Beiträge von Gerchla

    Hallo Echo,

    ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Für mich wäre die zentrale Frage nicht, ob ich wieder zur Entgiftung müsste oder nicht. Für mich wäre die zentrale Frage was ich tun kann um dauerhaft ohne Alkohol zu leben. Über zwei Sätze von Dir musste ich nachdenken:

    1.

    Zitat

    Nur, dass ich mir nicht vorstellen konnte, NIE MEHR etwas zu trinken.


    und
    2.

    Zitat

    Aber ich WILL das werden

    Also, trocken werden ohne nie mehr was (Alkohol) zu trinken geht halt leider nicht. Und vom Gedanken, Du könntest ja irgendwann vielleicht mal wieder ein Gläschen xy, also nur eins, trinken kannst Du Dich auch verabschieden. Das führt nämlich in aller Regel wieder genau dorthin wo man vorher war. Seltenste Ausnahmen soll es geben, ich möchte das auch nicht anzweifeln, jedoch kenne ich selbst keine und ich kenne auch keinen der eine kennt. Jedoch viele, die Rückfällige kennen die versucht haben mal wieder ein Gläschen zu trinken.

    Bleibt also dieses NIE MEHR Gespenst - Und da kann Dir die Denke von xandi ganz gut helfen. Am Anfang nicht so weit, nicht so groß denken, wenn Dich dieses NIE MEHR so belastet. Dann halt "nur heute nicht". Und mal schauen was draus wird.

    Aber: Wie Greenfox schon schrieb wird einfach nur nix trinken nicht funktionieren. Du müsstest schon überlegen, was Du dafür tun willst um von der Sucht los zu kommen. Natürlich gibt es viele Wege raus, jeder von uns hat einen individuellen hinter sich. Aber eine Therapie ist von allen Wegen natürlich schon der, der am häufigsten funktioniert. Ob nun abulant oder in Langzeit. Da solltest Du Dich am besten in die Hände eines Arztes begeben und mit ihm zusammen das weitere Vorgehen besprechen.

    Es ist wirklich nicht einfach da raus zu kommen. Wenn Du es aber wirklich willst, aus Deinem tiefsten Inneren heraus, dann kannst Du es auch schaffen. Ich hatte viele Versuche die scheiterten - sie unterschieden sich von meinem letzten Versuch, der mich dann in ein bis jetzt anhaltendes neues Leben ohne Alkohol führte, dadurch, dass sie alle "halbherzig" waren. Auch wenn ich meinte: Jetzt höre ich wirklich auf - und auch wirklich dachte: ja jetzt wirklich - so musste ich doch scheitern. Denn ich hatte nie einen richtigen Plan wo ich eigentlich in wollte. Ich wollte halt nicht mehr trinken, endlich frei sein von dem Zeug und kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen. Aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was ich alles tun kann um das auch zu erreichen.

    Erst als ich bereit war ALLES für meine Trockenheit zu tun, egal ob LZT oder SHG oder Job kündigen oder was auch immer. Ich war zu allem bereit und habe dann auch wirklich sofort alle möglichen Maßnahmen getroffen. Da hat's dann funktioniert. Da habe ich mir dann auch keine Gedanken mehr über NIE MEHR gemacht, denn ich wollte das Mistzeug einfach NIE MEHR - weil ich nie mehr dahin kommen wollte wo ich gerade war.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Weißt Du, Deine Mama ist für sich selbst verantwortlich. Auch sie kann sich dafür entscheiden, Deinen Vater zu verlassen. Ich weiß, dass ich mich sehr leicht rede, weil ich nicht in Deiner Situation stecke. Das ist mir schon bewusst.

    Aber Du musst wirklich auf Dich schauen. Du hast doch nur dieses eine Leben. Und Du hast ein Recht es glücklich zu leben. Es gibt genug Sitationen im Leben, die man selbst nicht in der Hand hat, wo man nichts tun kann. Ein geliebter Mensch stirbt, man wird schwer krank usw. Du bist in eine Situation gekommen, die Du auch nicht selbst in der Hand hattest - Deiner Vater säuft... Aber, im Gegensatz zu den Dingen die ich eben genannt habe, kannst Du für Dich etwas tun.

    Nämlich Dein Leben in Deine Hand nehmen und es selbstbestimmt führen. Das ist das einzige was Dir bleibt und das ist sehr viel. Denn, ich wiederhole mich: Du kannst für Deinen Vater gar nichts tun und auch Deine Mama muss ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Das nicht die Aufgabe des Kindes, nicht dann, wenn dem Kind droht, dass es dabei zugrunde geht.

    Diese Sucht ist so schrecklich und bringt so viel Leid. Bitte achte auf Dich und lass nicht zu das sie Dich auch noch zerstört!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen macario,

    das ist eine sehr gute Frage. Ich will mal versuchen sie zu beantworten.

    Erst mal hatte ich während meiner langen Trinkerzeit natürlich mehrere, von mir auch ernst gemeinte, Versuche von dem Zeug weg zu kommen. Ernst gemeint, jedoch im Nachhinein betrachtet, ohne jegliche Chance das es funktionieren könnte. Es wurden Trinkpausen daraus, monatelange, wochenlange und tagelange. Die letzten Jahre meiner Sucht trank ich dann durch, ich konnte keine Pausen mehr einlegen und ich wollte das auch gar nicht mehr. Mir war nämlich alles egal geworden.

    Auch gab es während meiner Trinkerzeit ein paar, auch wieder ernst gemeinte, Versuche kontrolliert zu trinken. Auch das funktionierte (wie Du Dir sicher schon denken kannst) natürlich nicht bzw. nur eine relativ kurze Zeit.

    Auslöser für diese ernsthaften Versuche etwas an meinem Zustand zu ändern waren meist bestimmte Ereignisse, die mich, ich sage jetzt mal, schockiert haben. Z. B. erinnere ich mich, dass ich mich mal am nächsten Tag an gar nichts mehr erinnern konnte. Das war das erste mal gewesen, dass mir das passierte und ich war mir sicher: Jetzt ist schluss! War's dann für ein paar Wochen.
    Dann erinnere ich mich daran, dass mir meine Frau mit entsetzen beim Frühstück erzählte, dass ich sie nachts fürchterlich beleidigt hätte und beschimpft, sozusagen im Halbschlaf. Ich erinnerte mich an gar nichts, bis heute nicht. Das ergab wieder eine Trinkpause.
    Die längste meiner Trinkpausen machte ich, als meine Tocher auf die Welt kam. Wir hatten sie bei uns im Bett liegen und ich hatte panische Angst ich könnte mich im Suff mal auf sie legen ohne es zu merken. Das führte zu einer mehrmonatigen Trinkpause. Aber immer wieder fiel ich zurück und immer wieder trank ich danach mehr als vor der Pause.

    Wie gesagt, ich rutschte immer tiefer in die Sucht. Die letzten 2 bis 3 Jahre meiner Trinkerzeit waren dann nur noch grausam. Jetzt begann ich neben meinem psychischen Verfall auch körperlich zu verfallen. Typische Alkoholikersymptome traten auf, ich nahm stark zu, hatte Magen- und Darmprobleme usw. Dennoch waren diese körperlichen Symptome für mich kein Grund mit dem Trinken aufzuhören. Ich dachte häufiger: dann säufst Dich halt tot! Um dann im nächsten Moment wieder zu denken: irgendwas wird passieren und dann ist das alles vorbei und alles wird wieder gut.

    Du merkst vielleicht: Alles Schwachsinn. Nix passiert, wenn man es nicht selbst in die Hand nimmt. Aber gut, ich triftete mehr und mehr in eine Parallelwelt ab, eine Welt die ich mir mit meinem Alkoholkonsum geschaffen hatte. Ich führte ein Doppelleben, war viel dienstlich unterwegs wobei höchstens die Hälfte davon tatsächlich stimmte. Die andere Hälfte war ich auch unterwegs, saß aber statt auf einer spannenden Dienstreise irgendwo in Europa zu sein in einem kleinen Kellerzimmer im Bürogebäude meines Arbeitgebers und trank vor mich hin. Ein kleiner Raum übrigens, zu dem nur ich einen Schlüssel hatte, von dem niemand wusste, wem "der eigentlich gehört" und den ich mir "eingerichtet" hatte. Heute sage ich dazu: Es war ein 4 qm Loch - aber zum saufen hat's mir gereicht, sogar zum übernachten.

    Ich schreibe Dir das, damit Du einen kleinen Eindruck davon bekommst, wie so ein Alkoholikerleben aussehen kann. Wie mein Alkoholikerleben ausgesehen hat. Meine Familie wusste davon nichts. Da war ich der erfolgreiche Familienvater - viel unterwegs, viel Stress und deshalb wahrscheinlich auch immer so komisch drauf.

    Das ich log und betrog was das Zeug hielt brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

    Jetzt zu Deiner Frage:

    Ich kam eines Abends nach Hause, hatte "nur" vier Bier bis dato intus, was quasi nüchtern bedeutete und meine Frau konforntierte mich mal wieder mit einer meiner Lügen, die aufgeflogen war. Eine schlimme Sache war das, aber, ich hätte es sicher auch in diesem Fall wieder geschafft mich aus der Situation "herauszureden". Ich weiß noch, dass ich in meinem Kopf sofort Ideen hatte, wie ich aus dieser Nummer wieder heraus komme und meiner Frau via haarsträubender Lügengeschichte den Wind aus den Segeln hätte nehmen können.

    ABER, dieses mal machte es plötzlich "Klick" bei mir. Ich weiß nicht warum und wieso. Ich war einfach so am Ende, so fertig mit allem, dass ich spontan beschloss: Jetzt ist Schluss, und zwar für immer!

    Das spielte sich innerhalb weniger Sekunden in meinem Hirn ab, ich hatte das nicht geplant (ich wurde ja von meiner Frau überrascht, ich wusste nicht das ich mal wieder aufgeflogen war). Ich wusste auch, ich muss ihr jetzt sagen dass ich Alki bin und das alles stimmt was sie behauptet. Und dann muss ich ihr noch ganz viele andere Wahrheiten sagen und alle meine Lügen aufdecken. Und ich wusste, wenn ich das jetzt mache, dann wird mein Leben nie mehr so sein wie es einmal war. Alles wird anders sein, es wird keine Vertrauensbasis mehr geben zwischen meiner Frau und mir und meinen Kindern, alles wird zerstört sein. Aber ich sah es als einzige Möglichkeit den Ausstieg aus der Sucht zu schaffen - und das wollte ich ganz plötzlich, innerhalb weniger Sekunden, mit jeder Faser meines Seins (oh jetzt werde ich doch glatt noch poetisch ;D ). Aber so war es tatsächlich.

    Nun, ich packte aus. Die Welt meiner Familie brach zusammen, verwandelte sich in einen Trümmerhaufen. Meine auch, wobei ich ja sowieso keine richtige Welt mehr hatte in der ich lebte. Ich lebte ja in mehreren Parallelwelten gleichzeitig.

    Ja und dann ging bei mir das komplette Programm los. Gleich in die SHG, Beratung, Arzt, Psychologe usw. usf. - Alles dafür tun dauerhaft trocken zu werden. Natürlich zog ich aus, das Vertrauen war gebrochen, ein Neustart erst mal nicht möglich. Es waren schlimme Wochen und Monate, diese ersten Wochen und Monate meiner Trockenheit. Ich möchte sagen: Es war die Hölle für mich. Vor allem der Verlust meiner Kinder, die ich natürlich auch nicht mehr einfach so besuchen konnte. Nur unter Aufsicht durfte ich sie sehen und schon gar nicht mit ihnen irgendwo im Auto hin fahren. Weil meine Frau natürlich Angst hatte ich hätte getrunken - das kann ich auch gut nachvollziehen. Schließlich hatte ich sie ja so viele Jahre getäuscht.

    Aber ich blieb trocken. Komischweise war das tatsächlich mein geringstes Problem. Mein Problem lag eher darin, meine große Schuld aufzuarbeiten und zu lernen damit umzugehen. Mein Problem lag darin meine Sucht zu verstehen und aufzuarbeiten. Mein Problem lag darin wissen zu wollen, was ich von meinem Leben eigentlich erwarte, wer ich sein will, was ich sein will, wie ich leben will.

    Wie schon mal gesagt, dieser Prozess führte dazu, dass ich mich dann von meiner Frau getrennt habe, obwohl sie schon bereit gewesen wäre unserer Beziehung eine Chance zu geben. Ich aber nicht mehr.

    Nun, diese Zeit war schlimm, aber sie war für mich trotzdem sehr sehr wichtig. Denn wenn ich oberflächlich mit meiner Geschichte umgegangen wäre, hätte ich es nicht geschafft. Davon bin ich überzeugt.

    Heute übrigens bin ich wieder verheiratet, bin nochmal Papa geworden und es geht mir bestens. Das Verhältnis zu meiner Ex-Frau ist ebenfalls sehr gut, zu meinen Kindern wunderbar. Ich sehe sie regelmäßig und sie gehen bei uns ein und aus. Das konnte ich dadurch erreichen, dass ich wieder Herr meiner Sinne bin, wieder so handeln kann wie ich mir das wünsche und über die Jahre dadurch Vertrauen zurück gewinnen konnte.

    Ich wünsche Dir nur das allerbeste!

    LG
    gerchla

    Hallo macario,

    nun ja, meine Ex-Frau blieb ja bei mir. Aber ist vielleicht ein Sonderfall - da ich ja heimlich trank wusste sie nicht so genau was los war. Sie hätte aber reichlich Gründe gehabt mich zu verlassen, auch ohne das Wissen das ich ein Alki bin. Denn unsere Ehe war ja komplett im Eimer, sie war Jahre lang mit einem Menschen verheiratet der weit von dem entfernt war, den sie ursprünglich mal geheiratet hatte. Sie musste viel erleiden, meine Kinder dadurch natürlich auch.

    Rückblickend kann ich heute nur sagen (das aber mit fester Überzeugung): Sie hätte mich bereits Jahre vor meinem Outing verlassen sollen. Die Kinder packen und weg. Vielleicht wären mir dann sogar die Augen geöffnet worden, vielleicht.... Vielleicht auch nicht, aber das wäre dann nicht ihr Problem gewesen. In jedem Fall hätte sie viel früher wieder damit beginnen können, an ihrer Zukunft zu arbeiten. Denn mit mir hatte sie keine. Ich habe ihr sozusagen viele Jahre ihres Lebens gestohlen durch meine Sauferei.

    Tja, und was hatte sie dann letztlich davon, dass sie bei mir geblieben ist? Nix, denn nachdem ich trocken war habe ich mich von ihr getrennt. Übrigens kommt das gar nicht mal so selten vor, dass sich Paare trennen nachdem der Trinkende trocken wurde. Da ist man dann halt schon ein ganz anderer Mensch danach und es ist nicht selbstverständlich das dann alles gut wird.

    Sicherlich hat sie sich damals nicht getrennt, weil sie immer Hoffnung hatte, dass alles wieder gut wird. Dass sie irgendwann versteht was mit mir los ist. Aber dazu kam es nicht. Denn ich habe sie ja auch manipuliert. Wie Alkoholiker das halt so machen. Ich versprach ihr das blaue vom Himmer, säte immer wieder den Keim der Hoffnung um dann genauso weiter zu machen wie immer. Aber es brachte mir immer etwas "Luft" - und wenn es ihr in dieser Zeit etwas besser ging war mein Gewissen auch nicht ganz so schlecht. Für mich damals dann eine WinWin-Situation.

    Es ist schlimm zu sehen, was sich Partner von Alkoholikern alles antun lassen, wie sie sich belügen und hinhalten lassen, wie sie sich manipulieren lassen. Vor allem auch, weil man als trockener Alki diese Spielchen ja sofort durchschaut, denn man hat sie ja selbst meisterhaft gespielt....

    Alles Gute und überlege Dir nicht, wie Du es mit einem Alki aushalten kannst sondern wie Du möglichst schnell von ihm weg kommst.

    LG
    gerchla

    Hallo Peach,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Tja, was soll man Dir da jetzt schreiben?

    Erst mal würde ich sagen: Dein Vater war kein Alkoholiker, er ist einer - die Krankheit bleibt einem, auch wenn man sie zum Stillstand gebracht haben sollte. Aus dem wenigen was Du schreibst entnehme ich aber, dass Dein Vater nun wieder aktiv trinkt.

    Gehe ich jetzt Recht in der Annahme, dass Deine Mutter und Deine Geschwister das nicht wissen aber es vermuten, oder? Und Du bist nun unsicher, ob Du ihnen davon erzählen sollst, dass Du eine Vodkaflasche gefunden hast (= die Bestätigung das Dein Vater tatsächlich wieder trinkt) und dass er sich einen Joint gedreht hat. Ist das so?

    Warum hast Du Angst mit ihnen darüber zu sprechen? Und warum sprichst Du Deinen Vater nicht direkt darauf an? Vielleicht könnte auch Deine Mutter mit ihm sprechen?

    Darf ich fragen wie alt Dein Vater ist? Weißt Du aus welcher Motivation heraus er das Trinken und Rauchen einschränkte (er hat nicht komplett damit aufgehört, vermute ich mal, oder?). War die Motivation ausschließlich sein Infarkt (was wahrlich eine sehr starke Motivation sein kann) oder hat er grundsätzlich die Nase voll gehabt vom Trinken. Ich rede jetzt mal nur vom Trinken weil ich mich nur da auskenne. Ich bin selbst Alkoholiker, trinke seit mehreren Jahren nicht mehr, habe aber nie abhängig geraucht.

    Hat er in der Zeit wo er weniger trank auch mal Positives geäußert - also in Richtung dass es ihm viel besser geht seit er weniger trinkt?

    Fragen über Fragen. Hat aber nichts mit Neugier zu tun sondern ich würde nur Deine Situation besser einschätzen können.

    Grundsäztlich möchte ich Dir aber Folgendes sagen: Ich bin immer dafür, dass man den Trinkenden anspricht. Ihm also sagt, was man denkt, dass man sein Alkoholproblem sieht. Oft wird das ja in den Familien einfach ignoriert und man spricht nicht darüber. Alle wissen es, keiner sagt was. So ein Gespräch kann aber sehr belastend sein. Der Trinker reagiert in der Regel nicht einsichtig, manchmal kann es ihn aber auch wach rütteln. Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie das bei Deinem Vater aussehen würde. Ich finde es aber nur fair, wenn man mit dem Süchtigen klartext spricht. Und man selbst muss sich auch nicht irgendwann mal vorwerfen, dass man nichts gesagt hat.

    Du hast vollkommen Recht: Als erwachsener Mann kann er machen was er will! Er kann auch beschließen sich tot zu saufen. Das ist sein Entschluss und niemand kann ihm das verbieten. Letztlich bleibt Dir als Tochter/Sohn nur, Dich auf Dein eigenes Leben zu konzentrieren, denn dafür hast Du ja die Verantwortung. Dein Vater hat die Verantwortung für sein Leben - was er damit macht liegt in seiner Hand, zumindest so lange er noch klar im Kopf ist.

    Ziemlich viel "schlaues" Geschwafel von mir. Mir ist sehr bewusst, dass ich mich leicht rede - als jemand der weder Dich noch Deinen Vater kennt. Ich habe ja selbst viele viele Jahre lang stark getrunken, ich weiß wie die Sucht in meinem Hirn funktioniert hat. Wozu ich bereit war, und wozu nicht. Was mich erreichen konnte und was nicht. Nur deshalb schreibe ich Dir das so. Du wirst für Deinen Vater nicht viel tun können, wenn er nicht selbst bereit ist mit dem Trinken aufzuhören. Aber Du kannst ihm sagen, dass Du für ihn da sein wirst, wenn er aktiv etwas gegen seine Sucht unternimmt (natürlich nur, wenn Du das auch tatsächlich willst, denn verpflichtet bist Du dazu natürlich nicht).

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und dass Du eine gute Lösung für Dein Problem erhältst.

    LG
    gerchla

    Hallo Lonelyme,

    gut, dass Du etwas gegen Deine Sucht unternehmen willst. Es liest sich gut, was ich von Dir lese. Die Art wie Du schreibst deutet für mich darauf hin, dass ernsthaft etwas unternehmen willst. Das ist schon mal eine der Grundvoraussetzungen um es überhaupt schaffen zu können.

    Noch ganz kurz zu mir: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon seit längerer Zeit ohne Alkohol.

    Du stellst Dir ja die Frage, wie Du das jetzt richtig angehen kannst. Ich will Dir dazu sagen, dass unsere Krankheit sehr individuell und es auch sehr viele individuelle Weg heraus aus der Sucht gibt. Ich hatte sehr viele Versuche mit dem trinken aufzuhören. Sehr viel gescheiterte Versuche um genauer zu sein. Kurz zusammen gefasst, war der Grund dafür eigentlich immer, dass ich es nicht 100%ig wollte, dass ich noch nicht so weit war, bedingungslos alles dafür zu tun um von der Sucht weg zu kommen.

    Dieses "bereit sein alles dafür zu tun", ich glaube das war für mich der Schlüssel zum Gelingen. Ich hätte also wirklich alles dafür getan, ich hätte auch eine Langzeittherapie angetreten, wenn mein Arzt das als die einzig richtige Maßnahme gesehen hätte.

    Was ich aber tatsächlich gemacht habe, war dann etwas anderes. Ich ging bereits am ersten nüchternen Tag in eine reale SHG, die ersten Wochen fast täglich. Ich ging zum Arzt, ich ging zum Psychologen, ich ließ mich beraten. Ich outete mich gegenüber meiner Familie und meinen (echten) Freunden. Ich führte zahlreiche Gespräche. Mein Weg führte mich in ein Kloster zu einem Mönch, mit dem ich montelang regelmäßig Gespräche führte. Nich über Gott und Glauben, sondern über meine Sucht, die Schuld die ich auf mich geladen hatte (mein Umfeld hatte sehr viel auszuhalten) und darüber, wo ich in meinem Leben eigetlich hin möchte. Dieser Mensch hat mir z. B. am meisten geholfen, besonders bei der für mich enorm wichtigen Aufarbeitung meiner Suchtgeschichte. Und wie gesagt, da lagen keine religiösen Motive dahinter.

    Ich habe keine amulante- oder Langzeitthrapie gemacht. Wäre aber bereit gewesen das zu tun, wenn ich gemerkt hätte, dass ich nicht weiter komme. Ich bin also einen nicht unbedingt klassischen Weg aus der Sucht heraus gegangen, besonders die Geschichte mit dem Mönch ist sicher nicht "normal". Aber es war mein Weg und er hat sehr gut funktioniert. Und Du musst nun Deinen Weg finden.

    Grundsätzlich glaube ich, ist es nicht das schlechteste die klassischen Schritte einzuleiten. Also, mit dem Arzt sprechen, gemeinsam beraten was zu tun ist, eine professionelle Entgiftung machen, Suchtberatung in Anspruch nehmen, eine SHG besuchen (oder zumindest testen ob das etwas für einen ist) und ggf. auch eine Therapie machen, kann ja auch eine ambulante sein. Dieser Weg ist einer, der bei vielen schon sehr gut funktioniert hat. Er kann also nicht so schlecht sein, er ist aber sicher nicht für alle der einzig mögliche.

    Also, ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest. Wenn Du Fragen hast, immer raus damit.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen macario,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Zitat

    Nun meine erste Frage: Soll ich ihn ansprechen und wie?


    Wenn Dich sein Konsum stört, und davon gehe ich mal aus denn sonst wärst Du nicht hier, dann solltest Du ihn ansprechen. Eine kleine Frage meinerseits vorab: hat ihn aus Eurer Familie bisher noch niemand angesprochen? Also auch Deine Mutter nicht? So wie Du schreibst scheint Dein Vater sein Problem ja nicht erst seit gestern zu haben.
    Und wie ist Dein Vater denn dann "drauf", wenn er getrunken hat? Wird er aggressiv oder anderweitig unangenehm?

    Aber jetzt zu Deiner Frage zurück. Ich halte ein Ansprechen für sehr wichtig. Auch für Dich selbst, denn dann brauchst Du Dir selbst nicht irgendwann mal vorwerfen, dass Du ja nie was gesagt hast. Die Frage die Dich ja drückt: Wie? Also, auf jeden Fall sollte er nüchtern sein, wenn Du das Thema ansprichst. Wenn er getrunken hat bringt das nichts, mit einem betrunkenen Alkoholiker braucht man nicht diskutieren. Dann solltest Du versuchen sachlich und ruhig zu bleiben. Und ggf. auch bereit sein, das Gespräch abzubrechen oder zu beenden, wenn er aggressiv reagiert oder böse wird. Es wäre sicher auch nicht schlecht, wenn Du Dich etwas tiefer über diese Krankheit informierst (falls Du das nicht schon getan hast) und ihm ggf. auch Hilfsangebote nennen kannst. Das wäre sozusagen für den Superidealfall, wenn Dein Vater bereit wäre tatsächlich sich das anzuhören was Du zu sagen hast und sich und seine Sucht dabei sogar noch hinterfragen würde. Sei aber darauf eingestellt, dass er alles leugnet und dass er Dich einfach abtropfen lässt. Je nach Charakter Deines Vaters (siehe meine obigen Fragen), kann es auch sein, dass die Lage eskaliert. Du merkst, so ein Gespräch sollte gut vorbereitet sein - Aber es sollte auf jeden Fall geführt werden.

    Ich kann Dir aus eigener Erfahrung aber auch sagen, dass Du so ein Gespräch erst mal nur einmal führen solltest. Also nicht immer wieder, denn dann wird er wahrscheinlich dicht machen und sich einfach nur genervt fühlen. Und Du lieferst ihm dann wunderbare "Gründe" weiter zu saufen, denn nüchtern hält man das ja nicht aus :o

    Vielleicht solltest Du Dir vor diesem Gespräch auch Gedanken darüber machen, wie Du in Zukunft mit dieser Situation umgehen möchtest. Ich meine besonders auch für den eher wahrscheinlichen Fall, dass Dein Vater nicht mit dem Trinken aufhören wird. Denn es ist sicher nicht gesund für Dich und Deine Kinder in dieser Lebenssituation zu verharren. Wie gesagt, ich weiß nicht wie schlimm es bei Euch ist, aber meist ist es SEHR schlimm.

    Hast Du eigentlich mit Deiner Mutter schon mal darüber gesprochen? Du scheinst ja ihr zu liebe zu bleiben. Wie sieht sie das? Und was ist mit Deinen Kindern für die Du die Verantwortung trägst?

    Ich will das jetzt hier nicht in die Länge ziehen, aber eines möchte ich Dir noch schreiben:

    Du bist für DEIN Leben verantwortlich (und das Deiner Kinder falls diese minderjährig sind), Deine Mutter ist für IHR Leben verantwortlich und Dein Vater ist für SEIN Leben verantwortlich.

    Was Deinen Vater betrifft: Er entscheidet selbst, ob er trinken will oder nicht. Weder Du noch Deine Mutter können daran etwas ändern. Egal was ihr tut. Er wird nur aufhören mit dem Trinken, wenn er das will. Aus welchen Grund auch immer, ein Anstoß könnte z. B. sein, dass Du und Deine Mutter ihn verlassen. Muss aber nicht, kann ihn auch als weiterer Grund dienen nun weiter zu saufen. Deshalb kann hier nur jeder auf sich selbst achten und Entscheidungen für sich selbst treffen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles alles Gute bezüglich des Umgangs mit der Sucht Deines Vaters.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Laurids,

    ich denke auch, dass man das nicht so einfach definieren kann. Vielleicht aber wäre eine Art Faustformel folgendes:

    Trocken ist man dann, wenn man als Alkoholiker abstinent lebt und dabei keinen Wunsch mehr verspürt Alkohol trinken zu wollen, egal in welcher persönlichen Situation man sich gerade befindet.

    Wobei auch hier eine gewisse zeitliche Komponente wichtig ist, die die Anfangseuphorie gerade frisch abstinenter Alkoholiker berücksichtigt. Meine Erfahrung ist ja auch, dass man die ersten Tage / Wochen ohne Alkohol, die man mit dem festen Entschluss nie mehr zu trinken angetreten hat, geradezu euphorisch, begeistert und ohne große Gedanken an Alkohol meistert. Aber deswegen ist man ja noch lange nicht trocken - Insofern muss schon auch eine gewisse Zeit vergangen sein, bis sich jemand als trocken bezeichnen kann. Wobei die Zeitspanne wahrscheinlich individuell ist.

    Ich könnte jetzt, ehrlich gesagt, nicht sagen ab welchem Zeitpunkt ich tatsächlich trocken war. Es muss wohl der Moment gewesen sein, wo ich bemerkt habe, dass ich nicht mehr kämpfen muss. Der Moment, wo ich merkte, dass mein Denken und Handeln nicht mehr überwiegend von meinem Verstand gesteuert wird sondern wieder durch mein Selbstverständnis. Ich denke jetzt mal, ein Jahr ohne Alkohol wird da bei mir nicht aussreichen. Geht schon eher gegen zwei Jahre.

    Ein AA-Freund hat mir am Anfang, kurz nach meinem Ausstieg mal gesagt: "So lange Du gesoffen hast, so lange dauert es auch, bis Du wieder normal bist" - wäre auch eine Formel, wobei ich persönlich das für etwas zu simpel halte. Ich glaube das geht so nicht auf aber es war gut für mich das zu hören. Denn es zeigte mir, dass ich hier wohl keinen "Schnellschuss" in Sachen Suchtausstieg hingekommen werde.

    Aber gut, diese Gedanken zeigen mir jetzt auch wieder, dass auch "trocken sein" wie unsere gesamte Krankheit eine recht individulle Angelegenheit ist.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ira Jean,

    Zitat

    Ich merke, wie auch ich anfange, Freunde und Familie zu belügen weil ich weis, dass ich nur auf Unverständnis treffen würde. Aber auch meinen Freund belüge ich, um ihn nicht zusätzlich mit bestimmten Dingen zu belasten.

    Und siehst Du, beides was Du hier beschreibst ist Co-Abhängigkeit in Reinform. Du belügst Deine Familie, vielleicht auch Freunde, weil Du Angst vor deren Reaktionen hast (damit belügst Du Dich auch ein Stück weit selbst, weil Du weißt, dass sie Recht haben mit dem was sie Dir sagen würden) und Du belügst ihn um ihm möglichst "gerecht" zu werden und nur nichts zu provozieren, was seine Laune trüben könnte (dieses Spiel allerdings wirst Du IMMER verlieren, denn für seine Launen sucht er sich nach belieben seine eigenen Gründe). Da fehlt jetzt nur noch, dass Du für ihn lügst, z. B. in der Form, dass Du bei seinem Arbeitgeber anrufst und ihn mit einer Magen-Darm-Grippe krank meldest während er strunzbesoffen im Nebenzimmer sitzt. Und irgendwann kommt dann vielleicht noch hinzu, dass Du sogar Alk für ihn besorgst.

    Ich wiederhole mich, aber bitte lass' Dir unbedingt helfen. Wenn Du wieder leben willst musst Du da weg.

    LG
    gerchla

    Hallo Ira Jean,

    ich glaube Dir gern, dass Du schockiert bist was das Lügen ect. betrifft. Ich versichere Dir allerdings, dass ich heute, als trockener Alkoholier, nicht mehr Lüge (ich nehme jetzt mal die kleinen Notlügen bzw. "Höflichkeits"lügen die wohl jeder von uns mal macht aus). Es ist sogar so, dass es mit zu meinen wichtigsten Grundsätzen gehört, immer ehrlich und fair zu sein. Und zwar genau wegen meiner Vergangenheit als Trinker. Ich kann das, was ich angerichtet habe nicht mehr gut machen, ich kann und will aber jetzt ein verlässlicher und immer fairer Mensch sein. Tatsächlich war es bei mir so, dass ich nach meinem Ausstieg ganz enorm daran arbeiten musste nicht weiter zu lügen. Es dauert mit unter sehr lange, bis das nasse Denken, die nasse Verhaltensweise, die man ja jahre- oder jahrzehntelang angewandt hat, wieder normalisiert werden kann.

    Also was passierte? Problem taucht auf, lügen würde helfen es erst mal vermeintlich unkompliziert und ohne Gesichtsverlust zu lösen. Das hatte ich anfangs in solchen Situationen immer sofort im Kopf. Denn ich hatte ja jahrelang quasi nie die Wahrheit gesagt. Das war ja gar nicht möglich ohne das alles aufgeflogen wäre. Und so habe nachdem ich aufgehört hatte zu trinken immer ganz bewusst, sozusagen kopfgesteuert, die Wahrheit gesagt. Wenn ich wo eingeladen wurde, wo ich nicht hin wollte z. B., dann habe ich nichts erfunden um nicht hin zu müssen, sondern ich habe gesagt, dass nicht hin will, weil XY (die entsprechende Begründung). Dieses "ehrlich sein" war für mich enorm wichtig. Heute muss ich das nicht mehr kopfsteuern, es ist in mein normales Verhaltens- und Denkmuster integriert, wie es sein sollte.

    Das ist auch die Überleitung zu Deiner Frage bezüglich "wie weiß man eigentlich ob jemand trocken ist oder nur gerade nichts trinkt". Dazu ein Beispiel von mir: Ich habe in meiner Trinkerkarriere sehr viele Trinkpausen eingelegt. Oft wenn ich diese begann, war ich fest davon überzeugt, nie mehr trinken zu wollen oder aber zumindest erst mal längere Zeit nichts mehr trinken zu wollen. Einige dieser Pausen waren mehrere Wochen lang, eine sogar mehrere Monate. In dieser Zeit war ich NICHT trocken! Ich wusste das damals natürlich nicht. Ich war NICHT trocken, weil sich meine Gedanken trotz des Verzichts auf Alkohol (oder auch wegen des Verzichts ;) ) immer wieder um Alkohol drehten. Trinkpausen zu späteren Zeiten, als meine Sucht schon fortgeschritten war, waren nur sehr schwer realisierbar, aber sie waren noch möglich. Hier drehte sich dann fast mein gesamten Denken nur um Alkohol. Also, ich trank nichts, dachte aber ständig daran, dass ich ja jetzt nicht trinken "darf". Oder ich dachte mir: so schlimm kanns ja nicht sein, hast jetzt schon 3 Wochen nichts getrunken oder ich dachte sonstwas, was aber immer mit Alk zu tun hatte. Der Alk war trotz Verzicht immer präsent.

    Der Gedanke, dass es nun vorbei ist, dass ich nun für immer ohne Alkohol leben möchte und dass ich bereit bin alles dafür zu tun, den gab es eben nicht. Genau diese Bereitschaft ist aber notwendig um überhaupt trocken werden zu können. Und auch wenn man diese Bereitschaft hat, bedeutet es noch lange nicht, dass man es auch schafft. Dazu gehört dann nochmal ganz viel arbeit an sich selbst, ein außeinandersetzen mich sich selbst und mit seiner Sucht etc. Da könnte ich Dir jetzt ewig viel schreiben.

    Weißt Du, es gibt ja grundsätzlich unterschiedliche Arten von Alkoholikern. Die Spiegeltrinker z. B., die immer einen bestimmten Anteil an Alkohol im Blut haben müssen um funktionieren zu können. Sie müssen oft auch nachts aufstehen und etwas trinken. Oft sind es aber auch diejenigen, denen man diese Sucht dann auch erst mal kaum anmerkt. Der Spiegeltrinker hat zwar immer, sagen wir mal 1,2 Promille im Blut, verhält sich damit aber "ganz normal". Und es gibt aber eben auch Trinker, die tagelang oder auch wochenlang gar nichts trinken. Und dann irgendwann komplett abstürzen und mehre Tage durchsaufen bis nichts mehr geht. Diese Krankheit ist sehr vielfältig.

    Wie das jetzt bei Deinem Partner genau ist, kann ich Dir auch nicht sagen. Ich kann Dir auch nicht sagen, ob er in Zeiten wo er offiziell nichts trinkt tatsächlich nichts trinkt, denn das weiß ich nicht und ich bin ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es Alkis gibt, die ja gar keine sind für ihr Umfeld. Denn ich trank ja weit über zehn Jahre heimlich, nicht mal meine Frau hat das gemerkt. Man sah mich in der Öffentlichkeit fast nie mit Alkohol und ich hatte nie Alkohol zu Hause (offiziell). Da stand keine Kiste Bier etc., da war nichts! Ok, ich hatte meinen Stoff im Schuppen im Garten, im Radkasten meines Autos, im Jetbag im Keller, im nahegelegenen Wald waren auch immer ein bis zwei Kisten Bier im Unterholz versteckt, so dass ich bei meinen zahlreichen "Luftschnappspaziergängen" immer ein paar Bier trinken konnte. Ich könnte Dir Geschichten erzählen die Du nicht glauben würdest. Aber offiziell, da war ich wenn überhaupt, ein sehr moderater Trinker. Mein (übrig gebliebener) Freundeskreis kippte aus allen Latschen, als ich erzählte habe ich wäre Alki. DUUUUUUUUU? - NIEMAAAAALS. Doch, genau ich.

    Deshalb denke ich mal, dass Du nur den Alkoholiker kennst, was Deinen Partner betrifft. Und, dass er liebevoll sein kann usw., daran zweifle ich nicht. Das konnte ich auch, oh das konnte ich sogar sehr gut. Und ja, ich hab das in den Momenten vielleicht ja sogar so gemeint. Diese Momente, wo es mal schön und romantisch wurde und wo ich aber wusste, dass ich danach wieder trinken kann.

    Nur jetzt mal ganz ehrlich: Was hast Du denn davon? Ich meine, was hast Du davon, dass er Dir das 1000%ige Gefühl geben kann es ernst zu meinen, wenn er Dir dann bei nächster Gelegenheit wieder die Keule drüber zieht? Und, Alkis sind die sensibelsten Menschen überhaupt - oh was können die sensibel sein. Und nah ans Wasser gebaut sind sie auch sehr häufig. Und natürlich emotional. Alkohol verstärkt diese Eigenschaften ja gerade zu. Eine Liebeserklärung unterm Sternenhimmel mit der entsprechenden Alkoholmenge intus kann ganz anders rüber kommen als im nüchternen Zustand. Das kannst Du doch nachvollziehen, oder? Man ist locker, man ist gelöst, man sagt auch mal Dinge, romantische schöne Dinge, die man nüchtern vielleicht albern oder überzogen finden würde. Man zitiert irgendwelche Dichter, erinnert sich an Goethe oder macht es so wie ich und sucht sich vorher bewusst ein paar ganz romantische Stellen eines Gedichts, die man der Liebsten dann gezielt präsentiert, so dass diese hin und weg ist. Ja, das alles kann der Alkohol bewirken.

    Und was hast jetzt nochmal Du davon? Wenn davon nichts im Alltag ankommt und Du als Co-Abhängige hinter dem Säufer her hechelst und Dein eigenes Leben dabei aufgibst? Immer darauf hoffend, dass er ja doch nicht so schlecht ist und dass Du ihn retten kannst. Dass Deine Liebe ihn retten kann.... Vergiss es, das sage ich Dir als erfahrener Alkoholiker. Verigss es einfach und hole Dir Dein Leben zurück.

    Wenn ihm was an Dir liegt, wenn ihm wirklich was an Dir liegt, dann wird er tätig werden wenn Du ihn verlässt. Dann wird das der Anstoss für ihn sein, etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Und wenn er das am Anfang auch "nur" wegen Dir macht und erst mal noch nicht für sich selbst. Aber es könnte ihm einen Anstoss geben. Wenn aber der Alkohol für ihn wichtiger ist als Du, wird er es als Grund nehmen um weiter saufen zu "müssen" und wird Dir die Schuld dafür geben. Verstehst Du was ich sagen will? So funktioniert dieses Spiel.

    Du bist natürlich nicht Schuld, aber er wird es Dir so verkaufen. Oder Dir sonst was an den Kopf werfen, Dich anflehen zu bleiben weil er es nur mit Dir schaffen kann, dass er sich zu tode saufen wird wenn Du gehst und bla und bla und blub.

    Und Du fällst darauf herein......

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ira Jean,


    Nichts von alldem stimmt. Ein Süchtiger trinkt, weil er trinken muss, und weil er (noch) nicht an dem Punkt angekommen ist, wo er bereit ist die Verantwortung für sich in vollem Umfang zu übernehmen. Süchtige sind, was die ihre Sucht anbetrifft, schwache Persönlichkeiten. Aber was die Manipulation, Tricksereien, Ausreden erfinden, usw. anbetrifft, sind sie – wie auch ich es war – Weltmeister.

    Das was Dietmar Dir hier geschrieben hat, bringt es für mich genau auf den Punkt. Große Aufmerksamkeit solltest Du dem letzten Satz schenken - Wir Alkoholiker sind (im nassen Zustand) wirklich wahre Weltmeister im Manipulieren, Lügen und Betrügen!

    Glaube mir, ich würde Dir das hier alles nicht so schreiben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte. Wenn ich nicht selbst gelogen und betrogen hätte was das Zeug her gibt. Ich habe so viel gelogen wie Du Dir das sicher als normaler Mensch gar nicht vorstellen kannst. Ich habe über viele Jahre ein Doppelleben geführt, das mich aussehen hat lassen, als wäre ich der tolle, erfolgreiche, durch die Welt reisende Erfolgsmensch. Das wenigste davon war echt - die meisten meiner tollen Reisen verbrachte ich irgendwo anders, wo ich in Ruhe trinken konnte, wo ich weg war von meiner Familie, der gegenüber ich ja immer ein permanent schlechtes Gewissen hatte. Ich lies sie einfach allein um in Ruhe saufen zu können, ohne mir ständig Ausreden einfallen lassen zu müssen. Ich rief aber natürlich bei jeder meiner "Reisen" mehrmals am Tag zuhause an und beteuerte meine Liebe und dass ich sie ja alle so vermisse. Erzählte über das Wetter hier, über irgendwelche Workshops die es natürlich gar nicht gab und wenn ich mal nach einer "Reise" nicht wie geplant nach Hause wollte sondern noch einen Tag weitersaufen, dann "rief ich vom Flughafen an", dass mein Flug ausgefallen sei und ich noch eine Nacht verlängern müsste. Natürlich auch mit den tiefsten Beteuerungen verbunden, wie sehr ich alle vermisse und wie es mich langweilt, dass ich jetzt nicht nach Hause fliegen kann....

    Alles erstunken und erlogen. Aber über die Jahre meiner Sucht wurde ich darin wirklich perfekt. Ich ließ mich dann noch bemitleiten, weil ich ja sooo viel unterwegs bin und sooo gestresst. Und ich die vielen "Überstunden" ja auch nicht ausgeglichen bekam....

    Du siehst, ich kenne mich wirklich aus. Und ich glaube einen nassen Alkoholiker erst mal kein Wort!

    Ich finde es sehr gut, dass Du Dir jetzt auch psychologische Hilfe suchst. Du musst Dir wirklich darüber im Klaren sein, dass Du ebenfalls krank bist. Du bist Co-Abhängig, hast vielleicht auch so etwas wie ein Helfersyndrom. Damit ist nun wirklich nicht zu scherzen denn es das ist Gift für Dein Leben. So kannst Du kein glückliches Leben führen.

    Ich habe noch ein paar Gedanken:

    Liebst Du Deinen Partner eigentlich? Glaubst Du Liebe sieht so aus, dass der eine sein eigenes Leben aufgibt und all seine Energie in den anderen steckt und der andere wiederum absolut nichts in die Beziehung investiert und sich kampflos seiner Sucht hingibt?

    Ich habe mich oft gefragt, ob ein Alkoholiker überhaupt lieben kann! Ich habe mich oft gefragt, ob ich meine Ex-Frau wirklich geliebt habe. Ich habe mir das immer eigebildet. Ich bin zur Erkenntnis gekommen, dass das bei Zeitpunkt unserer Heirat durchaus der Fall war - es war eine Liebesheirat auch von meiner Seite. Aber da war ich noch nicht süchtig. Als ich dann süchtig wurde, war ich nicht mehr fähig zu lieben. Denn meine Liebe galt meinem Suchtmittel, dem Alkohol. Danaben konnte nichts existieren, nicht mal meine Kinder haben es geschafft diesen Bann zu durchbrechen. Und glaube mir, die Liebe die man für seine Kinder empfindet ist nochmal eine ganz andere als man für seinen Partner empfinden kann.

    Aber egal, ich kann im Nachhinein sagen, dass meine Fähigkeit zu lieben um so mehr abnahm um so stärker meine Sucht wurde. Ich behaupte, Dein Partner ist gar nicht in der Lage zu lieben. Er ist viel zu stark mit seiner Sucht beschäftigt. Und so lange das so ist, hast Du von ihm nichts, absolut nichts positives zu erwarten. Darüber musst Du Dir im klaren sein.

    Weißt Du überhaupt was er für ein Mensch ist? Oder kennst Du ihn "nur" als süchtigen? Hat er immer schon getrunken seit Ihr Euch kennt? Dann kennst Du den Menschen "vorher" gar nicht. Und nehmen wir mal an, er würde jetzt tatsächlich eine Therapie machen und aufhören, dauerhaft. Was glaubst Du was Du dann für einen Menschen vor Dir hast? Ganz sicher nicht den, den Du jetzt kennst. Auch nicht den, der er war bevor er getrunken hat. Nein, Du würdest einen ganz anderen Menschen "zurück" bekommen. Einen, an den Du Dich erst mal gewöhnen musst, einen von dem Du jetzt nicht weißt ob er der Richtige für Dich ist. Und auch einen, der sich von Dir nicht mehr betüteln und bevormunden lässt. Du hast dann einen, der sein Leben wieder selbst in die Hand nimmt, der auch NEIN sagt, der wieder selbstbewusst sein eigenes Leben gestaltet und der ein Stück weit auch ein Egoist ist. Für Co-Abhängige eine ganz schlechte Ausgangslage - es sei denn sie lassen ich parallel ebenfalls therapieren.

    Ich schreibe Dir das hier wirklich aus eigener Erfahrung, nicht einfach nur so. Und es ist so, dass nicht wenige Beziehungen dann zerbrechen, nachdem der Trinkende trocken wurde. Weil der Trinkende dann eine Wandlung durch macht, sich weiter entwickelt und seine Persönlichkeit verändert. Der nicht trinkende Partner bleibt oft zurück, so ist das leider. Ich habe mich, nachdem ich trocken wurde, von meiner Frau getrennt! Sie hätte es gerne nochmal versucht, ich wollte nicht mehr.

    Was Deinen Partner betrifft sehe ich aber aufgrund Deiner Schilderungen aktuell keine "Gefahr" dass er mit dem Trinken aufhören könnte. Das übliche Gesülze eines nassen Alkoholikers. Alles was Du schreibst deutet darauf hin, dass er bis jetzt noch nichts verstanden hat und einfach weiter trinken will.

    Wenn ich sowas z. B. lese:

    Zitat

    Die Welt ist gegen ihn nur weil er trinkt. udn überhaupt; professionelle Hilfe würde ihm nichs bringen da er das fachliche Wissen bereits hat. er hat selbst gemeint, das "klick" sei zwar noch nicht da aber eigentlich will er schon aufhören. Inzwischen ist er der Meinung, dass er zwar nicht mehr "saufen" will aber alle paar Woche mal einen Trinktag einlegen wird ( er gehört zu den Leuten, die nach dem ersten Schluck nicht mehr stoppen können).

    Da ist, bitte verzeih mir den Kalauer, Hopfen und Malz verloren. So wird es nie schaffen etwas an seiner Situation zu ändern.

    Also, bitte versuch' das umzusetzen was wir Dir hier alle schreiben: Achte auf Dich, geh Deinen Weg, hol Dir DEIN Leben zurück und schau, dass Du so schnell wie möglich von ihm los kommst.

    LG
    gerchla

    Hallo Ira Jean,

    erst mal: Herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich entschlossen hast hier zu schreiben.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    So wie Du Dich beschreibst, würde ich eine klassische Co-Abhängige beschreiben. Du machst Dein ganzes Leben, Dein Wohlbefinden, vom Zustand Deines Partners abhängig. Dein eigenes soziales Leben findet kaum mehr statt und alles dreht sich um den Trinker.

    Co-Abhängigkeit ist ebenfalls eine sehr ernste Krankheit und Du solltest unbedingt etwas dagegen unternehmen. Ich bin / war selbst nie Co-Abhängig, weiß aber aus den vielen Berichten (z. B. hier im forum) dass es ein langer Weg heraus sein kann. Einen ersten Schritt hast Du gemacht in dem Du Dich hier angemeldet hast. Du wirst sicher auch von anderen Co-Abhängigen noch wertvolles erfahren, das Dich weiter bringen kann.

    Uuuupss, merkst Du was? Noch kein Wort über Deinen Partner, wegen dem Du Dich doch hier eigentlich angemeldet hast. Nun, um den geht es eigentlich gar nicht. Es geht um DICH, es geht um DEIN Leben. Niemand hat das recht es Dir derart zu versauen.

    Was Deinen Partner betrifft, da will ich es mal kurz machen: Er verhält sich wie sich ein Alkoholiker eben verhält. Und nur weil er mal nichts trinkt ist er noch lange nicht trocken. Selbstverständlich ist sein Verhalten im nüchternen Zustand das Verhalten eines nassen Alkis. Zuckerbrot und Peitsche, so hält er Dich bei Laune. Einmal gibt er Dir das Gefühl an allem Schuld zu sein und dann wieder beteuert er seine Liebe und dass er nur mit Dir schaffen kann....

    Das kannst Du Dir so lange anhören, bis Du irgendwann daran kaputt gehst. Oder Du beginnst nachzudenken und Dir mal zu überlegen, ob Du nicht Dein Leben zurück haben möchtest. Wenn ja, dann nimm die Beine in die Hand und überlasse ihm die Verantwortung für sein Leben. Die hat nämlich nur er! Wenn er aufhören will, dann kann er das auch. Hilfe gibt es genug, er muss sie nur annehmen und es auch wollen (für sich, nicht für Dich). Und eines muss immer klar sein: Du bist nicht für sein Leben verantwortlich! Wenn er säuft, dann tut er das weil er es so entschieden hat. Und nicht weil Du nicht "brav" warst, ihn schief angesehen hast oder sonst irgendwas ganz "fürchterliches" gemacht hast. Sag' mal ehrlich: Meinst Du das dass Liebe ist?

    Für Dich gibt es übrigens auch Hilfe. Es gibt Angehörigen-Gruppen (also reale), wo sich Menschen treffen, die ähnliches durchmachen müssen /mussten wie Du. Vielleicht wäre das eine Option für Dich.

    Das sollst zum Einstieg von mir erst mal gewesen sein. Ich wünsche Dir alles Gute, viel Kraft und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Laura,

    ich bin Alkoholiker, lebe jetzt aber schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Ich bin jetzt Ende 40 und lebe ein sehr zufriedenes und glückliches Leben. Während meiner Trinkerzeit war das ganz anders. Besonders die letzten Jahre waren die Hölle und es ist für Aussenstehende, damit meine ich Menschen ohne ein Suchtproblem, nicht nachvollziehbar, weshalb sich das jemand antut. Warum hört der Trinker nicht einfach damit auf. Ok, das es nicht einfach ist, das weiß man ja. Aber warum versucht er es nicht mal? Warum versucht er es nur halbherzig? Warum wird es so schnell wieder schwach, rückfällig? Warum ist nicht einmal die Liebe zum eigenen Kind Grund dafür, diese fürchterliche Sucht zu bekämpfen?

    Ich hatte damals selbst 2 Kinder (heute 3 ;D ) und diese liebte ich über alles. Auch im Suff, ich liebte und liebe sie wirklich über alles. Trotzdem konnte ich nicht mit dem Trinken aufhören. Und, es hätte auch sein können, dass ich mich tot gesoffen hätte. Es war bei mir einfach so, dass irgendwann der Tag kam (und dieser war nicht irgendwie vorher "geplant"), wo ich beschloss: jetzt ist schluss, jetzt mache ich reinen Tisch.

    Ich trank heimlich, meine Familie litt dennoch enorm, denn sie sahen einen Menschen der immer mehr verfiel, der immer kränker wurde und hatten doch keine richtige Erklärung. Mein Charakter wurde immer schlechter, immer mehr Lügerreien und Betrügerein flogen auf. Ich habe meiner Familie sehr viel angetan, was ich nie wieder gut machen kann.

    Ich war eigentlich in einer Situation, aus der ich gar nicht mehr heraus kommen konnte. Es sei denn, ich wäre bereit mit zu outen und alles über mein jahrelang geführtes Doppelleben preis zu geben. Ich wusste, dass das zur Konsequenz haben würde, dass mein bisherigen Leben nicht mehr existent sein würde. Ich wusste, dass ich ein komplett neues Leben beginnen werden müsste, wo absolut nicht klar war, wie das ganze am Ende ausgeht. Und ich wusste, dass meine "Ehre", alles worauf ich so stolz war, dass das nach dem Aufdecken meiner Lügereien, meiner Betrügerein nicht mehr vorhanden sein wird.

    Wenn ich mich oute, dann werde ich ein Mensch sein, der moralisch das allerletzte ist, der sehr viel Schuld auf sich geladen hat, der anderen Menschen massiven Schaden zugefügt hat. Das alles wusste ich und das alles war jahrelang der Grund, weshalb ich mir dachte: Entweder ich schaffe es heimlich aufzuhören, weil ich ja heimlich trinke und niemand bekommt etwas mit oder ich saufe mich zu tode. Letzteres kam mir am Schluss manchmal gar nicht mehr so schlimm vor.....

    Und trotzdem kam dieser Tag. Ich outete mich, und hörte mit dem Trinken auf (natürlich wäre das jetzt eine längere Geschichte, die aber für Deine Situation nicht wichtig ist). Es passierte das, was ich wusste: Alles brach zusammen, ich "verlor" alles - nur weniges konnte ich "retten" - Ich fing ganz neu an.... Und bin dennoch nicht das Opfer sondern der Täter, Mitleid wäre völlig unangebracht. Denn ich war für mich verantwortlich, nur ich, und ich entschied mich zu trinken, niemand hat mich dazu gezwungen.

    Deine Mutter hängt ganz tief im Sumpf, so wie Du schreibst ist wohl schon fast darin versunken. Hoffnung, dass sie (wie ich damals) plötzlich eine Eingebung hat und ihr Leben ernsthaft ändert, darfst Du immer haben, allerdings sollte diese nicht allzu groß sein. Bei mir war das damals so, dass ich einfach nicht mehr konnte. Wenn ich mir aber die Geschichte Deiner Mama ansehe, dann steckt sie viel viel tiefer drin, als ich es jemals tat. Und sie hatte auch schon mehrere Anläufe zum Ausstieg und nun, so scheint es mir, hat sie sich endgültig für's trinken entschieden. Ich glaube nicht, dass sie nicht weiß was sie da tut. Ich glaube nicht, dass sie sich des Risikos, das sie eingeht nicht bewusst ist. Ich denke sie will es so, sie nimmt es bewusst in kauf. Und ihre Liebe zu Dir reicht nicht aus es Dir zuliebe nicht zu tun. Genau wie meine Liebe damals nicht reichte um meiner Kinder willen trocken zu werden.

    Ich finde Brigittes Beitrag für Dich sehr sehr wertvoll!

    Ich möchte noch eines schreiben: Wenn Du nun auf Dich und Dein Leben achtest, was sicher der einzig sinnvolle Weg ist, dann solltest Du Dir aber im klaren darüber sein, wie Du mit dem möglichen Tod Deiner Mutter umgehst. Denn wenn Du Dir dann die Schuld dafür gibst, dass es so gekommen ist, wird Dir nicht geholfen sein. Ich kann Dir hier auch 1.000 mal schreiben, dass Du nicht Schuld bist, an nichts was die Sucht Deiner Mutter betrifft, das wird Dir wahrscheinlich nicht helfen. Das musst Du selbst mit Dir ausmachen. Ich denke, dass Dir andere Betroffene dabei auch eine große Hilfe sein können.

    Es ist alles eine sehr schwierge Situation und ich wünsche Dir ganz ganz viel Kraft sie zu meistern!

    LG
    gerchla

    Hallo Josi,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Du hast ja schon einiges mitgemacht, was die Alkoholsucht Deiner Mutter betrifft. Du kannst Dir also auch sicher nicht vorwerfen, dass Du sie einfach hättest "hängen" lassen. Wobei das Dein gutes Recht wäre bzw. ist, denn Deine Mutter ist für ihr Leben selbst verantwortlich. Genau wie Du für Deines verantwortlich bist.

    Zitat

    Mich interessiert es ehrlich gesagt, relativ wenig, was sie macht, es kann mir egal sein, aber irgendwie ist es meine Mutter und man will ihr doch irgendwie helfen


    Ich verstehe Dich da sehr gut. Die Mutter ist und bleibt die Mutter und es ist nicht so einfach zu sagen "mich interessiert das alles nicht". Es geht ja dabei auch um Gefühle und auch um Hoffnung, die man vielleicht noch hat.

    Zitat

    Mein Freund sagt, brich den Kontakt ab, aber dies finde ich zu hart.


    Was so hart für Dich klingt könnte tatsächlich die richtige Entscheidung sein. Ich schreibe bewusst "könnte", denn ich maße mir nicht an das zu beurteilen. Die Frage ist aus meiner Sicht, wie stark die Sucht Deiner Mutter und Dein Kontakt zu ihr Dein eigenes Leben negativ beeinflusst. Dabei geht es jetzt aus meiner Sicht auch nicht darum, dass man ab und an mal negatives erlebt, was sicherlich noch zu verkraften wäre. Es geht aus meiner Sicht darum, in wieweit die Sucht Deiner Mutter Dich ernsthaft (psychisch) belastet. Und damit natürlich auch zu einer Belastung für Deine Beziehung wird oder werden kann.

    Es ist halt leider einfach so, dass Du Kontakt haben kannst soviel Du willst. Du wirst Deine Mutter nicht trocken legen. Ich denke diese Erfahrung hast Du auch schon gemacht. Egal was Du tust, was Du sagst, vorschlägst, etc. Sie wird deswegen nicht mit dem Trinken aufhören. Und nebenbei Dich aber immer weiter in den Sumpf hinein ziehen. Das ist erstens Mal sehr unfair und zweitens hochgefährlich für Dein eigenes Leben. Insofern könnte es tatsächlich sein, dass ein Kontaktabbruch das Richtige wäre. Vielleicht auch eine Regelung in Richtung "ich treffe Dich nur oder ich spreche/telefoniere nur mit dir wenn du nüchtern bist".

    Zitat

    Klar sie muss selbst aufwachen.


    Genau so ist es. Nun scheint es ja aber so zu sein, dass sie schon mehrere Versuche unternommen hat trocken zu werden. Sie hat es ja auch schon mal ein paar Jahre geschafft trocken zu leben. Aber scheinbar sieht sie im Alkohol immer noch mehr Vorteile als in einem Leben ohne... Da kannst Du nix machen. Entweder sie wacht tatsächlich noch mal richtig auf (was sicher passieren kann) oder aber trinkt bis zum bitteren Ende (was leider auch sehr häufig der Fall ist). Nur DU hast das nicht in der Hand und bist dafür auch nicht verantwortlich.

    Zitat

    Ich hatte nun schon die Idee, sie evtl. in der betreuten Wohnung für Alkoholiker unterzubringen.


    Ist sie denn bereits ein Betreuungsfall? Leider kenne ich bei diesem Thema nicht aus und kann deshalb auch nichts dazu sagen. Vielleicht wird Dir jemand anders hier dazu etwas berichten können.

    Zitat

    Ich habe echt Angst, dass sie eines Tages aus der Wohnung fliegt und dann bei uns vor der Tür steht und bei uns bleiben möchte.


    Sollte es so kommen und Du lässt das zu, dann kannst Du Dich von Deinem bisherigen Leben verabschieden. Das weißt Du ja, das ist überhaupt keine Option. Sie ist ein erwachsener Mensch und für sich verantwortlich. Sie muss also erst mal selbst schauen wo sie bleibt. Und solange sie nicht krank ist im Sinne von "pflegebedürftig" (da könnte dann evtl. das von Dir angesprochene Wohnheim eine Alternative sein) muss sie sich schon selbst um ihr Leben kümmern.

    Du bist wahrlich in keiner schönen Situation. Wie das leider immer ist, bei den Angehörigen und wie das auch bei meiner Familie war. Der Alkoholiker weiß überhaupt nicht was er seinem Umfeld eigentlich an tut. Und als ein solcher Alkoholiker (gott-sei-dank lange trocken) sage ich Dir: Du hast alles Recht auf ein eigenes, ein glückliches Leben. Lass es Dir nicht von einem Alkoholiker zerstören, auch nicht wenn es sich dabei um Deine Mutter handelt. Du hast ja auch nur dieses eine Leben.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen sutera,

    also erst mal: Du brauchst Dir keinen Kopf darüber machen, ob Du uns hier langweilen könntest. Denn Du langweilst uns ganz sicher nicht. Schreib' hier einfach wenn Dir danach ist. Schreib' hier das, wovon Du denkst Du willst es schreiben. Genau dafür ist sind wir ja da. Wenn wir etwas dazu zu sagen haben, dann werden wir Dir unsere Sicht der Dinge mitteilen. Davon wiederum kannst Du dann profitieren bzw. Dir das herausziehen, von dem Du glaubst das es Dir hilft oder Dich weiter bringt.

    Ich bin jetzt schon einige Jahre hier und ich kam hier an, als ich schon eine gute lange Zeit trocken war. Also nicht als akut Ratsuchender. Trotzdem hat mir dieses Forum hier, obwohl ich nicht in akuter Not war, sehr sehr viel gegeben und gebracht. Durch das viele lesen und später auch schreiben bekam und bekomme ich immer wieder Denkanstösse, die mich in der Entwicklung meiner Persönlichkeit voran bringen. Und dabei geht es bei mir jetzt schon lange nicht mehr darum, dass ich nichts mehr trinke. Das ist mittlerweile normal für mich. Aber ich will mich ja weiter entwickeln und persönlich voran kommen. Auch dafür finde ich dieses Forum und die Erfahrungen die hier ausgetauscht werden sehr wertvoll.

    Ich glaube dass Du davon auch sehr sehr profitieren kannst. Also schreibe hier wann immer Dir danach ist!

    Zu Deiner Frage betzüglich des Zitierens:

    Als erstest markierst Du den Text, z. B. den von Dir abgeschriebenen Text von Dietmar und anschließend kopierst Du ihn. Das kannst Du z. B. mit den Tasten STRG+C auf Deiner Tastatur machen oder mit einer anderen Kopierfunktion. Dann findest Du oberhalb des Textfensters in dem wir hier alle schreiben eine Leiste mit verschiedenen Symbolen, also da sind z. B. die ganzen Smileys aber auch viele andere quadratische Kästchen. Eines davon (bei mir befindet es sich genau über dem 44. Smiley) sieht aus wie eine viereckige Sprechblase. Da klickst Du drauf und dann siehst Du das im Textfeld, da wo Dein Coursor stand, folgendes erscheint [ quote][/quote]

    Zwischen den eckigen Klammern fügst Du nun Deinen kopierten Text ein. Du hast dann also vorne ein quote und hinten ein /quote jeweils mit den eckigen Klammern abgeschlossen. Und zwischen den beiden quotes steht Dein Text. Und schon hast Du Dein Zitat. Ich hoffe es war einigermaßen verständlich.... :o

    Bis bald und

    LG
    gerchla

    Hallo Alina,

    ich habe jetzt doch einige Zeit überlegt, ob ich auf Deinen Thread etwas schreiben soll oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob Dich meine "Weisheiten" weiterbringen, ich bin mir nicht sicher, wo Du eigentlich stehst, was Deinen eigenen Blick auf Deine mögliche Suchterkrankung betrifft.

    Ich will Dir aber jetzt einfach mal meine Gedanken zu Deinen Zeilen schreiben, vielleicht ist was für Dich dabei.

    Zitat

    Ich bin Ende 20, habe einen super Job, bin viel unterwegs, habe einen tollen neuen Partner,
    nur leider trinke ich mittlerweile jeden zweiten Tag..


    Ich denke Dir ist bewusst, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird, wenn Du weiter in die Sucht hinein rutschen solltest. Ich denke das ist dann auch der Grund, warum Du Dich hier angemeldet hast und etwas unternehmen willst. Und, ich sage jetzt mal: Je früher desto besser.....

    Zitat

    Meistens habe ich es unter Kontrolle, aber manchmal auch nicht.


    Mit zunehmender Suchtdauer wird sich das wahrscheinlich verändern. Wahrscheinlich in: Manchmal habe ich es unter Kontrolle, meistens jedoch nicht - Gut dass Du jetzt etwas dagegen tun willst.

    Zitat

    Ich finde immer wieder ausreden zu trinken...


    Dieses Phänomen kann man auch als Sucht bezeichnen oder aber zumindest als "stark suchtgefährdet". Ich kenne es gut, denn auch ich hatte immer gute Ausreden oder sagen wir mal besser Gründe bzw. Argumente weshalb ich etwas trinken musste. Auch wenn ich mir gerade vorgenommen hatte, mal nichts oder weniger zu trinken.
    Dieses Phänomen verschwindet aber mit andauernder Sucht langsam, denn dann wird der Wunsch nach Alkohol so groß, dass man einfach trinken muss. So viele Gedanken warum man jetzt trinken muss brauchts dann nicht mehr. Irgendwann hat man diese Gedanken dann nur noch, wenn man sich (mal wieder) fest vergenommen hatte, heute nichts zu trinken... Und dann halt doch wieder trank....
    Diese Spiel habe ich viele Jahre mitgemacht, sehr viele....

    Zitat

    Manchmal wenn ich getrunken habe, werden meine Gefühle intensiver und ich spreche
    Sachen aus, die ich mich nüchtern nie wagen würde zu sagen. Ich verletze dadurch meine liebsten Menschen.


    Leider auch so eine Nebenwirkung die zwar nicht alle haben, aber schon recht viele. Und die einem im Laufe einer Trinkerkarriere zu einem sehr einsamen Menschen werden lassen können.

    ...

    Zitat

    Ich will da raus...


    das glaube ich Dir uneingeschränkt sofort ...

    ...

    Zitat

    ich habe so ein tolles Leben aber irgendwie hänge ich gerade fest.


    hier allerdings frage ich mich, ob Dein Leben wirklich so toll ist wie Du glaubst? Verstehe mich nicht falsch, ich sage das aus ureigenster Erfahrung heraus!

    Ich hatte auch ein tolles Leben! Super Kindheit, Schule alles wunderbar, dann der Job - ich war ein Aufsteiger, fast ein Überflieger. Verantwortungsvolle Position, ein super Team, das ich führen darf und wunderbaren Menschen. Wir verstanden und verstehen uns so gut - ich liebte und liebe meinen Job, für mich gibt es keinen besseren. Dann die Familie, eine tolle Frau, wunderbare Kinder, wirklich wunderbare Kinder die ich über alles liebe. Keine Geldsorgen, keine Schicksalsschläge, keine sonstigen Schläge, und dazu noch alle kerngesund.

    Kannst Du mir mal erklären, warum ich mit Mitte/Ende 20 zum Saufen angefangen habe? Ich hatte ein tolles Leben nach dem sich andere die Finger abgeschleckt hätten.

    Erst als ich meine Sucht dann beendet hatte und sie aufarbeitete (meiner Meinung nach eine Grundlage um dauerhaft ohne Alkohol leben zu können), kam ich langsam dahinter was eigentlich nicht "gepasst" hast. Diese Dinge lagen seeehr tief, hatten bzw. haben nichts mit den oberflächlichen Rahmenbedingen zu tun. Ich bin davon überzeugt, dass Alkoholismus eine Erkrankung der Psyche ist, und dafür gibt es normalerweise immer Gründe. Glücklich wer sie findet und entsprechend aufarbeiten kann. Mit oder ohne Hilfe.

    Übrigens: Ob Du es ohne Therapie schaffst oder nicht halte ich nicht für so wichtig. Wichtig ist, dass Du es schaffst. Wenn Du es nämlich nicht schaffst, dann wird Dein Leben wahrlich kein schönes mehr sein. Ich habe es ohne klassissche Therapie "geschafft", jedoch nicht ohne sehr viel Hilfe von außen. Es ist nicht so einfach, es braucht einen guten Plan. In einer Therapie gibt es zumindest mal Pläne, die häufiger auch mal funktionieren....

    Das waren meine Gedanken.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und alles alles Gute was den Kampf gegen den Alkohol betrifft.

    LG
    gerchla

    Hallo sutera,

    ich habe Deinen Thread jetzt eben nachgelesen, da ich die letzten Wochen unterwegs war und kaum ins Forum geschaut habe. Ich hab' das hier schon häufiger geschrieben und ich schreibe es wieder: Schlimm, einfach nur sehr schlimm wie ein Alkoholiker seine Umfeld mit in den Sumpf zieht.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon seit mehreren Jahren ohne Alkohol. Meine Vorschreiber haben Dir ja schon sehr viel (wie ich finde) wertvolles geschrieben. Ich möchte Dir noch kurz von mir Berichten. Ich war ein heimlicher Trinker. Ich hatte damals Familie, also eine Frau und zwei wunderbare Kinder. Ich trank sehr viele Jahre, wie schon gesagt, heimlich. Mein Trinkniveau war zum Ende meiner "Karriere" hin wirklich sehr hoch. Ich trank täglich zwischen 10 und 12 Bier + oft noch eine Flasche Wein, weils mir noch nicht langte. Es liegt mir fern, hier mit meiner Trinkmenge zu kokketieren - Es geht mir viel mehr darum Dir verständlich zu machen, wozu ein Alkoholiker im Bezug auf, ich nenne es jetzt mal "Schauspielerei", fähig ist.

    Diese Mengen, die ich wirklich fast täglich getrunken haben, müssten doch auffallen, oder? Es kann doch nicht sein, dass meine Frau / Kinder nicht mitbekommen haben, dass ich bei diesen Mengen (auf diesem Niveau war ich vielleicht etwa 2 Jahre unterwegs) nicht gemerkt haben, dass ich ein massives Alkoholproblem habe. Dass ich ein richtiger echter Alki bin, ganz tief drin in der Sucht.

    Nun, sie haben es nicht gemerkt. Sie machten sich Sorgen um mich, große Sorgen denn sie sahen, dass ich mich veränderte. Körperlich wie psychisch. Das bemerkten sie sehr wohl und meine Frau war ein ums andere mal völlig verzweifelt weil sie nicht wusste was los war bzw. was sie tun kann.

    Und ich? Ich log und betrog was das Zeug hielt. Mein ganzes Leben bestand nur noch aus einer einzigen Lügenkonstruktion bei Dir ich selbst teilweise nicht mehr wusste, was nun tatsächlich gelogen war und was nicht. Eine Lüge baute auf die nächste auf, meine Kreativität was das Erfinden von glaubwürdigen und teilweise ganz wilden Geschichten betrifft war grenzenlos. Ich täuschte sogar einen schweren, lebengefährlichen Unfall meiner Mutter vor um wieder etwas "Luft" zu bekommen und weiter saufen zu können. Natürlich fand dieser Umfall bei einer Urlaubsreise ihrerseits statt und sie war natürlich dann in einem Krankenhaus recht weit von meinem Wohnort entfernt. Und da musste ich dann natürlich häufig hin fahren um sie zu sehen. Tage, an denen ich in aller Ruhe saufen konnte wie ich wollte. Und jeder hatte Verständnis dafür und natürlich großes Mitleid mit mir armen, der nicht weiß ob seine Mutter durchkommt oder nicht.

    Ok, kannst Du Dir sowas vorstellen? Kannst Du Dir vorstellen wie weit man sein muss, wenn man so eine Story erfindet und diese dann monatelang so ausbaut, dass es immer dramatischer wird und am Ende dann doch noch irgendwie gut ausgeht? Wie charakterlos muss man sein um seine eigene Mutter für sowas zu missbrauchen? Was für ein Mensch muss man sein um so etwas tun zu können?

    Nun, was für ein Mensch muss man denn sein um soetwas tun zu können? Ein ganz mießer Charatker sicherlich, oder? Die Antwort ist: Es reicht vollkommen aus ein starker Alkoholiker zu sein, der sich im Laufe seiner Sucht in eine Parallel- und Scheinwelt geflüchtet hat und keine Ahnung hat, wie er da jemals wieder heraus kommen soll.

    Ich will Dich jetzt nicht damit langweilen, welche Gefühle ich damals dabei hatte und wie das Spiel zwischen meinen (noch vorhandenen) Gewissen und der Sucht funktioniert hat. Fakt ist aber: Alkoholiker sind die besten und überzeugensten Lügner und Schauspieler die es gibt.

    Das wollte ich Dir damit sagen und das ist Grund für diese ganze Abhandlung von mir. Übrigens alles echt, was ich da geschrieben habe, alles selbst von mir so fabriziert.

    Du kannst also jetzt wirklich nur Dir selbst vertrauen. Auf keinem Fall Deinem alkoholkranken Partner oder dem was er von sich gibt. Liebesschwüre.... Oh Gott, die hatte ich sowas von drauf. Und ja, die waren ja sogar ernst gemeint, irgendwie und in dem Moment wo ich sie abgab. Aber das half ja nix.... Es bleibt ja nur gefasel, wenn man als Alki die Sache nicht in die Hand nimmt.

    Es gibt nur eine Möglichkeit, eine Einzige aus meiner Sicht, um etwas zum Positiven zu verändern. Und dass ist, dass der Alkoholiker seine Sucht bekämpft und alles dafür tut sie zu besiegen. Idealerweise von sich selbst aus, ohne dass er dazu "gezwungen" wird. Es klappt aber auch manchmal über Zwang, wenn der Alkoholiker während z. B. einer Therapie erkennt, welche Vorteile ein trockenes Leben hat. Aber erst mal egal: Ohne das aktive Vorgehen gegen die Krankheit wird nichts passieren. Die ganzen Lippenbekenntnisse kannst Du alle vergessen. Ich trinke weniger, bla bla, ich trinke nur noch in Gesellschaft, bla bla, morgen höre ich auf, bla bla - kannst du gerne unendlich fortführen.

    Entgiftung machen und dann weitere Hilfangebote annehmen. Zum Arzt gehen, dort alles besprechen, das weitere vorgehen planen. Evtl. dann eine Therapie beantragen, eine SHG besuchen oder was auch immer für Hilfangebote annehmen. Und dann an der Aufarbeitung der eigenen Sucht arbeiten - so kanns es dann funktionieren. Die Wege raus sind vielfältig, genau wie die in die Sucht hinein.

    Und Du? Du bist auch hier erst mal nur Statist. Kannst nicht viel tun. Der Antrieb muss vom Alkoholier kommen. Du kannst, wenn er wirklich konkrete Maßnahmen vornimmt (nur entgiften ist übrigens VIEL zu wenig und wird zu nichts führen wenn er für die Zeit danach keinen Plan hat), überlegen ob Du ihn begleiten möchtest. So lange er nicht rückfällig wird könntest Du ihn unterstützen, wo das notwendig ist. Aber Du steht da nicht in der Pflicht. Denn es sein Leben und er hat gesoffen. Nicht Du. Du bist für Dein Leben verantworlich, er für seines.

    Übrigens, sollte er trocken werden, wirst Du sicher einen anderen Menschen vor Dir haben als den den Du jetzt kennst. Also auch anders als den, den Du aktuell im nüchteren Zustand kennst und den Du liebst. Wenn eine Therapie erfolgreich ist, ist "man" am Ende ein anderer Mensch. Ich habe selbst keine klassische Therapie gemacht, jedoch recht viel alternative Dinge unternommen um meine Sucht zum Stillstand zu bringen und mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ich bin heute ein ganz anderer Mensch als damals, ich bin aber auch ein ganz anderer Mensch als der, der ich vor meiner Trinkerzeit war. Das ist einfach so und das muss auch so sein, glaube ich zumindest.

    Ich wollte Dir nur ein paar Anregungen geben. Ich glaube auf jeden Fall, dass es wichtig ist, dass Du hart bleibst, auf Dich schaust, Dich um Dich und Deine Gefühle kümmerst. Er muss jetzt mal selbst sehen, was er tun will. Wenn Du ihm wieder "hilfst", wirst Du ihm wahrscheinlich einen Bärendienst erweisen.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Samo,

    Zitat

    Tiefpunkt, was ist das? Ich kenne früher aus Selbsthilfegruppen den Spruch: Du musst erst in der Gosse landen, bevor du es wirklich schaffst.

    Was ist eigentlich der Tiefpunkt, damit stellst Du eine sehr gute Frage. Ich denke, dass es DEN Tiefpunkt nicht gibt. Vielleicht sollte man Tiefpunkt an dieser Stelle auch eher mit "Auslöser" ersetzen. Trotzdem ist es aber oft so, dass Alkoholiker eben schon recht "tief" sinken müssen, bevor sie wirklich von dem Zeug loskommen wollen. Ich meine, ich kenne das ja von mir selbst. Natürlich dachte ich immer wenn ich den Versuch startete wieder mal mit dem Trinken aufzuhören, dass ich tatsächlich aufhören will. Nach dem Motto: Und dieses Mal höre ich wirklich auf.... Aber es hat eben nie funktioniert und die Frage ist dann immer: WARUM hat es nicht funktioniert?

    Als ich dann tatsächlich aufgehört habe, war der Auslöser an sich jetzt auch nicht so, dass ich deswegen hätte aufhören "müssen". Es gab in meiner Trinkerkarriere bereits vorher mehrere "tragischere" oder mindestens genauso tragische Ereignisse die als Grund zum Aufhören herhalten hätten können. Nur war es eben da dann so, dass ich ganz plötzlich wusste: Jetzt ist es vorbei, jetzt willst Du nicht mehr, aus, ende, schluss....

    In diesem Zusammenhang wird auch gerne mal vom "Klick" gesprochen. So war das bei mir und ich habe bereits an diesem Abend gespürt, dass es dieses Mal ganz anders war als die vielen Male vorher. Ich hatte natürlich Angst, dass es wieder so kommt wie es immer kam aber ich hatte das tiefe Empfinden, dass ich es diesem mal durchziehen würde - und mir dazu jede Hilfe hole, die mir über den Weg läuft. Und so war es dann auch.

    Ich habe auch von Leuten gehört, die bei einer Wanderung ins Tal blickten und plötzlich wussten: ich will nie mehr trinken. Dieses Klick-Erlebnis scheint recht vielfältig zu sein - allerdings scheinen es auch nicht sehr viele zu erleben. Bei mir war es wohl eine Art "Kombination" - An diesem Abend hat es bei mir tatsächlich Klick gemacht, jedoch war ich bereits derart weit unten, psychisch völlig am Ende, körperlich ebenfalls schon ziemlich angeschlagen, dass ich wohl auch meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte.

    Noch eins zum Tiefpunkt: viele erreichen diesen auch gar nicht. Sehr viele erreichen ihn nicht, sie gehen an dieser Krankheit einfach zu Grunde.... Leider

    Unabhängig von meiner längeren Abhandlung zum Thema Tiefpunkt glaube ich bei Dir noch die Angst vor einem "nicht dazu gehören" oder, ich sage jetzt mal, von einem Zweifel an Dir selbst, von einem Zweifel an Deiner eigenen Idendität zu spüren. Ich hoffe Du nimmst mir das nicht übel, wenn ich das so schreibe. Da würde ich Dir am liebsten zurufen: Zweifle nicht - Du bist Du und es ist gut so wie Du bist!

    Ich hatte diese Zweifel übrigens auch. Ich glaube fast, dass das jeder Alkoholiker in irgendeiner Form hat. Meistens aber sehr gut verbergen kann. Aber ich war auch recht schnell der Meinung, dass ich mich nicht meinen Selbstzweifel hingeben werde, ich war recht schnell der Meinung, dass ich kämpfen will und kämpfen werde. Damit meine ich jetzt nicht den Kampf gegen die Sucht, den muss man sowieso aufnehmen wenn man trocken werden will.

    Ich meine den Kampf um mich und meine Persönlichkeit. Auch den Kampf gegen mein zu tiefst schlechtes Gewissen, das mir aufgrund meiner vielen Lügereien, Betrügereien und sonstiger Schandtaten die ich wärend meiner Saufzeit beging fast die Luft zum Atmen nahm. Mein wichtigster Kampf war der Kampf um mein eigenes ich.

    Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie will ich sein? Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich dort wo ich jetzt stehe? Wie konnte ich so tief sinken? Usw, usf. Das waren alles Schlüsselfragen für mich, diese musste ich mir beantworten um da wieder heraus kommen zu können. Dazu habe ich mir auch Hilfe geholt und diese auch angenommen. Und will Dir auch noch sagen, dass es nicht die professionelle Hilfe war, die mir bei diesem Prozess am meisten gegeben hat. Es war eine andere Hilfe, ein eigener Weg, mein Weg eben, den ich gehen musste. Meine Termine beim Psychologen waren wichtig, ein Baustein, keine Frage. Am meisten geholfen haben mir aber Gespräche mit einem Mönch, der eigentlich völlig unbeteiligt war, den ich Jahre vorher auch nur einmal kurz gesehen hatte. Und genau dieser Mönch blieb mir in Erinnerung wegen seiner positiven Lebenseinstellung, mir einem bis dato wirklich nicht sonderlich gläubigen Menschen. Und genau mit diesem Menschen wollte ich über mich und mein Leben sprechen, einfach so, weil ich mich zufällig an ihn erinnerte. Und ich konnte ihn tatsächlich ausfindig machen und er war tatsächlich bereit sich mit mir, einem seit ein paar Wochen nicht mehr trinkenden Alki, zu unterhalten. Obwohl das nun so gar nicht sein "Bereich" war. Einfach so, wir kannten uns ja nicht und ich musste auch viele Kilometer bis zu seiner Abtei fahren.

    Es wurden zahlreiche Gespräche daraus. Viele Anregungen gab mir dieser Mensch, viele Hinweise ich wie mein Leben (dass komplett zusammmen gebrochen war) neu ordnen konnte. Nie ging es dabei um Gott oder beten, jedoch denke ich heute, dass für ihn sein Gott immer der Wegweiser für sein Handeln mir gegenüber war. Und was soll ich sagen: Er war die Schlüsselfigur für mein heutiges wunderbares Leben und sagt aber berichtigterweise zu mir: Der Schlüssel warst und bist du selbst!

    Ich bin heute wirklich ein sehr glücklicher und sehr zufriedenen und sicher auch dankbarer Mensch. Hätte mir damals jemand gesagt wo ich heute stehe, ich hätte sicher kein Wort geglaubt.

    Ich kann Dir nur sagen: Vertraue in Dich, sei mutig, probiere auch mal was "verrücktes" aus, wenn das klassische nicht funktioniert. Es gibt so viele Weg in die Sucht, so viele individuell unterschiedliche Wege. Und genausoviele gibt es auch wieder heraus.

    Ich wünsche Dir das Allerbeste!

    LG
    gerchla