Hallo Bine,
von mir noch ein verspätetes ganz herzliches Willkommen hier im Forum.
Ich habe Deinen Thread mal in aller Ruhe durchgelesen und ich finde, Du hast bereits sehr wertvolle Meinungen und Anregungen von anderen Mitgliedern dieses Forums erhalten. Ich kann mich meinen Vorschreibern da komplett anschließen und möchte jetzt nicht nochmal ähnliches schreiben.
Zu ein paar Aussagen von Dir möchte ich aber meine Meinung sagen:
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Ich habe eigentlich ein wundervolles Leben und verstehe mein Problem nicht.
Willkommen im Club. Ich bin Ende 40 und wenn ich so zurück denke, dann begann meine Sucht so richtig mit Ende 20. Also so ähnlich wie das bei Dir jetzt ja auch der Fall ist. Da war ich glücklich verheiratet, hatte bereits einen wunderbaren Sohn, einen echt tollen Job, einen wunderbaren Freundeskreis, eine Familie in der es keinerlei Probleme gab und auch gesundheitlich ging es mir bestens. Schicksalsschläge und ähnliches waren mir bis dato auch nicht widerfahren. Warum in aller Welt habe ich nur mit den Trinken angefangen? Und warum konnte ich es, nachdem ich es zumindest erahnt hatte, dass da was nicht stimmt, nicht stoppen?
Als ich es das erste mal erahnt hatte, war ich noch nicht so tief drin. Meine täglichen Mengen waren noch überschaubar und ich hätte mir sehr viel Elend ersparen können, wenn ich damals kapiert hätte, worum es eigentlich geht. Übrigens, was noch viel wichtiger gewesen wäre, ich hätte meiner Familie (die ja nun wirklich nichts für meine Sauferei konnte) das ganze Elend ersparen können. Sie waren die größten Verlierer meiner Sucht.
Aber gut bzw. schlecht, ich machte immer nur Trinkpausen. Weil ich ja wusste es stimmt was nicht, machte ich Trinkpausen. Ganz lange sogar, monatelang. Und fing dann wieder an.
Die Frage nach dem "Warum" ist eine zentrale für mich gewesen. Aber erst nachdem ich aufgehört hatte zu trinken. Und es hat gedauert, bis ich die Antwort darauf fand. Denn eigentlich war kein Grund erkennbar. Noch in den ersten Monaten meiner Abstinez fragte mich jemand, der mich sozusagen betreute, was ich denn denke warum ich getrunken hätte. Ich antwortete, dass ich mir das nicht erklären kann und das bei mir wohl das Sprichwort "wenn dem Esel zu wohl wird begibt er sich auf's Eis" zutreffen müsse.
Aber, so war es nicht. Es gab Gründe, ich musste nur etwas länger danach suchen. Und ich denke, so wird es bei Dir auch sein.
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Einen Besuch bei einer Therapeutin habe ich beim zweiten Termin abgebrochen, weil ich mich absolut verurteilt gefühlt habe, sie Gesagtes durcheinander gebracht hat...
Ein Therapeut muss zu einem passen. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit meinem Psychologen damals gemacht. Ich sprach mit ihm z. B. über meine mich absolut erdrückenden Schuldgefühle und er meinte nur, ich sollte mich gefälligst wie ein erwachsener Mann benehmen.
Das hat mich damals schwer getroffen. Aber tatsächlich verstand ich erst viel später, was er eigentlich damit gemeint hatte. Ich war zu dieser Zeit recht weinerlich unterwegs. Kaum wurde es etwas emotionaler, brach ich in Tränen aus. Ich trennte mich damals von meiner Frau und verlor dadruch auch meine von mir über alles geliebten Kinder. Diese Zeit war echt die Hölle für mich, für meine Familie war sie das natürlich nicht weniger, denn sie konnten ja noch nicht mal was dafür. Treffen mit meiner Ex-Frau und meinen Kindern waren ein emotionales Fiasko. Aber dieser Psychologe hatte damals nicht ganz unrecht, denn in dieser Zustand des weinerlichen, schuldbehafteten Ex-Säufers brachte mich natürlich nicht voran.
Allerdings war dieser Psychologe durch solche Sprüche nicht in der Lage mich zu erreichen. Bei anderen Dingen war er sehr gut, hier allerdings half er mir nicht. Und so suchte ich mir diesbezüglich anderweitig Hilfe. Etwas, das ich Dir auch empfehlen würde. Probiere doch einfach mal einen anderen Therapeuten aus.
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ach es war einfach schrecklich und ich hatte mehr Bedürfniss zu trinken denn je zuvor.
Tja, da wäre dann wieder die Frage, warum Du so ein Bedürfniss hast bzw. hattest. Es geht also dabei sozusagen um die Gründe für Deine Sucht. Möglicherweise findest Du die Antwort für so ein Verhaltensmuster in Deiner Kindheit. Ich fand meine Gründe genau dort. Und ich möchte betonen, dass ich eine durchaus schöne Kindheit hatte. Trotzdem gilt: "Unter jedem Dach ein Ach". So war es auch bei uns. Meine Eltern beispielsweise trugen nie Konflikte aus, sie wurden unter den Teppich gekehrt oder einfach wegignoriert. Damit hatte ich etwas ganz wichtiges nicht gelernt, nämlich Probleme anzugehen und zu lösen. Und auch zu Dingen zu stehen, die ich fabriziert hatte. Das ist jetzt etwas komplizierter und kann hier nicht in ein paar Sätzen erklärt werden. Jedoch weiß ich heute, dass ich darüber zum Problemlöser Alkohol gekommen bin. Unter anderem, ein paar gesellschaftliche Regeln oder Traditionen spielten sicher auch eine Rolle. Es war wohl ein Zusammenspiel mehrere Faktoren.
Wenn man es mal weiß, wird einem vieles klarer und bewusster. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Gründe finden kannst.
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Und was mach ich, wenn er mir keine Chance mehr gibt und ich total in ein Loch falle?
Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass Du NUR für Dich zum Trinken aufhören möchtest. Mach es für DICH und für sonst niemanden. Du musst für Dich die wichtigste Person in Deinem Leben sein. Und was sich jetzt so egoistisch anhört ist eigentlich genau das Gegenteil. Denn es ist so, dass Du erst dann für andere da sein kannst, wenn Du mit Dir selbst im Reinen bist. Das war für mich eine meiner zentralen Erkenntnisse. Erst wenn Du Dein eigenes Leben, Dein eigenes Ich geregelt hast, dann kannst Du Dich anderen widmen. Und wenn Du das tust, dann wird Dein Partner enorm davon profitieren. Denn dann hast Du Kraft und Energie, die Du auch in ihm investieren kannst. Und Liebe, wenn ich das mal so sagen darf. Denn ich glaube, dass ein nasser Alkoholiker gar nicht in der Lage ist richtig zu lieben, auch wenn er denkt er würde es. Ich dachte das jahrelang von mir. Ich hatte ja keine Ahnung was Liebe eigentlich bedeutet.
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Hat jemand von euch aufgrund des Alkohols seinen Partner verloren?
Naja, ich habe kurz nachdem ich trocken wurde meine Frau verlassen. Ich trank die ganzen Jahre heimlich, sie wusste nicht, warum ich über Jahre immer depressiver und abwesender wurde, warum unsere Ehe langsam immer mehr den Bach runter ging. Dann outete ich mich, hörte zum Trinken auf und verlies sie. Das ist nicht einfach zu erklären. Ich sage mal so: ich war mir sicher, dass ich nicht dauerhaft abstinent hätte leben können, wenn ich weiter mit ihr zusammen gelebt hätte. Und mir wurde klar, dass meine Abstinenz für meine Zukunft das wichtigste in meinem Leben sein wird. Und das ich dieser Abstinenz absolut alles unterordnen werde. Denn sollte ich je wieder trinken, würde alles von vorne beginnen und ich weiß nicht, ob dann noch jemals die Kraft hätte, wieder da heraus zu kommen. Deshalb traf ich diese Entscheidung damals. Es war die Hölle für meine Frau, meine Kinder und auch für mich.
Heute bin ich ein sehr glücklicher Mensch. Meine Ex-Frau und meine Kinder sind es auch, wir haben besten Kontakt. Ich bin mir sicher, dass keiner von uns heute glücklich wäre, wenn ich mich damals anders entschieden hätte.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du Deinen Weg finden wirst. Fokussiere Dich dabei auf Dich, nicht auf Deinen Partner. Wenn es richtig läuft, Du offen mit ihm sprichst und offen über alles redest, dann wird verstehen und Ihr habt sicher eine gute Chance diesen Weg zusammen zu gehen. Wenn nicht, dann gehe ihn alleine und gehe in unbedingt für Dich. Am Ende wirst Du Dein Leben zurück erhalten. Du hast sehr gute Chancen denn Deine Sucht scheint noch nicht so lange zu bestehen. D. h. nicht, dass Du sie unterschätzen darfst, es erhöht jedoch die Chance, dass Du sie besiegen kannst.
Alles alles Gute und bis bald.
LG
gerchla