Beiträge von wolfsfrau

    Guten Morgen, Stengel, :)


    (...) Deshalb ist meine Überzeugung, dass ich mit meinem inneren Einverständnis, ihn in dieses
    Verderben rennen zu lassen, meinen Sohn vollständig und unwiderruflich für immer verliere.

    Bedeutet Überzeugung: Urteil Deines Verstandes MIT Einverständnis des Gefühls?

    Ich kann mir das nicht vorstellen, dass es nicht weh tut. Trotz aller Wut und Machtlosigkeit,
    egal ob über die Sucht oder das beschriebene System. (Dein Eifer muss irgendwo her kommen.)

    Ich bleibe mal bei mir: In ärgsten Zeiten meiner Co-Abhängigkeit habe ich Infos einholen
    wollen, was ich tun kann, damit der Haushalt meiner Eltern nicht einfach zusammenbricht,
    also unbemerkt und dem eigenen Verfall überlassen. (Ich wusste nur, ICH will nicht kontrol-
    lieren. Ich kann gar nicht zurück ins Familiengetriebe, ohne mich wieder selbst zu verlieren.)

    Ergebnis: Das geht nicht, im vorhinein zu "sichern". Unser System greift erst bei aktivem
    Hilfegesuch des Betroffenen. Ich habe das schier kaum aushalten können, so gaaar nichts
    - wenigstens im Außen - für meine Eltern gesichert zu wissen (dass mal jemand guckt, ohne
    dass ICH mich persönlich in ihre Verstricktheit zurück spule).

    Mit dieser Wahrheit, dass wirklich nur SIE Schritte zu ihren Gunsten veranlassen können,
    muss(te) ich - täglich wieder neu - leben lernen.

    Noch eine Beobachtung: Meine Tante hat einen inzwischen wohl auch alkoholabhängigen
    Sohn (60 Jahre) im Haus wohnen, den sie abwechselnd braucht (Arztbesuche) und lästig
    findet. (Weil er von ihr und seiner Schwester finanziell mitgetragen wird, was Wut macht.)

    Ich habe irgendwo in mir selbst so einen Ärger aufsteigen, wenn ich mir die beiden Frauen
    vorstelle, wie es ihnen damit gehen muss, dass ich NICHT wirklich glauben kann, sie würden
    ihn NICHT sehr wohl gern sich selbst überlassen. Also, ich glaube: Sie würden ihn gern ...
    (UND ich fühle Ärger in der Position meines Cousins, "so" behandelt zu werden, ambivalent.)

    DAS darf man aber nicht wirklich fühlen (wollen), als "gute" Mutter, Schwester, Verwandte,
    Bekannte, ... - Und da beginnt das Fatale: Die eigene Wut vorenthalten, macht alles unehrlich.
    Der Süchtige spürt die Ablehnung, leugnet seine strukturelle Abhängigkeit (Geld, Wohlwollen),
    um sein Selbstbild halbwegs in Takt zu halten ... und gerät immer weiter weg von seinem Gefühl.
    Mein Cousin ist inzwischen völlig lethargisch, immer noch gutherzig, aber selbst nicht mehr "da".

    Manchmal denke ich: Eine echte, wütende, FÜHL-bare Ansage, brächte beiden Seiten mehr.
    Den Ärger am staatlichen System abzulassen, oder an der vermeintlich erwarteten "Etikette"
    (man muss seine Kinder gefälligst "lieben"), verlagert aus meiner Sicht Kräfte, die zum Abgrenzen
    IN den Beziehungs-Dialog gehören, ins Ödland.

    Mein Therapeut half mir mal sehr mit dieser Unterscheidung:

    Dem anderen Heil-ung / Lösung SEIN wollen, das ist Sucht. (Meine, als Angehörige.)
    Heil-sam dagegen ist die klare Verbalisierung der eigenen Grenzen. (Kann so nicht.)
    Das ist dann nicht "lieb" im falschen Sinn, aber liebevoll, da es Ehrlichkeit schenkt.

    An der Stelle stehe ich noch. Aber in mir wandelt sich vieles, seit ich das wirklich
    auch selbst so zu fühlen beginne.

    Alles Gute für Deinen eigenen Weg durch alles, und viel Herz für Deine eigenen Gefühle,
    das wünsche ich Dir.

    Wolfsfrau

    Hallo Stengel, :)

    ich bin ebenfalls Angehörige, nur "anders rum", ich kreise immer wieder um meine Mutter.
    Mich hat gerade das Stichwort "Nothilfsgemeinschaft" angesprochen, da es (auch) meinen
    inneren Konflikt im Kern trifft.


    Und wenn sie den Bengel rauswerfen, sind sie in den Augen anderer Menschen wiederum
    gewissenlose Rabeneltern und in den Augen der Behörden kommen sie ihrer Pflicht als
    Angehörige in gerader Linie nicht nach, die als "Familiennotgemeinschaft" dem hilfebe-
    dürftigen Angehörigen Unterkunft gewähren müssen.

    Ehe ich jetzt aber weiter einsteige, müsste ich glaube ich besser verstehen, ob Du diese
    Ansichten über "Rabeneltern" irgendwo in einem ruhelosen inneren Winkel teilst? Auf
    mich wirkt es ein wenig so. Sonst würde Deine Eingangsfrage ja gar keine sein und Du
    wärest "einverstanden", wenn der Weg der Sucht Deinen Sohn an seinen echten Tiefpunkt
    führt. (Eben weil er erst dort empfänglich für einen eigenen inneren 'klick' werden könnte.)

    Das ist nachfragend gemeint, ich bin überhaupt kein Vertreter von Argumentieren gegen
    Gefühl oder Konflikt. Mein eigener Weg als Co-Abhängige war durch kein Argument der
    Welt abzukürzen. Ich musste durch meine inneren Konflikte, so lange, bis es mir gereicht
    hat.

    Liebe Grüße, und schreib' mal zu meiner Frage, ja? Mich interessiert Dein Gefühl dabei.

    Wolfsfrau

    Hallo, liebe Bri,

    ich bin auch Angehörige wie Du. :) Meine Mutter (72 Jahre alt) hat sehr lange getrunken,
    nebenher aber auch funktioniert wie Deine. Sie ging arbeiten und trank nur abends oder am
    Wochenende. Als Kind kannte ich das nicht-Normale daran nicht, meine Eltern kochten gern
    gut und dazu gehörte ein gepflegter Wein. Als ich so alt war wie Du, begann mich ihr Kummer
    zu belasten. Ich weiß inzwischen, dass Depressionen oft eine Nebenwirkung des Trinkens sind.
    (Dazu können Betroffene aus ihrer eigenen Behandlung aber verlässlicher Auskunft geben.)

    Ich begann irgendwann, Meetings (Gruppen-Treffen) von Angehörigen zu besuchen. Es gibt
    12-Schritte-Gruppen wie z.B. Al-Anon, für Angehörige und Freunde von Alkoholikern. Es hat
    ewig gedauert, bis ich mir erlauben konnte, dass ICH Rückenstärkung in meinem Kummer
    brauchte und dafür meine Mutter als "alkoholabhängig" bezeichnen durfte, in der Gruppe. Es
    war so schwer, diese erste Linie zu ziehen. Nicht mehr ihr die Stange halten und sie bzw. das,
    was man von unserer Familie denken könnte, zu "schützen". Stattdessen mich selbst wichtig
    genug nehmen, Schutz und Unterschlupf für meinen Schmerz mit der Situation zu suchen.

    Einfluss auf den süchtigen Angehörigen haben wir nicht. Er ist uns mit der Sucht um Längen
    voraus und hat begründetes Interesse, keinen "Fehler" zuzugeben. (Dass es um "Fehler" und
    "richtiges" Leben nicht geht, verstehe ich erst, seit ich weiß, Alkoholabhängigkeit ist eine Krank-
    heit, keine Willensschwäche. Der Stoffwechsel ist verändert, im Gehirn läuft vieles anders, die
    Betreffenden entfernen sich von ihrer Empfindungsfähigkeit und Ehrlichkeit, alles unwillkürlich,
    aber es verändert ihr Verhalten und ihre Motivation ziemlich einschneidend. Dazu hörte ich mal
    den Satz: "Diskutiere nicht mit einem betrunkenen Menschen." (Erhoffe Dir keine Einsicht.)

    Ein genesender Alkoholiker sagte mir mal einen klärenden Satz zu meinem "Hilfsbedürfnis"
    meiner Mama gegenüber. Ich hatte meine Schwierigkeiten, den für mich nötigen Abstand zu
    ihr und ihrem "Problem" einzunehmen, weil es sich anfühlte, als wäre sie mir dann gleichgültig.

    Dem ist nicht so. Als Angehörige MÜSSEN wir die Verantwortung, ob jemand aufhören will mit
    dem Trinken, aber an ihn selbst zurück geben. Er/Sie kann nur selbst den Wunsch entwickeln,
    aufzuhören. Jeder Versuch, gegen den Alkohol anzutreten, die Sucht oder den Süchtigen auszu-
    tricksen, geht daneben. Er lässt sich nicht kontrollieren, weder der Alkohol noch der Süchtige.
    (Noch mein Kontrollbedürfnis. Das kann zu einer eigenen Krankheit werden: Co-Abhängigkeit.
    Dann kann ich den Süchtigen nicht sich selbst und seiner Verantwortung überlassen, bin mehr
    als er selbst mit seinem Wohl, der Gefahr seiner Sucht und seinem Kummer beschäftigt/belegt.)

    Sein Satz - an den Alkoholiker, mit dem ich es zu tun hätte - ging also etwa so:

    "Wenn Du weiter trinken möchtest, ist das Deine Angelegenheit." (Liegt bei Dir. Ohne Abwertung.)
    "Wenn Du aufhören möchtest, ist es unsere." (Bekommst Du jede Unterstützung von mir.)
    Evtl. noch: "Wenn Du in die Klinik (Entzug) möchtest, sag Bescheid, ich fahre Dich." - Ende.

    Das fand ich so fein, deutlich und doch auf Augenhöhe. Ein echter Kunstgriff, über meine eigene
    Betroffenheit (unterschwellige Vorwürfe, Leidensmiene, Ärger, aufgebauter Frust) hinweg. In
    diesem Satz geht es nur um den Angesprochenen und darum, dass ich da bin, wenn die Situation
    eine andere ist. Sie muss sich nicht ändern. Und ich muss nicht warten.

    Aber der Angesprochene kann wählen. Er muss es sogar selbst tun, denn ich hake nicht nach.
    Das ist mein Absprung aus der mit-leidenden Abhängigkeit (Co-Abhängigkeit), die nichts bewegt.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, Deinen eigenen Kurs da durch zu finden, und hilfreiche Menschen!

    Was mir hier sehr hilft, ist immer wieder auch nachzulesen, wie ehemals aktive Alkoholiker selbst
    ihren Weg damals empfunden haben, und wie klar und ohne Nebel sie die Sucht jetzt beschreiben.
    Mir hat das Mut geschenkt, wirklich nichts "bewirken" zu können, egal wie doll ich gewollt hätte, ehe
    nicht der Süchtige selbst seinen Weg ändern will. Es hat mir geholfen, mehr auf meine Kräfte zu
    achten. :)

    Liebe Grüße erst einmal,

    Wolfsfrau


    habe Ihm noch Gesagt das es keine gute Idee sei, weil meistens bei solchen Aktionen wird man erwischt.

    Nochmal Hallo, Glitzerstern, :)

    für mich steckt in Deinem Hinweis an Deinen Mann das Denken: Lass Dich nicht erwischen.
    Der Punkt, dass etwas am Trinken falsch und in sich schon belastend für alle ist, fehlt irgendwie.

    Es klingt, als seist Du aus eigenen Stücken mit in seinem Boot und willst ihn vorm Kentern retten.
    Es kentert aber nicht, weil andere ihn "erwischen", es kentert, wenn niemand ihn aufhält.
    Das Trinken wird ihn und als Angehörige auch Dich immer mehr Kraft & Anspannung kosten.
    Nicht die Polizei. (Vor der Du ihn decken zu müssen meinst. Musst Du nicht, er verursacht seine
    eigene Situation, sieht das in seiner Sucht und dem einhergehend verrutschten Denken wohl
    aber nicht.)

    Alles Liebe für Dich und Deine Zukunft, und ich wünsche Deinem Mann echte Hilfe, :blumen2:

    Wolfsfrau

    Hallo Glitzerstern,

    ich habe Deine Situation jetzt auch gelesen. Willkommen bei den Angehörigen sucht-
    k r a n k e r Partner. Dein Ehemann reagiert so respektlos und ohne Mitgefühl für Dich,
    weil ER ein Problem hat.

    Ich bin auch Angehörige, allerdings als Kind suchtkranker Eltern. Sie trinken nicht mehr
    aktiv, trotzdem sind bei uns verschobene "Rollen" übrig geblieben. Noch immer denke /
    dachte ich, ICH müsse es beiden doch Wert sein, mehr auf meine Gefühle zu achten statt
    sie - wie auch ihre eigenen - runterzuspielen. Da wusste ich noch nicht, dass Sucht eine
    Krankheit ist, die auch mit verändertem Fühlen und Denken einhergeht.

    Als ich das dann wusste, war ich fest entschlossen, das Schöne, was ich mir inzwischen
    in meinem EIGENEN Leben aufbauen konnte, nach Hause zu tragen, damit sie es auch
    "haben" können. Ich war wieder und wieder fassungslos, wieviel lieber sie in ihrem passi-
    ven Denken und Dulden verbleiben wollten. Spürbar wieder nur am Abwiegeln mir gegen-
    über. Irgendwann war ich dann selbst seelisch wie ausgebrannt und da erst konnte ich
    begreifen, was mir zuvor ständig Leute sagten: Geh da weg, wende Dich dem zu, was DIR
    Kraft, Auftrieb, liebevolle Behandlung, Respekt, Wertschätzung, Ermutigung, Anteilnahme
    GIBT.

    Meine Gewohnheit war der Gedanke, "wenn ICH es nur schlau genug anstelle, doll genug
    will und dafür tief genug grabe, wieder und wieder, in eine Metallwand hinein, DANN werde
    ich sie (meine Eltern in ihrer freudlosen Lage) irgendwann zur Lebendigkeit erwecken können.
    Raus aus ihrem Quark und ihrer scheinbaren "Wahllosigkeit". ("Muss ja, was sollste machen,
    ... ach, und die/der schon wieder ... " - Sie sprachen und schauten, als glaubten sie sich selbst.)

    Ich habe sie bis heute nicht "erwecken" können. Dafür habe ich eine Menge Zuhörer beansprucht,
    um sich mit dem Leben und der Selbstverletzung meiner Eltern auseinander zu setzen. Sie taten
    es eine Weile lang, aus Liebe zu mir, aber es kam auch bei mir der Punkt, dass sich derart hinge-
    bungsvolle Menschen irgendwann SELBST in Sicherheit brachten.

    Ich blieb also mit meinem Kummer übrig ... zuerst mehr als bescheiden, das zu fühlen ... jetzt im
    Nachhinein das einzig Sinnvolle, das mir zeigen konnte: Wolfsfrau, jetzt kümmere dich mal endlich
    um Dich SELBST! - Das ignorierst Du nämlich völlig, und deshalb gerätst Du ins heulende Elend,
    aus dem dann FREMDE Dich "retten" / trösten / aufbauen "sollen".

    Wie verdreht ?!

    Die ganze Hilfskette (ich für meine Eltern / und: Fremde für mich) hatte kein einziges Ergebnis auf-
    zubieten als lauter unversorgte Menschen: Ich kümmerte mich nicht um meine echten Bedürfnisse,
    sondern hängte das Recht dazu an der Lage meiner Eltern auf: Erst, wenn sie ... (besser dran sind),
    ... kann ich ... (mich um mich kümmern). Und meine Zuhörer butterten auch völlig eingleisig ihre
    Kraft in meine Verstrickung.

    Es kann eine Weile dauern, spüren zu können (und es zu ertragen), dass von "so einem Gegenüber"
    in aktiver Sucht NICHTS KOMMT. Sein Fokus liegt auf der Droge. Meiner lag auf dem Süchtigen (Eltern).
    Aus dem Grund sind viele Sucht-Beziehungen so zäh und langlebig, wenn auch emotional längst tot.
    Beide wissen nicht, wie es ohne einen Fokus außerhalb der eigenen Belange und Pflichten fürs eigene
    Wohlsein wäre. Was macht man, wer ist man, ohne ständiges Kreiseln um die Sorge / den Stoff / den
    Menschen?

    Neulich fand ich einen Artikel zur emotionalen Abhängigkeit. Auch wenn er unter einem anderen Thema
    veröffentlicht wurde, beschreibt er ziemlich gut, wo die eigenen Fußangeln im Inneren sitzen und wie
    es sein kann, dass Menschen tatsächlich ihre Situation nicht sehen können, wie sie wirklich ist. Und wie
    es kommt, dass man/frau die eigene Position oder den Problem-Menschen, um den alles kreist, ständig
    an erste Stelle setzen. Als gäbe es die eigene Person "von innen", mit eigenem Gefühl und Bedürfnis,
    nicht. - Bei mir war es wirklich so. Ich konnte mich selbst überhaupt nicht spüren. Ich hatte nie eigene
    Stimmungen, war immer Teil fremder Einflüsse und habe mich angepasst, ohne das merken zu können.

    Hier mal der Artikel, falls Du neugierig bist:

    http://partnersuche.cc/beziehung/emotionale-abhaengigkeit

    Ich kann Dir, glaube ich, nachempfinden, wie übel sich das anfühlt, wenn alle um einen rum wissen, was
    man tun sollte. Zugleich das innere Chaos, der Druck, es so nicht mehr aushalten zu wollen. Aber noch
    kein bißchen Abstand zur Situation, um Zusammenhänge überhaupt nur erkennen zu können. Mein Weg
    da raus begann mit Selbsthilfegruppe, ergänzend dann Psychotherapie, und langsam lichtet sich alles.

    Den eigenen Schmerz als das Wichtigste anzuerkennen, für das man/frau Energie aufbringen muss, lohnt
    sich! Anders wirst Du nie die Person sein, die Dein Leben so mitgestaltet, dass Deine Bedürfnisse geachtet
    werden. (Von Dir zuerst. Von da aus kommt die Kraft, sie auch in Kontakten zu vertreten. Indirekt funktio-
    niert das nicht. Sich aus selbst aufrecht-erhaltenem Leid durch andere "befreien" lassen, das kann niemand
    auf die Art, die ich oder Du brauchen, und das übersteigt auch die Kräfte der anderen, solange wir selbst
    noch nicht so weit sind, uns SELBST die wichtigste Person in unserem Leben zu sein. Und von da aus zu
    entscheiden, wen oder was wir überhaupt darin haben wollen. Aufbauendes doch, nichts Auslaugendes?)

    ... das ist jetzt lang geworden ... Ich wollte Dir nur als Betroffene Deiner eigenen Fraktion schreiben, um
    Dir Mut zuzusprechen, dass jede noch so kleine Veränderung, die Du eingehst, DER Anfang ist, egal wo.

    Alles Liebe und Gute, viel Mut dazu, das wünsche ich Dir! :)

    Wolfsfrau

    Danke, Greenfox,

    für die Kerze. Ich war selbst vor 2 Wochen als Besucherin in Berlin,
    habe mich so an der Stadt gefreut! - Und dann lese ich von dieser
    Irrsinns-Tat. Auch wir wollten auf einen Weihnachtsmarkt, sind dann
    aber nicht gegangen, weil man Eintritt (?!) hätte zahlen müssen.
    Es war ein anderer Markt, aber allein die Vorstellung, wie nah der
    Wahnsinn vor sich hin wabert. Furchtbar, angstauslösend. Widerlich.

    Hass ist auch für mich der schrecklichste "Gegner" im Menschen.
    Dann ist alles zu, jede Empfänglichkeit, jeder Mut zur Mitteilung
    in eigener Sache. (Bedürfnis, Unbehagen, Wunsch, Ziel, was immer.)

    So traurig für alle, wenn diese Sprachlosigkeit erst um sich greift & wütet.
    Ich frage mich, wie es einem Attentäter "danach" besser gehen kann.
    (Ok, die meisten sichern sich dagegen ab, indem sie gleich mit sterben.)

    Wenn Religion das eigene Denken, Urteilsvermögen und Gewissen
    "ersetzt", handelt es sich für mich um nichts Göttliches (mehr), dann
    geht es aus meiner Sicht um Diktatur im Namen unwiderlegbarer "Moral".

    Aus dem Grund bin ich nicht religiös, auch wenn mir eine spirituelle innere
    Kraft dabei hilft, meine Erfahrungen und meine Selbsterkenntnisse zu
    verarbeiten. Das ist in sich aber nichts, was ich anderen vermitteln müsste,
    damit es seinen Wert für mich haben darf. Diese Unabhängigkeit fehlt mir
    bei Fanatikern. Wären sie frei im Denken, gäbe es keine mehr, vermute ich.

    Mein Mitgefühl ist bei allen Opfern und ihren Freunden und Familien, die mit
    diesem Leid jetzt klar kommen müssen.

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hi zusammen,

    ich bin eben auf einen Super-Spruch gestoßen, der zeigt, WIE wichtig Hilfe auch für Co-Abhängige ist. 44.
    Damit sind zuerst Angehörige von süchtigen Menschen gemeint. Als Co-Abhängigkeit werden übergreifend
    aber auch alle Symptome der (Fehl-) Anpassung an die suchtgeprägten "Gebote" im Kontakt verstanden.

    https://jetztbesserleben.files.wordpress.com/2016/01/nicht-…log-2.jpg?w=450


    Damit ist gemeint:

    (1)
    Die Sucht eines Menschen kann in der Familie als chronische Krankheit gelten, indem sie ein langfristig
    gestörtes und alle verstörendes Kontaktverhalten schafft. Es dreht sich darum, gemeinsam "wegzusehen".
    Wenn alle mitmachen. Im Bemühen, nicht auf die eigene Sucht angesprochen zu werden, etablieren sich
    neue "Gebote", denen die restlichen Familienmitgliedern ausgesetzt sind und die Authentischsein blockieren:

    - Fühle nicht
    - Rede nicht
    - Merke nicht


    (2)
    Ob ein Individuum diese "befolgt" oder nicht, entscheidet darüber, ob es gesund bleiben kann (durch Abgren-
    zung/Ausstieg, "du spinnst wohl") oder allmählich co-abhängig wird, also selbst psychisch Schaden nimmt.
    Kinder und aus anderen Gründen emotional abhängige Partner/Verwandte tragen ein sehr hohes Risiko, sich
    am Leugnen der eigenen Wahrnehmung, Gefühle und natürlichen Bedürfnisse anzustecken. Ausgelöst durch
    den vergeblichen Versuch, durch Anpassung zurück in eine "heile Familie" zu finden, wenn sie sich nur anstrengen.

    Die Autorin (Waltraut Barnowski-Geiser) stellt dafür diese Formel vor:


    Risikoformel für Angehörige

    Je länger die Belastung andauert…
    je früher sie einsetzt…
    je weniger Unterstützung Sie erfahren…

    … umso höher ist das Risiko für Sie
    als Angehörige, selbst zu erkranken.


    (3)
    Für Interessierte ist mehr zum Thema "Co-Abhängigkeit und Heilung davon" hier zu finden:
    https://jetztbesserleben.org/2016/02/10/bel…rstandskraefte/


    :sun:


    Ich wünsche allen Betroffenen Mut zum Ausstieg (egal wovon)! 44.

    Wolfsfrau

    (Mein Gefühl sagt mir, wir haben jetzt irgendwie den Faden hier lahmgelegt? :-X )

    ... aaalso ... neulich gab's bei mir Reibekuchen (vorbereitet gekauft),
    die sind exakt wie hausgemacht. So lecker! Mit Zucker ebenso wie mit Apfelmus.

    Das zählt aber nicht wirklich zu "Kochen", oder? War aber eine sehr zufrieden
    machende Mahlzeit. :)

    He Franz, Hallo! :)

    Ich kann Deinen Beitrag gut lesen. Ich weiß sogar, dass vieles stimmt. Diesen
    Satz hier fühle ich als "tiefere Weisheit" hinter meiner Bequemlichkeit. Der
    stimmt einfach. So möchte ich essen können. Dafür möchte ich mich öffnen:


    Fleisch ist immer eine Beilage.

    Bei mir ist es früher genau umgekehrt gelaufen: Es gab viel Kurzgebratenes mittags,
    am Wochenende kochte meine Mutter dann richtig gut (lange) und viele neue Rezepte.
    Daher kommt mein Bedarf an Gut-Gewürztem. Dann geht "notfalls" auch ein Auflauf.
    Und ich mag keine light-Gerichte. Es soll sättigen und sich gut anfühlen.

    Heute habe ich mehr oder weniger freiwillig experimentiert. Ich war im Supermarkt
    und hatte dieses Schweine-Thema im Kopf (Danke an Deinen Beitrag). Und es ging
    nicht, wie üblich ins Regal zu greifen. Also nahm ich ein Fischgericht mit. Etwas schmal-
    lippig zwar, weil "es" eben nicht "das" ist. Aber ich hoffte, es macht mich genauso satt.

    Jetzt, eine Stunde später, sitze ich hier und tippe. Noch kein knurrender Magen. ;D

    Mit "leichten Mahlzeiten" stehe ich auf Kriegsfuß, aber ich erinnere mich sehr gut,
    dass es was dazwischen gibt. Hülsenfrüchte mit Curry und Gemüse, sowas vielleicht.
    Ich werde auf jeden Fall berichten, wenn ich Neuland für mich sichern konnte. ;)

    Spannender Faden, das. 8)

    Lieben Gruß an alle,
    Wolfsfrau

    Hallo @keppler,

    endlich bin ich "damit" nicht mehr alleine 44.

    Mir geht es bei Erkältung haargenau so! Ich habe genau dann einen riesigen
    Appetit und Hunger auf so richtig deftige Sachen. Genau Deine Kombination. ;D
    Gesund vertrage ich die aber auch bestens. Ohne Pfanne könnte ich nicht sein.

    Eine Ernährungsberaterin (chin. Ansatz) erklärte mir mal, dass "deftig" selbst
    überhaupt nicht dick macht, eher die Kurvenfahrt zwischen kühlendem Essen
    (wasserhaltig: Salate und alle "Dünn-Wunder") und dem dann entstehenden
    Mangel an Wärme im Körper (wenig wasserhaltig: Gekochtes, Gebratenes,
    Heißgetränke). Mich haben früher die Schokoriegel nach dem angesagten Salat-
    teller ("zu wenig Wärme") dick gemacht. "Dagegen" habe ich dann gefastet, mir
    also nochmal eine Kerbe in die Grundenergie geschlagen. Mein Gewicht kam nie
    zur Ruhe.

    Mir geht es besser, seit ich nach Körper-Gefühl esse und auf Abstände zwischen
    den (sättigenden!) Mahlzeiten achte.

    Voll-vegan überlebe ich nur bei professioneller Fremdbekochung. Einmal während
    eines mehrtägigen Seminars war ich echt platt, wie wenig mir Fleisch fehlte, bei
    so leckeren, gut gewürzten und sättigenden Mahlzeiten. Die Köchin verstand ihr
    Handwerk perfekt. (Dahin bringe ich es mit meinen Mitteln aber glaube ich nicht.)

    Ich wünsche Dir auch gute Besserung!

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Hallo,


    Wie gehich denn am besten mit ihr um ?

    Ich bin selbst erwachsenes Kind aus suchtgestörter Familie. Mit dem Leugnen
    (sowohl der Sucht meiner Mutter, als auch ihrer Eheprobleme) bin ich also schon
    aufgewachsen.

    Leugnen als Strategie, nichs verändern zu müssen, die Realität nicht zu berühren,
    bleibt eine endlos-Schleife, in der alle auf der Strecke bleiben. Der Süchtige (falls
    Deine Mutter das bereits ist) bleibt in der Illusion hängen, "alles nicht so schlimm",
    Du als angehörige Tochter bleibst im Tabu ihres Leugnens gefangen, nichts "sagen"
    zu dürfen. Die Heimlichkeit Deiner Mutter wird so zu Deiner. Das musst Du so nicht
    mitmachen, es ist unnatürlich und widerspricht Deiner Gabe, zu fühlen, was IST.

    Den Hinweis von Mira finde ich am besten, Dir selbst Beratung zu holen, um ein
    besseres Gefühl dafür zu bekommen, womit Du es da zu tun hast, und an welcher
    Stelle Du Dich innerlich vom Problem Deiner Mutter abtrennen musst, wenn Du nicht
    selbst im Kraftverlust stecken bleiben willst. (Ohne dass das für irgendwas gut wäre.)

    Ich habe in vielen Jahren aus meiner ersten Frage (wie Deine) die dahinter liegende
    ausgebuddelt: "Wie gehe ich mit mir um, wenn ich MEINE Wahrheit weiter leugne?"
    (Nicht gut, das steht mal fest. Und es braucht viel Mut, da auch wieder auszusteigen.)

    Greif' Dir jede Hilfe, die Du dafür bekommen kannst, das wünsche ich Dir. :)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    ... hier der direkte Link zum Blog für "Erwachsene Kinder aus suchtkranker Familie":

    https://jetztbesserleben.org/

    Die Autorin arbeitet therapeutisch mit betroffenen Erwachsenen und stellt Kurzartikel
    zu Stichwörtern bereit, die Betroffene gut auch als eigene Erfahrung oder inneres
    Problem wieder erkennen:

    Leere, Gefühlsstarre, Isolation, Behauptungsschwierigkeiten, übermäßige Selbstkritik,
    Freudlosigkeit, Scham und Schuld zu verschiedenen Anlässen, Harmoniestreben, zwang-
    hafte Verhaltensweisen / Perfektionismus, oft Ausbildung einer eigene Sucht, berufliche
    Schwierigkeiten, emotionale Verwirrung über sich selbst, Misstrauen in sich und andere.

    Für mich lesen sich viele Alkoholikergeschichten ganz ähnlich und das erklärt sich dann
    oft mit ihrem eigenen Aufwachsen in suchtkranker (= gefühls-ungesunder) Umgebung.

    Und zugleich leb(t)en sie in ihrer aktiven Zeit dieselben Muster ihren Kindern vor. Wenn
    jemand in eigene Behandlung geht, kann das das Weiter-"Vererben" der inneren Leere
    (die Autorin nennt auch "Beziehungsleere") an die Folge-Generation durchbrechen. :)

    Ich sah das auch schon, dass Steffie wieder weg ist, :-[ mir fiel das in diesem Faden auf:

    Da gab es ein Missverständnis zum "nur für heute" (fürs Aufhören) und ich vermute, das
    hat sie verunsichert. (Kenne ich zumindest von mir, das Erschrockensein dann.) Ich fänd's
    schön, wenn sie weiter mitliest und ihren Faden irgendwann wieder aufnimmt. :)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Ich sehe das, wie Greenfox es auch erläutert hat:

    Die Gefahr, dass sich - wenn j-d wieder trinkt - der Mechanismus durchsetzt (bis Anschlag), ist hoch.

    "Verlangt" ist z.B. bei den AA lediglich die Bereitschaft, einzusehen, dass nicht WIR die Kontrolle über
    das Suchtmittel haben, sondern sämtliche Versuche, sie zu behalten, uns tiefer in die Auswegslosigkeit
    gebracht haben. Daher als erster Schritt die "Kapitulation", als Anerkennen, die Sucht ist stärker.

    Ich stelle mir das immer als den chemischen Teil der Sucht vor, wo dann die Schalter auf alte Art sofort
    wieder einrasten. Und ich glaube, das ist auch nur gemeint.

    Nicht der Alkohol ist der Teufel, sondern die Illusion, man könne ihn und das Suchtgeschehen im Hirn
    selbst "steuern". Entsprechend haben Rückfälle in diesem Konzept nichts mit Willensschwäche zu tun,
    sondern mit mangelnder Achtsamkeit dem Auslöser gegenüber. Und deshalb die weiteren Schritte, in
    denen emotional alles aufgearbeitet wird, was als verdrängte Themen, Gefühle zu typischen Auslösern
    werden kann.

    (Kein Anspruch auf absolute Gültigkeit, nur das, was ich aus z.B. Anonymen Schritte-Gruppen an Infos
    mitgenommen habe. Vielleicht kann das j-d noch besser erklären.)

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau

    Ich hab's mir auch angeschaut ... *Gänsehaut* ... Diese junge Frau ist sich so nah,
    während sie das alles erzählt, ich wünschte, ich hätte meine Gefühle so gut gekannt.
    Das Video ist sehr ergreifend, eben weil sie so echt und mit sich mitfühlend spricht.

    Danke fürs Einstellen, Brant. :blumen2: