Beiträge von Gerchla

    Hallo drossel,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Hm, Du möchtest ein paar Tipps.... Das fällt mir jetzt ehrlich gesagt schwer. Du hast nicht allzuviel preis gegeben. Deine Mutter trinkt, ok, das habe ich soweit verstanden. Das ist sehr schade aber ihre Entscheidung. Sie ist eine erwachsene Frau (wie alt ist sie denn, wenn ich fragen darf?) und konsumiert die legale Droge Alkohol, das kann ihr niemand verbieten, auch Du als Tochter nicht.

    Wie Du schreibst, scheint Deine Mutter ein sehr hartes Leben hinter sich zu haben. Mutter, Vater und Mann gepflegt, sich aufgeopfert für andere, so würde ich das mal interpretieren. Aber wie gesagt, eigentlich weiß ich ja nicht was genau los war in Eurer Familie.
    Irgendwann war sie dann wohl "damit durch", die lieben Menschen die sie gepflegt hatte waren verstorben, die "Lebensaufgabe" beendet - bitte verstehe mich nicht falsch, ich möchte betonen dass das alles nur Spekulationen von mir sind die ich aufgrund der paar Zeilen von Dir mache.

    Also, da steht nun ein Mensch, der möglicherweise jahrelang funktionieren musste und andere gepflegt hat, vor einer gewissen Leere... Hmmm, also es gibt sicher geringere Gründe weshalb Menschen mit dem Trinken begonnen haben. Ich zum Beispiel hatte eigentlich gar keinen Grund zum Saufen anzufangen und hab's trotzdem getan....

    Aber egal, das war jetzt nur der Versuch von mir mal zu "rekonstruieren", wie Deine Mutter da hinein gerutscht sein könnte. Vielleicht hat sie ja auch schon vorher getrunken um das alles überhaupt durchstehen zu können. Ich weiß es nicht und Du hast nichts darüber geschrieben. Ist auch egal, denn es geht ja darum, dass sie wieder damit aufhört.

    Und genau da liegt jetzt das Problem: Aufhören wird sie nur können, wenn sie das selbst möchte. Ihr habt ja schon die Erfahrung machen müssen, dass ein Aufhören via List auf Dauer nicht funktioniert hat. D. h. wenn sie selbst den Sinn nicht sieht, wird es kaum funktionieren sie vom Alkohol weg zu bringen.

    Es macht auch keinen Sinn, dass sie jemanden "zu liebe" aufhören will, also z. B. Dir zuliebe. Immerhin bist Du kein Niemand sondern ihre Tochter - und für die könnte man doch auf Alkohol verzichten....

    Nein, kann man nicht wenn man süchtig ist. Ich liebte meine beiden Kinder wirklich über alles - und habe es trotzdem nicht geschafft aufzuhören. Oft hatte ich versucht mir das als Grund zu nehmen... Ich hatte nicht verstanden, dass ich es mir zuliebe tun muss. Es hat erst funktioniert als ich mich selbst in den Fokus gerückt hatte.

    Was bleibt nun Dir? Dir bleibt, dass Du auf Dich acht gibst. Dein eigenes Leben pflegst und darauf achtest, dass Dich die Situation Deiner Mutter nicht zu sehr dominiert. Denn es nicht Deine Verantwortung das sie trinkt, Du hast es nicht in der Hand. Aber Du läufst eben Gefahr in eine Co-Abhänigkeit zu rutschen indem Du das Wohlbefinden Deiner Mutter (in Kombination mit ihrem Alkoholkonsum) zum Mittelpunkt Deines eigenen Lebens machst. Das ist gefährlich und ebenfalls eine Krankeit. Deshalb achte auf Dich und versuche Dir noch weitere Hilfe zu suchen. Z. B. in Form einer Selbsthilfegruppe für Angehörige - dort findest Du Menschen, die ähnliches erlebt haben wie Du gerade.

    Alles Gute und einen guten Austausch wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Hallihallo,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Die Frage aller Fragen: Bin ich schon süchtig?

    Meine Frage zurück: Und wenn nicht?

    Dann machst Du so weiter wie bisher? Gewissen beruhigt und Dein Beruhigungs- bzw. Stimmungsaufhellungsmittel Alkohol kann weiter fliesen.... Oder warauf zielt Deine Frage ab?

    Ich würde das mal so sehen: Egal ob Du schon süchtig bist oder nicht, wenn Du so weiter trinkst wirst Du es auf jeden Fall. Du trinkst der Wirkung wegen, nicht wegen des Genusses, Du trinkst schon jetzt deutlich über der offiziell als unbedenklich geltenden Menge und Du konntest schon feststellen, dass sich die Menge langsam steigert. Da kann ich nur sagen: Willkommen im Club - so steigt man erfolgreich in eine Suchtkarriere ein.

    Bei mir war das so, dass ich einige Jahre damit verbrachte, mein "Feierabendbierchen" zu trinken - wirklich nur das eine und mehr gab's wenn dann nur mal ab und zu am Wochenende. Auch nicht regelmäßig. Und ich weiß heute, dass ich schon damals abhängig trank - denn ich verzichtete äußerst ungern auf dieses Bier. Auch wenn's nur eines war und auch wenn ich noch recht einfach darauf verzichten konnte. Es fehlte mir was und ich dachte daran wie schön es wäre, wenn ich jetzt.... Und ich stellte auch schon damals fest, dass ich nach einer kleinen Trinkpause von z. B. ein paar Tagen dann gern mal 2 Bier trank. Als Belohnung für die Zeit ohne, sozusagen.

    Ich konnte das damals alles nicht deuten. Ich wusste auch nichts von offiziell unbedenklichen Mengen, die man trinken "darf". Heute weiß ich, dass ich damals die Grundstein für meine Sucht gelegt habe. Ich sag's mal so: Gelernt ist gelernt, und ich habe damals schon gelernt, wie herrlich entspannend so ein Bierchen sein kann. Irgendwann waren dann halt 2 nötig um die gleiche Wirkung zu erzielen, aber es setzte immer so eine gute, schöne Leichtigkeit ein.

    Tja, das hat sich mein Hirn natürlich gemerkt. Und als dann mal etwas schlechtere Zeiten kamen, war klar: Entspannung holst Du Dir mit Alkohol - und weil ja alles so schlimm ist könnens jetzt auch mal 3 Bier sein, die wirken dann wenigstens.... Und so geht's dann halt immer weiter.

    Du bist genau auf dem Weg dorthin. Und nun ist es bei Dir aber noch so, dass Alkohol und Depressionen eine fatale Mischung sind. Zu viel Alkohol führt zu Depressionen - hat man bereits Depressionen suggeriert einem der Alkohol er könnte helfen - sozusagen ein ganz mieser Kreislauf.

    Fakt ist aber: Alkohol ist zu gar nichts gut! Zumindest nicht für den menschlichen Körper und Geist. Alkohol ist ein Zellgift, auch in geringen Mengen und Alkohol verändert bei regelmäßigem Konsum die Psyche des Menschen - und das sicher nicht zum Besseren. Alkohol verändert unser Hirn, was auch der Grund dafür ist, dass wir süchtig werden. Psychisch abhängig lange bevor wir körperlich abhängig sind. Und genau diese Veränderungen im Hirn sind dafür verantwortlich, dass ein alkoholkranker Mensch Zeit seines Lebens alkoholkrank bleiben wird. Einmal süchtig - immer süchtig, da gibts kein reboot mehr.

    Jetzt kannst Du Dir überlegen, ob Du weiterhin eine Antwort auf Deine Frage brauchst oder ob Du völlig unabhängig von dieser Antwort künftig auf Alkohol verzichten willst. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Depressionen schnell in den Griff bekommst und ich wünsche Dir auch sehr, dass Du dazu keinen Alkohol verwendest. Denn der kann Dir absolut nicht helfen, er wird das Gegenteil bewirken.

    LG
    gerchla

    Hallo Vanillasky,

    Zitat

    Eigentlich würde ich mich ja als eine intelligente Frau bezeichnen. Aber da bin ich echt begriffsstutzig..

    Naja Du weißt sicher selbst, dass es nichts mit begriffsstutzig zu tun hat. Man nennt es Sucht.... und die ist halt leider seeeehr mächtig. Und dann will man das halt irgendwie nicht wahr haben, nicht glauben, dass man wirklich ein Problem hat, dass man es wirklich nicht kontrollieren kann. Und versucht es eben doch. Und manchmal, ja manchmal funktioniert es dann auch mal eine gewissen Zeit lang. Und dann sagt uns diese fiese miese Sucht: "Na, siehst es? Du hast kein Problem, Du kannst ja wenn Du nur willst. Alles im grünen Bereich...."

    Diese Spielchen kann die Sucht sehr lange spielen. Jahrelang kann sie das. Und je länger Du es zu lässt, desto mehr verfestigt sie sich in Dir. Und wenn sie dann mächtig genug ist, dann packt sie die harten Geschütze aus. Dann legt sie plötzlich noch zu, steigert die Trinkmenge und vergiftet Deine Psyche noch mehr, als sie es ohnehin schon getan hat. Denn dann weiß sie, dass sie Dich so im Griff hat, dass Du ihr gar kein Paroli mehr bieten kannst.

    Deshalb ist es gut so früh wie möglich aus dem Suchtkreislauf auszusteigen. Ein früherer Ausstieg bedeutet nicht, dass man irgendwann mal wieder moderat trinken kann. Er erhöht aber die Chancen dauerhaft trocken zu bleiben und es ist möglicherweise auch "einfacher" zu erreichen. Also lieber heute als morgen aufhören. Nicht zu vergessen ist natürlich auch der große Vorteil, dass die Gefahr dauerhafter körperlicher Schäden geringer ist. Denn Alkohol ist, wie wir wissen, reines Zellgift. Je länger wir ihn konsumieren und je höher die Dosis, desto gefährlicher ist er - jetzt mal rein köperlich gesehen. Auch die alten Volksweisheiten, dass moderate Mengen an Alkohol für dieses oder jenes Förderlich wären, also das es gesund wäre geringe Mengen an Alkohol zu trinken, sind mittlerweile widerlegt. Es wird aber trotzdem noch hartnäckig verbreitet.

    Die Aussagen Deines Mannes haben bei mir ein Stirnrunzeln verursacht. Also ich fasse zusammen: Er ist der Meinung dass Du ein Alkoholproblem hast UND er kann sich aber nicht vorstellen auf ein Glas Wein mit Dir zusammen zu verzichten. So richtig?

    Dann stelle ich mir die Frage ob Dein Mann überhaupt weiß, was es bedeutet, dass Du alkoholsüchtig bist. Hat er überhaupt eine Ahnung von dieser Krankheit? Weiß er was mit Dir passieren wird, wenn Du weiter trinkst und den Absprung nicht schaffst und ist im das dann egal? Weiß er, dass Du Dich nicht einfach "zusammen reißen" kannst? Weiß er, dass es bei Dir nie mehr funktionieren wird, "halt einfach ein bisl weniger" zu trinken? Ist er mit dem Begriff "Sucht" vertraut, und weiß er, was für eine schwere Krankheit das ist? Ich vermute mal: nein - er sieht es als nicht so dramatisch an... Da irrt er sich leider.

    Kannst Du mit ihm darüber offen sprechen? Im besten Falle handelt es sich bei ihm um Unwissendheit - dann müsstest Du bzw. noch besser er, versuchen diese Wissenlücke zu schließen. Wenn er verstanden hat was Sucht bedeutet, müsste er eigentlich sofort jeglichen Alkohol in Eurem Umfeld vernichten. Freiwillig um Dich damit zu unterstützen.

    Im schlimmsten Fall, ich betone, dass ich das nicht beurteilen kann und will, hat er selbst ein Problem und will nicht auf seine Bierchen/Weinchen etc. verzichten. Bzw. kann nicht darauf verzichten. Und dann wäre es natürlich schön, wenn Du mittrinken würdest.

    So liest sich das, wenn man von der Ferne drauf schaut! Es steht mir nicht zu hier ein Urteil zu fällen, das wirst Du aber sicher selbst tun können.

    Den Vorschlag von Rekonvalelszent, mit Deinem Mann zusammen die Suchtberatung aufzusuchen, halte ich für hervorragend. Denn dann würde er von geschulter Seite erfahren in welcher Situation Du bist. Und könnte dort auch gezielt seine Fragen stellen, da hätte er bestimmt einige. Die können ihm dort sicher gut beantwortet werden.

    Ich halte es auf jeden Fall für sehr schwierig für Dich trocken zu werden, wenn Dein Kühlschrank immer gut mit Alkohol gefüllt ist und wenn Dein Mann genüsslich sein Bier vor Dir trinkt. Wenn man mal gefestig trocken ist, dann kann man das vielleicht mal an ein paar Abenden im Jahr ohne Probleme wegstecken, aber am Anfang ist das pures Gift.

    LG
    gerchla

    Hallo Lilly,

    ok, es ist wie vermutet oder wie zu erwarten war. Er ist mal in die Klinik, eine Krankheitseinsicht hat er aber nicht. Er macht das alles ja "nur für Dich" - mit dieser Aussage macht er nochmal deutlich, wie wichtig es ist, dass Du Deine eigenen Wege gehst. Weil er nichts verstanden hat und er selbst nach längerer Therapie wieder genau da landen wird, wo er vorher war. Aber das hast Du ja alles schon durch.

    Gehe Deinen Weg, bleibt konsequent. Ich hoffe, dass er schnell erkennt, dass er auf Dich nicht mehr zählen kann und dass er Dich dann in Ruhe lässt. Ein räumliche Veränderung Deinerseits wäre da sicher nicht das schlechteste. Es signaliert einen Neuanfang. Ich drück Dir die Daumen, dass Du weiter gut voran kommst!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Babsi,

    wie eigentlich immer liegt auch bei Dir das eigentliche Problem tiefer. Für mich ist Alkohol, wenn man ihn der Wirkung wegen trinkt, immer ein Mittel um Unangenehmes zu verdrängen, um ein gutes Gefühl zu bekommen, um Positives zu spüren, sich mal entspannen zu können. Wenn man das "mal" macht, dann ist das sicher weiter nicht tragisch. Wenn man allerdings zur Sucht neigt, kann schon dieses "mal machen" den Grundstein für den Einstieg in die Sucht legen.

    Darüber brauchst Du Dir keine Gedanken mehr zu machen, genauso wenig wie ich, denn wir sind bereits süchtig. Von mir weiß ich das sicher, bei Dir deutet zumindest vieles darauf hin.

    Die Frage, die ich mir an Deiner Stelle nun mal stellen würde ist: Was passt denn eigentlich in meinem Leben nicht? Was möchte ich eigentlich? Wo will ich hin, wer will ich sein? Und wer bin ich aktuell tatsächlich?

    Das sind alles Fragen, die ich mir nach meinem Ausstieg eigentlich fast sofort angefangen habe zu stellen. Ich habe also nicht einfach zu trinken aufgehört, sondern ich wollte schon etwas mehr wissen. Also z. B. wieso es so gekommen ist. Ich wollte das verstehen um für mich Rückschlüsse für mein künftiges Leben ziehen zu können. Es gibt auch andere Herangehensweisen. Wir hatten dazu hier im Forum schon sehr interessante Diskussionen. Ich kann Dir aber nur über meine "Variante" berichten.

    Also, die Grundlage dafür, dass ich mir ernsthafte Gedanken machen konnte war natürlich, dass ich erst mal nicht mehr trank. Mit 10 - 12 Bier + einer Flasche Wein pro Tag kann man über solche Dinge nicht objektiv nachdenken, ich glaube das verstehst Du. Du trinkst ja deutlich weniger, aber die Menge ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass man nur mit klarem Verstand aufarbeiten kann.

    Als ich aufhörte zu trinken, habe ich sofort alle möglichen Hilfen gesucht und angenommen, z. B. auch eine SHG, die ich bereits am 1. nüchternen Tag seit x Jahren besuchte. Natürlich machte ich Termine beim Arzt, beim Psychologen und noch einiges mehr. Ok, ich sage jetzt mal: Das waren erst mal 1. Hilfe-Maßnahmen, vor allem die SHG war eine sehr gute 1. Hilfe-Maßnahme für mich. Erst mal war nur wichtig nicht wieder mit dem Trinken zu beginnen. Mir war damals schon bewusst, dass es möglicherweise mein Untergang sein würde, wenn ich wieder mit dem Trinken beginnen würde. Andererseits war ich aber auch fertig, so unten, körperlich und psychisch, dass ich einfach auch nie mehr trinken wollte. Ich wollte es wirklich nicht mehr und ich verschwendete auch keine Sekunde daran, dass ich vielleicht ja irgendwann mal wieder ein Gläschen..... Nein, ich wollte wirklich nie wieder trinken, nie wieder da hin kommen wo ich gerade war.

    Bereits nach ein paar Tagen ging es mir deutlich besser - erst mal körperlich. Und so begann ich dann auch sofort mich mit o. g. Fragen zu beschäftigen. Darüber sprach ich auch mit Psychologen und anderen Menschen, die davon auch durchaus etwas vertstanden. Auch mein bester Freund war mit "eingebunden". Und so vergingen Wochen in denen ich nicht mehr trank und gleichzeitig über mich und mein Leben nachdachte.

    Es folgte als Konsequenz die Trennung von meiner Frau. Eine sehr schwere Entscheidung, auch weil ich damit meine beiden über alles geliebten Kinder "verlor". Ich musste sie treffen. Es gab noch die ein oder andere wichtige Entscheidung bzw. Weichenstellung, die sich aufgrund meiner Aufarbeitung ergaben. Und so ging es langsam aufwärts und immer weiter vorwärts. Der Wunsch Alkohol zu trinken, den gab es zu keiner Zeit mehr. Er verschwand komplett und bleibt hoffentlich auch für den Rest meines Lebens weg. Was ich natürlich nicht zu 100% sagen kann, aber dafür arbeite ich noch heute an meinem Leben.

    Für mich ist das entscheidend. Eine Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, dem eigenen Ich. Das halte ich für äußerst wichtig. Denn man muss auch ohne Alkohol alle Hürden eines Lebens meistern. Auch ohne Alkohol bleibt man nicht verschont von Schicksalsschlägen, Pechsträhnen, Problemen, Negativem usw. Auch ohne Alkohol hat man mal Ärger mit dem Partner, in der Arbeit usw. Das Leben geht ja ganz normal weiter ist wird nicht plötzlich rosarot.

    Es ist nur so, dass man Probleme sofort und besser lösen kann und dass einige Probleme, die man sich durch die Sauferei eingehandelt hat, weg bleiben. Aber ansonsten geht alles normal weiter.

    Wenn man allerdings mit seinem Leben und seinem eigenen Ich im Reinen ist, dann ist man stark genug, auch mal schlechte Zeiten problemlos zu meistern. Ist nicht schön, gehört aber zum Leben. Auf die Idee Alkohol als Problemlöser einzusetzen kommt man dann nicht. Und, man ist auch stark genug, mal für andere Menschen da sein zu können, wenn man gebraucht wird.

    Das muss das Ziel sein.

    Vielleicht ist bei dem was ich Dir geschrieben habe etwas für Dich dabei. Ich bin heute ein wirklich glücklicher Mensch. Ich behaupte das von mir, weil ich es so empfinde. Ich bin auch ein sehr dankbarer Mensch. Dankbar für mein neues wunderbares Leben und das ich es so führen kann und darf wie ich es aktuell tue.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Vanillasky,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Vorher trank ich viele Jahre abhängig. Es begann auf niedrigem Niveau, ich trank viele Jahre lang wenig aber regelmäßig. Dann steigerte sich die Menge langsam und ich trank auf höherem, gesundheitsschädlichem Niveau wiederum mehrere Jahre lang. Die letzten zwei Jahre meiner Trinkerkarriere trank ich dann sehr große Mengen, konnte keine Pausen mehr einlegen und veränderte mich sowohl körperlich als auch psychisch rapide - nicht zum Positiven, wie Du Dir sicher denken wirst.

    In den ersten, ich sage mal 10 Jahren, konnte ich auch noch recht problemlos Trinkpausen machen. Nicht, dass mir diese Spaß gemacht hätten, aber sie waren möglich und es waren auch Pausen von mehreren Monaten dabei. Später nahm die Dauer der Trinkpausen und die Häufigkeit stark ab. Am Ende, wie schon gesagt, ging diesbezüglich nichts mehr. Selbst bei Krankheit musste ich trinken. Eine Reduktion von täglichen Trinken auf "nur" noch z. B. jeden zweiten Tag habe ich natürlich auch probiert. Also eine Art kontrolliertes Trinken sozusagen. Ging auch immer wieder mal eine Zeit lang ganz gut. Aber halt nur eine Zeit und es war doch immer eine Qual, weil ich ja eigentlich trinken wollte wie es mir in den Sinn kam.

    Letztlich kannst Du das aber alles vergessen. Es ist doch nur ein Geeiere, ein vor sich hin leben und versuchen, irgendwie sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen. Um dann zeitweise, z. B. in einer Trinkpause, euphorisch zu sein, dass es doch klappt und dann wieder am Boden, wenn man sein übliches Trinkverhalten wieder hat. So kann man sehr viele Jahre seines Lebens verschwenden und immer dominiert der Alkohol die eigene Denk- und Verhaltensweise.

    Ich kann Dir hier aus der Ferne keine Diagnose stellen. Ob Du nun bereits süchtig bist (wie siehst Du Dich eigentlich selbst?) oder noch "nur" Missbrauch betreibst. Von dem was Du schreibst, deutet zumindest schon einiges auf eine Sucht hin, z. B. dass Du das zweite Glas nicht stehen lassen kannst (=Kontrollverlust) oder dass Du immer einen Grund findest um wieder zu trinken.

    Ich kann Dich nur dazu ermutigen, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Völlig egal wie weit Du schon mit Deiner Sucht bist. Du verlierst nichts, wenn Du keinen Alkohol mehr trinkst, Du gewinnst aber im Gegenzug unglaublich viel. Das geht natürlich nicht so einfach, das wirst Du selbst wissen. Deshalb kann ich Dir nur raten, dass Du mit einem Arzt darüber sprichst, vielleicht auch mal eine Suchtberatung aufsuchst und dort Deine Situation schilderst. Gemeinsam könnt Ihr dann überlegen, welche Schritte für Dich möglich wären.

    Sicherlich müsstest Du auch mit Deinem Mann sprechen. Ein alkoholfreies Umfeld bei Dir zuhause wäre mehr als hilfreich. Wie sieht er Dich überhaupt? Weiß er von Deinem Problem und wenn ja, wie beurteilt er die Situation?

    Ich denke Du bist in der Situation, dass Du wirklich Nägel mit Köpfen machen musst. Wie Du selbst schreibst kannst Du nach einem Glas nicht aufhören. D. h. über kontrolliertes Trinken oder über ab und zu mal ein Gläschen aus gegebenen Anlass brauchst Du gar nicht nachzudenken. Es wird nur ein Komplettverzicht funktionieren, und der Weg dorthin ist auch erst mal nicht so einfach. Aber er ist machbar, wie Du hier nachlesen kannst und er lohnt sich sowas von.

    Ach und was die vielen Feste und Einladungen betrifft, und die unangenehmen Fragen usw: Vergiss es. Sofern Du kein komplettes Säuferumfeld hast braucht es nur ein paar klare Ansagen. Dann kannst Du auch auf Feste gehen ohne dass Dir Alkohol angeboten wird bzw. Du wirst schnell lernen, einfach abzulehnen. Solltest es sich um Deinen Freundeskreis handeln, wird er schnell realisieren, dass Du keinen Alkohol mehr trinkst und irgendwann von sich auch nichts mehr anbieten. Es ist dann ganz normal, dass Du keinen Alkohol trinkst wie es normal wäre, wenn Du z. B. als Vegetarierin bekannt wärst. Da würde Dir dann auch niemand ne' Schweinswurst anbieten.

    Wenn Du natürlich ein richtiges Trinkerumfeld hast, wo also das Trinken an sich im Vordergrund steht, dann musst Du die Reißleine ziehen. Wenn man in einem solchen Umfeld bleibt wird man kaum trocken werden können.

    Aber alles andere funktioniert ganz gut. Sicher ist es ratsam, am Anfang mal die ein oder andere Veranstaltung zu meiden, bis man etwas gefestigt ist und entsprechende Strategien entwickelt hat. Aber dann kann man auch als Alkoholiker sehr gut am ganz normalen gesellschaftlichen Leben teilhaben, ohne ängstlich und verbittert in der Ecke sitzen zu mmüssen weil überall der böse Alkohol lauert. Wie gesagt, es dauert etwas und man braucht eine Strategie, die man sicher auch mit Hilfe anderer entwickeln kann. Und dann geht das Leben ganz normal weiter, nur das es viel schöner und wunderbarer ist - ohne die Fremdsteuerung durch Alkohol.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Hallo Babsi,

    erst mal noch ein herzliches Willkommen auch von mir.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe nun schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol. Ich trank am Ende meiner Karriere täglich sehr große Mengen an Alkohol. Der Verlauf war klassisch, viele Jahre auf niedrigem Niveau getrunken, aber schon regelmäßig, dann gesteitegert und wieder ein paar Jahre auf höhrem Niveau und irgendwann gings dann richtig ab.

    Das mit dem Einschlafen durch Alkohol funktioniert ja ganz gut. Ich bin zum Ende meiner Trinkerzeit dann IMMER abends einfach irgendwie ins Bett gefallen und war sofort weg. ALLERDINGS - ich wachte dann auch nach ein paar Stunden wieder auf. Dieses "Phänomen" trat erst mit fortgeschrittener Sucht bei mir auf. Dann aber quasi jede Nacht. Wieder einschlafen war dann fast nicht möglich bzw. der Schlaf war wertlos weil von Gedanken zerissen. Es ist eben übrigends eine weit verbreitete Lüge, dass Alkohol den Schlaf fördern würde. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Mit Alkohol schläft man schlechter und der Erholungseffekt, den der Schlaf eigentlich bewirkt, findet nur vermindert statt. Kannst Du gerne mal googeln nund nachlesen.

    Ich habe diese Erfahrung genau so gemacht. Wahrscheinlich hätte ich dann nachts auch noch weiter trinken müssen um wieder einschlafen zu können. Das wäre dann wahrscheinlich der nächste Schritt in meiner Sucht gewesen. Morgens angefangen hatte ich ja schon.... Zum Glück konnte ich den Absprung schaffen.

    Die ersten Wochen ohne Alkohol waren dann auch, was das Einschlafen betrifft, etwas schwieriger. Aber nicht dramatisch. Ich habe mir immer Hörspiele zum Einschlafen angemacht. Das hat mich und meine Gedanken abegelenkt und irgendwann bin ich dann eingeschafen. Vielleicht hilft das bei Dir auch? Sehr bald merkte ich dann, dass ich morgens wesentlich fitter war - klar, ich trank nicht mehr aber ich schlief gleichzeitig auch viel besser.

    Auf jeden Fall ist Alkohol als Schlafmittel absolut konraproduktiv - für Dich als süchtigen oder wenigstens stark gefährdeten Menschen sowieso.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Lilly,

    mal ein Lebenszeichen von mir. Etwas verspätet. Liegt daran, dass ich am Wochenende meist kaum aktiv bin im Forum, das ist immer für meine Familie reserviert.

    Schön das er in der Klinik ist. Ich glaube aber heraus zu lesen, dass das für Dich keine tiefere Bedeutung mehr hat. Wenn ich Dich richtig lese und interpretiere, dann wirst Du Dich so oder so von ihm trennen. Nun, ich kann das gut verstehen, weiß ich doch, was ich meiner Familie angetan habe, während meiner Trinkerzeit. Da war vieles dabei, was ich als unverzeihlich bezeichnen würde und ich glaube das schlimmste sind die ständigen Vertrauensbrüche. Eine Beziehung ohne tiefstes Vertrauen in den Partner halte ich für nicht möglich - zumindest ist es dann nicht das was ich unter einer guten Beziehung verstehe.

    Er ist ja jetzt erst mal am Anfang. Die Zeit wird zeigen, wie es mit ihm weiter geht, ob er nach der Entgiftung bereit ist z. B. eine Therapie anzutreten bzw. diese auch durchzuziehen. Ich wünsche es ihm, aber ich wünsche es auch Dir. Nicht deswegen, weil Du dann noch Hoffnung auf eine Fortführung dieser Beziehung haben könntest, nein, das ist ganz allein Deine Entscheidung. Ich wünsche es Dir deshalb, weil ich denke, dass der Umgang mit ihm dann wesentlich einfacher für Dich wäre. Also alles das, was Du noch regeln musst und willst ginge sicher einfacher und faierer, wenn er dauerhaft trocken bleiben würde.

    Aber das ist nicht Dein Ding und das hast Du auch nicht in der Hand. Lass den Kopf nicht hängen, Du bist komplett auf dem richtigen Weg. Gehe ihn konsequent weiter und Du wirst schon bald Dein Leben zurück haben. Und wegen der SHG: egal, auf zum nächsten Termin!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Laura,

    Zitat

    Leider ist es in letzter Zeit noch schlimmer geworden.
    Sie ist auch nicht zur Arbeit. ..

    Leider ist das der Verlauf dieser Sucht. Es geht stetig Berg ab und wird immer schlimmer. Wobei es eine Phase gibt, die kann bei manchen viele viele Jahre andauern, wo der Süchtige scheinbar "alles im Griff" hat. Er trinkt zu viel, er trinkt regelmäßig aber er ist kaum auffällig. Das ist eigentlich die Masse der funktionierenden Alkoholiker. Ich schätze, dass ich bestimmt 10 Jahre so verbracht habe. Bevor es dann stetig immer noch mehr wurde und ich begann richtig die Kontrolle zu verlieren. Was dann eben auch zu Ausfällen geführt hat. Abgesagte Termine, krank schreiben lassen und kompletter Rückzug aus meinem sozialen Umfeld. Da war dann für mich nichts mehr zu machen, ich konnte nicht mal mehr einen Tag auf Alkohol verzichten, ich musste auch trinken wenn ich krank war, z. B. Fieber hatte und ich musste natürlich auch schon morgens damit beginnen. So habe ich dann nochmal ca. 2 Jahre verbracht, wo es enorm schwer für mich war, die Sucht weiterhin zu verbergen. In dieser Zeit begann dann auch ein beschleunigter körperlicher Verfall meinerseits....

    Wie gesagt, was Du beschreibst von Deiner Mama... Ich kann es alles nachvollziehen, leider. Achte Du auf Dich, viel mehr wirst Du nicht tun können. Aber wenn Du das tust, dann tust Du sehr viel und es ist sehr wichtig, dass Du Dich nicht auch mit hineinreißen lässt in diesen Suchtkreislauf. Natürlch geht es nicht spurlos an Dir vorüber, es ist ja Deine Mama. Das wäre ja unmenschlich wenn es so wäre. Du musst nur darauf achten wie viel Platz es in Deinen Leben einnimmt. Und das sollte nicht so viel sein, dass Du Dein eigenes Leben davon dominieren lässt.

    Zitat

    Ich habe auch bald einen Termin bei einer Suchtberatung für Angehörige und hoffe das es mir damit etwas besser geht.

    Das finde ich ganz prima. Da kannst Du Dich austauschen. Und Du wirst sicher schnell merken, ob das das Richtige für Dich ist oder nicht. Es ist auf jeden Fall gut, dass Du es ausprobierst!

    Ich wünsche Dir alles alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Stefan,

    danke Dir für die "Aufklärung". Super dass Du trocken geblieben bist.

    Zitat

    Und zu eurer Frage mit dem trocken bleiben,ja ich möchte und will Abstinenz leben,warum weil ich auf die ganzen Negativen Sachen die die Sauferrei mit sich bringt keine Lust mehr habe.

    Also, dann auf gehts. Die ersten Pflöcke hast Du schon mal gesetzt. Jetzt geht's darum eine Strategie für den Alltag zu entwickeln. Und ich denke, da kann die SHG auch sehr hilfreich sein. Natürlich verstehe ich, dass Du als Ziel oder als Ansporn die Wiedererlangung Deines Führerscheins hast. Da ist man schon ziemlich am Hund ohne das Teil. Aber vielleicht kannst Du die Zeit bis dahin auch nutzen um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass ein abstinentes Leben gegenüber dem Leben eines nassen Alkoholikers nur Vorteile hat. Und das der wiedererlangte Führerschein dabei nur eine ganz kleine untergeordnete Rolle spielt.

    Also bleib dran, es lohnt sich!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Joe,

    mann mann mann, da ist man mal ein paar Stunden offline und hier geht's richtig rund. Und ich nicht dabei - Schande.

    Na jetzt mal im ernst. Nach Deiner längeren Abhandlung darüber, wie Du über Deine Krankheit denkst, wie Du sie in den Griff bekommen hast und wie Du künftig mit ihr umgehen wirst habe ich Dir nichts mehr zu sagen.

    Meine Erfahrungen, Anmerkungen, Bedenken, Anregungen usw. werden Dir nichts bringen, denn Du weißt ja bereits genau wie der Hase läuft. Du weißt was gut und was schlecht ist, Du weißt was funktioniert und was nicht. Und das bereits nach drei Monaten, es könnte also nicht besser für Dich laufen.

    Deshalb sage ich: Dann geh mal schön Deinen Weg, meine besten Wünsche begleiten Dich. Und was dieses Forum betrifft: Für mich macht so ein Forum nur Sinn (genau wie eine reale SHG), wenn man von den Erfahrungen anderer profitieren möchte, wenn einem diese Erfahrungen wichtig sind und man sie respektiert. Und genau deshalb bin ich hier und ich habe hier schon viele Anregungen, Denkansöße und manchmal auch den Anstoss für ein Umdenken erhalten. Wenn man bereits weiß was richtig ist und wie die Welt funktioniert, dann braucht man das alles nicht, und natürlich auch keine reale SHG.

    Ich bin dann mal raus aus diesem Thread. Ich kann hier nichts mehr beitragen und werde meine (Frei-)Zeit hier denjenigen widmen, die noch nicht alles wissen und vielleicht von meinen Erfahrungen profitieren können.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Joe,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Erst mal meinen Glückwunsch zu drei trockenen Monaten. Da hast Du ja schon mal eine ordentliche Zeit hinter Dir.

    Ganz kurz zu mir: Ende 40, männlich, Alkoholiker, ich lebe nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Ich erinnere mich noch an meine ersten trockenen Monate. Sie waren für mich eine Zeit des kompletten Umbruchs, eine Zeit in der ich mein komplettes Leben umkrempelte. Es wurde quasi alles neu, mit Ausnahme meines Arbeitsplatzes, der blieb mir glücklicherweise erhalten. Aber ansonsten: Trennung nach langjähriger Ehe, damit auch der "Verlust" meiner beiden von mir über alles geliebten Kinder, Outing in der Familie, Outing bei Freunden, Teilweise Veränderung des Freundeskreises, Wegfall bestimmter Hobbys, die ich einfach nicht mehr machen wollte weil sie letztlich mit Alkohol verbunden waren und noch einiges mehr.

    Ich glaube, ich war nach drei Monaten nicht so selbstbewusst wie Du. Ich meine damit, dass ich damals sicher Demut hatte vor meiner Krankheit, verbunden aber mit dem festen Willen nie mehr zu trinken. Hinzu kam bei mir auch noch ein verdammt schlechtes Gewissen und große Schuldgefühle denjenigen gegenüber, denen ich meine viele Jahre andauernde Trinkerrei zugemutet hatte. In dieser war viel passiert und ich habe letztlich Lebensträume oder sagen wir mal Lebenspläne zerstört. Ich habe gelogen und betrogen was das Zeug hielt und damit Menschen, die ich eigentlich liebte zu tiefst verletzt. Ohne es wirklich zu wollen und ohne das mir das Ausmaß meiner Handlungen bewusst gewesen wäre. Das hat mich sehr demütig sein lassen.

    Und ich benötigte Hilfe, um meinen Neustart richtig hinzubekommen. Ich wollte meine Sucht aufarbeiten und ich wollte auch meine Taten aus der Trinkerzeit aufarbeiten. Ich wollte wissen wer ich eigentlich war und wer ich künftig sein möchte. Und so denke ich mal, gingen sicher zwei Jahre ins Land, bis begann der zu sein, der eigenlich sein wollte. Ich lernte, dass man seine Zukunft nicht auf Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen aufbauen kann, dass man selbige aber nicht einfach wegschieben darf. Oder gar so tun, als hätte man damit nichts zu tun gehabt weil ja der böse Alkohol dafür verantwortlich war.

    Du sprichst ja auch die SHG an. Da bin ich bereits am ersten Tag nach meinem Austieg auf der Matte gestanden. Tatsächlich hat mir das sehr viel gebracht, damals. Denn ich hatte dort erstmal die Gelegenheit mit anderen Mensch zu sprechen, die ähnliches erlebt haben wie ich. Manchen erging es, so empfand ich es jedenfalls, noch viel übler als mir. Und ich traf dort auch auf Menschen, die mir erzählten, dass sie viele Jahre trocken waren und dann rückfällig wurden. Einer saß mal neben mir, ein sehr netter gepflegter Typ, den ich vorher nie gesehen hatte. Wir kamen ist Gespräch und er sagte, er wäre früher immer hier gewesen, er wäre sogar jahrelang Gruppenleiter gewesen. Nur wurde er dann rückfällig aber jetzt startet er einen neuen Versuch....

    Ich sage Dir, dass hat sich bei mir eingebrannt. Nie hätte ich das von diesem netten, klaren, aufgeräumten Typen erwartet. Er hatte zu diesem Zeitpunkt erst seit ein paar Tagen nichts mehr getrunken. Ich selbst war ja auch erst ein paar Tage ohne, damals. Ich glaube das war für mich auch eine Art Schlüsselerlebnis, das mir nochmal gehörigen Respekt vor meiner Krankheit lehrte.

    Aber, über die Monate stellte ich trotzdem fest, dass mir die SHG nicht das gibt, was ich eigentlich suchte. So besuchte ich sie nach und nach nicht mehr, hatte jedoch andere Formen gefunden mich mit meiner Krankheit außeinander zu setzen. Ich empfehle trotzdem jeden, sich SHG anzusehen. Für manche, oder ich sage jetzt mal sogar für viele, sind sie genau das Richtige.

    Die Erfahrungen, die Du jetzt machst, die komplette positive Veränderung Deines Lebens, die von Dir empfundene Befreiung, also quasi das zurück bekommen des eigenen Lebens, diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Das war wunderbar. Ich weiß noch, dass es mir mit jedem Tag ohne Alkohol besonders in den ersten Wochen und Monaten besser ging. Zunächst bezog sich diese Besserung auf meinen körperlichen Zustand. Ich verlor enorm an Gewicht, war morgens klar im Kopf, die ganze Schwere, das ganze benebelt sein wich und ich dachte ich könnte Bäume ausreißen.

    Aufgrund meiner von der Saufzeit mitgebrachten Probleme dauerte es mit der Verbesserung meines psychischen Zustandes aber etwas länger. Da war viel Arbeit nötig und ähnlich wie Du, habe ich auch z. B. psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

    Tja, das waren jetzt mal zum Einstieg ein paar Gedanken von mir, einfach nur mal so. Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinen weiteren Weg und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Stefan,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40, männlich, Alkoholiker und lebe nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Ich war ein paar Jahre jünger wie Du, als ich mit dem Trinken aufgehört habe. Aber ich glaube so ein Alter um die Anfang bis Mitte 40 ist ein typisches Alter für die ersten Ausstiegsversuche. Ich kenne einige Alkoholiker, die um dieses Lebensalter herum den Absprung geschafft haben, einige brauchten mehrere Anläufe.

    Ich gehe mal davon aus, dass Du aktuell nicht trinkst, oder? Ähnlich wie Greenfox, verstehe ich nicht genau, was Du mit dem 21. Februar sagen möchtest.

    Wie sieht den Dein künftiger Lebensplan so aus? Was hast Du vor, was tust Du für Dich um nicht wieder in Versuchung zu geraten?

    Zitat

    nach der Therapie dann leider wieder rückfällig geworden weil es da noch schwerwiegende Probleme gab,

    Hast Du einen Plan wie Du eine mögliche Wiederholung verhindern möchtest. Es ist leider so, dass das Leben ohne Alkohol nicht problembefreit ist. Auch nicht befreit von schwerwiegenden Problemen (oft sind diese noch Überbleibsel der Säuferzeit - so war das zumindest bei mir), auch ist man nicht befreit oder gefeit vor möglichen Schicksalschlägen, vom Verlust von lieben Menschen usw. Trotzdem ist es nicht klug zur Flasche zu greifen um diese Probleme etc. ertragen zu können. Leider haben wir Alkis das über viele Jahre oder Jahrzehnte so gemacht und gelernt, so dass uns das nach dem Ausstieg wieder als Option vom Suchthirn vorgegauckelt wird.

    Naja, ich will Dich jetzt am Anfang mal nicht gleich zutexten. Wenn Du Fragen hast, dann immer raus damit. Ansonsten wünsche ich Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lilly,

    erst mal wollte ich Dir meinen Respekt zollen. Für Dein klares und konsequentes Vorgehen. Du machst das genau richtig! Davon bin ich überzeugt.

    Jetzt hast Du zwar erst mal eine schwere Zeit vor Dir und es wird sicher nicht einfach das alles durchzustehen. Aber wenn Du durch bist hast Du Dein Leben zurück. Das ist es allemal wert.

    Sehr gut, dass Du Dich mit einer Anwältin besprichst! Somit wirst Du über Deine künftige finanzielle Situation einen guten Überblick haben. Was Dir Handlungsfreiraum verschaffen wird und vor allem auch Klarheit wie es tatsächlich aussieht. Wozu möglicherweise noch verpflichtet bist und wozu nicht.
    Sehr gut auch, dass Du Möglichkeiten hast anderweitig unterzukommen, falls die Situation eskalieren sollte. Ich wünsche Dir, dass das nicht passieren wird.

    Die Idee, ihm mit Hilfe eines Therapeuten mitzuteilen, dass Du die Ehe beenden wirst, empfinde ich ebenfalls als sehr gute Idee. Dann bist Du wenigstens nicht mit ihm alleine....

    Was seine Familie betrifft: Sollen sie sich doch um den verlorenen Sohn kümmern, anstatt Dir Vorwürfe zu machen. Ich denke, Du wirst einen Großteil Deines Lebens umkrempeln müssen bzw. Du bist ja schon voll dabei. Da wird dann wohl auch der Kontaktabbruch zu seiner Familie inkludiert sein. Könnte ich mir vorstellen ohne Deine genaue Situation zu kennen. Aber Du wirst Dich sicher nicht auf Dauer mit Pfeilen beschießen lassen wollen...

    Was Deinen Papa betrifft: Es tut mir sehr leid, dass er schwer krank ist. Ich wünsche Euch, dass Ihr diese Situation zusammen meistert und hoffe, dass es Hoffnung auf Genesung gibt. Das ist noch ein Grund mehr, dass Du Dir Dein eigenes Leben zurück holst. Denn Du hast ja auch nicht unendlich Energie und Du brauchst Deine Energie für Dich und ggf. auch mal für die, die Du liebst und die Dir nahe stehen. Wenn Du Deine ganze Energie in einen uneinsichtigen Trinker invenstierst bleibt für den "Rest" nix mehr übrig. Aber ich glaube, darüber bist Du Dir ja längst im Klaren, sonst würdest Du nicht so klar und konsequent handeln.

    Ich drücke Dir fest die Daumen, für alles was Du vor hast und auch, dass er jetzt endlich sein Bett in der Klinik bekommt.

    LG
    gerchla

    Hallo Laura,

    ich bin Alkoholiker, nun aber schon mehrere Jahre trocken. Ich schreibe dir also aus der Sicht eines ehemaligen Trinkers, nicht aus der Sicht eines Angehörigen.

    Es ist tragisch und sehr traurig, was Alkoholiker ihren Partnern / Kindern / Anghörigen durch ihre Sucht zumuten und antun. Ich nehme mich da selbst nicht aus, denn auch bei mir lebten neben meiner Frau noch zwei Kinder im Haushalt. Und obwohl ich heimlich trank, litten sie alle an meiner Sucht. In anderer Weise als sie das getan hätten wenn ich "öffentlich" getrunken hätte, aber das macht es nicht besser.

    Ich kann Dir sagen, dass mich niemand vom Trinken hätte abhalten können. Nicht mal die Liebe zu meinen Kinder war in der Lage mich vom Trinken abzuhalten. Und jetzt sage mir: Was ist stärker als die Liebe zu den eigenen Kindern? Nichts? - doch, die Sucht!

    Nur ich selbst war es, der, wenn er ab und an mal der Meinung war jetzt müsste mal was geschehen, kurzzeitig mit dem Trinken aufhören konnte. Was dann eben zu mehr oder weniger langen Trinkpausen geführt hat, die ich mir sozusagen selbst verschrieben hatte. Von Dauer konnte das aber nicht sein, denn dazu waren all diese Versuche viel zu oberflächlich, ohne Tiefgang, ohne Bewusstsein über das tatsächliche Ausmaß meiner Sucht, ohne Wissen über meine Krankheit.

    Es ist einfach so: Wenn jemand trinken will, dann trinkt er. Egal was ihm von außen eingeflüsstert wird. Bei mir hat dann der häufigere Hinweis auf mein Trinkverhalten ("meinst du nicht du trinkst etwas zu viel und etwas zu regelmäßig") dazu geführt, dass ich auf heimliches Trinken umgestiegen bin. Dann müsste mir das nicht mehr anhören. Auf die Idee, ich könnte ja ganz aufhören, bin ich natürlich auch gekommen.... Und habe dann eine Trinkpause eingelegt - aber: ich war schon süchtig und deshalb fing ich natürlich wieder an. Jetzt dann halt heimlich und so hatte ich viele viele Jahre meine Ruhe vor einer nörgelnden Frau oder sonstwelchen Menschen die meinten, mein Trinkverhalten kritisiern zu müssen.

    Das ich darüber komplett abgerutscht bin und langsam zu einem Schatten meiner selbst wurde, habe ich nicht mehr wahr nehmen können. Die Mechnismen der Sucht hatten mich voll im Griff.

    Was ich damit sagen will: Du hast leider nur eine Nebenrolle, oder eher eine Statistenrolle in diesem schrecklichen Spiel. Deine Mama wird oder kann nur dann aufhören zu trinken, wenn sie das selbst möchte. Dann stehen ihr auch zahlreiche Hilfsangebote zur Seite. Nur muss sie das halt auch wollen.

    Natürlich kannst und solltest Du mir ihr sprechen. Deinen Standpunkt klar machen und ihr auch gerne anbieten, dass Du sie unterstützen wirst und für sie da sein wirst, wenn sie z. B. in Therapie geht, also aktiv etwas gegen ihre Krankheit unternimmt. Du solltest aber auch klar machen, dass Du für sie, wenn sie sich im alkoholisierten Zustand befindet, nicht da sein kannst und willst. Denn Du musst Dich und Dein eigenes Leben schützen. Dafür bist Du verantwortlich - für Dein Leben. Du bist nicht für das Leben Deiner Mama verantwortlich. Das ist nur sie selbst und sie ist ein erwachsender Mensch der selbst entscheiden kann, ob er die legale Droge Alkohol weiter konsumieren will oder nicht.

    Leider ist das so....

    LG
    gerchla

    Hallo Lizzy,

    da hast Du ja jetzt bereits von Greenfox und Dietmar zwei sehr klare und wie ich finde wertvolle Meinungen zu Deinem Thread erhalten.

    Ich kann mich beiden nur voll anschließen. Das Beispiel Deiner Mutter zeigt mir, wie teuflisch diese Sucht ist und vor allem auch, dass sie unheilbar ist. Da war sie so lange Zeit trocken, müsste die Verzüge eines Lebens ohne Alkohol eigentlich sehr gut kennen und greift dann in einer für sie sehr schwierigen Situation doch wieder zum Alkohol. Nach so langer Zeit. Das finde ich sehr traurig und macht mich sehr nachdenklich.

    Ich stelle mir hier selbst die Frage, was ich tun kann, damit mir nicht irgendwann mal Ähnliches passiert. Denn ich glaube nicht, dass mein Leben dauerhaft von Schicksalsschlägen oder einfach "nur" richtig schlechten Erlebnissen / Lebenssituationen verschont bleibt. Die Angst, dass ich dann doch wieder zum Alkohol greifen könnte, die bleibt im Hinterkopf natürlich immer vorhanden. Auch wenn ich mir das aktuell nicht vorstellen kann. Aber wer weiß denn was mit einem passiert wenn es mal richtig schlimm werden sollte.

    Über das Alter denke ich auch manchmal nach. Ich bin Ende 40 und vor eineinhalb Jahren nochmal Papa geworden. Mein Leben ist wunderbar und die nächsten Jahre sind sicher (sofern gesundheitlich alles normal läuft) mit der Lebensbegleitung meiner Tochter (zusammen mit meiner Frau) und mit meinem Beruf (den ich sehr gerne ausübe) ausgefüllt. Aber irgendwann kommt die Rente, dann ist meine Kleine groß und steht auf eigenen Beinen. Ich glaube, dann kommts drauf an seinem Leben einen Sinn zu geben oder besser, bereits gegeben zu haben. Ich meine, es ist wichtig den Sinn seines eigenen Lebens immer wieder zu hinterfragen, und besonders im Alter, so denke ich mir, ist das enorm wichtig einen solchen Sinn dann auch erkennen zu können.

    Wahrscheinlich ist das bei Deiner Mutter genau der Punkt. Sieht sie noch einen Sinn? Du schreibst selbst, dass sie sich ihren Ruhestand zusammen mit Deinem Vater anders vorgestellt hat. Leider ist es so nicht gekommen. Die Krankheit Deines Vaters, dann noch der Tod Deines Opas... Sowas kann einen schon aus der Bahn werfen.

    Leider hilft Dir das ja jetzt alles nichts. Deine Mutter trinkt wieder und das ganze scheint, wenn ich das richtig interpretiere, auch immer schlimmer zu werden. Leider kann ich das, was meine beiden Vorposter Dir geschrieben haben nur bestätigen. Du hast das nicht in der Hand. Du wirst ihr nicht helfen können, jedefalls nicht unmittelbar. Deine Mutter hat ja alles schon mal durch, sie kennt das Positive eines Lebens ohne Alkohol, sie kennt die Mechanismen der Sucht, sie hat es schon einmal geschafft sehr lange weg zu kommen vom Alkohol. Sie müsste also auch wissen, was zu tun wäre um das ganze erneut zu schaffen.

    Die Frage wird wohl sein, ob sie das überhaupt möchte. Oder ob sie sich bewusst für eine Betäubung ihres eigenen Lebens mit Alkohol entscheidet, weil sie denkt es so besser oder einfacher etragen zu können. Und weil ihr vielleicht auch eine Lebensperspektive fehlt. Als sie das erste mal aufgehört hat, tat sie das auf Drängen Deines Vaters der sie ansonsten verlassen hätte. Vielleicht ist auch das mit ein Grund dafür, dass der Alkohol wieder eine Option für sie wurde. Sie hat nicht für sich aufgehört sondern für Deinen Vater, vielleicht auch für Dich, denn möglicherweise hätte sie Dich dann auch verloren. I. d. R. ist das Aufhören für jemand anderen kein guter Grund um aufzuhören.

    Idealerweise hört man für sich selbst mit dem Trinken auf und gibt dann auch seinem eigenen Leben den Stellenwert, den es verdient: es ist nämlich das wichtigste was man hat und so sollte man sich dann auch verhalten. Ich hätte allerdings vermutet oder gedacht, dass es bei jemand der so lange trocken war wie Deine Mutter, dann nicht mehr auf den Grund des Aufhörens ankommt. Denn sie hat ja so viele Jahre ohne Alkohol gelebt und die positiven Seiten kennenlernen dürfen.

    Aber: was, wieso, weshalb und warum - Du weißt es nicht und es hilft Dir jetzt auch nicht mehr weiter. Du kannst Dich jetzt letztlich nur abgrenzen und auf Dein eigenes Leben achten. Es scheint ja bereits so zu sein, dass die Sucht Deiner Mutter bereits großen Einfluss auf Dein Leben, auch auf die Beziehung zu Deinem Partner hat. Es geht jetzt nicht darum, dass die Sucht Deiner Mutter dich kalt zu lassen hat, denn ich glaube das wäre dann schon fast unmenschlich. Sie wird und darf Dich beschäftigen, ich finde das ist ganz normal. Du musst aber darauf achten, wieviel Einfluss sie auf Dein Leben hat, wie viel negativen Einfluss. Du solltest darauf achten, nicht in eine Co-Abhängigkeit zu geraten, was bedeuten würde, dass Du Dein Wohlbefinden an dem Trinkverhalten Deiner Mutter fest machst. Trinkt sie mal nicht, gehts Dir gut, trinkt sie wieder, gehts Dir schlecht und Du versuchst alles mögliche sie davon weg zu bringen.

    Du merkst, genau wie Dietmar und Greenfox auch, bin ich der Meinung dass Du nur auf Dich achten kannst. Deine Mutter vom Trinken abzuhalten wird nicht gelingen, wenn sie das nicht selbst möchte. Ein klärendes Gespräch, ein Apell an ihr Inneres, konsequentes Handeln Deinerseits - ja, vielleicht kann das bei ihr einen Denkprozess auslösen der sie dann dazu bringt doch wieder trocken durchs Leben gehen zu wollen. Das kannst probieren, vielleicht hilft es ein Stück weiter. Sicher ist das aber leider nicht und Du musst auch wissen wie Du weiter vorgehst, wenn sie eben weiter trinken will und keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und hoffe für Dich, dass sich alles zum Positiven wendet.

    LG
    gerchla

    Hallo Laurids,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich freue mich auf einen Austausch mit Dir. Du hast ja eine sehr sehr lange Erfahrung mit einem abstinenten Leben. Davon können wir und alle die hier "frisch" ankommen bestimmt viel profitieren.

    Dazu möchte ich auch gleich was schreiben:

    Zitat

    Ich würde gern ab und zu ein Glas Wein trinken, zum Essen z.B. Wenn ich andere trinken sehe, dann spüre ich sehr oft, dass die den Wein zum Essen genießen können.

    Da bin ich sehr froh, dass das bei mir nicht so ist. Ich bin natürlich noch nicht so lange trocken wie Du, aber einige Jahre sind es mittlerweile auch schon. Den Wunsch Alkohol, zu was auch immer für einen Anlass, wieder genießen zu können verspüre ich glücklicherweise nicht. Vielleicht liegt das auch dran, dass ich während meiner Trinkerzeit Alkohol so gut wie nie genossen habe. Ich kenne diese Situationen ein Glas Wein oder Bier zum Essen zu trinken eigentlich nur aus meinen frühesten Anfängen. Als ich auf sehr niedrigem Niveau sozusagen mein Feierabendbier zum Essen getrunken habe. Aber ich glaube sogar, dass es mir schon damals nicht super gut geschmeckt hat. Und dann bin ich ja irgendwann auf's heimliche Trinken umgestiegen und man sah mich quasi zu fast keiner Gelegenheit mehr mit Alkohol. Natürlich auch nicht zum Essen. Ich trank ja dann meist sehr schnell sehr große Mengen, ausschließlich der Wirkung wegen. Somit habe ich eigentlich auch gar keine positiven Erinnerungen an z. B. ein gutes Glas Wein zum Essen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lilly,

    da bin ich ja schon mal beruhigt, dass Du auf jeden Fall irgendwo unterkommen wirst und nicht mehr mit ihm zusammen leben musst. Das würde, so wie Du berichtest, sicher nicht gut gehen. Super auch, dass Du bereits eine Therapeutin hast.

    Vor der SHG solltest und brauchst Du keine Angst zu haben. Und wenn Du keine Kraft hast, gehe trotzdem hin. Wenn die Truppe passt, wird sie Dich mit Kraft versorgen. Außerdem kannst Du dort mit Betroffenen sprechen, mit Menschen die ähnliches oder sogar fast das Gleiche erlebt haben wie Du. Da kannst Du ganz geziehlt Fragen stellen wie Du dieses oder jenes angehen kannst. Ich glaube Du wirst nirgendwo wertvollere Tipps bekommen als von den Menschen, die das selbst durchmachen mussten. Das ist doch wie bei uns Alkoholikern auch: Nur die, die es selbst erlebt haben wissen wirklich was da genau ab geht.

    Zitat

    Hab ich zwar schon gesagt, aber da kommt nichts bei ihm an.

    Ich denke mal, das wird vielleicht ankommen, aber nur vielleicht, wenn er wirklich alleine da sitzt. Wenn er wirklich bemerkt, uuuups, meine Co hat ja ernst gemacht.... Was aber nicht bedeuten muss, dass er deswegen etwas gegen seine Sucht unternimmt. Das wäre eine Option und ab und an passiert das auch, aber oft genug passiert auch gar nix. D.h. der Alki sucht sich ne andere Co oder säuft alleine einfach weiter. Dann hat er ja wieder einen schönen Grund, er wurde ja verlassen.

    Ich hoffe Du bist Dir mittlerweile zu 100% sicher, dass DU nicht für seine Sucht verantwortlich bist. Völlig egal was er sagt, völlig egal was er Dir an den Kopf werfen wird. Das muss Dir wirklich klar sein: DU ziehst DIR diesen Schuh nicht an! Diese miesen Spielchen beherrschen die nassen Alkis nämlich aus dem FF. Bitte lass' das nicht an Dich ran. Ein erwachsener Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Wenn er aufhören will, gibt es in diesem Land wirklich zahlreiche Hilfsangebote - ER muss es nur wollen und diese dann auch annehmen. Das ist, verzeih mir bitte diesen Kalauer, sein Bier.

    Sollte er jetzt dann aufgrund Deiner Trennung etwas unternehmen, schön für ihn. Auch nicht mehr Dein Problem. Sollte er Dir versprechen etwas zu unternehmen um Dich nicht zu verlieren, nimm bitte trotzdem die Beine in die Hand und schau' das Du Land gewinnst. Denn Dir zuliebe sollte er nicht trocken werden wollen, sondern nur für sich selbst. Wenn er es Dir zuliebe macht, wird er schnell 1000 Gründe finden, weshalb er wieder anfangen muss (Du bist nicht lieb zu ihm, du verstehst ihn nicht, du hast mit ihm gestritten usw. usf.). Meiner Meinung nach muss er da erst mal komplett selbst durch. Und wenn er tatsächlich ernsthaft trocken bleiben will und alles dafür tut, dann kannst Du Dir überlegen, ob da irgendwann nochmal eine Perspektive siehst. Aber mir scheint, es schon sehr viel passiert bei Euch beiden.....

    Zitat

    Er versteht überhaupt nicht was er mir all die Jahre angetan hat.

    Ich kenne ihn ja nicht. Möglicherweise realisiert er ab und an mal, wenn der Pegel gerade niedrig ist, was er da eigentlich tut. Also bei mir war das zumindest so. Was aber dann sofort dazu führte, dass ich diesen Zustand des schlechten Gewissen und der Schuldgefühle nicht ertragen konnte. Und ich sofort mit dem Trinken begann. Nach ein paar Bierchen war dann alles wieder im Lot. Was er Dir damit angetan hat, versteht er nur, wenn er tatsächlich irgendwann mal aufhören sollte und wenn er seine Geschichte dann aufarbeitet. Aktuell zählt für ihn nur der Alk - Du hast eine unbedeutende Nebenrolle. Wenn Du für ihn gut funktionierst ist es schön, dann hat er jemanden der seinen Mist erledigt, Dinge tut, die er wegen seiner Sauferei nicht mehr kann, sehr praktisch. Wenn Du aber nicht mehr funktionierst, ihn nervst sozusagen, dann halleluja. In Deinem Fall ist leider ja sogar große Aggression mit im Spiel. Deshalb musst räumlich unbedingt weg.

    Zitat

    Ich muss ihm auch noch klarmachen, dass ich nicht mehr mit ihm leben kann und möchte.


    Wie macht man das? Diese Frage wäre z. B. eine, die Dir in einer SHG sicher gut beantwortet werden könnte. Bzw. sie könnten Dir dort bereichten wie sie es gemacht haben. Ich, als Unbeteiligter, hätte jetzt spontan gesagt, Du schaffst einfach Fakten. Er kommt heim, Du bist ausgezogen. Ich meine, Du hast es ihm bereits gesagt. Wenn es bei ihm nicht ankommt, sein Problem. Wenn er die Wohnung ohne Dich vorfindet, wird er schon kapieren das Du weg bist. Wenn er Dich dann anruft oder anschreibt, dann kannst Du ihm ja nochmal sagen, dass Du es angekündigt hast und jetzt endlich auch wahr gemacht hast. Aber wie gesagt, ich habe da keine Erfahrung. Besuche doch mal die SHG, sie wird Dich bestimmt gut auf Deinem weiteren Weg begleiten.

    Und mach es wie Dietmar geschrieben hat: Step by Step - erst mal ausziehen, erst mal weg aus der gemeinsamen Wohnung. Und dann eins ums andere angehen und lösen. Letztlich habe ich das bei meinem Ausstieg aus der Sucht genau so gemacht. Ich hatte einen für mich Riesenberg an scheinbar unlösberen Problemen - an Altlasten, an Schuld usw. Ich war damals bei einem Mönch, der mir sehr sehr viel geholfen hat. Und der sagte auch genau das: Schritt für Schritt - erst das wichtigste, das war bei mir: trocken bleiben / das ist bei Dir: Trennung und ausziehen. Dann die anderen Baustellen angehen - finanzielle Geschichten lösen, Menschen informieren, Scheidung etc. Individuell ist das, es werden bei Dir andere Dinge sein wie bei mir damals. Aber alles lässt sich lösen, darauf darft Du fest vertrauen. Wenn Du erst mal DEIN Leben zurück hast. Und auch das war bei mir nicht anders: Alle meine Probleme ließen sich lösen, als ich mein Leben zurück hatte. Vorher kamen nur immer neue dazu.

    Also, ich Drück die Daumen und hoffe, dass Du hier bald positives über Deine nächsten Schritte berichten kannst.

    LG
    gerchla