Guten Morgen M_r_e,
herzlich Willkommen hier im Forum. Schön, dass Du hierher gefunden hast.
Kurz zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast: Ich bin Alkoholiker, über 2 Jahre trocken, war nie Co-Abhängig.
Zu dem was Du geschrieben hast fällt mir spontan folgendes ein:
Es liest sich teilweise so, als ob Du Dir selbst sagen würdest "so schlimm ist es ja eigentlich (noch) gar nicht". Also, er trinkt ja "nur" Bier, nie mehr als 5, das letzte schüttet er weg, ist nie aggressiv, usw.
Aber natürlich hast Du Angst, völlig berechtigt, dass sich das ändern könnte. Von mir selbst kann ich Dir sagen, dass ich jahrelang "nur" 2-3 Bier abends getrunken habe, anfangs auch nicht täglich sondern "nur" 3 - 4 mal die Woche. Heute weiß ich, dass ich damals schon süchtig war! Am Schluss war ich dann bei 10 Bier + ne Flasche Wein und habe bereits morgens angefangen zu trinken. Aggressiv war ich nie, zu keiner Zeit. Im Gegenteil, ich konnte trotz ständig steigender Mengen mein Verhalten noch ganz gut auf einem "normalen" Level halten. Immer erst ganz am Ende des Tages, also bevor ich dann ins Bett gefallen bin, habe ich mir noch schnell so die Kante gegeben, dass ich dann schlafen konnte.... Im Allgemeinen nennt man sowas dann einen "funktionierenden Alkoholiker", d. h. ein Außenstehender würde erst mal gar nicht merken, dass derjenige ein massives Problem hat.
Ich kann Dir aber auch sagen: Hätte ich nicht die Notbremse gezogen, wäre es sicher immer noch schlimmer geworden. Ich war kurz davor, dass es komplett bergab geht. Leider ist es bei der Alkoholsucht so, dass man sagen kann: Schlimmer geht immer!
Ich schreibe Dir das nicht um Dir Angst zu machen, sondern damit Du die Situation Deines Vaters einschätzen kannst. Diese Alkoholkrankheit ist zwar bei allen Betroffenen irgendwie immer gleich, aber trotzdem höchst individuell. Es kann also sein, dass Dein Vater noch "ewig" so weiter trinken kann oder wird und nix weiter passiert, sollte er (noch) kein Alkoholiker sein, könnte es auch sein, dass er irgendwann einfach wieder aufhört, es kann aber leider auch sein (und das am häufigsten der Fall), dass sich sein Trinkverhalten langsam verändert und dass es einfach immer schlimmer wird.
Zur Deiner Rolle: Du bist dafür nicht verantwortlich! Natürlich kannst Du ihn auf sein Trinkverhalten ansprechen, das hast Du ja auch getan. Das ist auch richtig. Aber Du kannst sein Trinkverhalten nicht ändern. Und wenn er selbst dazu nicht bereit ist, wirst Du nichts machen können. Bei den Mengen, die er jetzt zu sich nimmt, schadet er auf jeden Fall massiv seiner Gesundheit, unabhängig davon ob er nun schon abhängig ist oder "nur" Missbrauch betreibt. Ist ihm das bewusst? Dieses "nur" Bier hat nämlich nichts zu bedeuten. Alkohol ist Alkohol = Zellgift = für diverse Schäden im Körper (und Geist) verantwortlich (allen voran die Leber).
Wie ist denn Deine persönliche Situation mit ihm. Lebt ihr zusammen in einem Haus/Wohnung oder lebt er allein? Kannst Du Dich abgrenzen? Kann Dein Vater sich komplett alleine versorgen oder übernimmst Du das? Wie sehr belastet Dich diese Situation im Alltag?
Viele Fragen, auf die Du natürlich nicht antworten musst, wenn Du nicht willst.
Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier.
LG
gerchla