch nochmal ... ;) - weil Du wirklich um Rückmeldung fragst, aktuell verwirrt bist.

    Ich schreib's jetzt nicht "schön", weil ich sein gesamtes Verhalten auch nicht schön finde.
    Da gibt es nichts zu beschönigen. Er ist süchtig, heißt emotional abgekoppelt, selbstsüchtig,
    seelisch leb-los, er saugt Dich und Deine Lebendigkeit aus, wie eine Suchtsubstanz.
    (Und möglicherweise weckt sein desolater Zustand in Dir den Impuls, ihn zu "heben"/retten?)

    Das hier sagt alles über seine eigene innere Leere (abgestumpftes Gefühlsleben):


    Gestern hat er mir gesagt, dass er nur in der Zeit die wir uns sehen Leben tanken kann...
    ja ok...aber zu welchem Preis...

    Er bezieht Deine innere Echtheit und Deine sichtbaren Gefühle GRATIS und passiv.
    Er tankt. Aber nicht das Leben, er konsumiert fremde (Deine) Lebendigkeit.
    Oder Dich (z.B. Sex). - Es ist aus meiner Sicht traurig und völlig rücksichtslos, egal
    wie unbewusst, dass er Dich benutzt, statt an seiner eigenen Lebendigkeit Interesse
    zu haben. (Und dafür was zu TUN. Allein. Eigene Interessen, z.B. an seinem Zustand.)



    er macht verkrampft auf cool und lässig wenn wir uns sehen....
    er ist nicht greifbar für mich...ich weiß langsam nicht mehr was ich glauben soll...

    ... weil keine eigene Energie/Lebenskraft in ihm wirkt. Für mich klingt das alles
    nach Ersatz für echte Gefühle, Impulse. Als wäre er entlebt, und es gehen nur noch feste
    Abläufe (z.B. Sex), aber kein echtes Einstellen auf Dich, Mitfühlen, Nachfragen, Schauen.
    Ich bleibe bei meinem Gefühl, dass er nur "nehmen" kann, weil in ihm niemand wach ist.



    Gestern machte er nach dem Wochenende einen eher verwahrlosten Eindruck...
    unreine Haut, nicht rasiert, müde, abgeschlagen, rote Nase aber keine Fahne...

    ... das klingt für mich ebenfalls wie ent-lebt, "dicht", auch sehr fern von sich selbst.



    Und er scheint meinen Ex ausspioniert zu haben...
    Er war in meiner Heimatstadt...
    er war in meiner Lieblingsstadt....
    er schaut genau die Filme die ich mir anschaue...
    er hört meine Lieblingslieder...

    ... damit bin ich wieder beim ersten Gedanken: Er "nimmt sich Dein Leben her", lässt sich
    in Deinen Bahnen mittreiben, konsumiert Schritte, Richtung und Ziele, die Du hast, er nicht!



    und er fragt mich ständig ob ich was mit anderen Männern unternehme...
    ich glaube er hat ein ganz verklärtes Bild....ist das typisch?

    ... nicht verklärt (allein), eher: abhängig. Deine Lebendigkeit ist der Tropf, an dem er hängt.
    Ich frage mich warum. Da schimmert nirgendwo ein Minimum an echtem Wachsein für Dich
    durch. Es ist alles ein "Mit-Erleben" aus zweiter Hand, für das er nichts zurück gibt. Außer Dich
    mit seiner passiven Abhängigkeit festzuhalten. Oder mit Schmeicheleien (besoffene Nachrichten).

    Für ihn bist Du eine nachwachsende Konserve, die er sich bislang ohne nennenswerte Wider-
    stände von Dir sichern kann. Er überhöht Dich vielleicht sogar, aber er "sieht" Dich nicht als
    eigenen Menschen, er führt sich nur Deine Persönlichkeit zu, ohne was von sich zu geben.

    Das klingt richtig fies, und ich frage mich, woher ich diese Deutlichkeit nehme, so ohne viel
    Rücksicht (auf ihn). Ich möchte Dir glaube ich deutlich machen, wie wenig es um Dich geht.
    Vielleicht ist es auf diesem Weg einfacher, das Interesse an diesem komischen Geflecht zu
    verlieren, in dem Du wirklich nichts Nährendes gewinnst. (Außer der Wichtigkeit, die jede
    andere Substanz auch für ihn haben könnte.) Und ich schreibe das nicht herzlos (für Dich)!

    - möglicherweise bitte ich später noch um Löschung dieses Beitrags, aber erstmal musste
    er raus ... u.a. weil auch ich ein Helfer-Gen in mir trage. Aber für die, die leben wollen! :)

    P.S.
    (Das stimmt nicht ganz: Auch ich bin von fremder Passivität und meiner völlig überschätzten
    Kraft noch sehr oft beeindruckt. Dann "helfe" und orte/suche/analysiere ich so lange, bis
    mein Tank leer ist. Aus diesem Grund gehen mir Themen wie Deines so nah.)


    Was ich sagen will: Lass Dich nicht so aufbrauchen! :engel:

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Glühwürmchen, :)

    das hier klingt für mich ziemlich vertraut, ist auf alle Themen anwendbar:


    P.s.: er meinte noch so salopp: in meinem einen Kellerraum ist alles voller Alkohol
    und in dem anderen sind die leeren Flaschen....(als Witz...?!?)

    Du bekommst "salopp" die Wahrheit präsentiert, soll ja keiner sagen, Du wüsstest nicht,
    worauf Du Dich eingelassen hast ... - und darfst wählen: Will ich es wissen (ernst nehmen)
    oder nicht (verdrängen)? Damit hat er nichts weiter getan, als DIR den Ball zuzuspielen.
    DEINE Verantwortung, was Du jetzt damit machst. Er ist aus dem Schneider. Du sitzt jetzt
    da mit Deinen neu aktivierten Wünschen ("möge es doch gut sein") und bist am kämpfen.

    Läuft doch gut für ihn?

    Ich schließe mich allem an, was Gerchla Dir zu Deinem eigenen Wohlergehen rät: Weg da.
    Nicht neu einfangen lassen, auch nicht von den eigenen Wünschen und verletzten Träumen.
    Diesen Mechanismus auszulösen, ist so leicht, s. sein Witz. - Trau DIR, nicht ihm, für Deine
    Belange und Dein Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit. Ist er für Dich vertrauenswürdig?
    Aufrichtig in seiner Selbsteinschätzung und in verlässlichem (!) Handeln? - Ich finde nicht.

    Liebe Grüße, ich hoffe, das war nicht zu direkt.
    Wolfsfrau


    Kindeswohlgefährdung

    Zu diesem Punkt kann ich selbst leider gar nichts beitragen.

    Mir fällt nur das ganz Praktische ein: Fahren unter Alkohol, Kinder mit im Auto.
    Dazu hatten wir glaube ich mal einen Faden, ob man dann den eigenen Partner
    bei der Polizei melden soll ... Vielleicht kann Dir dazu jemand was sagen. Ich
    bekomme das nicht mehr zusammen.


    ... und in eigener Sache noch kurz:
    Ich schreibe zwar viel über die Folgen meines Aufwachsens mit elterlicher Sucht.
    Dennoch bin ich aber "durchgekommen" und habe dann eben einen etwas anderen
    Weg, Suche nach eigener Heilung eingeschlossen, genommen. Ich bereue den nicht,
    er hat mir vieles geschenkt, was andere, die "glatt durchgehen", nie bewusst erleben.
    = soll heißen: Ich schreibe so offen ich kann, aber ohne jede gefühlte Anklage. :)

    Druck machst Du Dir wirklich selbst schon genug. :blumen2:

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo VIT,

    Danke für Deine ausführliche Antwort auf meine Fragen/Gedanken. :)

    Mir fiel noch ein, dass hier mal ein Programm (CRAFT) genannt wurde,
    mit dem Angehörige das Alkoholthema Ihres Partners anders begleiten
    können, als mit der oft empfohlenen klaren Abgrenzung (Distanzierung).

    Ein Beitrag dazu steht hier:
    https://alkoholforum.de//index.php?top…g27794#msg27794

    Und mit der Such-Funktion im Forum sowie bei Google findest Du mehr.


    Du bekommst hier viel Input. Vielleich ist es gut, gerade deshalb langsam
    zu bleiben. Nicht gleich Antworten von sich selbst erwarten, auch kein
    "richtig" sein oder sofort "richtige Lösungen" finden. - Das kommt alles
    mit zunehmender innerer Ordnung. Du beginnst ja gerade erst, das alles
    anzufassen. Und es braucht auch Kraft, Verstandenes zu verarbeiten.

    Ich wünsche Dir den Mut, Kraft und immer wieder auch die nötige Ruhe,
    allem zu begegnen. Und ich finde es gut, dass Du Dich für Deine Kinder
    stark machst.

    :sun:

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo VIT,

    ich schreibe mal vom anderen Lager (erwachsene Tochter aus alkoholkrankem
    Elternhaus). Deine Geschichte berührt mich sehr, weil zu spüren ist, wie Du kämpfst.

    Es liest sich fast so, als müsstest Du zwei Spannungsbögen auflösen:
    - in der Beziehung liegt etwas im Argen, Deine Frau hat nicht dieselben Gefühle dafür wie Du (?)
    - der Alkohol, möglicherweise schon die Sucht, beeinträchtigt Eure Kommunikationsfähigkeit

    Und bei mir entsteht der Eindruck, Du stündest jetzt mit Werkzeug bereit, um Dich durch
    beide hindurch zu arbeiten: Erstmal das Alkoholthema irgendwie einfangen, "damit" dann
    auch die Beziehung - mit der aktuell auch etwas nicht stimmt - irgendwie gangbar gemacht
    werden kann ... (?)

    Das erscheint mir ganz schön viel "Aufgabe" für Dich, rein schon beim Lesen schlauchend.

    Deshalb eine Frage, weil ich juristisch und ehe-mäßig völliger Laie bin:


    Wir beide haben eine Verantwortung für die Kinder! Und da muss man sich in schwierigen Zeiten
    auch mal zusammen reißen und nicht gleich auseinanderrennen.

    Warum sollten sich zwei (unterschiedlich) belastete und aktuell eher überforderte Menschen
    zwingen, "etwas Gemeinsames" am Laufen zu halten, nur damit die Struktur steht? Wie echt
    wäre das Gebilde, wie echt wäret ihr als Eltern?

    Anmerkung: Ich bin zwischen zwei perfekt funktionierenden (Alltag und Abläufe betreffend)
    Eltern aufgewachsen und wusste bis ich 30 Jahre alt war nicht, dass "Beziehung" etwas anderes
    bedeutet, als in jedem Moment das Erwartete zu sagen. Entsprechenden Entwicklungsbedarf
    habe ich in mein eigenes Leben mitgenommen. Wichtiger als Kontinuität ohne innere Wärme
    ist Authentizität. Das könnten auch getrennt lebende Elternteile sein, die aufgrund des nicht
    mehr bestehenden Zwangs, "es" hinzubekommen, viel befreiter und zugänglicher sind.



    Tja...was will ich? Ich lebe das oben genannte Motto. Ich würde alles für meine Kinder tun.

    Geht es in dem Punkt wirklich um die Kinder? Oder geht es um ein Festhalten an der bisherigen
    Struktur als Familie, mit den gewohnten Plätzen für alle? - Gerade weil ich Familien-Flüchtling bin,
    steht Individualität und die damit verbundene tiefst mögliche Ehrlichkeit einander gegenüber, für
    mich an erster Stelle. Das haben mir meine Eltern nicht vorleben können, sie waren zu verstrickt.
    Ich habe das Gefälle sehr wohl mitbekommen, zwischen Ansprüchen meines Vaters und der Flucht
    meiner Mutter (Alkohol). In mir hat das Spannung hinterlassen, bedrohte Loyalität zu beiden. Ich
    hatte zeitlebens in jeder Form von Gemeinschaft Mühe, mich verbunden zu fühlen, weil ich meine
    eigenen Gefühle, Gedanken, Urteilskraft und die Erlaubnis zu einem eigenen Standpunkt nie als
    "normal" in mir entwickeln konnte. Bei uns waren freie Worte und ehrliche Gefühle nicht mitteilbar.



    Mittlerweile geht es aber an die Substanz. Körperlich als auch psychisch ist es belastend.
    Aber ein Aufgeben ist für mich (derzeit) Verrat an meinen Kindern!

    Das kann ich aus eigener Erfahrung (Co-Abhängigkeit) absolut nachfühlen, gerade aktuell wieder.
    Wenn ich will, dass etwas "hält", geschützt bleibt, gut läuft, und sonst setzt sich keiner dafür ein,
    dann iST das eine uferlose Überforderung der eigenen Kräfte. Zusätzlich zum eigenen Schmerz um
    das, was gerade gefährdet ist.

    Ich hoffe, dass ich Dir mit keiner Überlegung oder Frage auf die Füße trete. Das ist nicht meine
    Absicht.

    Ich finde es gut, dass Du für Dich selbst schon Anlaufstellen gefunden hast. Und statt beim Ziel
    (alles erhalten) anzusetzen, würde ich Dir eher raten wollen, bei Rückhalt für Dich selbst anzusetzen.
    Es gibt Selbsthilfegruppen, wo über Alkohol, die typischen Begleiterscheinungen für die Co-Familie
    und die Möglichkeiten, trotzdem seelisch gesund dadurch zu finden, gesprochen wird. Und vielleicht
    gewinnst Du aus Austausch und ähnlichen Erfahrungen anderer völlig neue Ideen, wie Du INNERHALB
    Deiner Grenzen MIT dem Wunsch, weiterhin für die Kinder da zu sein, eigene Wege anbieten kannst?
    (Statt abzuwarten und darüber mürbe zu werden.)

    Viel Kraft und alles Gute beim Sortieren Deiner Lage, das wünsche ich Dir.
    (Was für Dich nicht passt, gern liegen lassen. ;) )

    Wolfsfrau


    Ich habe gerade Schluss gemacht, ich bin hingefahren und habe es ihm persönlich gesagt
    ...ohne Schuldzuweisungen (...) Ich hoffe ich habe es richtig gemacht.


    Hallo Glühwürmchen,

    vor allem hast Du es für Dich selbst gemacht, und damit ist es immer richtig! :blumen2:
    So wie Du Deine Entscheidungen triffst, trifft auch dieser Mann seine eigenen.
    Ob er sich fürs Trinken auf äußere Gründe beruft, ist eine davon.

    Du bist nur für Deine eigenen Worte verantwortlich, und ohne Schuldzuweisungen
    zu sprechen, obwohl Du selbst ziemlich verletzt bist, ist schon ziemlich fair, finde ich. :)

    Viel Kraft wünsche ich Dir, jetzt erstmal in Ruhe zu verarbeiten,
    und liebe Grüße dazu,

    Wolfsfrau

    Hallo Glühwürmchen,

    noch zu Deiner Frage:


    Kennt ihr das, dass euch in einer Sekunde total bewusst ist, ja er ist Alkoholiker
    und in der nächsten denkt ihr...ach Quatsch das sind bestimmt Zufälle?!!
    Geht das nur mir so?!

    Ich kann aus eigenem Erleben nur beisteuern, dass ich diese Ungläubigkeit, meiner
    Wahrnehmung ("etwas reicht mir nicht", "ich komme hier zu kurz", "etwas tut weh")
    gegenüber, durchaus kenne.

    Vorzugsweise kurz vor der Trennung (durch mich). Ich habe dann Runde (Treffen) um
    Runde (Treffen) gebraucht, immer wieder ins Gesicht meines Partners geguckt, konnte
    das nicht mit seiner emotionalen Distanz und meinem Schmerz "zusammen bringen".

    Ich "sah" immer noch das Gesicht, dem ich so gern vertrauen wollte. Und dahin passte
    das andere, seine Abwesenheit, Lieblosigkeit, die anstrengenden Rückzüge, einfach nicht.
    Die wollte ich nicht haben. Das Fachwort dafür heißt "Leugnen".

    Eine Weile lang bin ich immer wieder gegen meine Wahrnehmung angetreten, weil ich den
    Traum nicht aufgeben wollte. Und irgendwann zwang mich die innere Erschöpfung und auch
    der Frust dazu, auf meiner Seite einen Riegel vorzuschieben. Dann erst konnte ich gehen.

    Ich hatte auch mal so ein Verhältnis (Alkoholiker, aber ohne Hotel). Ich war einfach zu jung,
    mitzubekommen, dass er trank und ich eine fröhliche, anspruchslose Zugabe zu seinem Leben
    war. Er zelebrierte guten Whiskey in einem Urlaub und ich hielt ihn für so weltgewandt. (Stell
    Dir ein knallrotes Gesicht vor, wenn ich jetzt meine Naivität sehe.) Er war Dozent und überhaupt.
    So viel älter als ich (wie bei Euch), also musste ich ja .. toll (??) .. sein ... (nochmal rotes Gesicht).

    Mit der Nummer bist Du also nicht allein. ;D

    Liebe Grüße und allzeit einen aufrechten Gang!

    Wolfsfrau

    nochmals Hallo, Glühwürmchen, :)

    ... weil ich es gerade noch fand:


    ...es tut mir weh und ich will ihn eigentlich nicht verletzen...
    aber dieses Spiel kann ich nicht mitspielen...

    44.


    ... ich möchte gern ergänzen: Nicht DU verletzt ihn, das macht er schon selbst.
    Indem er sich mit seinen Problemen NICHT für sich selbst einsetzt, sondern sie
    vertagt oder Dir über den Tisch schiebt: Schau, ich bete Dich an. - Genau wie Du
    sagst: Du hast also die Power ... (in Klammern: Mach ... rette mich.)

    Das ist emotionale Ausbeutung, solange er keinen Finger in eigener Sache rührt.
    (Und es mag unbewusst sein, das spielt für Deine Unversehrtheit aber keine Rolle.)

    Super, wie klar Du bist. Es tut ja auch wirklich weh, einen Traum oder ein Potential
    loszulassen. Ich möchte Dich ermutigen, auf Dein Bauchgefühl und die spürbaren
    Grenzen zu vertrauen. Ich glaube, Du erfasst das alles schon ziemlich genau.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Glühwürmchen, :)

    ich bin Angehörige (erwachsene Tochter) und musste mich mit meiner eigenen
    Machtlosigkeit gegenüber fremder Sucht (Eltern) ausgiebig anfreunden. Das dauert.

    Da Du hier vielleicht noch Sorgen zu Deiner eigenen "Beteiligung" an seinem Konsum
    bzw. seinen Schwierigkeiten hast, möchte ich kurz dazu teilen:


    Was ich noch hinzufügen sollte, er erwähnte mal, dass er seit er mich kennt wieder mehr trinkt.
    Ich trinke in seiner Gegenwart nichts....

    Das deutet eher darauf hin, dass für ihn Beziehung leben (Nähe/Distanz/was immer) ein Thema
    ist, das ihn möglicherweise an eigene Grenzen bringt. Er hat Dich ausgewählt. Auch das hat eher
    mit ihm zu tun. (Solltest Du ob gewollt oder nicht Auslöser für seine eigenen alten Muster sein.)



    Er hat auch Potenzprobleme und schiebt es auf eine Blockade im Kopf...mit „ kleinen Pillen“
    ist diese Sperre dann weg... Bin ich schuld an seiner Situation im Moment?

    ... von mir ein klares "Nein". Egal, ob seine Probleme durch die gelebte Beziehung entstehen
    oder erst dadurch neu ausgelöst sind. Er ist Herr im eigenen Haus und man kann kommunizieren,
    um für sich Lösungen zu erreichen.



    ...das er sich mir anvertraut hat, hat mich ganz schön überfordert...

    Ich denke, hier liegt der Hund begraben. Er zeigt Dir seine Überforderung (> Alkohol nötig),
    und damit stehen unbemerkt gleich eine ganze Reihe Schuhe vor Deiner Haustür für Dich
    bereit, die Du Dir anziehen könntest ... - es sind aber Männerschuhe!

    Mir scheint, jetzt suchst Du Verantwortlichkeit bei Dir. Oder bist ganz unnötigerweise bereit,
    einen eigenen Preis für seine Sucht zu bezahlen (Mitschuld, noch ungenutzte Kräfte für ihn,
    Verbesserungswünsche an Dich selbst, o.a.). Das sind alles kleine Vermutungen ins Blaue,
    ich lege nur offen, was ich auf meinem Weg dazu gelernt habe.

    Genau genommen sollte Dein (Ex) Freund sich seine Themen zu Herzen nehmen, sie sich
    erlauben, und dann Hilfe dazu aufsuchen. Zuerst für das Alkoholthema, und nüchtern dann
    für alles, was in seinem eigenen Leben, einschließlich Beziehung, zu Schwierigkeiten führt.

    - ... und Du bist völlig raus aus seinem Kampf - :blumen2:


    Mitgefühl ist ein ehrliches Gefühl, das darf aber abgegrenzt von jeglicher Schuld bestehen.
    (So schlau war ich nie, diese Sicht verdanke ich meinem eigenen Therapeuten.) ;)


    Liebe Grüße und gute Kraft für alles Eigene,

    Wolfsfrau

    Hallo kurminusch,

    auch von mir Herzlich Willkommen hier im Forum! :)

    ich habe gerade Deinen Beitrag gelesen und möchte Dich ermutigen,
    einfach mit Deinem Thema oder Frage zu beginnen. Das geht sicherlich
    auch anonymisiert - ohne Alter, Ort, genauen Familienstand, oder andere
    Merkmale, die Du lieber geschützt wissen willst.

    Wenn Du mit dem Einfachsten beginnst, ergibt sich der Austausch sicher
    von selbst, entlang der nur für Dich wichtigen Merkmale der Situation.
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Entlastung findest.

    Liebe Grüße
    von einer anderen Angehörigen (erwachsene Tochter).

    Wolfsfrau

    Hallo Angehöriger,

    Willkommen hier im Forum. :)

    Zu Deiner Frage: Ich habe bei Al-Anon (Gruppe für Angehörige von Alkoholikern)
    gelernt, dass es KEINEN Sinn macht, das Trinken zu thematisieren, wenn das
    Gegenüber betrunken ist. Außer, um damit zu begründen, dass man selbst in
    diesem Moment nicht (weiter) diskutieren möchte.

    Der Süchtige "lernt" nicht "besser", was sein Problem ist, indem man es wieder-
    holt.

    Dass er/sie ein Problem hat, muss ihm/ihr selbst aufgehen.

    Dazu kann man beitragen, indem man sagt: ICH kann damit nicht länger umgehen.
    Und wenn man so weit noch nicht ist, wenigstens gut für sich selbst (mental) sorgen,
    z.B. indem Du eine Selbsthilfegruppe besuchst, um zu erleben, dass an Deiner Situation
    nichts völlig "seltsam" oder unnormal (leider) ist.

    Eine Frage noch: Schreibst Du hier, weil Du wissen willst, wie der Weg zur Trockenheit
    am besten zu ebnen ist? Machst Du es zu Deiner Aufgabe, weil Du ja noch klar denken
    kannst? (Dein Gegenüber nicht, durch die Sucht?) - Falls das so sein sollte, spricht auch
    das für einen fachlicheren Austausch mit anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppe).
    (Ich schreibe "fachlich", weil die Sucht in immer gleicher Weise auch das Umfeld trifft
    und Abläufe, Zuständigkeiten, Gefühle, Ausdrucksfreiheit und vieles mehr "verschiebt".
    Das muss man als Angehöriger erstmal durchschauen, sonst gerät man ins Hamsterrad.)

    Soweit meine ersten Ideen zu Deiner Frage, ich schreibe als Erwachsene Tochter aus
    alkohol-betroffener Familie.

    Ich fänd's nett, wenn Du Dich vorstellst. Dann können wir hier viel besser auf Deine
    Situation eingehen.

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Glitzerstern,

    kann es sein, dass Du beim Schreiben Deines Beitrags versehentlich
    im falschen Faden (diesem hier) unterwegs warst? ;) Ich kam eben
    wegen der zwei völlig verschiedenen Themen ins Grübeln ...

    Weiterhin viel Kraft beim Umsetzen Deines Wunsches (Trennung)!
    Schreib' unbedingt weiter, das schafft auch im Kopf etwas Raum.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Biene,


    Ich kann das nicht so schön prägnant ausdrücken wie Du ...

    ... doch, tust Du. Bei mir kommt glaube ich sehr gut an, was Du meinst. :)

    Der Denkfehler, den ich zu erkennen meine, liegt hier:

    Du bist weder "Schuld" daran, auf einmal nicht mehr so locker und interessant zu sein.
    Frust und Trauer, Resignation, Verzagtheit sind sehr gesunde Reaktionen auf Aushungern
    von außen.

    Sie als Zeichen zu DEINEN Gunsten zu lesen, könnte ein Ausweg aus dem Dilemma sein.
    Du könntest dann auf den Trichter kommen, dass DIR das nicht genügt, was der andere so
    anzubieten hat (bzw. verweigert).

    Noch hättest Du es in der Hand, dem anderen weiterhin (um welchen Preis?!) zu "gefallen".
    Woher die Kraft und das innere Leuchten nehmen, wenn es innen gar nicht froh und hell ist?
    Das wäre übermenschlich und ziemlich fatal für das eigene Seelengewand. (Selbstverleugnung)

    Als ich begann, mich mit dem inneren Kind und den eigenen Grenzen zu beschäftigen, fiel
    mir ein Buch von M. Beattie in die Hände. Der wichtigste Gedanke darin bzgl. Glaubwürdigkeit
    der eigenen Grenze, des Schmerzes und der ungestillten Bedürfnisse ging etwas so:

    "Jahrelang versuchte ich, den Alkoholiker davon zu überzeugen, WIE WEH MIR SEIN Verhalten
    tat." - ... es drehte sich im Kreis. Der andere hatte freie Wahl, ob er "zuhören" wollte oder
    nicht. Er wollte nicht, die Sucht war wichtiger. ("Stör mich nicht beim Trinken, indem Du mäkelst.")

    "Erst als ich MIR SELBST GLAUBTE, wie sehr mich sein Verhalten verletzte, konnte ich etwas
    zu meinen Gunsten verändern." - ... z.B. neu drauf schauen und feststellen: Reicht mir nicht.
    (Und es ernst meinen, statt sich selbst und die klar spürbaren Bedürfnisse in Zweifel zu ziehen.)

    Die vermeintliche Schuld auf sich zu nehmen, kann eine Umgehungsstraße sein, um der echten
    Erkenntnis nicht begegnen zu müssen, dass es weh tut, etwas Erträumtes aufgeben zu müssen.
    (Weil man daran zu Grunde gehen würde, wenn man bliebe. Während Gehen auch vernichtend
    sein kann.)

    Für heute lasse ich es jetzt gut sein, sonst verliere ich mich selbst im Helfen (Glänzen). Ich
    wünche uns beiden aber einen behaglichen Rest-Sonntag mit wachen Augen für Schönes. :)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo Biene67,

    Danke für Deinen Beitrag. Also, Dein Thema hat es auch für mich in sich:


    Genau das wurde mir dann vorgeworfen:
    Ich sei nicht mehr leicht und unbeschwert.

    Das hängt mir nun immer noch nach, also wieder das Schuldgefühl, nicht locker und entspannt zu sein.

    ... und nach allem, was ich - teils auch durch einen wirklich guten Therapeuten - gelernt habe,
    würde ich dieses ganze Ding mal säuberlich in der Mitte aufteilen:

    - ich bin resigniert, weil ich jemanden als nicht-vertrauenswürdig erlebe
    - der andere beschuldigt mich für die Spannung (blendet seinen Anteil aus)

    Genau so läuft es mit der Sucht für uns Co-Abhängige:

    - ICH leide unter der Sucht des anderen, seiner emotionalen nicht-Verfügbarkeit
    - Dieses Erleben wird vom anderen MIR zu geschrieben, meiner 'Schuld"/Verantwortung
    (Seine Sucht bleibt damit weiterhin vom Angucken ausgegrenzt, geleugnet)

    ... und knallhart gefolgert, hat der Süchtige sogar recht:
    Es liegt tatsächlich einzig an mir, ob ich mich SEINEN Schwankungen noch aussetze.

    Ich schreibe das nicht unbeteiligt, ich bin auch keineswegs da raus gewachsen.
    Meine Mutter trinkt nicht mehr, aber ihr Zug in die Isolation (allg. süchtige Tendenz)
    greift mich gerade sehr an, da ich Angst um sie habe, sie schon sehr zerbrechlich wirkt
    und ich eben deshalb gern VIEL KONTAKT zu ihr hätte.

    So bin ich wieder in meiner Co-Abhängigkeit angekommen: Austarieren, ob/wie sie ... kann.
    Was ich sagen darf, damit sie sich nicht wieder zurückzieht oder mich "blöd angeht" bei wirk-
    lich liebevollen Gefühlen oder Gesten.

    Ich bin mehr in ihrem Kopf unterwegs als in meinem eigenen! Und dann heißt es: Umkehren.
    Zurück zu mir! - Was brauche ich? - Klare eigene Grenzen (was ich mitmache, was nicht).
    Und dann bitte ich gerade meine höhere Kraftquelle um gute Worte, das auch zu vermitteln.

    ***

    Dass empathie-freie Ex-Partner mich an irgendeiner Stelle anstrengend fanden, habe ich
    lange der Liste meiner Mängel zugefügt. Das war weit vor meiner eigenen Heilung/Therapie.

    Es ist genau genommen eine Frechheit, jemandem zu signalisieren, er sei "zuviel". Niemand
    zwingt ein Gegenüber, bei mir zu bleiben. Es gibt kein "zuviel". Es gibt mich, und den anderen.
    Und wenn das für einen nicht passt, darf er sich retten, um "ganz" zu bleiben. Statt "weniger"
    zu werden, bis er für den anderen zurecht-geschrumpft, dafür komplett freudlos wird.

    Ganz liebe Grüße und Wünsche dafür, dass Du "ganz" bleibst,
    möchte ich Dir senden!

    Wolfsfrau

    Ich möchte mich anschließen ! 44.

    Allen, die dieses Forum am Laufen halten und hier viele eigene Erfahrungen
    an Neue weitergeben, dadurch Mut machen und Orientierung anbieten,
    mein herzliches "Danke". Auch an Dietmar, den ich jetzt nicht mehr selbst
    anschreiben kann.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau


    Dummheit, kaschiert mit angeblicher Lebenserfahrung

    ... habe ich hier im Forum unter den ernsthaft ihrer Genesung verpflichteten Mitgliedern
    nirgends entdecken können. Im übrigen zielt "Dummheit" auf eine Haltung, nicht auf das
    unterstellte Wissensdefizit selbst ab. Ich kann sehr intelligent wissen, dass ich nicht alles
    wissen muss. Dafür sind wir Viele und jeder trägt etwas bei. Das macht das Forum für mich
    so wertvoll!

    Und dafür möchte ich mich hier bei allen Schreibenden bedanken. Auch weil ich nicht
    selbst alkoholsüchtig bin, also noch viel mehr über die Hintergründe Eurer Sucht kennen
    lernen kann!

    Wolfsfrau

    Hallo, liebe maryann, :)

    ich bin (erwachsene) Tochter aus alkohol-krankem Elternhaus. Seit ich Selbsthilfe-
    gruppen für Angehörige (von Alkoholikern) besuche, durfte ich verstehen lernen:


    Was soll und kann ich gegen seine Sucht denn nur tun? Würde mich über Antworten sehr freuen.

    GAR NICHTS ist zu tun, "gegen" die Sucht eines anderen Menschen.
    Er ist sucht-krank, er braucht medizinisches/therapeutisches Personal.
    Und zu allererst den eigenen Wunsch, aus der Sucht wieder raus zu kommen.
    (Dafür muss er für sich selbst erfassen, dass er erkrankt ist, abhängig vom Alkohol.)

    Ohne seine eigene Krankheits-Einsicht lässt sich gar nichts an Deinem Status im Haus ändern.
    Er wird so lange dasselbe Verhalten (Missachtung, Verletzen, verbale Gewalt) an den Tag legen,
    wie er Alkohol konsumiert.

    - deshalb bleibt für Dich eigentlich nur der Blick auf die andere Halbkugel Deiner Welt:
    Wie kommst Du in ein gesünderes Umfeld? - Dazu: Infos einholen, Arztgespräch (Kur), ...
    Wie kannst Du für Dich Geld sicherstellen? - Infos einholen, Anwalt befragen, Beratungsstellen ...
    Was ist für eine räumliche Trennung vorzubereiten? - ...

    So verletzend und zerstörerisch es ist, was Du da im Moment noch mit machst, ... es hat mit
    ehelicher Treue Deinerseits nichts mehr zu tun. Du hast gar nichts mehr in der Hand, was in
    irgendeiner Art Gefühle von Rücksicht, Ausgleich, Augenhöhe o.a. in Deinem Mann erzeugen
    könnte. - Und das ist einzig SEINER Krankheit geschuldet. Das finde ich sehr wichtig, zu wissen.

    Sonst könntest Du aufgrund Deiner Erziehung (Werte, Moral) vielleicht denken, es liege an Dir,
    wie es ja auch ein gewaltbereiter Partner gern vermitteln will. (DAMIT Du Dir noch mehr Mühe
    gibst, ihn weniger ansprichst/forderst/nervst, so dass er ungestörter trinken kann.)

    Warte nicht auf eine Veränderung bei ihm. Und streng' Dich nicht weiter dafür an. Das möchte
    ich Dir am liebsten dazu sagen. - Sammel stattdessen Schritt für Schritt kleine Portionen Mut
    für Deine EIGENEN Fragen an Deine eigene Situation, Dein Bedürfnis nach Erholung, alle Dir
    einfallenden Möglichkeiten dazu ... Sobald Du einmal die Entscheidung zu treffen wagst: ICH
    muss hier weg, und zwar lebend, damit ich MEIN Leben - oder erstmal meine Wiederherstellung -
    überhaupt gedeihen lassen kann.

    Dieses Leben in der Wüste, im ständigen Verzicht auf Respekt, Wertschätzung, Wärme usw., ...
    das kann seltsam vertraut werden, weil man meint, man "beherrscht" es, weiß sich darin zu
    bewegen. - Es ist aber ein schleichender Abbau an der eigenen Seele, der völlig u n n ö t i g ist.

    Niemand, wirklich kein anderer Mensch, ist in der Lage, Dich für Dein Aushalten zu belohnen.
    Ich glaube, wenn man einmal für sich klar hat, dass da "nichts mehr" kommt, egal ob man
    Blumen gießend Kopfstand macht oder für einen Tag die bravste Frau der Welt ist ... DANN
    können die nötigen Energien für die eigenen Belange und für die längst überfällige Wut über
    so miese Behandlung überhaupt erst frei werden.

    Das ist ein ziemlich harter Brocken, denn er beinhaltet: Fühlen, dass etwas NICHT wird/geht.
    Dieses Nicht-Aufgehen anerkennen. Den Schmerz über die Enttäuschung und die vielen
    Kränkungen überhaupt und vielleicht zum ersten Mal wirklich fühlen. - Das ist für eine Frau
    allein vielleicht zuviel. Falls Du es Dir vorstellen kannst, würde ich überlegen, ob ich dafür
    mitfühlende, ermutigende, mich stärkende Hilfe an die Seite nehmen würde (Therapeut/in).

    Ich sende Dir mein Mitgefühl, dazu viel Mut, Dich zu allererst innerlich mal wirklich zu
    empören (über soviel Geringschätzung) ... und dann fernab des Trubels, z.B. bei einem
    aushäusigen Nachmittag irgendwo im Grünen, einfach mal Ideen kommen und ziehen zu
    lassen, ... ganz danach, was Du selbst gerade wünschst, brauchst, fürchtest, trotzdem willst.

    Herzliche Grüße für jetzt,
    von der Wolfsfrau

    Hallo Ginster, :)

    ich habe eben Deinen Beitrag gelesen. Erst einmal Herzlich Willkommen hier im Forum!
    :welcome:

    Was Du beschreibst, klingt nach einem Beziehungs-Thema. Und nach einem hohen Maß
    an Loyalität Deinerseits. Ich lese aus Deinen Fragen die eine Frage nach der Berechtigung,
    sich aus dem, was sich ungut und für Dich verletzend anfühlt, zu lösen?

    Ich schreibe Dir als Angehörige (Tochter) mit ähnlichen Entscheidungsschwierigkeiten in
    vielen meiner eigenen vergangenen Beziehungen. Es ging bei mir - wenn ich irgendwann
    einfach weg wollte - immer um die FRAGE (an wen eigentlich?): "Darf ich das, Gehen?"

    Dein Gefühl hat längst empfangen, wie es Dir bei Kontakt zu diesem Menschen geht:


    Durch ein bestimmtes Ereignis hatten wir vor ein paar Wochen doch noch einmal Kontakt,
    ich hatte ihn wieder am Telefon und das Gespräch war ziemlich furchtbar.


    Sein Kommunikationsstil scheint Dich in die Defensive zu treiben, es ist mühsam für Dich:


    er unterstellt mir und meiner "Szene" aber tausend Sachen, die überhaupt nicht stimmen, und
    bleibt auch bei seinen Vorurteilen, wenn ich mir den Mund fusselig rede (bzw. mir die Finger wund tippe).


    "Einsicht" oder echte Empathie in Deine Belange und Grenzen scheinen nicht gegeben. Anstelle
    klarer Belege dafür, die auch im Gefühl bei Dir ankommen würden, "ergänzt" Du im Kopf das Fehlende:


    Einerseits nehme ich ihm ab, dass er mich sehr gern hat (auch wenn wir uns nie persönlich begegnet sind),
    andererseits kommen/kamen von ihm sehr verletzende Äußerungen, die er im Nachhinein herunterspielt.

    Ist das bei der Krankheit normal?

    ... und suchst nach einem "Grund" (?), der sein Verhalten "erklären" (die Härte herausnehmen) könnte.
    Für mich liest sich auch das nach dem Versuch, es nicht auf sich beziehen zu müssen, obwohl es doch
    Dich verletzt und trifft. (Gründe völlig egal.)



    Ich frage mich, was ich tun soll.

    Für mich klingt dabei die Frage an, ob ich tun DARF, was ich tun WILL. Nämlich mich schützen.
    Und darauf läuft Deine innere Abwägung genau hinaus. Du siehst IHN fast mehr als Dich selbst:


    Einerseits fällt es mir schwer, eine Person am Ende ihres Lebens, die ich gernhabe, in die Wüste
    zu schicken, andererseits möchte ich mich selbst schützen und nicht ständig verletzt werden.

    Das Recht hast Du! Auch wenn vielfach gesagt wird, "Beziehung" (da seid ihr ja noch gar nicht)
    bedeute, "für den anderen" ... , kann sie nicht funktionieren, wenn dafür jemand dauerhaft oder
    wiederholt gegen sich selbst handeln müsste. Schmerzen ausblenden, Ärger runterschlucken,
    Bedürfnisse lahm legen (lassen) ... - DAS hat dann nichts mehr mit freier Loyalität zu tun, sondern
    nach mehr oder weniger in Kauf genommener Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber.

    Ich finde, wichtig ist - egal was Du tust - nur, dass diese Beziehung zu Dir selbst, Deinen Gefühlen
    und Belangen, nicht abstumpft. Das repariert Dir nämlich keiner, egal wieviele Opfer Du bringst.

    ... ebenso wenig, wie Deine Zuwendung die innere Beziehung dieses Menschen zu sich selbst
    reparieren könnte. (Auch wenn es schöner wäre, er käme dadurch in die Lage, selbst netter zu sein.)


    Erfahrungsgemäß bringt ein abgrenzender Brief - egal wie liebevoll geschrieben - bei jemandem,
    der sich Rettung/Wohlgefühl durch eine andere Person und ihre "Loyalität" verschaffen möchte,
    Ärger zum Vorschein. - Wichtig ist für Dich vielleicht eher, ihm das Recht auch lassen zu können?
    (Ärgerlich zu sein. Das ist seins, nichts Deins. Du kannst daran nichts zugleich verhindern.)

    Ich hoffe, das war jetzt alles nicht zu direkt, aber so waren meine Gedanken beim Lesen. :)

    Vielleicht ist etwas für Dich dabei, ... andernfalls lass es einfach liegen.

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau