Beiträge von Gerchla

    Hallo Moondancer,

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    Ich glaube nicht, dass ich was großes verliere wenn ich weiter trinke, außer Gehirnzellen und Lebensqualität. Ich habe Alles soweit gut im Griff und bis auf die zu vielen Biere verläuft alles positiv.

    Diese Aussage, die Du da getroffen hast, die hätte ich sicher 10 Jahre lang auch so treffen können. Das war die längste Phase meiner Alkoholkarriere. Diese Phase, wo eigentlich alles ganz ok ist, man halt leider etwas zu viel trinkt, manchmal auch etwas viel zu viel, jedoch immer wieder die Kurve bekommt. Das Umfeld leidet noch nicht so stark, man hat noch alles ganz gut im Griff, Job passt auch. Ja, ok, die ein oder andere "Trägheit" ist schon vorhanden, besonders wenn man es doch mal leicht übertrieben hat. Körperlich hat man noch keine Symptome, es tut nix weh oder so. Psychisch ist nicht ganz so tolle, es belastet halt schon ein wenig, man macht sich so seine Gedanken, hat auch ein schlechtes Gewissen. Aber, alles in allem führt man doch ein ganz annehmbares Leben. Da gibt es andere, die haben gaaaanz andere Problem.

    Wie gesagt, so könnte ich sicher etwas 10 Jahre meiner Trinkerzeit beschreiben. Letzlich waren zu dieser Zeit auch die positiven Effekte des Trinkens noch sehr dominant. Dieses einfach mal wegbeamen, die Leichtigkeit die nach ein paar Bieren einsetzte. Dieses angenehme Gefühl, wenn das dann doch schon schlechte Gewissen, die doch schon vorhandenen Ängste nach ein paar Gläsern einfach verschwanden und sich ins Positive kehrten.

    Es mag sogar Menschen geben, die mit diesem Trinkverhalten alt werden, die dieses Verhalten noch viel länger beibehalten können als ich. Ich kenne Menschen in meinen Umfeld, die schon immer trinken, so lange ich denken kann. Die jetzt im Rentenalter sind und genauso weiter trinken. Und die, soweit ich das aus der Ferne einschätzen kann, nie richtig abgestürzt sind. Die immer die Kurve gekriegt haben und bei diesem Trinkmuster geblieben sind. Allerdings muss ich auch sagen, zumindest kann ich das für diejenigen sagen, die ich aufgrund verwandschaftlicher Beziehungen sehr gut kenne, ist keiner von diesen Menschen aus meiner Sicht jemals glücklich gewesen in seinem Leben. Aber, gut, Glück ist ein großes Wort....

    Bei mir ist es, wie Du wahrscheinlich schon vermutet hast, irgendwann gekippt. Irgendwann (ausgelöst durch private Probleme, die ohne Alkohol sicher gut lösbar gewesen wären) stieg die Menge erheblich an. Irgendwann begann ich richtig zu saufen, irgendwann wurde ich dann zu dem, was man sich unter einem richtigen Alkoholiker so vorstellt. Obwohl ich nicht obdachlos auf der Parkbank saß und soff. Ich hatte noch "alles", war aber trotzdem nur mit Alkohol beschäftigt. Dieses Abrutschen war die logische Konsequenz meines Trinkerlebens. Denn ich hatte ja so viele Jahre lang "gelernt" wie Alkohol wirkt, wie ich ihn einsetzen kann. Als ich dann glaubte es geht mir schlecht, war klar, dass mir mehr Alkohol helfen wird. Naja, und irgendwann hat man dann nichts mehr im Griff.

    So war das bei mir. Wenn Du also der Meinung bist, dass Dir ein weiteres Trinken nur ein paar Gehirnzellen und etwas Lebensqualität kostet, dann kannst Du ja abwägen, ob Dir die Vorteile des Trinkens wichtiger sind als die paar Gehirnzellen und das etwas Lebensqualität. Wenn dem so wäre, dann spricht ja nix dagegen, dass Du weiter trinkst. Andernfalls brauchst Du einen guten Plan, wie Du es schaffen kannst mit dem Trinken aufzuhören. Der große Leidensdruck, der berühmte persönliche Tiefpunt, der bei vielen Alkis dazu führt dass sie ihr Leben ändern, der scheint ja bei Dir nicht als Grund herhalten zu können.

    Ich wünsche Dir alles Gute und noch einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Laudris,

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    Selten eigentlich lese oder höre ich, wie positiv sich ein Leben verändert hat, seit dem jemand keinen Alkohol mehr trinkt.

    Ich empfinde das nicht so. Wenn ich mich mit trockenen Alkoholikern austausche, dann ist es i. d. R. eigentlich immer so, dass sie von ihrem neuen Leben schwärmen, es als Geschenk betrachten und nie mehr dort hin wollen wie sie einmal waren. Sehr selten habe ich von (langzeit) trockenen Alkoholikern gehört oder gelesen, dass es ihnen nicht gut geht und sie ihr abstinentes Leben in Frage stellen.

    Vielleicht hast Du diese Wahrnehmung, weil es doch eigentlich recht wenige von uns schaffen dauerhaft trocken zu bleiben. Und wenn man in Foren unterwegs ist, dann kommen dort natürlich (ist ja auch der Sinn) immer wieder neue Menschen an, die gerade ein akutes Problem haben. Diese berichten natürlich auch nichts Positives. Und viele dieser Menschen verschwinden dann auch einfach wieder, meist auch, weil sie es leider nicht schaffen trocken zu leben. So hat man danne eine "handvoll" trockener Alkoholiker, die versuchen mit ihren Erfahrungen den anderen, die etwas an ihrem Trinkverhalten ändern möchten, zu unterstützen. Und da geht es ja auch oft um sehr praktische oder auch pragmatische Dinge.

    Große Reden, wie toll es ist, dass z. B. ich jetzt schon viele Jahre ohne Alkohol lebe und wie positiv das für mich ist, sind nicht immer angebracht. Wenn jemand ganz unten ist, kann es nicht nur motivierend wirken, wenn man davon erzählt wie toll ein abstinentes Leben ist. Vor allem wenn derjenige aus seiner Sicht schon alles versucht hat und es nicht schafft.

    Ich erzähle trotzdem immer wieder wie sich mein Leben verändert hat, seit ich nicht mehr trinke. Und dass ich heute ein richtig glücklicher Mensch bin, was früher niemals der Fall war, zu keiner Zeit. Für manche, so denke ich, zeigt es dass das, was einem als fast unmöglich erscheint, eben doch möglich ist. Das andere es geschafft haben und das man es selbst deshalb auch schaffen kann.

    Ich finde es interessant, dass Du diese Wahrnehmnung so hast. Dabrüber habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Striga,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Kurze Vorstellung meinerseits: Alkoholiker, Ende 40, 3 Kinder, geschieden, jetzt wieder verheiratet. Ich lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol, vorher eine lange andauernde Alkoholikerkarriere.

    Zitat

    Ich wünsch mir auf keinen Fall Ratschläge wie „Geh in Therapie“.

    Getreu dem Motto: Ratschläge sind auch Schläge! Ich versuche eigentlich immer nur von mir und meinen Erfahrungen, manchmal auch von Erfahrungen die mir durch mein Umfeld zugtragen wurden, zu berichten. Insofern gibt's von mir nicht den Ratschlag "geh in Therapie", auch wenn das offensichtlich für manche der richtige Weg ist.

    Ich berichte kurz von mir: Ich habe KEINE klassische Therapie gemacht, nicht stationär und auch nicht ambulant. Ich würde aber nie behaupten, dass es deshalb jeder andere auch ohne schaffen kann / schaffen muss. Das war mein Weg und er hat bei mir funktioniert, nicht mehr und nicht weniger.

    Als ich ausstieg war ich völlig am Ende. Körperlich zeigten sich bereits mehrere Symptome, vor allem aber psychisch war ich ein Wrack. Ich will Dich jetzt nicht langweilen mit meiner detailierten Geschichte, mit meinen zahlreichen Versuchen mit dem Trinken aufzuhören, die allesamt kläglich scheiterten, genau wie die Versuche weniger bzw. kontrolliert zu trinken.

    Als bei mir der Tag X kam, der an dem ich mich "spontan" meiner Familie gegenüber als Alkoholiker outete und mein bisheriges Leben damit ein jähes Ende fand (danach war tatsächlich nichts mehr wie es vorher war, denn ich war heimlicher Trinker und "man" hätte das nie von mir vermutet) war ich zu allem bereit. Ich war wirklich zu allem bereit, auch zu einer Langzeittherapie. Es war mir völlig egal wie, ich wusste nur das ich weg von dem Zeug wollte und musste wenn ich irgendwie noch eine Chance auf ein lebenswertes Leben haben möchte.

    Also ich war bereit zu alles zu tun. Aber eine richtige Ahnung was ich alles tun kann / soll oder "muss" hatte ich nicht. Die Ereignisse überschlugen sich nach meinem Outing und eine meiner ersten Handlungen war, in eine eigene Wohnung zu ziehen, weg von meiner Frau und meinen Kindern. Ich konnte dort nicht mehr bleiben, zu erschüttert war das Verhältnis. Aber noch bevor ich das tat, trat ich meinen Weg in eine SHG an. Bereits am ersten Abend ohne Alk ging ich zur Selbsthilfegruppe - Warum? War irgendwie das einzige, was mir so spontan als Soforthilfe einfiel. Und wie gesagt, ich wollte einfach alles tun um weg zu kommen und da war mir die SHG gerade recht. Es war mir völlig wurscht was mich dort erwartete - ich war eh ein Wrack. Eine für mich zentral wichtige und richtige Entscheidung dort hin zu gehen, im Nachhinein betrachtet. Und das sage ich heute, wo ich schon lange keine SHG mehr besuche. War nämlich auf Dauer nicht das Richtige für mich bzw. ich ging dann andere Wege. Aber meine Besuche dort haben mich erst mal auf die Spur gebracht.

    So, dann gings wie folgt weiter: die Gespräche in der SHG halfen mir mich etwas zu sortieren. Mir wurde dort auch klar, dass ich das so ganz ohne Hilfe nicht schaffen werde. Also habe ich z. B erst mal einen Arzttermin vereinbart und auch einen Termin beim Psychologen, welcher leider recht lange Wartezeiten hatte. Die Wartezeit überbrückte ich mir mit nachdenken über mich und mein Leben und meine weiteren Schritte, aus meiner damaligen Sicht heraus. Eine Sicht, die doch noch sehr stark geprägt war von den elementaren Einschlägen die einige Tage bzw. Wochen vorher stattgefunden hatten. Und ganz nebenbei war ich ja auch noch damit beschäftigt nicht rückfällig zu werden..... Gründe zum Saufen hätte ich ja jetzt genug gehabt, die Trennung von meinen Kindern hat mich fast umgebracht. Aber ich war doch ganz klar im Hirn, denn ich wollte nicht mehr trinken, nie mehr. Aber ich wollte meine Schuldgefühle in den Griff bekommen, die enormen Schuldgefühle gegenüber meiner jetzt Ex-Frau und gegenüber meiner Kinder natürlich auch. Die Schuld hat mir fast die Luft zum Atmen geraubt. Ich wusste, dass ich das nicht mit mir allein ausmachen kann. Da brauchte ich Hilfe.

    Also war da auch noch mein bester alter Freund. Der auch fast bewustlos vom Stuhl fiel als ich mich outete und von meinen Schreckenstaten berichtete, der aber zu mir stand und mir auf seine Weise sehr half. Und dann erinnerte ich mich noch an einen Mönch, den ich (nichtgläubiger) Mensch einmal getroffen hatte und der mich sehr beeindruckt hatte. Den machte ich auch noch ausfindig und er war bereit sich mit mir auseinder zu setzen. Viele "Sitzungen" hatten er und ich über die Monate / Jahre. Dieser Mensch half mir mehr als irgendjemand sonst.

    Achja, dann waren da ja auch noch die Psychologentermine. Nun, auch die hatten für mich ihre Berechtigung, im Nachhinein betrachtet. Der ging ganz anders mit mir um, damals hätte ich ihn ...... naja, meine Denke war damals aber auch noch ziemlich nass. Bis sich meine Denkweise von alkoholgeprägt auf "normal" umgestellt hat, das hat sicher viele Monate gedauert. Und es war ein langsamer, langwieriger Prozess. Jedenfall glaube ich, dass mir dieser "Mix" an Maßnahmen sehr geholfen hat auf den Weg in eine dauerhafte Abstinenz. Ich bin heute ein sehr glücklicher Mensch. Wenn mir das damals jemand gesagt hätte, da hätte ich bestenfalls müde gelächelt.

    So, das war jetzt nur mal ein kleiner Auszug aus meiner Geschichte. Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Carlos,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon einigige Jahre ohne.

    Mich würde noch interessieren ob Du vor diesen 2 Jahren bereits getrunken hast. Oder genauer, wie Dein Trinkverhalten da war. Warst Du da schon "gut unterwegs" und es hat sich dann "nur" noch gesteigert oder bist Du quasi von null auf hundert?

    Und wie schätzt Du Deine Situation selbst ein? Das Du ein Problem hast, darüber bist Du Dir ja im Klaren, sonst hättest Du Dich ja hier nicht angemeldet. Aber siehst Du Dich selbst als Alkoholiker? Hast Du schon mal versucht komplett zu verzichten?

    Ich stelle diese Fragen nur, um mir ein klareres Bild machen zu können. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und freue mich von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Hallo hotelgast,

    Deine Meinung kann ich nachvollziehen. Ich bin trotzdem froh dass ich mich nicht mehr über joe aufregen muss. Hätten wir hier mehrere solche Teilnehmer würde ich mich abmelden. Ich bin hier um, wenn es möglich ist, Betroffenen irgendwas von meinen Erfahrungen weiter zu geben. Das mache ich in meiner Freizeit und dafür wende ich sehr viel Zeit auf. Freiwillig. Da würde ich mir solche Diskussionen, die in meinen Augen auch zu nichts führen obwohl sie wegen der Meinungsfreiheit trotzdem stattfinden, zu sehr auf die Nerven gehen. Ich würde mir wohl ein anderes Forum suchen. Ein respektvoller Umgang ist mir wichtig - ich finde unsere Gesellschaft verroht gerade in diesem Bereich immer mehr. Meinungsfreiheit hin - Meinungsfreiheit her. Zu mir hat man immer gesagt: Der Ton macht die Musik. Man kann inhaltlich von mir aus völligen Quatsch erzählen, ich kann das jederzeit hinnehmen - so lange der Ton stimmt. Der hat nun leider bei joe überhaupt nicht gestimmt. Und er hat mich angegriffen obwohl ich ihm zu keiner Zeit einen Anlass dazu gegeben habe. Ich möchte in keinem Forum sein, in dem zwar völlige Meinungsfreiheit herrscht das aber dann auf Kosten des Niveaus geht und jeder rumpöpeln und beleidigen kann wie es ihm einfällt. Nee, davon gibt es in den Sozialen Netzwerken schon genug.

    LG
    gerchla

    Hallo Vanillasky,

    erst mal freue ich mich, dass Du noch hier bist. Ich dachte schon, Du würdest wieder andere Wege gehen. Erlebt man hier häufiger und man weiß natürlich nicht was die Ursache ist, aber naja, oft verlieren die Menschen dann halt den Kampf gegen den Alkohol und verschwinden wieder aus dem Forum. Du bist noch da und Du setzt Dich weiter mit Deiner Sucht außeinander. Dazu kann ich Dir erst mal nur gratulieren.

    Leider scheinen mir Deine Rahmenbedingungen nicht sehr schön zu sein.

    Welche Liebe Deines Mannes ist wohl größer - die zu Dir oder die zum Wein?
    Eine solche Reaktion, wie Du sie beschreibst, ist nicht nur misslich, sondern kenne ich eigentlich (fast) nur von nassen Alkoholikern - "DU hast ein Problem - ich NICHT!".

    Greenfox hat hier so ziemlich genau das geschrieben was ich mir gedacht habe... Das ist wirklich nicht schön, wie Dein Mann da reagiert und man darf sich schon die Frage stellen weshalb er so reagiert. Ich vermute, dass die Schlussfolgerung von Greenfox zutreffend ist. Falls sie nicht zutreffend wäre, er also selbst kein Problem hat, was bist Du ihm dann eigentlich wert?

    Ich weiß, dass Dir das jetzt erst mal gar nichts hilft. Wir reden schlau daher und Du hängst weiter in Deiner Zwickmühle. Die Alkoholsucht mit der Tabaksucht zu vergleichen ist für mich wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Nur weil jemand mit dem Rauchen aufhören konnte heißt das noch lange nicht, dass ein anderer dann auch mit dem Trinken aufhören können muss. Die Veränderungen, die eine Alkoholsucht mit sich bringt sind viel intensiver als die der Tabaksucht. Ich meine damit die psychische Veränderung, die Veränderung des Wesens, die durch eine Alkoholsucht ausgelöst werden. Wer mit dem Trinken aufhören will, muss ganz andere Hürden überwinden als jemand der starker Raucher ist.

    Ich habe neulich gelesen, dass über 50 % der Raucher irgendwann, ohne Inanspruchnahme von Hilfe, mit dem Rauchen aufhören. Und dann dauerhaft nicht mehr rauchen. Von so einer Quoto kann man bei Alkoholikern nur träumen. Noch dazu ohne fremde Hilfe. Also dieser Vergleich zeigt schon, dass es ihm wohl nicht bewusst ist wovon er spricht. Oder es ist ihm einfach egal...

    Es steht mir nicht zu Deine Partnerschaft zu beurteilen und es geht mich auch überhaupt nichts an. Du wirst aber daraus selbst Deine Rückschlüsse ziehen. Ich kann Dir nur raten Deine Such sehr ernst zu nehmen, denn wenn Du sie nicht überwindest, wird sie Dein weiteres Leben dominieren.

    Wenn ich die Reaktion Deines Mannes lese, dann stellt sich für mich Dein Freundeskreis als das kleinere Problem dar. Denn die Beziehung und das Verständnis Deines Mannes ist sicherlich sehr viel wichtiger als das Deines Freundeskreises.

    Ich möchte da jetzt nicht tiefer einsteigen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall Stärke und Konsequenz um Dein Vorhaben durchzusetzen. Leider gibt es hier keinen Mittelweg. Ein bisschen süchtig geht nicht und Du wirst Entscheidungen treffen müssen. Alles alles Gute von mir und bis bald.

    LG
    gerchla

    Lieber Dietmar,

    ich denke wir haben hier schon eine ganz gute Mischung. 44. Der eine ist diplomatischer unterwegs, der andere eher direkt. Ich glaube das passt schon und man muss sich ja auch nicht verbiegen. Manche Forumsteilnehmer verstehen die direkte Ansprache besser, andere wollens lieber schön verpackt erzählt bekommen. Ich glaube hier im Forum ist schon für jeden was dabei.

    Vielleicht würde es gut tun, wenn etwas mehr neue Teilnehmer über ihre Erfahrungen berichten, aber das kann man ja nicht erzwingen und das ist ja auch nicht jedermanns Sache. Und die Zeit dazu braucht man auch.... Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich einen neuen Denkanstoss erhalte. Aber was ich für ganz wichtig und absolut unverzichtbar halte ist einfach der RESPEKT vor'm jeweils anderen. Und um Respekt zu haben und zu zeigen muss man nicht gleicher Meinung sein! Dabei geht es einfach um ein achtsames Umgehen mit dem anderen, etwas, das man eigentlich durch die Kinderstube mitbekommen haben sollte.

    Und ich finde es wichtig, dass man hier im Forum darauf achtet, dass der Sinn dieses Forums auch eingehalten wird. Das schließt nicht aus, dass man hier auch mal hitzige Diskussionen führen kann, das man sich manchmal auch in gewisser Weise "zofft", aber unter der Gürtellinie geht gar nicht. Und man kann dem Forum bzw. dem Admin hier auch nicht vorwerfen, es würden die User nach gut dünken entfernt. Aber eine gewisse Verantwortung was den Ton hier betrifft hat er natürlich auch und diese Verantwortung hat er wahr genommen.

    Ich würde mir wünschen, manch andere Netzwerke, vor allem im Social Media Bereich, würden hier auch konsequenter durchgreifen.

    Ich hatte mich sehr sachlich und auch mit Humor in dem Thread von joe geäußert. Wie ich das immer mache versuche ich nur von mir und meinen Erfahrungen zu sprechen. Ich bemerkte sehr schnell, dass die ganze Diskussion unsachlich und überhaupt nicht mehr zielführend wurde und habe festgestellt (und auch mitgeteilt), dass ich nichts mehr zu sagen habe. Keine Provokationen, keine Spitzen, alles ganz normal.
    Wenig später hat joe sowohl greenfox und Dietmar wie auch mich als "Gestalt" in einem unschönen Zusammenhang bezeichnet. Das hat mir ehrlich gesagt nicht sehr gefallen und ich habe das durchaus als eine Beleidigung empfunden. Zumal ich ihn in keinster Weise angegriffen hatte. Da ich angkündigt hatte mich nicht mehr zu äußern und weil ich mir recht sicher war, dass joe zu einer Art Mensch gehört, mit dem man nicht sachlich diskutieren kann, habe darauf nicht mehr reagiert. Ich habe den Thread weiter verfolgt und konnte lesen, wie sachliche Argumente an joe abprallten und die Diskussion immer schärfer wurde. Ich bin auch beruflich sehr viel im Social Media Bereich unterwegs und fühlte mich stark an die dort oft vorhandenen Fake-Profile erinnert, deren Aufgabe es oft ist zu provozieren und zu stören.

    Ich denke nicht, dass man wieder auf eine sachliche Ebene zurück hätte finden können. Dass sich der Ton auch seitens des Admins und anderer User gegenüber joe verschärft hatte habe sehr wohl wahrgenommen, jedoch gibt es eben nicht nur Menschen wie mich, die sich zurück ziehen wenn sie keinen Sinn mehr erkennen können sondern eben auch welche, die Kontra geben. Und das ist ehrlich gesagt auch gut so, denn man muss auch nicht alles tolerieren. Und ich bin sicher, joe wird auch ohne dieses Forum wunderbar zurecht kommen. Er wusste ja ganz genau wie die Welt da draußen funktioniert.

    LG
    gerchla

    Hallo Licht,

    ein etwas verspätetes herzliches Willkommen hier im Forum von mir. War die letzten Tag hier nicht aktiv weil mich eine kleine Magen/Darm Infektion geärgert hat.
    Ich bin Ende 40 und Alkoholiker. Und ich lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Ich habe Deine Vorstellung sehr interessiert gelesen. Und natürlich auch die Antworten von greenfox und Dietmar, die ich wie immer für sehr wertvoll halte.

    Zentrale Aussage ist für mich folgendes:


    An diesem Punkt kann ich nur mal wieder schreiben: Es reicht nicht, nur „den Stoff wegzulassen“, um dauerhaft und stabil abstinent bleiben zu können, wenn man suchtkrank ist.
    Man muss sich auch um Alternativhandlungen kümmern, die den Stoff und die daraus resultierende Gefühle ersetzen.
    Das ist natürlich bei Weitem anstrengender, als das zu tun, was überall und zu jeder Zeit verfügbar ist. Aber definitiv nachhaltiger und lohnender!

    Damit bringt es Dietmar genau auf den Punkt. Einfach nur nix mehr zu trinken funktioniert auf Dauer nicht. Du stehst ja noch ganz am Anfang - da ist es absolut legitim und auch ganz normal, dass man noch kämpfen muss. Da gibt es immer Situationen, wo man seine Trockenheit mit allen Tricks, mit allen Kniffen verteidigen muss. Da kann man auch noch an einem Punkt sein, wo man erst mal von Stunde zu Stunde denkt oder von Tag zu Tag. Das ist völlig in Ordnung, es ist nur wichtig, dass man den Kampf annimmt und gewinnt.

    Mittel- und Langfristig halte ich das allerdings für nicht möglich. Ich meine, man kann viele Schlachten gewinnen, sehr viele. Aber leider reicht es bei unserer Krankheit vollkommen aus, nur eine einzige zu verlieren... Und schon geht's wieder von vorne los. Im Moment trinkst Du seit 6 oder 7 Tagen nichts mehr. Das ist erst mal super und Du wirst, wenn es Dir ähnlich ergeht wie mir damals, bereits jetzt viele meist positive Veränderungen wahr nehmen.

    Nutze diese positiven Effekte für Deine Motivation. Beginne aber irgendwann auch Dir über eine langfristige Strategie Gedanken zu machen. Warum?

    Ich erzähle mal von mir:

    Ich hatte in meiner Trinkerkarriere mehrere längere Trinkpausen. Anfangs hatte ich diese tatsächlich als Pausen "angelegt", d. h. ich nahm mir vor, jetzt mal ein paar Wochen nichts mehr zu trinken. Ich hatte nicht das Ziel nie mehr zu trinken. Ich war auch zu diesem Zeitpunkt schon ein abhängiger Alkoholiker, auch wenn ich damals noch auf sehr niedrigem Niveau trank. Ich war mir dessen aber nicht bewusst. Also, Pause einlegen. War kein größeres Problem, auch wenn es schon ein wenig unangenehm war, weil ich "mein Bier" ja schon ziemlich vermisste. Irgendwann, nach ein paar Wochen (ich pausierte auch mal mehrere Monate) trank ich dann wieder. Ich hatte ja nicht da Ziel nie mehr zu trinken. Eigentlich hatte ich gar kein Ziel, mir war nur als würde ich ein wenig zu viel und zu regelmäßig trinken und da war dann so eine Angst ich könnte mal ein Problem bekommen. Und ja, da war dann noch meine Frau, die das auch meinte und des lieben Friedens Willen habe ich dann halt mal bewiesen, dass ich kein Problem habe.... Nun, heute weiß ich, dass das vollkommen falsch war. Damals, so glaube ich, konnte ich das noch gar nicht wissen. Ich hatte mich ja überhaupt nicht damit beschäftig, ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen mich intensiver mit Alkoholsucht etc. zu beschäftigen. Ich habe mir nur ganz oberflächliche Informationen geholt und immer wieder festegestellt, dass dieses oder jenes gar nicht auf mich zutrifft.

    Gut, also - irgendwann kam dann "Phase 2". Mein Konsum war schon deutlich erhöht und ich war schon umgestiegen auf heimliches Trinken. Ich konnte nicht mehr davon sprechen auf niedrigem Niveau zu trinken und ich musste mich schon anstrengen mir einzureden, dass ich nicht süchtig bin. In diese Zeit fielen ebenfalls mehrere Trinkpausen. Diese waren aber nie als Trinkpausen von mir "angelegt". Hier war es immer so, dass ich mir vorgenommen hatte nichts mehr zu trinken - also erst mal einfach nichts mehr zu trinken. Auf unbestimmte Zeit sozusagen und mit open End... Tja, diese open End.... War nicht so ganz endgültig, war nicht so ganz klar, was das eigentlich bedeutete. Aber ist jetzt mal egal. Diese Trinkpausen jedenfalls, sie fielen mir schon etwas schwerer, besonders am Anfang. Ich hatte noch keine körperlichen Entzugserscheinungen aber ein erheblich psychisches Verlangen. Trotzdem hielt ich noch wochenlang durch. Hatte aber keinen Plan, kein Ziel, keinen Auftrag. Ich trank halt einfach nichts... Spürte die positiven Nebeneffekte durchaus, machte mir aber weiter keine Gedanken außer vielleicht die, dass ich mir immer wieder dachte: Na siehste, Du hast kein Problem, Du kannst gar keins haben. Heute weiß ich, wenn man das denkt, hat man bereits ein Problem!

    In "Phase 3" waren dann nur noch ganz kurze Trinkpausen möglich, ein paar Tage dauerten die dann vielleicht. Ich versuchte da dann auch krampfhaft einfach nur weniger zu trinken. Auch das ging dann mal eine Zeit lang gut, aber immer nicht allzu lange. Da war ich dann schon richtig drin, im Suchtsumpf.

    "Phase 4" (ich teile hier willkürlich meine Trinkerkarriere in fiktive Phasen ein ;D ) ließ gar keine Pausen mehr zu. Und ehrlich gesagt sah ich darin auch keinen Sinn mehr. Ich wusste dass ich akuter Alkoholiker war, körperlich und vor allem psychisch völlig am Ende und welchen Sinn sollten denn dann da noch irgendwelche Pausen haben. Ich wollte überhaupt nicht mehr pausieren oder reduzieren. Ich wusste eigentlich gar nicht mehr was ich wollte und war nur noch fertig. Und konnte mein Dasein nur noch trinkend ertragen, immer die vage Hoffnung im Hinterkopf es könnte irgendwie mal ein Wunder passiern was mein Leben dann komplett ändern würde.

    Dann kam das Wunder. Frage mich nicht woher oder warum. Aber es kam der Tag X wo ich wusste ich will nie mehr trinken. Ich kam nachmittags von der Arbeit nach Hause und hatte zu diesen Zeitpunkt, ich glaube, "nur" 4 Bier intus - was relativ wenig war. Unmittelbar nachdem ich daheim angekommen war, wollte meine Frau einige Dinge mit mir klären. Ich hätte wieder mal mit sehr viel Aufwand und höchstem schauspielerischen Talent, kombiniert mit der Erfahrung eines großen Lügners glaubwürdige Geschichten erfinden müssen. Dann wäre ich sicher mal wieder heil aus dieser Nummer heraus gekommen, wie so oft vorher auch. Aber ich wollte nicht mehr. Ich konnte nicht mehr. Also outete ich mich als Alkoholiker. Ich war Heimlichtrinker, sie wusste davon nichts, wenngleich sie natürlich schon wusste, dass unsere Ehe im Eimer war und all ihre Mühe immer wieder im Sande verlief. Nur warum, das wusste sie tatäschlich nicht.

    Also ich outete mich. Damit brach meine bisher bekannte Welt zusammen. Komplett und für immer. Ich wusste das. 4 Bier waren auch nicht genug um diese Tatsache zu verdrängen. Ich wusste, wenn ich jetzt die Hosen runter lasse, dann wird nichts mehr so sein wie es mal war. Ich wollte es trotzdem und ich sollte Recht behalten. Und ich hatte nun ein Ziel: Nie mehr dort hin zu kommen wo ich gerade war - wieder ein Mensch zu werden und wieder die Kontrolle über mein eigenes Leben zu erlangen. Und ich wollte schon zu diesem Zeitpunkt NIE mehr trinken. Ich war aber nicht so überheblich zu glauben, dass mir dies einfach gelingen wird. Aber ich WOLLTE es auf jeden Fall.

    Also, da ich es ungedingt wollte war ich selbstverständlich bereit auch jede Hilfe anzunehmen. Schon am nächsten Abend saß ich in einer SHG. Ich machte Termine beim Psyschologen, beim Arzt, Beratung usw. Einiges ging recht schnell, bei anderen gabs erhebliche Wartezeiten (z. B. Psychologe). Aber egal, ich wollte nur etwas TUN!

    Und natürlich trank ich nicht mehr. Anfangs gar nicht so einfach, denn nebenher zerbrach meine Ehe, ich zog aus (alles innerhalb von ein paar Tagen /Wochen), hatte meine Kinder nicht mehr um mich usw, usf. Das wären "schöne" Gründe gewesen weiter zu saufen. Aber ich wollte nicht mehr. Ich hatte mein Ziel. Und so begann ich Hilfe anzunehmen und ich begann mir Gedanken um mein Leben zu machen. Wer bin ich eigentlich und wer möchte ich gerne sein? Wie konnte es passieren das ich da hingekommen bin wo ich aktuell war? Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens bzw. welchen Sinn will ich meinem Leben eigentlich geben usw. Das war ein monatelanger, eigentlich sogar ein bis heute andauernder Prozess.

    Gedanken z. B. darüber, ob ich alkoholfreies Bier trinken "darf" oder nicht habe ich mir gar nicht gemacht. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen irgendwas zu trinken wo der Name Bier drin vorkommt. Ich wollte mit dem ganzen Mistzeugs nichts mehr zu tun haben. Und ich war ja damit beschäftigt mein Leben komplett neu zu ordnen. Über solche Dinge habe ich mir tatächlich keine Gedanken gemacht. Das kam sehr viel später. Ich trinke auch heute kein alkoholfreies Bier, denn ich sehe den Sinn darin für mich nicht. Ich trank Bier immer wegen der Wirkung, nie wegen des Geschmacks.

    Ich bin aber kein Hardliner und ich kenne auch Alkoholiker, die viele Jahre trocken sind und alkoholfreies Bier trinken. Für mich ist das aber keine Frage, mit der man sich in den ersten Wochen oder Monaten seiner Trockenheit außeinander setzen muss. Da sind doch erst mal ein Haufen wichtigere Dinge zu tun, denke ich mir. Aber jeder wie er meint.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du Deinen Weg findest und alle Deine Ziele gut erreichen kannst.

    LG

    Guten Morgen tweety,

    Zitat

    Vermutlich brauche ich das auch nicht zu beschreiben?


    Ich denke das werden wahrscheinlich alle hier kennen. Außer sie gehören zu den Angehörigen. Aber als Alkoholiker kennt man diesen Zustand sehr gut. Man kann das, was für dieses Verhalten, für diesen Zustand, verantwortlich ist in einem Wort beschreiben. Das Wort heißt SUCHT.

    Gut, dass Du Dich jemanden geöffnet hast. Ich weiß wie schwer das ist. Einer der schwersten Schritte, ich glaube aber auch mit einer der wichtigsten. Ich habe heimlich getrunken, sehr viele Jahr lang. Nicht mal meine Frau wusste was los war. Mir ist es heute fast unverständlich, wie ich mein zu Ende hin doch sehr hohes Trinkniveau (welches ich auch ein paar Jahre lang hatte) noch geheim halten konnte. Aber vielleicht will man manche Dinge auch nicht sehen, vielleicht war das bei meiner Frau so. Jedenfalls versicherte sie mir, dass sie nicht auf die Idee gekommen wäre, dass ich Alkoholiker bin. Das ich krank bin hat sie aber sehr wohl bemerkt.

    Egal, was ich sagen will: Sie war die erste der gegenüber ich mich outete, dann kamen sofort meine Kinder dran. Erklär' mal Deinem 17-jährigen Sohn das Du Alkoholiker bist. Deinem Sohn, für den Du bisher nahe am Heldenstatus warst, der zu Dir aufgesehen hat und für den sein Papa (trotz Pubertät) ein Vorbild war und zu dem er immer ein wunderbares Verhältnis hatte. Dem erklärst du jetzt, dass Du Alkoholiker bist und dass Du ein paar Dinge getrieben hast, die nicht mehr gut zu machen sind.
    Und dann sind da noch die Eltern - die ihren Sohn nur als zielstrebigen und erfolgreichen Menschen kennen. Der immer alles erreicht hat was er wollte. Der eine tolle Familie hat und überhaupt einfach immer alles im Griff hat. Und dann sind da ja noch die Geschwister - die ebenfalls immer der Meinung waren, wenn jemand alles im Griff hat, dann ist das unser Bruder.

    Zu guter Letzt dann natürlich noch die Freunde, die engeren. Von denen sich zwar einige schon gewundert hatten, dass der Kontakt in den letzten Jahren etwas spärlich war, die aber natürlich überhaupt keine Ahnung hatten was los war.

    Es war bei mir also so, dass ich am Tag x - der Tag an dem ich beschloss nie mehr trinken zu wollen - erst mal meine Frau und meine Kinder einweihte. Was folgte war der Zusammenbruch meines bisherigen Lebens und erst mal das totale (Gefühls-)Chaos. Ich zog erst mal aus, machte meine wichtigen Termine (Psychologe, Arzt, etc), besuchte sofort eine SHG und versuchte irgendwie mein neues Leben ohne Alkohol zu organisieren. Es dauerte aber nicht lange, da musste und wollte ich eben auch anderen Bescheid geben was los war. Noch vor meinen Eltern waren meine Geschwister an der Reihe. Und dann ein paar Tage drauf auch meine Eltern. Das waren für mich emotionale Ausnahmewochen. Denn gleichzeitig war ich ja von meiner Familie, vor allem aber von meinen Kindern, getrennt. Es war plötzlich alles ganz anders. Ich hatte plötzlich ein Leben, das ich vorher noch nie so gelebt hatte. Und plötzlich auch unheimlich viel Zeit! Einmal, weil ich nicht mehr trank und dadurch die Abende plötzlich nicht mehr einfach so "vorbei" waren, im Suffdelirium zogen sie in Highspeed vorbei. Die Abende waren plötzlich richtig laaaaaang. Und dann hatte ich ja alle meine Verpflichtungen los - also meine kleine Tochter ins Bett bringen, dieses oder jenes noch erledigen usw. Was man halt so hat, wenn man Familie hat.

    Das einzige was mir geblieben war aus meinem vorherigen Leben war mein Arbeitsplatz. Dieser war eine Konstante, die mir sehr gut tat. Und zwar deshalb, weil ich dort immer schon viel Spaß hatte, es mir dort immer sehr gut ging. Das blieb mir.

    Du siehst, wenn Du es wirklich ernst meinst mit dem Ausstieg aus Deiner Alkoholsucht, dann wirst Du schon erst mal einiges abarbeiten müssen. Und das wird sicher nicht lustig, mal salopp formuliert. Was da genau auf Dich zu kommt hängt auch davon ab, wo Du heute stehst. Ich hatte ein jahrelanges komplettes Doppelleben aufzuarbeiten. Das was ich heimlich alles getrieben hatte war gravierend. Entsprechend waren meine Lebensbeichten anschließend auch in den Auswirkungen gravierend.

    Vielleicht hast Du nicht so viele Leichen im Keller wie ich sie hatte, vielleicht musst Du nicht so viele Lügengespinste auflösen wie ich es musste. Schön für Dich, das sollte Dich zusätzlich motivieren, wenn es so ist. Fakt ist, und das ist meine Meinung, wenn Du nicht reinen Tisch machst und wenn Du nicht die wichtigen oder ich sage mal, die richtigen, Menschen einweihst, dann wird es schwer bis kaum möglich aus der Sucht auszusteigen. Du wirst auch Dein komplettes Leben und Verhalten hinterfragen müssen, denn nur nichts mehr trinken wird auf Dauer nicht funktionieren.

    Ich habe übrigens selbstverständlich (mehrfach) versucht heimlich mit dem Trinken aufzuhören. Was liegt für einen heimlichen Trinker näher als heimlich aufzuhören. Das wäre eine Winwin-Situation. Keiner hat gemerkt das ich ein Problem habe, keiner merkt das ich keins mehr habe - das Leben ist wieder schön, machen wir einfach weiter.

    Scheiterte natürlich immer krachend.

    Mach Nägel mit Köpfen. Du kannst gerne großen Respekt vor dem haben was da dann auf Dich zu kommt. Angst solltest Du keine haben, auch wenn das wahrscheinlich nicht funktioniert. Du solltest aber vielmehr Angst davor haben was passiert, wenn Du den Absprung nicht schaffst. Dann ist Deine Zukunft nämlich recht klar vorgezeichnet. Wenn Du weg kommst von dem Zeug, dann nimmst Du selbst wieder die Zügel in die Hand. Bei allen Änderungen, bei allem Problemen die erst mal auftauchen. Du hast dann aber wieder in der Hand wie Dein Leben verläuft. Wenn Du weiter trinkst, hält der Alkohol die Zügel in der Hand. Er bestimmt dann die Richtung. Und diese führt immer bergab!

    Alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Fabio,

    schön, dass Du Dir in Deinem Alter schon Gedanken über Deinen Alkoholkonsum machst. Schade aber, dass Du das tun musst.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Meine beiden Vorschreiber haben eigentlich schon alles gesagt. Ich kann dem nur voll zustimmen. Was den Einstieg in die Sucht betrifft, so unterscheide ich mich von den beiden. Die haben das ja ähnlich erlebt wie Du. Ich habe zwar ab und an an den Wochenende etwas mehr getrunken, war auch mal betrunken, das aber relativ selten. Ich habe viele Jahre lang "nur" mein Feierabend-Bier getrunken. Ganz traditionell bayrisch :o
    Und wirklich meist nur das eine Bier, vielleicht ab und an mal ein zweites. Also wenig aber sehr regelmäßig.... So kann man auch recht gut in die Sucht hinein rutschen.

    Was das zurück finden zu kontrolliertem Konsum betrifft: Ich habe das mehrfach versucht - ich habe das auch mal eine Zeit lang durchgehalten. Am Anfang meiner Sucht war es leichter, später wurde es immer schwerer und irgendwann war es nicht mehr möglich. Genauso verhielt es sich mit Trinkpausen. Anfangs konnte ich monatelang pausieren, später mal ein paar Wochen, dann Tage und am Ende war es ein Erfolg, wenn ich mal nur 6 Bier am Tag getrunken habe.

    Ich würde Dir wünschen, dass Du diese Alarmsignale, die Du ja scheinbar selbst wahrgenommen hast, wirklich ernst nimmst. In Deinem Alter schon sein Leben an den Alk zu verschleudern ist mehr als bedauernswert. Ich weiß schon wie schwer es ist, besonders wenn man noch jung ist. Der Freundeskreis, die geilen Partys, das Gemeinschaftsgefühl, einfach dazu gehören usw. Ja, auch ich habe durchaus positive Erinnerungen an Alkohol... Aber, wenn Du süchtig wirst, wird er Dein Leben vernichten. Nicht mehr und nicht weniger.

    Probiers doch einfach mal aus und trinke mal längere Zeit gar nichts. So wie Greenfox es vorschlägt, einfach mal einen Monat nichts trinken. Und schau mal, wie es Dir dabei geht und wie viel Zeit Du damit verbringst an Alkohol zu denken. Ich bin, wenn ich ehrlich bin, der Meinung, dass man bereits zumindest ein Problem mit Alkohohl hat, wenn man beginnt darüber nachzudenken, dass man eines haben könnte. Was aber im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass diejenigen die nicht darüber nachdenken keines haben können. Ob Du bereits süchtig bist oder "nur" missbrauch betreibst wird Dir so einfach niemand sagen können. Deshalb: versuch einfach mal längere Zeit keinen Alkohol zu trinken und schau wie es Dir damit geht. Besonders der von Dir beschriebene Kontrollverlust wenn Du trinkst sollte Dir schon zu denken geben. Kontrollverlust ist eines der Anzeichen für eine Sucht...

    Ich wünsche Dir alles Gute und eine hoffentlich nicht süchtige Zukunft!

    LG
    gerchla

    Hallo Tweety,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Einen ersten und wie ich finde wichtigen Schritt hast Du jetzt bereits getan. Du hast erkannt, dass Du ein Problem hast, Du akzeptierst das auch und redest es nicht schön und Du möchtest raus aus der Suchtspirale - das sind mal Grundvoraussetzugen um überhaupt loslegen zu können.

    Wie sieht es denn sonst so aus? Hast Du schon eine Idee, wie Du weiter vorgehen möchtest? Trinkst Du aktuell noch? Falls ja, wirst Du eine professionelle Entgiftung machen (wäre ratsam, kalter Entzug kann sehr gefährlich werden).? Ich denke die Tipps von Greenfox, die er Dir via Links gegeben hat, können Dich ein gutes Stück weiter bringen.

    Zitat

    Voll ist man Toll.


    Ja, so tickt unsere Gesellschaft. Ich bin auch auf dem Lande aufgewachsen, da war (bzw ist immer noch so) schon ordentlich stolz auf seine Räusche, auf die Mengen, die man "vertragen" konnte. Aber wehe dem es ist gekippt. Wenn man es dann nämlich mal nicht mehr im Griff hat und die liebe Gesellschaft bekommt das mit, dann ist mein ein Versager, dann ist man ein Alki..... Dann ist man der, der dauernd besoffen ist. Dann ist Voll plötzlich nicht mehr toll....

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum. Überlege Dir, welche Schritte Du als nächstes gehen willst und wenn Du Fragen hast, dann immer her damit.

    LG
    gerchla

    Liebe Tammy,

    mir fehlen die Worte. Das ist wirklich fürchterlich.

    Mein herzliches Beileid. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und ich wünsche Dir, dass Du das was Du durch diese fürchterliche Sucht mitmachen und erleben musstest für Dich bald verarbeiten kannst und wieder zurück zu einem normalen Leben findest. Das wünsche ich Dir von Herzen. Alles alles Gute!

    Hallo Tamara,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe jetztz schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Ich kann Dir die Alkoholsucht jetzt nur aus der Sicht eines Trinkers schildern. Angehörige die tranken oder noch trinken, zumindest in der Form wie Du es von Deiner Mutter beschreibst, habe ich nicht. Somit habe ich damit auch keine persönlichen Erfahrungen. Ich bin jetzt auch schon einige Zeit hier im Forum und hier habe ich natürlich schon häufiger Ähnliches gelesen wie das was Du heute geschrieben hast.

    Ich weiß nicht in wie weit Du Dich schon mit der Alkoholsucht beschäftigt hast. Tatsächlich ist es ziemlich genau so, wie Euch der Hausarzt gesagt hat. Ich weiß das sich das hart anhört und dass man das erst mal nicht glauben mag. Wie kann es sein, dass der Alkohol soviel Macht über einen Menschen gewinnen kann. Und genau das ist eben die Sucht. Es ist tatsächlich so, dass niemand Eure Mutter vom Trinken abhalten kann. Egal was Ihr tut, was Ihr sagt usw. - Wenn sie trinken will, wird sie weiter trinken. Und niemand kann es ihr verbieten. Alkohol ist eine Droge, und ich persönlch finde sogar, dass er eine der schlimmsten Drogen überhaupt ist, aber er ist der Schmierstoff unserer Gesellschaft und absolut legal. Also, man kann ihr das Trinken nicht verbieten.

    Vielleicht wirst Du jetzt sagen: Ich kann doch nicht zuschauen, wie sich meine Mutter immer weiter zu Grunde richtet! Man muss doch etwas tun können!

    Nun, nicht allzu viel, wenn ich ehrlich bin. Deine Mutter darauf ansprechen, das hast Du getan (Ergebnis siehe Deine Zeilen). Sie ins Krankenhaus einweisen etc - hattet Ihr auch schon. Ergbnis: siehe Deine Zeilen - selbst der fast Tod durch ihren Sturz im Suff konnte bei ihr nicht bewirken, dass sie etwas gegen ihr Sucht unternehmen will. Da kenne ich z. B. aus meinem Bekanntenkreis andere Fälle. Eine Person (ebenfalls weiblich uns einstmals schwere Alkoholikerin) ist im Suff die Treppe runter gestürzt. Sie hat sich dabei mit sehr viel Glück "nur" die Schulter gebrochen. Sie hat sich noch im Krankenhaus geschworen nie mehr zu trinken. Das ist nun viele Jahre her, zehn mindestens. Sie hat nie mehr getrunken....

    Warum hat das bei ihr funktioniert, wirst Du Dich vielleicht fragen. Oder vielleicht fragst Du auch: Warum hast du aufhören können und meine Mutter nicht?

    Darauf gibt es keine einfache Antwort aber eine allgemein gültige schon, nämlich: Weil ich von mir selbst aus aufhören wollte, weil ich mein Leben zurück haben wollte und weil ich so elend beieinander war, so völlig auf den Hund gekommen, dass ich so keinesfalls mehr weiterleben wollte. Der von mir besagten Frau ging es ähnlich - für sie war dieser Sturz das Schlüsselerlebnis, das ein Klick in ihrem Hirn ausgelöst hat.

    Bei mir gab es dieses Schlüsselerlebnis nicht! Bei mir war es so, dass ich über viele Jahre abhängig trank aber recht gut funktionierte. Arbeit, Familie, usw usf. Das ging ganz gut und ich trank zu 99 % heimlich. Niemand bekam es mit. Viele Jahre konnte ich mein Trinkniveau auf einem bestimmten Level halten, ich denke das waren so zwischen 4 und 6 Bier pro Tag. So war ich sehr sehr lange unterwegs, ohne dass ich Ausfälle gehabt hätte. Doch dann, irgendwann, lief mal nicht mehr so gut. Kamen paar Problemchen dazu, ich steigerte die Menge und damit ging es dann recht schnell richtig Berg ab. Das ging wieder über Jahre. Kaputt ging ich dabei vor allem psychisch. Körperlich am Schluss auch aber vor allem psychisch.

    Ich lebte in einer alkoholerzeugten Parallelwelt, einer Scheinwelt, losgelöst von meinem Umfeld, das aber auch jetzt immer noch nicht wusste was mit mir los ist. Da war mein Trinkniveau schon bei über 10 Bier + oft noch Wein angelangt. Ich musste das wirklich täglich trinken, ich hatte keine Alternative - meinte ich zumindest. Es war mir gar nicht mehr möglich, wesentlich weniger oder gar mal gar nichts zu trinken. Das ging nicht, ich war ja schwer süchtig. Mir erschien es auch recht sinnlos nicht mehr zu trinken. Während ich früher immer mal versucht hatte weniger oder eine Zeit lang gar nichts zu trinken, war nun eine Zeit angebrochen, wo ich gar nicht mehr über so etwas nachdachte. Meine Psyche war so kaputt, dass mir dieses Leben so sinnfrei erschien, dass es mir ja nur richtig gut geht, wenn ich mal eine Zeit lang abschalten kann = besoffen war. Nur so konnte ich mein Dasein, dass geprägt war von Schuldgefühlen, überhaupt ertragen. Natürlich wusste ich, dass das alles ein riesengroßer Mist ist. Ich log und betrog was das Zeug hielt. Ein ein Restgewissen war durchaus noch vorhanden. Und genau das war permanent schlecht und im nüchternen Zustand war das für mich nicht zu ertragen.

    Vielleicht weißt Du das alles schon. Ich wollte Dir das mal so schreiben, dass Du Dich etwas in einen Alkoholiker hinein versetzen kannst. Möglicherweise ist es bei Deiner Mutter ähnlich, von den Gefühlen her meine ich. Das wird sie natürlich nie zugeben bzw. wenn sie betrunken ist braucht man über sowas erst gar nicht zu reden. Nun tickt Deine Mutter im betrunken Zustand ganz anders als z. B. ich damals.

    Ich war immer friedlich, ich habe nicht mit gefroren Schnitzeln um mich geworfen. Ich habe mich zurück gezogen, irgendwo gewerkelt (oder so getan als ob) und dabei getrunken. Alleine wollte ich sein, meine Ruhe wollte ich haben. Deine Mutter wird aggressiv, Dein Vater leidet - so ist das bei dieser Krankheit. Sie verändert Menschen komplett und nicht alle in die gleiche Richtung. Jeden allerdings negativ.

    Du sprachst auch von den Gründen der Sucht, also weshalb Deine Mutter angefangen haben könnte. Das bringt Dir nichts, wenn Du Dich damit tiefer beschäftigst, denn es ist letztlich egal. Für sie selbst könnte das mal wichtig werden, sollte sie aufhören und aufarbeiten wollen. Dann wird es für sie evtl. wichtig sein zu wissen, warum es so weit kommen konnte. Aber jetzt nimm mal mich z. B.: ich hatte keine offensichtlichen Gründe mit dem Trinken zu beginnen. Bei mir gabs keine schlechte Kindheit oder Jugend oder überhaupt irgendwelche Schicksals- oder sonstige Schläge. Noch nicht mal finanzielle Probleme gab es. Ich fing trotzdem an..... Es ist egal, das Ergebniss ist immer das Gleiche.

    Eines wollte ich Dir noch schreiben. Ich war damals mit meiner 1. Frau verheiratet, wir hatten zwei Kinder (haben wir immernoch ;) Ich liebte und liebe meine Kinder wirklich über alles. Und trotz Suff und co. waren mir meine Kinder immer das wichtigste. Nicht mal für sie habe ich es geschafft mit dem Trinken aufzuhören, nicht mal für sie.... Sie wären Grund genug gewesen, dass darfst Du mir glauben.

    Ich konnte erst aufhören, als ich es selbst wollte. Und dabei dachte ich nicht an meine Kinder oder an irgend jemand anderen. Da dachte ich nur an mich selbst. Willst du leben oder nicht? Willst du so weiter leben? Ich kann und will nicht mehr - so könnte man das was damals bei mir passiert ist zusammen fassen.

    Was will ich Dir damit sagen? Leider kann ich Dir nur das sagen, was Dir eben auch schon der Hausarzt angedeutet hat. Du wirst Deine Mutter nicht trocken legen können. Du kannst ihr nicht helfen.

    Dir bleibt also nur, auf Dich und Dein eigenes Leben zu schauen. Und darauf zu achten, dass Du nicht vollends in die Co-Abhängigkeit rutscht. Du kannst dann für Deine Mutter da sein, wenn sie von sich aus beschließt etwas zu unternehmen, wenn sie z. B. in die Entgiftung geht und anschließend eine Therapie macht. Dann könntest Du eine sinnvolle Hilfe für sie sein. Ihr zur Seite stehen, sie unterstützen usw. Wenn sie weiter trinkt, kannst du gar nichts tun. Wenn Du Dich aber nicht von ihr und ihrem Suffleben abgrenzt, dann wird sich auch Dein Leben mit zerstören. Alkoholiker zerstören sich leider nicht nur selbst sondern fügen immer auch ihren Liebsten allerschlimmsten Schaden zu. Das solltest Du nicht zulassen. Du hast ein Recht auf Dein eigenes, glückliches Leben. Dein Leben liegt in Deiner Verantwortung, das Leben Deiner Mutter liegt in ihrer Verantwortung.

    Vielleicht überlegst Du mal, ob Du Dir nicht Hilfe holen möchtest. Es gibt Beratungsangebote auch für Angehörige, nicht nur für Alkoholiker. Es gibt auch reale Selbsthilfegruppen für Angehörige. Das könnte Dich ein gutes Stück weiter bringen.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft und einen guten Austausch hier bei uns im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Mona Lisa,

    auch von mir noch ein leicht verspätetes herzliches Willkommen bei uns im Forum.

    Schön das Du zu uns gefunden hast und etwas gegen Deine Sucht unternehmen möchtest.

    Ich kann Dir jetzt gar nicht viel schreiben, weil ich weiß ja nicht allzuviel über Dich bzw. über Deine Suchtgeschichte. Du scheinst ein "Bier"-Problem zu haben. Ok, Greenfox hat es ja schon auf den Punkt gebracht:Du hast halt einfach ein Alkoholproblem und es äußert sich bei Dir im Trinken von Bier. War bei mir auch so, zum Ende hin kam dann noch Wein dazu. Das hatte bei mir eigentlich mehr logistische Gründe. Ich war heimlicher Trinker und ich musste ja dann immer die ganzen Flaschen entsorgen, also auch heimlich und das dann auch noch täglich. Also, das waren dann zum Ende hin immer so 10 - 12 Flaschen Bier (ich war schon lange auf Plastikflaschen umgestiege, weil die leichter waren und nicht so geklirrt haben). Und als eben auch das oft mal nicht mehr reichte stieg ich auf Wein um, da war dann statt 4 Flaschen Bier eben "nur" eine Flasche Wein zu entsorgen. Und wenn ich noch etwas länger getrunken hätte, dann wären als nächstes sicher die richtig harten Sachen dran gewesen.

    Also wie das halt so läuft bei einer klassischen Suchtkarriere. Gott sei Dank konnte ich vorher aussteigen und Gott sei Dank hatte ich nie einen Hang zu Schnaps und co. Sonst wäre ich sicher schon früher umgestiegen. Nun ist zwar Alkohol gleich Alkohol und es ist letzlich egal ob als Bier, Wein oder Schnaps, aber ich denke bei den harten Sachen wäre ich leichter und schneller zu noch höheren Dosen reinen Alkohols gekommen. Es ist vorbei - für nichts in meinem Leben bin ich dankbarer.

    Was Dich betrifft kann ich anhand Deiner bis jetzt wenigen Aussagen nur sagen: Nichts verdrängen, es wird Dir auf Dauer nämlich nichts bringen und Dir im Gegenteil irgendwann gewaltig auf die Füße fallen - sei also wenigsten Dir selbst gegenüber offen und ehrlich. Damit machst Du schon einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung.

    Und dann möchte ich Dich noch dazu ermuntern, hier doch etwas mehr von Dir Preis zu geben. Also wo stehtst Du aktuell eigentlich? Warum denkst Du, dass Du ein Problem hast? Was fällt Dir schwer, was fällt Dir leicht? Usw. Außerdem kannst Du jede Frage stellen die Dir durch den Kopf geht. Alles natürlich nur wenn Du willst. Aber nur dann können wir Deine Situation etwas besser einschätzen und Dir vielleicht auch den ein oder anderen sinnvollen Hinweis geben.

    Schämen brauchst Du Dich jedenfalls nicht! Im Gegenteil, Du bist ja gerade dabei etwas gegen Dein Problem zu unternehmen. Damit gehörst Du schon zu den eher wenigen aus unserer "Branche". Und glaube mir, ein Leben ohne Alkohol ist aller Mühen wert. Es ist einfach wunderbar wenn man diesen fiesen Begleiter aus seinem Leben verbannt hat.

    Also, lass mal von Dir hören und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    @ Birgit
    Ich bin zwar nicht der Angesprochene aber ich habe sehr viel mitgenommen aus Deinem Beitrag. Ich möchte Dir hier auch meinen Respekt für Deinen Weg ausprechen. Du warst Trinkerin und konntest dann 22 Jahre trocken leben. Das ganze unter den von Dir hier beschriebenen Voraussetzungen, ich denke da wären viele gescheitert. Nun lebst Du bereits wieder 4 Monate ohne Alkohol und ich wünsche Dir von Herzen, dass das für immer so bleiben wird.

    Eines wollte ich noch sagen, ohne aber klugsch...en zu wollen: Ich glaube es wäre gut und wichtig für Dich, Deinen Frieden mit Deiner Mutter und der ganzen Situation zu schließen, wenn das irgendwie möglich für Dich ist. Vielleicht hast Du das auch schon getan aber ich denke es belastet Dich doch sehr. Was ich sehr gut verstehe. Dennoch glaube ich, dass es gut ist, wenn man zu Lebzeiten den Frieden mit jemanden schließt. In meinem Fall ist das z. B. mein Vater, wenngleich das bei mir überhaupt nicht die Dimension hat wie in Deinem Fall. Aber da hat mich vieles sehr belastet (und einiges hat auch sicher meine Trinkerkarriere "gefördert") aber ich bin jetzt im Reinen. Das ist ein sehr guter Zustand für mich. Ich wollte Dir das jetzt einfach schnell schreiben. Alles Gute weiterhin!

    @ drossel

    Entschuldige, dass ich Deinen Thread für kurze Kommunikation mit Birgit "missbraucht" habe. Ich glaube, das was Birgit Dir hier geschildert hat trifft den Kern des ganzen sehr gut. Du wirst wohl wenig tun können, und ganz stark darauf achten müssen, dass Dein eigenes Leben nicht zu kurz kommt.

    Alles Gute und ein schönes Osterfest!

    LG
    gerchla

    Hallo drossel,

    Deine Frage nach der Trinkmenge und der Dauer meiner Sucht kann ich gerne beantworten. Ist aber nicht so aussagekräftig,weil Menschen diesbezüglich recht unterschiedlich sind. Es gibt Menschen die bei relativ niedrigem Konsum erhebliche körperliche Schäde davon tragen während andere ewig viel trinken und körperlich kaum Symptome auftreten. Das ist dann quasi so wie mit dem schweren Kettenraucher, der mit Mitte 90 irgendwann mal friedlich einschläft obwohl er statistisch gesehen schon 20 Jahre früher hätte sterben "müssen".

    Aber grundsätzlich gilt natürlich: Je höher und je länger der Kosum, desto gefährlicher wird das ganze auch für körperliche Erkrankungen. Geistig ist man ja bereits dann erkrankt wenn man süchtig ist.

    Aber zu mir:

    Ich denke mal, dass ich mindestens 15 Jahre abhängig getrunken habe. Es ist schwer zu sagen wann es genau gekippt ist. Vielleicht waren es ein paar Jahre mehr. Aber, ich erwähnte es bereits, ich trank die ersten Jahre recht geringe Mengen, dafür aber regelmäßig. Körperlich sollte das damals aber noch im vertretbaren Rahmen gewesen sein. Ich hatte eine Phase von vielleicht 8 Jahre, in der ich einen, ich nenne es mal mittleren, Konsum hatte. Das waren für mich damal so zwischen 4 und 8 Bier pro Tag. Konnten mal nur 2 sein, konnten auch mal 9 werden. Meist waren es zwischen 5 und 6 Bier. Also so um die 3 Liter Bier am Tag. Andere Sachen kamen damals kaum hinzu. Ausreißer nach ob gab es wenn, dann nur zu besonderen Anlässen. Eher selten. Ich trank diese Mengen täglich, wobei ich zu dieser Zeit immer noch mal in der Lage war sog. Trinkpausen einzulegen. Das waren dann letztlich die Versuche, meine Trinkerei irgendwie zu kontrollieren, zu reduzieren usw.

    So gelang es mir in dieser Zeit immer wieder mal ein paar Wochen oder Tage nichts zu trinken. Körperlich war ich zu dieser Zeit noch nicht abhängig, zumindest spürte ich keine Symptome.

    Dann begann meine Sucht zu kippen und die Mengen nahmen weiter zu. Die letzten paar Jahre war ich dann so bei 10 - 12 Bier pro Tag + meist noch eine Flasche Wein. Pausen waren nicht mehr möglich, ich trank sogar wenn ich krank war, z. B. Fieber hatte. Ich bemerkte dann auch eine körperliche Abhängigkeit, denn wenn ich das Zeug nicht wie gewohnt bekam, würde ich sehr unruhig. In meiner Endphase musste ich dann auch schon morgens vor der Arbeit mit dem trinken beginnen, sonst hätte ich den Tag gar nicht erst beginnen können. Diese Phase zog sich vielleicht 2 oder 3 Jahre hin. Es ist gar nicht so einfach das genau zu sagen. Die Übergänge waren fliesend und ab und an waren dann auch mal ein paar Wochen dabei, wo es wieder mit etwas weniger ging. Aber am Ende war auch weniger mindestens 8 Bier.

    In diesen letzten Jahre veränderte ich mich körperlich rapide. Während man die ganzen Jahre vorher quasi nichts bemerkt hat, ich sah sozusagen aus wie immer, spürte auch keinerlei körperliche Schmerzen etc. war rank und schlank (das war ich immer gewesen) und niemand hätte irgendwie Alkohol bei mir vermutet. Nun aber änderte sich das. Ich nahm fast wöchentlich zu, wurde dann, ich nenne es jetzt mal fettleibig, also richtig dick, bekam einen allgemein ziemlich aufgeschwemmten Körper. Hatte ständig geschwollene Lymphknoten, konnte zeitweise nicht mehr auf dem Bauch liegen (verursachte mir erhebliche Schmerzen) und hatte auch so eine nicht gerade funktionierende Magen- und Darmflora.

    Ich war träge,saft- und kraftlos. Und sah aus wie eine Wasserleiche: Aufgedunsen und einfach sehr krank. Dennoch hatte sich mein Umfeld so an mich gewohnt und an diese Veränderung, dass es darauf kaum reagierte. Nur wenige Menschen machten sich Sorgen um mich, wenn ich das jetzt mal so salopp ausdrücken darf.

    Mir fällt es heute manchmal sehr schwer, mir Fotos von mir von damals anzusehen. Und jetzt bin ich keiner, der sich auf Fotos nicht sehen kann, gibts ja auch. Aber da, ich sag mal über eine Zeitraum von ca. 2 -3 Jahre, da sah ich echt übel aus. Und wenn ich mir diese Fotos heute mit Freunden, Familie usw. ansehe, dann sagen diese natürlich auch, dass ich sehr krank ausgesehen habe. Wie gesagt, damals war man das wohl so gewohnt....

    Als ich aufhörte mit dem Trinken ging es quasi fast täglich Berg auf. Zumindest körperlich. Ich nahm im Rekordtempo ab, 20 kg waren ruck zu runter. Der Rest war dann auch kein Problem mehr. Ich hatte dabei noch ein sehr großes Glück, denn körperlich ist mir nichts geblieben. Alle meine Beschwerden gingen schnell zurück, alles normalisierte sich und meine Werte passten dann auch wieder. Ich lasse die auch heute ab und an checken und es ist alles im grünen Bereich. Ich mache heute sogar wieder Leistungssport, also natürlich im Hobbybereich -ich nehme im Jahr immer an einem Marathon teil und meist laufe ich auch noch einen Halbmarathon. In meiner Freizeit trainiere ich ganz entspannt genau auf diese Ziele hin, so dass ich körperlich recht fit bin. Geistig ist dieser Sport für mich ein Quell der Ruhe und der Inspiration.

    Das alles kann ich heute machen. Das hätte auch sehr gut ganz anders ausgehen können. Bei anderen kann das ganz anders enden bzw. ist es ganz anders ausgegangen. Ich habe mich mal mit einem Arzt darüber unterhalten und der meinte, dass hier auch sehr viel durch die Gene, wie er es nannte, beeinflusst wird. Deshalb gibt es wohl auch keine Formel die besagt, was passiert wenn man Menge x oder Menge y zu sich nimmt.

    Allerdings ist es grundsätzlich so, dass bei Frauen Schädigungen schon bei wesentlich niedrigeren Mengen eintreten können als bei Männern. Darum ist die Formel für unbedenklichen Konsum auch folgende: Frauen 12 gr. reinen Alkohol (= ein kleines Bier oder 1/8 Wein), Männer 24 gr. reinen Alkohol (= ein normales Bier oder 1/4 Wein), alles pro Tag gerechnet und pro Woche mindestens 2 konsumfreie Tage. Diese Menge kombiniert mit diesem Trinkverhalten gilt heute als unbedenklich.

    Was die Sorgen um die Gesundheit Deiner Mutter betrifft: Das verstehe ich gut. Sollte es wirklich schon in Richtung Verwahrlosung gehen, wäre ein Vorgehen wie es Dietmar beschrieben hat sicher sehr sinnvoll. Kann sie sich denn noch alleine versorgen? Kommt sie im Alltag klar?

    LG
    gerchla

    Hallo drossel,

    oh sorry, habe ich Dich einfach zur Tochter gemacht :sorry:

    Irgendwie war die Drossel für mich weiblich... Aber gut, an Deiner Situation ändert das natürlich wenig.

    Es scheint also so zu sein, dass Deine Mutter schon länger trinkt, es aber lange Zeit "im Griff" hatte bzw. einigermaßen verbergen konnte. Man kann also auf jeden Fall mal davon ausgehen das sie süchtig ist.

    Im Grunde genommen kann ich jetzt nur wiederholen was ich schon geschrieben habe: Wenn sie von sich aus nichts unternehmen will, wird es für Dich / Euch schwierig werden etwas zu bewegen. Ich denke auch, dass Ihr bis jetzt das getan habt, was möglich war. Ich nehme an, dass Ihr mit ihr gesprochen habt, bevor Ihr Euch dazu entschlossen habt den Kontakt abzubrechen.

    Wie verlief den dieses Gespräch? War überhaupt ein sinnvolles Gespräch möglich oder war sie zu diesem Zeitpunkt akut betrunken? Mit Betrunkenen kann man nicht vernüftig oder sagen wir mal zielführend reden. Aus meiner Sicht ist aber ein Gespräch über die Situation wichtig, auch um zumindest ein Gefühl dafür zu bekommen, ob der Betroffene z. B. daran denkt sich helfen zu lassen.

    Sofern so ein Gespräch überhaupt möglich ist und der/die Süchtige es zulässt. Oft verweigern die Suchtkranken so ein Gespräch oder werden sofort aggressiv usw. Ich weiß jetzt nicht wie das bei Euch gelaufen ist. Hast Du das Gefühl, dass sie bereit wäre etwas gegen ihre Sucht zu unternehmen? Oder wie stellt sie sich dazu?

    Das Ihr den Hund mitgenommen habt wird für sie jetzt wahrscheinlich ein weiterer Grund zum Trinken sein, wobei ich denke, dass sie auch anderweitig genügend Gründe finden würde. Aber wenn das Tier in Gefahr ist, könnt Ihr nicht anders handeln. Vielleicht wird ihr darüber auch bewusst, dass sie etwas unternehmen muss gegen ihre Sucht. Darauf setzen würde ich allerdings nicht...

    Falls Du noch kein vernüftiges Gespräch mit ihr führen konntest (also wo sie in nüchternem Zustand ist), dann würde ich das auf jeden Fall noch tun. Und ihr auch nochmal klar machen, was Du für Dich für Konsequenzen ziehen wirst, wenn sie weiter trinkt. Und wird es wohl ihre Entscheidung bleiben, ob sie in Zukunft weiter trinken wird. Sollte sie sich helfen lassen wollen, dann kannst Du natürlich eine wichtige, unterstützende Rolle einnehmen. Anderfalls allerdings wirst Du Dich wohl abgrenzen müssen.

    Alles Gute wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla