Beiträge von Gerchla

    Hallo Nebelkrähe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Kurz zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und mittlerweile schon einige Jahre trocken.

    Erst mal würde ich Dir vorschlagen Dich hier durch die unterschiedlichen Threads zu lesen (falls nicht schon geschehen). Da wirst Du erst mal ziemlich viel Input bekommen und feststellen, dass

    Zitat

    Und vielleicht tut es auch gut, nicht alleine zu sein.


    Du natürlich nicht alleine bist. Du befindest Dich sogar in einer recht großen Gesellschaft denn in Deutschland sind ja ca 1,8 Millionen Menschen alkoholabhängig. So wie Du wahrscheinlich und ich ganz sicher. Allerdings ist nur ein äußerst kleiner Anteil dieser Abhängigen bereit oder in der Lage etwas an ihrer Situation zu ändern.

    Etwas Ändern zu wollen ist aber natürlich die absolute Grundvoraussetzung um überhaupt sinnvoll etwas gegen die Sucht unternehmen zu können. Du bist also nun an dem Punkt angekommen wo Du Dich zumindest schon mal intensiver mit Deinem Trinkverhalten außeinander setzt. Wenn ich Dich richtig verstehe bist Du aber noch nicht bereit eine Therapie zu machen.

    Ich sag mal so: Eins nach dem Anderen! Erst mal ist es nicht schlecht, dass Du Dich hier austauschen willst und Dich mit Deinem Trinkverhalten außeinander setzt.

    Du bemerkst vielleicht, dass ich vermeide Dich als Alkoholiker zu bezeichnen. Und zwar desahalb, weil ich das nicht 100 %ig beurteilen kann. Sicher ist aber, wie Du ja selbst schreibst, dass da ein gewaltiges Problem vorhanden ist. Und die typischen Anzeichen die Du beschreibst deuten stark auf eine Sucht hin.

    Idealerweise wäre jetzt wohl folgendes sinnvoll: Arzt des Vertrauens aufuschen und Sitation schildern / qualifizierte Entgiftung machen (ggf. auch stationär, je nach ärztlichem Rat), Beratungsstelle Suchthilfe aufsuchen und über weitere Schritte oder Möglichkeiten sprechen / ggf. ambulante oder stationäre Therapie / begleitend SHG besuchen -

    Soviel zur Theorie, zum vielleicht geradlinigsten und sinnvollsten Weg raus aus der Sucht. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass das oft nicht so stringend abläuft. Auch wenn es wohl der Weg mit der meisten und absolut notwendigen und sinnvollen Hilfe ist.

    Bei mir war das so: Jahrelanges Trinken erst mal auf niedrigem Niveau / Problemchen kamen und mein Trinkniveau stieg / nun entstanden die Probleme nicht mehr durch Außeneinwirkung sondern meine Sucht sorgte für Problemnachschub welche dann wiederum durch erhöhtem Konsum bekämpft wurden / so gingen die Jahre ins Land und ich trank immer weiter ohne Verstand / alles heimlich, meine Umwelt sollte nichts von meiner Sucht mitbekommen / Tabus wurden gebrochen, z. B. irgendwann das erste Bier schon vor vier, dann das erste Bier schon vor Mittag und irgendwann das erste Bier vormittags, sprichs morgens in der Frühe. Weitere Tabus wurden gebrochen, z. B. niemals Auto fahren mit Alkohol im Blut.

    Und so ging es dahin. Ich weiß nicht "wie weit" Du schon bist aber glaube mir, es kommt auf jeden Fall noch viel schlimmer. Natürlich versuchte ich auszusteigen - heimlich und ohne Hilfe. Nichts mehr trinken - das ging anfangs. Sogar ein paar Monate, später noch ein paar Wochen, dann immerhin noch ein paar Tage, irgendwann war ich stolz wenn ich mal an einem Tag nichts getrunken hatte und schließlich konnte ich überhaupt nicht mehr ohne sein. Ich war kurz davor nachts aufzustehen und statt Wasser Bier zu trinken.... Das wäre dann ein weiteres Tabu gewesen....

    Alle Trinkpausen blieben Pausen und ich kehrte immer wieder zurück zum Alkohol. Anfangs auch mit gutem Gewissen, hatte ich mir doch bewiesen, dass ich ohne kann. Und wer ein paar Wochen ohne sein kann, der kann ja kein Problem haben.... Tja, das ist natürlich totaler Quatsch.

    Mein Ausstieg nach vielen Jahren starken trinkens sah dann so aus, dass ich plötzlich nicht mehr konnte und wusste ich muss und will jetzt reinen Tisch machen. Ich will nie mehr trinken. Ich war ein psychisches Wrack, seelisch am Ende und körperliche Symptome waren auch schon zu sehen. Ich hörte auf und ging zu spät zum Arzt. Hätte ich unter kalten Entzug gelitten und wäre es zum Delir gekommen, hätte ich in Lebensgefahr geschwebt. Dieser Gefahr war ich mir damals nicht bewusst und so ging ich erst mehrere Tage nach meinem letzten Bier zum Arzt. Was ich aber sofort getan habe war eine SHG zu besuchen. Das war ein Schlüsselereignis für mich und half mir sehr - auch wenn ich heute keine mehr besuche.

    Dann machte ich natürlich auch einen Termin bei Psychologen denn ich war (und bin es immernoch) davon überzeugt, dass meine Alkoholsucht eine psychische Erkrankung ist. Ich habe weitere psychologische Betreuung gesucht, jenseits vom klassischen Psychologen was mir ebenfalls sehr geholfen hat bei der Aufarbeitung. Und ich habe mein Umfeld eingeweiht, mich geoutet. Es allen gesagt, die mir wichtig waren /sind. Und damit die Heimlichtuerei hinter mir gelassen und das Türchen zurück ein Stück weit verschlossen. Das war für mich eine logische und sehr wichtige Entscheidung denn all meine Versuche heimlich aufzuhören und darauf zu hoffen, dass dann niemand je etwas von meiner Sucht erfährt waren gescheitert. Und dieses Mal war ich mir auch sicher, dass ich nie mehr wieder Alkohol trinken will - ich musste einfach reinen Tisch machen, auch wenn das die wahrscheinlich schwersten Gespräche meines Lebens waren.

    Es dauerte Monate, ich möchte sogar sagen Jahre bis ich langsam wieder "normal" wurde. Ich verstand plötzlich den Spruch der AA, die zu mir sagten: So lange Du gesoffen hast, so lange dauert es auch bis zu wieder normal bist - nun, vielleicht muss es nicht ganz so lange dauern... Aber es geht nicht von heute auf morgen und auch nicht innerhalb von ein paar Wochen. Ich arbeite heute noch auf, nur heute sehr viel ruhiger und enspannter, zielgerichter und auf einzelne, kleinere Problemchen bezogen.

    Soweit meine Geschichte im groben Überblick. Ich will Dich damit motivieren etwas zu unternehmen, Dein Problem richtig anzupacken. Hol Dir Dein Leben zurück - Du hast nur das eine! Und übrigens: Probleme habe ich auch jetzt ohne Alkohol nur mit dem Unterschied, dass ich diese jetzt nüchtern auch lösen kann oder ich lerne damit umzugehen, ohne mich betäuben zu müssen. Ich war noch nie so glücklich in meinem Leben wie in der Zeit seid ich nichts mehr trinke!

    Einen guten Austausch wünsche ich Dir und alle Gute für Deinen weiteren Weg.

    LG
    gerchla

    Liebe Pusteblume,

    leider ist mit dieser Sucht immer ein schreckliches Leid auch für die Anghörigen verbunden. Das war bei mir bzw. meiner Familie nicht anders. Ich selbst, und ich glaube das ist bei den meisten Alkoholikern so, habe das gar nicht richtig wahr genommen. Ich trank heimlich, trotzdem kam irgendwann der Zeitpunkt, wo meine Familie (hauptsächlich auch meine damalige Frau) merkten, dass etwas nicht stimmt. Und wahrscheinlich hat sie auch das ein oder andere mal bemerkt das ich etwas getrunken habe. Aber an Alkoholismus hat sie nicht gedacht. Sie dachte eher an 1000 andere Sachen. Krankheit, irgendwas in der Arbeit, psychische Erkrankung (was die Sucht ja eigentlich auch ist) oder was auch immer.

    Sie bemerkte, dass unsere Ehe, unsere Beziehung sich immer mehr entemotionalisierte und versuchte gegenzusteuern. Suchte die Schuld bei sich, versuchte irgendwie den Menschen zurück zu bekommen, den sie mal geheiratet hatte. Sie hatte richtig ernsthafte Sorgen um mich (sie wurde dadurch auch selbst krank) und natürlich auch um ihre eigene Zukunft und die unserer Kinder. Ich ließ nicht zu, dass sie auch nur ansatzweise an mich heran kam. Ich wollte meine Ruhe, ich wollte trinken, alleine! Und immer wenn ich doch mal einen lichten Moment hatte und dachte "das kannst Du Deiner Familie nicht antun" habe ich sofort getrunken. Weil ich diese Schuld, die ich ja täglich immer auf mich lud einfach nicht ertragen konnte und wollte. Über die Jahre entschwindet man dann in eine ganz eigene Scheinwelt. Meine war aufgebaut auf ich weiß nicht wie vielen Lügen - die ich immer, täglich erzählt habe. Im Nachhinein ist es jetzt auch schwer für mich zu verstehen, dass meine Frau alle diese Lügen immer geglaubt hat. Vielleicht wollte sie vieles auch einfach nur glauben. Aber ich muss verdammt gut gewesen sein und ehrlich gesagt konnte ich dann teilweise selbst nicht mehr unterscheiden was real und was Lüge war. Lügen bauten auf Lügen auf und irgendwann wusste ich gar nicht mehr was eigentlich die Ur-Lüge war und ob nicht zwischendrin auch am was Reales passiert ist.

    Und selbstervständlich auch die große Lüge zu glauben, dass man es schon irgendwie irgendwann mal alleine schaffen wird vom Alkohol weg zu kommen. Wenn man denn nur möchte, aber im Moment will man ja noch nicht....

    Zu gern glaubte mir meine Frau was ich erzählt habe. Dienstreisen, die nie statt fanden sondern wo die Zeit einfach nur dazu diente in Abwensentheit in Ruhe trinken zu können. "Überstunden", die ich in Kellerräumen verbrachte, in denen ich mir ein nettes Alkohollager angelegt hatte. Geschichten könnte ich Dir erzählen, Du würdest sie mir wahrscheinlich nicht glauben. Mir wurden sie damals geglaubt und so konnte ich mein "Spiel" viele Jahre lang betreiben. Anfangs ganz einfach, später mit zunehmender Sucht und auch einsetzenden körperlichen Symptomen wurde es dann unlustiger. Und von da an stieg auch die Qual für meine Familie, weil sie mich als kranken Menschen, auch optisch, wahrgenommen haben. Psychisch und auch charakterlich war ich ohnehin schon ein Wrack und hatte meinem Umfeld nichts mehr zu geben.

    Ich denke Du wirst von dem was ich geschrieben habe auch einiges auf Deine Mutter übertragen können. Diese Sucht vernichtet den Süchtigen emotional und psychisch komplett - ich war quasi psychisch, emtional, und charakterlich tot als ich plötzlich den festen Entschluss gefasst habe dass jetzt Schluss ist und ich nie wieder trinken werde.

    Was Deinen Stiefvater betrifft: Ich kenne ihn ja nicht und ich weiß nicht was er für ein Mensch ist. Ob er offen ist, ob er gelernt hat über Gefühle zu sprechen oder wie er z. B. über psychologische Hilfe denkt. Grundsätzlich hast Du vollkommen Recht, wenn Du versuchst ihn dazu zu bewegen sich Hilfe zu suchen. Vielleicht wäre es ja auch ein Weg, wenn er hier im Forum lesen würde? Aber auch hier bin ich der Meinung, dass er schlussendlich doch für sich selbst verantwortlich ist. Auch hier musst Du ab einem gewissen Punkt auf Dich achten und ihn im schlimmsten Fall sich selbst überlassen. Wenn er denn dann bei Deiner Mutter bleiben will, dann ist es so.

    Die vielen Probleme und Hürden, die Du angesprochen hast, also z. B. dass es seine Wohnung ist und er Deine Mutter quasi auf die Straße setzen müsste, die kann ich natürlich verstehen und auch nachvollziehen. Trotzdem sollten sie nicht dafür herhalten nichts tun zu können. Wenn man wirklich will, dann macht man trotzdem. Als ich den Entschluss fasste nie mehr trinken zu wollen, waren alle Gedanken daran, was das jetzt bedeutet weg. Sie waren einfach weg. Vorher waren sie omnipräsent und hinderten mich. Jetzt war es mir egal, ich habe alle meine Lügen gebeichtet (und da waren echte Lebenslügen dabei), ich habe meine Finanzen offen gelegt (da gab es vieles nicht mehr von dem meine Frau dachte wir hätten es auf der hohen Kante, also quasi war da gar nix mehr), ich habe mich geoutet, meinen Kindern gegenüber, meinen Eltern, meinen Geschwistern, Freunden.... Ich habe mich getrennt, bin ausgezogen und wusste nicht wie es überhaupt weiter geht. Ich wusste nur: Es geht - von Tag zu Tag und jeder Tag ohne Alkohol ist ein guter Tag. Ich könnte Dir da noch viel mehr erzählen, die Trennung von meinen Kindern war die Hölle für mich usw. usf.

    All diese Gedanken, was da alles kommen wird / könnte, all das hatte mich auch dazu bewegt weiter zu trinken. Bzw. zu versuchen heimlich aufzuhören, damit es keiner merkt und ich quasi heimlich in mein altes gute Leben zurück kehren könnte. Was für ein Schwachsinn, was für ein Selbstbetrug.

    Ich schreibe Dir das nur um Dich zu bestärken Deinen Weg zu gehen und auch Deinen Stiefvater dazu zu ermutigen seinen Weg zu gehen. Auch wenn man erst mal diesen Berg an Problemen und Zweifeln vor sich sieht (wie soll das nur gehen? ich kann sie doch nicht sitzen lassen, Schuldgefühle, etc.).

    Ich wünschte heute, meine Familie hätte damals, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gemerkt was los ist und hätte mich vor die Wahl gestellt. Und hätte ich mich für's Trinken entschieden, dann wäre es wirklich das beste gewesen, sie wären gegangen bzw. sie hätten mich raus geschmissen. Das sage ich Dir heute in voller Überzeugung und als Alkoholiker.

    Aber ich denke Du wirst Deinen Weg gehen und ich hoffe Dein Stiefvater findet seinen auch. Und natürlich drücke ich auch die Daumen, dass Deine Mutter vielleicht doch noch die Kurve bekommt, srpich die Einsicht selbst etwas unternehmen zu wollen.

    LG
    gerchla

    Hallo Pusteblume,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich schreibe Dir hier als Alkoholiker, nicht als Angehöriger. Ich bin nun schon mehrere Jahre trocken, hatte auch Familie (Frau und 2 Kinder) und eigentlich überhaupt keinen Grund mit dem Trinken zu beginnen. Ich begann trotzdem irgendwann vor vielen Jahren damit, langsam, ganz harmlos aber regelmäßig. Und kaum kamen Probleme auf (die im Nachhinein eigentlich gar keine richtigen waren), steigerte sich meine Trinkmenge. Als diese dann ein gewisses, höheres Niveau erreicht hatte, brauchte es keine Probleme mehr von außen um zu trinken. Die Trinkerei selbst lieferte mir genug selbstgemachte Probleme um immer mehr und immer weiter zu saufen. Ein Kreislauf, ein ganz fürchterlicher.

    Deine Mutter hängt voll in diesem Kreislauf. Ihn zu verlassen ist enorm schwer. Viele versuchen es erst gar nicht, viele von denen die es versuchen schaffen es nicht aber einige eben doch. Andere Forumsteilnehmer und auch ich sind ein Beispiel für diejenigen, die doch aus diesem Kreislauf ausbrechen konnten.

    Ich glaube die Alkoholiker hier werden Dir alle das Gleiche schreiben: Der Ausstieg ist nur zu schaffen, wenn der Suchtkranke es selbst will! Wahrscheinlich hast Du das schon 100 mal gehört und kannst es nicht mehr hören. Aber leider ist es genau so. Den Alkoholkranken dazu zu bringen es "zu wollen" funktioniert nicht. Reden, diskutieren, drohen, usw. - bringt normalerweise überhaupt nichts.

    Alles was (aus meiner Sicht) ein Angehöriger tun kann, ist sich abzugrenzen. Für Deinen Stiefvater bedeutet das sie tatsächlich zu verlassen, für Dich bedeutet das den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Hast Du sicher auch schon alles gehört oder gelesen. Das klingt und ist sicher verdammt hart. Es kann sein, dass der alkoholkranke Mensch dadurch, also durch konsequentes Handeln seines Umfelds, wach gerüttelt wird. Dass er (in Deinem Fall sie, also Deine Mutter) die Erkenntnis gewinnt etwas gegen die Sucht unternehmen zu wollen. Genauso gut kann es aber sein, dass einfach weiter getrunken wird.

    Deshalb kann ich Dir leider nicht wirklich einen echten Tipp geben. Ich kann Dir nur aus meiner eigenen Geschichte heraus sagen, dass mich niemand vom Trinken hätte abbringen können. Nicht mal meine kleine, von mir über alles geliebte Tochter war mir Grund genug mit dem Saufen aufzuhören. Bei mir funktionierte es erst, als ich es selbst wollte, als ich einfach nicht mehr konnte. Du kannst nur auf Dich selbst achten, auf Dein Leben achten für das Du verantwortlich bist. Du bist aber nicht für das Leben Deiner Mutter verantwortlich - dafür trägt sie selbst die Verantwortung.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und hoffe, dass Du hier viele gute Anregungen und Hilfe bekommst.

    LG
    gerchla

    Hallo Lotze,

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    Das Problem dabei: Ich falle dabei kaum aus der Rolle. Meine Partnerin trinkt zum Essen immer Wein, und da fällt es ihr nicht auf, wenn ich zwischendurch noch heimlich ein bis zwei Flaschen Wein trinke. Morgens bin ich halbwegs fit und kann ordentlich zur Arbeit.

    Na das kenne ich nur zu gut. Ich bin einen Hauch jünger als Du und ich habe viele Jahre lang heimlich getrunken. Allerdings hat meine Ex-Frau kaum Alkohol getrunken, trotzdem konnte ich meine Trinkerei (bei mir zum Schluss hin ca. 10 - 12 Bier, ggf. noch ne Flasche Wein dazu) weitestgehend geheim halten. Zumindest hat mir meine Ex-Frau bei meinem Outing zunächst mal nicht geglaubt, dass ich Alkoholiker bin. Ich musste ihr erst mal alle meine, prall gefüllten, Geheimverstecke zeigen. Aber die heimliche Trinkerei war natürlich ein zunehmender psychischer Stress.

    Da hast Du es ja eigentlich ziemlich einfach mit der Vertuscherei. Wenn sie selbst trinkt riecht sie den Alkohol nicht mehr und Du kannst offenbar 2 - 3 Flaschen Wein in Dich reinschütten ohne auffällig zu werden. Ich würde mal sagen: Da hängst Du ganz schön in der Sch....e!

    Bei mir ging das richtig viele Jahre so, ich sag mal, mindestens 10 Jahre. Tägliches Trinken, langsam steigerte sich die Menge, ich begann immer früher am Tag (irgendwann morgens vor der Arbeit) und das Entsorgen der Hinterlassenschaften des Vortags erforderte immer mehr Aufwand. Ich glaube, die "ersten" 6 - 7 Jahre waren noch ganz "erträglich" - die Trinkmenge war Anfangs noch einigermaßen überschaubar (von 1 - 2 Bier auf 5 -6 Bier vielleicht), soziale Kontakte pflegte ich noch einigermaßen, Terminabsagen oder plötzliche erfundene Krankheiten um Saufen zu können war noch überschaubar, usw, usf. Aber die letzten paar Jahre waren dann die Hölle - sowohl für meine Familie als auch für mich. Denn plötzlich veränderte ich mich rapide - erst mal körperlich. Ich war immer schlank und wurde plötzlich von Woche zu Woche immer übergewichtiger. Zwischendrin sah ich aus wie eine Wasserleiche, aufgequollen, krank. Organe begannen zu schmerzen, vor allem im Bauchraum hatte ich immer wieder Schmerzen. Von Magen und Darmgeschichten will mal erst gar nicht anfangen. Dann die charakterliche Veränderung, Veänderung meines eigentlich gutmütigen Wesens bis hin zu depressiven Phasen. Lug und Trug begannen - Lügen und vertuschen stand täglich auf dem Programm.
    Und ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Wenn ich tatsächlich mal geschafft habe nur 5 oder 6 Bier zu trinken kam ich mir am nächsten Tag wie ein Held vor. ..."gestern hast Du ja fast nichts getrunken"....
    Trinkpausen waren nicht mehr möglich, auch dann nicht, wenn ich richtig krank war und z. B. Fieber hatte. Ich trank mindestens 10 Bier am Tag und oft reichte das auch nicht aus und ich musste mir zum Schluss auch noch ne Flasche Wein reinschütten um mich komplett abzuschießen.

    Hätte ich den Absprung nicht geschafft würde ich heute entweder noch mehr trinken, ganz sicher mittlerweile harte Sachen weil mich die Entsorgungslogistik zunehmend überfordert hat oder ich wäre bereits tot. Letzteres wäre, glaube ich, gar nicht so unwahrscheinlich.

    Aber heute ist es so, dass ich bereits seit mehreren Jahren keinen Alkohol mehr trinke. Also trocken bin und sehr glücklich. Meine körperlichen Probleme stellten sich als alkoholbedingt heraus und waren noch reparapel und ich hatte damit großes Glück. Ich nahm 25 kg ab und bin seit einigen Jahren regelmäßiger Starter bei Marathon- und Halbmarathonläufen. Es nicht so, dass ich keinen Alkohol mehr trinken darf (wer will mir das verbieten?), es ist so, dass ich keinen Alkohol mehr trinken will. Und dass, weil ich im Zuge der Aufarbeitung meiner Sucht gelernt habe all das was ich vorher nur mit Alkohol geschafft habe auch ohne zu schaffen. Und nicht nur ohne zu schaffen sondern auch noch viel besser zu schaffen. Und sogar Spaß, z. B. bei Feiern oder ähnlichem, habe ich heute viel mehr ohne Alkohol als früher mit. Selbst wenn die anderen dabei trinken, es ist mir egal. Es sei denn, sie lassen sich komplett zulaufen, dann wirds mir zu peinlich und ich gehe. ABER: Das kommt so gut wie nie vor weil ich dieses Umfeld gar nicht habe.

    Warum dieser Vortrag von mir? Er soll Dich motivieren den Ausstieg anzugehen. Es lohnt sich. Funktioniert aber nur, wenn Du ernsthaft dazu bereit bist. Einfach mal nichts zu trinken reicht nicht aus. Du kannst auch 4 Wochen einfach nichts trinken und auch das reicht nicht aus. Um dauerhaft trocken zu bleiben musst Du tiefer gehen, musst aufarbeiten, Dir dabei helfen lassen. Deshalb ist es genau richtig die Hausarzt zu informieren und auch die Suchtberatung aufzusuchen. Und es ist auch richtig zu reduzieren aber nicht komplett aufzuhören. Denn Du weißt sicher, dass ein kalter Entzug schlimmste Folgen haben kann. Den Entzug dann mal lieber mit ärztlicher Begleitung machen.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du alles so umsetzen kannst wie Du es planst. Und ich wünsche Dir eine guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Frenzl,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich kurz vor: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und nun schon einige Jahre trocken. Ich hatte Familie, Frau und zwei wunderbare Kinder und absolut keinen Grund mit dem Trinken zu beginnen. Letzlich endete meine Trinkerkarriere dann mit der Trennung von meiner Frau (allerdings habe ich mich getrennt) und ich begab mich in eine längere Zeit des Aufarbeitens. Mittlerweile habe ich eine neue Partnerschaft und auch eine neue kleine Familie. Wobei das Verhältnis zu meinen beiden anderen Kindern mittlerweile auch wirklich sehr sehr gut ist. Ich bin sehr glücklich aktuell.

    Das mal als Schnellversion.

    Ich möchte ein paar Dinge zu dem schreiben, was Du über Dich und Deinen Mann berichtet hast (auch wenn Du vieles schon weißt oder hier gelesen hast):

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    Meine Geschichte ist sicher ähnlich zu denen von vielen anderen hier.

    Ja, diese Krankheit zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei allen Betroffenen, egal ob nun der Alkoholiker selbst oder die Angehörigen, ähnlich verläuft. Sie beginnt meist unbemerkt, schleichend und entwickelt sich dann langsam zum Orkan der alles mit sich reißt. Das Ende ist oft desaströs - der Ausstieg für den Alkoholiker, wenn er denn überhaupt versucht wird, ist schwierig und erfordert sehr viel Auseinandersetzung mit der Krankeit und der eigenen Situation. Einstieg und Ausstieg aus der Sucht scheinen bei den meisten Betroffenen ähnlich zu verlaufen, das täuscht dann aber etwas. Hier gibt es oft sehr individuelle Wege, wobei bestimmte "Grundregeln" natürlich meist zutreffen. Aber halt nicht immer.

    Eine dieser Grundregeln (oder Erfahrungen) ist, dass ein Angehöriger einem Abhängigen nicht aus seiner Sucht heraus helfen kann. Diese Erfahrung wirst Du wohl auch schon gemacht haben. Alles Reden, verstecken von Alkohol, Überwachen, Diskussionen usw. führen nicht dazu, dass der Süchtige "einsichtig" wird. Zwar kann es sein, dass er zu gibt oder "einsieht", dass er ein Problem hat, was aber noch lange nicht bedeutet, dass er auch etwas dagegen unternimmt bzw. unternehmen kann. Oft will oder würde er gerne, die Sucht ist aber stärker. Sehr häufig wird aber auch verleugnet und es hagelt Schuldzuweisungen, z. B. gegenüber dem Partner.

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    Er trinkt Bier, keine harten Sachen.


    Wahrscheinlich hast Du hier schon irgendwo gelesen, dass es völlig egal ist welche Art von Alkohol man trinkt. Nur Bier heißt einfach nur, dass er mengenmäßig mehr trinken muss um einen gewissen Alkoholspiegel zu erreichen. Ich hatte so 10 - 12 Bier täglich (am Ende meiner Karriere) - das hätte ich auch mit 1 oder 1,5 Flaschen Schnaps ersetzten können. Schnaps hört sich "härter", schlimmer an - am Ende zählt die Menge reinen Alkohols die man zu sich nimmt. Aber selbst die Menge ist des reinen Alkohol ist nicht entscheidend - Ich war schon bei einer relativ geringen Trinkmenge von 1-2 Bier/täglich abhängig. Das habe ich über viele Jahre auch durchgehalten. Aber ich wollte/konnte eben auch nicht ohne, obwohl es ja (verglichen mit später) gar nicht so viel war. Und das meinte ich auch mit unbemerktem Einstieg in die Sucht ... Abends das Feierabendbier - ist doch ganz normal, oder?

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    In der gleichen Woche sagte mir mein Mann, dass er nun versuchen werde für 4 Wochen gar nichts mehr zu trinken.


    Diese Trinkpausen gehören zur Sucht - was glaubst Du wie viele ich davon gemacht habe? Ich konnte Anfangs soger monatelang verzichten, z. B. als meine Tochter auf die Welt kam. Da wollte ich ihr zuliebe, weil ich Angst hatte ich könnte nachts wenn sie bei uns mit im Bett liegt besoffen auf sie rollen, nichts mehr trinken. Das habe ich auch geschafft - natürlich nicht ohne immer wieder an Alkohol denken zu müssen und natürlich immer mit dem Hintergedanken, dass es ja nur temporär ist. Über ein Bier-Mischgetränk bin ich dann wieder eingestiegen. Dieser Wiedereinstig war der Beginn meines Abstiegs - und das habe ich damals noch nicht mal geschnallt. Aber auch später, als ich bereits auf weit höherem Niveau trank, war ich in der Lage Pausen zu machen. Tageweise, auch noch Wochen und immer dienten diese Pausen der Beruhigung meines Gewissen und dem Selbstbetrug. Denn wer tagelang verzichten kann, der kann ja kein Alkoholiker sein - natürlich kompletter Quatsch!

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    Nicht viel und er hat es mir gesagt, aber hierbei geht es gar nicht um die Menge, sondern darum dass er getrunken hat. Natürlich hab ich mich dann gleich wieder abgegrenzt, habe auf der Couch geschlafen und mich auf keinerlei Diskussionen eingelassen.


    So hart es auch erscheinen mag, damit hast Du vollkommen richtig reagiert. Du musst Dich abgrenzen um nicht selbst unter zu gehen. Du kannst und musst nur auf Dich schauen. Diskussionen mit einem nassen Alkoholiker (und das ist er auch wenn er ein paar Wochen nichts getrunken hat) führen zu nichts. Aus meiner Sicht gäbe es nur ein Signal, dass Dich dazu bewegen könnte, nochmal nachzudenken - nämlich wenn er von sich aus sofort etwas gegen seine Sucht unternimmt. Und zwar nicht so, dass er einfach nichts mehr trinkt sonder so, dass er sich sofort Hilfe sucht. Aktiv! Also zum Arzt geht, mit ärztlicher Hilfe entzieht, mit der Suchtberatung spricht und ggf. eine stationäre oder ambulante Therapie beginnt. Alternativ sich psycholgische Hilfe sucht und SHG besucht. Das er etwas macht, AKTIV von sich aus. Nur dann könntest Du Dir überlegen, ob Du Ihn dabei begleiten willst und ggf. unterstützt. Dann macht es auch Sinn, wenngleich auch das ein weiter Weg ist und Du durchaus hinterher einen zwar trockenen aber auch ganz anderen Mann an Deiner Seite hast. Ich z. B. bin mit dem trinkenden Menschen der war nicht mehr vergleichbar - ich habe mich in fast allen Bereichen, vor allem Denkweisen und Charakter komplett verändert (zum Glück und das ist ja auch Sinn der Übung) ABER ich bin auch keinesfalls der Mensch, der ich vor der Sucht war..... Die Sucht prägt und verändert und hinterher - wenn man denn den Ausstieg überhaupt schafft, ist man ein anderer Mensch. Was aber nicht negativ sein muss, nur um das auch mal klar zu stellen. ;)

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    Wobei ich mir noch mehr wünschte, dass mein Mann gesund wird.


    Das hat nur er allein in der Hand - Vielleicht kann Dein Ausszug, Dein konsequentes Handeln sogar dazu beitragen, dass er etwas unternimmt.

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    Deswegen bin ich ja hier, das mir Leute bestätigen, dass das der richtige Schritt ist.

    Das kann ich Dir aus meiner Alkoholikersicht absolut bestätigen. Solange

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    Der Wille eine Therapie zu machen leider nicht, da er denkt, dass er das selbst irgendwie schafft.

    das bei Deinem Mann zutreffend ist, kannst und musst Du auf Dich selbst achten. Oder Du wirst mit in den Abgrund gerissen. Im Nachhinein hätte ich mir gewüscht, dass mich meine Familie frühzeitig verlassen hätte. Dann hätte sie sich viel erpart und vielleicht wäre ich zur Besinnung gekommen. Vielleicht auch nicht.

    Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft um Deinen Weg konsequent gehen zu können. Und natürlich auch eine guten und hilfreichen Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    ... geht mir auch mächtig auf die Nerven - ich meine damit grundsätzlich die Werbung für Alkohol. Nun ist es überhaupt nicht so, dass ich persönlich mich dadurch irgendwie gefährdet fühlen würde und ich glaube auch nicht, dass es die Werbung an sich war, die mich persönlich zum Alkoholiker gemacht hat.

    Die Gefahr besteht viel mehr im Image, dass durch die Werbung aufgebaut wird. Über Jahre und Jahrzehnte - unsere Politiker (auf jeden Fall hier in Bayern und bestimmt auch in den anderen Bundesländern) fördern dieses Image auch noch wo sie können.

    Ich denke, dass wird sich auch auf längere Sicht nicht ändern. Zu positiv ist das Image besetzt, zu sehr glauben die Menschen, dass Alkoholismus nur andere Betrifft. Zu wenig nehmen die Menschen Alkohol als bewustseinsvernändernde Droge war. Es ist halt einfach gesellschaftlich anerkannt, dass man Alkohol trinkt, dass man "auch mal" besoffen sein muss um darüber dann jahrelang Legend bildend erzählen kann.

    Und es ist ja auch ziemlich scheinheilig einerseits "Kenne Deine Grenzen"-Kampagnen zu fahren und andererseits z. B. Veranstaltungen wie das Oktoberfest (in meinen Augen einfach nur eine riesen Besäufnisveranstaltung) als, in diesem Fall, bayerische Kulturveranstaltung hinzustellen. Ich könnte mich da ziemlich hinein steigern - und das will ich eigentlich nicht. Ich kann nur für mich selbst sorgen und mein nahes Umfeld bekommt natürlich auch meine Meinung zu hören - allerdings immer mit dem Versuch dabei sachlich zu bleiben. Denn wir wissen ja: Nix ist lästiger als ein Ex-Ketten-Raucher der Rauchern ständig erklärt wie ungesund das Rauchen ist, nur weil er aufgehört hat! Und das gleiche ist es auch mit trockenen Alkoholikern - gerade die, die ein (aktives) Alkoholproblem haben wollen sich schon mal gar nicht belehren lassen. Kennen wir ja von uns....

    LG
    gerchla

    Inzwischen habe ich viele schöne Momente, die früher für mich immer gleichzeitig mit dem Konsum von Alkohol besetzt waren, ganz ohne Alkohol erlebt.

    Das finde ich, ist eine ganz entscheidende Aussage: Dinge oder auch Gefühle erleben, die vorher nur in Verbindung mit Alkohol möglich waren nun auch ohne Alkohol genauso erleben zu können. Ich glaube diejenigen, denen das gelingt, die werden nichts vermissen. Warum auch?

    Bei mir ist das auch so. Ich habe auch das Glück, dass ich vieles von dem was ich vorher immer nur in Verbindung mit Alkohol als richtig positiv empfunden habe, auch heute ohne mindestens genau so positiv empfinde. Teilweise sogar noch positiver. Und mir fällt jetzt gerade auch tatsächlich nichts ein, wo das nicht so wäre. Das ist sehr schön und dadurch habe ich auch keinerlei Gefühl etwas zu vermissen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Sonnenblume,

    erst mal auch von mir :welcome: hier im Forum!

    Sonnenblume, ein sehr schöner Nikname - ich mag Sonnenblumen, sie stehen für mich für Sommer und Lebensfreude (unser Garten ist voll davon!)

    Lebensfreude ist bei Dir aber im Moment mal eher nicht vorhanden. Aber jetzt erst mal langsam und der Reihe nach.

    Kurz zu mir: Alkoholiker, männlich, Mitte 40, mehrere Jahre trocken.

    Deine Geschichte rührt mich zutiefst, ich musste sogar ein paar Tränen verdrücken. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie mich sehr an meine eigene erinnert. Auch ich hatte eine kleine Familie und auch eine kleine Tochter (+ einen damals schon fast erwachsenen Sohn). Ich liebte (und liebe) meinen Sohn natürlich sehr, aber wie gesagt, er war damals schon fast erwachsen. Meine Tochter war mein ein und alles - ein Leben ohne sie konnte ich mir gar nicht vorstellen. Wir hatten eine megaenge Beziehung.

    Ich erzähle Dir jetzt mal meine Geschichte:

    Ich heirate meine Frau in jungen Jahren, es war eine reine Liebesheirat. Wir hatten eine gute, sehr gute Zeit miteinander, bekamen unser erstes Kind, unseren Sohn, später, fast schon als Nachzüglerin unser zweites Kind, unsere Tochter. Da war ich bereits alkoholabhängig - wenn auch vom Trinkniveau noch auf niedrigem Level. Ich machte Karriere, kam im Job voran, war allseits anerkannt und beliebt. Ich hatte, mit normalen Menschenverstand betrachtet, keinerlei Gründe mit dem Trinken anzufangen. Trotzdem schlich sich die Sucht in mein, in unser Familienleben.

    Zunächst mal war das gar kein Problem. Relativ früh begann ich damit heimlich zu trinken. Lange Zeit auf sehr niedrigem Niveau so dass wirklich niemand etwas bemerkt hat und mein soziales und familiäres Leben noch recht gut und reibungslos funktiort hat. Nun, so zogen die Jahre ins Land und ich hatte gelernt Probleme aber auch positive Ereignisse immer mit Alkohol zu verbinden. Wie es eben so ist mit dieser Sucht, steigerte sich mein Konsum über die Jahre und der Aufwand es zu verheimlichen stieg stets an. Nebenher veränderte die Sucht mein Verhalten und auch meinen Charakter enorm. Meine Familie, die das sehr wohl wahr nahm, wusste nicht was los war. Sie war besorgt um mich und ich fütterte sie mit Lügengeschichten, die als Erklärung herhalten mussten.

    Es steigerte sich weiter, die Distanz zu meiner Frau nahm zu, wenngleich sie immer alles versucht hat um wieder an mich "heran zu kommen". Doch ich ließ es nicht zu - meine Liebe war nun der Alkohol und ich wollte und musste konsumieren. Nach wie vor heimlich mit höchstem Aufwand dieses auch tatsächlich gewährleisten zu können. Bei alle dem stand für mich meine über alles geliebte Tochter immer in meinem emotionalen Mittelpunkt. Aber selbst diese innige Liebe zu meiner Tochter vermochte es nicht, mich vom Trinken abzubringen....

    Irgendwann kam dann der Punkt (es funktionierte noch alles - meine Scheinwelt war noch in Takt), wo ich nicht mehr konnte und nicht mehr wollte. Es war plötzlich der Moment wo ich wusste, dass ich jetzt reinen Tisch machen werde und anschließend nie mehr trinken möchte. Ich weiß es noch genau, ich hatte zu diesem Zeitpunkt genau vier Bier intus, was für mein damaliges durchschnittliches Trinklevel quasi nichts war. Das waren die letzten vier Bier meines bisherigen Lebens. So betrat ich unser Haus und ich eröffnete meiner Frau, dass ich Alkoholiker bin und dass ich Abstand brauche und mich um mich und mein Leben kümmern muss. Sie fiel aus allen Wolken, ihre Welt brach zusammen - die Reaktionen meiner Tochter werde ich niemals in meinem Leben mehr vergessen... Aber sie glaubte mir auch nicht. Erst als ich meiner Frau dann alle meine zahlreichen Alkoholgeheimverstecke gezeigt habe, glaubte sie mir. Auch ihr Gesicht und ihre Reaktionen werde ich nie vergessen. Ich zog zügig aus und es folgte auch die "richtige" Trennung von meiner Frau - ausgehend von mir, nicht von ihr. Das Leiden meiner Tochter werde ich niemals vergessen, aber auch das meines Sohnes, das anders war, auch nicht.

    Meine Frau brauchte Monate um wieder einigermaßen klar zu kommen, meine Kinder ebenfalls. Sie suchte sich Hilfe, psychologische Hilfe und wir haben gemeinsam psychologische Hilfe für unsere Tochter gesucht und besucht. Diese Hilfe war es, die alles in ein ruhigeres, besseres Fahrwasser gebracht hat. Unabhängig davon habe ich selbst mich natürlich auch um mich und meine Sucht kümmern müssen, d. h. natürlich um die Aufarbeitung meiner Sucht und um die Gestaltung meines neuen Lebens. Darauf will ich im Detail jetzt nicht eingehen sonst wird das hier ein Roman. Jedenfalls holte auch ich mir Hilfe unterschiedlichster Art und nach und nach sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels.

    Es dauerte eine lange Zeit, bis sich das Verhältnis zu meiner Frau aber auch der Umgang mit meiner Tochter wieder normalisierte. Monate, ja sogar Jahre zogen ins Land und Stück für Stück wurde es besser, schöner und normaler. Wir ließen uns irgendwann scheiden, es war klar das wir keine Zukunft mehr zusammen hatten - aber diese Scheidung tat nicht mehr weh. Sie war eine Konsequenz aus der Vergangenheit. Ich konnte vertrauen zurück gewinnen, gegenüber meiner Ex-Frau aber auch gegenüber meiner Tochter, die nun langsam in die Pupertät kam. Sie vertrauten mir wieder, weil ich nicht mehr trank. Weil sich mein Verhalten und mein Charakter wieder veränderten, dieses Mal aber zum Positiven. Nein, ich war nicht mehr der, der ich vor meiner Trinkerzeit war. Nicht der, den meine Frau damals geliebt und geheiratet hatte und mit dem sie alt werden wollte. Ich war ein ganz anderer Mensch geworden, mit der Erfahrung ein Alkoholiker zu sein, glücklicherweise ein trockener.

    Dieser Mensch, der ich nun war, war einer auf den sie sich verlassen konnte. Der sie unterstützte und zu dem Stand, was er gesagt hat. Ganz anders als der zur Trinkerzeit. Und obwohl ich mittlerweile wieder eine neue Beziehung hatte (mittlerweile auch wieder verheiratet bin) und obwohl aus dieser Beziehung dann auch noch weiteres wunderbares Kind entstand (unsere kleine Tochter) hat sich das Verhältnis zu meiner Ex-Frau und ganz besonders auch zu meiner Tochter immer weiter verbessert.

    Heute, gehen meine Kinder bei uns ein und aus - meine Tochte liebt ihre kleine Schwester, mein Sohn hat ein wunderbares Verhältnis zu mir und meiner Frau und mit meiner Ex-Frau kann ich wunderbare, auch tiefgreifende Gespräche führen. Sie ist heute deutlich glücklicher (eigene Aussage) als die vielen Jahre mit mir als Trinker an der Seite.

    Ich schreibe Dir das, weil meine Ex-Frau und ich ebenfalls in diesem tiefen Tal waren, in dem Du Dich jetzt gerade befindest. Ich werde das nie in meinem Leben vergessen können auch ich will es auch nicht vergessen, denn es ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Aber ich will Dir sagen, dass auch ein Weg aus diesem Tal heraus führt. Er ist lang, er kann schwierig sein, aber Du kannst ihn meistern!

    Dein Mann ist für Dich verloren, so lange er weiter trinkt. Ein nasser Alkoholiker ist als Partner völlig indiskutabel. Ich sage Dir das aus der Geschichte heraus die Du eben gelesen hast. Du kannst mit einem nassen Alkoholiker keine Beziehung führen ohne immer nur zu verlieren. Leider. Es gibt nichts zu gewinnen. Eine Chance gäbe es nur, wenn er aktiv (also nicht nur reden und versprechen) etwas gegen seine Sucht unternimmt. Also z. B. eine Therapie beginnt. Nur dann könntest Du ihm zur Seite stehen und versuchen diesen Weg mit ihm zu gehen. Das bedeutet nicht automatisch, dass dannach alles gut wird. Das siehst Du sehr gut an meinem Beispiel - ich habe aufgehört und mich getrennt.... Aber es wäre zumindest eine Perspektive vorhanden. Wenn er aber weiter trinkt gibt es keine Perspektive.

    Somit kann ich nur sagen, dass es vollkommen richtig ist, was Du getan hast. Auch wenn es weh tut, auch wenn Du zweifelst.... Eine Beziehung mit einem nassen Alkoholiker aufrecht zu erhalten bedeutet nur eine Verlängerung des Leidens, ohne Licht am Ende des Tunnels. Leider ist diese sch...ß Sucht so mächtig, dass Du es nicht in der Hand hast. Nur er selbst könnte etwas tun, aber das muss er dann von innen heraus auch wirklich wollen. Bei manchen kommt dieser Wille, diese Erkenntnis irgendwann mal, bei sehr vielen aber auch nicht.

    Schaue auf Dich und vor allem auch auf Deine Tochter. Ich habt ein Recht auf ein glückliches Leben. Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen M-ILY-L,

    Zitat

    Er gibt sich mühe es lieb auch ein bisschen am dir machmal riecht er nach Alkohol aber sein verhalten ist ganz normal und sagt mir das er nicht getrunken hat. Er weiss auch das ich ihm nicht mehr zu 100% vertraue

    Ich denke er wird heimlich trinken. Was ganz normal ist für einen Suchtkranken. Es gibt auch Kombinationen - also z. B. "öffentlich sichtbar" wird eine sehr moderate Menge Alkohol getrunken und heimlich gibt sich der Süchtige dann nebenher die Kante. Es geht ja dabei darum, dass sich der Trinker eigentlich für seine Sucht schämt. Und es geht auch darum, dass er nicht auffallen möchte, dass er nicht darauf angesprochen werden möchte. In Deinem Fall hat er sicher auch keinen Bock darauf, dass Du ihn darauf ansprichst. Aber anstatt etwas zu Unternehmen, eine Suchtberatung aufzusuchen, sich seinem Arzt gegenüber anzuvertrauen und gemeinsam einen Plan für eine alkoholfreie Zukunft zu entwickeln, trinkt er halt heimlich.

    Ich war diesbezüglich übrigens Profi. Ich habe ausschließlich heimlich getrunken, über 10 Jahre auch auf hohem Niveau (tägl. um die 10 Bier + Wein) - ich hatte Frau und zwei Kinder. Meine Frau (jetzt Ex-Frau) hat mir nach meinem Outing nicht geglaubt, dass ich ein Alkoholproblem habe - erst als ich ihr alle meine prall gefüllten Geheimverstecke gezeigt habe, hat sie verstanden was Sache war. Auch nach meinem Outing gegenüber meiner Eltern, Geschwister, Freunden usw. bekam ich nur Rückmeldungen, dass diese das nie geglaubt hätten. Die einzige, die etwas gemerkt hat war meine kleine Tochter, von der ich es am wenigsten erwartet hätte, gerade weil ich bei ihr immer besonders "aufgepasst" habe. Tja, Kinder leiden immer am meisten und bekommen mehr mit als man glaubt....

    Verheimlichen konnte ich das übrigens nur, weil ich gelogen und betrogen habe was das Zeug hält. Fing an mit Notlügen und endete in gigantischen Lügenkonstrukten (aufgebaut über viele Jahre) und ich hatte teilweise Probleme, meine eigenen Lügen von der Wahrheit zu unterscheiden. Natürlich hatte sich die Beziehung zu meiner Frau auch verändert, sie wurde distanzierter. Logisch, denn erstens wollte ich ja in Ruhe (heimlich) trinken und zweitens war es wichtig, dass ich nach 10 Bier nicht noch hochgeistige Gespräche mit ihr führen musste (was vielleich sogar noch geklappt hätte aber sehr anstrengend gewesen wäre). Von körperlicher Zuneigung war natürlich mit zunehmender Suchtdauer auch immer mehr Abstand zu nehmen, denn einerseits sank die Lust und wich der Lust am Trinken und andererseits ist es bei körperlicher Nähe schon recht schwer eine größere Anzahl von Bieren, die man intus hat, rein geruchsmäßig zu verheimlichen....

    Zitat

    Das soll jetzt auch nicht heißen das ich ihm garnicht vertraue es gibt sich ja mühe mich macht es halt traurig wenn er Getrunken hat das er mich anlügt ich sag ja nichst wenn er ein Rückfall hatte dann kann man doch da drüber reden.

    Ich möchte mir nicht anmaßen Deine/Eure Situation genau beurteilen zu können. Aber ich glaube nicht, nachdem was Du so geschrieben hast, dass Du bei Deinem Mann von Rückfällen sprechen kannst. Einen Rückfall hat jemand, der nach längerer Trockenheit wieder zu trinken beginnt. Oft auch "nur" mal einen Ausrutscher hat und sich dann sofort wieder fängt oder aber über diesen Rückfall auch wieder in sein altes Muster zurück fällt.

    Mir scheint Dein Mann hat nie ernsthaft mit dem Trinken aufgehört - Bestenfalls legt er Trinkpausen ein, schafft es immer wieder mal einige Zeit nichts zu trinken um dann wieder trinken zu müssen. Was Du dann als Rückfall wahr nimmst.

    Trinkpausen kennen hier fast alle Alkoholiker. Ich selbst konnte am Anfang meiner Karriere teilweise monatelange Trinkpausen einlegen, später dann "nur" noch wochenlang, dann tagelang, am Schluss ging dann aber gar nix mehr.... So verläuft sie halt, die Sucht. Diese Pausen waren auch wichtig für mich selbst - konnte ich mir danach doch immer sagen: Siehst Du, Du hast ja gar kein Problem, Du kannst ja aufhören wenn Du willst - Und wenn man mal 2 oder 3 Wochen keinen Tropfen Alkohol trinken kann, dann kann man ja kein Alkoholiker sein - DOCH, kann man und die Trinkpausen sind sogar normal. So ist das leider.

    Wobei Du von Deinem Mann ja berichtest, dass er behauptet nichts getrunken zu haben aber trotzdem nach Alkohol riecht. D. h. also, Du kannst Dich hier auf gar nichts verlassen von dem was er Dir sagt. Du weißt überhaupt nicht wie oft er wie viel trinkt. Das was Du siehst und wahr nimmst könnte oder ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs - Die Tatsache, dass sein Verhalten "ganz normal" ist sagt dabei gar nichts aus - bis zu einem Level von ca. 8 Bier war mein Verhalten auch ganz normal, danach wurde es etwas schwerer aber ich war ja so geschickt mir den Rest immer dann zu geben, wenn ich sicher sein konnte, dass danach ins Bett fallen kann ohne das jemand noch groß etwas von mir mitbekommt.

    Glaube mir, Alkoholiker sind wahre Profis im Tarnen, Täuschen, Verheimlichen und natürlich im Lügen und Betrügen. Und auch im Verharmlosen, Beteuern und Versprechen. Und überzeugend können sie sein - man glaubt es gar nicht wie überzeugend sie sein könnnen.

    Das wollte ich Dir aus meiner Erfahrung heraus einfach noch schreiben.

    LG
    gerchla

    Hallo Oli,

    interessante Gedanken - man könnte auch sagen: Gefährliche Gedanken....

    Warum denkst Du so? Klar, Du wirst es nicht umsetzen, Du wirst nicht mehr trinken aber unter bestimmten Voraussetzungen.... - ein interessantes und meiner Meinung nach aber auch gefährliches Gedankenspiel

    Ich denke so: Ob ich in 10 oder 20 Jahren wieder trinke oder nicht, ich weiß es nicht, genausowenig wie jemand der noch nie Alkohol getrunken hat nicht sagen kann ob er nicht in 20 Jahren aus irgend einem Grund Alkoholiker ist. Und ich will da auch nicht viel Zeit in könnte/was wäre wenn/ was wird sein in/ usw. investieren, denn ich lebe jetzt und bin zufrieden und glücklich.

    Das ich nicht mehr trinken möchte, dass ist für mich zur Lebenseinstellung geworden. Und was ich davon hätte wieder zu saufen, wenn ich schwer Krank wäre, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Und die Frage, wofür ich dann überhaupt aufgehört habe, wenn ich nun doch totkrank bin, die verstehe ich nicht.

    Ich habe doch aufgehört, weil ich mein Leben zurück wollte und ich habe jetzt die schönste Zeit meines Lebens, seit ich nicht mehr trinke. Was hätte ich wenn ich weiter gesoffen hätte? Wahrscheinlich wäre ich schon in der Kiste... und wenn nicht wäre es ein elendes Leben, wie ich es zu meiner Trinkerzeit hatte - da gibts nun wirklich nichts was ich mir zurück sehen würde.

    Wenn Du Dir so eine Frage ernsthaft stellst, könnte das doch auch bedeuten, dass Du etwas vermisst, dass Du eigentlich gerne trinken möchtest aber eben weißt, das es nicht gut ist und Du es nicht "darfst".

    Ich kann nur für mich sprechen. Ich will nicht mehr trinken und ich vermisse nichts. Darüber bin ich sehr froh!

    Alle Gute weiterhin.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Klar kann ich Ihm jetzt keine Tipps oder ein Rat geben, weil ich einfach keine Erfahrung habe mit dem Thema höre ihm aber sehr gerne immer wieder zu.

    Ich bin mir nicht ganz sicher ob Du genug über diese Krankheit weißt. Das ist jetzt nicht böse gemeint, also bitte nicht falsch verstehen. Es ist so, dass Du einem Alkoholiker grundsätzlich raten kannst was Du willst. Wenn er trinken will, dann trinkt er. Das ist einfach Fakt und dafür ist die Sucht verantwortlich. Da ist es auch egal wieviel Erfahrung jemand hat. Ich, jemand mit relativ viel eigener Erfahrung als jahrelanger starker Säufer, könnte Deinem Mann 1000 Ratschläge oder Tipps geben - nur bringen würde das gar nix.

    Es sei denn, er käme von sich aus und würde ernsthaft versuchen etwas gegen sein Sucht zu unternehmen. Dann würde er mir zuhören (oder Dir), dann könnte es sein, dass er für sich überlegt wie er das für sich umsetzen will. Aber das funktioniert halt leider nur wenn der Betroffene das auch selbst will.

    Solange er das nicht will (wir sagen oft: noch nicht so weit ist), solange wird nichts voran gehen. Er kann Dir versprechen, dass er etwas ändert, er kann Dir das Blaue vom Himmel herunter erzählen. Wenn er mal nüchtern ist, kann er auch selbst davon überzeugt sein: Ab jetzt wird alles anders - bis zum Abend, wenn dann wieder das erste Bier getrunken wird....

    Es ist schwer, sehr schwer und auch einem nicht Suchtkranken sehr schwer zu erklären. Wichtig aber: Du als Partner bist nicht schuld, niemals - Er selbst hat sich dazu entschieden zu trinken. Egal wie schwer sein Schicksal ist, egal wie übel ihm seine Umwelt mitspielt, egal ob er einen Schicksalsschlag nach dem anderen zu verkraften hätte - deshalb müsste er nicht trinken - Millionen anderer Menschen trinken deshalb auch nicht.

    Und wichtig ist wirklich auch die Erkenntnis, dass Du nicht für SEIN Leben verantwortlich bist. Du kommst da nämlich schnell in die Rolle der Co-Abhängigen, was ebenfalls eine ernste psychische Erkrankung ist. Lies hier mal in Ruhe im Angehörigen-Bereich. Co zu sein ist wirklich schlimm für den Betroffenen.

    Und ok, wenn er bereit ist etwas zu tun und auch aktiv etwas tut, also z. B. eine Therapie antritt, dann kannst Du selbstverständlich für ihn da sein. Und ihn unterstützen auf seinem Weg in ein neues Leben. Aber nur dann macht es auch Sinn.

    Pass auf Dich auf!

    LG
    gerchla

    Hallo MI-LY-L,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin selbst Alkoholiker und seit längerer Zeit trocken.

    Grundsätzlich ist es schon manchmal möglich, dass ein Alkoholiker es alleine schafft trocken zu werden. Mit alleine meine ich z. B. ohne eine klassische Therapie. Das war bei mir übrigens auch so. Allerdings gehört dazu ziemlich viel Bewusstsein darüber in welcher Lage man sich eigentlich befindet. Und der absolute Wunsch nicht mehr trinken zu wollen und sein Leben ändern zu wollen.

    Bei mir war das so, dass ich bereit gewesen wäre eine Langzeittherapie zu machen. Ich habe dann aber gemerkt, dass ich klar komme, also auch ohne. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich nichts gemacht hätte. Folgendes habe ich z. B. gemacht: Selbsthilfegruppe (auch AA), Psychologe, Hausarzt, Outing gegenüber Familie und engen Freunden, viele Gespräche mit meinem besten Freund, viele Gespräche mit einem Mönch, der mir sehr geholfen hat. Nebenbei habe ich mein komplette Leben und teils auf Umfeld umgekrempelt. Danach war nichts mehr wie vorher....

    Somit kann ich eigentlich auch nicht von mir behaupten, ich hätte ohne Hilfe geschafft. Ich hatte ja sogar sehr viel Hilfe. Aber ich hatte keine LZT.

    Wie dem auch sein, das alle nützt Dir in Deiner Situation nun erst mal gar nichts. Dietmar hat ja schon ziemlich deutlich gesagt, was Sache ist. Und da hat er auch Recht.

    So lange Dein Mann nicht von sich aus etwas unternehmemn will, wirst Du keine Chance haben etwas zu verändern bei ihm. Da kannst (und musst) Du nur auf Dich schauen und natürlich auf Dein Kind. D. h. in letzter Konsequenz, dass Du notfalls Dein eigenes Leben führen musst, ohne ihn.

    Aber vielleicht wäre es jetzt erst mal eine Option, dass Du Dir noch Hilfe z. B. in einer SHG für Anghörige suchst. Da kannst Du Dich direkt austauschen.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Versuche es doch mal mit einem Psychologoen, wenn Du eh schon darüber nachdenkst, dann scheint es für Dich ja eine Möglichkeit zu sein. Und Du kannst doch nur gewinnen.... Vielleicht passt es auch nicht gleich und Du musst mehrere ausprobieren. Das ist ja eine sehr persönliche Angelegenheit und da ist dann Vertrauen ganz wichtig. Aber ich glaube es wäre besser für Dich etwas zu unternehmen als zu versuchen alles mit Dir selbst auszumachen. Wir sind damals übrigens beide auch zusammen mit unserer Tochter zur Kinderpsychologin. Sie litt sehr unter unserer Trennung und auch da war es definitiv richtig etwas zu unternehmen und für sie Hilfe zu suchen. Denn wir wollten ja nicht, dass sie dann später mal, wenn sie Erwachsen ist, Probleme bekommt.

    Klar, man kann das nie ausschließen aber meine Tochter ist jetzt in der Pupertät und wir haben ein super Verhältnis - selbiges hat sie auch zu meiner neuen Frau und natürlich auch zu ihrer Mutter, also meiner Ex-Frau. Ich weiß nicht ob das alles so wäre, wenn wir damals nicht gehandelt hätten.

    Verstehe mich nicht falsch. Ich versuche einfach nur Dich zu motivieren Dir Hilfe zu suchen. Auch eine SHG für Anghörige wäre eine Option für Dich. Es gibt für Dich ja kein Risiko - Du hast doch in der Hand - wenn Du ein schlechtes Gefühl hast, dann gehst Du einfach nicht mehr hin.

    Zum Thema Hass - Ich verstehe und kann nachvollziehen, dass Du dieses Gefühl Deinem Ex-Partner gegenüber hast. Und ich glaube es ist auch eine Zeit lang ok dieses Gefühl zu haben und zu zu lassen. Aber ich glaube auf Dauer ist Hass ein ganz schlechter Berater für das eigenen Leben. Wer hasst verliert sich selbst. Ich hoffe Du kannst das alles bald überwinden und damit beginnen die Zukunft für Dich und Deine Kinder neu zu gestalten. Das ist eigentlich das, worauf es an kommt.

    LG
    gerchla

    Hallo Zensilein,

    ich habe mir jetzt lange überlegt was ich Dir schreiben könnte. Und jetzt lese ich den Post von Wolfsfrau an Dich. Ich finde dieser Post sagt wirklich alles aus!

    Vielleicht denkst Du ja auch nochmal darüber nach, Dir noch anderweitig Hilfe zu suchen, ich meine außer diesem Forum hier. Viele von uns, vielleicht sogar die meisten, haben das auch gemacht. Ich ja auch, wie ich Dir bereits schrieb. Es hat mir so geholfen.

    Alles Gute und viel positive Energie und Kraft wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen kizirkit,

    Deine Entscheidung ist richtig, davon bin ich überzeugt. Du wirst sehen wie er reagiert, ob er bereit ist sofort etwas zu unternehmen oder nicht. Wenn nicht, wirst Du konsequent Deinen Weg gehen - das ist genau richtig. Anders wirst Du nicht weiter kommen. Hol Dir Dein Leben zurück!

    Ich weiß, auch mal wieder aus eigener Erfahrung, dass es bestimmt schwer wird. Trennung, das ist immer sehr schlimm. Das war für meine Ex-Frau sehr sehr schlimm, das war aber auch für mich sehr schlimm. Zweifel kommen sicher auch noch dazu - ist es richtig, ist es falsch? Sei Dir versichert: Eine Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist einfach ein Fiasko für den Partner! Es gibt überhaupt keine Perspektive. Du handelst absolut richtig!

    Du weißt ja wo wir sind, wenn Du uns weiterhin brauchst! Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo Kizirkit,


    Das Ergebnis spricht Bände: „Er“ = 78mal; „Ich“ = 10mal.

    Ich finde, das bringt es genau auf den Punkt!

    Du weißt nun eigentlich was Sache ist. Ich denke, Du glaubst uns auch, was wir hier so schreiben. Du kannst auch vertrauen in das was wir schreiben, denn wir sind in der Mehrheit entweder selbst Alkoholiker oder eben betroffene Angehörige und haben das alles selbst durchlebt. Entweder auf der Trinkerseite oder als Angehöriger.

    Was Du von Deinem Partner beschrieben hast, ist meiner Meinung nach ein klassischer funktionierender Alkoholiker. Diese Phase des Alkoholismus kann sehr viele Jahre, teils weit über 10 Jahre hinaus dauern. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft denn die absolute Mehrheit der Alkoholiker gehören genau zu dieser Gruppe. Die Minderheit besteht aus den Menschen, die oft als die "richtigen" Alkoholiker gesehen werden, also der klassische Penner mit der Flasche in der Hand... Die werden dann geringschätzig behandelt, es wird die Nase gerümpft und sich abgewendet. Die meisten davon waren vorher auch mal funktionierende Alkoholiker, das mal nur am Rande....

    Und, viele rutschen erst gar nicht so weit ab. Aber nicht, weil sie aufhören zu trinken (ich schrieb bereits, dass das nur 10 % versuchen), sondern weil sie aufgefangen werden von Familie, Bekannten, Angehörigen. Es wird vertuscht und getrickst so gut und so lange es irgendwie geht. Nicht wenige der Alkoholkranken sterben irgendwann an den Folgen ihrer Sucht, haben aber vorher einen oder gerne auch mehrere Co-Abhängige verschlissen und lassen sie als psychisch äußert angegriffene Menschen zurück. Das ist sehr häufig so, und so landen eben nicht alle, ich möchte sagen, so landet die große Mehrheit der Alkoholiker eben nicht verwahrlost in der Gosse sondern wird von Familie und co gedeckt und irgendwie versorgt. Da wird dann halt regelmäßig der Notarzt gerufen, dann geht's halt mal wieder in die Entgiftung und dann beginnt das Spiel halt wieder von vorne...

    Es ist aber grundsätzlich so, dass diese Krankheit sich permanent weiter entwickelt. D. h. Dein Partner wird nicht auf dem Stand von heute stehen bleiben. Sein Trinkverhalten wird sich ändern, es wird zunehmen, irgendwann trinkt er dann schon morgens. Er beginnt heimlich zu trinken, weil er keinen Bock hat, dass Du dauernd nervst (falls der das nicht ohnehin schon tut) und so geht es dahin mit der Sucht. Was ich Dir da schreibe habe ich alles selbst auch gemacht - nicht das Du denkst ich fantasiere mir hier was zusammen.

    Der Charakter verändert sich im Laufe der Sucht ebenfalls immer mehr - nicht zum Positiven, wenn ich das mal sagen darf. Jemand der heute besoffen einfach einschläft und ganz "harmlos" ist, der kann morgen aggressiv werden. Lügen und Betrügen gehört zum Rüstzeug eines ordentlichen Alkoholikers - Ich war perfektioniert auf Lügen und Betrügen. Ich war so gut, dass ich meine eigenen Lügen teilweise nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden konnte, das ist kein Witz und keine Übertreibung!

    Und jetzt die Frage: Wo bleibst eigentlich Du bei dem ganzen Spiel? Was ist mit Deinem Leben? Hast Du so ein Leben verdient, an der Seite eines Menschen für den Du immer nur eine Co sein wirst, die, wenn sie funktioniert ok ist, wenn aber nicht, dann beliebig auszutauschen ist?

    Du weißt jetzt schon, dass er sich immer für Alkohol entscheiden würde anstatt für Dich, was machst Du jetzt mit dieser Tatsache? Einfach weiter wie bisher und hoffen, dass sich irgendwann irgendwas ändert? Über die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert haben hier schon viele geschrieben - viele Lebenserfahrungen und Geschichten kannst Du hier lesen und diese sind alle echt. Kein schlaues Lehrbuch - echte wahre durchlebte Lebensgeschichten. Überlege Dir, welche Konsequenzen Du daraus für Dich und Dein Leben ziehen willst.

    Heute, mit mehrjährigen Abstand zu meiner Trinkerzeit, würde ich mir wünschen, meine damalige Frau hätte mich verlassen. Sie hat jahrelang gelitten in einer nicht mehr funktionierend Beziehung, auch wenn sie nie genau wusste was eigentlich genau los war (Du hast den Vorteil, dass Du genau weißt was los ist). Das hat ihr Jahre ihres Lebens gekostet. Viele Jahre ihres Lebens hat das gekostet, Jahre die sie in Stagnation mit mir verschwendet hat. Letztlich wurde sie darüber auch krank und unterm Strich hat ihr das Festhalten an unserer Beziehung nichts, aber schon mal überhaupt nichts gebracht. Wir haben uns Scheiden lassen, nachdem ich Trocken war. Wir hatten keine Zukunft mehr. Und erst seitdem konnte und kann sie beginnen ihr eigenes neues Leben wieder in die Hand zu nehmen.

    Es ging ihr sehr schlecht nach der Trennung, es geht ihr sehr gut heute - viel besser als die ganzen vielen Jahre vorher mit mir als Partner. Ich kann das sagen, weil ich wieder ein gutes Verhältnis zu ihr habe und wir uns auch darüber unterhalten können. Das schreibe ich Dir als Denkanstoss für Dein Handeln.

    LG
    gerchla

    @ Greenfox

    Zitat

    Das Problem bei einem noch nassen Alkoholiker ist nur, nach dem "Erkennen" des Problems dessen Lösung auch in Angriff zu nehmen - denn die ist mit (meist) heftigen Schwierigkeiten verbunden. Unter anderem dem Entzug und kräftigen Rückschlägen ...

    Genau so ist es. Und es ist ja leider so, dass nur der allergeringste Anteil der alkoholkranken Menschen überhaupt versucht etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung stand, dass nur 10 % der Alkoholiker eine Therapie antreten. Die Rückfallquote liegt laut dieses Artikels dann immernoch bei etwa 80 %. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle die einen Rückfall hatten dauerhaft wieder trinken aber es zeigt schon, das Abstinenz ein langer und nicht einfacher Weg ist.

    Hier der Artikel der Süddeutschen Zeitung http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/alk…dlung-1.1688228

    LG
    gerchla

    Guten Morgen kizirkit,

    ganz schön was los hier - Du schreibst oder hast noch in einem anderem Forum geschrieben. Ist doch ok, das mache ich auch - dort mache (und schreibe) ich nichts anderes als hier auch. Meine Motivation: Mich austauschen, mich freuen, wenn andere von meinen Erfahrungen etwas für sich mitnehmen können - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Aber jetzt mal wieder zu Dir und Deinem Post hier in diesem Forum:

    Zitat

    Deswegen stelle ich mir die Frage, ob er vielleicht in ein paar Jahren zur Besinnung kommt und von alleine aufhört so viel zu trinken.

    Wieder aus eigener Erfahrung: Natürlich ist nicht auszuschließen, dass er irgendwann mal zur Besinnung kommt. Aus welchem Grund auch immer. Ich bin schließlich auch nach sehr vielen Jahren zur Besinnung gekommen. Sehr viele, vielleicht die Mehrheit, säuft sich aber langsam tot. Auch wenn dann Krankheit und anschließend schlimmstenfalls auch der Tod nicht immer mit dem vorherigen Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird. Aber das ist ein anderes Thema.

    Die Frage ist doch nur, wie lange Du das aushalten willst? Ich meine, mit offenem Ende. Denn eine Garantie, dass er irgendwann mal (in 3, 4, 5 oder 10 oder 15 Jahren?) zur Besinnung kommt gibt es nicht. Bis dahin, wenn der Zeitpunkt überhaupt kommt, kannst Du durch die Hölle gehen. Übertrieben? Ok, dann kannst Du Dich zumindest darauf einstellen, dass Du niemals einen vollwertigen Partner an Deiner Seite haben wirst und dass Du immer nur schmückendes Beiwerk in seinem nassen Leben sein wirst. Du wirst viel aushalten müssen. Nur um weiter hoffen zu dürfen, dass er vielleicht unter Umständen irgendwann mal mit dem Trinken aufhört.

    Und dann, sollte er es wirklich schaffen weg zu kommen, wirst Du einen komplett anderen Menschen an Deiner Seite haben. Das möchte ich auch mal sagen. Auch natürlich wieder aus eigener Erfahrung. Ich habe nicht mehr viel mit dem Menschen zu tun, der ich während meiner Trinkzeit war (zum Glück und so muss es ja auch sein) ABER ich habe auch nicht mehr allzuviel mit dem Menschen zu tun, der ich VOR meiner Trinkerzeit war. Hätte sich also jemanden den Menschen von früher zurück gewunschen, er hätte ihn nicht bekommen.

    Das hört man übrigens von sehr vielen trockenen Alkoholikern. Und darüber sind auch schon Beziehungen zerbrochen nachdem der Partner trocken wurde - meine übrigens auch.

    Zitat

    Ich muss dazu sagen, dass in seinem Freundeskreis viele so viel trinken und es da normal zu sein scheint. Deswegen frage ich mich, ob ich eben das ganze übertreibe.

    Du kannst ja nachlesen, wie viele Menschen in Deutschland alkoholabhängig sind und oben drauf noch, wie viele erheblichen Missbrauch betreiben. Wenn man dann noch einen entsprechenden Freundes- und Bekanntenkreis hat, dann mag einem das als normal erscheinen. Ist es aber nicht. Als Mann könnte er unbedenklich 20 gr. Alkohol zu sich nehmen. Also ein Bier in etwa oder ein Glas Wein, pro Tag, wobei nicht jeden Tag konsumiert werden darf. Also nur an ca. 4 Tagen pro Woche. Das wäre dann als unbedenklicher Konsum einzustufen...

    Übrigens, fast mein komplettes Umfeld trinkt deutlich weniger als diese unbedenkliche Menge. Die meisten trinken so gut wie nie etwas, nur an ganz ausgewählten Gelegenheiten. Ja, da kann es dann auch mal noch ein zweites Glas Wein sein. Aber dafür dann wieder wochenlang gar nichts. Es kommt dort überhaupt keiner auf die Idee "einfach so" Alkohol zu trinken. Das ist eigentlich normal zumindest in meinen Augen.

    Alles Gute weiterhin und ich hoffe, Du lässt Dich von der Forumsfremdschreibediskussion nicht abschrecken.

    LG
    gerchla

    Hallo Kizirkit,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Bin etwas unter Zeitdruck, deshalb nur kurz.

    Bin selbst Alkoholiker und einige Jahre trocken. Ferndiagnosen sind ja grundsätzlich schwierig bzw. meiner Meinung nach nicht möglich. Meine Einschätzung ist aber, dass er natürlich ein massives Problem hat. Was Du so beschreibst deutet stark auf süchtiges Trinken hin.

    Ob er wirklich süchtig ist oder nicht kann ich natürlich nicht 100%ig sagen. Aber spielt das wirklich so eine große Rolle für Dich. Ich meine, die Beziehung scheint ja nun wirklich nicht das zu sein, was Du von einer Beziehung erwartest. Der Alkohol ist ihm deutlich wichtiger als Du und ob der das nun macht, weil er nicht anders kann (=Sucht) oder weil er nicht anders will (=Egoist) ist ja eigentlich egal.

    Deshalb würde ich ihn ansprechen. Entweder er ändert sein Verhalten grundlegend, was sicher einfacher für ihn ist, wenn er noch nicht süchtig ist, oder Du bist weg. Komm' bloß nicht auf die Idee mit einem nassen Alkoholiker eine Beziehung führen zu wollen. Da wirst Du IMMER die zweite Geige spielen. Erst kommt die Geliebte, der Alkohol, dann kommt lange nichts, und dann Du, wenn Du eine brave und gefügige Co-Abhängige gibst.

    Also sei konsequent und ziehe notfalls die Reißleine!

    Alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo ibyamaz,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Kurz zu mir: männlich, Mitte 40, Alkoholiker und nun schon ein paar Jahre trocken.

    Zitat

    Ich habe die Frage nach 'richtig oder falsch' in diesem Forum deshalb gestellt, da ich mir im Moment eher ein kontrolliertes Trinken wünsche

    Ich würde Dir dazu gerne eine Frage stellen:

    Kannst Du erklären, warum Du Dir KT wünscht? Warum Du es für Dich als guten Anfang siehst? Und was glaubst Du das Dir fehlen würde, wenn Du gar nicht mehr trinken würdest?

    Dann noch eine Frage: Verstehe ich das richtig - Du trinkst aktuell ab und an nichts und dann maximal mal wieder 2 - 4 Bier, meist aber eher 1 - 2 Bier?

    Wenn dem so ist, dann ist das ja bereits eine Form von kontrolliertem Trinken. Was möchtest Du ändern? Ist Dir die Menge zu viel?

    Bitte verstehe meine Fragen nicht provozierend oder so. Denn so sind sie nicht gemeint. Ich würde nur gerne versuchen zu verstehen was Dich so umtreibt.

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla