Beiträge von Gerchla

    Hallo verzweifelt,

    erst mal herzlich Willkommen hier bei uns im Forum. Ich habe mich jetzt tatsächlich schwer getan, Dich mit "verzweifelt" anzuschreiben, viel lieber hätte ich Dich mit "hoffnung" o. ä. ansprochen aber Du hast Dir Deinen Nick so ausgesucht und er drückt Deinen derzeitigen Gemütszustand aus. So lese ich es jedenfalls aus dem was Du alles geschrieben hast.

    Ganz kurz zu mir selbst, damit Du weißt mit wer Dir hier schreibt: Ich bin Ende 40, geschieden, wieder verheiratet, mehrfacher Papa. In meiner ersten Ehe lag meine ganze Trinkerzeit. Ich trank mehr als 10 Jahre abhängig, die letzten Jahre davon auf sehr hohem Niveau. Fast meine komplette Trinkerzeit trank ich jedoch heimlich, d.h. ich habe das auch meiner Frau und meinen Kinder gegenüber verheimlicht. Nach Beendigung meiner Sucht zerbrach meine Ehe, mittlerweile bin ich jedoch wieder verheiratet und sehr zufrieden mit meinem Leben. Ich kann für mich selbst sagen, dass ich mich als sehr glücklich empfinde. Und ich trinke jetzt schon seit mehreren Jahren keinen Alkohol mehr.

    Obwohl ich eine, wie ich selbst sagen möchte, recht gute Kindheit hatte, machte ich innerhalb meiner Familie dort regelmäßig Erfahrung mit Alkohol. Mein Opa, bei dem ich vor allem im Vorschulalter sehr viel Zeit verbrachte war wohl Alkoholiker, soweit ich das im Nachhinein beurteilen kann. Jedoch trug er ich mich auf Händen, so dass ich hier keine negativen Erinnerungen habe. Allerdings weiß ich heute, dass dieses "auf Händen tragen" für mein späteres Leben nicht unbedingt ideal war. Aber das ist ein anderes Thema. Mein Vater trank auch kritisch und tut das heute noch. Wobei er nie komplett abgestürzt ist. Er ist einer derjenigen, die ihr Leben lang deutlich zu viel Alkohol trinken, jedoch nie komplett in die Suchtspirale hinein gerutscht sind. Hier habe ich dann schon einige negative Erinnerung aus meiner Kindheit. Jedoch waren das i. d. R. eher peinliche Situationen und nichts, dass mit meiner Rolle als Kind zu tun gehabt hätte. Mein Vater hat mich immer sehr gut "behandelt" und mir seine Zuneigung auf seine Weise so gut er konnte gezeigt. Und das tut er heute noch. Meine Mutter trank nicht, hatte aber immer gut mit meinem Vater zu tun, der auch wenn er nicht trinkt sehr viel Aufmerksamkeit verlangt.

    So, das war jetzt eine längere Vorstellen aber nun weißt Du in etwa wer Dir schreibt.

    Was Dich betrifft bzw. was das betrifft was Du geschrieben hast, da würde ich Dir gern ein paar Gedanken von mir da lassen. Nur das, was ich mir beim Lesen Deiner Geschichte spontan gedacht habe:

    Ich dachte mir, dass da jemand schreibt, der ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern hat. Jemand, der von seinen Eltern sehr enttäuscht ist und der eigentlich nur, wie jedes Kind, von seinen Eltern ernst genommen und geliebt werden möchte (und das ist auch unabhängig davon wie alt man ist). Diese Liebe aber nicht bekommt, weil die Eltern offenbar nicht dazu in der Lage sind. Der Grund dafür könnte in der Sucht der Eltern liegen, er muss es aber nicht.
    Ein hoher Fokus liegt bei Deinen Eltern offenbar beim Thema Geld. Wobei ich sagen muss, dass Dein Fokus ebenfalls stark darauf ausgerichtet scheint. Allerdings auf andere Weise wie das bei Deinen Eltern der Fall ist. Für Dich scheint das Thema Geld all die Probleme die Du mit Deinen Eltern hast am besten zu verdeutlichen. Ich hatte beim Lesen Deiner Zeilen dann das Gefühl, dass das Thema Alkohol sogar in den Hintergrund gerückt ist. Es las sich für mich so, als ob Du da bereits einen Haken gemacht hast. Deine Eltern trinken und Du glaubst nicht, dass sich daran etwas ändern lässt.

    So habe ich das gelesen. Du bist nicht verzweifelt am Fragen, was Du tun könntest, damit Deine Eltern zur Besinnung kommen, damit sie ihr Trinkverhalten ändern, sondern Du bist verzweifelt, weil Deine Eltern Dich so behandeln wie sie Dich behandeln und Du aus dieser Geschichte nicht heraus kommst. Was ich Dir hier schreibe soll nicht bewertend sein, ich will mir nur klar werden, ob ich Deine Situation richtig einschätze.

    Ich würde Dir gerne eine Frage stellen: Denkst Du, dass sich am Verhalten Deiner Eltern etwas ändern würde, wenn sie ab sofort nicht mehr trinken würden?

    Die Antwort auf diese Frage würde mich sehr interessieren. Ich will dazu nur sagen, dass sich nicht automatisch alles komplett verändert "nur" weil jemand nicht mehr trinkt. Bei Deinen Eltern scheint mir die ganze Sache auch noch etwas komplizierter: Zum Einen kann ich bei Dir nicht herauslesen, dass sich Deine Eltern jemals ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, dass sie Alkoholiker sein könnten und etwas an ihrer Sitution ändern müssten und zum Anderen trinken auch noch alle beide. Also selbst wenn einer von beiden erleuchtet wird, bleibt noch der andere. Mir scheint aber, dass Du Dir dessen bewusst bist und das es Dir gar nicht darum geht, Deine Eltern trocken zu legen. Es geht Dir vielmehr um Dich und Dein Leben.

    Wenn dem so ist, dann hättest Du schon mal viel erreicht. Nämlich die Erkenntnis, dass DU nichts tun kannst um Deine Eltern zu verändern. Du kannst und solltest Dich dringend um Dich selbst kümmern und Dein Leben selbst in die Hand nehmen. Lass Deine Eltern ihr Leben so leben wie sie es möchten, mit Alkohol und allem, was sie sich halt so einbilden. Aktuell ist es aber einfach so, dass Du enorm leidest unter Deiner Situation. Deshalb glaube ich, dass Du da dringend raus musst. Weg aus dem Elternhaus in eigene 4-Wände. Selbst wenn es aus finanziellen Gründen nur sehr kleine 4-Wände sein sollten oder gar winzige 4-Wände, egal. Du musst da raus.

    Du bist eine erwachsene Frau (? oder auch Mann?), Du brauchst Dir nicht mehr von Deinen Eltern vorschreiben lassen was Du darfst und was nicht und es ist auch Deine Sache, ob Du Dein Geld sparst oder zum Fenster raus wirfst. Das geht sie absout nichts mehr an. Ich glaube also, dass es bei Dir um viel mehr geht als die Alkoholsucht Deiner Eltern. Ich glaube Du musst lernen Dich komplett zu lösen, Dich nicht mehr verantwortlich fühlen und Dich um Dein eigenes Leben kümmern. Und ich glaube das musst Du tun völlig unabhängig davon ob und wieviel Deine Eltern trinken.

    Du hast nicht die Verantwortung für Deine Eltern, weder für ihren Alkoholkonsum noch für sonst was. Dein Bruder hat das offenbar recht schnell verstanden und die Biege gemacht. Jetzt bist Du dran.

    Ich vermute jetzt aber mal, dass bei all Deinem Groll, bei all Deinen negativen Gefühlen irgendwas in Dir vorhanden ist, dass Dir diesen Schritt enorm schwer macht. Und ich glaube nicht, dass es nur der finanzielle Aspekt ist. Vielleicht war es auch damals, als Du bleiben "musstest" weil Du nicht so viel verdient hast, ein willkommener Vorwand um diesen Schritt, den Schritt weg von Deinen Eltern in Dein eigenes Leben, nicht tun zu müssen. Aber wie gesagt, ich weiß es natürlich nicht, ich lese es aber so.

    In diesem Zusammenhang finde ich es sehr wertvoll, was Wolfsfrau Dir geschrieben hat. Vielleicht erkennst Du Dich an der ein oder anderen Stelle wieder.

    Das war's jetzt erst mal mit meinen Gedanken. Schön, dass Du zu uns gefunden hast. Alles alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Frank,

    ein Jahr bist Du nun schon trocken? Wie doch die Zeit vergeht! Hättest Du Dir damals als Du hier angekommen bist wahrscheinlich auch erst mal nicht so vorstellen können, oder? Ich freue mich sehr für Dich, dass Du Dein Leben und vor allem auch Dein Leben mit Deinem Kleinen und Deiner Frau so gut organisiert hast. So kann Dein Kleiner behütet aufwachsen obwohl ihr Euch getrennt habt. Das finde ich ganz prima.

    Und ich denke mal, dass sich das manchmal recht wankelmütige Verhältnis zu Deiner Ex-Frau auch noch stabilisieren wird. Braucht halt schon bisl Zeit, bis alle in die neue Rolle hinein gefunden haben. Und ich finde die Idee von "wir sind halt einfach gute Freunde" gar nicht so schlecht. Das kann funktionieren wenn beide (vor allem auf der Gefühlsebene) dazu bereit sind. Ist sicher nicht immer einfach ab er für Deinen Kleinen ist das natürlich genial!

    Also bleib dran und alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Joe,

    herzlich Willkommen auch von mir.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und trinke jetzt schon mehrere Jahre keinen Alkohol mehr. Genau wie Greenfox musste ich in meiner aktiven Zeit täglich trinken und ich brauchte zum Ende des Tages immer eine bestimmte Menge an Alkohol intus um überhaupt schlafen gehen zu können. Während ich anfangs immer erst abends mit dem Trinken begann wurde es mit Dauer meiner Sucht immer früher und zum Ende hin trank ich schon morgens nach dem Aufstehen bzw. auf dem Weg in die Arbeit. Die Mengen nahmen entsprechend natürlich auch ganz erheblich zu.

    Dein Mann scheint nun eher in die Kategorie der Quartalstrinker zu gehören. Diese können auch längere Zeit ohne Alkohol sein, stürzen dann aber dafür um so heftiger ab. Sie haben es dann überhaupt nicht mehr unter kontrolle und trinken bis zur Besinnungslosigkeit.

    Wie Greenfox bin auch ich hier ein Freund von offenen Worten. Wenn Du also eine Flasche findest, dann sprich ihn an. Sprich überhaupt grundsätzlich mit ihm über seine Sucht. Du schreibst, er besucht eine SHG und geht zur Threapie. Macht er das regelmäßg. Also geht er jede Woche in eine SHG oder vielleicht sogar täglich? Und welche Art von Therapie macht er denn?

    Wie ist denn sein Trinkverhalten genau? Trinkt er "nur" alle paar Wochen mal oder hat er immer nur ein paar Tage Pause zwischen seinen Trinkaanfällen? Wie ernst ist es ihm mit dem aufhören wollen? Wie schätzt Du das ein? Ich meine, scheinbar macht er ja schon was aber scheinbar nützt es auch nix. Hat er schon mal den Therapeuten gewechselt, mit unterschiedlichen Ärzten gesprochen, andere Arten der Therapie versucht oder irgendwelche anderen Alternativen?

    Zitat

    Jetzt, dass wir einen Sohn haben, habe ich Angst, dass er die Flasche mal findet und aus Neugier trinkt...

    Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Dein 6 monate alter Sohn, sobald er krabbeln kann, mal auf so eine Flasche stoßen könnte. Und ja, vielleicht würde er dann auch mal probieren wollen. Ich denke, er würde sofort zum Weinen anfangen wenn das scharfe Zeug auf seine Lippen kommt und wahrscheinlich nicht wirklich davon trinken. Aber man weiß es natürlich nicht denn Kinder trinken ja manchmal auch Reiniger und andere giftige Flüssigkeiten. Deshalb ist es gut, dass Du hier sensibilisiert bist.

    Allerdings sollte Du auch nicht vergessen, dass Dein Kind schon bald richtig mitbekommen wird, das da was nicht stimmt. Das geht ganz schnell und passiert sehr früh. Und es prägt die Kinder für ihr ganzes Leben. Du schreibst Du liebst ihn und er ist ein toller Mann. Ich denke damit meinst Du den Mann der er ist, wenn er nicht getrunken hat.

    Das ist etwas, was Angehörige oder Partner von Alkoholikern immer wieder schreiben. "Er ist eigentlich ein ganz toller Mann, nur wenn er getrunken hat....". Du musst für Dich entscheiden wie lange Du bereit bist Deinen Mann mit seiner Geliebten, dem Alkohol, zu teilen. Und wenn seine Sucht so verläuft, wie sie normalerweise immer verläuft wenn man sie nicht zum Stillstand bringt, dann wird die Zeit, die er mit seiner Geliebten verbringt immer mehr werden. Die Zeit wo er der Mann ist den Du liebst, wird immer weniger werden. Es liegt allein an Dir, wie lange Du Dein Leben so leben möchtest.

    Deshalb sprich ihn an, setzte ihm Grenzen genau wie Greenfox es schon schrieb und halte die Konsequenzen, die Du ihm bei nichteinhaltung dieser Grenzen angedroht hast dann auch ein. Gib ihm ein klares Zeichen das Du ihn liebst und ihm bei der Überwindung seiner Sucht unterstützen möchtest, aber nur dann wenn er auch ernsthaft daran arbeitet. Klare Regeln sind enorm wichtig. Und bei alle dem: Denk an Deinen Sohn - glaube mir, ich bin selbst 3-facher Papa. Die Kinder leiden immer am meisten, sie sind die allergrößten Verlierer wenn ein Elternteil (oder auch beide) Alkoholiker ist. Und der Schaden der dann hier angerichtet wird ist leider oft nie mehr gut zu machen.

    Alles Gute und ganz viel Kraft.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    schön, dass Du uns einen kurzen Einblick in Deine aktuelle Situation gegeben hast. Und noch schöner, dass Du weiterhin stark bist und abstinent lebst. Und wenn es Dir Hilft, dann gerne auch immer nur von heute auf morgen. Ich bin aber davon überzeugt, dass Du weiter kommen wirst und dass irgendwann auch das "von heute auf morgen" zu einer Selbstveständlichkeit für Dich wird, so dass Du darüber nicht mehr viel nachdenken wirst. Und dann wird sich Deine Angst, die Dir der Alkohol heute noch macht, in Respekt verwandeln. Und diesen Respekt, den wirst und musst Du Dir immer erhalten. Und wenn Du das tust, dann wirst Du tiefe Dankbarkeit dafür empfinden, dass Du Dein Leben ohne Alkohol führen dafst und das führt zu einer ganz großen Zufriedenheit. So sind meine Erfahrungen und ich bin sicher, Du wirst diesen Punkt auch erreichen.

    Aber, immer Schritt für Schritt!

    Ganz viel Kraft und bis bald.

    LG
    gerchla

    Liebe Claudia,

    ich glaube Du schätzt die Situation recht gut ein. Ich meine in Bezug auf das "Heilfasten". Ich habe das ähnlich gemacht. Also ich trank ja heimlich und es gab ein paar Versuche meinerseits, mit dem Trinken aufzuhören. Auch heimlich, ich schrieb ja häufiger darüber. Und da waren dann ein paar Male dabei, wo ich verstärkt Tee trank. Weil ich irgendwie was brauchte, was mein "Ersatz" war. Ich erinnere mich da an Brennesseltee, den ich Literweise jeden Abend trank. Meiner Frau erklärte ich, dass ich mal "entschlacken" möchte.

    Naja, war dann ja meistens nach ein paar Tagen wieder vorbei, mein "entschlacken" und ich trank wieder heimlich weiter. Kann also gut sein das Du bezüglich Deiner Freundin sehr Recht hast. Aber das spielt für Dich keine Rolle. Du achtest auf Dich, auf Dein Leben und ich finde das machst Du sehr gut!

    Ach und ich finde es super, dass Du nichts zu ihr gesagt hast bezüglich Deines Verdachts, es stimmt nämlich, es steht Dir nicht zu. Wenn Du mal längere Zeit trocken bist, wenn Du ihr mal "vorlebst", wie es ist einfach ohne Alkohol zu leben, dann wird sie evtl. selbst auf Dich zu kommen. Dann wird sie Dich vielleicht mal fragen, wie Du das gemacht hast, wie Du das hinbekommen hast. Und dann kannst Du von Dir berichten, von Deinen Erfahrungen usw. Alles andere sieht nach dem "erhobenen Zeigefinger" aus. Das bringt eigentlich nie etwas, schon gar nicht wenn es um die Alkoholsucht geht.

    Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Luzi,

    herzlich Willkommen hier im Forum auch von mir.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40, mehrfacher Papa und lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Aus Deinen Zeilen kann ich recht viel Verzweiflung heraus lesen. Auch eine gewisse Unsicherheit bezüglich dessen, was nun falsch oder richtig ist. Offensichtlich bekommt Du dazu auch noch von Deinem Umfeld alle möglichen Ratschläge (vielleicht auch Vorwürfe) was Du tun solltest oder was Du lassen solltest.

    Und bestimmt ist es bei Dir genauso wie es immer ist: Die Leute von außen reden sich immer leicht!

    Das ist so, allerdings haben die Menschen die von außen auf eine Situation blicken auch oft einen klareren Blick, weil sie eben nicht z. B. emotional mit einer Situation "belastet" sind.

    Du hast ja schön dargelegt, warum Du Deinen Freund nicht fallen lassen möchtest. Warum Du zu ihm hältst, obwohl es sogar zu Gewalt zwischen Euch kommt und obwohl das alles bestimmt auch sehr sehr schlimm für Dein Kind ist. Er hat ja auch gute Tage, hast Du geschrieben. Er liebt Dich, er hat Dich stark gemacht in Bezug auf das was Dein Onkel Dir angetan hat und dafür bist Du ihm auch dankbar und wenn man jemanden liebt, dann ist es so oder so nicht so einfach diesen Menschen fallen zu lassen.

    Erst mal habt ihr jetzt die Lösung, dass ihr Euch getrennte Wohnbereiche geschaffen habt. Eine gute Idee, finde ich. Ein Schritt in die richtige Richtung.

    Jetzt möchte ich Dir als Alkoholiker mal sagen, wann ich es für sinnvoll halte eine Beziehung mit einem Alkoholiker fortzuführen. Ich schreibe Dir das ganz bewusst als Alkoholiker, als jemand der selbst auf jeden Fall mehr als 10 Jahre abhängig getrunken hat und der am Ende seiner Trinkerzeit bereits morgens vor der Arbeit mit dem Trinken begann um dann am Ende des Tages mit ganz erheblichen Mengen an Alkohol im Blut (wo ein normaler Mensch auf jeden Fall in eine Klinik eingeliefert worden wäre) ins Bett fiel. Und der nebenher seine Familie und alle die ihn liebten nach Strich und Faden belogen und betrogen hat.

    Die Beziehung mit einem Alkoholiker aufrecht erhalten macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn der Alkoholiker bereit ist, etwas an seiner Situation zu ändern. NUR DANN. Und das bedeutet nicht, dass der Alkoholiker VERSPRICHT, dass er etwas andern will sondern das bedeutet, dass er tatsächlich aktiv etwas ändert. D. h. also, dass er zum Arzt geht und mit diesem über seine Sucht spricht, dass er zur Suchtberatung geht, dass er z. B. eine Selbsthilfegruppe besucht oder eine Therapie beginnt. Lippenbekenntnisse oder Aussagen wie "ich schaffe das alleine" sind absolut nichts wert.

    Wenn Dein Partner also einer ist, der tatsächlich ernsthaft versucht etwas an seiner Situation zu verändern, wenn er seine Sucht bekämpft, dann zählen alle Deine Argumente, weshalb Du ihn nicht verlassen möchtest. Dann zählen sie sogar doppelt. Wenn er aber zu der Kategorie gehört, die erst gar nicht einsehen, dass sie ein Problem haben oder die immer davon sprechen, dass sie das ja alles selbst hinbekommen, dann solltest Du zusammen mit Deinem Kind so schnell wie möglich den Absprung schaffen. Egal, was er für Dich getan hat und auch egal ob Du ihn liebst. Denn er wird bzw. kann Dich nicht lieben wenn er dauerhauft nasser Alkoholiker ist. Ich weiß es aus eigener Erfahrung: Erst kommt immer der Alkohol, dann kommt lange nichts, dann kommt evlt. der Partner oder die Kinder. Auch wenn man ab und an klare Momente hat, auch wenn man das als Alkoholiker sogar selbst anders sieht. Man ist nicht mehr Herr seiner Sinne und wichtig ist nur noch der Freund Alkohol, der einem das Leben vermeintlich erträglich macht. Es ist leider so und es ist leider immer so, das darfst Du mir gerne glauben. Und: es gibt keine Perspektive.... Die Zeit rinnt dahin, die Sucht wird nie besser sie wird nur immer schlimmer....

    Investiere also Kraft und Energie in Deine Beziehung wenn Dein Partner aktiv weg will vom Alkohol, wenn nicht, investiere die Kraft und Energie in den Aufbau eines guten und sinnvollen Lebens für Dich und Dein Kind.

    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir

    LG
    gerchla

    Liebe Claudia,

    Zitat

    (du hast ja gar nicht so viel getrunken usw)

    Oh, das kenne ich auch sehr gut. Allerdings nur aus meiner Anfangszeit, als ich tatsächlich noch nicht so viel getrunken hatte und noch nicht heimlich. Da habe ich auch ein paar mal längere Pausen eingelegt und meinen Mitmenschen auch recht offen gesagt, dass ich weniger trinken möchte bzw. erst mal gar nichts mehr. Und dann kamen genau solche Sätze die mich dann tatsächlich auch dazu brachten, wieder weiter zu trinken. Also nicht sofort oder direkt aber das hatte ich dann natürlich im Hinterkopf. Also quasi als Freihfahrtschein für mein Gewissen, dass ja sogar andere sagen, dass ich gar nicht so viel trinken würde.

    Wie gesagt, damals war's noch nicht so viel bei mir, jedoch war ich schon süchtig. Und die anderen wussten auch nicht, dass ich wirklich täglich trank.

    Ich denke Du bist so klug, dass Du Dich von so einer Aussage nicht ins Zweifeln bringen lässt. Du weißt was die Sucht bedeutet und was sie bei Dir angerichtet hat. Wenn Dir Dein Suchtgedächtnis also ähnliches einflüstern sollte wie meines damals, dann weißt Du, dass das Selbstbetrug ist. Vielleicht hat Deine Freundin auch ihren eigenen Konsum mit als Maßstab genommen und ihr eigenes Trinkverhalten dadurch zu relativieren versucht. Vor sich selbst, sozusagen. Ihre anschließende Reaktion könnte darauf hindeuten. Es wäre schön, wenn sie auch die Kurve bekommt und ihr künftig beide Eure gemeinsame Zeit ohne Alkohol verbringen könntet.

    Alles Gute weiterhin, ich lese Dich weiter.

    LG
    gerchla

    Hallo Cindy,

    so richtig verstehe ich das jetzt nicht. Du hast einen Urlaub für Euch BEIDE gebucht, fliegst aber allein? Wo ist denn da die Logik bzw. wie kommst Du dazu? Weiß er denn dass Du für ihn gebucht hast? Und was machst Du wenn er unbedingt mit will? Oder kennst Du ihn so gut, dass Du genau weißt, dass er nicht flugtauglich sein wird weil er besoffen ist und Du fliegst dann einfach ohne ihn?

    In diesem Fall hättest Du Dir, wie Greenfox schon schrieb, die Kohle aber sparen können. Wenn es wirklich so ist, dann hast Du das ja nur gemacht um nicht sagen zu müssen: "Ich habe Urlaub für MICH gebucht und ich will DICH nicht dabei haben". Jetzt kannst Du sagen: "Ich habe Urlaub für UNS gebucht aber Du konntest ja nicht mit" = Du kannst ihm den schwarzen Peter zuschieben.

    Aber jetzt denk doch mal nach! Das ist doch alles Quatsch. Ich meine, Dein Mann ist komplett im Eimer, er ist starker Alkoholiker, ich meine er befindet sich im Endstadium dieser Sucht. Er kotet sich ein, wacht im eigenen Erbrochenen auf, spuckt Blut usw. Keinerlei Anzeichen, nicht der Hauch eines Anzeichens, dass sich irgendwas ändert. Da wird sich auch nix ändern, wenn er es bis jetzt nicht kapiert hat.

    Und Du machst Dir immernoch Gedanken wie Du irgendwie Dein Gesicht wahren kannst damit Du nicht die "Schuldige" bist. Das ist lächerlich, wenn ich das mal so sagen darf. Du hast doch alles Recht ihn zu verlassen. Mach einfach mal Schluss mit dem ganzen Drama. Worauf wartest Du denn eigentlich noch? Was erhoffst Du Dir denn noch? Du schreibst von Dir selbst, dass Du wahrscheinlich nicht mehr richtig gesund wirst und das Du die Zeit die Dir noch bleibt für Dich positiv nutzen möchtest. Von Herzen wünsche ich Dir das. Aber SO, wirst Du das nicht schaffen.

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren und sehr erholsamen Urlaub. Vielleicht kannnst Du die Zeit und die Ruhe ja auch ein wenig dafür nutzen Dir zu überlegen, was Du überhaupt willst. Ich meine in Beziehung zu Deinem Mann. Du hast von ihm nichts (mehr) zu erwarten, absolut gar nichts. Vielleicht kannst Du Dir ja darüber klar werden, wie Dein Leben nach Deinem Urlaub weiter verlaufen soll. An der Seite des offenbar leider wirklich hoffnungslosen Trinkers oder eben ganz anders, selbstbestimmt, allein von Dir.

    Alles Gute und bis bald

    LG
    gerchla

    Hallo Libelle,

    weißt Du woran Du am allerbesten erkennen kannst, dass er ganz sicher nichts dazu gelernt hat?

    An dieser Aussage:

    Zitat

    Ich könnte stolz auf ihn sein da er seit 4 Monaten jede Woche zur Gruppe geht.

    Mal unabhängig von seinen ganzen Beschimpfungen und Beleidigungen Dir gegenüber sagt dieser Satz eigentlich schon alles aus. DU kannst stolz auf IHN sein weil ER zur Gruppe geht (und nichts mehr trinkt, das suggeriert er damit jedenfalls). Da lach' ich mich aber schief. Das ist doch seine Sache, ob er zur Gruppe geht oder nicht (falls er das überhaupt macht). Er geht ja nicht wegen Dir dort hin und falls doch (er schreibt als ob das so wäre), dann hat er absolut nix kapiert. Aber ok in Kombination mit all dem anderen unterirdischen Verhalten seinerseits ist ja recht klar, dass er absolut gar nix kapiert hat.

    Bleib Wachsam, achte auf Dich und gehe Deinen Weg konsequent weiter. Ich bin davon überzeugt, dass Du den richtigen Weg eingeschlagen hast. Melde Dich ab und zu hier, hol Dir hier Meinungen und Zuspruch ab, das kann Dir nur gut tun. Und bleib bei Deiner Gruppe, so wie Du schreibst ziehst Du daraus am meisten Kraft. Das finde ich wunderbar. Jetzt bist Du mal dran, jetzt kommst Du mal zu erst!

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Ailin,

    ich will mal versuchen meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast in Form zu bringen.

    Also ich bin mir nicht sicher, ob alles was Dein Ex-Mann da jetzt macht, ob jede seiner Reaktionen unmittelbar mit seiner Alkoholsucht zu tun haben. Diese wird sein generelles Verhalten sicher enorm beeinflussen, jedoch befindet sich da "im Hintergrund" ja immer noch der Mensch mit seinen grundsätzlichen Charaktereigenschaften. Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass mein zunehmender Alkoholkonsum meine vorher schon vorhandenen Eigenschaften entweder in die eine oder auch in die andere Richtung verstärkt oder geschwächt haben.

    Nehmen wir mal das Beispiel Aggressivität. Jemand, der schon immer ein gewisses Aggressionpotenzial in sich hatte kann dieses durch die Sucht erheblich verstärken und auch enthemmen. Jemand, der schon immer eher der melancholische Typ war könnte durch die Sucht schnell in eine Depression rutschen usw. Ich z. B. war schon immer ein teilweise ironischer Mensch, jedoch immer bedacht darauf nicht verletzend damit zu sein. Als ich trank war ich verstärkt ironisch, hatte aber den Filter ob ich damit über das Ziel hinaus schieße oder nicht, nicht mehr. Ich wurde also verletztend. Und so gibt es zahlreiche Charaktereigenschaften, die durch die Sucht beeinflusst werden können.

    Es ist gut möglich, dass Dein Mann gerade nichts trinkt (außer das alkoholfreie Bier). Trotzdem ist er deshalb nicht trocken. Sein Charakter wird also sicher noch von der Sucht beeinflusst sein. Bestimmt ist er, wie es wahrscheinlich auch ein nicht trinkender Mensch wäre, verletzt weil Du Dich von ihm getrennt hast, weil Du diese oder jene Regel aufgestellt usw. Und jetzt versucht er zurück zu schießen. Also nach dem Motto: Jetzt zeig ich Dir mal was Du davon hast!

    Möglicherweise will er Dich einfach nur treffen, Dich verletzen und das was er sagt vielleicht auch gar nicht zwangsläufig in die Tat umsetzen. Hauptsache er kann bei Dir einen Wirkungstreffer platzieren. In diesem Moment hat er die Konsequenzen, die das alles hätte, besondern im Bezug auf seine eigenen Kinder, gar nicht im Kopf. Da wird die Frage sein, wie sein Charakter eigentlich genau ist oder auch wie weit er in seiner Sucht drin hängt. Will er Rücksicht auf seine Kinder nehmen auch wenn Du dabei "profitierst" oder will er Dich zu Kreuze kriechen sehen, egal was das für seine Kinder bedeutet. Letzteres kann natürlich durch seine Sucht verstärkt werden, weil ja grundsätzlich der gesunde Menschenverstand, die normale Sozialkompetenz, usw. beim Süchtigen nicht oder nur sehr eingeschränkt funktioniert. Wäre er also wirklich trocken, würde er möglicherweise zu Dir sagen: Wir müssen eine Lösung für dich und die Kinder finden. Ich will die Wohnung verkaufen (warum auch immer) aber ich will natürlich, dass für euch eine gute Lösung gefunden wird.

    Ich denke Du verstehst was ich meine. Und Du hast Recht, das hilft Dir jetzt natürlich nicht weiter weil Du mit dem umgehen musst, was Du von ihm serviert bekommst.

    Je nachdem wie das jetzt mit Deinem Ex weiter geht könnte auch irgendwann mal der Punkt bei Dir kommen, wo Du evtl. einfach grundsätzliches klären musst. Also, wenn es z. B. eine gemeinsame Wohung gibt (oder gehört die nur ihm?), dann muss geklärt werden, was damit passiert. Wenn ihr noch irgendwelche anderen gemeinsamen Dinge habt, muss geklärt werden wem was zu steht. Also ich greife da jetzt auf meine eigenen Erfahrungen zurück.

    Wir hatten glücklicherweise keine gemeinsamen Immobilien mehr zu diesem Zeitpunkt. Jedoch war ja bald klar, dass ich mich nicht nur trenne, sondern dass auch die Scheidung erfolgen wird. Da meine Frau mir damals erklärte (was auch stimmte), dass sie sich eine Scheidung nicht leisten kann, habe ich ihr die komplette Kostenübernahme zugesichert. So, dann kam ja das berühmte Trennungsjahr, das man ja abwarten muss. Wir klärten aber schon vorher alles. Welche Möbel bekmmt wer, welcher finanzielle Ausgleich steht ihr zu usw. Das war bei mir sehr einfach, weil ich ihr einfach alles gelassen habe außer meiner Plattensammlung mit der sie eh nix anfangen konnte. Sogar das gemeinsame Auto ließ ich ihr, da ich einen kleines Auto für mich organisiert hatte und ansonsten ja in die Stadt zog, wo ich mit Öffentlich gut zurecht kam.

    ABER, und das war das wichtigste, die Dinge waren geklärt. Meine Frau bestand darauf (weil sie mir ja nicht mehr vertrauen konnte), dass wir das notariell wasserdicht machen. Auch da habe ich zugestimmt, wenngleich es uns heute beide reut, wieviel Geld wir dafür ausgegeben haben. Aber klar, damals konnte sie mir nicht vertrauen, nach allem was ich ihr angetan habe.

    Als das dann aber alles mal geklärt war, kam viel mehr Ruhe in die ganze Geschichte. Also auf der Seite meiner Ex-Frau meine ich. Denn ich war ja schon ruhig und äußerst kompromissbereit.

    Ich weiß nicht, wie Du Dir die Zunkunft genau vorstellst, denke aber, dass es bei Dir auch auf eine Scheidung hinaus läuft. Ihr müsst viele Dinge also ohnehin klären. Du wirst wahrscheinlich mittelfristig ohnehin Deine wirklich komplett eigene Welt aufbauen müssen wo er, nur weil der Papa Eurer Kinder ist, sehr temporär Zutritt haben wird. Da gibt es dann auch keine Schlüsseldiskussion mehr. Letzteres sind für mich Machtspielchen seiner gekränkten Eitelkeit, denn das ganze ist ja völlig sinnfrei. Was will er denn mit dem Schlüssel? Hat also nicht unmittelbar mit seiner Sucht zu tun, wird durch diese aber möglicherweise verstärkt.

    Das waren meine Gedanken dazu.

    Bis bald und

    liebe Grüße
    gerchla

    Hallo Wackelblume,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum!

    Der Grund warum Du hier schreibst ist jetzt nicht ganz alltäglich. Also zumindest für mich nicht und ich kann mich nicht erinnern, dass ich Ähnliches gelesen habe seit ich hier im Forum bin. Aber das ist ja auch egal. Was ich sagen will: So ganz sehe ich nicht, wie wir Dir helfen könnten. Vielleicht fehlen dazu aber auch einfach noch ein paar Informationen.

    Ich versuche mal kurz zusammen zu fassen, was ich bei Dir jetzt heraus lesen kann:

    Also, Dein Partner ist trockener Alkoholiker, trinkt schon seit 7 Jahren nichts mehr (meinen Glückwunsch übrigens). Seine Kindheit war tragisch, wie sie das meistens ist, wenn die Eltern oder eines der Elternteile Alkoholiker ist. Aufgrund schlimmer Erlebnisse in der Kindheit hat Dein Partner den Kontakt zu seinem Vater komplett abgebrochen, zu seiner Mutter habt ihr guten Kontakt.

    Ich nehme auch mal an, dass er das einzige Kind ist und somit jetzt der einzige, ich sage mal, gesetzliche Vertreter. Da habe ich jetzt schon mal die erste Lücke. Was soll er als Sohn denn in diesem Krankenhaus regeln (müssen)? Hast Du Dich da mal schlau gemacht, wie sowas normalerweise läuft? Ich kenne mich da wirklich nicht aus, aber was wäre denn jetzt wenn dieser Mensch keine Kinder hätte? Wer würde denn dann die Dinge regeln und könnte Dein Partner sich nicht weigern diese Dinge zu regeln? Ist er dazu gezwungen wenn er doch mit seinem Vater seit über 10 Jahren nichts mehr zu hat und haben will? Vielleicht ist ja jemand hier im Forum der sich mit sowas auskennt.

    Ok, aber weiter. Wie denkt denn Dein Partner darüber? Will er seinen Vater überhaupt nochmal sehen? Oder ist er ihm komplett egal und er möchte am liebsten gar nichts mehr mit ihm zu tun haben?

    Du machst Dir jetzt ja große Sorgen, dass er rückfällig werden könnte. Dazu kann ich Dir jetzt nicht wirklich was sagen, denn ich kenne Deinen Partner ja nicht. Ich weiß nicht wie stabil er trocken ist, ich weiß nicht ob er in den 7 Jahren "nur" nichts getrunken hat oder ob er sich noch heute regelmäßig mit seiner Krankheit außeinander setzt. Was ich damit sagen will: Es könnte auch sein, dass Du Dir gar keine Sorgen machen musst, weil Dein Partner derart gefestigt abstinent lebt, dass Alkohol (egal in welcher Krise er sich gerade befindet) keine Option mehr für ihn ist. Aber wie gesagt, das weiß wahrscheinlich nur Dein Partner selbst.

    Grundsätzlich würde ich gerade in schweren Zeiten, also in Zeiten wo ich als Alkoholsüchtiger spüre, dass mein Ex-Freund Alkohol wieder in meine Nähe rückt, unbedingt präventiv tätig werden. Also wenn ich z. B. keine Selbsthilfegruppe besuche, dann würde ich spätestens jetzt eine aufsuchen. Oder wenn ich schon eine regelmäßig besuche, dann würde ich dort über das was mich gerade belastet sprechen (ok, dafür sind die Gruppen ja eigentlich auch da). Er könnte auch zu einem Psychologen gehen und sich mit dem darüber austauschen, was ihn gerade belastet. Mit dem darüber sprechen, dass er z. B. Rückfallgedanken hat usw. Aber das ist ja alles Spekulation oder? Oder hat er zu Dir gesagt, dass er wieder ans Trinken denkt?

    Eigentlich wäre er dann derjenige, der sich hier anmelden müsste und der hier schreiben sollte. Er müsste eigentlich wissen, dass er, nur er allein es in der Hand hat ob er weiter ohne Alkohol leben will oder zurück in die Sucht flüchtet. Also ich kann Dir jetzt leider nicht so aus der Hüfte heraus irgendwas schreiben, wie Du sicherstellen kannst, dass Dein Partner nicht rückfällig wird.

    Ich kann Dir aus meinen Erfahrungen nur sagen, dass es wichtig ist Baustellen (vor allem schlimme) in Ruhe und ganz konsequent abzuarbeiten. Eine nach der anderen so gut es geht. Und nur nicht in Verzweiflung und hektischem Chaos verfallen. Möglichst viel abgrenzen, auf das eigenen Leben schauen und sich trotz aller Schwierigkeiten auch immer etwas Gutes tun. Immer darauf achten, dass man auch positive (können auch ganz kleine sein) Erlebnisse hat. Und natürlich auf keinen Fall zur Flasche greifen, sonst ist alles hinfällig. Aber das wird Dein Partner bestimmt wissen. 7 Jahre sind eine lange Zeit, da sollte schon ein paar Erfahrungen gesammelt haben. Aber wie gesagt, das betrifft Deinen Partner, Du hast das nicht so recht in der Hand. Du kannst nur versuchen Ruhe, Zuversicht und Struktur zu wahren, kannst ihm auch emotional zur Seite stehen usw. Sollte er aber wirklich wieder trinken wollen, dann kannst Du auch nichts machen. Aber wie gesagt, vielleicht ist ja gar nicht gefährdet, ich weiß es nicht.

    Also, ich habe jetzt einfach mal meine Gedanken herunter geschrieben. Vielleicht ist ja auch eine Option für Deinen Partner hier zu schreiben. Ansonsten freue ich mich auf einen Austausch mit Dir und hoffe natürlich sehr, dass Ihr schnell in ein ruhiges Fahrwasser kommt!

    LG
    gerchla

    Hallo Babsi,

    Du warst ja im März schon mal hier im Forum. Dann haben wir lange Zeit nichts mehr von Dir gehört und jetzt bist Du wieder da. Also erstmal: Willkommen zurück!

    Du klingst ja recht verzweifelt. Wir wollen hier ja helfen, darum sind wir hier und darum schreiben wir hier. Aber im Moment lese ich bei Dir gerade nichts, wo ich irgendwie ansetzen könnte.

    Dein Post klingt für mich so, als hättest Du ihn in einem alkoholbedingt emotionalen Ausnahmezustand geschrieben. Vielleicht stimmt das nicht aber für mich kommt das so rüber.

    Also, wenn Du wirklich was ändern willst an Deinem Leben und wenn Du hier vom Forum Hilfe möchtest, müsstest Du vielleicht etwas klarer und strukturierter schreiben. Ich will nicht für die anderen Forumsteilnehmer sprechen aber ich kann Dir jedenfalls meine Meinung nur dann schreiben, wenn ich etwas genauere, klarere Informationen von Dir bekomme. Und ich würde Dir natürlich gerne schreiben.

    Ich stell' mal ein paar Fragen:

    Im März lebtest Du noch im Ausland, wolltest aber ab Juli wieder zurück in Deutschland sein inkl. neuen Job. Ist das so? Bist Du wieder hier? Im Job alles ok? Weiterhin die Anerkennung, von der Du damals schon geschrieben hattest?

    Ich vermute mal Du trinkst nach wie vor regelmäßig? Oder nicht?

    Vielleicht darf ich auch fragen, wie Dein Trinkverhalten so aussieht aktuell?

    Du scheibst, Du brauchst Hilfe. Frage: Wobei brauchst Du Hilfe? Geht es Dir jetzt darum vom Alkohol weg zu kommen? Oder möchtest Du Dich von Deinem Mann trennen? Oder beides?

    Wenn Du vom Alkohol weg möchtest, kannst Du Dich hier im Forum natürlich jederzeit mit uns austauschen. Aber Du weißt doch sicherlich auch, was es sonst noch an Hilfsangeboten gibt, oder?

    Was ich sagen will: Wenn Du Hilfe brauchst, wie Du schreibst, dann hole sie Dir doch und warte nicht darauf das sie zu Dir kommt. Denn das wird sie nicht. Also gehe doch einfach mal zu (D)einem Arzt und erzähle ihm wie Dein Trinkverhalten aussieht. Gehe doch einfach mal zu einer Suchtberatung und erzähle dort, dass Du ein Alkoholproblem hast und das Du aufhören möchtest mit dem Trinken. Das wären schon mal sehr gute erste Schritte und sowohl Arzt als auch Beratung könnten Dir dann sehr gut die nächsten Schritte aufzeigen, also weitere Hilfe für Dich, die Dich dann auch wirklich voran bringt.

    Natürlich kannst Du auch zusätzlich z. B. eine Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe besuchen. Und mal schauen was Du von dort so an Hilfe bekommst. Ein Austausch mit Menschen, die ähnliches hinter sich habe wie das, wo Du gerade mitten drin steckst.

    Also, Hilfsangebote gibt es glücklicherweise sehr viele. In Anspruch nehmen musst Du sie aber schon selbst.

    Ich würde mich freuen wieder von Dir zu lesen und ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg finden kannst.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ailin,

    ich möchte Dir kurz meine Gedanken dazu da lassen:

    Zitat

    Trotzdem habe ich auch schon einiges an negativem Feedback von anderen Leuten gehört, die mir sagten, ich könne die Kinder nicht mit so etwas belasten und würde sie damit über Gebühr einspannen Verantwortung für ihren Vater zu übernehmen. Diese Zweifel habe ich selbst auch und es macht es nicht einfacher, das vorgeworfen zu bekommen. Aber ich habe diesen Entschluss so getroffen, und jetzt muss ich und halt auch die Kinder damit umgehen.

    Ich kann schon verstehen, dass es Menschen gibt, die erst mal der Meinung sind, man könnte Kindern nicht zumuten zu kontrollieren, ob der eigene Vater fahrtüchtig ist oder nicht. Ich denke man kann diese Meinung vertreten und Du selbst sagst ja auch, dass Du darüber intensiv nachgedacht hast.
    Andererseits ist es für Außenstehende natürlich immer recht einfach zu sagen: das geht doch nicht.

    Fakt ist doch, dass Du mit Deinen Kindern beim Kinderpsychologen warst. Und Fakt ist doch auch, das dieser Dir gesagt hat, dass Du den Kindern gegenüber möglichst offen mit dem Thema umgehen solltest. Was Du auch getan hast und ich persönlich bin davon überzeugt, dass es genau so richtig ist. Ich habe es bei meinen Kindern ja selbst so erlebt.

    Deine Kinder wissen also, dass ihr Papa da ein Problem hat. Vielleicht können sie es noch nicht ganz so einordnen, was es bedeutet aber sie wissen auch, dass man betrunken nicht Auto fahren darf. Eigentlich gibt diese kleine Regel, die Du mit Deinem Ex-Mann da vereinbart hast, Deinen Kindern sogar die Sicherheit, dass sie beruhigt bei Papa ins Auto steigen können. Ansonsten würden sie wahrscheinlich auch mitfahren, aber was ginge in ihren kleinen Köpfen ab? Darf Papa wirklich fahren? Hat er wirklich nichts getrunken?

    Wenn ich da an meine Tochter zurück denke, als sie 9 Jahre alt war. Ich glaube sie hätte so einen "Deal" durchaus verstanden, d. h. sie hätte ihn auf ihre damals kindliche Art verstanden und es hätte keinen Schaden bei ihr angerichtet. Meine Frau entschied sich ja dafür, sie überhaupt erst gar nicht bei mir mitfahren zu lassen. Wieso und weshalb hat sie ihr sicher auch erklärt und auch ich habe mit ihr auch darüber gesprochen. Ich meine damit, das ganze Thema ist bei Euch ja raus, was einfach wirklich das beste überhaupt ist. Und wenn's mal raus ist, dann macht es aus meiner Sicht auch keinen Sinn an der ein oder anderen Stelle dann aber wieder irgendwelche (für Kinder oft nicht nachvollziehbare) Dinge zu verheimlichen. Ich glaube, dass Du Deine Kinder durch genau diese offene und ehrliche Art enorm stärkst und damit dazu beiträgst, dass sie mit dieser Situation zurecht kommen ohne Schaden zu nehmen. Und alles was Du ihnen sagst, wirst Du ja kindgerecht sagen, so dass sie es verstehen können, so dass es in ihre kleine Welt passt. Also, ich denke wirklich Du machst das richtig und, ich hab's schon mehrmals geschrieben glaube ich, Du hast meinen allergrößten Respekt dafür.

    Es freut mich auch sehr, dass Du Positives vom Urlaub Deiner Kinder berichtest. Sie hatten wohl eine schöne Zeit mit Papa und Papa eine schöne Zeit mit ihnen. Das ist für beide Seiten einfach nur wunderbar.

    Ich glaube jetzt musst Du einfach mal abwarten, wie die ganze Geschichte weiter verläuft. Du hast keine Erwartungen, das kann Dich davor bewahren allzu sehr enttäuscht zu werden. Vielleicht wirst Du auch positiv übrrascht, wobei egal wie, es liegt nicht in Deiner Hand und nicht in Deiner Verantwortung. Ob nun gleich ein Wunder notwendig wäre, dass Dein Ex-Mann mit dem Trinken aufhört kann ich nicht beurteilen, weil ich ja nicht genau weiß, wie sehr er eigentlich in der Sucht hängt. Es gibt schon Menschen, wo ich mir dachte, da kann wirklich nur noch ein Wunder helfen. Besonders bei Alkoholikern in hohem Alter denke ich mir das manchmal, denn es stellt sich für einen Alkoholiker ja immer die Frage: Wofür soll ich denn (noch) mit dem Trinken aufhören?

    Bei Deinem Ex-Mann sehe ich das allerdings anders. Er hätte gute Gründe, könnte sehr viel für sein weiteres Leben erreichen, wenn er es ohne Alkohol leben würde. Ich würde mich echt freuen, wenn Du hier irgendwann mal schreiben würdest, dass er es angeht und aufhören möchte. Aber aktuell tust Du gut daran nicht damit zu rechnen. Achte nur auf Dich, Dein Leben und natürlich auf Deine Kinder. Alles andere wird sich geben. Für Dich wird es so oder so gut werden, davon bin ich überzeugt. Und Dein Ex-Mann hat es selbst in der Hand.

    Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo sunshineLisa,

    Dietmar hat Dir ja seine Erfahrungen als (unter anderem) ehemaliger Quartalstrinker geschildert. Ich glaube, damit bekommst Du jetzt einen guten Einblick, wie solche Menschen ticken. Ich schrieb es ja schon: Für mich als jemand, der jeden Tag trinken musste, ist es nicht so einfach zu verstehen, wie man wochen- oder sogar monatelang nichts trinken kann bzw. muss, dann aber plötzlich in ein paar Tagen scheinbar alles nachholen will. Faszinierend auch, dass Dietmar beide "Versionen" des Alkoholikers selbst durchlebt hat.

    Alles was er Dir bezüglich des wieso, weshalb, warum geschrieben hat kann Dir sicherlich helfen, Dinge die mit Deinem Vater zusammen hängen, zu verstehen. Ob Du sie als gesunder Mensch deshalb auch nachvollziehen kannst ist eine andere Frage und das ist meiner Meinung nach auch nicht die entscheidende Frage.

    Entscheidend ist für mich, was Dietmar Dir am Ende geschrieben hat. Nämlich einfach die aus meiner Sicht unumstößliche Tatsache, dass Du weder für Deinen Vater noch für Deine Mutter etwas tun kannst. Mir ist schon klar, dass man sich als Außenstehender da recht leicht redet. Es ist aber so. Du sieht vielleicht was zu tun wäre, Du erkennst vielleicht genau, was z. B. Deiner Mama helfen würde aber sie lässt es einfach nicht zu bzw. setzt es nicht um. Und genauso ist es ja bei Deinem Vater.

    Es wäre ja alles so einfach. Er müsste doch einfach "nur" diese Saufanfälle künftig sein lassen. Das müsste doch funktionieren, wo er doch wochenlang problemlos ohne Alkohol auskommt. Er beweist es ja immer wieder. Was kann daran so schwer sein? Tja, Dietmar hat es Dir berichtet.

    Jetzt geht es tatsächlich nur noch darum, dass Du auf Dich achtest. Dass Du lernst Verwantwortung nur für Dich selbst und für Dein eigenes Leben zu übernehmen. Und dass Du, wenn Du das tust, kein schlechtes Gefühl, kein belastetes Gewissen dabei hast. Denn es ist einfach so: Deinen Eltern helfen könntest Du, wenn sie Hilfe annehmen würden. Helfen kannst Du nicht gegen den Willen eines anderen. Und die Tatsache, dass Dein Vater eben nichts gegen seine Sucht unternimmt bzw. sie erst gar nicht als solche oder als Problem sieht ist ja nichts anderes, als das er keine Hilfe möchte.

    Und so ist es letztlich auch bei Deiner Mama. Würde sie zu Dir kommen uns sagen: Bitte hilf mir hier raus. Ich möchte mein Leben zurück, ich will ausziehen aber ich weiß nicht wie ich das anstellen soll usw., also irgendwas in diese Richtung, dann könntest Du sagen: Na klar, zusammen bekommen wir das hin.

    Ansonsten "hilfst" Du ihr nur dabei, ihr Leiden zu verlängern in dem Du vielleicht versuchst es irgendwie erträglicher zu gestalten und nebenher untestützt Ihr beide noch die Sucht Deines Vaters, weil der natürlich sein Umfeld weiter so hat, wie er das gewohnt ist und möchte, obwohl er bei jedem Saufanfall einen Kollateralschaden anrichtet. Und ganz "nebenbei" verrinnt Deine eigene Lebenszeit und Du wirst daran gehindert, Dir Dein eigenes Leben so zu gestalten, wie Du das möchtest.

    Dein Vater schafft es also, durch seine Sucht, durch sein Versagen (ich sage das mal so drastisch obwohl mir als Alkoholiker natürlich bewusst ist, dass es sich um eine Krankheit handelt) gleich mal noch zwei andere Leben mit in den Abgrund zu reißen. Na herzlichen Glückwunsch, kann man da ja nur sagen.

    Ja, es ist eine Krankheit. Aber, aus meiner eigenen Situation / Sicht heraus sage ich: Wenn man krank ist, sollte man sich helfen lassen bzw. Hilfe suchen. Tut man das nicht, ist man ganz alleine dafür verantwortlich. Ich alleine war für meine jahrelange Trinkerei verantwortlich und ich schäme mich heute in Grund und Boden dafür, was ich meiner Familie damit angetan habe. Glücklicherweise habe ich gelernt mit dieser Schuld zu leben, sie sogar als "Motor" für meine jetziges Leben und meine Zukunft zu nutzen, jedoch bereue ich zutiefst, was ich alles getan habe und ich hätte auf diese Erfahrungen gut verzichten können.

    Blicke ich heute auf meine Trinkerzeit zurück, würde ich mir wünschen, meine Familie hätte sich frühzeitig von mir getrennt. Es wäre sicherlich einiges anders gelaufen. Das war bei mir nun ein Spezialfall, weil ich ja heimlich trank usw, aber grundsätzlich sehe ich es heute genau so. Denn spätestens dann, wenn der Trinker sieht, dass sein engestes Umfeld sich von ihm abwendet, hat er eine Entscheidung gegen oder für den Alkohol zu treffen. Entscheidet er sich dagegen, wird sich sein Leben ändern und wenn alles gut läuft wird er ein neues und viel besseres Leben führen können. Zumindest wird er dafür kämpfen, vielleicht gibt es Rückschläge, vielleicht dauert es etwas länger, aber er würde den Kampf aufnehmen und diesen kann man auch gewinnen, wie Du hier in diesem Forum ja lesen kannst.

    Entscheidet er sich für den Alkohol, dann ist wenigstens sein Umfeld weg und muss seinen weiteren Niedergang nicht begleiten. Das ist dann seine Entscheidung.

    Ich hoffe Du verstehst was ich damit sagen möchte.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir. Und das Du bald Dein eigenes Leben leben darfst.

    LG
    gerchla

    Hallo Till,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Kurze Vorstellung meinerseits: Ende 40, männlich, Alkoholiker. Ich lebe jetzt schon mehrere Jahre ohne Alkohol.

    Erst mal schließe ich mich komplett Greenfox's Fragen an. Deine Antworten darauf würde ich als sehr interessant und wertvoll für einen weiteren Austausch finden.

    Dann hätte ich auch noch ein paar Fragen:

    Du schreibst ja, dass Du schon unzählige Rückfälle hast. Wobei ich jetzt nicht sicher bin, ob man bei Quartalstrinkern überhaupt von Rückfällen sprechen kann. Aber egal, mich würde interessieren, was Du dieses Mal anders machen willst?

    Ich meine, Du hast das ganze ja scheinbar schon oft durch, oder? Und hast dann doch immer wieder angefangen. Was ist dieses Mal anders? Ok, Du hast Dich hier angemeldet, das ist schon mal sehr gut. Aber ich denke, Du wirst doch noch einen richtigen Plan haben oder? Greenfox hat ja schon viele Fragen an Dich gestellt, ich wiederhole vielleicht etwas aber es wäre wichtig um Deine Situation richtig einschätzen zu können.

    Bist Du bereit ALLES für ein trockenes Leben zu tun? Also damit meine ich, alle Hilfe anzunehmen bzw. zu suchen, die Du bekommen kannst? Die erste Hilfe, nämlich einen kontrollierten Entzug, hast Du schon mal abgelehnt. Wie sieht es dann mit anderen Dingen aus? Wirst Du (D)einen Arzt aufsuchen und ihm von Deiner Sucht erzählen? Gehst Du zur Suchtberatung? Wirst Du Dir reale Selbsthilfegruppen anschauen? Psychologe? Therapie? Oder möchtest Du das eher ohne fremde Hilfe schaffen, alleine zusammen mit Rebecca?

    Schön das Du hier bist. Ich freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Es wäre sehr interessant zu erfahren, was Du vor hast und wie Du darüber denkst.

    Hallo Ailin,

    Zitat

    Die Kinder scheinen die Zeit zu geniessen, das ist das Wichtigste.


    Das würde ich auch mal so sehen. Und darüber hinaus scheint er sich ja einigermaßen im Griff zu haben, was ich sehr positive sehe. Offenbar kann er sich seinen Kindern zu liebe (wenn auch durch Druck erzeugt) zurück halten. Vielleicht bemerkt er ja, dass er das gerne dauerhaft so haben möchte.

    Zitat

    Das Thema ist dabei immer sehr präsent.


    Das ist ganz normal. Ich stand ja auf der anderen Seite, war also der Trinker, und als ich aufhörte war dieses Thema natürlich omnipräsent. Also nicht nur in meinem Hirn sondern eben auch in den Gesprächen die ich mit den Menschen führte die davon wussten. Enge Freunde, Familie usw. Und ich denke mal, bei meiner Frau wird das damals nicht anders gewesen sein. Schließlich ist hier ja eine Welt, eine geplante Zukunft, einfach mal so in Schutt und Asche gelegt worden. Das braucht seine Zeit, bis das Thema dann wieder in den Hintergrund gerät und ich glaube es ist gut sich diese Zeit auch zu nehmen.

    Zitat

    Ich hatte von mir immer das Bild der dominanten Frau, die ihren armen Mann triezt.


    Ich glaube Du hast erkannt, dass es nicht so viel Sinn macht darüber nachzudenken, was oder wie Du als seine Frau warst. Er ist der Trinker, ich sage jetzt mal: er ist der Täter - so hat das meine Frau mal zu mir gesagt und sie hatte damit Recht. Klar kann man sagen: Es gehören immer zwei dazu. Aber ich halte das in diesem Fall für nicht korrekt. Denn Dein Mann hat sich dazu entschlossen zu trinken, sich in den Alkohol zu flüchten. Völlig egal erst mal, warum er das getan hat. Denn Alternativen hätte er gehabt, sonst würde ja die gesamte Menschheit saufen um irgendwelchen Problemen zu entgehen. Und in dem Moment wo er sich dafür entschieden hat, hat er sich auch Deinem "Zugriff" entzogen. Ab dem Moment wo er süchtig war, gab es für Dich keine Möglichkeit mehr ihn richtig zu erreichen, egal ob Du dominant, zurückhaltend oder wie auch immer mit ihm umgegangen wärst.

    Zitat

    Aber als er dann weg war und meine Tochter immer noch verwirrt war, da habe ich ihr in Ruhe erklärt, dass ich weiß, dass sie Recht hatte.


    Dazu fallen mir zwei Dinge ein: Einmal denke ich, dass es eine große Stärke von Dir wäre und ich glaube auch für die ganze Situation sehr gut wäre, wenn Du es schaffen könntest, Deinen Kindern gegenüber kein schlechtes Wort über ihn zu verlieren. Und ich schätze Dich so ein, dass Du genau das auch so machst. Das ist gut so, denn für die Kinder ist das alles nicht so einfach zu verstehen. Bestimmt hast Du eine absolut nachvollziehbare und berechtigte Wut auf Deinen Mann, vielleicht könntest Du ihn x und y schimpfen. Aber für Deine Kinder wäre das nicht gut. Wenn Mama und Papa schon nicht mehr zusammen sind, dannn sollen sie wenigsten noch einigermaßen gut miteinander umgehen, so dass die Kinder nicht in einen inneren Konflikt geraten für den ein oder den anderen Partei ergreifen zu wollen.

    Und das andere: Ich glaube nicht, dass Du für ihn lügen "musst", damit er vor seinen Kindern nicht sein Gesicht verliert. Das ist dann zuviel des Guten. Da darfst Du, finde ich jedenfalls, einfach nur ehrlich sein. Ohne Vorwürfe, ohne Beschimpfungen (wie gesagt, ich denke das Du so ohnehin nicht unterwegs bist), aber ehrlich. Nur dann schnallt er vielleicht, dass er mit seiner üblichen Masche (eine typische Alkoholikermasche übrigens) bei Dir nicht weiter kommt. Und er wird sich überlegen, ob er sich diese Blöße seinen Kinder gegenüber (aber ggf. auch anderen Gegenüber) nochmal geben möchte. Deine große Stärke ist, dass Du fair, korrekt und ehrlich bist. Dieser Stärke kann er nur begegnen, wenn er genauso handelt. Tut er es nicht, ist immer er derjenige der die Konsequenzen tragen muss. Du hast Dir nichts vorzuwerfen und auch Deine Kinder bekommen dadurch ein verlässliches und klares Bild.

    Zitat

    Natürlich will ich die Kinder mit all den Problemen nicht überfordern. Aber es ist und bleibt ein Balanceakt und ich stehe noch ganz am Anfang des Seils.


    Das ist so. Aber Deine Kinder werden spüren, dass sie sich 100% auf Dich verlassen können. Dass Du immer ehrlich zu ihnen bist und dass Du immer für sie da sein wirst. Das wird ihnen Ruhe geben und die Kraft mit dieser Situation umzugehen. Dein Mann kann sein übriges dazu tun, wenn er kapiert wie wichtig seine Rolle ist. Idealerweise hört er mit dem Trinken auf und ändert sein Leben. Aber ok, auch wenn er das nicht schafft oder will, vielleicht kann er sich an bestimmte Regeln halten weil er merkt, dass sie gut für ihn und seine Kinder sind.

    Die aktuelle Situation in Frankreich geht genau in diese Richtung. Ein wenig Hoffnung darf also schon sein. Möglich, dass er diese bald wieder zerstört aber im Moment könnte es diesbezüglich auch schlimmer sein. Ich wünsche Dir, dass Du / Ihr bald in ein ruhiges und verlässliches Fahrwasser kommt!

    LG
    gerchla