Beiträge von Gerchla

    Liebe Claudia,

    jetzt verstehe ich. Alles klar, das habe ich dann falsch verstanden. Das ist sehr schön, dass Du Dich mit dem Arzt austauschen konntest. Das hiflt enorm, wenn man darüber reden kann. Das er Dir beim körperlichen Entzug nicht mehr helfen konnte zeigt, dass Du schon ein Stück des Weges geschafft hast 44.

    Was die Schnapsflaschen betrifft: Ich glaube es kommt immer darauf an, was man für ein Konsumverhalten hatte. Glücklicherweise bin ich nie richtig auf Schnaps umgestiegen. Zwar habe ich notfalls, ganz selten war das der Fall, wenn mir die Vorräte ausgingen und ich nicht unter irgend einem Vorwand schnell neue anlegen konnte, mich mal beim Schnaps bedient, es wurde jedoch nie zu Regel. Schnaps habe ich auch nie gekauft, alles was im Haus war waren Geschenke. Aber ich habe schon gemerkt, am zum Schluss hin, dass ich immer öfter mit dem Gedanken spielte, doch einfach mal Schnaps statt Bier oder Wein zu trinken, weil mich die Entsorgungslogistik immer mehr belastete. Da hätte ich es dann mit Schnaps erheblich leichter gehabt. Ich bin sicher es hätte nicht mehr allzu lange gedauert. Bin ich froh.....

    Zu Deinen Sorgen bezüglich es heutigen Abends (und wahrscheinlich auch der folgenden Abende): Mach Dir einen Notfallplan, was Du tust, wenn es ganz schlimm wird. Mit wem Du z. B. sprechen kannst, wenn es Dich ganz schlimm triggern sollte. Überleg Dir, ob Du nicht vielleicht doch früher ins Bett gehst und z. B. ein Hörspiel oder ein Hörbuch dabei anhörst (habe ich z.B. gemacht, da verging die Zeit und ich war abgelenkt). Und denke auch mal darüber nach (machst Du wahrscheinlich ohnehin aber sollte man sich immer wieder bewusst machen), was es Dir bringen würde, wenn Du trinken würdest. Welchen Vorteil außer des temporären Wegbeamens Du hättest und wie es Dir am nächsten Tag gehen würde. Welche Ziele Du hast und ob Du die erreichen würdest, wenn Du wieder mit dem Trinken beginnst. Vielleicht überlegst Du auch mal, wo Dir der Alkohol in der Vergangenheit einmal wirklich dauerhaft richtig geholfen hat? Mir fällt da bei mir nix ein. Usw. ich denke Du weißt was ich meine.

    Vielleicht versuchst Du aber auch ein anderes Ritual zu entwickeln. Ich trank abends z. B. enorm viel Tee, unterschiedlichster Art. Da gab es für mich interessante Geschmackserlebenisse und ich hatte immer Flüssigkeit im Bauch, also genauso wie zu Trinkerzeiten. Ich trank ja auch das meiste abends. Das mit dem Tee zubereiten und dann abends trinken habe recht lange gemacht. Es war quasi wie ein Alkoholersatz, hat mir auch geholfen und ich habe dadurch kaum Druck verspürt. Ich denke da musst Du jetzt mal ein wenig ausprobieren. Aber immer einen Notfallplan an der Seite haben!

    Drück die Daumen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Claudia,

    lass Deine Freundin mal ihr Leben leben. Jetzt geht es erst mal um Dich. Wenn Du Deinen Weg gehst, wirst Du sehen wie sie damit umgeht. Vielleicht ist es für ein Anstoss selbst etwas zu unternehmen, vielleicht wird sie sich auch von Dir entfernen. Du weißt ja, wenn, dann muss sie selbst etwas tun. Das ist nicht Deine Baustelle. Deine Strategie, erst mal nur zu telefonieren und auch offen zu sein, die finde ich gut. Du kümmerst Dich um Dein Leben, Du bist ehrlich, Du gehst Deinen Weg, wunderbar.

    Was Deinen Arzt betrifft: Schön, dass Du jetzt gegen Zecken geimpft bist (falls Du die Impfung angenommen hast), aber war das dann alles was er dazu gesagt hat? Bin etwas irritiert gerade. Und die Geschichte mit dem Brotzeitzimmer irritiert mich auch. Heißt das, dass Dein Hausarzt zusammen mit seinen Arzthelferinnen während der Brotzeitpausen Wein trinkt? Falls ja könnte es vielleicht keine schlechte Idee sein, noch mal einen anderen Arzt aufzusuchen. Oder wie siehst Du das?

    Zur Geschichte mit dem Supermarkt: Da hat jeder Alkoholiker besonders am Anfang der Trockenheit so seine Triggerpunkte. Ich z. B. habe mir meinen Alk (Bier aus Sixpack-Plastikflaschen) immer aus Discounter besorgt. Mich haben also z. B. normale Getränkemärkte oder auch die Weinregale in Supermärkten ziemlich kalt gelassen. Auch die kleinen Schnapsflaschen im Kassenbereich haben mich nicht interessiert, weil sie mich auch als nasser Alkoholiker nicht interessiert haben.
    Sehr wohl habe ich aber anfangs im Discounter den Bereich mit den Plastikbierflaschen "umschifft". Jetzt ist das alles gar kein Problem mehr. Ich nehme das gar nicht mehr war.

    Dann gibt es ja aber noch die ganzen anderen Alltagssituationen, wo man früher Alkohol getrunken hat.

    Traditionell war und bin ich in unserer Familie z. B. derjenige der kocht. Also nicht nur sonntags zum Protzen sondern die ganze Woche, also auch abends nach der Arbeit. Das ist auch nach meiner Trinkerzeit so geblieben weil ich das wahnsinnig gerne mache. NUR, als ich noch trank, kochte ich auch viel mit Alkohol, also Wein für die Saucen und habe dann heimlich neben her gebechert und ich habe zustätzlich fast immer nebenher heimlich Bier getrunken. Musste dann oft mal schnell in den Garten noch ein paar Kräuter schneiden etc. und bin dabei in den Schuppen wo einer meiner Biervorräte war. Das war fast immer so, auch im Winter fand ich Gründe. Ein Ritual sozusagen: Kochen = dazu trinken. Am Wochende schon mittags, unter der Woche abends.

    Als ich aufgehört hatte, war das z. B. eine Herausforderung der ich mich stellen musste. Da ich aber allen Alkohol im Haus und näherer Umgebung vernichtet hatte, konnte ich das gut aushalten. Irgendwann geht es dann vorbei und ist ganz weg.

    Also, am besten Du betreibst auch hier Risikominimierung. Einkaufen gehen musst Du ja wahrscheinlich, die entsprechenden Bereiche würde ich erst mal geschickt umschiffen. Schön, wenn Du die Erfahrung gemacht hast, dass du ganz unbewusst nicht zum Weinregal gelaufen bist, jedoch kann es auch sein, dass da mal andere Gedanken aufkommen. Da musst Du dann einfach aufpassen und am besten kein Risiko eingehen.

    Ich wünsche Dir eine gute Zeit, ein gutes Wochenende mit vielen positiven Erfahrungen ohne Alkohol.

    LG
    gerchla

    Hallo Julia,

    na, wie geht es Dir denn heute?

    Ich möchte mich meinen Forumskollegen/innen anschließen. Bitte mache keine Experimente mit dem Kalten Entzug. Gehe doch wenigstens zu einem Arzt, damit er Dir notfalls auch Medikamente verschreiben kann. Mensch, davor brauchst Du doch keine Angst haben oder Dich schämen. Du bist krank und Du bist mit Deiner Krankheit eine von sehr sehr vielen. Massig Alkoholiker um uns herum und die große Mehrheit von denen tut so, als wäre nix. Und es sind doch auch nur die, die sich öffnen und etwas unternehmen, die dann auch weg kommen von dem Zeug.

    Ich meine, man kann natürlich auf das Phänomen der Selbstremission hoffen, aber da hoffen doch die meisten vergeblich. Diese Sucht geht normalerweise nicht einfach so vorbei, zumindest nicht wenn man so tief drin steckt. Also wirf doch Deine Ängste mal über Bord und suche Dir Hilfe.

    Eine Frage an Dich hätte ich noch:

    Gibt es in Deinem Leben jemanden der Dich regelmäßig nieder macht? Also jemand, der Dir, egal durch was auch immer, permanent das Gefühl gibt, dass Du nichts wert bist? Oder Dir das auch ins Gesicht sagt?

    Ich frage das deshalb, weil ich denke, dass Du ein extrem niedriges Selbstwertgefühl hast. Wenn Du hier schreibst, dass Du es nicht verdient hast, dass wir Dir zuhören bzw. das Du ernst genommen wirst, dann löst das bei einen Alarm aus. Und irgendwo her muss das doch kommen. Ich meine, die Alkoholsucht trägt nicht gerade dazu bei sein Selbstwertgefühl zu steigern aber Deines scheint mir nun echt quasi nicht vorhanden zu sein. Das lese ich auch aus anderen Post von Dir.

    Lass Dir gesagt sein das Du ganz sicher sehr viel wert bist. Und Du musst lernen, unbedingt lernen, Dich selbst wieder zu schätzen oder noch besser Dich selbst zu lieben. Du musst Dir darüber klar werden, dass DU der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist. Du bist diejenige die ihr Leben gestaltet und das tut was sie möchte.

    Da wird's jetzt wohl ein wenig brauchen, bis Du da hin kommst. Aber mach' Dich nicht klein und vor allem, lass Dich nicht klein machen.

    Vielleicht magst Du noch ein wenig mehr von Deiner aktuellen Lebenssituation erzählen. Wie läuft denn so Dein Privatleben ab? Verheiratet hast Du geschrieben, und? Gute Ehe, verständnisvoller Partner? Was macht der Job? Gibts da einen oder gerade nicht? Wie läuft es am Arbeitsplatz? Du schreibst von Panikattacken, hatte meine erste Frau auch. Kann man gut in den Griff bekommen, wenn man den richtigen Psychologen aufsucht. Meine erste Frau hatte Todesängste, ich weiß nicht wie oft ich (vorwiegend nachts) den Notarzt angerufen habe weil sie dachte sie stirbt. Und dann war gar nix. Aber kaum hatte sie erkannt das sie psychisch Krank ist und sich entsprechend Hilfe gesucht, war das recht schnell vorbei.

    Irgendwann kam sie von einer Sitzung nach Hause und sagte: Ich brauch da nicht mehr hin, das spüre ich. Da brach ich in Panik aus, weil ich das nicht glaubte und wahnsinnige Angst davor hatte, dass es wieder los geht. Es kam aber nie wieder! Nicht mal als ich mich vor ihr als Alki geoutet habe und anschließend meine Familie verlassen habe. Das war für sie ja eine extreme Ausnahmesituation, die auch sehr lange andauerte. Aber diese Attacken kamen nie wieder. Seit jetzt fast 20 Jahren nicht mehr. Also, da geht schon was, wie das übrigens bei der Alkoholsucht auch der Fall ist.

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Vielleicht willst Du ja die ein oder andere Frage von mir beantworten, damit können wir hier noch ein wenig besser einschätzen wo Du stehst. Falls nicht, auch ok, ist Deine Entscheidung.

    Bis bald und alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Malibu,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker, und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Ich will Dir einfach mal meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast da lassen. Was Du dann damit machst ist Deine Sache.

    Also, Du hast vor kurzem einen Alkoholiker kennengelernt und ihr seid jetzt seit kurzem auch ein Paar. Ich nehme mal an, Du wusstest das nicht, als Du ihn kennen gelernt hast und Du hast es auch erst von ihm erfahren, nachdem Du ihn lieb gewonnen hattest. Nun sind 4 Monate (verstehe das bitte nicht falsch) noch keine allzu lange Zeit und nach 4 Monaten weiß man in der Regel von einem neuen Partner noch nicht so gaaaanz viel. Aber Du weißt bereits, dass Du nicht verlassen wirst (so jedenfalls Dein letzter Satz), dass Du ihn nicht betrügen wirst (da frage ich mich was das für einen Sinn hätte, wenn Du das tun würdest) und das Du ihn lieb gewonnen hast. Da stellt sich mir erst mal die Frage: ist "lieb gewonnen" für Dich das Gleiche wie LIEBE? Das würde mich tatsächlich interessieren, es könnte nämlich sein, dass Du ein Helfersyndrom hast und durchaus unbewusst nach Menschen suchst, denen Du helfen darfst. Hast Du sowas in der Vergangenheit schon bemerkt?

    Wenn ich ehrlich bin, würde ich Dir zurufen: Nimm Deine Beine in die Hand und lauf so schnell Du kannst. Lass Dich bloß nicht mit einem nassen Alkoholiker ein und sei froh, dass Eure Beziehung erst so kurz andauert. Aber ich habe das Gefühl, dass das nicht das ist was Du hören möchtest und auch nicht das ist, was Du tun möchtest. Du möchtest ihm helfen.

    Dazu kann ich sagen: Du kannst gar nichts machen. NICHTS. Wenn er aufhören möchte, dann soll er aufhören. Aber er handiert ja bereits mit Terminen. Das ist typisch für nasse Alkoholiker. "Bis Ende des Monats und dann....." Er sagt nicht: "ich gehe heute zum Arzt und spreche mit ihm und für morgen habe ich einen Termin bei der Suchtberatung ausgemacht und heute Abend gehe ich in eine Selbsthilfegruppe", nein, er sagt: "bist Ende des Monats probiere ich es selbst und wenn das nicht klappt, dann......" Naja, Du kannst ja einfach mal bis Ende des Monats warten und schauen was passiert.
    Ich tippe auf NIX und würde mich sehr freuen, wenn ich mich irre.

    Euer Zusammensein, das Du so beschreibst und da geht es mir jetzt ausdrücklich nicht um den (fehlenden) Sex, den ich perönlichich in einer guten Beziehung zwar für sehr schön erachte, der jedoch aus meiner Sicht nicht das entscheidende Element einer funktionierenden Beziehung sein darf, klingt für mich grauenvoll. Ihr sitzt rum, jeder in seiner Ecke, er hört Musik, säuft sich nebenher die Hucke voll und das war's dann, oder wie muss ich mir das vorstellen? Was gibt Dir das? Stellst Du Dir so eine Beziehung vor und wie hast Du ihn denn da "lieb gewinnen" können? Also ich meine das jetzt weder böse noch provizierend, ich VERSTEHE es nur einfach nicht. Es sein denn, Du hast jemanden gesucht, dem Du helfen kannst. Da kannst Du Dich sicher austoben, allerdings wahrscheinlich ohne Erfog. Wobei, darauf würde es dann wahrscheinlich auch gar nicht ankommen...

    Zitat

    Ich weiss nicht, ob ich wirklich bis zum Ende des Monats warten soll, dass er damit aufhört


    Nachdem Du für Dich ausgeschlossen hast ihn zu verlassen frage ich mich, was Du sonst tun willst, außer zu warten? Was hast Du den für Alternativen? Du kannst warten und hoffen, dass er es entweder alleine schafft (über die Chancen dass das eintrifft sage ich mal nix) oder dass er es nicht schafft und dann professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, falls ihm dann nicht irgendwas anderes einfällt. Ansonsten könntest Du ihm ein Ultimatum stellen, z. B. das er sofort etwas unternehmen soll, weil sonst.... Ja was sonst? Trennen willst Du Dich nicht, was willst Du also machen. Warten halt, sonst geht ja nix.

    Und fallst Du denkst, Du könntest ihn mit reden, bitten, flehen, drohen etc. zu irgendwas bewegen, vergiss es. An einen süchtigen nassen Alkoholiker kommt man so gar nicht ran. Der kann nur was ändern wenn er das selbst will.

    Zitat

    und wenn er es nicht schafft, dann Hilfe in Anspruch nimmt.


    und was meinst Du eingentlich damit? "wenn er es nicht schafft".... Erst mal muss doch mal was machen, etwas unternehmen. Ob er es nicht schafft weiß er doch erst, wenn er es wenigstens versucht hat. Ich hoffe nicht, dass er so leichtsinnig ist und einfach nix mehr trinkt. Denn dann macht er einen kalten Entzug, der kann tödlich enden. Also er muss doch zumindest unter äztlicher Aufsicht entziehen und danach kann er ja mal versuchen ohne Hilfe klar zu kommen. Was völliger Schwachsinn ist, weil es so viele gute Hilfsangebote gibt und die Chancen es ohne zu schaffen einfach mega gering sind. Die Frage ist doch ob er überhaupt was tun will. Oder ob das alles nicht nur das typische Alki blabla ist. Immer das Gleiche, blablabla und nix passiert. Daran hindern etwas zu tun kann ihn doch nur, dass er es nicht will, weil er weiter saufen will. Mit Dir hat er ja jetzt sogar eine ganz praktische Co-Abhängige an seiner Seite, die ihn nicht fallen lässt, eine Trennung sogar ausschließt und ihr eigenes Leben nach seiner Sucht ausrichtet. Super, besser kannst doch gar nicht sein. Da hat er ja einen 6er im Lotto gemacht.

    Ich weiß nicht ob das bei dir ankommt, aber ich kann Dir nur raten: Kümmere Dich um Dein eigenes Leben. Lass ihm seines. Du weißt ja nicht mal wer er ist, Du hast ihn ja als nassen Alki kennengelernt. Der Mensch, der da dahinter steckt, wenn er denn jemals trocken werden sollte, den kennst Du ja gar nicht. Das kann und wird wahrscheinlich ein ganz anderer sein. Du wirst an ihm Deine gesamte Energie verbraten können und wirst dabei selbst krank, selbst abhängig. Er ist vom Alkohol abhängig und Du von ihm, von seinem Wohlbefinden. Und dabei kannst Du für ihn überhaupt nichts tun, er wird wegen Dir nicht mit dem Trinken aufhören.

    Sollte er tatsächlich aufhören, ich meine damit nicht nur mal eine Zeit lang nichts trinken sondern richtig in eine Klinik gehen etc. dann kannst Du Dir ja überlegen, ob Du ihn unterstützen möchtest. Sei Dir aber drüber im Klaren, dass es einerseits eine hohe sehr hohe Rückfallquote gibt und dass Du andererseits wenn er es schafft, einen veränderten, anderen Menschen vorfinden wirst.

    Also, lies doch bitte auch mal bei den anderen Anghörigen, falls Du das nicht getan hast. Die Geschichten ähneln sich, die Lösungen um wieder auf die Beine zu kommen auch.

    Ich wünsche Dir nur das Beste! Und natürlich auch einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Julia,

    ich finde es sehr schön, dass Du Dich entschieden hast hier zu bleiben und Dich vorzustellen.

    Du liest Dich sehr verzweifelt. Deine Zeilen geben mir das Gefühl, dass da jemand schreibt, der ein sehr hohes Misstrauen entwickelt hat, der aber auch viel Selbstmitleid empfindet und der auch depressive Züge entwickelt hat. Ferndiagnose von jemanden, der diesbezüglich überhaupt keine Kompetenzen hat und Dir nur schreibt, was er denkt bzw. glaubt gelesen zu haben.

    Ich denke mal, es wird seine Gründe haben, dass Du heute in dieser Gefühlswelt lebst. Da gab es Ereignisse in Deiner Vergangenheit, und da ist natürlich auch der Alkohol. Der Alkohol, den viele Menschen ja erst mal deshalb einsetzten (sprich: trinken), um die Welt ein wenig rosaroter zu sehen, um schwere Gedanken zu vertreiben, um alles etwas lustiger, etwas positiver zu empfinden, der bewirkt genau das Gegenteil. Wenn man von ihm abhängig ist. Vorher, als nicht Süchtiger, ist das alles kein Problem und da ist es doch auch mal ganz lustig und da ist diese Wirkung auch so, wie man sie sich vorstellt. Sie ist temporär, aber das weiß man und man hat damit kein Problem.

    Wenn man jedoch süchtig ist, dann verändert sich das alles. Dann geht es los mit Gedanken wie "hat ja eh alles keinen Sinn mehr" oder "ohne saufen hält man den ganzen Mist ja sowieso nicht aus" usw. Und dann hat man nicht mehr die Wahl, mal etwas zu trinken um mal runter zu kommen sondern dann MUSS man trinken, ob man will oder nicht. Ich kenne das alles von mir.

    Depressionen und Alkohol, das ein ein häufig vorkommendes Pärchen. Alkoholsucht erzeugt Depressionen, Menschen die bereits Depressionen haben greifen zum Alkohol um sich Erleichterung zu verschaffen und werden darüber süchtig und gleichzeitig verschärfen sich die Depressionen noch, weil Alkohol halt nix hilft aber so tut als ob.

    Ich möchte dir raten, wenn ich was raten darf, den Ärzten wieder Dein Vertrauen zu schenken. Du liest Dich wirklich sehr negativ und ich glaube nicht, dass ich Dir hier einfach sagen kann: Stell Dich mal nicht so an und mach Dir einen Plan wie Du vom Alkohol weg kommst.

    Ich denke, Du solltest Dir wirklich auch professionelle Hilfe suchen und zumindest erst mal probieren, dieser auch offen gegenüber zu stehen. Auch wenn Du vielleicht bereits negative Erfahrungen gemacht haben solltest. Ich denke schon, dass Deine Sucht ein Zentrales Problem ist und eine zentrale Ursache für Dein aktuelles befinden ist. Ich weiß jedoch nicht, ob es die einzige Ursache ist. Ich weiß aber, dass es sehr schwer möglich ist, einen akut suchtkranken Menschen mit möglicherweise noch anderen psychischen Problemen zu helfen, so lange er die Sucht nicht im Griff hat. Da gibt es aber Menschen, die da helfen können, wenn Du Dich darauf einlässt.

    Suchtberatung z. B. hast Du wegebügelt, weil da zwei junge Menschen waren. Tja, ich weiß nicht wie Dein Umfeld ist, wo Du wohnst, aber vielleicht gibt es noch andere Beratungsstellen? Oder Psychologen mit Schwerpunkt Suchterkrankung? Wo Du dann mehr Vertrauen aufbauen kannst, vielleicht.

    Also was soll ich sagen: Wenn DU es willst, dann gibt es auch eine Chance für eine positve Zukunft. Nicht aufgeben und sagen, es hat alles keinen Sinn oder wenn mal was nicht so läuft "ich wusste es ja" sagen, sondern kämpfen. Ich WILL es und ich SCHAFFE es und tue ALLES dafür. Ich denke dann, wird sich auch etwas zum Positiven verändern.

    Wie gesagt, schön dass Du noch hier bist und ich wünsche Dir viele gute Anregungen, damit Du Deinen Weg finden kannst.

    LG
    gerchla

    Liebe Claudia,

    ich finde, Du darfst jetzt ruhig mal ein bisschen stolz auf Dich sein. Das ist echt toll, dass Du jetzt die Initiative ergriffen hast. Genau richtig. Glaube mir, wenn Du sie nicht ergreifst, wird es irgendwann der Alkohol für Dich tun. Und das ist ja genau das, was auf keinen Fall passieren darf.

    Ich habe mich sehr gefreut, wie ich die Reaktion Deines Sohnes gelesen habe. Bingo, die Dinge lösen sich. Es fügt sich alles, nach und nach, wenn Du dran bleibst, wenn Du konsequent Deinen Weg gehst. Ich hatte übrigens eine ähnliche Erfahrung. Ich hatte, nachdem ich dann schon ausgezogen war von zuhause, mich mal mit meinem Sohn getroffen. Da war ich noch recht am Anfang, es war alles noch frisch und er hatte natürlich keinen Überblick mehr, wie es mir geht bzw. wo ich stehe. Wir trafen uns zum Kaffeetrinken und ich habe ihm erzählt was ich so alles mache, wie es so läuft. Und er sagte dann: Jetzt bin ich mir sicher, dass du es schaffen wirst!

    Das war damals ein Satz, der hat mich sehr motiviert, den werde ich auch nie mehr vergessen.

    Was Deinen Partner betrifft, so ist es fast genau die selbe Situation wie bei meiner Frau. Bei ihr waren es mehr die Erfahrungen mit ihrer eigenen Mama, die sie grundsätzlich kritisch gegenüber dem Alkohol gemacht haben und auch sie trinkt wenn, dann ab und an mal ein Mischgetränk, also Radler, oder ganz selten mal ein Glas Wein. Da reicht eine Hand um das pro Jahr abzählen zu können. Das ist für uns Alkoholiker natürlich eine sehr angenehme Ausgangslage. Keine Diskussionen, keine Rechtfertigungen etc. - Alkohol spielt einfach keine Rolle, auch beim Partner nicht. Was haben wir es da gut!

    Sehr schön war auch zu lesen, dass Ihr den gesamten Alkohol entsorgt hab. Wunderbar, damit hast Du einen wichtigen Schritt in Richtung Prävention gemacht. Natürlich kannst Du Dir jederzeit Alkohol besorgen, wenn Du das möchtest. Notfalls wird es auch bei Dir irgendwo ne' 24 h Tankstelle geben, die Du auch mitten in der Nacht ansteuern könntest. Aber da musst Du halt das Haus verlassen.... Und hast auf dem Weg dorthin noch Zeit zum Nachdenken..... Ich pack' mal ein altes Sprichwort aus: Gelegenheit macht Diebe! Eine dieser Gelegenheiten hast Du jetzt eliminiert. Dir wird nichts fehlen!

    Was die Weihnachtsfeier betrifft: Ja, bis dahin hast Du noch Zeit und, ich sags mal so, man kann ja auch mal krank sein zu so einem Termin. Wenn man ein Risiko spürt und sich noch nicht sicher ist, ob das gut ist dort hin zu gehen. Ich habe im ersten Jahr (ungefähr) solche Anlässe tatsächlich vermieden. Ich habe also nicht gesagt, wie manche das tun, "ich kann mich ja nicht abschotten, da muss ich durch, ich will ja nicht mein Leben lang isoliert sein", sondern ich habe tatsächlich Feierlichkeiten wo getrunken wurde vermieden. Mein erstes Sylvester z. B. verbrachte ich komplett im Wald, ohne alles. Ich nutzte die Zeit um ganz viel zu denken. War ein Sylvester, das ich nie vergessen werde.

    Aber, wenn es bei Dir ähnlich laufen sollte wie bei mir, dann wirst Du merken, wann Du wieder "bereit" bist, z.B. einen Weihnachtsmarkt zu besuchen, z. B. auf eine Geburtstagsfeier zu gehen etc. Ich kann das heute alles ganz normal machen. Da passiert überhaupt nix, da denke ich noch nicht mal über irgendwas nach. Das war am Anfang anders, da hatte ich natürlich (das rate ich Dir auch) eine knallharte Strategie im Kopf, was ich tun werde, wenn mir jemand Alkohol anbietet und auf mein "nein Danke" nicht so reagiert wie das möchte. Auch hatte ich eine Strategie, was ich sage, wenn mich jemand nach dem "Warum" fragt.

    Im nachhinein hat mir diese Strategie sehr viel Sicherheit gegeben. Ich hatte jedoch das Glück oder die Erfahrung gemacht, dass es meist völlig reicht den Alkohol ganz normal abzulehnen. Das es auch meist keine Erklärungen braucht und dass es zumindest in meinem Umfeld auch sehr viele Menschen gibt, die genau wie ich, einfach keinen Alkohol trinken. Als nasser Alkoholiker habe die aber natürlich gar nicht wahr genommen. Also ich will sagen: Gib Dir hier Zeit und minimiere hier auch das Risiko. Lieber bist Du jetzt mal eine Zeit lang "langweilig", als dass Du Deine Abstinenz gefährdest.

    Und zur SHG: Da schließe ich mich komplett Greenfox an. Du bist jetzt bei den AA, eine Monologgruppe, das war auch meine Gruppe, die ich bereits nach 24 h ohne Alkohol besucht habe. Das hat mir damals sehr sehr viel gebracht. Ich habe so viel über die Sucht erfahren, ich habe mit Menschen sprechen können, von denen ich niemals geglaubt hätte das sie jemals ein Alkoholproblem hatten. Ich habe Menschen getroffen, die wahnsinnig nett waren und mir im Gespräch sagten, dass sie jahrelang trocken waren und vor 4 Wochen einen fürchterlichen Rückfall hatten. Das war z. B. jemand, der nach meinem damaligen Vorstellungsvermögen überhaupt nicht so ausgesehen hatte wie einer, der vor 4 Wochen eine Woche durchgesoffen hatte und davor wiederum mehrere Jahre trocken war. Der war einfach nur ein netter Mensch.

    Was ich Dir sagen will: Ich habe durch diese Geschichten, durch diese Erfahrungen, schon gleich am Anfang meiner Abstinez sehr viel gelernt. Vor allem habe ich gelernt, die Sucht nicht zu unterschätzen. Das war das wichtigste was ich gelernt habe.

    Tatsächlich bin ich dann irgendwann raus aus der Gruppe. Die Monologform hat mich irgendwann, ich sag jetzt mal, aufgeregt. Aber da hatte ich auch schon so viel profitieren dürfen. Ich hatte dann aber bereits andere Wege beschritten, hab ganz andere Dinge gemacht, immer mit dem Ziel meine Sucht aufzuarbeiten, mein Leben wieder zurück zu bekommen und später dann auch, mein Leben zu entwickeln. In die Richtung in die ich es gerne hätte.

    Jederzeit würde ich sofort wieder in eine SHG gehen, wenn ich auch nur minimal das Gefühl hätte, dass ich Hilfe brauche. Schön, dass Du das machst!

    Noch ein Wort zu Deiner Freundin. Wäre möglich, dass sie auch ein Problem hat. Das ist jetzt nicht Deines aber ich denke erst mal wäre es auch hier gut, Risikominimierung zu betreiben. Erst mal absagen und ein wenig abtauchen. Wenn Du länger trocken bist, wirst Du ein Gefühl bekommen, ob diese Freundschaft noch passt. Oder wie diese Freundschaft weiter geführt werden könnte. Aber das hat Zeit, viel Zeit. Erst mal bist Du dran.

    Was Deine Kopfschmerzen betrifft, denke ich, das wird wieder werden. Du hast ja trotz allem auch eine gewisse Anspannung. Gib Dir da auch Zeit, nach und nach müsste sich Dein körperlicher Zustand eigentlich sehr verbessern. Das kann einen Moment dauern aber bald müsste der Punkt erreicht sein, wo Du das Gefühl hast, Du könntest einen ganzen Wald mit einer Axt abholzen.

    Ich freue mich wieder von Dir zu lesen!

    Alles Gute

    LG
    gerchla

    Hallo Claudia,

    als da möchte ich jetzt erst mal sagen, dass Du bei so einem Umfeld echt eine gute Ausgangslage hast. Da gibt es nun wirklich ganz andere Fälle, die z. B. die einen ebenfalls saufenden Partner haben, einen feuchtfröhlichen Freundeskreis oder eine permanent trinkende Nachbarschaft.

    Du scheinst das alles nicht zu haben und Du hast dazu sogar noch einen Partner, der Dich unterstützt. Sei Dir dessen bitte bewusst, das ist wirklich Gold wert! Und ich verstehe, dass Du Dich schämst. Aber letztlich bist Du ja krank, das sollte man dann auch mal nicht vergessen. Ich habe mich damals auch geschämt, wie ich mich geschämt habe. Als ich meinen Eltern, meinen Geschwistern erzählte, dass ich Alkoholiker bin. War ich doch vorher immer der Held gewesen. Der bei dem immer alles prima lief, der so megaerfolgreich war im Job, der als Supervater wahr genommen wurde usw. Es war wirklich hart, dieses falsche Bild von mir zu korrigieren, aber es war unerlässlich.

    Wie sagst Du es Deinen Kindern? Sprich doch mal mit der Suchberatung darüber. Oder mach mal einen Termin bei einem Kinderspychologen, erst mal nur einen wo Du alleine hin gehst und die Situation erklärst. Bei mir war das damals leider so, dass alles in einem Schlag geplatzt ist. Ok, mein großer war schon 16 Jahre alt, hat sofort verstanden was los ist und gleich nach SHG für mich gesucht. Aber meine kleine damals... Aber da sind wir dann zumindest im Nachhinein um mit der ganzen Situation (es kam dann auch auch noch die Trennung) richtig umzugehen, zum Kinderpsychologen. Erst allein, dann mit ihr. Das war wohl eines der wichtigsten und richtigsten Dinge,die wir gemacht haben.

    Ob Du Dich in der Arbeit outest, solltest Du Dir sehr gut überlegen. Wenn Du dort kein trinkendes Umfeld hast, das Dich in Gefahr bringen könnte, dann halte ich das nicht für notwendig. Ich habe das nicht getan. Erst Jahre später habe ich dem ein oder anderen engen Kollegen/Kollegin davon erzählt. Da hatten aber alle schon längst bemerkt, dass ich ein komplett anderer Mensch war im Vergleich zu vorher. Meist kam das Gespräch dann auch dadurch zustande, dass mich liebe Kolleginnen angesprochen haben, wie sehr ich mich doch in den letzten Jahren verändert hätte, zum Positiven 8) Und ich habe dann meist gesagt, dass ich eben an einem Punkt war, wo ich eine Entscheidung für mein weiteres Leben treffen musste. Und ich diese getroffen habe. Ein Teil dieser Entscheidung war, dass ich ohne Alkohol leben möchte. Das ich Alkoholiker bin, habe ich nie jemanden gesagt. Wer denken kann, der wird sich aber seinen Teil denken und das ist auch vollkommen ok für mich.

    Wenn ich Dir einen Tipp geben darf, dann grüble nicht zu lang. Diese Sucht ist so verdammt mächtig. Sie wird versuchen Dich auszutricksen. Es sind eben genau diese Hilfsangebote, die Dich weiter bringen, sie sind es, die verhindern können, dass die Sucht wieder zuschlägt bei Dir. Wenn Du zu einer SHG gehst, einfach so ohne Anmeldung und pipapo, und wenn es dann einigermaßen passt mit den Leuten die dort sind, dann wirst Du dort höchstwertvolle Infos bekommen. Du wirst merken: ich bin nicht allein. Du kannst (musst aber nicht) Fragen los werden, vielleicht auf die Frage, wie habt ihr es euren Kindern gesagt. Du kannst Dich einfach austauschen. Und wenn die erste SHG nicht Dein Fall ist, probier eine andere aus. Vielleicht stellst Du auch fest, das Du kein SHG - Typ bist. Auch ok, dann gehst Du andere Wege. Aber probiere es aus. Grüble nicht, warte nicht.

    Geh auch zum Arzt, sprich mit ihm/ihr. Das erleichtert, da bekommst Du auch input. Vielleicht kann er Dir auch einen Psychologen nennen, der Dir hier weiter helfen kann. Die kann man sich ja auch nicht einfach selbst aus dem Ärmel schütteln. Und dann mach einfach einen Termin aus, tue etwas. Ich musste z. B. 7 Wochen warten bis ich meinen ersten Termin hatte. Was war ich froh, dass ich den gleich am Anfang ausgemacht hatte.

    Wenn Du einen wirklich richtig guten Freund hast bzw. Freundin hast, dann kann auch die/der sehr helfen. Mein bester Freund ist beileibe kein Psychologe, eher ein Chefpragmatiker ;D. Aber er hat mir sehr sehr geholfen. Alleine das Reden, eben genau auch über die Dinge, wie es überhaupt dazu kommen konnte.

    Und freue Dich darüber, dass Dich Dein Partner unterstützt. Nehmt Euch Eure Wohnung vor, entsorgt alles was an Alk da ist und fangt neu an. Wenn Du mal durch bist, wenn Du mal gefestigt trocken bist, mit Dir im Reinen bist, dann kann Dein Partner sicher auch mal (wenn er das möchte) wieder in Deiner Gegewart (wenn Du das auch akzeptierst) was trinken. Meine Frau trinkt sehr wenig Alkohol, und sie fragt mich immer, ob Sie zu diesem oder jenem Anlass mal ein Glas xy trinken "darf", also ob es mir was aus macht, wenn sie was trinkt. Und es macht mir glücklicherweise überhaupt nichts aus. Ich will damit sagen, dass Du, dass Ihr jetzt am Anfang alles tun solltet um mögliche Risiken auszuschalten. Und wenn Du jetzt schon das Glück hast, einen Partner zu haben der an Deiner Seite steht, dann schäme Dich nicht sondern nimm seine Unterstützung dankbar an und bespreche Dich mit ihm wie Du/Ihr künftig zusammen vor gehen möchtet. Vielleicht hast Du da ja schon getan.

    Und noch was: Bei mir was das so, dass ich nach dem ich trocken wurde (also gleich am Anfang) einen riesen Berg an Problemen hatte. Ich sah nur noch, was ich jetzt alles noch machen "musste". Den informieren, mit xy darüber sprechen, jene Sünde meiner Säuferzeit beichten, Schulden die sich angehäuft hatten, eine Trennung mit dem "Verlust" meiner von mir über alles geliebten Kinder, etc pp.

    Vielleicht ist das bei Dir ähnlich. Ich sage Dir hier nur: Schritt für Schritt, eines nach dem anderen. Die Dinge werden sich lösen, es wird alles zum Besseren geraten. Darauf darfst Du getrost vertrauen. Jedoch nur dann, wenn Du nicht mehr trinkst. Deshalb sagte ich ja bereits: Das wichtigste in Deinem Leben muss Deine Abstinenz sein. Die muss Dir heilig sein. Dann wirst Du nach und nach zur Ruhe kommen, nach und nach Dein Leben zurück bekommen.

    Und ja, nur weil man nix mehr trinkt ist man natürlich nicht vor den ganz normalen Problemen des Lebens gefeit. Das muss auch klar sein. Jedoch löst man sie schneller und vor allem man schiebt sie nicht vor sich her und man hat all die Probleme nicht noch zusätzlich, die man nur wegen der Sauferei hat.

    Also, sei zuversichtlich. Ich finde Du hast eine gute Ausgangslage. Nutze sie!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Claudia,

    erst mal ganz herzlich Willkommen hier bei uns im Forum. Schön, dass Du uns gefunden hast und dann auch den Mut hattest, hier Deine Geschichte aufzuschreiben.

    Du hast ja schon ganz schön viel mitgemacht, was das Thema Alkohol betrifft. Und jetzt bist Du, obwohl Du es ja eigentlich durch Deine Erfahrungen mit Papa und Stiefmutter besser hättest wissen können, selbst in die Sucht gerutscht. Tja, so ist das leider. Da gibt es viele Beispiele. Kinder die ein alkoholsüchtiges Elternteil haben und sich denken, so werde ich niemals werden, ich werde nie mit dem Trinken beginnen, landen plötzlich selbst in der Sucht, haben vielleicht auch eigene Kinder denen sie sowas nie antun wollten und stellen plötzlich fest: Mein Gott, ich bin ja da wo ich nie hin wollte.

    Verdammt tückisch, diese Sucht.

    Bevor ich weiter schreibe, stelle ich mich mal kurz vor: Ich bin männlich, Ende 40, bin geschieden (2 Kinder mit meiner ersten Frau) und wieder verheiratet (1 Kind mit meiner Frau), bin Alkoholiker und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Nachdem ich trocken wurde habe ich mich von meiner ersten Frau getrennt, mittlerweile konnte ich aufgrund meines neuen Lebens eine neue Familie gründen, bin sehr glücklich mit meinem Leben und habe auch wieder eine recht gute Beziehung zu meiner ersten Frau. Wir sind sozusagen eine sehr gut funktionierende Patchworkfamilie, auch wenn dien Begriff gar nicht mag ;)

    Ok, Du hast jetzt also quasi kalt entzogen. Ich hoffe mal für Dich, dass Du da bereits durch bist. Es wird immer so von 3 - 5 Tagen gesprochen, bis der körperliche Entzug in der Regel geschafft ist. Man hat Dir nicht ohne Grund geraten den Entzug unter ärztlicher Aufsicht zu machen oder auch stationär in der Klinik. Das hat jetzt auch nix mit "so schlimm" zu tun, sondern einfach damit, dass ein kalter Entzug im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Ich hoffe jetzt mal, dass Du da bereits durch bist. Falls nicht, würde ich Dir immer raten einen Arzt hinzu zu ziehen.

    Wenn Du jetzt die körperliche Abhängigkeit überwunden hast, dann geht die eigentliche Arbeit erst richtig los. Das spürst Du ja bereits selbst, denn Du schreibst ja, dass Du einen großen Druck verspürst, also den starken Wunsch Alkohol zu trinken. Und das ist eben genau der Punkt, das ist die Sucht. Es gibt ja häufiger mal Menschen (z. B. auch hier im Forum), die sagen, dass sie glauben noch nicht körperlich abhängig zu sein und denken dann auch, dass es dann ja noch nicht so schlimm wäre. Ein Trugschluss, denn in der Regel wird man erst psychisch abhängig, später dann körperlich. Von der körperlichen Abhängigkeit kann man sich innerhalb von ein paar Tagen befreien, die psychische bleibt ein Leben lang. Diese kann man "nur" zum Stillstand bringen, würde sie aber sofort wieder aktivieren, wenn man wieder konsumieren würde.

    Also, es ist gut, dass Du weiter zur Suchtberatung gehst. Ich denke, sie werden Dir dort sagen was Du tun kannst. Wenn Du Dich hier einliest, dann wirst Du auch sehen, was andere alles so getan haben, wie andere von der Sucht weg kamen. Und das kannst Du selbstverständlich auch schaffen. Es ist nicht einfach und Du musst vor allem auch bereit dazu sein die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, die Hilfsangebote auch anzunehmen. Du hast ja jetzt z. B. einen klinischen oder einen ärztlich betreuten Entzug für Dich konsequent abgelehnt. So sollte es jetzt idealerweise nicht weiter gehen.

    Es wäre für Dich sicher sehr hilfreich, wenn Du bereit wärst, Dich zu öffnen. Wie wäre z. B. mit dem Besuch einer Selbsthilfegruppe? Vielleicht wäre für Dich auch eine Therapie wichtig, stationär oder ambulant, je nach dem. Ich habe damals sofort eine SHG besucht, war beim Arzt, habe die Beratung aufgesucht, habe regelmäßig einen Psychologen besucht und habe mir noch anderere alternative Hilfen gesucht. Ohne diese Maßnahmen hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. Ich war aber z. B. in keiner klassischen Therapie, hätte diese aber sofort gemacht, wenn ich gemerkt hätte das ich Probleme habe abstinent zu bleiben. Ich will damit sagen, Du solltest Deiner Abstinenz absolute Priorität in Deinem Leben einräumen. Sie ist und wird das wichtigste sein, wenn Du ein neues Leben beginnen möchtest. Dazu gehörte für mich auch mein Outing, meiner Familie gegenüber (ich war heimlicher Trinker), meinen Freunden gegeüber usw. Darüber solltest Du Dir auch Gedanken machen, ich weiß nicht, wie Du dazu stehst bzw. ob Dein Umfeld weiß was los ist.

    Das hört sich jetzt alles ganz bedrohlich an, wenn man das alles so am Stück runter schreibt und dann liest. Aber ich sage mal: Schritt für Schritt und ja, am Anfang ist es hart und es braucht alles seine Zeit. Wenn Du es aber richtig und konsequent machst, wartet am Ende eine unbezahlbare Belohnung auf Dich: Ein neues Leben, in dem Du die Chefin bist! Und nicht mehr der Alkohol. Und das ist, glaube mir, alle Anstrengungen wert. Und wirst Du bestimmt auch Deine beruflichen Pläne realisieren können. Ich habe während meiner Trinkerzeit nebenbei ein Abendstudium aufgenommen. Mein Trinkniveau war damals noch sehr niedrig, jedoch war ich bereits süchtig. Dieses Studium habe ich irgendwann abegebrochen, denn ich brauchte abends einfach meine ein bis zwei Bier, auch mal drei. Und dadurch war ich einfach raus, es ging nicht. Zwei Semester mehr schlecht als recht. Und ich hatte vorher, als ich noch nicht süchtig war ebenfalls schon ein mehrjähriges Abendstudium absolviert. Problemlos mit großem Erfog sogar. Also ich konnte auch mit relativ geringen Mengen Alkohol nicht mehr lernen, und die Motivation ging auch flöten.

    Was Deinen akuten Wunsch betrifft zu trinken: Denke daran was passiert wenn Du diesem Wunsch nachgibst. All die Mühe erst mal umsonst. Überlege Dir mal, was dann am nächsten Tag anders ist, was es Dir dann gebracht hat zu trinken. Überlege mal, ob Dir der Alkohol in der Vergangenheit irgendein Problem gelöst hat. Überlege mal ob es das Wert ist, süchtig trinken zu müssen, nur um mit Hilfe des Alkohol temporär Probleme vergessen zu können die man ohne Alkohol entweder gar nicht hätte oder aber lösen könnte, wenigstens aber verarbeiten könnte. Ist es das Wert? Überlege mal, warum Millionen (Milliarden) Menschen komplett ohne Alkohol leben ohne ihn zu vermissen und trotzdem alle Probleme, Schicksalschläge etc. verarbeiten können. Überlege Dir, wo Du mit Deinem Leben hin möchtest und ob Du da hin kommst, wenn Du süchtige nasse Alkoholikerin bist. UND, denk mal darüber nach, wie so eine Sucht klassischerweise weiter verläuft, wo sie hinführt, wenn sie nicht gestoppt wird. Du hast noch gaaaaaanz lange nicht die Ende der Fahnenstange erreicht, das weißt Du doch z. B. von Deiner Stiefmutter. Wenn Du glaubst, dass Deine Sucht, Dein Alkoholkonsum und die damit verbundenen Folgen sich nicht immer mehr verschimmern wird, dann wirst Du Dich sehr wahrscheinlich irren. Schlimmer geht immer!

    Also greif's an und lass den Kopf nicht hängen. Auch Deine Kinder werden es Dir danken! Ich wünsche Dir alles Gute, das Du dem Druck widerstehen kannst und einen Plan für Dich findest, wie Du die Sucht besiegst. Und natürlich wünsche ich Dir auch einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Herzlichen Glückwunsch lieber Frank! Mögen noch viele solcher Geburtstage folgen! Ich wünsche Dir ein tolles neues Lebensjahr, viel Gesundheit, Zufriedenheit und das Du Dich persönlich immer wieder ein Stückchen weiter entwickeln kannst. In die Richtung in die Du das möchtest!

    Alles Gute weiterhin

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Sno,

    nun, was soll ich sagen. Du hörst Dich ungefähr so an:

    "Also ja, ich weiß das ich eigentlich ein Alkoholproblem habe, aber eigentlich geht es mir ja im Moment ganz gut irgendwie, weil ich habe ja unter der Woche gar kein Problem aber naja, am Wochenende halt und naja, irgendwie will ich ja da schon weg von dem Alkohol aber so dauerhaft nie mehr zu trinken, dass kann ich mir irgendwie auch gar nicht vorstellen und naja, irgendwie ist es halt noch nicht schlimm genug mit meiner Sucht aber trotzdem bin ich ja süchtig und darum muss ich ja aufhören. Blöd, dass es da jetzt kein Patentrezept gibt wo ich eigentlich gar nix machen muss und trotzdem einfach aufhören kann, das wäre sehr praktisch weil eigentlich geht es mir ja gut und ich muss halt aufhören weil ich halt glaube das ich süchtig bin. Und naja, jetzt muss ich halt mal schauen was ich vielleicht alles tun könnte um doch irgendwie aufhören zu können oder zu wollen oder was weiß ich."

    Wie Du siehst, war das bewusst eine ironische Zusammenfassung dessen, was ich aus Deinem Post heraus gelesen habe. Was ich nicht erkennen kann, ist einen Menschen der den tiefen Wunsch verspürt seine Sucht für immer hinter sich zu lassen und sich deshalb Hilfe sucht, weil er das unbedingt möchte.

    Also, ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Ich kann Dir nichts mehr sagen. Ich habe Dir alles geschrieben was ich Dir schreiben wollte. Der Ball liegt in Deinem Feld. Dein Leben, Deine Entscheidung wie Du weiter damit umgehst.

    Ich wünsche Dir gute Entscheidungen und dass Du einen Weg für Dich finden wirst.

    LG
    gerchla

    @ Julia

    Guten Morgen erst mal.

    Zitat

    Weiß gar nicht , wie ich auf so eine Aussage reagieren soll.


    Da möchte Dir jetzt einfach mal einen Vorschlag machen:

    Eröffne doch einfach einen eigenen Thread im Vorstellungsbereich. Schreib einfach mal wer Du bist, was Dich belastet, was Du vielleicht schon alles getan hast, welche Hilfe Du Dir erwartest. Einfach ein wenig von Dir und von Deiner Motivation hier zu schreiben. Dann wissen die anderen Forumsteilnehmer worum es geht, was Dich antreibt, wo bei Dir der Schuh' drückt.

    Weißt Du, wir sind hier alle freiwillig, verbringen hier unsere Freizeit. Aus unterschiedlichen Motiven heraus. Die einen sind schon lange trocken und stabil und möchten anderen gerne helfen. Sie investieren dafür ihre Zeit, sie sind sozusagen ehrenamtlich hier unterwegs. Andere sind hier, weil ihnen der Austausch hilft weiterhin auf den richtigen Weg zu bleiben und wieder andere kommen hier an und haben gerade ein akutes Problem. Sie haben z. B. einen trinkenden Partner oder sie trinken selbst und wollen endlich weg vom Alkohol usw.

    Aber um übehaupt zu wissen, warum jemand hier ist und auch um zu wissen, ob man demjenigen oder derjenigen dann auch etwas zu sagen hat (ich kann z. B. nicht zu jedem Thread hier was sagen und zu manchen will ich auch nichts sagen) muss man halt ein wenig über diese Person wissen. Ist das nicht der Fall (und über Dich z. B. weiß ich jetzt eigentlich nichts und ich habe auch nicht die Zeit zu versuchen mit irgendwelchen Fragen heraus zu finden was eigentlich los ist) kommuniziere ich mit dieser Person natürlich nicht. Wenn jemand Hilfe sucht, muss er auch sagen wobei oder wofür er Hilfe braucht.

    Also, vielleicht möchtest Du ja einen eigenen Thread eröffnen und ein wenig von Dir erzählen. Sollte ich dann etwas dazu zu sagen haben, werde ich das gerne tun.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Mara,

    gut, dass Du ihm offen den Grund Deines Arztbesuches gesagt hast. Außer das er sehr betroffen war und sich ertappt gefühlt hat, was wohl sein rotes Gesicht beweist, kam keine Reaktion? Also verbal meine ich? Hat er nicht irgendwas dazu gesagt? Also Dir Recht gegeben oder auch alles abgestritten, Dir vorgeworfen das Du Gespenster siehst, etc. Nix dergleichen?

    Das wird jetzt aber auf jeden Fall mal in ihm arbeiten. Ich bin gespannt, ob er von sich aus nochmal ein Gespräch mit Dir sucht, oder ob er heimlich versucht evtl. weniger zu trinken, Dir zuliebe sozusagen. Letzteres wäre zwar ein Indiz dafür, dass Du ihm nicht egal bist, würde jedoch leider auf Dauer auch nichts bringen. Wenn, dann müsste er schon Nägel mit Köpfen machen. Aber vielleicht kommt ja was in dieser Richtung. Jetzt denke ich mal, kümmerst Du Dich erst mal um Dich und darum, dass Du mit dieser Situation irgendwie einigermaßen klar kommst.

    Eine super Sache auch, dass Du Dir eine SHG suchst. Ich wünsche Dir, dass sie zu Dir passt, dass Dir die Menschen dort liegen. Dann kannst Du sicher viel für Dich mitnehmen.

    LG
    gerchla

    Hallo Sno,

    ich habe mich bisher nicht an Deinem Thread beteiligt weil ich nichts zu sagen hatte was Dir andere Forumsteilnehmer nicht schon gesagt hätten. Aber jetzt möchte ich auf eine Sache kurz eingehen:

    Zitat

    Das einzige wovor ich mich (bis jetzt) immer noch drücke, ist stationär in Behandlung zu gehen

    Wer sagt denn, dass Du stationär in Behandlung gehen musst? Da komme ich jetzt nicht so recht mit. Also ok, wenn Du mit dem Trinken auf hörst und wenn Du bereits körperlich abhängig bist, also die typischen Entzugssymptome entwickelst, dann wäre es fahrlässig, wenn Du Dich nicht in die Hände eines Arztes begeben würdest, Stichwort: Kalter Entzug und die möglichen Folgen. Aber der körperliche Entzug ist dann nach ein paar Tagen erledigt.

    Und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Und die musst Du doch nicht zwangsläufig stationär machen. Also ich meine eine stationäre Langzeittherapie ist sicher ein sehr guter Weg um von der Sucht weg zu kommen und für nicht wenige Süchtige ist es wahrscheinlich auch der Weg mit der größten Erfolgschance. Aber, es gibt auch genügend andere Beispiele.

    Wenn Du es allerdings nicht mal richtig versuchst, dann wirst Du auch nicht heraus finden ob Du es ohne Langzeittherapie schaffen kannst. Ist doch eigentlich klar, oder?

    Nimm mal mich z. B., ich habe aufgehört, bescheurterweise kalt entzogen (ich ging erst ein paar Tage nach meinem letzten Tropfen Alkohol zum Arzt) und war aber fest gewillt, alles zu tun um künftig ohne Alkohol leben zu können. Darum bin ja auch zum Arzt, ich war bereit wirklich alles zu tun, auch Langzeittherapie, egal. Was notwendig gewesen wäre hätte ich gemacht. Bereits am ersten Abend ohne Alkohol, also gerade mal knapp 24 h ohne, ging ich z. B. in eine SHG. Einfach so, ohne anmelden oder so. Eine meiner besten Entscheidungen damals, auch wenn ich jetzt schon lange keine SHG mehr besuche. Durch mein Gespräch mit dem Arzt bekam mal einen Überblick über meine Krankheit, und natürlich auch einen Überblick darüber, ob oder was meine Sucht schon alles kaputt gemacht hat in meinem Körper. Da hatte ich sehr viel Glück, außer das ich sehr übergewichtig war und meine Leberwerte nicht berauschend waren, schien noch nix kaputt gegangen zu sein.

    Ok, dann habe ich natürlich einen Psychologen aufgesucht. Denn mir war klar, dass ich ja irgendwen brauche, mit dem ich mal tiefer und professionell über meine Sucht und dem ganzen drum herum sprechen kann. Ich kenne aber heute auch Menschen, die das nicht gemacht haben und es z. B. mit Hilfe ihrer SHG gut hinbekommen haben. Aber wenn man's nicht probiert, dann weiß man es natürlich auch nicht. Ich habe damals halt erst mal alles was mir in den Sinn kam probiert bzw. Termine vereinbart, denn es gab ja auch Wartezeiten, z. B. beim Psychologen. Ich wollte nichts auf die Lange Bank schieben und nichts unversucht lassen und auf jeden Fall die Hilfe "ausprobieren", die ich erst mal relativ einfach bekommen konnte. Natürlich war ich auch bei der Suchtberatung und ich habe auch noch anderweitig psychologische Hilfe gesucht und angenommen. Und nicht zuletzt hatte ich auch einen guten Freund, der mir mit vielen Gesprächen zur Seite stand. Und das alles habe quasi sofort von Anfang an, vom Tag X an sozusagen, in die Wege geleitet. Und umso mehr ich dann an Wissen und Erfahrung gewonnen habe, z. B. bei den täglichen Besuchen in meiner SHG, umso klarer wurde mir nach und nach, welche Hilfe mir wirklich was bringt und was mich weiter bringt. Und ich merkte auch, dass es gut lief und dass ich ohne LZT klar komme.

    Alles Eigeninitiative, alles aus dem Wunsch heraus mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Und nebenher habe ich die Trennung von meiner Familie verarbeitet und ganz normal meinen Job gemacht. Den hatte ich nämlich trotz Alkoholkarriere noch und das war auch sehr gut für mich. Also nix stationär, nix monatelang in einer Therapieeinrichtung. Aber trotzdem mit großem persönlichem Aufwand und Einsatz und natürlich auch mit hohem Zeitaufwand. Anders geht es sowieso nicht. Und wie gesagt, hätte ich gemerkt das ich nicht klar komme, wäre ich sofort auf der Matte gestanden um eine Langzeittherapie zu bekommen. Natürlich, denn die Alternative wäre ja nicht weniger als mein Untergang gewesen.

    Also Du musst halt wollen, nicht nur so ein bisschen, sondern Du musst Dein Leben wirklich verändern wollen. Und diese Veränderung dann auch selbst in die Hand nehmen. Es gibt genug Hilfsangebote, aber Du musst sie Dir suchen, sie kommen nicht bei Dir vorbei.

    Die Frage die ich mir dann stelle: Worauf wartest Du noch? Geh zum Arzt und lass Dich checken, sprich mit ihm/ihr über Dein Problem, besuche eine Suchtberatung und lass Dich dort entsprechend beraten, mach eine Strategie, such Dir eine Selbsthilfgruppe, ggf probiere mehrere aus bis Du eine passende gefunden hast (falls Du die Auswahl hast) und leite dann weitere Schritte ein. Eben die Schritte, die Du mit Arzt ober der Beratung besprochen hast. Und schon bist Du auf dem Weg in ein neues Leben. Ist kein einfacher Weg, aber wenn Du durch bist, hast Du ein neues Leben vor Dir.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Mara,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 55, Alkoholiker und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol. Ich war ungefähr 15 Jahre lang in der Sucht gesteckt, die letzten Jahre davon trank ich ganz erhebliche Mengen Alkohol.

    Bei Deiner Geschichte ist mir gleich folgender Satz ins Auge gestochen:

    Zitat

    Er liebte schon immer das Bier aber noch in gereglten Bahnen und es gab viele alkoholfreie Wochen.

    Das hätte auch noch ewig so weiter gehen können. So bin ich auch eingestiegen, mit geringen Mengen und ab und an gab's mal längere Trinkpausen. Und ich kenne Menschen, älterne Menschen, die das genauso schon ihr Leben lang praktizieren ohne "abgestürzt" zu sein. Leider kann man nicht vorher sagen, wie das ganze ausgeht.

    Meine Erfahrung ist die, dass man sich auch bei sehr moderatem, quasi offiziell noch unbedenklichem Alkoholkonsum an die Wirkungweise des Alkohol gewöhnt. Man lernt, dass er hilfreich sein kann, wenn man mal aus der Alltag entfliehen möchte. Einfach mal ein Bier mehr trinken und schon setzt eine angenehme, entspannende Wirkung ein. Man lern, dass man, wenn man mal nicht so lustig drauf ist, einfach mal ein Bier mehr trinkt und die Stimmung steigt. Alles ist nicht mehr so ernst, alles wird etwas heiterer.

    Man nimmt das wahr, schon in den Zeiten wo man noch keinen hohen Konsum hat, wo man eigentlich noch "im Rahmen" trinkt. Man lernt, worauf man sich im Notfall immer verlassen kann: nämlich auf die Wirkung des Alkohols.

    So und dann kommen in manchen Lebensgeschichten halt auch mal sehr schwere Zeiten. Krankheiten oder Schicksalsschläge. Und dann hat man gelernt, was dagegen "hilft". Und so schlittert man dann immer tiefer hinein, in die Sucht.

    Ok, mein Geschreibsel bringt Dir jetzt nicht viel aber ich wollte diese Gedanken mal los werden, denn oft Fragen sich Angehörige ja auch, wie das alles so kommen konnte. Bei mir war es so ähnlich, wobei meine "Schicksalsschläge" sicher keine waren. Ich steigerte die Menge zum ersten Mal deutlich, als ich finanzielle Probleme hatte, ausgelöst durch einen Wohnungsverkauf wo der Käufer dann nicht zahlen konnte. Da ging es mir nicht gut, ich hatte Angst um unsere Zukunft und ich steigerte meine bis dato recht moderate Trinkmenge.

    Jetzt aber wieder zu Dir. Ihr hattet Krach wegen seiner Trinkerei und das Ergebnis daraus war, dass während der Woche keinen Alkohol mehr trank, sondern nur noch am Wochenende. Ok, sowas ist natürlich immer ein fauler Kompromiss, wenn der Trinkende bereits süchtig ist. Was Du aber wahrscheinlich nicht wissen konntest. Du kannst Dir übrigens auch nicht sicher sein, dass er während der Woche nichts getrunken hat. Ich z. B. habe von den 15 Trinkerjahren ca. 10 komplett heimlich getrunken. Und ich war nicht allein, ich hatte Frau und 2 Kinder und ein funktionierendes Umfeld. Und die letzten dieser 10 Jahre trank ich das Doppelte von dem was Dein Mann jetzt trinkt. Heimlich.

    Du bist also in einer Situation, wo Du auch nichts mehr glauben kannst oder brauchst. Denn Alkoholiker sind die besten Lügner und die besten Schauspieler auf diesem Planeten. Bei Dir geht es jetzt meiner Meinung nach darum, wo Du mit DEINEM Leben hin möchtest. Dein Mann scheint mit seiner Sucht bereits so weit zu sein, dass er auch körperliche Entzugserscheinungen hat, wenn er nicht rechtzeitig seinen Stoff bekommt. D. h. er ist wahrscheinlich auch körperlich abhängig.

    Für ihn gäbe es also die Option, idealerweise unter ärztlicher Aufsicht zu entgiften und anschließend entsprechende Maßnahmen zu ergreifen um dauerhaft ein Leben ohne Alkohol führen zu können. Also z. B. eine Therapie zu machen, SHG zu besuchen oder was auch immer für ihn da passt. Das müsste er allerdings selbst wollen. Dazu kann ihn keiner zwingen. Du kannst ihm zwar die Pistole auf die Brust setzten und vielleicht macht er dann auch was (vielleicht aber auch nicht), jedoch wird das nur von Erfolg gekrönt sein, wenn er es selbst auch möchte oder wenn er während seiner "erzwungenen" Therapie merkt, dass er es jetzt möchte, ihm sozusagen die Augen geöffnet werden. Das passiert durchaus ab und zu mal, allerdings gibt es auch genügend die eine Therapie machen und anschließend sofort wieder trinken, weil sie nie richtig trocken werden wollten.

    Ich denke, Du solltest Dir einen guten Plan zurecht legen. Ich denke, Du sollstest ihm, wenn Du das willst, nochmal eine Chance geben sich zu diesem Thema zu äußern und ihm Deinen Standpunkt ganz klar machen. Dieser könnte z. B. sein, dass Du ihm erklärst, dass Du ihn unterstüzten wirst, wenn er sich therapieren lässt. Wenn er also ein dauerhaftes Leben ohne Alkohol anstrebt und auch SOFORT aktiv etwas dafür tut. Gleichzeitig müsstest Du aber auch klar machen, was Du tun wirst, wenn er das nicht tut. Und das was Du da ankündigst, müsstest Du dann idealerweise auch konsequent durchziehen. Wenn Du also z. B. sagen würdest, dass Du Dich trennst wenn er nicht mit dem Trinken aufhört, dann müsstest Du das auch durchziehen. Ansonsten wirst Du unglaubwürdig, und das wird er sofort ausnützen.

    Es ist jetzt also die Frage was Du möchtest. Du musst Dir im Klaren darüber sein, dass Du ihm sein Leben lassen musst. Er entscheidet über sein Leben, darüber ob er weiter trinken will oder ob er abstinent Leben möchte. Es ist allein seine Entscheidung und ein nasser Alkoholiker lässt sich auch nicht trockenlegen, wenn er weiter trinken möchte. Egal was sein Umfeld da alles versucht, es wird immer scheitern. Und das schlimme dabei ist, dass die Angehörigen enorm darunter leiden, weil sie alles versuchen und trotzdem nichts erreichen.

    Deshalb solltest Du Dich nur auf Dich und Dein Leben konzentrieren. Wie gesagt, ich finde es immer fair, wenn man dem Trinker anspricht, ihm die Situation klar schildert, ihm die Möglichkeit gibt den Ernst der Lage zu erkennen. Aber dann ist auch gut. Oft ist das aber auch gar nicht mehr möglich, weil die Situation schon derart verfahren ist, dass die Partner gar nicht mehr miteinander reden können oder auch schon alles mehrmals gesagt wurde. Wie das bei Dir ist weiß ich nicht.

    Es ist gut das Du zum Hausarzt gehst. Ich denke mal Du gehst dort wegen Dir hin, oder? Damit er Dich unterstützen kann was die Entwicklung eines Planes betrifft. Oder Dir eine Überweisung für einen Psychologen gibt, der ebenfalls sehr hilfreich sein kann um eine derartige Belastung zu verabeiten bzw. mir ihr umzugehen. Oder willst Du Dich dort über die Alkoholsucht generell informieren?

    Ich habe Dir jetzt einfach mal meine Gedanken herunter geschrieben. Vielleicht ist was dabei, dass Dir einen Denkanstoss bringt, Dir weiter hilft. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Vinie,

    ich denke für Dich geht es nun darum wirklich Deinen Frieden mit dieser Situation zu schließen. Dein Verstand sagt Dir ja bereits sehr genau, wie Du die Situation einschätzen musst. Und Dein Verstand hat damit auch Recht.

    Wenn ich jetzt mal von mir spreche, dann ist es mir wichtig, dass ich mir später, wenn mein Vater einmal gestorben ist, keine Vorwürfe mache. Es ist mir wichtig, dass ich mir selbst sagen kann: es war wie es war und es war ok so.

    Es war vielleicht nicht gut, es war oft nicht toll aber es war sein Leben und es war ok, weil er es so leben wollte. Das ist das, wo ich gerne hin möchte. Ich stelle es mir sehr schwer vor, wenn ein Elternteil stirbt, meist ja trotz allem unerwartet, und man z. B. die Wochen vorher im Streit verbracht hat. Und eben nicht mehr die Gelegenheit hat, die Dinge zu bereinigen. Das sind tatsächlich die Gedanken die ich im Kopf habe. Das ist vielleicht sogar ein wenig egoistisch, weil ich hier ja quasi "nur" an mein Wohlbefinden denke, aber als trockener Alkoholiker habe ich eben genau das gelernt: Achte auf dich selbst, Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Und nur wenn du mit dir selbst im Reinen bist, kannst du auch für andere da sein und anderen helfen.

    Ich glaube, dass diese Weisheit nicht nur für Alkoholiker Gültigkeit hat. Und das hat auch nichts mit dem klassischen Egoisten zu tun. Es geht hier eigentlich nur um Achtsamkeit seiner eigenen Person, seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen gegenüber.

    Überlege Dir, ob Du mit dieser Situation alleine klar kommst oder ob Du noch Hilfe brauchst. Ich kann nicht einschätzen wie sehr Dich diese Situation belastet und wie sehr Dein Leben davon (negativ) beeinflusst wird. Zum einen gibt es Selbsthilfegruppen auch für Angehörige (also jenseits dieses Forums) und zum anderen kann natürlich auch ein Psychologe hilfreich sein. Es kann natürlich auch sein, dass Du alleine klar kommst, Du solltest aber nicht zögern Dir notfalls noch weitere Hilfe zu holen.

    Ich z. B. hätte meine Sucht ohne Hilfe wahrscheinlich nicht bewältigt. Ob ich es geschafft hätte ohne Hilfe dauerhaft trocken zu bleiben, das weiß ich nicht, es wäre auf jeden Fall sehr schwer geworden, also noch schwerer als es ohnehin schon war. Auf jeden Fall aber wärde die Aufarbeitung meiner Sucht und all meiner Schuld auf der Strecke geblieben. Und genau diese Aufarbeitung ist für mich heute der Schlüssel für ein glückliches Leben ohne Alkohol.

    Auf Dich übertragen bedeutet das, dass Du Deine "Geschichte" mit Deinem Vater (Kindheit, Jugend bis heute) vielleicht auch aufarbeiten solltest (falls nicht schon geschehen) um Deine Zukunft zufrieden oder sogar glücklich gestalten zu können.

    Alles Gute weiterhin.

    LG
    gerchla

    Hallo Vinie,

    erst mal herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon längere Zeit ohne Alkohol.

    Du stellst die Frage was wir zu Deiner Geschichte sagen. Ich kann natürlich nur für mich antworten und das was ich da lese würde ich wie folgt beschreiben: Was Deinen Vater betrifft eine ganz typische Alkoholikergeschichte. Nichts besonderes, eher was ganz normales im Bereich der Suchterkrankten. Kann oder will nicht aufhören, selbst die beiden Schlaganfälle bringen ihn nicht dazu sein Leben zu verändern.
    Und was Dich betrifft in dieser Geschichte: Auch nichts besonderes, in diesem Fall eine Tochter (oder Sohn?), die sich große Sorgen um ihren Vater macht, der einfach nicht mit dem Trinken aufhören kann oder will. Du stehst dem ganzen Machtlos gegenüber, wirst ein ums andere mal enttäuscht, Hoffnungen, die ja bekanntlich zuletzt sterben, gehen flöten und Du bist einfach nur fassungslos und hilflos.

    Also alles ganz normal, könnte man sagen. Wenn man so von außen drauf schaut, wenn man selbst Alkoholiker ist und weiß wie das läuft und wenn man hier im Forum aktiv ist und immer wieder solche Lebensgeschichten liest.

    ABER für Dich ist es ganz und gar nicht normal. Weil Du bist Teil dieser Geschichte und es ist Dein Leben, das dadurch enorm belastet und wahrscheinlich auch beeinflusst wird.

    Ich finde es sehr gut, dass Du die Probleme Deines Vaters nicht annehmen möchtest, es ist auch gut, dass Du weißt, dass sich der Süchtige nur selbst aus der Sucht heraus ziehen kann. Damit hast Du vollkommen Recht. Dann schreibst Du auch noch, dass Dir schon länger klar ist, dass Deinem Vater nicht zu helfen ist.

    Erst mal klingt das alles sehr "vernünftig" was Du da schreibst. Aber ich glaube es ist Dein Verstand, der Dir das sagt, Dein Herz hofft immernoch. Es hofft, dass Du Dich irren könntest, dass ihm vielleicht doch noch zu helfen ist, dass er vielleicht doch noch die Einsicht erlangt und seine Sucht von sich aus bekämpft.

    Ich kann das auch sehr gut verstehen, gerade als gesunder und nichtsüchtiger Mensch kann man sich nicht vorstellen, warum der Alkoholiker nicht einfach mit dem Trinken aufhört. Warum er das seinem Umfeld antut und das es doch eigentlich so schwer nicht sein kann. Schließlich gibt es ja auch immer wieder Beispiele (siehe hier im Forum) von Menschen die es geschafft haben ihre Sucht zu besiegen.

    Und ja, das stimmt auch. Es gibt diese Beispiele, glücklicherweise. Es ist aber leider so, dass Du nicht darüber entscheiden kannst, wie die Sucht Deines Vaters weiter verläuft. Du hast überhaupt keinen Zugriff, überhaupt keine Handhabe. Du kannst tun was Du möchtest, wenn er nicht selbst mit dem Trinken aufhören möchte oder aufhören kann, dann wird er weiter trinken. Notfalls tatsächlich bis zum bitteren Ende..... leider.....

    Ich finde es gut, dass Du trotz Deiner Zweifel offen geblieben bist, dass Du ihn nicht sofort komplett abgeschrieben hast, dass Du einfach offen für eine positive Veränderung bleiben wolltest. Denn diese Veränderung hätte ja auch passieren können. Da das aber jetzt offensichtlich nicht passiert ist, musst wieder auf Dich achten.

    Du hast jetzt die Situation, dass Dein Vater auch nach dem 2. Schlaganfall wieder mit dem Trinken begonnen hat. D. h., Du musst diese Situation jetzt akzeptieren. Er will es so und niemand kann ihn daran hindern. Es scheint nicht so zu sein, dass Du in nächster Zeit auf Positives hoffen darfst. Du musst also lernen Dich abzugrenzen und für Dich heraus zu finden, was Du noch zulassen kannst, was Dir noch gut tut und wo Du "stop" sagst, weil es Dir Schaden zufügt. Ich will damit sagen: Wieviel Papa tut Dir noch gut und wann ist eine Grenze überschritten.

    Ich kenne Deine Situation nicht, aber kannst Du aktuell ganz normal mit Deinem Vater umgehen? Kannst Du Dich mit ihm unterhalten, besuchst Du ihn gerne, auch wenn Du weißt, dass er getrunken hat? Oder habt ihr immer Streit und es belastet Dich alles sehr? Ist es "nur" die Sorge um seine Gesundheit, die Dich belastet oder hast generell Probleme mit Deinem Vater?

    Ich frage das so, weil auch ich kein einfaches Verhältnis zu meinem Vater habe. Und auch ich dabei bin, immer wieder meinen Frieden mit ihm zu schließen. Auch er trinkt, wenn auch wahrscheinlich nicht ganz so akut wie Deiner. Ich habe mir da ein paar Regeln auferlegt, die mir ganz gut helfen. Z. B. gehe ich einfach, wenn ich merke, dass er (für mich) zu viel intus hat. Wenn seine Sprüche und sein Gerede gar zu blöd wird, gehe ich auch. Ohne Vorwürfe oder so. Ich verabschiede mich und gehe. Mit der gesamten Familie, meiner Frau und unserem Kind. Er ist nun Anfang 70, sehr übergewichtig und nimmt Tabletten ohne Ende. Es wäre für ihn ein Segen, wenn er keinen Alkohol (in seinem Fall Bier) trinken würde und nebenher vielleicht ein klein wenig seine Ernährung umstellen würde.

    Das macht er aber nicht und ich habe das zu akzeptieren. Und ich akzeptiere es auch, es ist sein Leben, nicht meines. Ich habe für mich nur festgelegt, dass ich mich nicht durch sein Leben belasten möchte. So lange er trinkt und ganz normal mit mir spricht, ist das kein Problem. Wenn er aber in sein agressives Fahrwasser kommt, blöde Sprüche macht und mit Vorwürfen um sich wirft, dann ziehe ich mich zurück und schütze mich. Und ja, ich rechne auch damit, dass irgendwann ein Anruf kommt, dass er im Krankenhaus liegt oder schlimmeres passiert ist. Und genau deswegen möchte ich meinen Frieden mit ihm schließen und diesen auch beibehalten.

    Das waren meine Gedanken zu Deiner Geschichte.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Anja,

    hier kommen meine angedrohten Gedanken, die ich Dir aus Zeitmangel erst jetzt schreiben kann.

    Also mir scheint, Du hast das Wochende gut, sprich ohne Alkohol, überstanden? Prima. Und Du hast auch bereits die ersten positiven Erfahrungen gemacht, wie mir scheint. Darf ich fragen was Du den Leuten gesagt hast weshalb Du keinen Alkohol mehr trinkst? Weil schwanger bist Du ja nicht....

    Und wie haben sie reagiert?

    Jetzt aber noch ein paar Gedanken von mir. Bitte überlege Dir, ob es gut ist, wenn Du einen vollen Weinkeller im Haus hast. Ich weiß nicht wie weit die Unterstützung Deines Mannes geht, aber wenn er Dich so richtig 100%ig unterstützt und den Ernst der Lage auch als solchen sieht und anerkennt, dann wäre es aus meiner Sicht eine gute Idee, wenn ihr z. B. gemeinsam, die ganzen Flaschen entsorgt. Aufmachen und in den Ausguss gießen, z. B. Habe ich damals gemacht, als Ritual sozusagen. Oder vielleicht könnt ihr die Flaschen ja auch einfach bei irgendjemanden zwischenlagern? Dann muss man sie nicht gleich entsorgen. Wäre auch ne Option. Bei guten Freunden z.B., die Bescheid wissen.

    Gedanken daran, dass das ja edle Tropfen sind und einen Haufen Geld gekostet haben, sollten dabei keine Rolle spielen. Vielleicht ist es im Moment einfach gut, wenn Du ein alkoholfreies Umfeld hast. Damit hast Du ja noch lange nicht entschieden, dauerhaft ohne Alkohol zu leben. Du zeigst nur, dass es Dir im Moment sehr ernst damit ist und dass Du im Moment alle Risikofaktoren ausschaltest. Solltest Du später irgendwann mal wieder trinken wollen, wird Dich niemand daran hindern können, Dir wieder einen Weinvorrat anzulegen bzw. die Flaschen aus der Zwischenlagerung zurück zu holen.

    Es stimmt schon was Caroline schreibt, dass es möglich ist ohne Alkohol zu leben obwohl Alkohol im Haus ist. Z. B. weil der Partner nicht darauf verzichten kann oder will. Es macht es aber schon schwieriger und ist für viele kurz trockene Alkoholiker eine echte Rückfallgefahr. Eine riesengroße Rückfallgefahr. Bei Dir möchte ich aber noch gar nicht von Rückfall sprechen, denn Du machst ja erst mal ein Experiment. Also das Experiment längere Zeit ohne Alkohol leben zu wollen.

    Jetzt scheint es aber ja so, dass Du es eben nicht problemlos schaffst nichts zu trinken. Dass Du sehr wohl zu bestimmten Zeiten in gewissen Situationen einen Druck verspürst, Alkohol trinken zu wollen. Das sind dann eindeutige Alarmzeichen und trotzdem kann Dir wieder niemand 100%ig sagen wo Du stehst. Ich kann Dir nur von mir berichten. Ähnlich wie bei Dir jetzt habe ich mehrmals solche Versuche unternommen. Einer davon ging über viele viele Monate, fast ein Jahr. Ich trank keinen Tropfen, wirklich keinen Tropfen. Ich spürte aber, dass ich auch nach längerer Zeit zwar nachlassend aber doch immer wieder den Wunsch verspürte, Alkohol zu trinken. Aber ich konnte es gut durchalten.

    Dann lud mich ein neuer Nachbar über den Gartenzaun hinweg zu einem Biermischgetränk ein! Noch am selben Abend brachen bei mir sämtliche Dämme und ich trank wieder. Zwar konnte ich dann tags drauf wieder verzichten, wieder ein paar Tage nicht trinken, aber dann trank ich doch wieder. Und dann wurden die alkohlfreien Tage immer weniger und schon ein paar Wochen danach trank ich wieder täglich und steigerte die Menge im Vergleich zu vor der Trinkpause sogar. So als hätte ich einen Freifahrtschein, weil ich sooooo lange nichts getrunken hatte.

    Auf diese Trinkpause folgten im Laufe der Jahre weitere. Keine war jemals wieder so lang wie diese. Aber mehrere Wochen schaffte ich schon noch. Immer wenn ich sie abbrach fiel ich in mein altes Muster zurück und immer, ganz erstaunlich, trank ich danach dauerhauft mehr als vor der Pause. Irgendwan konnte ich nur noch ein paar Tage pausieren, irgendwann konnte ich gar nicht mehr pausieren, irgendwann wollte ich nicht mehr pausieren. Ich wollte nur noch trinken, es hatte ja eh alles keinen Sinn (so sagte mir mein nasses Hirn).

    Du stehst am Anfang einer Sucht. So glaube ich jedenfalls. Nutze die Chance sie jetzt zu stoppen. Bevor Du richtig hinein rutscht und es richtig schwer wird. Trink einfach keinen Alkohol mehr. Es passiert überhaupt nichts. Noch dazu wenn Du einen Partner hast der das unterstützt und ein Umfeld das gut damit umgeht. Wunderbar. Das Zeug braucht kein Mensch. Alles was man mit tut, kann man ohne auch tun, mindestens genauso gut.

    Und was die Gefahr eines Burnout betrifft: Da ist Alkohol völlig kontraproduktiv. Er hilft Dir überhaupt nicht. Genauso ist es mit Depressionen. Auch da denken manche, sie könnten mit Alkohol Linderung erreichen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es wird nur noch schlimmer. Alkohol sorgt immer nur sehr temporär für eine Veränderung des Bewusstseins, er verändert aber nicht die Realität um einen herum. Lässt die Wirkung nach, sagt die Realität "Hallihallo, da bin ich wieder". Und wenn man dann wieder trinkt, dann sagt sie das selbe beim nächsten nüchtern werden etc etc etc. Nebenher wird man süchtig. Wunderbar, das hat sich dann rentiert.

    Alles Gute weiterhin bei Deinem Experiment. Bin gespannt welche Erfahrungen doch noch machst.

    LG
    gerchla

    Hallo Manuel,

    also ich bin kein Hirnforscher oder so. Und ja, natürlich ist übermäßiger Alkoholkonsum auch schädlich für die Gehirnzellen, das ist ja bekannt und es gibt ja auch sogar prominente Beispiele, die durch exzessiven und langjährigen Alkoholkonsum Hirnschäden davon trugen. Häufig geht hier dann ja um das Korsakow-Syndrom. Grundsätzlich ist es ja so, das Alkohol einfach Zellgift ist. Egal in welcher Menge, Alkohol ist ein Zellgift. Natürlich gibt es Grenzwerte. D.h. wenn man darunter bleibt ist der Konsum offiziell als unbedenklich einzustufen. Das gibt es ja für andere Gifte ganz genauso. Es nur erstaunlich, mit welcher Unbekümmertheit und welcher Freude die Menschen diese Grenzwerte fröhlich saufend einfach ignorieren. Während sie bei andeeren Giften höchst sensibel reagieren.

    Aber ok, Du bist ein junger Mensch. Du trinkst nicht mehr (bzw. nur noch selten und dann moderat) und Du hast Dich durchchecken lassen. Also ich würde mich da jetzt mal entspannen, oder leidest Du bereits und häufiger Vergesslichkeit etc.? Wenn ich richtig lese, dann hast Du ja sogar ein überdurchschnittliches Gedächtnis!

    Vielleicht liegt Dein "Problem" jetzt mehr in Deiner Angststörung als in Deinem früheren Alkoholkonsum. Also, wenn Du jetzt kein Problem damit hast keinen oder nur wenig Alkohol zu trinken, dann freue Dich darüber, dass Du nicht süchtig geworden bist und genieße Dein Leben.

    LG
    gerchla

    Hallo s,

    also erst mal möchte ich Dir sagen, dass Du aus meiner Sicht sehr gut reagiert hast bzw. genau richtig vorgegangen bist. Du hast das Gesrpäch gesucht und Du bist dabei sachlich geblieben. Super. Vorwürfe etc. hätten die Lage wahrscheinlich nur verschärft und sie bringen Dich ja, ehrlich gesagt, auch gar nicht weiter. Und Deine Frau natürlich auch nicht.

    Es wird jetzt interessant sein zu beobachten (ist bisl blöd formuliert aber mir fällt gerade nix besseres ein), wie sich Deine Frau weiter verhält. Die Katze ist ja jetzt aus dem Sack, sie weiß, dass Du ihr auf die Schliche gekommen bist. Und sie wird auch merken, dass sie Dich nicht wieder einfach so einlullen kann. So wie Du schreibst bist Du Dir vollkommen im Klaren was die Stunde geschlagen hat. Sie hat also keine Chance Dich mit ihren Geschichten (nur im Moment trinke ich etwas viel, das gibt sich wieder etc. ) zu manipulieren.

    Das finde ich auch sehr gut, denn es erspart Dir ein langes hin und her, das viele Angehörige erst mal durchmachen bevor sie überhaupt die Tragweite der ganzen Situation erfassen. Da bist Du schon mal ein gutes Stück voraus. Jetzt wirst Du sehen, ob sich am Verhalten Deiner Frau etwas verändert. Ob dieses Gespräch im Nachgang eine Wirkung bei Deiner Frau erzeugt hat oder nicht. Ob es für sie ein Anstoss war, nochmal tiefer über ihre Situation nachzudenken oder ob sie die Taktik fährt, noch besser zu werden im Verheimlichen und im Täuschen. Ggf. sogar verbunden mit einer kleinen Trinkpause, die Dir suggerieren soll, das doch alles in Ordnung ist.

    Wenn Du, wie Du schreibst, hier schon einiges gelesen hast, dann wirst Du schon wissen, wie das ganze jetzt eigentlich idealerweise ablaufen müsste und wie es leider aber eben oft tatsächlch abläuft. D. h. wenn sie nicht wirklich ernsthaft erkennt was los ist und nicht wirklich ernsthaft Maßnahmen dagegen unternimmt, dann wird das wahrscheinlich nichts werden. Ich finde es aber gut, dass Du jetzt nicht sofort mit den harten Konsequenzen auffährst, sondern ihr erst mal noch Zeit gibst. Und sie dabei beobachtest wie es weiter geht.

    Wenn Dir Eure Beziehung wichtig ist, dann darfst Du da jetzt auch durchaus etwas investieren. Denn wenn sie einsichtig ist (oder wird in naher Zukunft), dann kannst Du für sie eine wichtige Stütze sein. Und es gibt auch viele Beispiele von Paaren, die ein zufriedenes und glückliches Leben führen, nachdem der trinkende Partner trocken wurde. Es lohnt sich also schon zu kämpfen, wenn berechtigte Hoffnung vorhanden ist.

    Und ich denke diesen Punkt, also ob Du berechtigte Hoffnung haben kannst, der ist noch nicht geklärt. Da brauchst Du wohl noch ein wenig Zeit um das heraus zu finden. Wichtig ist, dass Du dabei sehr gut auf Dich selbst aufpasst. Das alles ist ja kein Spiel, es ist eine hochemotionale und sehr tiefgreifende Geschichte, die mit Sicherheit, egal wie sie aus geht, Dein Leben verändern wird. Also pass auf Dich auf und ziehe notfalls rechtzeitig die Reißleine bzw. setzte Dir (und ihr) Grenzen.

    Das schlimmste an der ganzen Geschichte ist, Du hast es bereits geschrieben, dass man das Vertrauen verloren hat. Man kann nicht mehr vertrauen. Und das ist leider oft der Killer für die Beziehung. Denn ehrlich, was ist denn das wichtigste in einer Beziehung? Ich finde es ist das Vertrauen, es ist die Basis für Liebe. Ohne Vertrauen keine Liebe.

    Du musst jetzt natürlich auf "hab Acht" sein, Du kannst jetzt natürlich nicht einfach alles glauben was sie sagt. Aber Du hast auch gut erkannt, dass es Dir nichts bringt, wenn Du zum Kontrollfreak wirst. Dann läufst Du große Gefahr in eine Co-Abhängigkeit zu rutschen. Das musst Du unbedingt verhindern, denn dann wirst Du genauso abhängig wie Deine Frau.

    Gut, dass Du Deine Beziehung nicht gleich aufgibst. Wichtig, dass Du jetzt klar bist und Dir Deine persönlichen Grenzen setzt. Und Dir einen Plan machst, wie Du weiter vorgehen willst, auch dann z. B. wenn Deine Frau weiter trinken möchte.

    Lieber s, alles Gute und viel Kraft. Ich würde mich freuen, wenn ich bald Positives von Dir und Deiner Frau lesen könnte. Bis bald und

    LG
    gerchla