Beiträge von Gerchla

    Hallo Tusnelda,

    erst mal herzlich Willkommen hier im Forum.

    Dein Post wirkt gerade noch in mir nach. Das ist jetzt für mich gar nicht einfach einzuschätzen, was Dich da bezüglich des Trinkens genau antreibt.

    Ein Wort kommt allerdings recht häufig vor und das ist das Wort "Schmerzen".

    Was bedeutet das? Hast Du körperliche Schmerzen wenn Du nicht trinkst? Heißt das, dass Du körperliche Schmerzen durch die betäubende Wirkung von Alkohol bekämpfst? Dann wärst Du quasi sowas wie ein Schmerzpatient?

    Ich kenne da jemanden näher, der ein Schmerzpatient ist. Hatte mehrere echt dumme Unfälle und dadurch einige irreperable Schäden im Knochen- und Nervenbereich die immer wieder Schmerzen verursachen bzw. tatsächlich auch einen Dauerschmerz erzeugen. Diese Person geht regelmäßig in eine Schmerzklinik. Das sind dann immer ca. 4 wöchige Schmerzbehandlungen / Therapien (auch psyschischer Art) die dieser Person tatsäch ganz erheblich helfen. Medikamentös wird sie unterstützt, wobei es da auch ein längerer Prozess war, bis die richtigen Medikamente in der richtigen Dosierung und Kombination gefunden waren. Jetzt allerdings funktioniert das ganz gut, so erzählt das diese Person jedenfalls selbst. Ich glaube diese Person geht einmal im Jahr in so eine Schmerzklinik und da werden dann auch die Medikamente neu eingestellt usw. Wie gesagt, sie sagt, dass es ihr jetzt damit ganz gut geht und sie gelernt hat mit den Schmerzen, die wohl nie ganz weg sind, umzugehen.

    Bist Du jetzt jemand, der zu diesem Personenkreis gehört? Oder ist das mit den Schmerzen anders gemeint?

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    grundsätzlich finde ich es eine sehr gute Idee, eine Eheberatung in Anspruch zu nehmen bevor man "einfach" alles hin schmeißt. Es macht dann Sinn, wenn BEIDE Partner das Gefühl haben, dass es sich lohnt für die Beziehung zu kämpfen. Das also beide Partner das Gefühl haben, das ein gemeinsames Miteinander noch möglich ist.

    Ich kann nicht einschätzen wie das bei Dir aussieht. Ich weiß auch nicht was dieses "Wir" in Anführungszeichen genau aussagen soll. Ich vermute mal, Du hast ihn dazu überredet sich darauf einzulassen?

    Es könnte sein, dass diese Geschichte sehr emotional für Dich wird. Das ist sicher von seinen Reaktionen abhängig und wohl auf von dem, was Du im Anschluss der offiziellen Termine mit Berater dann zu hören bekommst oder auch nicht zu hören bekommst.

    Ich finde es ganz mutig, dass Du diesen Weg gehst. Diese Chance habe ich meiner Ex-Frau damals nicht gegeben. Allerdings sah ich damals auch keinen Weg einer weiteren gemeinsamen Zukunft mehr. Ich wollte also für diese Beziehung gar nicht mehr kämpfen. Im Gegenteil, ich hätte eher Angst davor gehabt, dass mich so eine Beratung (nachgedacht darüber hatte tatäschlich meine Ex-Frau) wieder "überredet" doch in dieser Beziehung zu bleiben. Und es war für mich schon megeanstrengend gewesen, den Entschluss der Trennung zu fassen. Wenn ich da jetzt wieder ins Wanken geraten wäre, ich weiß nicht ob ich das alles trocken überstanden hätte. Aber wie schon mal geschrieben, meine Situation ist da jetzt mit Deiner vergleichbar, bei mir waren da ganz andere Bedingungen vorhanden.

    Wenn ich mir allerdings im Nachhinein etwas vorwerfen könnte, dann das, dass ich meiner Ex-Frau diese Chance verwehrt habe. Andererseits bin ich aber überzeugt, dass ich für MICH richtig gehandelt habe und das es für mich nur den Weg der Trennung gab. Also da bin ich tatsächlich in einem kleinen Konflikt der mich aber heute nicht mehr belastet.

    Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Du das probierst, also wenn Du an eine gemeinsame Zukunft mit Deinem Mann tatsächlich glaubst. Jedoch möchte ich Dir ans Herz legen, immer bei Dir zu bleiben. Und auf's schärfste aufzupassen, dass Deine Abstinenz nicht in Gefahr gerät. Sie ist das allerwichtigste in Deinem Leben, das darfst Du nie vergessen.

    Alles alles Gute und viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo Alex,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40 und Alkoholiker. Ich lebe jetzt seit mehreren Jahren ohne Alkohol.

    Du klingst bzw. schreibst recht verzweifelt. Was ich sehr gut verstehen kann. Vielleicht möchtest Du noch ein wenig mehr von Deiner Situation bzw. der Situation Deiner Frau schreiben?

    Also 1 - 2 mal die Woche schießt sich Deine Frau mit Alkohol ab. Was ist an den anderen Tagen? Lebt sie da abstinent, ich meine komplett ohne Alkohol? Du schreibst ja, sie ist dann clean, heißt das sie rührt dann keinen Tropfen an? Und wie steht sie zu dem was sie da macht? Sprichst Du mit Ihr über die Situation bzw. könnt Ihr darüber überhaupt sprechen? Wenn ja, was sagt sie dann dazu? Ist sie selbst der Meinung, dass sie ein Problem hat oder sieht sich sich selbst sogar als alkoholkrank an?

    Du merkst vielleicht, dass meine Frage in Richtung Bewustsein Deiner Frau abzielen. Denn es ist eigentlich nicht entscheidend, was Deine Frau "müsste", sondern es ist entscheidend was Deine Frau will. In eine Klinik musst oder solltest Du sie einweisen lassen, wenn akute Gefahr für sie besteht. Das ist klar. Wenn es Dir aber mit Deiner Frage darum geht (und das vermute ich), was man tun kann, damit Deine Frau vom Alkohol weg kommt, dann ist der Wille und die Einsicht des Süchtigen der Schlüssel zum Erfolg.


    Noch ein paar Worte zu den Depressionen. Es ist leider so, dass Alkohol bei Depressionen genau das falsche ist. Das ist ein bischen Henne / Ei -Prinzip: starker und regelmäßiger Alkoholkonsum kann Depressionen auslösen, Alkoholiker haben nicht selten große Probleme mit Depressionen. Andererseits versuchen Menschen mit Hang zum Depressiven manchmal auch diese depressiven Gedanken mit Alkohol zu "lindern" - was anfangs vermeintlich auch funktionieren kann, jedoch aufgrund dieser Wirkung dann schnell in eine Suchtspirale führt, was dann wiederum zu einer Verstärkung der Depressionen beiträgt.

    Du merkst, es ist nicht so einfach. Wenn Deine Frau tatsächlich alkoholsüchtig sein sollte, dann ist eine sinnvolle Behandlung ihrer Depressionen ohne eine Behandlung ihrer Sucht nicht möglich. Sollten ihre Depressionen durch Alkohol ausgelöst werden, dann wird sie durch ein abstinentes Leben wahrscheinlich "ganz von selbst" geheilt werden. Das ist jetzt einfach gesprochen, ich bin weder Arzt noch kenne ich die Hintergründe bei Deiner Frau. Aber Menschen die ihre Alkoholsucht überwinden sind danach sehr häufig wesentlich positiver unterwegs als jemals zuvor.

    Zitat

    Fühle mich so hilflos!


    Das bist Du im Grunde genommen auch ein Stück weit. Zumindest was Deine Frau betrifft. Ihr könnte nur geholfen werden, wenn sie das selbst möchte. Und in diesem Fall wärst Du sicher eine gute Stütze für sie.

    Wenn sie jedoch keine Hilfe möchte oder eben der Meinung ist, sie hat gar kein Problem, dann wird's schwierig. Dann bleibt Dir nur darauf zu achten, dass Du selbst bei der ganzen Geschichte nicht drauf gehst. Dann musst Du Dich schützen. Du kannst da nicht viel für sie tun.

    Es wäre jetzt wirklich interessant zu wissen, wie Deine Frau das sieht. Ob sie selbst für sich einen Handlungsbedarf sieht oder ob das "nur Deine Meinung" ist. Wenn sie nämlich tatsächlich komplett uneinsichtig ist, dann müsstest Du wohl überlegen, was Du für Dich tun kannst. Nicht was Du für sie tun kannst.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch und viele gute Anregungen die Dich weiter bringen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgne Girlfriend,

    Zitat

    Leider gibt es eine große Hemmschwelle, einfach fortzugehen - wir haben ein gemeinsames Kind... Ich will unsere Familie nicht auseinander reißen müssen

    Oh mein Gott - wie falsch Du die Dinge doch siehst. Wie falsch Du darüber denkst.... Genau das Gegenteil ist doch der Fall. Dein Kinde, Euer gemeinsames Kind, sollte keine Hemmschwelle sein ihn zu verlassen sondern ein Katalysator, ein Beschleuniger. Wenn nicht wegen des Kindes, warum dann? Egal wie alt das Kind ist, egal ob er das Kind "gut behandelt", es ist eine Katastrophe für ein Kind mit einem süchtigen Elternteil aufwachsen zu müssen.

    Weißt Du was Dein Kind erleiden muss, wenn es mit einem zugekifften Alki-Vater aufwächst? Hast Du eine Ahnung was das alles in Deinem Kind kaputt machen wird? Und Dein Kind kann sich nicht dagegen wehren. Du hast die Verantwortung für Dein Kind. Dein "Freund" kann keine Verantwortung mehr übernehmen, denn er hat sein Leben an den Alkohol und die Drogen abgegeben. Somit hast Du hier einen Suchtkranken vor Dir, dem Du 1. kein Wort mehr glauben kannst und der 2. nur noch für seine Sucht lebt und absolut nicht in der Lage ist für irgendwas Verantwortung zu übernehmen. Er müsste erst mal für sein eigenenes Leben Verantwortung übernehmen bevor er das für ein Kind tun könnte. Aber davon ist er Lichtjahre entfernt.

    Ich bin übrigens auch Alkoholiker. Ich hatte Familie, 2 Kinder, ich weiß wovon ich Rede. Ich weiß auch, was ich meinen Kindern angetan habe. Heute weiß ich das, als ich soff war mir das überhaupt nicht klar. Wie auch, ich war im Grunde genauso wie Dein Freund. Ich nahm keine Drogen, ok, aber alles was ich machte und dachte drehte sich nur um Alkohol und sonst nichts. So ist das einfach, und ich kann Dir an Herz legen, den Menschen die Dir hier schreiben zu vertrauen.

    Alle, die wir hier schreiben, sind etweder selbst Alkoholiker oder aber Angehörige, die ein Zusammenleben mit einem Alki hinter sich haben. Es ist alles echt hier. Was wir hier schreiben ist leider die schreckliche Realität und keinesfalls übertrieben oder schlecht geredet.

    Also deshalb nochmal von mir: Du solltest für Dich aber vor allem für Dein Kind Verantwortung übernehmen. Und Dich trennen. Wenn ihm was an Euch liegt, dann kann er ja das tun, wovon er glaubt es immernoch tun zukönnen, er kann ja aufhören mit Drogen und Alkohol. Er sagt ja, dass er alles im Griff hat. Wunderbar, wenn er Euch liebt, dann sollte das doch eine seiner leichtesten Übungen sein. Dann probiers doch mal aus was passiert, wenn Du gehst.... Wahrscheinlich gar nix, er wird Dich beschimpfen oder Dich weinerlich anflehen, dass er es ohne Dich nicht schafft. Oder eine Kombination aus beidem. Aber ich glaube nicht, dass er zum Arzt geht, einen Entzug macht, anschließend eine Therapie antritt und sich nebenher noch eine Selbsthilfegruppe sucht. Ich glaube das nicht. Probiers aus!

    Ich kann Dir nur raten Dein Leben und das Leben Deines Kindes nicht von einem drogensüchtigen Alkoholiker verpfuschen zu lassen. Aber letztlich ist das natürlich Deine Entscheidung.

    Alles Gute wünsche ich Dir und viel Kraft für Dich und Dein Kind.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Deinen Weg finden kannst. Du hast es Dir verdient.

    Und wenn Dich diese Therapie weiter bringen kann, dann zögere nicht. Und so scheint es ja zu sein. Also überlege nicht, mache es! Mach etwas für Dich, nur für Dich! Aber um Himmels Willen greif nicht wieder zum Alkohol. Du kannst wirklich sicher sein, damit wirst Du nicht nur nichts erreichen, sondern zusammen mit dem Zeug untergehen.

    Es ist sehr gut, dass Du etwas unternimmst, dass Du erkennst, dass Du gefährdet bist und es nicht einfach verdrängst oder ignorierst. Das macht Dich stark.

    Bleib bitte dran!

    LG
    gerchla

    Hallo Alexander,

    erst mal noch ein herzliches Willkommen von mir.

    Du bist ja jetzt erst mal weg, dann wirst Du diesen Post zwar erst in zwei Wochen lesen, ich schreibe ihn trotzdem schon jetzt.

    Ich selbst bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe nun schon länger ohne Alkohol.

    Zur Situation mit Deinem Vater möchte ich jetzt erst mal folgendes schreiben:

    Scheint wohl so, dass Dein Vater schon immer getrunken hat. Mal mehr, mal weniger. Die Anzahl der Biere ist dabei nun gar nicht so entscheidend. Entscheidend ist eher, dass er, zumindest nach Deinen Beschreibungen, süchtig trinkt. Er scheint also schlicht und ergreifend ein Alkoholiker zu sein. Wenn er nicht trinkt, gehts ihm nicht gut und köperliche Entzugserscheinungen treten bei ihm ebenfall schon auf, so wie Du das beschrieben hast.

    Damit kannst Du Dich schon mal von dem Gedanken verabschieden, dass es Deinem Vater besser gehen würde, wenn er WENIGER Bier trinken würde. Das stimmt in der Theorie natürlich zu 100%, ist in der Praxis aber nicht möglich. Wenn er süchtig ist dann kann er nicht einfach weniger trinken. Das kann er dann vielleicht mal eine Zeit lang und dann auch nur mit erheblichen Kraftaufwand. Ich denke aber, so wie Du schreibst, dass er dazu überhaupt keine Lust hat bzw. auch keinen Anlass sieht. Warum sollte er? Passt doch alles soweit.

    Er gehört also zu denjenigen, die ihr Leben lang tranken (mein Vater gehört übrigens ebenso genau in diese Kategorie), jedoch nie richtig "abstürzten". Also er hat scheinbar nicht damit begonnen auf harte Sachen umzusteigen um dadurch seine Alkoholmengen deutlich zu erhöhen. Er ist immer bei seinem Bier geblieben, wobei sich die Menge des selbigen langsam nach oben entwickelt hat. Ggf. könnte die Menge mit zunehmenden Alter auch wieder etwas abnehmen, weil man da dann nicht mehr so viel "braucht" bzw. verträgt. Was aber die Situation keinesfalls verbessert, denn es ändert an seinem Verhalten ja nichts. Hier könnte ich jetzt meinen Opa als gutes Beispiel nehmen.

    Er trank sehr viel (was ich aber nur aus Erzählungen weiß weil ich da noch nicht geboren bzw. zu jung war) und reduzierte dann im Alter langsam. Ich erinnere mich in meiner Kindheit an 3 - 4 Bier pro Tag, die er so vor sich hin trank und an ein immer halbvolles Bierglas, das dazu am Küchentisch stand. Das mit der Menge, das kann ich natürlich nicht aus meinen Kindheitserinnerungen ableiten, denn auf sowas habe ich da nicht geachtet. Das habe ich bei meiner Mutter mal erfragt, nachdem ich begonnen hatte mich mit meiner eigenen Sucht auseinander zu setzen.

    Nun, wie willst Du da jetzt etwas an dieser Situation ändern? Wie willst Du Deinem 72jährigen Vater klar machen, dass er Alkoholiker ist und dass er sich damit sein Leben verpfuscht (das sich bereits in der letzten Lebensphase befindet und für Zunkunft nicht wahnsinnig viele Perspektiven offen lässt). Und dass er damit natürlich auch Deine Mutter und letztlich ja auch Dich (sonst wärst Du nicht hier) erheblich belastet.
    Gerade bei älteren, noch trinkenenden Alkoholikern ist es nicht so einfach, Gründe zu nennen, weshalb sie aufhören sollten. Und ich denke, dass es diesen Menschen dann auch selbst nicht so einfach ist, diese Gründe für sich zu finden.

    Und hier kommt ja nun nochmal was anderes ins Spiel. Gründe kannst Du ihm nenen wie Du willst. Er muss es selbst wollen, er muss es selbst so sehen. Nur dann könnte er den Weg in die Abstinenz gehen. Leider funktioniert das bei dieser Krankheit nicht so, dass er halt eben mal einfach weniger trinkt oder ganz damit aufhört. Wenn er das wollen würde, wäre das eine große, vielleicht die größte, Herausforderung seines Lebens.

    Insofern scheint es wohl so zu sein, dass Du einfach nur auf Dich schauen kannst. Du musst damit klar kommen das er trinkt. Das ist sein Leben, nicht Deines. Du kannst nur an oder bei Dir was verändern, nicht bei ihm.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Libelle,

    Du machst das alles genau richtig. Ich kann mir vorstellen, dass es schmerzt plötzlich überhaupt nichts mehr zu hören. Überhaupt keine Reaktion zu bekommen, wo Du doch die ganze Zeit vorher alles Mögliche versucht hast um zu helfen, Du so gelitten hast, Du schamlos ausgenutzt wurdest. Es scheint dann so, dass das jetzt alles nichts mehr "Wert" ist, dass das alles "vergessen" ist.

    Aber es war Deine Entscheidung das alles nicht mehr zu zulassen. Dich nicht mehr ausnutzen zu lassen, nicht mehr als emotionaler Mülleimer zu dienen, nicht mehr vom Leben eines anderen abhängig zu sein. Und es war die einzig richtige Entscheidung. Und es zeigt auch, wie diese Sucht funktioniert. Wenn dem Süchtigen der Partner nicht mehr passt, dann wird er ersetzt, sofern es irgendwie möglich ist. In Deinem Fall gehts halt zurück zu Mami. Alles völlig egal, hauptsache man kann weiter trinken. Mit einer Partnerschaft oder gar Liebe hat das alles nichts zu tun.

    Die Reise nach Griechenland finde ich mal richtig gut!!! September ist es normal auch nicht mehr so heiß, da kannst Du die Seele schön baumeln lassen.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Siegfried,

    also das mit dem Lindenblatt hat mich jetzt echt schmunzeln lassen.

    Aber eigentlich ist Deine Geschichte eher nicht zum schmunzeln sondern das Gegenteil. Ich finde es prima, dass Du das hier aufschreibst. Und ich finde es auch sehr schön, dass Du schreibst, dass Dir das hilft und gut tut.

    Ich habe erst nachdem ich trocken wurde damit angefangen zu verstehen, welche enormen Auswirkungen z. B. die Kindheit und das Verhältinis zu den Eltern aber, zumindest bei mir, auch zu den Großeltern haben kann. Und wie gesagt, ich hatte jetzt wirkliche keine klassisch schlechte Kindheit und Jugend. Ich denke auch weit von dem entfernt, was Du von Dir schreibst.

    Dennoch lese ich Deine Zeile sehr intensiv und kann immer wieder Rückschlüsse auf mich selbst ziehen. Z. B. was das Thema "Umarmungen" betrifft im Bezug auf meinen Vater. Dann wurden bei uns z. B. nie Probleme diskutiert, also wirklich nie. Meine Eltern leben ja noch und das ist bis heute so. Selbst als ich mich vor den beiden als Alkoholiker geoutet hatte (und glaube mir, das ist mir nicht leicht gefallen, war ich doch immer der HELD in der Familie gewesen), wurde das einfach wegignoriert. Also sie haben es wirklich einfach wegignoriert, übergangen und so schnell wie möglich das Thema gewechselt.

    Ich sage, wenn mein Sohn heute zu mir käme und mir sagen würde, dass er Alkoholiker ist, da würde ich aber erst mal eine ganz andere Reaktion an den Tag legen.

    Also, ich will jetzt erst mal nicht weiter von mir schreiben. Es geht ja hier um Dich. Ich lese Dich weiter, auch wenn ich nicht immer dazu komme selbst etwas zu schreiben.

    LG
    gerchla

    Hallo Britt,


    So wie ich es noch von mir in Erinnerung habe (auch durch div. Fortbildungen in der Selbsthilfe), konzentriert sich StoF auf die kritischen Situationen im Alltag der Abstinenten. Man erarbeitet gemeinsam Ausweich- bzw. Bewältigungsstrategien.

    Ich habe diesbezüglich keinerlei eigene Erfahrungen. Und wie ich aus den Beiträgen von Dietmar weiß, hat er über die verschiedensten Therapieformen in Bezug auf unsere Krankkeit ein sehr umfassendes Wissen. Trotzdem würde ich gerne meine Gedanken dazu da lassen, die Dietmar gerne korrigieren kann, wenn ich irgendwas komplett falsch einschätze.

    Es scheint mir ja ein Hilfsangebot an trockene Alkoholiker zu sein, die sich z. B. gerade in einer schwierigen Lebensphase befinden und, salopp ausgedrückt, Angst um ihre Abstinenz haben. Oder auch an trockenen Alkoholiker, die z. B. durch ein bestimmtes Ereignis aus der Bahn geworfen wurden, viellicht eine schlimme Diagnose eines Arztes oder auch irgend etwas anderes, dass sie selbst nicht in der Hand haben.

    Mir geht es bei meinen Gedanken, bei dem was ich sagen will, jetzt tatsächlich um dieses "nicht selbst in der Hand haben". Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so eine Therapie sehr hilfreich sein kann, wenn man Gefahr läuft wieder den Alkohol als Problemlöser ins Auge zu fassen. Weil z. B. ein lieber Mensch verstorben ist oder man vielleicht auch anderweitig einen schweren Schlag versetzt bekommen hat. Wenn man dadurch dann am Sinn seines eigenen Lebens zu zweifeln beginnt und denkt, jetzt ist es schon egal. Da kann ich mir wengistens mit Alkohol mal ein paar Stunden Erleichterung verschaffen.

    Da gibts aber dann ja auch noch die Art von Problemen, die man sozusagen dauerhaft mit sich herum schleppt. Dinge, die man eigentlich selbst ändern könnte und sie auch ändern müsste um eine positive Veränderung überhaupt erzeugen zu können. Dinge, die jetzt nicht mit einem bestimmten Ereignis zusammen hängen sondern die in einer großen Gesamtkonstellation zu sehen sind. Dinge vielleicht, die einem von vorne herein überhaupt erst dazu gebracht haben, den Alkohol als Problemlöser oder Entspannungsmittel zu nutzen. Und die auch nach dem Ausstieg aus der Sucht nicht beseitigt wurden oder beseitigt werden konnten. Die aber eigentlch trotzdem permanent weiter belastend waren und die man nur mit großem Kraft- und Energieaufwand soweit zurück drängen konnte, dass sie nicht wieder als Auslöser für den Griff zur Flasche wurden. Und dadurch aber trotzdem permanent wie ein Damoklesschwert über einem schweben.

    Wie gesagt, ich kenne mich da nicht aus. Vielleicht wird in dieser Therapieform ja auch genau über solche Sachen gesprochen. Das wäre natürlich prima und sehr hilfreich um den richtigen Weg zu finden. Falls nicht, dann müsste man wohl andere Wege gehen.

    Diese Gedanken wollte ich einfach mal da lassen. Ich denke halt immer: Sollte man die Ursache für sein Unwohbefinden selbst tatsächlich kennen, und sollte man in der glücklichen Lage sein diese Ursache auch selbst beseitigen zu können, dann ist das immer der beste Weg. Kennt man die Ursache nicht genau, dann wäre es gut sie heraus zu finden. Und stellt man zu guter Letzt fest, dass man die Ursache zwar kennt, aber nicht beseitigen kann, ja dann sollte man Strategien entwickeln damit leben und umgehen zu können. Aber auch nur dann....

    LG
    gerchla

    Hallo Siegfried,

    haha, ich bin wahrscheinlich der Letzte, der den Bezug Deines Namens zum Drachentöter dann auch irgendwann mal kapiert hat.... ;D

    Jetzt aber wieder ernst:

    Ich fände es sehr spannend Deine Geschichte zu lesen. Wenn Du das im Adlersuchsystem hinbekommst, ich würde Dich gerne lesen. Möglicherweise hilft Dir das aufschreiben Deiner Geschichte auch weiter, bringt Dir vielleicht neue Einblicke. Da scheint ja einiges auch in Deiner Kindheit zu stecken. Das ist bei mir übrigens auch so, ich habe da auch recht tief gegraben nachdem ich trocken war. Obwohl ich gemeinhin sagen würde, dass ich eine sehr gute Kindheit hatte liefen da doch ein paar Dinge nicht ganz so gut die mir meine spätere Flucht in die Sucht ganz gut nachvollziehbar machen. Das ist jetzt aber nicht so, dass ich damit die Schuld an meiner Sauferei irgendwie irgendjemand zuschieben will. Mir war es da eher wichtig zu verstehen wie es so kommen hat können und warum ich nicht in der Lage war, anders mit den Dingen umzugehen. Und natürlich wollte ich daraus lernen und ich glaube, das habe ich auch.

    Ich freue mich auf jeden Fall wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Danke liebe Britt, jetzt verstehe ich das etwas mehr.

    Ganz wichtig, dass Du nicht trinkst. Denke immer daran, dass der Tag danach kommen würde. Nur ganz kurz, nur sehr beschränkt könnte Dir der Alkohol eine trügerische Erleichterung verschaffen. Um Dich dann umso gewaltiger in die Tiefe zu reißen. Du weißt das, Du hast das schon erlebt.

    Sehr gut, dass Du morgen einen Termin bei Deiner Therapeutin hast.

    Und Du hast Recht, Du trinkst nicht und nur das zählt. Erst mal, jetzt und auch in der nächsten Zeit. Aber versuche, wenn Du irgendwie kannst, diese Zeit die Du Dir jetzt ohne Alkohol erkämpfst dafür zu nutzen, Deine Zukunft zu gestalten! Da kann Dir Deine Therapeutin bestimmt auch helfen. Nutze Deine Zeit Dir ein Leben vorzubereiten, dass Du dann ohne Alkohol dauerhaft führen kannst. Und zwar, und das finde ich ganz wichtig, ohne das Du kämpfen musst. Ohne das es Dir schwer fällt sondern weil Du es so willst und es auch genießt.

    Das geht, glaube mir. Es geht, wenn es das Leben ist, dass Du leben möchtest. Wenn Du das Leben führst, dass Du Dir wünscht, wirst Du das erreichen. Das es auch in diesem Leben mal Probleme gibt steht außer Frage. Aber wenn Du es richtig machst und klar bist, Dich gefunden hast, dann werden Dich Probleme, auch größere, nicht mehr ins Wanken bringen. Dann wirst Du sie lösen, und zwar ohne dabei auch nur einmal an Alkohol zu denken.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo Siegfried,

    schön das Du da bist! Herzlich willkommen.

    Wenn sich Dein Finger wieder etwas erholt hat, dann würde mich interessieren, was Du in Deinem abtinenten Leben vermisst. Da muss ja irgendwas fehlen, wenn Du nicht so zufrieden bist. Kannst Du das beschreiben? Also nur, wenn Du das willst natürlich.

    Und übrigens: Meinen Glückwunsch zu 8 Jahren ohne Alkohol! Vermutlich wärst Du, wenn Du weiter getrunken hättest, heute nicht mehr unter uns, oder wie schätzt Du da die Situation selbst ein? Ich für meinen Teil bin mir sehr sicher, dass ein neuerliches Trinken meinerseits mein sicheres Ende wäre. Ob ich nochmal die Kraft finden könnte erneut aufzuhören, ich weiß es nicht.

    Aber ich bin z. B. sehr sehr glücklich und zufrieden. Und da "hilft" mir doch tatsächlich meine schlimme Trinkerzeit dabei. Kaum zu glauben, aber wenn ich meiner Saufzeit etwas Positives abgewinnen kann, dann sind es diese Erfahrungen und die Erinnerungen, die mich heute zu einem recht dankbaren und ich sage jetzt mal auch bescheidenen Menschen machen. Also jemanden, der mit kleinen Dingen schon zufrieden sein kann und der so oft einfach nur dankbar ist, dass er nicht mehr trinken muss. Und ich trinke jetzt auch schon mehrere Jahre keinen Alkohol mehr.

    Insofern finde ich es wirklich interessant, warum das bei Dir etwas anders ist. Warum Du nicht so ganz zufrieden bist. Ich würde mich freuen wenn Du darüber ein wenig erzählen würdest. Ich kann von Deinen Erfahrungen bestimmt was für mich mitnehmen.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier bei uns im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Britt,

    also ich will mich nicht in Deine Diskussion mit Greenfox einmischen. Aber ich würde gerne verstehen, worüber ihr da gerade diskutiert.

    Deshalb meine Frage: Bist Du auch bei der Polizei? Also so habe ich das jetzt mal interpretiert. Und viele aus Deinem Umfeld sind ebenfalls bei der Polizei? Vielleich sogar Dein Mann?

    Falls dem so sein sollte, dann vermute ich mal, das Greenfox das erst mal nicht so verstanden hat. Ich war auch ein wenig verwirrt.

    Ansosnsten hoffe ich, dass es Dir einigermaßen gut geht, Du gut voran kommst und Du weiter Klarheit über Dein künftiges Leben gewinnen kannst.

    Alles Gute und

    LG
    gerchla

    Zitat

    Mein zentraler Trigger befindet sich zu Hause! Ich habe über die Jahre immer wieder neue Verstecke und Möglichkeiten gefunden Alkohol heimlich zu kaufen, in den eigenen vier Wänden zu verstecken und (vermeintlich) heimlich zu trinken. Dadurch, dass ich in einem relativ großem Wohn und Geschäftshaus lebe und arbeite war und ist das möglich geworden. (ich habe in meinem anderen Thread "Ein Ort der Hölle" dazu etwas genauer geschrieben)

    Genau wie bei mir! Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Ich koche z. B. sehr viel und sehr gerne, also eigentlich fast immer. Auch da war für mich klar: während des Kochens wird getrunken. Auch wenn das wieder heimlich war oder, wenn ich "ganz offiziell" einen "Kochwein" für eine leckere Soße benötigte. Es gab einige Weinflaschen, die ich dann einfach leer gesoffen habe und ersatzweise mit Tee oder Wasser aufgefüllt habe, je nachdem ob Rot- oder Weißwein. Da meine Frau quasi nichts trank, bestand nur geringe Gefahr, dass sie bemerken würde, dass da gar kein Wein mehr drinnen ist. Nach ein paar Tagen musste ich ihn dann natürlich wiederum "ganz offiziell" weg schütten. Weil da war er dann ja umgekippt. Wow, schon krass wenn ich da so im nachhinein darüber nachdenke. Ganz schöner Aufwand nur wegen der Sauferei....

    Aber ich habe diese Herausforderung ganz gut hinbekommen. Auch die mit dem Kochen. Ich wollte das ja weiter machen, also ich meine für meine Familie kochen. Ich glaube da ist es ziemlich entscheidend, dass sich erst mal überhaupt kein Alkohol mehr im Haus befindet. Also kar keiner mehr, auch nicht für eventuellen Besuch oder so. Alles weg tun, am besten persönlich und hochoffiziell wegschütten, auch oder gerade wenn es teueres Zeug war. Egal. Weg damit und einen klares Zeichen setzten.

    Und auch da ist es so, dass Du an einen Punkt kommen kannst, wo Du durchaus mal wieder temporär Alkohol im Haus haben kannst. Weil Du z.B. Gästen ein Glas anbieten willst. Ich kann das mittlerweile. Aber das ist sehr sehr selten, denn irgendwie wissen ja alle das ich (wir, meine Frau trinkt auch kaum) nichts trinken und unser Umfeld ist kein Trinkerumfeld. Somit verzichten diese Menschen auch ganz automatisch. Sie erwarten keinen Alkohol wenn sie bei uns sind. Und das funktioniert wunderbar....

    Aber klar, manchmal gibt es besondere Situationen, z. B. als ich zum zweiten Mal geheiratet habe und wir eine Feier bei uns organisiert hatten, wo eben schon einige ein Glas trinken wollten. Was ja auch ok ist, denn ich will jetzt nicht mein Problem auf alle anderen projezieren. Und damit kann ich mittlerweile ganz entspannt umgehen. Das kannst Du auch erreichen, nur pass' bitte verdammt auf und gib Dir dafür genügend Zeit.

    LG
    gerchla

    Hallo golfsegler,

    Zitat

    a, das ist schon richtig, aber die Woche Segeln in Kroatien ist sowas von Alkohol-Intensiv, dass ich da erst mal nicht mitmachen will (obwohl ich heulen könnte). Vielleicht fühle ich mich nächstes Mal schon etwas robuster in der Richtung und bin wieder dabei... Ist also wenn man so will nur eine präventive Vorsichtsmaßnahme.


    Ich finde es sehr gut, dass Du das so siehst. Nichts, absolut nichts ist wichtiger als Deine Abstinenz. Du solltest notfalls wirklich bereit sein, Dein komplettes Leben (in diesem Fall Dein Freizeitverhalten) zu verändern, falls es da starke Triggerpunkte gibt.

    Und ich finde es auch keine schlechte Strategie, Situationen bei denen man immer getrunken hat und die man mit trinken verbindet, erst mal zu vermeiden. Also nicht nach dem Motte: "Da muss ich jetzt durch und ich kann mich doch nicht mein Leben lang abschotten" sondern " ich vermeide jetzt erst mal diese Situationen und versuche meine frisch gewonnene Abstinenz zu stärken".

    Es kann durchaus sein, dass Du irgendwann wieder Segeln gehen kannst, sogar mit den selben Jungs. Wenn die "Fronten" mal geklärt sind, Du stabil bist, Dein Umfeld weiß und akzeptiert, dass Du keinen Alkohol mehr trinkst und Du selbst kein ungutes Gefühl dabei hast, dann kann das durchaus mal wieder funktionieren. Es kann aber auch sein, dass Du das gar nicht mehr willst. Nicht mehr in dieser Form, weil Du Gefahr siehst, weil Du es mit "Deinem alten Leben", Deinem nassen Leben verbindest. Aber das wird sich finden.

    Ich habe auch Freizeitbeschäftigungen, lieb gewonnene Freizeitbeschäftigungen aufgegeben. Ich sang viele Jahre im Chor, das hat mir viel Spaß gemacht. Nun war ich ja heimlicher Trinker, habe dort also unregelmäßig und wenn, dann wenig getrunken. In den Pausen oder danach beim Wirtshausbesuch. Jedoch trank ich heimlich auf der Hinfahrt, ich trank auf der Heimfahrt und ich "verlängerte" die Heimfahrt mit einem Besuch auf dem nahegelegenen Waldparkplatz um noch mehr trinken zu können. Und das war quasi mein Ritual, meine positive Erinnerung an die Chorproben. Die immer für mich bedeuteten, dass ich neben den 1,5 h singen, auch richtig Gelegenheit hatte alleine in Ruhe zu trinken.

    Als ich trocken wurde, wollte ich das nicht mehr. Nicht, dass mir der Chrogesang jetzt plötzlich nicht mehr gefallen würde, nein ich mag das nach wie vor sehr gerne. Aber es ist ein Teil meines alten, nassen Lebens. Und damit wollte ich abschließen und damit habe ich abgeschlossen. Jetzt habe ich andere Hobbies, z. B. laufe ich einmal im Jahr eine Marathon und liebe Langstreckenläufe grundsätzlich. Seit Jahren laufe ich mehrmals die Woche vor der Arbeit und genieße jeden KM. Also ein Hobby, das ich bereits vor meiner Trinkerzeit hatte und das ich während meiner Trinkerzeit gar nicht hätte ausführen können. Viele liebe Menschen, ganz andere Menschen als beim Chor, habe ich dadurch kennen gelernt. Wir haben viel Spaß, Alkohol spielt keine Rolle. Ich vermisse nichts!

    Das ist jetzt nur ein Beispiel. Ich denke Du weißt was ich meine.

    Ich bin sicher, Du wirst Deinen Weg finden.

    LG
    gerchla

    Hallo Cindy,

    harter Tobak, was Du da zu berichten hast. Erst mal: Herzlich Willkommen als aktive Schreiberin hier bei uns im Forum.

    Was Du schreibst zeigt wieder mal, was der Alkohol aus (vielleicht früher mal sehr netten) Menschen macht. Und was Angehörige zu erleiden haben, wenn sie sich das gefallen lassen.

    Du schreibst, dass Du hier schon recht intensiv mitgelesen hast. Darf ich fragen, was Du aus dem Gelesenen für Rückschlüsse gezogen hast? Eigentlich müsstest Du ja recht genau wissen, was Du zu tun hast, wenn Du etwas an Deiner Situation ändern möchtest.

    So wie Du Deinen Mann beschreibst, ist er mit seiner Sucht schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium angelangt. Wenn man dann mal in der eigenen Kotze und im eigenen Kot aufwacht dann ist schon nach 12, nicht mehr vor. Ich denke Dir ist klar, dass Du nicht darauf hoffen kannst, dass sich bei ihm irgendwas ändert, oder?

    Ich denke, dass Deine Situation natürlich alles andere als rosig ist, nicht zu letzt auch weger der schlimmen Erkrankungen die Du hattest und hast. Jedoch kannst Du auch hier nicht auf Verständis Deines Mannes hoffen. Denn er befindet sich ja in einer ganz anderen Welt. Du kannst das also nur selbst in die Hand nehmen. Nur Du allein kannst für Dich etwas ändern. Und ich finde,nach allem was Du schon durch machen musstest, hast Du ein Leben verdient, das so verläuft wie Du Dir das wünscht. Ohne das Elend, das Du durch einen saufenden Partner zu ertragen hast. Wie gesagt, nur Du allein kannst an dieser Situation etwas verändern.

    Bist Du bereit dazu das zu tun? Wenn ja, dann solltest Du Dir dafür alle Hilfe holen die Du bekommen kannst. Natürlich können wir Dir hier im Forum unsere Meinung schreiben. Jedoch wäre es sicher wichtig, dass Du auch in Deiner unmittelbaren Umgebung Menschen hast, die Dir helfen, die Du zu Rate ziehen kannst. Eine SHG für Anghörige z. B. - evtl. auch ein Anwalt, der Dir mal einen Überlick gibt, wie so eine Trennung finanziell dann eigentlich aussehen würde, welche Rechte Du hast usw.

    Aber das musst Du dann natürlich alles auch wollen, sonst macht das keinen Sinn. In jedem Fall wirst Du wohl auf Deinen Mann nicht zählen können. Oder glaubst Du, dass er mit dem Trinken aufhören wird, sich in eine Therapie begiebt und anschließend ein dauerhaft trockenen Leben führt?

    Alles alles Gute und viel Kraft! Und einen guten Austausch hier im Forum. Das wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Steffen,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Eine recht klassische Alkoholikergeschichte, die Du da von Dir erzählst.

    Zitat

    Ich habe mir da nun immer wieder die Frage gestellt, weshalb ich mich jedes Mal wieder selbst so betrügen muss.


    Diese Frage ist doch ganz leicht zu beantworten. Du bist krank. Du bist alkoholsüchtig, Du bist Alkoholiker. Und genau deshalb läuft das so, wie Du es beschreibst. Bei mir lief das ganz genauso. Immer wieder Versuche aufzuhören, kombiniert mit Versuchen kontrolliert weniger zu trinken. Immer wieder gelang es mir Trinkpausen einzulegen, manchmal sogar sehr lange Trinkpausen. Immer wieder endeten diese dann aber letztlich in erneutem Alkoholkonsum und meist war mein Trinkniveau nach den Pausen dann höher als vorher.

    Und immer die gleichen Gedanken: "Jetzt hast Du doch so lange nichts mehr getrunken, jetzt kannst Du doch mal wieder..." oder "wer so lange nichts trinken kann, der kann doch gar kein Problem haben, da kannst Du ruhig mal wieder", oder "du kannst ja jederzeit wieder aufhören, das hast du ja bewiesen" etc. etc.

    Das kommt alles vom Suchthirn. Der reine Verstand weiß ja eigentlich, dass das so nicht stimmt. Der wird aber "übersteuert" von der Sucht. Deshalb ist es ja eben KEINE Frage des reinen Willens ob man seine Sucht zum Stillstand bringen kann oder nicht. Und deshalb sind Alkoholsüchtige eben nicht einfach nur Menschen mit schwachem Willen. Da steckt dann schon etwas mehr dahinter.

    Zitat

    Ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich kein großes Selbstwertgefühl habe und ich schnell gemerkt habe, dass mich der Alkohol selbstsicherer macht.


    Das ist auch so ein Klassiker. Nicht wenige nutzen den Alkohol (auch wenn sie noch nicht abhängig sind) genau dafür. Locker werden, sicherer werden, nicht alles so schwer nehmen usw. Meine Erfahrung ist: Selbst wenn Du vor Deiner Alkoholikerkarriere einigermaßen selbstsicher warst, ein einigermaßen brauchbares Selbstwertgefühl hattest, die Alkoholsucht nimmt dir diese auf jeden Fall. Zwar wirkt man nach außen hin, wenn man seinen Pegel hat, oft als enorm Selbstbewust (manche auch Arrogant), jedoch schaut's in Wirklichkeit ganz anders aus. Alleine das schlechte Gewissen, das man als Alkoholiker i.d.R. immer hat wegen des zu hohen Konsums trägt enorm dazu bei, sein letztes Selbstwertgefühl auch noch zu verlieren.

    Und wenn man dann noch bei diversen Ausstiegsversuchen kläglich scheitert, fühlt man sich schnell als Versager. Die Wahrheit ist: Man ist krank, psychisch krank. Und es ist gar nicht so einfach diese Krankheit zu überwinden.

    Zitat

    Nun ist heute der 8. Tag ohne Alkohol und ich fühle mich ganz gut dabei.


    Damit müsstest Du dann ja jetzt die körperlichen Symptome überwunden haben. Dann kommt jetzt die eigentliche Arbeit. Nämlich die psychische Abhängigkeit zu überwinden die dafür Verantwortlich ist, dass wir Alkoholiker so gerne rückfällig werden.

    Hast Du einen Plan? Was tust Du außer nichts mehr zu trinken? Gehst Du wieder zur Suchtberatung? Denkst Du über eine Threapie nach? Wie schaut's mit einer realen Selbsthilfegruppe aus?

    Meine Erfahrung ist, dass "nur" nichts mehr trinken bei weitem nicht ausreicht. Das reicht für eine Trinkpause, jedoch nicht für eine dauerhafte Abstinenz.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ganz spontan habe ich genau das gedacht, was Greenfox Dir geschrieben hat. Warum spricht er nicht mit seiner Frau, sagt ihr was Sache ist und bittet sie, ihn bei seinem Weg heraus zu unterstützen?

    Ich habe mir das deshalb gedacht, weil Du so positiv von Deiner Frau geschrieben hast und weil sie Deine ganze Geschichte kennt und trotzdem immernoch zu Dir steht. Und, weil die Mengen die Du aktuell trinkst jetzt auch nicht exorbitant hoch sind. Verstehe mich nicht falsch, es liegt mir mehr als fern Deine Trinkmengen zu verharmlosen. Ich bin selbst Alkoholiker und würde das ich tun was Du aktuell tust wäre ich todunglücklich. Jedoch ist es so, dass Du (NOCH) nicht komplett abgestürzt bist, es noch einigermaßen kontrollieren kannst. Was sicher nicht ewig so gehen wird.

    Deshalb solltest Du genau jetzt die Initiative ergreifen und aktiv etwas unternehmen. Was Du ja auch tun willst und u. a. mit Deiner Anmeldung hier tust. Also vielleicht wäre es echt ein Weg, den Ihr, Deine Frau und Du, zusammen beschreiten könntet. D. h., sie könnte Dich gut unterstützen, gehen musst Du diesen Weg natürlich selbst.

    Ich wünsche Dir alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Sterke,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Gut das Du Dir Gedanken um Dein Trinkverhalten machst.

    Allerdings würde ich mir an Deiner Stelle erst mal Sorgen um die psychische Abhängigkeit machen. Die ist nämlich in der Regel viel früher vorhanden, lange bevor die körperliche einsetzt. Und diese psychische Abhängigkeit ist auch die, die Dir bleibt und die man letztlich als Sucht bezeichnet.

    Wenn Du bereis körperlich Abhängig wärst, dann könntest Du in die Entgiftung gehen und nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Du bist entgiftet und köperliche Abhängigkeit ist erst mal überwunden.

    Der Grund, warum aber viele oder die meisten trotzdem wieder mit dem Trinken beginnen ist die psychische Abhängigkeit. Um die zu überwinden gibt es u. a. unterschiedliche Therapieformen, z. B. Langzeitherapien oder auch die amblulante Variante.

    Insofern möchte ich mich gerne Greenfox anschließen. Um heraus zu finden wo Du eigentlich stehst kannst Du ja mal einfach für ein paar Wochen nichts mehr trinken. Und dann schaust Du mal was da in Dir so ab geht. Solltest Du Zittern, Schweißausbrüche und co. bekommen, dann am besten sofort zum Arzt, denn das wären dann tatsächlich körperliche Entzugerscheinungen, und da gibt's dann auch welche, die lebengefährlich werden können.

    Wenn das aber soweit ok ist und Du aber nur mit viel Kraftaufwand vom Alkohol weg bleiben kannst bzw. dauernd daran denkst endlich wieder einen verlöten zu können, dann solltest Du Dir mal Gedanken machen. Das wäre ein deutliches Anzeichen für eine Sucht. Wenn alles easy ist, dann solltest Du Dir auch Gedanken machen. Nämlich darüber was Du tun kannst, damit das auch so bleibt.

    Alles Gute und
    LG
    gerchla

    Hallo Dirk,

    das finde ich jetzt sehr interessant. Du hattest also ein ähnliches Trinkmuster oder Verhalten wie ich damals.

    Das Verheimlichen ging bei mir recht lange sehr gut. In den Zeiten, in denen ich noch mit 4 oder 5 Bier am Tag gut ausgekommen bin war das vor allem auch logistisch noch ganz gut machbar. Irgendwann hat sich die Menge dann mehr als verdoppelt. Dann war das mit der Beschaffungs- und Entsorgungslogistik für mich ein erheblicher Stressfaktor. Ganz schlimm war, dass ich mich manchmal nicht mehr genau erinnern konnte (wenn ich mal wieder neben Bier noch ne' Flasche Wein reingeschuttet hatte), wo ich das Leergut versteckt habe. Ich hatte die Angewohnheit, Leergut auch manchmal an Stellen zu bunkern, wo es durchaus jemand finden könnte. Da ich aber immer recht früh aus dem Haus bin, habe ich das immer heimlich eingesammelt. Blöd nur, wenn ich wusste, dass da irgendwo noch was sein müsste, ich aber einfach nicht darauf kam, wo genau....

    Wenn ich zurück denke überfällt mich das Grausen. Und ich werde sehr dankbar, weil ich heute ein so wunderbares Leben führen darf.

    Offenbar bist Du auch ab und an unterwegs, genau wie ich. Ich nutzte meine Reisen natürlich zum Trinken in Ruhe, auf dem Hotelzimmer nach den offiziellen Terminen. Herrlich, niemand der stören könnte. Aber irgendwann begann ich auch Reisen zu erfinden, also meiner Familie gegenüber. Diese Reisen gab es nicht, ich war aber trotzdem nicht zuhause und nutze die Zeit wiederum zum Trinken.

    Und das ganze natürlich gedeckt durch einen Haufen Lügereien. Das war am Ende alles so belastend für mich, dass ich das nie mehr wollte. Ich musste aber feststellen, dass das nachdem man trocken ist, nicht einfach weg ist. Also es steckte so in mir drin, dass ich auch nach ein paar Wochen ohne Alkohol immernoch lügen "wollte", also ganz automatisch weil's ja so gelernt war.

    Da musste ich erst mal per Kopf gegensteuern, ganz bewusst gegensteuern. Und daraus entstand dann letztlich auch mein Bewusstsein immer ehrlich sein zu wollen. Ich bin sehr froh das es jetzt so ist.

    Eine besondere Herausforderung ist natürlich die Geschichte mit Deinen Eltern. Ich wage es nicht Dir hier einen Rat zu geben. Manchmal kann man Dinge auch einfach so lassen wie sie sind, wenn die Wahrheit jemanden unnötig verletzen würde. Entscheidend, das finde ich jedenfalls, bist Du und ist Deine künftige Abstinenz. Vielleicht ist es egal, wenn Deine Eltern nicht bescheid wissen. Jedoch solltest Du für Dich Deine Abstinenz an aller erste Stelle stellen. Und zwar VOR allem anderen.

    Mir war klar, wenn ich jemals wieder trinken sollte, dann ist das mein Untergang. Soweit so gut, wenn ich untergehe ist das mein Problem. ABER - alle die mich lieben, und das sind jetzt erst mal meine Kinder und natürlich auch meine jetzige Frau und auch meine Eltern und Geschwister, würden einen nicht mehr gut zu machenden Schlag versetzt bekommen. Sie würden elendig leiden, meine Kinder z. B. die ja wissen was los ist, die wären bis ins Mark getroffen. Darum habe ich auch schon einige Entscheidungen im Leben getroffen, die hart waren für mein Umfeld, die jedoch für mich wichtig waren um sicher abstinent Leben zu können. So hart die Entscheidungen waren (z. B. die Trennung von meiner Ex-Frau, der Mutter zweier meiner Kinder), sie waren verglichen zu dem Szenario das ich wieder trinken würde, vergleichsweise harmlos. So sehe ich das und das hat mich sehr stark und sehr stabil gemacht.

    Um den Bogen zum Outing zu spannen: mir hat es besonders in den Anfangsmonaten geholfen, dass meine Familie wusste was los ist. Denn ich konnte einerseits nicht einfach zurück rudern, weil dann Fragen gekommen wären und hatte andererseits aber auch (das ist nicht zu verachten), das entsprechende Verständnis für bestimmte Situationen oder Entscheidungen. Es war hilfreich, das bestimmte Menschen wussten was los ist.

    Es freut mich, wenn ich Dir ein paar Anregungen oder Denkanstösse geben konnte. Letztlich sind die Wege aus der Sucht sehr indiduell, wie auch die Wege hinein. Du musst Deinen eigenen finden. Dafür alles Gute von mir.

    LG
    gerchla