Beiträge von Gerchla

    Hallo Hortensia,

    jetzt fühl Dich erst einmal von mir gedrückt. Deine Zeilen, Dein Leben berührt mich sehr. Wieder einmal eine der Lebensgeschichten in denen der Alkohol nicht nur die Trinker selbst zerstört sondern auch die Angehörigen schwer zu leiden haben.

    Ich kann Deine Gedanken, Deine Ängste durchaus nachvollziehen. Da stehst Du nun, ganz alleine, und hast aus Deiner Familie nur noch Deinen trinkenden Vater, wobei Dir der Kontakt zu ihm aber ganz offensichtlich nicht gut tut.

    Ich hatte in meinem ersten Beitrag ja geschrieben, dass es schwierig ist die Situation Deines Vaters aus der Ferne zu beurteilen. Ich möchte jetzt hinzufügen, dass das was Du jetzt geschrieben hast, auf jeden Fall dafür spricht, dass Dein Vater Alkoholiker ist. Ich denke da braucht man sich nichts vorzumachen.

    Wie ich Deine Zeilen jetzt interpretieren, hat er sich gegen einen Aufenthalt in einer Entzugklinik entschieden, denn er hat ja kein Problem. Das passt natürlich genau in das Bild eines Alkoholikers, und hilft Dir natürlich kein Stück weiter.

    Akutell ist es dann wohl so, dass Du oder er versucht nun doch eine Kur mit Schwerpunkt Depressionen zu bekommen. Oder ist diese bereits bewilligt?

    Ich will Dir ganz ehrlich sagen was ich denke. Ich denke das Du in dieser ganzen Geschichte mit Deinem Vater bestenfalls eine Randfigur bist. Eine Randfigur, die unter dieser Situation derart stark leidet, dass sie selbst gefahr läuft krank zu werden. Randfigur deshalb, weil ich denke, dass Du so gut wie keinen Einfluss auf das weitere Leben oder die mögliche Genesung Deines Vaters hast. Du bist nicht diejenige, die hier irgendwas beeinflussen kann.

    Du hast es versucht, Du versuchst es immer wieder. Er lügt, er leugnet, er verharmlost und vertuscht und Du kannst nebenher zusehen, wie er langsam immer mehr zugrunde geht. Egal was Du machst oder sagst, es erreicht ihn nicht oder nur ganz oberflächlich. Er steckt in seiner Sucht fest und gleichzeitig in seiner Depression.

    Ich wünsche Dir deshalb ganz fest, dass er diese Kur bekommt (und dann auch antritt, den da habe ich auch Zweifel). Vielleicht können sie dort etwas in Bewegung setzten. Ich denke die werden dort sehr schnell merken das er Alkoholiker ist. Und ich denke auch (ohne es wirklich zu wissen), dass sie mit sochen "Fällen" durchaus Erfahrung haben. Alkohol und Depression sind oft ein Paar.

    Deine Verzweiflung und das die Situation Dir enorm zu schaffen macht, ich kann es wirklich sehr sehr gut verstehen. Deshalb glaube ich und würde mir für Dich wünschen, dass Du Dir neben dem Schreiben in diesem Forum unbedingt noch Hilfe suchst. Also reale Hilfe, nicht nur die virtuelle hier. Hilfe von Menschen, die dafür ausgebildet wurden andere durch schwierige Lebenssituationen zu begleiten und zu überwinden. Alleine ist es doch so viel schwerer. Einerseits gibt es natürlich die SHG für Angehörige, andererseits aber auch Psychologen, so wie ihn Dein Vater ja auch in Anspruch nimmt. Ok, wenn den belügt, was Du ja vermutest und wo Du wahrscheinlich recht hast, dann bringt es nicht. Aber das trifft ja auch Dich nicht zu. Ich beispielsweise habe einen Mönch gefunden, der mich durch die schwierigste Phase meines Lebens begleitet hat. Ohne ihn hätte ich mein heutiges Leben in dieser Form nicht erreichen können. Ich weiß nicht ob ich ohne diesen Menschen trocken geblieben wäre. Ich hatte einen Gesprächspartner, der mir immer wieder ganz wichtige Anstösse gegeben hat, der mich voran gebracht hat. Durch die Zeit der Trennung von meiner Frau und von meinen über alles geliebten Kindern, durch die Phase, wo mich die Schuld die ich durch meine Trinkerzeit aufgeladen hatte, fast erdrückt hat. Ich hatte diesen Menschen, zum Glück!

    Ich denke es ist enorm wichtig, dass Du zu DEINEM Leben zurück findest. Das Leben für das DU die Verantwortung hast ist eben nur Dein eigenes. Das Du Deinem Vater helfen willst ist das natürlichste auf der Welt. Das Du viel für in tust, Deine Belange in den Hintergrund stellt, ja auch das ist ein Stück weit und eine gewissen Zeit lang durchaus in Ordnung. Aber was bei Dir passiert ist ja ein Kampf gegen Windmühlen. Der Versuch jemanden zu helfen, dem Du nicht helfen kannst weil er sich nicht helfen lassen möchte.

    Es ist sehr schwer hier die richtigen Worte für Dich zu finden. Bitte lege meine Worte nicht auf die Waagschale. Versuche mit jemanden zu sprechen, der wirklich etwas davon versteht, z. B. ein Psychologe oder auch andere Angehörige die ähnliches erlebten.

    Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute!

    LG
    gerchla

    Lieber Dietmar,

    ja, das mit dem zufrieden trocken sein.... Ist so eine Formulierung über die man schon nachdenken kann. Ich denke es geht erst mal darum den Alkohol nicht mehr zu vermissen. Und das ganze dann nicht rational gesteuert, also z. B. immer mit einer großen Liste vor Augen, die einem die ganzen Nachteile des Alkoholkonsums immer wieder deutlich macht (was man rein vom Verstand her ja sowieso weiß). Sondern einfach aus sich selbst heraus in einer Überzeugung, dass man das Zeug nicht mehr will und nicht mehr braucht. Das hängt ja alles irgendwie mit diesem ominösen Klick zusammen.

    Mir geht es da ja wie Dir. Ich kann auch niemanden erklären was er tun kann um diesen "Klick-Zustand" zu erreichen. Ich habe nur oft das Gefühl, dass diejenigen die sozusagen kopfgesteuert trocken werden, einen sehr intensiven Kampf führen (müssen). Natürlich ist gegen Alkohol kämpfen besser als einfach weiter zu saufen aber ich habe die Kämpfe dann auf längere Sicht immer irgendwann verloren. Und das war es dann halt immer wieder erst mal für die nächste Zeit....

    Irgendwie ist es mit dem Klick wohl so, wie z. B. bei Menschen, die plötzlich gläubig werden, obwohl sie ein Leben lang vorher nix mit Glauben am Hut hatten. Das war z. B. bei meiner Ex-Frau so und ich kenne da auch noch andere Beispiele. Die berichten einfach, dass sie nach einem Sinn gesucht haben, lange auch ohne das übehaupt zu wissen. Und plötzlich war es ihnen dann klar, wie ihr Weg weiter gehen wird. Wenn ich mit diesen Menschen darüber spreche fühle ich mich immer sofort an mein "Jetzt ist es vorbei, ich werde nie wieder trinken" - Klick von damals erinnert. Erklären kann ich es nicht richtig.

    Ich will aber auch die ganzen "Kämpfer" die es ja gibt nicht entmutigen. Nicht wenige Alkoholiker kommen über den Kampf zum Bewusstsein und müssen dann eben nicht mehr kämpfen. Es gibt halt schon mehrere Wege zur Abstinenz.

    Zitat

    „Bzgl. meiner Sucht bin ich zufrieden, dass ich trocken bin.“ (Ich würde sogar statt zufrieden „glücklich“ bei mir sagen.)


    Das würde ich Dir ebenfalls sofort unterschreiben. Glücklich ist auch das richtige Wort bei mir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Marek,

    auch von mir herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Kurz zu mir: männlich, Ende 40, Alkoholiker und mehrere Jahre trocken.

    Wow, Dein Einstieg hier liefert ja zahlreiche Diskussionsansätze. Mir scheint, dass Du Dich sehr intensiv mit Deiner Sucht auseinander setzt. Das ist natürlich wichtig und sehr gut.

    Ich möchte jetzt nicht im Detail auf alle Punkte eingehen, die Du geschrieben hast. Dazu fehlt mir gerade leider die Zeit. Ich finde aber, dass Dietmar Dir hier schon ganz wichtige Fragen gestellt und auch Antworten aus seiner Sicht gegeben hat.

    Ich denke Du suchst immer noch nach dem "Schlüssel", der es ermöglicht mir der Sucht einfach abzuschließen und dann völlig zufrieden trocken zu sein. Also quasi nach dem berühmten "Klick", der plötzlich alles verändert und den Alkohol komplett unwichtig werden lässt.

    Da könnte man erst mal darüber diskutieren, ob es diesen "Klick-Effekt" überhaupt gibt. Ich denke aber ja, ich habe mit einigen darüber gesprochen die es genau so erlebt haben. Und ehrlich gesagt war es bei mir ähnlich. Wie Du auch hatte ich natürlich Trinpausen während meiner Alkikarriere. Mal nur um mir zu beweisen das ich kein Problem habe und ohne den Vorsatz dauerhaft abstinent zu leben, aber auch Trinkpausen die nicht als solche angelegt waren sondern wo ich wirklich glaubte, dass ich nie mehr Alkohol trinken werde. Wie Du Dir denken kannst sind alle Versuche gescheitert. Nach Monaten, nach Wochen und später dann nach Tagen. Und dann kam die ganz schlimme Zeit, wo es mir komplett egal war und ich überhaupt keine Pausen mehr machen wollte. Und immer tiefer hinein rutschte.

    Und dann kam die Situation, ganz ungeplant, wo ich da stand und wusste: Jetzt langt's - Jetzt ist es vorbei, ich will nicht mehr. Ob das ein Klick war oder ob ich den viel erwähnten persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte, das weiß ich nicht. Ich wusste nur: Jetzt ist es vorbei - wenn ich es jetzt nicht schaffe, dann saufe ich mich tot. Letzteres war für mich keine Alternative.

    Ich kann Dir nicht sagen, wie man zu diesem Punkt gelangt. Es hatte bei mir aber nichts mehr mit rationalem Denken zu tun, also z. B. mit vor Augen führen, welche Nachteile der Alkohol doch hat usw. Das musste ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Ich wollte mein Leben zurück, ganz einfach. Und dafür war ich bereit wirklich alles zu tun und zu geben.

    Im Laufe meiner Aufarbeitung und auch später während der Anfänge meiner Trockenheit (eigentlich bis jetzt) habe ich dann begonnen mich mit dieser Krankheit und vor allem mit mir selbst auseinder zu setzen. Ganz wichtig war für mich die Auseindersetzung mit mir selbst. Wer bin ich, wer will ich sein, wo will ich hin, welchen Sinn will ich meinem Leben geben. Natürlich auch: warum habe ich getrunken? was waren die Auslöser? Und vieles mehr. All diese Fragen, all das Hinterfragen meiner eigenen Person, meines Handelns usw. habe mir geholfen mich selbst erst mal kennen zu lernen. Und dann auch mich selbst wieder zu akzeptieren und mich selbst wieder zu lieben.

    Ich habe sehr sehr viel Mist während meiner Saufzeit produziert. Das war am Anfang erst mal ein Megaballast für mich. Stichwort Schuld, Stichwort schlechtes Gewissen. Ich musste lernen, dass man mit Schuldgefühlen oder permant schlechtem Gewissen keine Zukunft aufbauen kann. Gleichzeit aber nicht so tun kann, als wäre das was damals war ja alles nur dem bösen Alkohol zuzuschreiben und man selbst hätte ja damit gar nichts zu tun.

    Das jetzt nur mal so meine Gedanken, auf die Schnelle.

    Aber zu guter Letzt möchte ich moch der Frage von Dietmar anschließen:

    Wie können wir Dir helfen? Was bedrückt Dich besonders?

    Ich wünsche Dir eine guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Anika,

    jetzt hast Du seit 7 Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Das finde ich absolut prima, vor allem auch weil Du einen Mann an Deiner Seite hast der weiter trinkt. So wie Du schreibst gibt es für Dich nur einen Weg und das ist ein Weg ohne Alkohol. Ich bin fest davon überzeugt, dass Du damit alles richtig machst.

    Was Deinen Mann betrifft finde ich es wirklich erstaunlich, dass er scheinbar glaubt, dass Du sein heimliches Trinken nicht bemerkst. Wo Du doch selbst Alkoholikerin bist und all die Tricks und Kniffe bestens kennst. Aus meiner eigenen Alkoholikersicht kann ich gar nicht verstehen, dass er glaubt er könnte Dir verheimlichen, also jemanden der selbst Alkoholiker ist und einfach die Erfahrung hat. Ich hatte (und habe auch heute noch) immer ein Gespür dafür, ob jemand ein Alkproblem hat oder nicht und ich weiß aktuell nicht ob ich mich schon mal geirrt habe, ich glaube aber nicht. Vielleicht weiß er aber auch dass Du es weißt und es ist ihm egal bzw. er kann nicht anders und trinkt Dir zu liebe nicht offen sondern heimlich. Sozusagen um Dich nicht zu sehr zu belasten. Wie dem auch sein, ich kann mir vorstellen in welch emotional schwierige Situation Dich das bringt.

    Als Du von der Aufhellung seines Gesichtsausdrucks wenn Du ihm sagst, dass Du abends weg bist geschrieben hast, musste ich so an meine Trinkerzeit zurück denken. Oja, was war das schön, wenn ich wusste, dass ich entspannt trinken konnte, ohne angst haben zu müssen, dass jemand mich erwischt. Ohne dass ich über irgendwelche Ausreden zu meinen Geheimverstecken gelangen musste um dort schnell 2 oder 3 Bier auf ex in mich hinein schütten zu können. Es ist traurig, dass er wieder soweit gekommen ist, wo er doch so lange trocken war.

    Zitat

    Könnt ihr das verstehen, oder bin ich zu egoistisch und zu anspruchsvoll ?


    Die Antwort kennst Du doch selbst. Du bist natürlich nicht zu egistisch oder zu anspruchsvoll. Was Du möchtest ist ja nur ein ganz normales Leben ohne Alkohol. Etwas ganz Selbstverständliches einfach. Und das steht Dir auch zu. Die Frage ist nun, ob Du mit einem Trinker an Deiner Seite so ein "normales" Leben überhaupt erreichen kannst. Weißt Du, mir fällt es in Deinem Fall auch sehr schwer irgendwelche kluge Ratschläge zu geben. Deinen Mann und Dich verbindet ja eine sehr lange Zeit, und da waren ja auch sehr gute Zeiten dabei. Ihr habt zusammen 22 Jahre trocken gelebt! Da ist die Hoffung, dass er sich besinnt und wieder zurück findet natürlich größer als bei Paaren, wo einer von beiden schon immer gesoffen hat und völlig uneinsichtig ist. Es ist schwer, ich denke Du musst immer für Dich abwägen wie es Dir damit geht und ob Du so leben kannst und willst oder ob Du Konsequenzen ziehen musst.

    Was das Ansprechen Deines Mannes auf sein heimliches Trinken betrifft:

    Zitat

    Es ist auch meiner Meinung nach alles gesagt.

    Ich glaube damit ist dann tatsächlich alles gesagt. Ihr habt ja schon darüber gesprochen und wenn Du nun immer wieder damit anfängst wirst Du wohl nichts erreichen. Ich meine, Du kennst das doch selbst, Du hast ja die Erfahrung genau wie wir anderen Alkoholiker. Ich denke, solltest Du Dich irgendwann dazu entscheiden einscheidende Konsequenzen zu ergreifen, also z. B. Deinen Mann zu verlassen, dann wäre es sicher fair, wenn Du ihm vorher nochmal vor die Wahl stellst. Entweder er unternimmt etwas oder Du bist weg. Das macht aber auch nur dann wirklich Sinn, wenn Du Dir ein Leben mit ihm, wenn er tatsächlich wieder trocken werden sollte, auch vorstellen kannst. Es kann ja auch sein, dass sich da im Laufe der Zeit und durch die Erfahrungen die Du jetzt machst etwas bei Dir ändert. Es ist wirklich sehr schwer von außen sinnvolle Einschätzungen zu geben.

    Was ich noch schreiben will: ich habe sehr großen Respekt davor, dass Du jetzt so konsequent Deinen Weg gehst! Dazu gehört sehr viel Stärke und innere Klarheit, auch wenn Du im Moment vielleicht denkst bei Dir herrscht das Chaos.

    Ich wünsche Dir, dass Du auf Deinem Weg bleibst und dass Du schnell in ein geregeltes, normales Leben zurück findest ohne den Druck, den Du jetzt durch das Trinken Deines Mannes hast.

    LG
    gerchla

    Hallo Einfachich,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin männlich, Ende 40, Alkoholiker und trinke seit mehreren Jahren keinen Alkohol mehr.

    Es fällt Dir wahrscheinlich nicht leicht hier zu schreiben, nehme ich jetzt einfach mal an. Bisl kurz was Du da von Dir berichtest um irgendwie eine sinnvolle Antwort geben zu können.

    Ich versuchs mal so: Nein so ging es mir zu meiner Trinkerzeit nicht. Wenn ich versucht habe weniger (oder gar nichts) zu trinken und es mir eine Zeit lang gelungen, dann habe ich anschließend, also nach der Trinkpause oder Trinkreduzierung meist mehr getrunken als vorher. Quasi so, als ob ich nachholen wollte, was ich verpasst hatte. Das führte dazu, dass ich nach längeren Trinkpausen fast immer auf ein höheres Tagestrinkniveau gekommen bin.

    Aber jetzt mal ne' Frage: Das bringt Dir doch jetzt auch nichts, oder? Ich meine, welche Rückschlüsse willst Du jetzt daraus ziehen wenn Dir jemand schreibt, dass es bei ihm auch so war? Wie lange trinkst Du denn schon? Siehst Du Dich als Alkoholiker? Hast Du schon mal versucht dauerhaft mit dem Trinken aufzuhören, vielleicht sagar schon mal eine Therapie gemacht? Und was bedeutet für dich "zu viel trinken" überhaupt?

    Also ich würde mich gerne mit Dir austauschen, aber ist gerade mangels Infos noch etwas schwierig. Wenn Du magst, dann berichte doch etwas mehr über Dich. Das werden die anderen Forumsteilnehmer sicher ähnlich sehen.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch.

    LG
    gerchla

    Hallo Leonida,

    Zitat

    Ich hoffe insgeheim das er kein Alkoholiker ist obwohl das fast unmöglich ist zumal erbereits diese Alkoholsucht Unterlagen mal bei mir vergessen hat.

    also mal ganz ehrlich: es ist schon sehr schwer, vor allem von außen, zu beurteilen ob jemand ein Alkoholiker ist oder "nur" Missbrauch betreibt. Das was Du allerdings von ihm schreibst, das ist für mich ganz klar das Verhalten eines Alkoholikers. Ich fühle mich das ein oder andere mal an mich selbst erinnert, an die Zeit als ich noch trank und an mein eigenes Verhalten damals. Also ich würde mir da an Deiner Stelle erst mal gar keine Hoffnung machen.

    Die einzige Hoffnung die Du Dir machen könntest wäre die, dass er zur Einsicht kommt und etwas gegen seine Sucht unternimmt. Aber danach sieht es ja auch nicht aus. Er scheint sich seiner Situation bewusst zu sein (siehe Broschüre), aber er ist wohl nicht bereit etwas zu tun. Solange er das nicht tut wirst Du nur eine Statistin in einem miesen Stück bleiben. Eine Co-Abhänginge, die ihr eigenes Leben hinter das des Süchtigen stellt. Jemand, der sein eigenes Leben wegen der Sucht des Partner aus den Augen verliert und dessen Wohlbefinden sich an den aktuellen Zustand des Partners knüpft. Ich glaube, wenn ich das mal sagen darf, dass Du da echt aufpassen musst. Du sagst ihm zwar, dass er Betrunken bei Dir keine Chance mehr hat. Dein Verhalten spiegelt aber einen Menschen, der hin und her gerissen ist und dann evtl. doch wieder bereit ist auf den Trinker herein zu fallen.

    Da gäbe es seinerseits ja noch einiges an "Tricks". Er könnte Dir z.B. tief und innig versprechen nicht mehr zu trinken und das dann sogar eine Zeit lang durchziehen. Schwupp hätte er Dich wahrscheinlich wieder. Aber glaube mir, ich spreche nur aus eigener Erfahrung: Es macht nur Sinn wenn der Alkoholiker ernsthaft seine Sucht aufarbeitet und dagegen angeht. Das geht meist nur mit externer Hilfe. Dann gibt's ne Chance. Wenn auch hier eine recht hohe Rückfallquote vorhanden ist. Aber auch wenn er es schafft, dann "bekommst" Du einen anderen Menschen zurück als den, den Du jetzt kennst. Einen ganz anderen. Ob der Dir dann "gefällt" ist noch lange nicht sicher. Viele Beziehungen scheiterten erst nachdem der trinkende Partner trocken wurde - meine übrigens auch.....

    Versuche Dich auf Dich selbst und Dein Leben zu konzentrien. Lass Dir gegenenfalls helfen - auch für Anghörige von Alkoholikern gibt es Hilfsangebote.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Leonida,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin männlich, Ende 40, Alkoholiker und einige Jahre trocken.

    Erst mal bin ich spontan geneigt, Dir dazu zu gratulieren, dass Du diese Beziehung beendet hast. Eine Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist in aller Regel für den nicht trinkenden Partner auf Dauer nicht zu ertragen. Nun hast Du ja geschrieben, dass Du teils ordentlich mitgetrunken hast. Ich hoffe für Dich, dass sich daraus für Dich selbst nicht auch ein Problem entwickelt hat. Wie schätzt Du da Deine Situation selbst ein?

    Aber zurück zu Deiner Trennung. Mir ist natürlich klar, dass es so einfach nicht ist und das meine "Gratulation" bei Dir wahrscheinlich eher gemischte Gefühle auslöst. Denn Du warst mit diesem Menschen ja nicht aus Spaß zusammen, ich denke Du wirst ihn geliebt haben oder vielleicht auch noch immer lieben. Das macht die ganze Geschichte dann natürlich sehr schwer. Das ist immer so, leider.

    Als nicht trinkender Mensch wirst Du wahrscheinlich nicht so einfach vertstehen können, warum er, wenn er doch selbst auch beteuert, dass er Dich liebt, nicht einfach aufhört mit dem Trinken oder wenigstens weniger trinkt. Das kann er leider nicht wenn er Alkoholiker ist. Das Gegenteil passiert: je länger er an der Flasche hängt, desto tiefer stürzt er - Du hast da ja nach Deiner Beschreibung auch schon erleben müssen. Je länger er trinkt, desto weniger wichtig werden all die anderen Dinge um ihn herum. Am Ende geht es dann nur noch darum in Ruhe trinken zu können. Ohne lästige Störungen z. B. durch einen Partner. Ich habe das selbst so erlebt. Ich habe immer versucht irgendwie alleine zu sein um in Ruhe trinken zu können. Anfangs, wenn die Sucht noch nicht so mächtig ist, kann man das noch gut kompensieren, kann das normale Leben noch einigermaßen aufrecht erhalten. Später gelingt das immer weniger und dann geht das Spiel los. Freunde brechen weg, andere soziale Kontakte brechen weg und letzlich scheitert dann auch die Partnerschaft. Es sei denn, man hat eine(n) Co-Abhängigen Partner(in) an seiner Seite, die das ganze miese Spiel mitspielt.

    Da kann ich Dir nur sagen: Sei froh, dass Du weg bist und hoffentlich nicht in die Co-Abhängigkeit gerutscht bist. Diese Krankheit ist genauso schlimm wie die Alkoholsucht selbst.

    Zu dem was Du geschrieben hast:

    Zitat

    ich habe ihr nicht schreiben wollen dein Sohn hat ein alkoholProblem und er braucht dich oder Hilfe aber für mich stellt sich jetzt die Frage ob ich in der Verantwortung steht ihr das mitzuteilen.
    Was meint ihr?


    Das ist eine ganz persönliche Entscheidung von Dir alleine. Ich würde es tun. Einmal würde ich es tun. Aber wie gesagt, das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wenn Du es tust, musst Du mit einer heftigen Reaktion rechnen. Die solltest Du ab können, falls sie kommt. Fakt ist für mich aber, dass Du keine Verantwortung für ihn hast. Nur er selbst hat die Verantwortung für sein Leben, so wie Du die Verantwortung für Deines hast. Er selbst hat sich dafür entschieden zu trinken, genau wie ich das damals auch getan habe. Niemand zwingt ihn oder zwang mich mit dem Saufen anzufangen. Auch nicht, wenn die Lebensumstände noch so fürchterlich sein sollten. Viele Menschen haben fürchterliche Lebensumstände und saufen nicht. Der Trinker entscheidet selbst, er hat die Verantwortung und nur er.

    Solltest Du also zu seiner Mutter eine gute Beziehung haben und solltest Du der Meinung sein, sie sollte wissen was mit ihrem Sohn los ist, dann kannst Du sie darauf hin ansprechen. Verantwortlich für ihren erwachsenen Sohn ist sie aber auch nicht. Auch sie wird ihm nicht helfen können. Niemand kann ihm helfen. Ihm kann nur geholfen werden, wenn er selbst das will. Nur er selbst kann die Entscheidung treffen etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Nur wenn er das will, selbst will, dann kann es gelingen. Und dann könnten z. B. seine Mutter ihn unterstützen. Nur dann hätte es Sinn.

    Zitat

    Er hat sich wohl für Alkohol entschieden und meldet sich nocht mehr


    So ist es wohl. Und damit musst Du klar kommen. Du Sucht ist viel mächtiger als Liebe - auch das habe ich selbst erleben dürfen. Für mich stellt sich auch grundsätzlch die Frage, ob ein süchtiger Mensch übehaupt lieben kann. Und ob er Liebe genauso definiert wie ein nicht süchtiger. Ich glaube da liegen Welten dazwischen. Bei mir war es jedenfalls so.

    Alles Gute wünsche ich Dir und eine guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Happy,

    herzlich Willkommen. Schön, dass Du uns gefunden hast.

    Kurze Vorstellung meinerseits: männlich, Ende 40, Alkoholiker, mehrere Jahre trocken.

    Liest sich sehr gut, wie Du das angehen möchtest. Der Weg zur Suchberatung ist für viele schon eine fast unüberwindbare Hürde. Hast Du schon hinter Dir - super. Und dann auch gleich noch einen Antrag zur LZT gestellt - das nenne ich mal Nägel mit Köpfen machen 44.

    Das zeigt, Du willst wirklich weg von dem Zeug! Und das ist gut so, denn...
    ...

    Zitat

    Es fing schleichend an erst nur am We mit ner halben Flasche Wein bis ich an dem Punkt wo ich jetzt bin bzw war angekommen war :(

    ...
    ... es würde nicht dabei bleiben. Schlimmer geht immer - das ist das Motto bei der Alkoholsucht! Mit 30 Jahren hast Du (fast) Dein ganzes Leben noch vor Dir. Da geht noch was.... Und bevor Du Dein Leben dem Alkohol vor die Füße wirfst und damit komplett aus der Hand gibst, nimmst Du es lieber selbst in die Hand.

    Wir können Dich hier ein Stück begleiten, Dir Fragen aus unserer Sicht beantworten (wenn Du welche hast) und Dir erzählen, was wir wie wann und weshalb gemacht haben. Davon kannst Du profitieren, kannst überlegen was für Dich passt und was nicht. Die LZT wird Dir das Rüstzeug für ein trocken Leben mitgeben, umsetzen musst Du es dann selbst.

    Ich kann Dir nur sagen, dass Dein Avatar "happynewlife" genau das ausagt, was Dich erwartet, wenn Du ein dauerhaft trockenes Leben führst. Es ist wunderbar dieses Zeug nicht mehr zu brauchen und das Leben wieder selbst in der Hand zu haben.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Frank,

    uff, also ok, da musst Du jetzt durch! Ich habe da keinerlei Erfahrung, da ich das Glück hatte ohne LZT trocken zu werden und bis jetzt zu bleiben.

    Aber ich hätte es mir irgendwie so vorgestellt wie Du es jetzt beschrieben hast. Mit Einzelzimmer, TV und W-Lan hätte ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet.

    Das mit der Entgiftung obwohl Du schon wochenlang trocken bist finde ich etwas komisch. Wobei ich mir vorstellen könnte, das man sich dort selbst ein Bild davon machen möchte ob das auch wirklich stimmt. Ich glaube die erleben dort mehr als man sich gemeinhin so denkt. Vielleicht ändern sie das Programm ja, wenn sie Dich gecheckt haben und sehen, dass Du tatsächlich schon länger trocken bist. Wer weiß?

    Also, Kopf hoch und denke immer daran, dass Du jetzt Dein wichtigstes Ziel erreichen möchtest. Ein dauerhaft trockenes Leben. Und dafür lohnt es sich auch mal ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Und eines wollte ich noch sagen: Immer wenn ich vor einem bestimmten Ereigniss besonders großen Bammel / Abneigung / Angst hatte, war es hinterher gar nicht so schlimm! Bestimmt wird es bei Dir auch so sein!

    Alles alles Gute, rutsch gut und trocken rüber und ich freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Mici,

    ich freue mich, dass Du diesen kleinen Selbstversuch startest. Sehr gut finde ich auch, dass Du nicht sowas wie "ja ok, könnte ich mal machen aber erst nach Silvester" geschrieben hast. Denn ich weiß von mir, dass ich immer irgendwelche Anlässe vorgeschoben habe um "gerade jetzt mal keine Trinkpause einzulegen". Silvester ohne Alkohol, das geht ja gar nicht.... doch, es geht sehr wohl und auch sehr gut. Aber darüber scheinst Du Dir ja gar keine Gedanken gemacht zu haben und das finde ich schon mal gar nicht schlecht.

    Jetzt schauen wir mal... Wichtig ist, dass Du ehrlich zu Dir selbst bist. Versuche heraus zu finden wie es Dir damit geht und sei ehrlich. Vielleicht willst Du es ja auch in einer Art Tagebuch notieren. Dann kannst Du später auch mal nachlesen was Du so gedacht hast. Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, dass dieses Experiment für Dich die Erkenntnis bringt, dass Du kein Problem hast. Dann musst Du künftig nur darauf achten, nicht weiter in dieser Regelmäßigkeit des Trinkens zu landen. Vielleicht findest Du ja auch Spaß daran einfach weiter abstinent zu leben. Es fehlt wirklich nichts!!!

    Wenn Du magst, dann schreibe ab und an mal, wie es Dir so geht. Und bitte: Solltest Du trotz Deiner guten Werte irgendwelche körperlichen Entzugserscheinungen haben, dann bitte unbedingt zum Arzt.

    Alles Gute und einen guten, alkoholfreien Rutsch ins Neue Jahr wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Mici,

    erst mal Herzlich Willkommen hier im Forum. Schon mal gut, dass Du hier gelandet bist und Dir Gedanken über Trinkverhalten machst.

    Mal kurz zu mir: Männlich, fast gleich alt wie Du, Alkoholiker und nun schon mehrere Jahre trocken.

    Also, Du trinkst 2 bis 3 Gläser Rotwein am Tag, also je nach Größe des Glases ist das dann auch schon eine Flasche oder zumindest fast.

    Ich denke, als erstes sollte man sich mal von der Trinkmenge als Indikator für eine mögliche Abhängigkeit lösen. Die Menge ist gar nicht so bedeutend, die Frage ist eher ob man jederzeit aufhören kann und wie es einem dann dabei geht. Die Menge spielt m. E. nur insofern eine Rolle, als größere Mengen Alkohol eben wesentlich schädlicher sind für den Körper als geringere. Mit der psychischen Abhängigkeit (die kommt weit vor der körperlichen und ist die eigentliche Sucht) hat das erst mal nichts zu tun. Ich beispielsweise war viele Jahre mit sehr geringen Kosum bereits abhängig. Ich trank jahrelang 1 bis 2 Bier am Abend. Auch mal keins. Und war bereits abhängig, wie ich im nachhinein herausfinden musste.

    Mit dieser Menge war ich nur leicht über dem, was als medizinisch unbedenklich gilt. Ich weiß nicht ob Du Infos dazu schon gelesen hast. Als Mann "darfst" Du pro Tag maximal 24 Gramm reinen Alkohol zu Dir nehmen (also Frau 12 Gramm) und solltest an 2 Tagen die Woche gar nicht konsumieren. Das wäre ungefähr ein Glas Wein (o,25 l) oder 0,75 l Bier. Als Frau entsprechend nur die Hälfte. Du siehst, ich war quasi fast in der Norm... trotzdem war ich schon süchtig. Denn bekam ich mein Bier nicht, fand ich das nicht gut. Es fehlte etwas. Machte ich mal eine längere Pause (weil mir mein Hirn doch irgendwie singalisierte das dieses regelmäßige Trinken nicht so toll ist), dann ging das zu dieser Zeit noch ganz gut. Aber ich dachte damals während dieser Pausen schon ständig an Alkohol und freute mich auf den Moment, wo ich wieder trinken "durfte". Und das dann mit gutem Gewissen, denn ich hatte mir ja bewiesen, dass ich nicht trinken muss.

    Da war es für mich bereits zu spät! Nur wusste ich das natürlich nicht. Um nochmal auf die Bedeutung der Trinkmenge zurück zu kommen: Sie ist meiner Meinung nach, wie gesagt, nicht so wichtig wie oft gedacht um eine Aussage über ein mögliche Sucht zu treffen. Und man kann sich, wenn man denn bereits süchtig ist, auch 100%ig darauf verlassen, dass sich selbst geringste Mengen kontinuierlich steigern. Diese Erfahrung hast Du ja nun auch schon gemacht. Es wird einfach mehr.... Dieses langsame steigern kann über sehr viele Jahre gehen. Bevor ich begann, ich sage jetzt mal in meinen letzten 2 Trinkerjahren, richtig stark zu trinken habe ich bestimmt 8 Jahre (ohne die bereits erwähnte Anfangsphase) mäßig mit immer leicht steigenden Niveau getrunken. Aus den 2 Bier wurden 3. Irgendwann mal 4, das hielt ich ein paar Jahre, dann 5 oder 6, mal 7 oder 8 bis es dann halt mal zum Showdown kam. Und ich immer häufiger über 10 Bier trinken musste und ich dazu noch Wein trinken musste weil die erwünschte Wirkung einfach nur dann eintrat, wenn ich diese Mengen trank. Blieb nicht aus, dass ich dann auch bereits morgens, vor der Arbeit ein oder zwei Bier zum Anlaufen brauchte und kurz davor war auf harte Sachen umzusteigen.

    Dann zog ich die Reißleine. Zum Glück und zum Glück gelang mir der Ausstieg sonst würde ich heute sicher nicht hier schreiben.

    Das war meine Geschichte in allerkürzester Form und für Dich ein Blick darauf, wie so eine Sucht in fast 100% aller Fälle verläuft. Geschichten wie meine kannst Du hier viele lesen, Menschen die noch viel mehr getrunken haben als ich, die noch "tiefer" unten waren als ich kannst Du hier lesen. Bei Alkoholsucht gibt es quasi nichts was es nicht gibt.

    Was Dich betrifft, so würde ich mir nie ein Urteil darüber erlauben ob Du bereits süchtig bist oder nicht. Das ist sehr schwer zu beurteilen, aus der Ferne noch schwerer.

    Deshalb folgender Vorschlag meinerseits: Mach' doch mal einen Selbstversuch. Nimm Dir jetzt einfach mal vor, sagen wir mal, 4 Wochen keinen Tropfen Alkohol zu trinken. Ohne Ausnahme, ohne irgendwelche faulen Kompromisse. Einfach wirklich keinen Tropfen Alkohol mehr. Erst mal wirst Du schnell merken, ob Du dazu überhaupt in der Lage bist. Wenn ja, wunderbar. Dann analysiere genau wie es Dir dabei geht, was Du denkst, was Du fühlst. Bist Du gereizt? Schläfst Du schlecht? Verstärktes schwitzen möglichweise? Kreise Deine Gedanken um Alkohol, ist ein Verlangen da zu trinken dass Du nur mit großer Mühe unterbinden kannst? Freust Du Dich schon auf den Moment wenn endlich diese 4 Wochen vorbei sind?

    Idealerweise lässt Du Dich bei so einem "Selbstversuch" ärztlich begleiten. Ich würde zu meinem Hausarzt gehen und mit ihm darüber sprechen, ihm sagen das Du längere Zeit auf Alkohol verzichten möchtest aber Dir nicht sicher bist wo Du stehst. Es geht dabei einfach "nur" darum, dass ein kalter Entzug im allerschlimmsten Fall sogar tödlich enden kann. Grundsätzlich lieber wieder Alkohol trinken wenn starke körperliche Entzugssymptome auftreten solten und unbedingt mit einem Arzt darüber sprechen.

    Wenn Du wirklich überhaupt kein Problem hast, dann wird das eine Deiner leichtesten Übungen sein. Nichtsüchtige Menschen können ohne mit der Wimper zu zucken locker 4 Wochen nichts trinken und merken es noch nicht mal. Denn Alkohol spielt für sie einfach keine Rolle. Wenn das bei Dir auch so kommt, dann herzlichen Glückwunsch und pass' einfach für die Zukunft auf, dass Du dieses regelmäßige nicht einschleichen lässt.

    Trifft aber das zu, was ich oben skizziert habe, also dass Du ein Problem bemerkst, dann solltest Du etwas unternehmen. Denn die Gefahr richtig tief in eine Sucht zu rutschen ist groß. Vor allem wenn man das Trinken dafür benutzt um irgendwas zu kompensieren. Du sagst es ist die Langeweile. Es könnte sein, dass Dir der "Sinn" Deines Lebens etwas abhanden gekommen ist, dass Du irgendwie mehr erwartest und das was Du aktuell hast Dich nicht gerade zufrieden sein lässt. Du bist allein, schreibst Du. So wie Du schreibst lese ich heraus, dass Du gerne nicht allein wärst. Du hättest gerne mehr Zeit um Hobbies zu pflegen, hast aber keine usw. Alkohol hilft da natürlich das zu vergessen, sich zu entspannen und die Zeit vergeht auch gefühlt viel schneller....

    Verstehe mich nicht falsch, ich bin kein Psychologe und es steht mir nicht zu Dein Leben zu analysieren. Vielleicht ist alles auch ganz anders bei Dir. Ich ziehe hier gerade nur Parallelen zu mir selbst. Denn auch ich hatte ja einen "Grund" weshalb ich da hinein gerutscht bin. Bei mir waren es Probleme und die Tatsache, dass ich nicht gelernt hatte Probleme auch als solche zu akzeptieren und sie anzugehen. Ich wollte immer eine heile Welt haben, konnte nicht nein sagen, wollte es immer allen Recht machen. Und für mich selbst wollte einfach abschalten. Da war der Alkohol wunderbar geeignet. Und die Zeit am Abend verging immer so herrlich schnell. So schnell, dass ich keine Zeit mehr hatte über meine eigentlichen Probleme nachzudenken. Der Alkohol ließ mir keine Zeit dazu. Wunderbar. Ok am nächsten Morgen waren sie wieder da aber nur 2 oder 3 Bier lang, dann waren sie wieder im Hintergrund. Und täglich grüßt das Murmeltier......

    Ich bin mal gespannt, was Du von dem hälst was ich Dir hier geschrieben habe. Wie Du Deine Situation beurteilst und ob Du dieses kleine Experiment mal wagst.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo nitram,

    zu dem was Du geschrieben hast fällt mir spontan ein: Der Druck muss unbedingt weg!

    Du hast Dir jetzt 3 Monate ohne Alkohol "erkämpft", Du hast dem Suchtdruck widerstanden und Dich dagegen gestemmt. Dafür hast Du meinen vollen Respekt!
    Ich glaube aber das Ziel sollte sein eben nicht mehr kämpfen zu müssen. Du kannst bestimmt viele Kämpfe gewinnen, je nachdem wie stark ein Wille ist. Leider reicht ein verlorener Kampf und schon wirst Du wahrscheinlich alles Erreichte in Frage stellen. Und so ein Kampf ist schnell mal verloren, ich weiß das noch gut von früher.

    Also heißt die Devise: Nicht mehr kämpfen müssen.

    Und ich denke das erreicht man nur, wenn man diese Krankheit genau kennt, sich selbst und sein eigenes Suchtverhalten genau kennt und den ganzen Mist einfach aufarbeitet. Manche schaffen das alleine, manche holen sich Hilfe beim Psychologen, viele machen eine Therapie. Durch dieses Aufarbeiten wird einem bewusst, dass man den Alkohol nicht vermissen muss. Man lernt auch wieder z. B. Spaß zu haben ohne Alkohol. Dieses "nachtrauern" verschwindet.

    Ich kann heute an meine Alki-Zeit zurück denken ohne etwas zu vermissen. Ich kann auch zurück denken und sage: Oh ja, da waren auch echt schöne und lustige Zeiten dabei - MIT Alkohol. Was hatten wir tolle Feiern, was haben wir für lustigen Blödsinn gemacht - ja, es gab auch schöne Situationen / Momente. Denke ich genauer darüber nach, dann waren die fast alle entweder zu der Zeit, wo ich noch nicht süchtig war oder eher ganz am Anfang meiner Sucht. Zum Ende hin gibt es keine schönen Erinnerungen mehr, denn es gab ja immer den Tag danach.... Nicht dass ich einer von denen gewesen wäre, die im Suff randaliert hätten, nö, man hat mir meinen Konsum gar nicht angemerkt. Aber ich wusste was ich getrunken hatte, ich fühlte mich schlecht, ich wollte was ändern und ich versagte ein ums andere mal.

    Heute ist es so, dass ich die lustigen Feiern, den Blödsinn, das gesellige Beisammensein wieder habe. Und in vollen Zügen genießen kann. Aber ohne Alkohol und trotzdem oder gerade deswegen noch mehr als früher. Und ich muss dafür nicht kämpfen denn ich habe mit dem Alkohol abgeschlossen.

    Dazu kommen heute noch viele neue Bekanntschaften und Freunde die ich durch mein verändertes Leben gewonnen habe. Das passiert dann ganz nebenbei. Ich mache z. B. wieder viel Sport, ich laufe sehr viel und habe darüber viele gute Bekanntschaften geknüpft. Wir laufen dann auch mal zusammen, bereiten uns gemeinsam auf einen Wettkampf vor, setzen uns einfach so mal zusammen. Und trinken dabei keinen Alkohol weil wir ja Sportler sind (wohlgemerkt: alles im Hobby und Freizeitbereich). Obwohl keiner der anderen ein mir bekanntes Alkoholproblem hat - es ist einfach ganz normal, dass diese Menschen keinen oder nur äußerst selten mal Alkohol trinken.

    Ich kann mich hier also nur meine Vorschreibern anschließen. Ich kann nicht sehen, dass man ausgegrenzt wird, wenn man nichts trinkt. Vielleicht ist das bei bestimmten Veranstaltungen so, wo sich bestimmte Leute treffen. Aber im "normalen Leben" könnte ich das nicht sagen. Darüber habe ich mir am Anfang meiner Abstinenz irre viele Gedanken gemacht. "Wenn du da hin gehst, da musst du dann ja was trinken" oder "bestimmt wird mir ständig Alkohol angeboten werden, wie komme ich nur aus der Nummer raus", usw. Und eigentlich war es fast immer so, dass ein einfaches "ich trinke keinen Alkohol" vollkommen ausgereicht hat und alles geklärt war.
    Ausnahmen die Saufveranstaltungen - aber diese habe ich einfach nicht mehr besucht und ehrlich gesagt ist das absolut kein Verlust.

    Also fühle Dich nicht ausgegrenzt, fühle Dich viel mehr dazugehörig. Du gehörst jetzt zu den Menschen die keinen Alkohol trinken, Du gehörst zu uns! Du kannst das ja auch mal so sehen. Und ist das nicht viel mehr Wert als im Mainstream mitzuschwimmen?

    Alles Gute und bleib Standhaft!

    LG
    gerchla

    Liebe Lerryberrx,

    danke der Nachfrage. Mir geht es wirklich sehr gut. Ich trinke schon seit mehreren Jahren nicht mehr und ich kann für mich sagen, dass ich heute ein sehr glückliches Leben führe.

    Ein ganz anderes als früher. Dadurch das ich Alkoholiker bin, diesen ganz Suchtmist am eigenen Leib erfahren habe, blicke ich heute ganz anders auf mein Leben. Ich bin wesentlich dankbarer für das was ich habe, ich rege mich kaum noch auf über Dinge, die mich früher auf die Palme gebracht hätten. Das sehe ich als das Positive, das mir meine Sucht gebracht hat. Ich habe ein ganz anderes Bewusstsein, als ich vorher (damit meine ich die auch die Zeit bevor ich zu trinken begann) hatte. Ohne diese Sucht, ohne diese schreckliche Zeit hätte ich dieses Bewusstsein wahrscheinlich nie erreicht. Ich gehörte leider nicht zu den Menschen die aus sich selbst heraus ein bewusstes leben führten. Und ich bin so dankbar, dass ich das heute kann.

    Also bei mir ist alles prima, da kann ich hier natürlich gut und entspannt meine Weisheiten von mir geben ;) Aber ich weiß natürlich, dass es nicht immer so einfach ist wie es sich anhört. Denn ich habe nichts von dem vergessen, was ich als Alkoholiker selbst erlebt habe. Und ich weiß auch noch wie schwer die ersten Schritte in die Trockenheit waren.

    Sei bitte zuversichtlich - egal wie das Experiment jetzt auch ausgehen mag und ob Du einen Plan B brauchst oder nicht: Es gibt immer einen Weg - meiner z. B. war für mich auch sehr steinig, ich musste Entscheidungen treffen die sehr weh getan haben, es sind Dinge geschehen, die ich niemals vergessen werde, aber nur so bekam ich letztlich mein Leben zurück. Du wirst das auch schaffen!

    LG
    gerchla

    Hallo Hortensia,

    erst mal möchte ich Dir mein Beileid zum Tod Deiner Mutter ausprechen.

    Die Situation Deines Vaters aus der Ferne zu beurteilen ist meiner Meinung nach nicht möglich. Grundsätzlich ist es aber so, zumindest haben das Betroffene hier geschrieben, dass bei Alkohol und Depressionen immer irgendwie das "Henne-Ei-Prinzip" greift.

    Die Frage also, was war eigentlich zuerst da? Erst die Depression die dann mit Alkohol "bekämpft" wurde und so eine Sucht daraus wurde. Oder erst die Alkoholsucht aus der heraus dann die Depressionen kamen.

    Ich kenne von mir letzteres, wobei ich ganz bestimmt nicht behaupten möchte, dass ich unter richtigen Depressionen litt. Aber mit zunehmender Dauer meiner Sucht erhöhten sich die Phasen in denen ich zumindest depressiv verstimmt war. Das ist eine Nebenwirkung der Sucht, die meist nach längerer Zeit des Trinkens verstärkt auftritt. Denn man merkt ja dann, dass man irgendwie ein sch....ß Leben führt und kommt von dem Zeug nicht mehr weg.

    Anfangs hat der Alkohol aber eine ganz andere Wirkung. Er euphorisiert den Trinkenden, man fühlt sich super, Probleme werden klein, man kann abschalten. Tja, aber dass funktioniert auf Dauer eben nicht und es benötigt auch zunehmend eine immer höhere Menge an Alkohol um diese tollen Zustände überhaupt noch erreichen zu können.

    Aus diesem Hintergrund heraus könnte ich mir vorstellen, dass man Deinem Vater eben diese Therapie (in Bezug auf Alkohol) zukommen lassen möchte. Aber wie gesagt, es wäre mehr als vermessen von mir, wenn ich mir dazu ein Urteil erlauben würde. Ob Dein Vater Alkoholiker ist oder nicht (kann er übrigens auch sein wenn man monatelang nix trinkt), das weiß ich nicht.

    Ist Dein Vater bezüglich seiner Depressionen in ärztlicher Behandlung? Wenn ja, kannst Du da nicht mal mit dem Arzt sprechen wie er/sie das beurteilt? Ich denke so eine Depression ist etwas ganz schlimmes und Du solltest damit nicht allein gelassen werden. Denn wie Du ja schreibst, kann es im schlimmsten Fall sein, dass er diese Welt verlassen möchte. Wenn Du die Situation wirklich so kritisch einschätzt, sollte er unbedingt in professionelle Hände. Das nimmt Dir auch ein Stück Verantwortung.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute und ganz viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo Lerryberry,

    ich wünsche Dir auch schöne Weihnachten und dann natürlich auch einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

    Zitat

    Er hat auch gleich gesagt, dass es überhaupt kein Problem sei mit Ausnahme an Silvester!

    Ich finde es erst mal gut, dass er überhaupt auf das kleine Experiment eingeht. Dass er Silvester eine Ausnahme machen möchte... Naja, warte einfach mal ab wie es sich entwickelt, ich sag' da jetzt mal weiter nix dazu. ???

    Du weißt ja wo wir sind, wenn Dir nach Kommunikation ist.

    Alles Gute und vielleicht bist bald mal.

    LG
    gerchla

    Hallo Dominika,

    also erst mal will ich Dir sagen, dass das letzte was Du haben solltest Schuldgefühle sind. Ich meine, wer fabriziert denn den ganzen Mist? Sicherlich nicht Du.

    Ich hatte Dir ja vor einiger Zeit schon mal geschrieben, dass ich in meinem Umfeld auch jemanden kenne, der wegen seines Ex-Partners den Umgang mit dem gemeinsamen Kind über das Jugendamt regeln musste. Ich kann deshalb sehr gut nachvollziehen was da bei Dir gerade so läuft. Ich weiß von damals eben auch, dass es gar nicht so einfach ist den Vater eines Kindes zu "sanktionieren", zumindest so lange nicht er sich nicht etwas gravierendes zu Schulden kommen lässt. Bei meinen Bekannten war das so, dass der Vater mehrmals ausgetickt ist und gewalttägig wurde inkl. Verhaftung durch die Polizei. Anschließend Knast usw. Und dann kam eben so eine Art eingeschränktes Umgangsrecht heraus, also nur mit Begleitung usw.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass das in Deinem Fall schwierig ist. Dein Ex trinkt und kifft, ok. Letzteres wird er bestreiten und trinken alleine reicht wohl nicht aus, solange nichts gravierendes ist. So denke ich jedenfalls. Deshalb wird es für Dich wohl darauf hinaus laufen, dass Du versuchen musst den für Dich und Euer Kind bestmöglichen Kompromiss zu erreichen. Das ist bestimmt nicht einfach und ich denke mal es ist gar nicht schlecht, wie Du das jetzt erst mal geregelt hast.

    Das waren jetzt mal meine Gedanken zum Umgangsrecht mit Deinem Kind.

    Was Deinen Ex selbst betrifft:

    Greenfox hat vollkommen Recht. Er verhält sich wie ein typischer Alkoholiker. Alles was er tut ist ein typisches Alki-Verhalten. Dieses ganze blablabla und "ich gehe zu den AA aber zwei Bier kann ich trinken" bla bla bla Gesülze kannst alles in die Tonne treten. Ich kann Dir nur sagen: Hüte Dich davor, irgendwas zu glauben von dem was er erzählt. So wie Du berichtest ist er nicht mal annähernd bereit irgendwas ernsthaftes gegen sein Sucht zu unternehmen. Du kannst Dir dieses ganze Gerede mit ihm wirklich sparen - denn es scheint Dich ja immer sehr zu verletzen. Spare es Dir, denn alles was er sagt ist nasser Bullsh...t.

    Du sagst Du bist so enttäuscht, dass er nicht mal wegen der Liebe zu Dir und zu seinem Kind mit dem Saufen aufhört. Bist Du sicher, dass er weiß was richtige Liebe eigentlich bedeutet? Meiner Meinung nach weiß ein Alkoholiker überhaupt nicht was Liebe eigentlich bedeutet. Er glaubt es zu wissen, aber er ist gar nicht in der Lage dazu. Das sage ich Dir jetzt in Reflexion meiner eigenen Situation. Ich liebte meine beiden Kinder über alles - ich liebe sie natürlich auch heute noch über alles. Aber nicht mal das konnte mich dazu bringen mit dem Trinken aufzuhören. Heute weiß ich, dass dieser Liebe das Verantwortungsbewustsein gefehlt hat. Als Alkoholiker war ich nicht in der Lage zu erfassen, welche Verantwortung ich für meine Kinder hatte. Verantwortung hat es gar nicht gegeben, denn ich hatte meine Verantwortung ja abgegeben. An den Alkohol und an meine Ex-Frau. Es ist schwer zu erklären und noch schwerer zu verstehen, wenn man nicht selbst süchtig war.

    Jedenfalls konnte ich als nasser Alkoholiker nicht lieben, nicht so wie das bei "normalen" Menschen ist. Und als ich dann trocken wurde und mir nach und nach klar wurde, dass ich gar nicht in der Lage war richtig zu lieben, da hat mich das wirklich zutiefst getroffen. Da habe ich dann erst mal kapiert, was ich meiner Ex-Frau und meinen Kindern eigentlich angetan habe. Nicht körperlich, denn ich war nicht gewaltätig, wohl aber psychisch.

    Es ist also so, dass Du Dich von den Gedanken verabschieden kannst, dass er "nicht mal wegen Euch" bereit ist zum Trinken aufzuhören. Denn er ist süchtig und er ist uneinsichtig, also nicht bereits seine Krankheit wirklich als solche auch zu akzeptieren. Und dann kann und wird er nicht aufhören - Er kann es einfach nicht und das hat nicht mit Dir zu tun.

    Die alte Leier: Erst wenn er seine Krankheit akzeptiert und bereit ist für sich selbst aufzuhören, wenn er sozusagen lernt sich selbst wieder zu lieben (denn das tut er ganz bestimmt nicht), dann hat er eine Chance. Leider sind es nur wenige, die diesen Schritt überhaupt gehen. Einige davon erlebst Du hier im Forum, Du triffst sie in SHG - aber der größere Teil kommt leider gar nicht so weit.

    Deshalb kann ich Dir nur raten auf Dich und Deine Kinder zu schauen. Mache Kompromisse wo Du sie machen musst aber grenze Dich gefühlsmäßig von ihm komplett ab und baue Dir ein neues Leben auf. Sonst wirst Du auf ewig in seiner Sucht gefangen sein.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo liebe Forumsmitglieder,

    ich habe mir jetzt mal den Bereich "Aktuelles" dafür ausgesucht:

    Ich wünsche Euch allen ein wunderbares und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Mögen alle Eure Wünsche und Vorsätze in Erfüllung gehen!

    Und bei dieser Gelegenheit möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die dieses Forum hier am Laufen halten. Danke deshalb an unsere Admins und Moderatoren aber auch Danke an alle die hier regelmäßig Schreiben und die immer wieder für diejenigen da sind, die sich hier teilweise völlig verzweifelt anmelden. Ich glaube es ist sehr gut, dass es dieses Forum gibt und das Betroffene hier von "Erster Hilfe" bis hin zum konstruktiven Austausch alles finden können. Ich selbst profitiere sehr vom Austausch hier, lerne immer wieder neu dazu und erhalte viele Anregungen um mein Leben in eine für mich sinnvolle Richtung zu lenken.

    Ich bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin und ich bin gerne hier.

    Lasst es Euch gut gehen und bis bald!

    LG
    gerchla

    Hallo Lerryberry,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich selbst bin Alkoholiker, Ende 40 und mittlerweile schon ein paar Jahre trocken.

    Entgegen dem, was Du von Deinem Mann schreibst trank ich täglich. Oder besser: ab einem gewissen Zeitpunkt meiner Sucht musste ich täglich trinken. Zu Anfang meiner Alkoholkarriere konnte ich auch noch immer mal Pausen machen, zum Ende hin war das nicht mehr denkbar. Allerdings war ich quasi nie so besoffen, dass ich am nächsten Tag hätte dafür büßen müssen. Was aber nicht daran lag, dass ich moderat getrunken hätte sondern mehr daran, dass mein Körper sich mehr und mehr an das Gift gewöhnt hatte und mein Trinkverhalten eben so war, dass ich aufgehört habe, wenn mein Kanal voll war. Diesen Kontrollverlust im Sinne von "ich saufe bis ich umfalle" hatte ich nicht.

    Bei Deinem Mann scheint es dann eher so zu sein, dass, wenn er trinkt, er "richtig" trinkt, also bis er richtig voll ist.

    Was will ich Dir mit meinem Geschreibsel jetzt sagen? Das es ganz unterschiedle Ausprägungen der Alkoholsucht gibt! Klassisch kennt man ja Begriffe wie Quartalssäufer (die können monatelang nix trinken und versumpfen dann plötzlich für einige Zeit) oder auch Spiegeltrinker (die müssen immer ihren Promillelevel im Blut haben und meistens merkt überhaupt niemand, dass sie ein Problem haben - sie funktionieren sozusagen wunderbar) usw.

    Das alles macht es sehr sehr schwer zu sagen, ob jetzt jemand Alkoholiker ist oder nicht. Was ist jetzt eigentlich ein Alkoholiker? Mal ganz einfach gesagt: Jemand der nicht mehr auf Alkohol verzichten kann, jemand der den Alkohol braucht. Auch jemand, der vielleicht sogar noch zeitweise verzichten kann, dafür aber einen erheblich Kraftaufwand benötigt und eigentlich trinken will und es nur durch seine Willenskraft schafft, mal eine Zeit lang nichts zu trinken.

    Dann gibt es noch die Grupper der Alkoholmissbräuchler. Diese trinken eindeutig zu viel Alkohol (also in gesundheitschädlichen Mengen = beim Mann alles war über ca. 0,5 Liter Bier pro Tag an maximal 5 Tagen in der Woche hinaus geht) sind aber (noch) nicht abhängig.

    Die Schwelle zur Abhängigkeit kann man auch nicht "sehen", man überschreitet sie quasi unbemerkt und weiß es letztlich erst dann, wenn es zu spät ist. Auch ist diese Schwelle individuell. Es gibt Menschen mit geringer Suchtneigung, die können Jahr(zehnte)lang Missbrauch betreiben und werden trotzdem nicht abhängig. Andere rutschen innerhalb einer ganz kurzen Zeit in die Sucht. Das weiß man vorher irgendwie auch nicht....

    Ein Experiment könnte etwas Klarheit bringen: Wenn Du mit Deinem darüber sprechen kannst, dann bitte ihn doch mal eine längere Zeit komplett auf Alkohol zu verzichten. Da er ja nicht regelmäßig trinkt würde ich da mal einen längeren Zeitraum nehmen. Z.B. ein viertel Jahr, drei Monate keinen Alkohol trinken. Keinen Tropfen und auch keine Ausnahmen.

    Für jemanden der kein Problem hat ist das kein Problem. Hat er damit ein Problem, dann hat er wahrscheinlich ein Alkoholproblem. Wichtig wäre auch, wenn er sich dabei beobachtet und in sich hinein hört. Also wie geht es ihm dabei? Wenn er es schafft nicht zu trinken, wie geht es ihm dabei? Denkt er permant an Alkohol? Fiebert er schon darauf hin endlich wieder trinken zu dürfen? Ist er in dieser Zeit gereizt und genervt? Usw. - wie gesagt, dass geht nur, wenn Dein Mann dafür auch offen wäre und sozusagen von sich aus bereit wäre so einen "Selbsttest" mal zu probieren.

    Ansonsten solltest Du, egal ob er nun Alkoholiker ist oder nicht, eigentlich sehr darauf achten, wie es Dir mit dieser Situation geht. Ich meine, es nützt Dir ja auch nichts, wenn Dein Mann kein Alkoholiker ist und trotzdem immer wieder besoffen vor der Türe steht. Denn damit musst DU ja dann trotzdem leben. Also ist die Frage eher, was DU willst. Ob Du weiterhin so leben möchtest oder ob Du das nicht mehr willst. Und dann ist da ja dann immer noch Euer Kind, das mehr mitbekommt als man gemeinhin so denkt (da spreche ich aus eigener Alkoholikererfahrung).

    Also verliere Dich und Deine Wünsche nicht aus den Augen. Achte darauf, dass es Dir gut geht und versuche mit Deinem Mann darüber zu sprechen. Wenn er Dich liebt und wenn er nicht süchtig sein sollte, dann müsste er jederzeit bereit sein an seinem Verhalten etwas zu ändern. Klingt logisch, oder? Und vielleicht eines noch, ohne das ich Dir Angst machen möchte: Wenn eine Sucht vorliegt, dann wird das was Du jetzt erleben musst noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. D. h. es wird schlimmer werden, viel schlimmer. Außer natürlich er schafft den Ausstieg. Du kannst das beobachten, die Exzesse werden stärker, die Häufigkeit nimmt zu, der Charakter verändert sich zusehends... Halte da mal die Augen auf....

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla