Beiträge von Gerchla

    Hallo Lilly,

    welcome back - leider, wie nicht anders zu erwarten, ohne happy end.

    Ich hatte Dir ja in Deinem ersten Thread schon geschreiben, dass ich zu den Alkoholikern gehöre, also keine Erfahrung als Angehöriger oder Partner eines Alkoholikers habe.

    Als Alkoholiker kann ich Dir jetzt erst mal nur gratulieren, dass Du jetzt so weit bist Dein Leben wieder in Deine eigenen Hände zu nehmen. Ich weiß von meinem eigenen Suchtverlauf wie wenig bzw. gar keine Möglichkeiten meine Familie hatte mein Trinken oder mein Verhalten zu beeinflussen. Ich denke Du hast jetzt erkannt, dass Du nichts tun kannst, dass Du auch keinerlei Schuld hast an seinem Trinken und dass Du nur für Dich selbst verantwortlich bist.

    Jetzt weiß ich natürlich, dass ich mich da sehr leicht rede. Du bist noch auf der Suche nach einer Unterkunft, viele Dinge sind noch ungeklärt und nächste Woche steht er wieder auf der Matte. Du schreibst, dass er aggresiv und unberechbar ist, wenn er getrunken hat. Hast Du nicht die Möglichkeit bereits jetzt irgendwo unterzuschlupfen? Raus aus der Wohnung in die er in Kürze zurück kommt. Du schreibst ja, Du kannst mit ihm nicht mehr leben und ehrlich, das ist absolut nachvollziehbar.

    Was seinen Kliniktermin betrifft: Ob er da hin geht oder nicht sollte Dich jetzt nicht mehr weiter interessieren. Du hast ja schon signalisiert, dass er der Meinung ist er bräuchte keine Hilfe. Damit gibt es ja auch keinerlei Hoffnung das sein Klinikaufenthalt irgendwas bewirkt. Und selbst wenn stellt sich immer noch die Frage, ob Du überhaupt noch mit ihm zusammen sein möchtest, selbst wenn er trocken wäre - ist nicht schon zu viel passiert? Und dann die Angst, dass es wieder los geht? Nun, das wäre natürlich dann Deine Entscheidung aber so wie Du schreibst, wirst Du diese nicht treffen müssen. Wahrscheinlich tritt er nicht mal den Klinikaufenthalt an.

    Ist auch egal. Schau Du nur, dass Du weg kommst und weg bleibst. Überlasse ihm die Verantwortung für sein Handeln und sein Leben. Denn dafür hat er definitiv ganz alleine die Verantwortung. So wie Du es für Dein Leben und Handeln hast. Wenn Du nicht sofort in ein Appartment kannst, dann versuche irgendwo temporär unter zu kommen. Du solltest auf keinen Fall nochmal mit ihm zusammen wohnen.

    Wie gesagt, ich habe keine Erfahrung als Angehöriger. Wenn es aber irgendwie ähnlich läuft wie bei mir als Alkoholiker, dann wird es Dir, ja länger Du von ihm Weg bist, besser gehen. Ich denke es wäre auch wichtig, dass Du, genau wie ich es als Alkoholliker gemacht habe, Dir noch Hilfe suchst. Außerhalb dieses Forums. Jemanden mit dem Du direkt über alles sprechen kannst. Hast Du da schon jemanden? Ich meine damit nicht Deine Freundin, eher einen Psychologen der damit Erfahrung hat. Es gibt ja auch SHG für Angehörige. Ich denke das wäre gut für Dich, denn es wird bestimmt noch einiges auf Dich zu kommen. Da werden auch von ihm noch die ein oder anderen Pfeile auf Dich abgeschossen werden - mit Hilfe kannst Du die Pfeile leichter abfangen, Deine eigene Situation besser aufarbeiten, Dein neues Leben besser gestalten.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles alles Gute und viel Kraft, damit Du gut und schnell durch diese Geschichte hindurch kommst und wieder Dein eigenen Leben führen kannst!

    LG
    gerchla

    Hallo Restart,

    als ich Deinen erten Post gelesen habe dachte ich mir: Da schreibst Du jetzt, dass Du keine Erfahrung mit Benzos hast und Dich "nur" mit der Alkoholsucht auskennst.

    Und dann wollte ich mich eigentlich aus Deinem Thread heraus halten und hier diejenigen schreiben lassen, die (leider) etwas von polytoxer Abhängigkeit verstehen, wie z. B. Dietmar.

    Jetzt lese ich aber Deine Argumente, weshalb Du auf keinen Fall eine Therapie antreten kannst oder willst. Diese Argumente zeigen mir, ich muss es so sagen, dass Du wie so viele Suchtkranke, noch nicht bereit bist ernsthaft ALLES für eine Veränderung Deiner Situation zu tun. Ich meine, ich hatte ja "nur" die eine Sucht, also die Alkoholsucht. Aber ich kann Dir sagen, ich hatte auch meine Argumente, weshalb ich dieses oder jenes nicht tun kann. Oh ich war der tolle und erfolgreiche, der gute, der, dem immer alles gelang - nein, mich outen als Alki? Das geht auf keinen Fall, was würde meine Familie von mir denken? Viele Beispiele könnte ich Dir nennen.

    Und so musste ich noch viele Jahre mit meiner Sauferei verbringen. Schlimme Jahre, ich denke das brauche ich nicht zu betonen.

    Ich habe es erst geschafft aufzuhören, als ich bereit war ALLES für meine Trockenheit zu tun. Kompromisslos alles! Ja, es war die Hölle meiner Frau und meinen Kindern zu sagen was los war! Nie werde ich den Moment vergessen wo ich ihnen offenbart habe, dass ich Alkoholiker bin! Für meinen Sohn war ich immer ein Held! Ein Vorbild - nun, auch ihm habe ich gesagt was Sache ist. Oder meine Eltern - welch ein schwerer Gang - ihnen zu sagen das ihr ach so toller und erfolgreicher Sohn am Ende ist, am Boden, ein Alkoholiker der alles an die Wand gefahren hat.... Mann mann mann, das war schon heftig - auch meinen Geschwistern gegenüber, denen ich ein ums andere mal fast prahlerisch von meinen Erfolgen und meinem tollen Leben, meine vielen tollen Dienstreisen etc. erzählt hatte. Auch ihnen sagte ich: vor Euch steht eine gescheiterte Existenz - am Boden, am Ende, und alkoholkrank!

    Tja, das war hart, sehr hart aber unvermeidbar. Das wusste ich und weil ich bereit war ALLES für meinen Suchtausstieg zu tun, erschien mir das sagar noch als die einfachere Hürde. Denn ich war ja auch bereit z.B. eine LZT anzutreten. Meinen Arbeitgeber zu informieren und ggf. so lange aus dem Job auszusteigen, bis ich wieder soweit war. Alles hätte ich getan, zu allem war ich bereit. Nur endlich weg von dieser Sucht und diesem Elend.

    Und ich wusste, wenn ich weiter saufe, dann werde ich sterben. Und wenn ich sterbe dann ist es für mich vorbei, aber was ist mit denen, die mich lieben? Was ist mit meinen Kindern? Und ich wollte ja auch leben, wieder leben, denn das was ich über Jahre hatte war nur noch ein kleiner Rest von Leben. Eher ein existieren um trinken zu können....

    Ich möchte Dir sagen, wie meine beiden Vorschreiber auch schon, dass Du Dich selbst betrügst, wenn Du denkst Du könntest aus diesen oder jenen Gründen keine Therapie antreten. Denn was ist denn die Konsequenz? Du wirst Deiner Süchte nicht Herr (Frau) werden können, Du wirst Deinen Süchten weiter erliegen, es wird noch schlimmer werden - Sag mir bitte: Wer hat etwas davon? Du? Deine Kinder? Deine Familie?

    Jetzt bekommst Du schon, sogar vom Arzt angeregt, die Chance auf eine stationären Aufenthalt MIT Deinen Kindern - und willst es trotzdem ausschlagen. Überlege Dir doch nochmal, ob Du nicht doch Deinem Namen alle Ehre machen willst. Und machst einen echten "Restart", mit allem drum und dran! Du wirst es Dir danken, wenn Du da durch bist und Dein Leben zurück hast! Deine Familie und Deine Kinder werden es Dir ebenfalls danken!

    LG
    gerchla

    Hallo lila,

    schön das Du zu unsgefunden hast. Herzlich Willkommen.

    Ich glaube es ist das erste Mal seit ich hier aktiv bin, dass jemand etwas berichtet, was so nahe an meiner Geschichte ist. Jetzt nicht im Detail sondern vom Grundsätzlichen her.

    Ich möchte mich erst mal ganz kurz vorstellen, damit Du weißt wer Dir hier schreibt:

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker, männlich und nun schon mehrere Jahre trocken. Zu meiner aktiven Trinkerzeit war ich heimlicher Trinker. Ich hatte zu dieser Zeit zwei wunderbare Kinder und war verheiratet.

    Ich habe meine Familie (Frau) verlassen nachdem ich trocken wurde. Vorher habe ich, wie oben schon geschrieben, viele Jahre lang heimlich getrunken. Ich war wohl ein sehr guter heimlicher Trinker, denn bei meinem Outing hat mir meine Frau erst mal nicht geglaubt, dass ich ein Alki bin. Überzeugen konnte ich sie nur, weil ich ihr alle meine Geheimverstecke gezeigt habe. Über die Jahre hatte ich in der Wohnung, in unmittelbarer Umgebung unserer Wohnung, im Auto, sogar im nahe gelegenen Wald, Alkoholvorräte deponiert. Nachdem sie diese, die zu diesem Zeitpunkt auch alle noch prall gefüllt waren, gesehen hatte, wusste sie was die Stunde geschlagen hat.

    Bevor es zu diesem ultimativen Outing kam, hatte ich, wie wahrscheinlich die meisten Alkoholiker, viele gescheiterte Versuche des Aufhörens hinter mir. Es wurden letztlich immer nur Trinkpausen, ein richtiges Aufhören über einen längeren Zeitraum gelang mir nicht. Obwohl ich Monate lang mal nicht getrunken habe, möchte ich heute nicht davon sprechen, dass ich trocken gewesen wäre. Es gab deshalb auch keinen Rückfall sondern ich hatte immer eine Trinkpause beendet. Natürlich liefen auch diese Pausen immer im Geheimen ab, denn ich trank heimlich, also pausierte ich auch heimlich. Allein diese Tatsache war schon Grund dafür, dass ich es nie hätte schaffen können dauerhaft trocken zu werden.

    Ich will Dir mal ein wenig aus meiner damaligen Situation schildern, denn es könnte ja sein, dass es zu Dir und Deinem Mann Parallelen gibt. Wobei ich sicher bin, dass es bei Euch in Detail große Unterschiede geben wird.

    Ich wurde also trocken, ich hörte mit dem Trinken auf. Ich hatte damals ein Niveau von ca. 10 - 12 Bier + oft auch noch eine Flasche Wein pro Tag. Das erste Bier oder meist die ersten beiden Biere flossen schon morgens, vor der Arbeit in mich hinein. Während der Arbeit konnte ich mal ohne durchkommen, mal trank ich auch dort heimlich. Auf diesem Level war ich, ich schätze mal, so ca. 2 Jahre lang unterwegs. Vorher trank ich etwas weniger, musste auch noch nicht morgens beginnen. Aber diese Endphase meiner Trinkerkarriere hatte mich dann doch stark gestresst, ich war eigentlich nur noch mit dem Trinken und den Entsorgen des Leergutes beschäftigt. Gefühlt drehte sich mein ganzes Leben nur noch darum. Trotzdem trank ich immernoch heimlich, das muss man sich mal vorstellen. Ich konnte also diese Fassade immernoch irgendwie aufrecht erhalten. Zwar haben sich zu dieser Zeit viele Menschen Sorgen um mich gemacht (ich habe optisch seeeehr schlecht ausgesehen und war auch psychisch äußerst labil), aber auf ein Alkoholproblem kam keiner - zumindest haben mir das diese Menschen nach meinen Outing so versichert.

    Meine Familienleben war wohl schon lange komplett im Eimer, wenngleich ich das so nicht gesehen habe. Ich hatte dafür ja gar keine Zeit, ich war ja mit trinken und entsorgen beschäftigt. Für meine Kinder versuchte ich trotzdem irgendwie ein guter Papa zu sein, mein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau versuchte ich durch exzessives Einbringen in den üblichen Haushaltsaufgaben zu kompensieren. D. h. ich habe geputzt, gewaschen, gekocht usw. was das Zeug hielt. Einkaufen war meine Lieblingstätigkeit (ok, auch weil ich dabei unterwegs immer in Ruhe trinken konnte) und ich versuchte einfach ihr Arbeit abzunehmen wo es nur ging - uns so mein Gewissen zu beruhigen.

    Nun, ich habe nicht bemerkt, dass ich für alles was ich tat die dreifache Zeit brauchte, dass ich Dinge einfach vergessen hatte, wo ich dann am nächsten Tag aber davon überzeugt war sie doch getan zu haben. Ich glaube, nein ich bin sicher, es war für meine Frau eine sehr sehr schlimme Zeit. Noch dazu wo sie ja nicht wusste was eigentlich los ist. Sie versuchte immer und immer wieder mit mir zu reden. Über unsere Ehe, unsere Beziehung, die Zukunft. Ich war immer verständnisvoll, versprach das Blaue vom Himmel herunter, nahm Schuld auf mich auch wenn ich glaubte nicht schuld zu sein. Eigentlich wollte ich immer nur, dass alles gut ist. Und fieberte schon auf die nächste Gelegenheit, wo ich mal ein paar Minuten gefahrlos wieder was trinken konnte. Runter kommen, abschalten, druck raus nehmen. Und wenn ich genug intus hatte, dann sah ich auch wieder positiv in die Zukunft, ja irgendwie wird es schon werden.... dachte ich dann.....

    Ich riss mich zusammen so gut es ging und manchmal schaffte ich es sogar ein paar Wochen oder ein paar Tage ein neues, verändertes Familienleben hinzubekommen. So dass meine Frau wieder Hoffnung schöpfen durfte und ich etwas Ruhe hatte. Ich dachte ab und an mal darüber nach sie zu verlassen. Aber da waren ja meine von mir über alles geliebten Kinder - die konnte ich nicht verlassen, niemals.

    Dann war eben der besagte Tag an dem ich mich geoutet habe, ich felsenfest beschlossen hatte nie mehr zu trinken.

    Mit zunehmender Dauer meiner Abstinenz begannen meine Gedanken genau darum zu kreisen. Mein Hirn beschäftigte sich damit, welche Gefühle und welche Beziehung ich eigentlich noch zu meiner Frau habe. Ich hatte mir auch Hilfe geholt, psychologische und auch andere (ein Mönch half mir z. B. sehr) und auch dort versuchte ich über dieses Thema zu sprechen. Dort riet man mir, erst mal nicht alles hinzuschmeißen und meine Frau erst mal nicht einfach zu verlassen. Das nur auf Deine Frage ob man "dort" sowas gesagt bekommt.

    Aber ich bemerkte, dass ich allein für mich verantwortlich bin. Kein Psycholog, kein Mönch oder wer auch immer. Ich allein musste mein Leben leben und ich allein musste entscheiden, wie ich leben will, wer ich sein will, was ich von mir und meinem Leben erwarte.

    Du darfst mir glauben, dass das die intensivsten Wochen / Monate meines Lebens waren. Die Gedanken kreisten, es ging hin und her. Dazu kamen dann natürlich auch noch Gespräche mit meiner Frau und irgendwann war mir klar: Ich muss mich trennen!. Und zwar genau deshalb, weil ich trocken bleiben wollte. Ich habe meine Abstinenz zum wichtigsten in meinem Leben erklärt. Denn sollte ich jemals wieder trinken, ist alles aus. Es geht dabei natürlich um mein Leben, aber eben auch um das Wohlbefinden meiner Kinder, Geschwister usw. Alle denen ich etwas bedeute, alle hätten nur Nachteile wenn ich wieder trinken würde. Allen voran aber ich selbst.

    Für mich gab es keinen Neustart mehr - es war zuviel passiert. Zu schlecht war mein Gewissen, zu kaputt unser Vertrauensverhältnis. Und, wir hatten uns auch außeinander gelebt. Zurück ins alte Umfeld, ich war mir sicher, ich würde über kurz oder lang scheitern. Ich glaube ich wäre gescheitert. Ich musste erst mal wieder lernen für mich selbst verantwortlich zu sein - es hat, ich kann sagen, mehr als zwei Jahre gedauert, bis ich wieder einigermaßen ich war. Oder begann derjenige zu sein, der ich gerne sein wollte.

    Es war die Hölle, diese Entscheidung war die Hölle. Für mich aber auch für meine Frau und vor allem auch für meine Kinder. Ich musste sie aber so treffen.

    Heute bin ich wieder verheiratet. Bin nochmal Papa geworden und meine beiden anderen Kinder gehen bei uns ein und aus. Zu meiner jetzt Ex-Frau habe ich ein gutes, ich möchte sogar sagen ein sehr gutes Verhältnis. Ich unterstütze sie, wenn es nötig ist, wir können gut miteinander reden und sind sicher nicht der Prototyp von geschiedenen Eheleuten.

    Ich schreibe Dir das um Dir zu zeigen, dass es immer weiter geht. Und dass es auch mal positiv weiter gehen kann. Das alles hat ein Stück gedauert, ein ziemlich langes Stück. Ich habe viele Kröten geschluckt aber die waren es wert.

    Vielleicht kannst Du von meinem Geschreibsel etwas für Dich mitnehmen.

    Ach so und eines noch, aber etwas ganz wichtiges: Schuld an seiner Trinkerei hast Du ganz bestimmt nicht! Wie auch meine Frau keine Schuld an meiner Sauferei hatte. Ich halte es geradzu für schändlich, für ein "nasses" argumentieren, wenn man einem anderen die Schuld für die eigene Alkoholsucht gibt. Jeder Alki ist für seine Trinkerei selbst verantwortlich - Es sei denn es hätte ihm jemand den Alkohol mit Gewalt eingetrichtert, was wohl eher unzutreffend ist. Es ist halt schon recht einfach und bequem zu sagen "wenn Du nicht bla bla bla hätte ich nicht mit dem Saufen angefangen". Also vergiss es - Verantwortlich ist immer der Trinker selbst und deshalb kann auch nur er selbst etwas an seiner Situation verändern.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles alles Gute.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Nick,

    Zitat

    Mir ist klar das es ein ungeeigneter job für mich ist.
    Ich werde mir einen anderen job suchen.

    So ist es wohl. Und es ist sehr gut, dass Du das selbst so siehst..

    Zitat

    Momentan bin ich leider ziemlicb durch...

    Auch klar. Wenn Du zu Deinem Arzt gehst, vielleicht könnt' ihr ja mal über einen richtigen Plan nachdenken. Vielleicht ist es erst einmal notwending die Reißleine so richtig zu ziehen. Also nochmal ganz von vorne und in aller Ruhe.

    Ich weiß nicht wie Deine Vorgeschichte ist, ob Du neben der Entgiftung schon mal eine Therapie gemacht hast oder welche Erfahrungen Du bisher gesammelt hast. Aber Du siehst ja selbst, dass Du so einfach nicht von dem Zeug los kommst. Wie Du ja selbst schreibst bist Du jetzt schon fast wieder auf altem Niveau. Naja, und wir kennen das hier ja alle - dauert nicht lange, dann ist alles wie es immer war. Die Sucht hat Dich wieder.

    Ich kann ja nur von mir sprechen. Ich hab ja auch oft versucht aufzuhören und ich wurde immer rückfällig. Hatte dann doch immer nur Trinkpausen obwohl ich einige davon mit dem festen Willen und der festen Überzeugung angetreten habe nie mehr zu trinken. Aber ich hab' halt weiter nichts gemacht. Einfach nur nichts mehr getrunken und gedacht, wenn ich das eine Zeit lang durchhalte, dann geht der Druck schon weg. Manchmal viel es mir sogar so leicht, dass ich nach ein paar Wochen aus lauter Leichtsinn wieder was getrunken habe. Und schwupp, das war's dann gewesen. Es hat erst funktioniert als ich wirklich bereit war mir auch helfen zu lassen und diese auch kompromisslos und gerne angenommen habe. Nicht alles was ich da gemacht habe war im Nachhinein passend für mich, nichts war aber falsch, nichts war kontraproduktiv. Mit der Zeit blieb mir einfach das, was mich wirklich voran gebracht hat in meiner Trockenheit. Und was da das Richtige für mich war, das musste ich halt erst mal heraus finden. Und das geht meiner Meinung nach am besten mit ausprobieren.

    Lass Dir helfen - sprich mit Deinem Arzt was Du tun kannst um dauerhaft weg zu kommen. Wenn Du da einen festen Plan hast, könnte ich mir vorstellen das vielleicht auch Deine Frau dankbar sein wird. Aber ich denke Du weißt es selbst: Trocken werden solltest Du nur für Dich allein, nicht für jemand anderen. Wenn Du das hinbekommst wird Dein Leben ein ganz anderes werden. Es lohnt sich wirklich alles, absolut alles an Hilfe anzunehmen und alles dafür zu tun trocken zu werden. Ich weiß nicht wo ich heute wäre, wenn ich weiter getrunken hätte. Entweder bereits im Jenseits oder aber komplett isoliert von meiner Umwelt nur noch auf Alk fixiert. Also greif es an und konzentriere Dich erst mal auf Deine Sucht und deren Aufarbeitung. Danach dann auf Deine neue Zukunft, Job, etc. Solange Du nicht vom Alk weg bist, hat Job und co. wenig Sinn.

    Ich drück Dir auf jeden Fall die Daumen.

    LG
    gerchla

    Hallo Nick,

    oha, das hört sich nicht gut an.

    Jetzt nehmen wir mal an Dein Chef sagt "Schwamm drüber, Du bist zwar Alkoholiker und bei uns hier gibt es jede Menge Alkohol aber ich vertraue Dir das Du nichts mehr trinken wirst". Da stelle ich mir dann die Frage wie Du das siehst. Denkst Du, dass Du künftig stark genug sein wirst?

    Ich denke im Moment dominiert bei dir die Angst Deinen Job zu verlieren, aber hast Du Dir mal überlegt warum Du wieder getrunken hast? Und was willst Du tun, damit das künftig nicht mehr passiert? Ich weiß wie wichtig es ist einen Job zu haben, idealerweise noch einen, der einigermaßen passt. Aber meinst Du ein Job wo Du ständig Zugriff auf Alkohol hast ist der Richtige für Dich?

    Deine Frage, was Du tun kannst um Deinen Job nicht zu verlieren kann ich Dir leider nicht beantworten. Ich denke das liegt jetztz wohl in der Hand Deines Chefs. Und falls Du ihn nicht verlierst, ich wünsche es Dir, dann brauchst Du einen guten Plan wie Du eine Wiederholung der Geschichte verhindern kannst.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Semra,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, dann immer her damit. Ansonsten wünsche ich Dir erst mal einen guten Verlauf Deiner Therapie.

    Bis bald mal und

    lg
    gerchla

    Hallo Rainer,

    erst mal freut es mich, dass Du aus meinen Gedanken was für Dich mitnehmen konntest.

    Jetzt will ich mal auf ein paar Sachen eingehen:

    Zitat

    Wie lange hat es denn bei Dir in etwa gedauert bis zu diesem Zustand ?


    Das war ein schleichender Prozess bei mir. Ich kann Dir nicht sagen, dass es dann am Tag x soweit war und dass ich da dann genau 1 Jahr, 2 Monate und 5 Tage trocken war. Es war bei mir so, dass ich die erste Zeit meiner Trockenheit, also so das erste halbe bis dreiviertel Jahr schwer mit mir selbst beschäftigt war. Über diese Zeit sage ich heute, dass ich viele Teile davon wie im Nebel wahrgenommen habe. Es ist für mich eine ganz undurchsichtige Zeit gewesen wo ich im Nachhinein so viele einschneitende, schmerzhafte und wirklich für mich auch hammer schwere Entscheidungen treffen musste. Z. B. die Trennung von meiner Familie.

    "Nebenher" wollte ich auch noch trocken werden. Vielleicht verstehst Du was ich meine. Also das, was ich damals alles für mein zukünftiges Leben habe entscheiden müssen, die vielen vielen Tränen die sehen musste, z. B. von meinen Kindern - alle verursacht durch meine Entscheidungen - die hätten eigentlich gute Gründe geliefert weiter zu saufen. ABER: Das war schon damals keine Option mehr! Also war es wohl dieser oft zitierte "Klick" - ich wusste: dieses Mal will ich nicht mehr. Ich WILL NICHT mehr trinken. So durfte ich mein durchaus selbstverschuldetes Elend in den ersten Monaten meiner Trockenheit bei vollem Bewustsein ohne die Wegbeamdroge Alkohol erleben.

    Ich habe mir natürlich helfen lassen. Psychologe, ein Mönch, der mir wohl mit am meisten geholfen hat. Ich wusste ja gar nicht mehr wie das geht, für sich selbst und für mein eigenes Leben und für meine Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen. Diese Menschen halfen mir dabei, gaben mir einen gewissen Rückhalt. Trotzdem ist das alles heute wie in Watte gepackt. Was ich aber sicher weiß ist, dass ich schon damals keine Gedanken an wieder trinken gehabt habe.
    Doch gab es Situationen, die mich unruhig werden ließen. Z. B. wenn ich wo übernachtet habe wo Alkohol im Haus war. Ich hatte mir zwar von Anfang an gesagt, dass es nicht sein kann, dass mich das triggert und dass ich mir ja zu jeder tages- und nachtzeit Alkohol besorgen könnte, wenn ich das möchte (nächste Tankstelle um die Ecke). Und das stimmte ja auch, aber trotzdem war es ein sehr unangenehmes Gefühl zu wissen, dass in diesem Kühlschrank jetzt z. B. Wein steht.

    Auch später, viel später, als ich bei meiner jetzigen Frau wohnte, gab es diese Situationen. Sie trinkt quasi nichts, also fast nichts, hatte aber immer was im Hause, wenn mal Gäste kommen. Das Zeugs war da monatelang in irgend einer Ecke und ich hab's gar nicht wahr genommen. Ich habe mich damals auch schon als absolut gefestigt bezeichnet. Aber trotzdem, irgendwann stieß ich auf das Zeug und ich wollte, das es dort bleibt. Weil es kann ja nicht sein...siehe oben.... - Es hat aber so in mir gearbeitet, dass ich dann mit meiner damals noch Freundin gesprochen habe und dann das Zeug weg geschüttet habe. Danach gings mir besser!

    Heute ist das nicht mehr so. Also wir haben "aktiv" keinen Alkohol im Haus, kaufen aber mal welchen wenn wir zu irgend einem Anlass einladen. Wird der nicht ganz ausgetrunken, kommt was übrig bleibt bei uns in einen Schuppen. Da steht das Zeug dann - ich kann vom Küchenfenster genau auf diesen Schuppen blicken. In der Praxis ist es so, dass gekauftes Bier irgendwann von mir weggeschüttet wird, weil es abgelaufen ist. Wein etc. wird dort zwischengelagert und wir geben ihn dann irgendwann mal jemanden von dem wir wissen, dass er was damit anfangen kann (allerdings niemals jemanden von dem wir vermuten würden er hätte ein Alkoholproblem). Du kannst hier jetzt heraus lesen, dass wir ein sehr alkoholarmes Umfeld haben. So ist das auch tatsächlich. Trotzdem wollen wir, wenn wir mal Gäste haben von denen wir wissen, dass sie z. B. gern ein Bier zum Essen trinken, das auch ermöglichen. Und zwar nur deshalb, weil ich damit kein Problem habe. In den ersten paar Jahren hat es bei mir für NIEMANDEN Alkohol gegeben. Jetzt muss ich noch dazu sagen, dass mit meiner andauernden Abstinenz diese Situationen, wo wir mal Alkohol anbieten, immer seltener werden. Denn, die Menschen wissen mittlerweile alle, dass ich (wir, meine Frau ja auch nicht) keinen Alkohol trinken. Und sagen dann meist: "Ach übrigens, wenn wir dieses Wochenende bei Euch sind, kommt bloß nicht auf die Idee für uns Alkohol zu kaufen. Wir verzichten gerne und trinken was ihr auch trinkt." Das ist dann so eine sehr angenehme "Nebenwirkung" die sich einstellt, wenn das Umfeld irgendwann mal geschnallt hat, das man alkoholfrei lebt. Das spricht sich halt rum. Denn ich habe aktiv "nur" meiner Familie und meinen engen Freunden gesagt, dass ich Alkoholiker bin. Und Menschen, die mich von sich aus danach gefragt haben, also die mir die Frage stellten: "Sag' mal, warum trinkst Du eigentlich keinen Alkohol?" - Das waren aber gar nicht so viele, aber ich denke viele denken sich ihre Teil. Das ist für mich auch absolut ok. Also, lange Rede kurzer Sinn, ich glaube im Moment ist in diesem Schuppen gar kein Alkohol, ich weiß es nicht mal genau ;D

    Aber, wie schon gesagt, man entwickelt sich weiter. Das wichtigste für mich war und ist immer meine Abstinenz, denn verliere ich diese, habe ich mein Leben verloren. Da habe ich nix von und das vom mir geliebte Umfeld auch nicht. Mein jetziges Verhalten stellt für mich aber kein Risiko mehr da und somit das ist das jetzt so in Ordnung. Diese Situationen werden auch, wie schon gesagt, immer weniger.

    Ich wage zu behaupten es gibt ganz viele Alkoholiker, die das ganz anders sehen und bei denen das auch ganz anders ist. Und das respektiere ich auch! Ich kann immer nur von mir sprechen.

    Also, um auf Deine Frage zurück zu kommen: Gewusst, dass ich nie mehr trinken will, das habe ich von Anfang an - das war eben anders als die vielen male vorher. Warum kann ich Dir nicht sagen, vielleicht hatte ich den oft beschworenen persönlichen Tiefpunkt erreicht. Meinen jetzigen Zustand, also ganz normal alkoholfrei zu Leben und dem selbigen für mich überhaupt keine Bedeutung mehr zuzumessen, das ist über die Jahre so gewachsen. Immer ein Stückchen mehr. Wie ich Dir oben beschrieben habe.

    Trotzdem habe ich noch Grenzen. Z.B. nehme ich keinen verkochten, verbackenen Alkohol zu mir. Auch wenn es mir wahrscheinlich nix ausmachen würde. Da sage ich dann: Ich will alkoholfrei leben, aus meiner eigenen Entscheidung heraus. Und wenn ich weiß, das in einen Kuchen z. B. Rotwein ist, dann esse ich ihn nicht. Auch wenn ich ihn, hätte man es mir nicht gesagt, nicht mal bemerkt hätte. Das ist mir egal, denn ich lebe ja aus eigener Entscheidung alkoholfrei und wenn ich weiß, dass irgendwo Alkohol drin ist, dann kommt das für mich nicht in Frage.

    Nun, natürlich ist es mir schon mehrmals passiert, dass ich, gerade beim Kuchen, ein Stück gegessen habe, wo ich vom Gastgeber hinterher erfahren habe: uuuups, ähhhh da war jetzt Wein drin - ähhhh habe ich gar nicht dran gedacht dir das zu sagen. Und ich auch ausnahmsweise vorher nicht gefragt hatte, weil dieser Gastgeber ja weiß das ich Alkoholiker bin und noch nie was mit Alkohol angeboten hat. Nun, das ist mir dann egal, denn ich weiß, dass deshalb nichts in mir ausgelöst wird.

    Es würde nur etwas in mir auslösen, wenn ich noch Gedanken hätte wie: Oh, schau mal, du hast Kuchen mit Alkohol gegessen.... Hmmm, ist ja gar nix passiert... hmmm, vielleicht könntest du ja auch mal ein kleines, ein gaaaanz kleines Bierchen trinken.... und wenn dann da auch nix passiert .... hmmmm, na vielleicht hast du dir da ja was eingeredet.... ach und überhaupt, wenn doch schief geht kannst du ja wieder aufhören.... hast es ja jetzt auch geschafft....

    Du verstehst was ich meine? Ich kenne diese Gedanken nicht mehr. Trotzdem würde ich niemals etwas essen von dem ich weiß, dass Alkohol drin ist (selbst in geringsten Mengen), weil es ja meine Entscheidung ist, keinen Alkohol mehr zu mir zu nehmen. Über diese Situation bin ich sehr froh und glücklich.

    Zitat

    Diese zwei Absätze lese ich nun zum X-ten mal, wieder und wieder.


    Ja schau halt mal, ob Du mit so einem Ansatz weiter kommst. Es braucht alles seine Zeit und jeder geht einen anderen Weg. Vielleicht kommst Du so ein Stück weiter.

    Zitat

    Das ist ein großes Problem. Diesen Gedanken muss ich in den Griff bekommen. Wenn ich dem nachgebe, und dadurch rückfällig werde, bin ich ziemlich sicher
    gleich wieder da wo ich aufgehört habe. Da kenne ich mich zu gut.


    Damit hast Du sicher Recht. Mit allem was Du geschrieben hast. Du musst sie in den Griff bekommen und wenn Du rückfällig wirst, bist schnell da wo Du vorher warst. Ich durfte die Erfahrung machen, dass ich nach längeren Trinkpausen auch immer noch was drauf gesattelt habe. Meist war mein Trinkniveau dann dauerhaft höher als vor der Pause.

    Aber was heißt nun in den Griff bekommen. Ansich musst Du Dir darüber Gedanken machen, warum die Alkohol trinken möchtest. Was es Dir bringt Alkohol zu trinken. Welche Nachteile Du davon hast, aber auch welche Vorteile. Auch ich habe durchaus positive Erinnerungen am Alkoholkonsum - Aber, diese beschränken sich ausschließlich auf die ersten zweitdrittel meiner Sucht. Im letzten Drittel, als ich dann mal am Tag jenseits der 5 Biere, zum Ende hin dann bei 10, 12 Bier + Wein, angekommen war, da gibts nix mehr Positives. Gar nix mehr.
    Und stell Dir die Frage, was Du eigentlich verlierst wenn Du keinen Alkohol mehr trinkst? Und überlege Dir mal ernsthaft, ob das was dann da auf Deiner Liste steht, auch tatsächlich stimmt oder ob Du das nur so empfindest weil Du Dir all diese Dinge nur mit Alkohol vorstellen kannst. Denke mal drüber nach, wie Menschen die nie Alkohol trinken, diese Situationen auf Deiner Liste eigentlich meistern. Also überlege mal, wie der allergrößte Teil der Menschheit diese Situationen dann meistert, wenn sie doch Deiner Meinung nach nur mit Alkohol gut zu bewältigen sind / Spaß machen usw.

    Bisl abstrakt jetzt, aber ich hoffe Du verstehst.

    Vielmehr ist es so, dass Du ALLES ohne Alkohol mindestens genauso gut /intensiv/mit Spaß tun kannst wie mit Alkohol. Du hast es nur verlernt oder erst gar nicht gelernt oder kannst es Dir nicht vortellen. Da Du süchtig bist, tut Dein Suchtgedächtnis sein übriges und suggeriert Dir noch kräftig, dass dieses oder jenes ohne Alkohol ja undenkbar ist, dass Du Dich dann ja gleich in die Kiste legen kannst, das man ja schließlich auch noch ein wenig Spaß am Leben haben will usw. usf. .... Ja, so ist das, ich erinnere mich noch gut....

    Alles Quatsch. Es ist völlig egal was, es geht alles ohne, ich sage jetzt mal bewusst: BESSER - Bspl.: Nach ein paar Bier war ich offen, redseelig, positiv diskussionfreudig, hatte viel Spaß, schön war's - Heute bin ich ohne Alkohol redseelig, positiv, diskussionfreudig und habe mega viel Spaß - und kann mich sogar noch daran erinnern am nächsten Tag. Ich gebe aber zu, ich musste etwas "üben" so zu sein, wie gerne sein möchte, ohne das "Hilfsmittel" Alkohol - das ist das was ich meinte mit "an sich arbeiten". Aber es war nicht so schwer.... Und es ist ein tolles Gefühl das alles ohne Droge zu, also ECHT, zu erleben und zu tun.

    Zitat

    Ich möchte meinen Konsum oder "das Problem" auch nicht größenmäßig einordnen. Es gibt immer einen der noch mehr trink als man selber und meint kein Problem zu haben. Wenn man so manche Geschichte
    hier von anderen liest, da bin ich ja ein Mauerblümchen dagegen.


    Ja, das solltest Du auch auf keinen Fall tun. Du wirst immer jemanden finden, der viiiiieeeel mehr trinkt als Du. Die Menge ist nicht ausschlaggebend - es ist die Frage, ob Du ohne kannst. Die Menge steigert sich von selbst, beim einen geht das schneller, beim anderen langsamer.

    Die ersten Jahre, nicht wenige, meiner Abhängigkeit trank ich täglich ein- bis zwei Bier. Bei uns in Bayern also quasi eine homöopathische Menge. Aber ich war bereits süchtig! Denn, wenn ich mal eine Pause machte, kreisten meine Gedanken um Alkohol. Oh, ich konnte damals noch monatelang pausieren. Bewusst, weil ich mir ja beweisen wollte, dass ich kein Problem habe. Tja, merkst was? Wennst Dir beweisen musst, dass Du kein Problem hast hast schon ein Problem.

    Als ich damals, nach meinem Ausstieg dann am ersten Abend in der SHG aufschlug haben die Mitglieder dort von ihren eignenen Alkoholkarrieren berichtet. Die meisten davon hatten weit härtere Zeiten hinter sich als ich. Zig Entgiftungen, dem Tod von der Schippe gesprungen, Mengen, die meine 12 Bier am Tag bei weitem topten.... Ich bin damals nicht auf die Idee gekommen, es könnte bei mir ja gar nicht so schlimm sein. Nee, ich wusste genau wo ich stand, nämlich am Abgrund. Egal ob mir da jetzt Menschen erzählten, dass es noch viel tiefer gehen kann. Ich war froh, nicht so weit absteigen zu mussen bzw. hoffte zu diesem Zeitpunkt, nicht erst so tief absteigen zu müssen.

    Somit tust Du gut daran, Dich nur auf Dich selbst zu konzentrieren.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Ach steff, was willst Du denn mit einem Alkoholtester? Mit solchen Sachen rutscht Du ja noch mehr in die Co-Abhängigkeit, ich glaube ja, dass Du da schon mitten drin bist. Das ist übrigens auch eine Krankheit die es in sich hat. Lass Dir doch bitte helfen. Es gibt Hilfsangebote für Angehörige von Alkoholikern. Mit so einem Tester kontrollierst Du ihn. Ja und dann? Was soll Dir das denn bringen? Hat er null Promille, wunderbar, hat er getrunken ist alles im Eimer. Du machst Dein Leben von seiner Trinkerei abhängig. Du bist damit genauso abhängig wie er. Er ist vom Alkohol abhängig und Du bist von ihm abhängig. So funktionieren doch keine gesunden Beziehungen.

    Ich kann Dir dazu leider nicht mehr sagen. Vielleicht versuchst Du wirklich in Kontakt mit anderen Angehörigen zu kommen. Da sind auch viele dabei, die jahre- teils jahrzehntelang an der Seite eines Alkoholikers gelebt haben und nicht los gekommen sind. Und es dann doch irgendwann geschafft haben. Was sie erlebt habe, wie sie es geschafft haben, wie es ihnen damit jetzt geht - ich denke das wären für Dich sehr interessante Informationen.

    Ich kann als Alkoholiker nur sagen: Das beste für meine Frau und meine Kinder wäre gewesen, wenn sie mich verlassen hätte. Sie hatte nur durch mein Verheimlichen nicht gewusst, wie die Situation tatsächlich ist. Aber sie war totunglücklich mit unserer Beziehung. Heute sage ich: Mit dem Partner reden, ihn vor die Wahl stellen und, sollte er sich für ein "weiter so" entscheiden dann die Konsequenzhen ziehen. Ohne wenn und aber.

    Wenn er Dir heute sagt er hört auf, was ist das denn Wert? Wenn er Dir heute sagt er hört auf und er hat bereits einen Termin bei der Suchtberatung und er wird abends auch sofort in eine SHG gehen und er will unbedingt eine Therapie antreten und lässt sich beraten was er tun muss - dann könntest Du vielleicht mal darüber nachdenken, ob Du ihn da noch ein Stück begleiten möchtest. Wenn er dann auch alle Termine wahr nimmt, einen Termin für eine z. B. Langzeittherapie bekommt und diese dann auch tatsächlich antritt - dann könntest Dir überlegen, ob Du ihn dabei unterstützen möchtest.

    Alles andere, dieses Gerede von "ich höre auf bla bla" aber "ich schaffe das alleine bla bla" - das alles wird Dein Leiden nur noch verstärken und verlängern.

    Mehr kann ich dazu jetzt nicht mehr sagen.

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen steff,

    ich empfinde es schon fast als dragisch, wie Du versuchst Hoffnung zu schöpfen, dass er vielleicht ja doch nicht so schlimm dran sein könnte.

    Das ganze noch kombiniert mit der Aussage dieser Ärztin, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Wenn er bereits süchtig ist, was ich hier aus der Ferne natürlich nicht 100%ig sagen kann, zumal ich eben auch kein Arzt bin, dann wird er nie mehr ein Bier oder sonst irgendwelchen Alkohol trinken könnnen. D.h. er kann natürlich schon, er wird dann allerdings ganz schnell wieder da sein wo er vorher war. So ist das einfach mit dieser Sucht. Darum heißt es ja auch Sucht und ist eine unheilbare Krankheit. Übrigens ist es auch völlig egal welchen Alkohol man trinkt. Bier, Wein, Schnaps, Korn, Wodka, ist völlig egal. Ich trank am Ende 10 - 12 Bier am Tag, + oft noch Wein, mindestens. Und? Das war kein "guter" Alkohol, nur weils kein Schnaps war. Das kann man umrechnen. Meine Biere hätten dann (ich habe die Formel jetzt nicht im Kopf) wahrscheinlich auch 1,5 Flaschen Schnaps entsprochen. Und ich war ein Wrack, emotional tot, am Ende. Ich bin entsetzt über die Aussage der Ärztin und kann das nicht nachvollziehen, aber vielleicht ist das jetzt auch aus dem Kontext gerissen.

    Sollte er nicht süchtig sein, sondern "nur" Missbrauch betrieben haben, dann könnte es eventuell sein, dass er mal wieder zu einem normalen Trinkverhalten zurück finden könnte... Die Gefahr in die Sucht abzurutschen ist bei solchen Menschen aber immer sehr hoch. Denn sie haben ja große Erfahrung mit der Wirkung von Alkohol. Ich möchte aber dazu sagen, dass das wenige was Du jetzt von Deinem Partner geschrieben hast, für mich eindeutig auf eine Sucht hindeutet. Und offenbar ist er auch bereits körperlich abhängig, was normalerweise erst relativ spät eintritt. In der Regel wird man erst mal psychisch abhängig und mit zunehmender Dauer der Sucht setzt dann auch eine körperliche Abhängigkeit ein, die dann bei Entzug eben zu sochen Anfällen führen kann, aber nicht zwangsläufig muss. Deswegen solltest daraus, dass er dieses Mal nicht in den Delir gefallen ist und "nur" gezittert hat, keinerlei Hoffnung für irgendwas schöpfen.

    Grundsätzlich ist auch die psychische Abhängigkeit diejenige, die das eigentliche Problem ausmacht. Körperlich wird er in kürze entgiftet sein, alles wieder paletti, salopp gesagt. Aber die Psyche wird ihn dazu bringen wieder rückfällig zu werden. Sofern er nicht bereit ist, ernsthaft etwas dagegen zu unternehmen. In seinem Fall wäre z. B. eine Langzeittherapie sicher nicht das Falsche. Vielleicht sogar der einzig sinnvolle nächste Schritt. Hat er darüber schon mal nachgedacht?

    Lass Dich auch nicht davon täuschen, dass er sich kein Bier geholt hat obwohl er dazu Gelegenheit gehabt hätte. Ich hatte teils monatelange Trinkpausen, später wochenlange, dann tagelange Pausen, wo ich nichts trank obwohl ich das natürlich jederzeit gekonnt hätte. Aber man schnallt ja das man ein Problem hat und kämpft dagegen. Und man kann diesen Kampf auch mal eine Zeit lang führen und gewinnen. Nur leider nicht auf Dauer - wenn man nicht bereit ist, sich Hilfe zu suchen und sich auf die Aufarbeitung seiner Sucht einzulassen. Dann wird man diesen Kampf irgendwann verlieren und, so schnell schaust Du gar nicht, ist man wieder da wo man vorher war und oft auch noch ein Stück tiefer in der Sch....e.

    Zu Deiner Frage:

    Zitat

    Was ist bei euch passiert das Ihr aufgehört habt zu trinken?

    Erst mal muss ich sagen, dass ich ewig viele Versuche gestartet habe um mit dem Trinken aufzuhören. Da ich heimlich getrunken habe, versuchte ich auch heimlich aufzuhören. Grober Fehler. Was passiert ist, waren dann immer "nur" Trinkpausen. Am Anfang meiner Sucht waren diese sehr lange, mehrere Monate konnte ich dann ohne Alkohol klar kommen. Wobei ich da schon viel an Alkohol dachte, was ein eindeutiges Zeichen für eine Sucht war. Aber ich war noch stark genug lange verzichten zu können. Körperliche Abhängigkeit wie bei Deinem Freund hatte ich noch keine, obwohl ich schon jahrelang getrunken hatte. Natürlich noch lange nicht so viel wie am Schluss.

    Über die Jahre wurden die Trinkpausen weniger und kürzer. Irgendwann war es für mich dann schon mal ein Erfolg ein oder zwei Tage nichts zu trinken, mehr ging nicht mehr. Und irgendwann war es dann sogar ein Erfolg mal nur 5 Bier am Tag zu trinken. Ohne Alkohol ging gar nichts mehr.

    Dann kam ich zu dem Punkt, dass ich einfach nur noch saufen wollte. Und schon morgens damit begann. Damit habe ich dann meinen absuluten Abstieg in die Suchtspirale noch beschleunigt. Immer noch ging ich arbeiten, immer noch hatte ich Familie. Aber ich hatte gar keinen Bock mehr darauf. Denn das hinderte mich ja alles am Trinken. So ging es immer tiefer.

    Irgendwann war ich so am Ende, das ich, völlig ungeplant, zu meiner damaligen Frau ging und ihr erklärte das ich Alkoholiker bin. Ich musste ihr dann alle meine Verstecke zeigen, damit sie mir das auch wirklich geglaubt hat. Ich war da sehr kreativ gewesen, da ich ja heimlich getrunken hatte. So hatte ich meine Vorräte im Reservekasten des Autos, oder im Jetbag im Keller, oder in einem Hohlraum unseres Feuerholzes usw. Ich hatte immer ein paar Kästen Bier im nahegelegenen Wald, gut versteckt wo ich dann aber sehr schnell sein konnte, wenn ich Nachschub brauchte. Ja, so war das tatsächlich. Hätte ich es nicht selbst erlebt, ich würde es wohl kaum glauben. Ich denke Du weißt von Deinem Freund auch nur sehr wenig.... Aber gut, das ist Eure Sache.

    Als ich mich dann geoutet hatte, brach' die Welt meiner Familie (damals noch 2 Kinder) und meine eigene zusammen. Ich aber, war mir plötzlich sicher, nie mehr trinken zu wollen und alles dafür zu tun, das auch zu schaffen. Also, bin ich sofort in eine Selbsthilfegruppe, habe sofort einen Termin bei der Beratung, einen Termin beim Psychologen und auch noch weitere Gesprächstermine ausgemacht. Und diese dann auch konsequent besucht. Mein einziger großer Fehler im Nachhinein war, dass ich nicht sofort zum Arzt bin sondern erst einige Tage später. Ich habe also quasi kalt Entzogen, was für mich im schlimmsten Fall tödlich hätte enden können. Ich hatte aber Glück und hatte, außer Schwitzen, leichtes Zittern und schlechtes Schlafen, kaum körperliche Probleme. Obwohl ich mindestens, ich denke mal, 15 Jahre abhängig getrunken hatte.

    Meine ersten trockenen Wochen waren also damit gefüllt, mich mit meiner Sucht, mit mir selbst und meinem zukünftigen Leben zu beschäftigen. Ich ging täglich in die Selbsthilfegruppe, sprach sehr viel mit allen möglichen Menschen über mich und meine Sucht und versuchte aufzuarbeiten. Das war die schwerste Zeit meines Lebens, mal abgesehen von der Zeit die ich am Ende als saufender Alki erleben musste. Das war noch schlimmer.

    Letztlich habe ich mich dann von meiner Frau getrennt, was eine Folge meiner Aufarbeitung war. Das war die Hölle für mich, denn damit verlor ich ja auch erst mal meine Kinder. Aber diese Entscheidung musste ich damals, aus meiner Geschichte heraus, so treffen, denn nur so war es für mich möglich dauerhaft trocken zu bleiben. Details wären jetzt zu kompliziert.

    Ich habe also die Erfahrung gemacht, dass man nicht einfach so mal mit dem Trinken aufhören kann und dann wird alles wieder gut. Nein, so funktioniert das normalerweise nie. Da kannst Du meine Mitschreiber hier fragen, wir haben alle eine sehr bewegte Geschichte hinter uns. Man muss immer sehr viel investieren, sehr viel. Und bereit sein, das ganze Leben zu verändern oder zumindest wesentliche Teile. Beim einen mehr, beim andere etwas weniger. Aber eines ist sicher: Nur nix mehr trinken funktioniert nicht!

    Heute übrigens, bin ich wieder verheiratet, sehr glücklich, habe nochmal eine kleine Tochter bekommen und habe beste Beziehungen zu meinen anderen beiden Kindern. Und tatsächlich auch zu meiner Ex-Frau. Das war nur möglich, weil ich ein trockenen Leben führe. Und dadurch, über die Jahre, das Vertrauen meiner Kinder und auch meiner Ex-Frau zurück gewinnen konnte. Das hat gedauert, das kannst Du mir glauben und ich musste auch viele Kröten schlucken. Aber es hat sich gelohnt. Ich war nie glücklicher und zufriedener als heute.

    Das nützt Dir jetzt alles nichts. Du willst ihn nicht verlassen, gut. Deine Entscheidung. Dann musst Du mit dem Leben was kommt. Du gibst Dein Leben in seine Hände. Hört er auf mit dem Trinken, schön für Euch, trinkt er weiter, wirst Du noch einiges vor Dir haben. Fakt ist aber, dass Du nicht diejenige sein wirst, die darüber bestimmt wie es weiter geht. Er allein kann seine Sucht bekämpfen. Er allein ist dafür verantwortlich. Du bist nur Statistin, eine Nebenrolle. Du kannst nur auf Dich und Deine Kinder achten.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Rainer,

    ein verspätetes herzlich Willkommen bei uns im Forum auch von mir. War leider fast drei Wochen krankheitsbedingt auf Eis gelegt und konnte hier kaum schreiben.

    Ich bin Alkoholiker, in Deinem Alter und nun seit einigen Jahren trocken. Ähnlich wie Dietmar spreche oder schreibe ich nicht im Detail darüber, wie lange ich schon weg bin vom Alkohol. Die Dauer meiner Abstinenz hat für mich keine wesentliche Bedeutung mehr. Das war am Anfang natürlich anders. Erst habe ich die Tage gezählt, dann die Monate und anfangs auch noch Jahrestag gefeiert. Meinen letzten Jahrestag hatten meine Frau und ich glatt vergessen. Fiel mir dann ein paar Tage später auf. Und es war für mich ein schönes Gefühl, denn es bedeutet für mich, dass ich komplett in mein abstinentes Leben hinein gefunden habe. Das bedeutet nicht, absolut nicht, dass ich meine Krankheit auf die leichte Schulter nehmen würde. Es bedeutet aber, dass mein jetziger (alkoholfreier) Zustand für mich ganz normal geworden ist und ich keinen Gedanken mehr an Alkoholtrinken verschwende. Und es ist für mich auch keine Leistung mehr, das ich keinen Alkohol mehr trinke. Ich bin darauf auch nicht mehr stolz. Ich möchte nicht auf etwas stolz sein was eigentlich ganz normal ist. Wie gesagt, anfangs war das ganz anders. Da war ich natürlich stolz auf mich und, das war auch gut so denn es hat mich motiviert dran zu bleiben. Heute sehe ich das, immer nur auf meine eigene Person bezogen, etwas anders.

    Und weil ich möchte, dass das für den Rest meines Lebens so bleibt, setze ich mich z. B. hier im Forum mit diesem Thema außeinander. Ich lese sehr viel darüber und ich schaue auch gerne Dokus zu diesem Thema an. Und, hin und wieder, diskutiere ich auch mit Menschen, die das möchten. Also in der realen Welt, nicht hier im Forum. Diese Außereindersetzung mit meiner Sucht ist mein Schlüssel zur dauerhaften Abstinez und mir wird dabei immer wieder bewusst, was für ein wunderbares Leben ich heute führe. Weil ich nicht mehr trinken muss. Wunderbar.

    Zum Thema SHG: Ich finde es schade, dass das in Deinem Thread jetzt so ein "Eigendynamik" bekommen hat - also, dass Du Dich z. B. angegriffen gefühlt hast von Greenfox und vielleicht auch von Dietmar. Ich kenne die beiden nicht persönlich, aber ich lese sie nun schon ein paar Jahre hier im Forum und bin sicher, sie wollten Dich nicht angreifen und auch Deine Leistung nicht schmälern. Ich kann Dir sagen, das ich z. B. keine SHG besuche. Und ich bin trotzdem schon lange trocken... Ja, es geht auch ohne. Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich damals, keine 24 h trocken, sehr wohl bei einer SHG war (bei den hier schon zitierten AA). Und mir war das damals völlig egal was mich dort erwartet. Ich wollte einfach weg vom Alkohol und ich wollte ALLE Hilfe die mir in den Sinn kam nutzen. Eine dieser Hilfsangebote war dann eben eine AA-Gruppe in Fußnähme meiner damaligen Wohnung. Also nix wie hin, warum auch nicht? Hauptsache weg von dem Zeug.

    Nun, ich war dort dann einige Zeit. Durfte lernen, dass die ganzen Vorurteile nicht oder nur zu einem kleinen Teil stimmen und habe trotzdem relativ schnell bemerkt, dass das nichts für mich ist. Die AA sind eine Monologgruppe.... Phuuuuuu - jedes mal die gleichen Menschen die immer das Gleiche erzählen und man darf dazu nicht mal was dazu sagen.... Ne, das war nix für mich. Auf Dauer. Ich hätte mir eine andere Gruppe suchen können, eine Dialoggruppe, aber, ich hatte viele andere Menschen mit denen ich mich bezüglich meiner Sucht, bzw. der Aufarbeitung der selbigen, austauschen konnte. Und weil das so war, war das Thema SHG für mich erst mal keines mehr. Bis heute ist das so und ob das immer so sein wird, das weiß natürlich nicht.

    Ich finde Du hast großes Glück. Du hast es geschafft so mir nichts, dir nichts mit dem Trinken (und noch mit dem Rauchen) aufzuhören. Ohne große Probleme. Das ist toll und ich finde auch eine große Chance dauerhaft ohne Alkohol leben zu können! Dir ist dabei ein wenig mulmig zumute, weil es Dir so leicht gefallen ist... Kann ich verstehen. Wenn doch so einfach geht, dann war das Problem ja vielleicht noch gar nicht so groß? - solche Gedanken kommen einem dann da schon mal gerne in den Sinn.

    Ich denke Du hast sehr gute Voraussetzungen für ein Leben ohne Alkohol. Ich glaube das es sehr wichtig ist sich mit sich selbst und der eigenen Sucht, der eigenen Sucht- und Lebensgeschichte außeinander zu setzen. Aufarbeiten sage ich da immer - immer die gleiche Leier von mir aber für mich der Schlüssel. Wenn man die Gründe für das eigenen Saufen finden kann, dann ist das natürlich prima. Die findet aber nicht jeder - ich hoffe meine gefunden zu haben aber ob dem wirlich so ist?..... Ich hatte eigentlich gar keine Gründe - mir gings nämlich prima vorher.... Deshalb habe ich relativ bald damit begonnen mich mit dem Sinn meines eigenen Lebens außeinander zu setzen. Wer bin ich? Wer war ich? Wer will ich sein? Was will ich erreichen? Was will ich mal sagen, wenn ich vor der Kiste stehe, wenn mein letztes Stündlein geschlagen hat? Viele solcher Fragen habe ich mir gestellt und stelle ich mir immer noch. Ich stelle fest, dass sich Einstellungen und Meinungen von mir ändern. Das nennt man vielleicht "sich weiter entwickeln", ich weiß es nicht. Es ist schön sich mit sich selbst außeinander zu setzen und es gibt mir auch sehr viel Kraft um auch für andere da sein zu können. Bin ich mit mir selbst im Reinen kann ich auch für andere da sein.

    Und auch bei mir gibt es ein paar Kinder (wie bei Dir auch) die einen Papa brauchen und natürlich auch eine wunderbare Frau mit der ich mein jetzt wunderbares Leben führe. Wenn da zurück denke - mein Leben lag in Schutt und Asche, ich ein Wrack - aber damit bin ich ja nicht allein. Meinen Mitschreibern hier ging es ja auch nicht besser, manchen noch viel schlimmer als mir. Der Alk hatte uns im Griff.

    Also, ich wollte Dir nur ein paar Anregungen geben. Mach was damit oder auch nicht. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles erdenklich Gute. Bleib' auf Deinem trockenen Weg und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Steff,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns um Forum. Gut das Du Dich doch hier gemeldet hast.

    Erst mal möchte ich Folgendes fragen: Wenn Dein Freund einen Anfall hat, was tust Du dann? Ich hoffe, Du rufst sofort den Notarzt. Kalter Entzug kann tödlich enden, im schlimmsten Fall. Und so blöd es klingen mag: Bevor er unbeaufsichtigt durch Entzug in Richtung Krampfanfälle marschiert, sollte er lieber weiter Alkohol trinken. Damit ist wirklich nicht zu spaßen. Der Entzug sollte in jedem Fall professionell begleitet sein.

    Ansonsten sieht es für mich so aus, als ob Dein Freund ein (noch) funktionierender Alkoholiker ist. Wenn er seinen Pegel hat ist alles ok, er geht arbeiten und hat soweit noch alles im Griff. Das war bei mir ganz genau so. Ich habe heimlich getrunken, und ich konnte es trotz zum Schluss hin ganz erhelblicher Mengen (was einen normalen Menschen sofort in die Klinik gebracht hätte) sehr gut vertuschen.

    Was Du sonst so schreibst, z. B. die Antriebslosigkeit, dass sind dann die langsam eintretenden "Nebenwirkungen". Er braucht seine ganze Energie für's Trinken, wahrscheinlich auch für's Verheimlichen. Ich denke den Konsum, den Du bemerkst oder mitbekommst, ist nicht der tatsächliche sondern nur ein Teil davon. Diese "Nebenwirkungen" werden mit Dauer der Sucht immer stärker und irgendwann dominieren sie dann sein ganzes Verhalten. Er wird nur noch versuchen irgendwie trinken zu können. Alles andere wird nebensächlich und sogar störend, so ist das leider. Auch Du wirst (oder bist schon) nebensächlich.

    Was kannst Du tun? Tja, quasi gar nichts. Oder wenig. Ihn ansprechen natürlich, klar. Aber wenn er dicht macht, dann kannst du nichts für ihn tun. Nur für Dich. Und übrigens auch für Deine Kinder, die das ganze Elend ja auch mitbekommen. Er muss für sich ganz alleine entscheiden ob er weiter trinken will oder nicht. Hilfsangebote gibt es zur Genüge, er muss sie nur annehmen. Dazu braucht es aber erst mal seine Einsicht, dass er Alkoholiker ist und das er alleine sicher nicht von dem Zeug weg kommt.

    Du kannst da nichts machen. Außer vielleicht Deine Sachen packen, Dich und Deine Kinder damit schützen und vielleicht bei ihm damit einen Denkprozess auslösen. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Aber das liegt nicht in Deiner Hand.

    Achte auf Dich und Deine Kinder! Er ist selbst für sein Leben verantwortlich.
    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Frank,

    ich fühle mir Dir was Deine Gefühle bezüglich Deines Sohnes betrifft. ABER: Jetzt packst Du es endgültig! Und dann wird Euch nichts mehr trennen! Und Du kannst ein Leben ohne Alkohol führen, Dein Sohn wird es Dir danken! Und gut, dass Du es trotzdem für DICH machst!

    Ich lese Dich weiter und drück einstweilen die Daumen! Alles Gute

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen allstar92,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Es ist eher selten das jemand, der noch so jung ist wie Du hier aufschlägt. Nicht weil es in Deinem Alter noch keine Alkoholiker gibt sondern, wie Dietmar Dir schon schrieb, weil sich die meisten Menschen in Deinem Alter des Problems gar nicht bewusst sind.

    Somit muss ich mal sagen, dass Du goldrichtig gehandelt hast indem Du Dich hier angemeldet hast und dass Du Dich überhaupt mit Deinen Trinkgewohnheiten außeinander setzt.

    Jetzt geht es darum Taten folgen zu lassen. Ich sehe es genauso wie Dietmar: Du hast noch alle Chance schnell die Kurve zu bekommen. Was ich Dir allerdings nicht sagen kann ist, ob Du bereits Alkoholiker bist oder nur Missbräuchler. Letzteres könnte dazu führen, dass Du evtl. irgendwann mal wieder ein normales Trinkmaß finden könntest. Vielleicht.... Bist Du bereits psychisch Abhänging ist der Zug abgefahren. Einmal süchtig - immer süchtig. Dann heiß die Zauberformel dauerhafte Abstinenz. Hört sich wahrscheinlich grauenhaft für Dich an, in der Praxis ist das aber eine wunderbare Sache. Besonders dann, wenn man erlebt hat was die Sucht mit einem anstellt, wenn man sie lässt.

    Deine Frage bezüglich "ob wir sowas auch erlebt haben" kann ich nur sagen: ja, klar. Ich denke ich war ungefähr in Deinem Alter als es bei mir so langsam anfing. Mit deutlich geringeren Mengen alsdie, die Du von Dir beschreibst. Ich war quasi jahrelang, viele Jahre lang nur knapp über dem was man offiziell als unbedenklich bezeichnet. Ein Feierabendbier, mal zwei. Dazwischen auch mal einen Tag ohne usw. Ich habe damals nicht erkannt, dass ich damit den Grundstock für meine Sucht gelegt habe. Tatsächlich habe ich schon damals irgendwann (motiviert durch meine Frau) mal längere Zeit nichts getrunken. Sie war der Meinung, dass mein regelmäßiges Biertrinken, wenn auch auf niedrigem Niveau, doch ein wenig zu viel sein könnte. Also habe ich gesagt: Kein Problem, trink ich halt erst mal nix mehr. Ging auch, Zittern usw. war damals sowieso noch gar kein Thema. ABER: bereits damals habe ich den Alkohol vermisst. Habe mich darauf gefreut wieder trinken "zu dürfen". Habe also schon Kraft aufwenden müssen um nicht zu trinken. Ich war also eigentlich schon psychisch abhängig oder zumindest sehr nahe dran.

    Hätte ich damals nun tatsächlich mal sehr lange verzichtet, mein Trinken mehr hinterfragt usw, evtl. hätte ich die Kurve noch bekommen können. Tat ich aber nicht. Ich trank halt mal ein paar Monate nix und fing dann wieder an. Schwupp war ich da wo ich vorher war und ganz schnell auch darüber. Nach jeder längeren Pause bin ich mit gesteigertem Gundlevel zurück gekommen, so war das bei mir.

    Nun ist es so, dass man mit dieser Sucht recht lange (seeehr lange) recht gut leben kann. Man trinkt halt seine 4 oder 5 Bier am Tag und keiner merkt was. Man trinkt nur abends, kein Problem und am nächsten Tag ist man auch soweit ganz fit. Geht doch ganz gut.

    Das ist der Grund warum junge Menschen eben nicht so oft hier auftauchen. Das Problem ist einem nicht bewusst, man funktioniert sehr gut und ein Alkoholiker ist ja eh nur der, der total besoffen auf der Parkbank liegt. Ich, der ich Familie, genügend Kohle, ein soziales Umfeld und einen guten Job habe, ich kann ja gar kein Alkoholiker sein - tja, falsch gedacht.

    Und dann kommt sie mit Wucht, die Sucht. Irgendwann kippt das ganze. Z. B. ausgelöst durch eine schlechte Phase im Leben oder auch einfach weil die Sucht lange genug angedauert hat. Denn geht es los. Zeitlich kann das ewig dauern, es kann aber auch sehr schnell gehen. Manche Menschen stürzen innerhalb einer sehr kurzen Zeit komplett ab, andere trinken 15 Jahre lange viel zu viel und stürzen dann ab. Wieder andere trinken ihr Leben lang viel zu viel, ruinieren nebenbei die Gesundheit und stürzen rein alkoholtechnisch aber gar nicht ganz ab. Es gibt die unterschiedlichsten Varianten.

    Wo Du jetzt stehst, ich weiß es nicht. Es ist aber auf jeden Fall sehr gut, dass Du Dich damit beschäftigst. Wenn Du Fragen hast, dann raus damit. Ansonsten wünsche ich Dir erst mal alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Katerle,

    Zitat

    Ein Streit am Wochenende und ich trinke ... Tag 13 ist nicht geschafft :(


    Ich sehe das mal so: Niemand hat gesagt das es einfach wird!

    Schlimm wäre es, wenn Du Dich jetzt unterkriegen lässt. Aber wie sehe bzw. lese bist Du bereits dabei neu Anlauf zu nehmen. Sehr gut.

    Du konntest also Deinen festen Vorsatz nicht mehr trinken zu wollen nicht einhalten. Ok, wenn das so einfach wäre, dann wäre dieses Forum hier überflüssig. Das wäre sehr schön, ist aber nicht so. Es geht um eine Sucht und davon los zu kommen ist eben mitunter ziemlich schwierig.

    Für mich stellen sich jetzt erst mal 2 Fragen:

    Warum hast Du zum Alkohol gegriffen?

    Wie willst Du künftig mit solchen Situationen umgehen?

    Zu 1: Die gelernten Mechanismen haben gegriffen. Die Wirkung von Alkohol ist Dir bekannt, Dein Suchthirn hat ganze Arbeit geleistet. Es gab Streit, Du warst sicher in einer enormen Stresssituation. Wie gelernt hast Du zum Alkohol gegriffen, konntest in dieser besonderen Situation nicht via Vernuft bzw. Verstand gegensteuern. Genau so funktioniert sie ja, die Sucht.
    Was hättest Du statt dessen tun können? In den Wald laufen, Deine Wut und Deinen Frust heraus schreien, und nebenher einen Liter Wasser trinken. Ob das bei Dir funktioniert hätte weiß ich nicht. Mir geht es nur darum, dass Du einen Plan brauchst mit solchen Dingen umzugehen.

    Damit wären wir bei Punkt 2.
    Was auch immer Dir hilft, pack es in einen Notfallkoffer. Also ein Koffer, den Du immer sofort zur Hand nimmst, wenn der Druck zu trinken kommt. Das kann z. B. auch sein, dass Du sofort einen Menschen anrufst, der Bescheid weiß und mit dem Du dann sprechen kannst. Oder aber Du läuft in den Wald.... oder was auch immer. Nur Alkohol trinken solltest Du nicht.

    Ich bin immer noch sicher, dass Du da raus kommen kannst. Gib Deine Pläne jetzt nicht auf. Lerne aus diesen Vorfall. Besuche diese SHG, Du hast es Dir ja vorgenommen. Überlege wie Du mit Deinem Outing weiter vorgehen möchtest. Und arbeite auf, ich weiß, das ist immer die gleiche Leier bei mir. Aber wenn Du das machst, wirst Du auf lange Sicht den Notfallkoffer in die Ecke stellen können. Es braucht halt alles auch bisl Zeit.

    Also bitte bleib dran und lass jetzt den Kopf nicht hängen. Heute ist Tag 2 und ich wünsche Dir, dass Du irgendwann einfach aufhören kannst mit dem Zählen, weil es für Dich normal geworden ist keinen Alkohol mehr zu trinken.

    LG
    gerchla

    Hallo Favole,

    ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Bitte lasse Dir unbedingt von einem Arzt helfen. Du willst für Dein Kind da sein und Dein Kind nicht verlieren, das verstehe ich gut, denn ich habe selber drei Kinder. Wenn Du Dir helfen lässt wird das gelingen. Du hast auf der einen Seite die Depressionen, das ist schon mal eine große Sache und jetzt auf der anderen noch die Sucht. Beides zusammen ist eine schlechte Kombination. Aber gegen beides kannst Du etwas unternehmen. Die meisten Alkoholiker die hier schreiben haben ihre Sucht besiegt, dann kannst Du das auch. Ich habe mit Depressionen nur wenig und mit manischen Depressionen überhaupt keine Erfahrung, ich kenne auch niemanden in meinem Bekanntenkreis der darunter leidet. Ich kann Dir dazu also leider nicht schreiben. Aber ich denke Du bist deswegen sicher schon in ärztlicher Behandlung. Und ich denke Du solltest dort auch die Karten komplett auf den Tisch legen.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Mia,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Halbes Jahr ohne - da darfst Du ruhig stolz sein und als Klacks würde ich das nicht bezeichnen. Es gab Zeiten bei mir, da wäre eine Woche ohne für mich ein Wunder gewesen. Und am Schluss war ein Tag ohne für mich schon nicht mehr realisierbar - Infosfern kann ich durchaus nachvollziehen, dass für Dich ein halbes Jahr unbegreiflich erscheint ;)

    Ich finde sehr interessant was Du hier schreibst. Und ich empfinde es tatsächlich auch ähnlich wie Du. Junge oder jüngere Alkoholiker laufen einem nicht so oft über den Weg obwohl es sie zur genüge gibt. Mein Gefühl ist, dass es so um die 40 herum los geht mit dem outen. Tja, mit 30 war ich auch schon süchtig - aber ich hätte es mir niemals eingestanden, ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen. Ich denke das liegt auch daran, dass man mit dieser Sucht sehr lange recht gut funktioniern kann. Ich meine, ich hatte sehr viele süchtige Jahre in denen ich wunderbar funktioniert habe. Wo sich meine Sucht auch in "Grenzen" hielt, von der Menge her meine ich. Wo ich noch leichter auch mal Trinkpausen einlegen konnte. Und wo ich sicher nicht bereit war so einen großen Schritt zu gehen und zu sagen: Ich bin Alkoholiker und ich muss jetzt was unternehmen. Nein, bis Ende 30 war bei mir der Druck nicht groß genug.

    Vielleicht ist das bei vielen so. Man kann die Sucht halt schon gut sehr lange verstecken. Und sich auch lange schön reden.

    Achso, ganz kurz: ich bin männlich, Ende 40 (alter Mann sozusagen ;D ), Alkoholiker und jetzt schon mehrere Jahre trocken.

    Ich werde mir Deinen Blog in Ruhe ansehen und lesen. Dein Ziel, unsere Trinkkultur zu verändern, wow, think big würde ich da mal sagen. Ich glaube das wird nicht gelingen, solltest Du aber durch Deinen Blog oder Dein Schreiben hier auch nur einen einzigen Alkoholiker oder Alkoholikerin dabei helfen können von dem Zeug weg zu kommen, dann ist das schon aller Mühen wert. Denn damit rettest Du dann letztlich ein Leben.

    Ich freue mich auf einen interessanten Austausch mit Dir.

    LG
    gerchla

    Liebes Katerle,

    ich bewundere wirklich Deine klaren und strukturierten Gedanken. Was Du schreibst hat für mich Hand und Fuß und ich lese einen Menschen, der aus meiner Sicht absolut so weit ist, um dem Alkohol auf Dauer lebewohl zu sagen. Ich versuche jetzt mal zu ein paar Äußerungen von Dir meine Sicht darzustellen:

    Zitat

    Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, wie "normal" ihr mit diesem doch sehr schambehafteten Thema umgeht.


    Weißt Du, wir haben das doch alles schon durch. Und natürlich habe ich (und ich denke die meisten Mitschreiber auch) mich geschämt. Und genau diese Scham war bei mir lange mit ein Grund, warum ich von dem Zeug nicht losgekommen bin. Da ich ja heimlich trank, wollte ich auch heimlich aufhören. Dann wäre das mit dem Schämen nicht so schllimm geworden weil ja keiner mitbekommen hätte, dass ich ein Trinker war. Aber so funktioniert es leider nicht. Mag Ausnahmen geben, aber ich denke eher sehr wenige. Irgendwann kommt man mal zu dem Thema "Outing". Also, wem sagt man, dass man Alkoholiker ist und wo lässt man es besser. Ich habe es damals erst mal meiner Familie gesagt, also Eltern und Geschwister und dann auch allen meinen engere Freunden. Letztlich hat mir mein bester Freund, den ich schon mein Leben lang kenne und der aus allen Wolken gefallen ist, dann auch sehr geholfen. Eben durch zahlreiche Gespräche und durch seine Einschätzung, die wiederum ganz anders war als das, was z. B. vom Psychologen kam. Est tut gut und es ist gut darüber zu sprechen. Die Scham lässt nach wenn man erkannt hat, dass man krank ist und das Alkoholismus nichts mit Willenschwäche o. ä. zu tun hat. Und irgendwann kann man auch zu dem Punkt kommen, dass man selbstbewust dazu steht, denn man ist immerhin auch einer von den wenigen, die etwas gegen diese Krankheit unternehmen. Du weißt ja, dass die meisten Alkoholiker nicht raus kommen aus ihrem Suchtkreislauf, leider.

    Zitat

    Ich frage mich nur, woher habt ihr euren Mut genommen, alleine in eine SHG zu gehen? Alleine der Gedanke, ich muss mich vor all den Leuten hinstellen und sagen, wer und vor allen was (Alkoholikerin) ich bin, macht mir Angst.


    Vielleicht hast Du eine etwas falsche Vorstellung von einer SHG. Ich bin da jetzt nicht der absolute Fachmann, da können Dir z. B. Dietmar oder Greenfox sicher mehr zu sagen, aber als ich damals in der SHG "aufschlug", musste ich gar nix sagen. Also, ich hatte ein 4 Augengespräch mit dem Gruppenleiter vor meiner ersten Teilnahme, wo ich halt erzählt habe was ich damals eben erzählen wollte. Er hat mir keinerlei Fragen gestellt, es war also meine eigenen Entscheidung wieviel ich preis geben wollte. Und in der Sitzung haben dann alle anderen von sich erzählt. Also bei mir war das eine AA-Gruppe, das ist eine Monologgruppe. Dort spricht wer möchte aber die anderen nehmen dazu keine Stellung. Es wird also nicht diskutiert dort. Das muss man mögen - ehrlich gesagt bin ich irgendwann dann auch raus aus der Gruppe, weil ich gemerkt habe, dass es mich nicht weiter bringt. Es war goldrichtig, dass ich dort sofort hin bin, auf Dauer habe ich dann andere Wege gefunden. Möglicherweise wäre sogar eine Gruppe in der diskutiert wird besser für mich gewesen. Was will ich Dir damit sagen? Du brauchst überhaupt keine Angst haben, wirklich nicht. Du bist der Chef äh die Chefin. Du kannst jederzeit gehen, niemand kann Dich zu etwas zwingen und es würde mich wundern, wenn jemand das überhaupt versuchen würde. Normalerweise triffst Du dort auf Menschen, die ganz genau wissen wie es Dir geht - also genau wie hier auch! Sei mutig! Probier es aus - dann wirst Du sehen ob es was für Dich ist oder auch nicht.

    Zitat

    Ich glaube, ich will so den Verlust eines meiner Kinder und eine darauf folgende Trennung zum Kindesvater vergessen. Ich trinke mir die Gedanken einfach weg.


    Oh, das tut mir sehr leid, dass Du so einen schweren Schicksalsschlag erleiden musstest. So etwas schlimmes zu verarbeiten ist nicht einfach, wir machen das in unserer Familie gerade ebenfalls durch. D.h. hier betrifft es jetzt mehr die Seite meiner Frau aber wir sehen wie die Menschen leiden und sind selbst natürlich auch nicht unbeteiligt. Das ist schlimm....
    Du wirst es bemerkt haben, der Alkohol hilft nicht. Er hilft bestenfalls temporär, in dem Moment wo Du Dich eben gerade wegbeamst. Aber das hält ja nicht ewig und letztlich wird es immer schlimmer weil dann ja andere Probleme dazu kommen. Man wird krank dabei, einerseits süchtig und anderseits fehlt die Aufarbeitung der eigentlichen Ursache. Denn solange man trinkt kann man nix aufarbeiten.

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    Ich gebe dir recht, auch ich denke jetzt, dass bei mir keine Co-Abhängigkeit vorliegt


    Ich glaube auch, dass Du dieses Problem nicht hast. Ich denke Du kannst Dich voll auf Deine Alkoholabhängigkeit konzentrieren. In diesem Fall sogar ein Vorteil, weil Du nur eine Baustelle hast. Ähm, ja ich weiß, es ist eine große Baustelle aber die andere Geschichte wäre dann nochmal genauso groß.

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    Es ist vielleicht sehr egoistisch, aber ich glaube, dass meine Kraft nur für mich reichen wird. Ich kann ihn nicht überzeugen uns gemeinsam Hilfe zu holen.


    Das ist nicht egistisch, sondern gesund. Genau so ist es nämlich. Du bist für Dich verantwortlich, er ist für sich verantwortlich. Hilfsangebote gibt es zur Genüge, man muss sich nur darauf einlassen und sie annehmen. Du wirst Deine Kraft für Dich brauchen. Es ist nicht leicht aus der Sucht heraus zu kommen, da wirst Du einiges investieren müssen an Kraft und Energie. Aber Du wirst das schaffen, Du kannst das auf jeden Fall schaffen. Und er, er muss für sich entscheiden was er tun will, ob er auch raus will oder ob er weiter trinken will. Er ist ein erwachsnener Mann mit freiem Willen. Das ist nicht Dein Ding.

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    Aber er zeigt wirklich keine Einsicht. Nicht einmal meinetwegen würde er eine SHG aufsuchen.


    Das unterstreicht das oben Geschriebene nur noch. Also verigss es. Selbst wenn er deinetwegen hin gehen würde wäre es der falsche Ansatz. Er muss es für sich tun, nur für sich und nicht für Dich. Es ist immer schlecht für jemanden anderen trocken werden zu wollen. Denn das liefert dann wieder viele Gründe zum erneuten Trinken, z. B. wenn der andere für den man trocken wurde, nicht so tut wie man das möchte... das kann auf Dauer nicht gut funktionieren.

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    Es fällt mir ehrlich gesagt auch noch sehr schwer, einen Sinn in diesem, meinen Leben sehen zu können. Worte wie."das Leben ist auch ohne Alkohol schön" sind im Moment noch so weit weg


    Also, Du stehst jetzt mal ganz am Anfang. Vergiss das nicht. Gib Dir Zeit, das ist wichtig. Fange jetzt an zu reflektieren, Du kannst das, sonst könntest Du nicht so schreiben wie Du das tust. Da helfen eben die von mir schon geschilderten Gespräche mit wem auch immer sehr. Reflektiere Deine Sucht, Dein Leben. Wer bist Du? Wer willst Du sein? Was erwartest Du von Dir und Deinem Leben? Warum bist Du da wo Du jetzt bist und fühlt sich das gut an? Welche Vorteile hat Dir der Alkohol gebracht? Wo wirst Du sein, wenn Du noch weiter trinkst, welche Vorteile würdest Du da dann sehen?

    Nur mal ein paar Beispiele. Ich habe mir diese und ähnliche Fragen immer und immer wieder gestellt und immer und immer wieder beantwortet. Das Ergebnis war, dass mir der Alkohol überhaupt keine Vorteile gebracht hat. Ich trank noch nicht mal, weil es mir so gut gescheckt hätte (Stichwort: Genusstrinker und ich muss auf diesen Genuss nun verzichten). Ich war schon in meiner Jugend als ich noch gar kein Problem hatte, immer Wirkungstrinker, vielleicht ganz am Anfang Gesellschaftsmittrinker, weil's cool war und dazu gehörte. Aber dann immer Wirkungstrinker. Und ich habe natürlich nicht vergessen, wie viele schöne Momente und Erlebnisse ich mit Alkohol hatte. Was hatten wir für tolle Feiern, was haben für lustige Dialoge geführt, was haben wir betrunken philosophiert und uns dabei halb tot gelacht. Ja, lustig wars..... bevor ich süchtig wurde!!!!

    Und ich durfte später lernen, also nachdem ich trocken wurde, dass ich das jetzt alles tatsächlich wieder habe. Es ging verloren in meiner akuten Trinkerzeit, da war nämlich nix mehr lustig, da gab's keine tiefgründigen Gespräche mehr etc. Aber jetzt, jetzt habe ich das alles wieder. Ohne Alkohol, das geht nämlich auch. Es geht sogar besser. Es ist wunderbar, glaube mir.

    Aber da braucht es Zeit für. Das meine ich mit Aufarbeiten. Wenn Du aufhörst zu trinken ist Dein Hirn noch nass. Deine Gedanken sind noch nass. Du kannst nicht einfach umswitchen. Genau so funktioniert ja das miese Suchthirn: es liefert Dir jetzt fadenscheinige Gründe warum Du doch wieder trinken solltest. Es versucht Dir klar zu machen, dass die Welt ohne Alkohol ja gar nicht auszuhalten ist. Verstehst Du, genau das ist die Sucht. Mies und hinterhältig ist sie, und verlogen bis ins letzte Glied.
    Du musst das trockene Denken und Verhalten neu lernen. Ich habe das am Anfang sehr kopfgesteuert gemacht. Um so länger das Aufarbeiten andauerte (es dauert immer noch an, in anderer Form), umso intuitiver wurden die Gedanken und das Verhalten. Also ich meine damit, wo ich anfangs bewusst denken musste: "das ist jetzt ein nasses Verhalten", da änderte sich das mit der Zeit und die Gedanken kamen von selbst "trocken". Ach es ist schwer zu erklären. Gib Dir unbedingt Zeit und arbeite unbedingt auf - dann hast Du sehr gute Chancen.

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    Vielleicht auch weil ich vor einigen Jahren selber noch Marathon gelaufen bin, da kommen eigene, schöne Erinnerungen hoch.


    Da kannst Du wieder hin kommen. Gib Dir Zeit. Laufen war immer meine Leidenschaft. Dann kam die Sucht und damit verbunden auch eine enorme Gewichtszunahme. Fast 20 Jahre bin ich dann nicht mehr gelaufen, wie auch. Dauernd besoffen....
    Als ich trocken wurde habe ich bewusst nicht sofort wieder angefangen. Ich hatte Angst durch das Laufen könnte ich meine Sucht verdrängen. Also die Erfolge beim Laufen, die sich ja sehr schnell durch mehr Ausdauer, schnellere Zeiten usw. einstellen, diese Euphorie die das in mir auslöst, das hätte meine Aufarbeitung behindern können. Ich hatte also echt Angst, dass ich übers Laufen das Aufarbeiten meiner Sucht aus den Augen verlieren. Das versteht jetzt wahrscheinlich nur jemand, der selbst Läufer ist und weiß, was einem dieser Sport geben kann. Mein Ziel war es, wieder laufen zu können. Mein Ziel war es aber auch, wenn ich z. B. irgendwann mal z. B. gesundheitsbedingt nicht mehr Laufen kann, nicht in ein Loch zu fallen und dann den Alkohol im Kopf zu haben. Und genau deshalb wollte ich das Kapitel Alkohol vorher abgearbeitet wissen.

    Puuuh, soviel Geschreibsel nur wegen dem Laufen. Du wirst verstehen was ich meine, da bin ich sicher.

    Also, hab Mut und gibt Dir auch gleichzeitig Zeit. Es wird, ich bin sicher.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Katerle,

    vielen lieben Dank für Deine offen Zeilen. Vielleicht hört sich das blöd an, aber die Tatsache, dass Du so offen über Deine Situation schreibst ist für mich eine sehr gute Voraussetzung, dass Du auch die weiteren notwendigen Schritte gehen wirst. Basis für einen erfolgreichen Ausstieg aus der Sucht ist immer erst mal das Akzeptieren der selbigen. Nur wenn man sich selbst eingesteht, dass man Alkoholiker ist bzw. ein massives Problem hat, dann hat man die Chance dagegen anzugehen. Diesen Punkt hast Du bereits erreicht!

    Jetzt einfach mal meine Einschätzung, die keinerlei Anspruch auf die ultimativ gültige Wahrheit hat:

    Deinen Partner würde ich nach Deiner Beschreibung definitiv als Alkoholiker bezeichnen. Die Mengen, die Regelmäßigkeit, sein Verhalten usw. spricht mehr als dafür. Gut, das ist Dein Partner, vielleicht auch Ex-Partner, und somit auch sein Problem.

    Zu Dir, da würde ich sagen, dass Du leider genauso in der Sch...e hängst. Grundsätzlich ist ja nicht die Menge entscheidend ob man süchtig ist oder nicht. Es ist immer die Frage, ob man ohne kann oder nicht. Oder besser, wenn man sogar ohne kann (was Du ja gerade machst), wie stark man dann an den Alkohol denkt bzw. ob ein Verlangen danach vorhanden ist. Dabei geht es eben nicht um körperliche Symptome, also die körperliche Abhängigkeit. Diese stellt sich meist erst sehr spät ein, da ist man längst psychisch abhängig. Und genau um diese psychische Abhängigkeit (=Sucht) geht es, geht es jetzt auch bei Dir. Sie ist dafür verantwortlich, dass man auch Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre nach dem letzten Schluck Alkohol wieder rückfällig wird.

    Körperlich ist man nach relativ kurzer Zeit durch, d.h. die Symptome (Zittern, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, usw.) verschwinden und man ist sozusagen entgiftet. Bei der Psyche sieht das etwas anders aus. Als ich, bereits an meinem ersten trockenen Tag, in eine SHG der AA ging, sagte mir der damalige Gruppenleiter folgendes: So lange man gesoffen hat, so lange braucht man auch, bis man wieder normal wird. Eine Aussage, die ich heute so nicht unterschreiben würde, die aber im Kern für mich trotzdem sehr viel Wahrheit hat. Es ist nämlich so, dass es eben nicht reicht, einfach nichts mehr zu trinken. Und was einem immer klar sein muss: Man kann diese Krankheit nicht heilen, man kann sie "nur" zum Stillstand bringen. Würde ich wieder Alkohol trinken, dann wäre ich ruck zuck wieder da wo ich schon mal war und das wäre für mich mein sicheres Ende.

    Bitte mache nicht den Fehler jetzt einfach nichts mehr zu trinken und zu glauben, dass sich dann alles andere (z. B. Dein Verlangen nach Alkohol) einfach so ergeben wird. Wer dauerhaft ohne Alkohol leben möchte muss m. E. unbedingt aufarbeiten bzw. an sich arbeiten. Ohne wird aus der ganzen Geschichte wahrscheinlich nur eine Trinkpause. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich hatte viele Trinkpausen, einige dauerten mehrere Monate. Da habe ich halt einfach nichts getrunken, mich aber überhaupt nicht mit mir und meiner Sucht beschäftigt.

    Mein Aufarbeiten erfolgte dann bei meinem letzten Ausstieg, der hoffentlich auch weiterhin (idealerweise für den Rest meines Lebens), anhalten wird. Das war der Schlüssel zum Erfog, wenngleich das alles mit sehr schmerzhaften Entscheidungen verbunden war. Aber mal ehrlich: War das nicht klar? Ich meine, ich soff ja nicht aus Spaß - es musste ja etwas sein, was genau dieses Verhalten in mir auslöste. Und das ganze dann noch kombiniert mit der Eigenschaft, Probleme nicht ansprechen zu können (also so war das bei mir) und sich in eine (heile) Scheinwelt zu flüchten. Es war bei mir klar, wenn ich da raus will, dann muss ich mein Leben umkrempeln. Und es hat funktioniert - als ich dazu bereit war, vorher nicht.

    Was Dich betrifft, so kann ich Dich nur dazu ermuntern, Dir jetzt wirklich noch weitere Hilfe zu holen. Besuche einfach mal eine Suchtberatung (ist anonym), überlege Dir, ob Du nicht in diese SHG gehen möchtest, Du hast doch nichts zu verlieren. Wenn Du dort Leute triffst, die Du kennst, ja was meinst Du warum die wohl dort sind? Oder aber Du schaust mal, ob Du in der Umgebung, etwas weiter weg eine SHG findest. Diesen Aufwand sollte es Dir wert sein.

    Ich finde Du bist sehr klar, Du reflektierst sehr gut. Du siehst z. B. jetzt schon, dass man diesen Kampf alleine nur schwer gewinnen kann. Es ware geradzu eine Schande, wenn Du nicht weitere Schritte einleiten würdest. Es wäre eine Verschwendung in meinen Augen weil Du aus meiner Sicht auf jeden Fall schon jetzt das "Potenzial" (blöder Begriff mir fällt gerade nix besseres ein) ein abstinentes Leben zu führen. Und das ist übrigens ein ganz wunderbares Leben. Dein Leben gehört dann wieder Dir und wird nicht vom Alkohol dominiert und von den Gedanken daran.

    Und wie Du wohl schon selbst bemerkt hast, wirst Du diesen Weg alleine gehen müssen. Mit alleine meine ich ohne Deinen Partner. Du hast Deine eigene Baustelle um die Du Dich kümmern musst. Meiner Meinung nach kann man auch erst anderen helfen, wenn man selbst mit sich im Reinen ist. Davon bist Du weit entfernt. Ich denke, Du hast ja bereits die ersten Schritte zu einem unabhängigen Leben getan, und diese sicherlich nicht ohne Grund. Also achte auf Dich und Dein Leben und versuche zunächst einmal hier Deinen Weg zu finden. Dein Partner kann für sich genau das gleiche machen, wenn er dazu bereit ist. Wenn nicht, dann ist das seine Entscheidung und liegt nicht in Deiner Verantwortung.

    Vielleicht wirst auch im Zuge Deiner Aufarbeitung, also der Aufarbeitung Deiner Sucht, auch das grundsätzlche Verhältnis zu Deinem Partner unter die Lupe nehmen. Was er Dir eigentlich bedeutet, ob er Dir gut tut oder nicht. Ob Du ihn wirklich liebst oder nicht, ob Du Dir überhaupt eine Zukunft mit ihm vorstellen kannst. Sollte er weiter trinken halte ich das für einigermaßen sinnlos, aber selbst wenn er trocken werden sollte heißt das noch lange nicht, dass dann für Dich alles wunderbar ist. Ich habe mich getrennt nachdem ich trocken wurde....

    Wenn Du Fragen hast, einfach raus damit. Vielleicht haben Dir meine Zeilen ein paar Anregungen geliefert, wie Du weiter vorgehen könntest. Das ist meine Motivation hier zu schreiben.

    Alles Liebe und bis bald

    Gerchla

    Hallo Katerle66,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum. Das war doch schon mal ein Schritt nach außen, wenn auch erst mal in die anonyme virtuelle Welt. Aber es war ein wichtiger Schritt und wir sind hier zwar in der virtuellen Welt, aber alle trotzdem reale Menschen die in irgendeiner Form mit Alkoholsucht oder Alkoholmissbrauch zu tun haben.

    Da komme ich gleich mal zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast:

    Männlich, Ende 40, Alkoholiker und mehrere Jahre trocken.

    Zitat

    bin w, 52 Jahre alt und im Moment nicht wissend, ob ich abhängig, Co-Abhängig oder (nur) Angehörige eines Alkoholkranken bin.

    Oder vielleicht beides? Das war das erste was mir ganz spontan in den Sinn gekommen ist. Ausschließen kann man das ja nicht. Aber ich glaube nicht, dass es hier jemanden gibt, der Dir mit absoluter Sicherheit sagen kann, ob Du Alkoholikerin bist oder ob Du Co-Abhängig bist oder sogar beides. Ich glaube, dazu sind wir hier im Forum zu weit weg. Wir können nur unsere Meinung kund tun, Dir unsere eigene Einschätzung mitteilen.

    Bei Dir könnte ich jetzt, ehrlich gesagt, noch gar nichts sagen, denn dafür weiß ich einfach zu wenig von Dir. Wie lange trinkst Du schon? Trinkst Du regelmäßig? Trinkst Du sehr viel, also z. B. bis zum Kontrollverlust und passiert Dir das immer oder sehr häufig? Kontrollierst Du die Trinkmengen Deines Partners? Lügst Du für ihn, wenn er mal wieder wegen Alkoholkonsum ausfällt? Hängt Dein Wohlbefinden vom alkoholtechnischen Zustand Deines Partner ab?

    Ich könnte noch einen Haufen Fragen mehr stellen und könnte Dir dann zwar meine Meinung sagen aber sicher nicht bestimmt ob Du abhängig bist oder nicht. Hast Du schon mal einen Selbsttest gemacht? Einen Alkoholselbstetst meine ich? Wenn nicht, dann google mal danach. Und mach den dann mal. WICHTIG: Ganz ehrlich antworten, nicht fälschen oder schönreden. Da hast Du dann schon mal einen kleinen Anhaltspunkt wo Du stehst bzüglich einer möglichen Alkoholsucht.

    Du kannst das ganze aber auch anders sehen. Du könntest Dir auch sagen: Ja, ich habe auf jeden Fall ein Alkoholproblem und das möchte ich bekämpfen. Und es ist mir im Grunde egal ob ich bereits Alkoholiker bin oder "nur" Missbräuchler. Ich möchte nicht mehr trinken - also was muss oder kann ich tun? Das wäre auch eine mögliche Einstellung.

    Mir hat beispielsweise kein Arzt explizit gesagt: Sie sind Alkoholiker! Es war umgekehrt - ich war beim Arzt und auch beim Psychologen und habe gesagt: Ich bin Alkoholiker! Ich habe da erst gar keine anderen Meinungen aufkommen lassen. Nach allem was ich in den Jahren des Trinkens erlebt habe, gab und gibt es für mich daran gar keinen Zweifel. Ja, vielleicht gibt es Menschen, die ebensoviel und ebensolang oder noch länger als ich getrunken haben und die sind/waren nur Missbräuchler und fanden irgendwann zu einem moderaten Konsum zurück... Mag sein, dass es die tatsächlich gibt. Aber das ist mir doch völlig egal. Ich wollte nie mehr Alkohol trinken und somit war und ist diese Frage für mich überhaupt nicht mehr von Bedeutung.

    Und je länger ich trocken war und je mehr ich meine Sucht, meine Trinkerzeit, aufgearbeitet habe umso fester wurde mein Entschluss nie mehr trinken zu wollen. Wenn man dann irgendwann plötzlich merkt wie sinnfrei Alkohol ist und wie einfach es doch ist ohne zu leben, dann stellt man sich die Frage, warum man eigentlich so lange gesoffen hat.

    Und man merkt auch, dass es nicht nur einfacher wird ohne Alkohol zu leben sondern auch, dass die Lebensqualität eine ganz andere wird. Wahrnehmung und Bewuststein verändern sich und mein Leben ist heute wunderbar - was nicht bedeutet, dass es bei mir keine Probleme gäbe, dass es nicht mal auch emotionale Tiefschläge gibt und ähnliches. Es passiert eben alles was anderen Menschen auch passiert. Nur das ich nach dem Elend der Sauferei einen anderen Blick auf die kleinen, schönen Dinge habe und dass ich die Rückschläge und Probleme als nüchterner, trockener Mensch sofort und ganz anders angehen kann.

    Zitat

    Ich weiß, viele werden mir jetzt raten: Geh doch mal zum Arzt --- aber das ist gar nicht so einfach. Die Scham hindert mich (noch) daran, nach außen zu treten!

    Grundsätzlich würde ich Dir auch raten: Geh mal zum Arzt! Aber nicht weil der Dir dann sofort sagen kann ob Du Alki bist oder nicht. Sondern weil ein kalter Entzug u. U. Lebensgefährlich sein kann - da wäre es gut gewesen Du wärst schon zum Arzt bevor Du aufgehört hast mit dem Trinken. Und dann ist es auch nicht schlecht mal zu wissen, ob irgendwas "kaputt" gegangen ist durch die Trinkerei. Und man könnte sich auch mal darüber unterhalten, welche weiteren Schritte man gehen kann um dauerhaft ohne Alkohol zu leben, falls Du das als Ziel überhaupt hast.

    Aber ich kann Dich trotzdem auch verstehen. Die Scham ist da und auch ich bin damals auch erst nach ein paar Tagen zum Arzt. Hätte auch schief gehen können, wenn ich ein Delir gefallen wäre. Aber soweit hatte ich gar nicht gedacht. Da stelle man sich mal vor, dass ich bereits am ersten Abend in eine SHG ging, aber erst Tage später zum Arzt. Das war ziemlich blöd von mir aber Scham meinem Arzt gegenüber spielte schon auch eine Rolle. Im Nachhinein alles völlig unbegründet. Komischerweise hatte ich vor der SHG keinerlei Scham, im Gegenteil: es ein sehr gutes Gefühl Menschen um mich zu haben, die genau wussten wie es mir ging. Das hat mir damals sehr geholfen erst mal in die Spur zu kommen.

    Wäre das nicht auch was für Dich? SHG gibt's übrigens sowohl für Alkoholiker als auch für Co-Abhängige.

    Also, ich wollte Dir hier jetzt einfach mal eine kleine Brücke bauen ein bisl mehr von Dir zu erzählen, natürlich nur wenn Du das willst. Dann können wir das hier ein wenig besser einschätzen und Dir mehr und gezielter aus unseren eigenen Erfahrungen berichten.

    Auf jeden Fall wünsche Dir Dir einen guten Austausch hier im Forum und freue mich wieder von Dir zu hören.

    LG
    gerchla

    Liebe Hortensia,

    gut, dass Du nicht alleine bist. Gespräche mit anderen sind ganz wichtig, diese Erfahrung habe ich selbst auch gemacht in meiner bisher schlimmsten Lebensphase. Das war nachdem ich trocken wurde und mich von meiner Familie getrennt habe. Diese Entscheidung zu treffen, oder ich sage mal, treffen zu müssen, weil ich sie als einzige Chance für meine weitere Abstinenz sah, war die Hölle. Meine über alles geliebten Kinder nur noch stundenweise am Wochenende sehen zu können.... Das war lange Zeit unvorstellbar für mich und doch kam es dann so. Gleichzeitig musste ich noch meine jahrelange Sucht und vor allem die viele Schuld, die ich in dieser Zeit auf mich geladen hatte, aufarbeiten. Damit umgehen lernen, damit ich wenigstens die Chance auf ein neues Leben hatte. Also auf ein neues Leben ohne Alkohol.

    Hätte ich damals nicht Menschen zum Reden gehabt, ich weiß nicht wie das funktionieren hätte sollen. Ich war damals auch beim Psychologen, ich kann Dich nur ermuntern diesen Schritt auch zu tun. Er hatte ganz andere Ansätze als z. B. mein bester Freund. Ein alter Pragmatiker, der eine ganz andere Sicht auf die Dinge hatte. Dann ging ich noch zu einem Mönch (eine lange Geschichte, die jetzt den Rahmen spengen würde). Dieser Mann war mein wichtigster Ratgeber bzw. auch Zuhörer. Dabei ging es nicht um Gott oder Glauben, denn ich war nicht gläubig. Er hat mich wieder in die Spur gebracht, mir gelernt was Bewustsein eigentlich bedeutet und wie ich mit meinen fürchterlichen Schuldgefühlen umgehen kann.

    Alles in allem jetzt nicht 1:1 vergeichbar mit Deiner Situation, denn ich war ja der Täter, der Trinker und Du bist das Opfer bzw. eine hilflose Angehörige. Dennoch, glaube mir, Menschen zum Reden und austauschen sind enorm wichtig.

    Ich glaube Dir das Du eine starke Frau bist. Aber auch der oder die Stärkste hat mal genug. Oft merkt man nicht, auch wenn man es ahnt, wie leer die Akkus eigentlich schon sind. Und dann kommt es oft wie ein Hammerschlag. Deshalb achte bitte genau auf Dich und lege Grenzen für Dich fest. So weit und nicht weiter!

    Dass Du Deine negativen Lebenserfahrungen verarbeiten möchtest finde ich 44. Das ist genau der richtige Weg. Was die Depressionen betrifft liest man immer wieder, dass diese quasi vererbt werden können. Ich denke das Du sowas auch im Hinterkopf hast. Es ist aber so, zumindest habe ich das so gelesen, dass es kein Depressions-Gen gibt, das man erben könnte. Eher sind es Verhaltensweisen, die eben zu Depressionen führen können. Und dem steuerst Du ja komplett entgegen, und das finde ich sehr gut. Und, was Du auch nicht vergessen darfst, bei Deinem Papa spielt sicher der Alkohol auch eine Zentrale Rolle was die Depressionen betrifft.

    Ich hoffe für Dich, dass jetzt mal alles seinen Weg geht. Er diese Kur antrifft und durchzieht und Du allein schon in dieser Zeit dann etwas regenerieren kannst. Vielleicht bewegt sich ja dann etwas in Deinem Vater, falls aber nicht, brauchst Du für Dich einen Plan B - einen Plan für Dein weiteres Leben und den Umgang mit einer Situation für die Du nicht verantwortlich bist und die Du nicht verändern kannst.

    Alles alles Gute!

    LG
    gerchla