Beiträge von Gerchla

    Hallo Annika,

    wie geht es Dir denn aktuell? Wie stehst Du denn zu dem was Dir die anderen Forumsmitglieder hier geschrieben haben?

    Ich war ehrlich gesagt auch gerade ziemlich getroffen, als ich gelesen habe, dass Du 20 Jahre alt bist und Dein Leben an die Sucht Deiner Mutter gefesselt ist. Das ist nicht das was ein 20 jähriger Mensch tun sollte. Du solltest jetzt eigentlich Dein Leben in die Hand nehmen, Erfahrungen sammeln, Dir Dein eigenes Leben aufbauen, vielleicht auch mal Blödsinn machen, Dich austoben, was ausprobieren, Deinen Lebensweg finden.... Kannst Du alles nicht, Du musst ja auf Deine trinkende Mutter aufpassen.

    Ganz schön egoistisch, Deine trinkende Mutter. Sieht sie nicht, dass Du dabei bist zu zerbrechen? Es interessiert sie nicht, es ist ihr egal? Kann auch sein, denn sie wird nur an Alkohol interessiert sein. Mit Deiner Hilfe unterstützt Du sie dabei noch. Dein Vater und Deine Schwester tun das nicht, sie haben verstanden.....

    Weißt Du, die Angst die Du hast, dass Du ihr mal was passieren könnte oder das Du sie gar leblos vorfinden könntest, die ist sicher nicht unberechtigt. Aber selbst wenn das passieren sollte, dann war es die Entscheidung Deiner Mutter. Sie ist für ihr Leben doch selbst verantwortlich und wenn sie sich dafür entschieden hat sich zu Tode zu saufen, dann ist das ihre Entscheidung. Daran wirst Du nichts ändern. Sollte sie sich irgendwann mal anders entscheiden, dann wird sie genügend Hilfsangebote vorfinden. Dann, erst dann hätte es einen Sinn, dass Du sie unterstützt.

    Aber so lange sie sich dafür entscheidet weiter zu trinken (was übrigens ihr gutes Recht ist, denn Alkohol ist ja nicht verboten), hast Du da eigentlich nichts verloren. Du hast doch ein eigenes Leben das gelebt werden will, oder nicht? Falls nicht, dann wird's aber mal Zeit.

    Ich weiß, ich rede mich leicht. Ich glaube Du brauchst dringend Hilfe, sonst läufst Du Gefahr das die Sucht Deiner Mutter nicht nur sie sondern auch Dich zugrunde richtet. Lass das bitte nicht zu! Such Dir auch Hilfe in der realen Welt. Geh zum Arzt, ein Psychologe, Suchtberatung für Anghörige, Selbsthilfegruppe für Angehörige. Und sei offen und höre zu. Höre auch bei Dingen zu die Du nicht hören willst. Es will Dir doch keiner was böses, es ist so wie Greenfox es bereits geschrieben hat: Wir haben halt so unsere Erfahrungen - nutze sie doch und profitiere davon anstatt die Dinge nicht hören zu wollen.

    Alles alles Gute und ganz viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    ich wollte Dich nicht kritisieren. Es ist nur so: Da schaut man als (glücklicherwweise) trockener Alkoholiker auf Deine Geschichte, Deine Situation und denkt sich: Warum lässt sie das mit sich machen, warum zieht sie keine Konsequenzen? Es ist doch klar, wie es weiter gehen wird und das sie keine Chance hat.

    Gleichzeitig denke ich aber auch: Partner oder Angehörige die selbst keine Alkoholproblem haben, fragen sich auch "warum hört er nicht einfach auf mit dem Trinken, oder warum trinkt er nicht einfach weniger?".

    Dadurch, dass man als nicht Süchtiger diese Krankheit und wie sie funktioniert i.d. R. nicht verstehen kann, kann man auch nicht so handeln wie es sinnvoll wäre. Aber Du kannst ja hier viel lernen, von anderen die im Grunde fast das Gleiche erleben mussten wie Du. Klar, die Hoffnung das bei Dir alles anders ist bleibt ja immer und es muss leider oft erst ganz viel passieren, bis dann doch mal Konsequenzen gezogen werden.

    Liebe Nicole, ich verstehe alles was Du schreibst. So eine Entscheidung trifft man nicht einfach so. Nur, wenn Du einfach so weiter machst, dann wird sich nichts ändern. Es wird sich nichts ändern außer dass er noch tiefer rein rutscht und es i.d.R. langsam immer noch schlimmer wird. Bis dann vielleicht irgendwann mal ein Punkt erreicht ist, wo Du so am Ende bist, dass Du dann doch bereit bist Konsequenzen zu ziehen. Die Zeit bis dahin kann sehr lange sein und ich empfinde sie als verschwendete Lebenszeit. Und dann ist da ja noch Dein Kind, es wird da nur schwer unbeschadet heraus kommen.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Wisst ihr was noch schlimm ist.
    Er sagt immer wieder und ganz oft, ich liebe dich.


    Dazu noch: ein nasser Alkoholiker hat keine Ahnung was Liebe eigentlich bedeutet. Ich wusste überhaupt nicht was Liebe eigentlich bedeutet, das kann ich heute mit fester Überzeugung sagen.

    Du musst ihm bestätigen das Du ihn "auch" liebst. Damit musst Du sein Gewissen beruhigen weil es ihm ja nicht gut geht, wenn Du es ihm nicht sagst. Soll das Liebe sein? Er kann in seinem Zustand gar nicht lieben, er kann es nicht. Auch wenn er vielleicht glaubt er könnte es.

    Bei mir war nicht mal die Liebe zu meinen Kindern stark genug um mit dem Saufen aufzuhören. Ich bilde mir ein, ich hätte sie wirklich über alles geliebt. Ja ich liebte sie, aber nicht so wie das normalerweise der Fall sein sollte. Denn ich trank und meine Prio 1 war der Alkohol. Es waren nicht meine Kinder und schon gar nicht meine Frau.

    Ich lese bei Dir doch, dass Du die Situation ganz richtig einschätzt. Warum lässt Du das mit Dir machen? Worauf hoffst Du? Hast Du berechtigte Hoffung, dass Dein Leben mit ihm besser wird in nächster Zukunft? Oder auch in ferner Zukunft?

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    wow, da hast Du Dir ja jetzt mal ordentlich Luft gemacht. Man liest die Wut ja praktisch aus jeder Zeile die Du geschrieben hast.

    Und jetzt?

    Wirst Du ihn verlassen oder belässt Du es bei der Androhung? Ich wiederhole mich wenn ich sage, dass Du und Dein Kind das alles noch viele Jahre lang so weiter machen könnt. Es sieht nicht danach aus, dass er etwas ändern will oder muss. Da kannst Dich aufregen soviel Du willst. Er ist Alkoholiker, krank, süchtig und uneinsichtig. Zugeständnisse sind Taktik um Dich bei der Stange zu halten.

    Wirst ja sehen ob er heute anruft. Ich kann es mir nicht vortellen. Und selbst wenn, damit wäre dann auch noch gar nichts erreicht. Du beschreibst keinen Alkoholiker der ganz unten ist und so verweifelt ist, dass er endlich etwas gegen seine Sucht unternehmen möchte. Du schreibst von einem Alkoholiker, der von seiner Frau und ihren ewigen rumgelabere genervt ist, und zwar so richtig. Du schreibst von einem Alkoholiker, der eigentlich seine Ruhe möchte und nicht ständig sich von seiner Frau anhören will, dass er ein Problem hat. Er hat doch kein Problem mit Alkohol, Du hast es doch. So einen Alkoholiker beschreibst Du hier.

    Tja, wäre interessant wie er reagieren würde, wenn er des morgens mal aufwacht und Du und Dein Kind sind nicht mehr da. Und er muss sich um sein Leben dann selbst kümmern. Das wäre wirklich sehr interessant. Aber es liest sich für mich auch nicht so, dass das in nächster Zeit passieren wird. Also, kann er schon noch ein wenig so weiter machen.

    Ich war ironisch, wie Du sicher bemerkt hast. Aber inhaltlich lese ich Dich so.

    Verstehe mich bitte nicht falsch: Ich finde es wirklich sehr sehr traurig, dass Du und das vor allem auch Euer Kind so ein Weihnachten erleben musste. Aber es war auch vorherzusehen. Und wie es weiter geht, wenn Du nicht Dein Leben und das Deines Kindes in die Hand nimmst, ist leider auch vorherzusehen.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und den Mut, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    LG
    gerchla

    Hallo Bine,

    von mir noch ein verspätetes ganz herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich habe Deinen Thread mal in aller Ruhe durchgelesen und ich finde, Du hast bereits sehr wertvolle Meinungen und Anregungen von anderen Mitgliedern dieses Forums erhalten. Ich kann mich meinen Vorschreibern da komplett anschließen und möchte jetzt nicht nochmal ähnliches schreiben.

    Zu ein paar Aussagen von Dir möchte ich aber meine Meinung sagen:

    Zitat


    Ich habe eigentlich ein wundervolles Leben und verstehe mein Problem nicht.


    Willkommen im Club. Ich bin Ende 40 und wenn ich so zurück denke, dann begann meine Sucht so richtig mit Ende 20. Also so ähnlich wie das bei Dir jetzt ja auch der Fall ist. Da war ich glücklich verheiratet, hatte bereits einen wunderbaren Sohn, einen echt tollen Job, einen wunderbaren Freundeskreis, eine Familie in der es keinerlei Probleme gab und auch gesundheitlich ging es mir bestens. Schicksalsschläge und ähnliches waren mir bis dato auch nicht widerfahren. Warum in aller Welt habe ich nur mit den Trinken angefangen? Und warum konnte ich es, nachdem ich es zumindest erahnt hatte, dass da was nicht stimmt, nicht stoppen?

    Als ich es das erste mal erahnt hatte, war ich noch nicht so tief drin. Meine täglichen Mengen waren noch überschaubar und ich hätte mir sehr viel Elend ersparen können, wenn ich damals kapiert hätte, worum es eigentlich geht. Übrigens, was noch viel wichtiger gewesen wäre, ich hätte meiner Familie (die ja nun wirklich nichts für meine Sauferei konnte) das ganze Elend ersparen können. Sie waren die größten Verlierer meiner Sucht.

    Aber gut bzw. schlecht, ich machte immer nur Trinkpausen. Weil ich ja wusste es stimmt was nicht, machte ich Trinkpausen. Ganz lange sogar, monatelang. Und fing dann wieder an.

    Die Frage nach dem "Warum" ist eine zentrale für mich gewesen. Aber erst nachdem ich aufgehört hatte zu trinken. Und es hat gedauert, bis ich die Antwort darauf fand. Denn eigentlich war kein Grund erkennbar. Noch in den ersten Monaten meiner Abstinez fragte mich jemand, der mich sozusagen betreute, was ich denn denke warum ich getrunken hätte. Ich antwortete, dass ich mir das nicht erklären kann und das bei mir wohl das Sprichwort "wenn dem Esel zu wohl wird begibt er sich auf's Eis" zutreffen müsse.

    Aber, so war es nicht. Es gab Gründe, ich musste nur etwas länger danach suchen. Und ich denke, so wird es bei Dir auch sein.

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    Einen Besuch bei einer Therapeutin habe ich beim zweiten Termin abgebrochen, weil ich mich absolut verurteilt gefühlt habe, sie Gesagtes durcheinander gebracht hat...


    Ein Therapeut muss zu einem passen. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit meinem Psychologen damals gemacht. Ich sprach mit ihm z. B. über meine mich absolut erdrückenden Schuldgefühle und er meinte nur, ich sollte mich gefälligst wie ein erwachsener Mann benehmen.

    Das hat mich damals schwer getroffen. Aber tatsächlich verstand ich erst viel später, was er eigentlich damit gemeint hatte. Ich war zu dieser Zeit recht weinerlich unterwegs. Kaum wurde es etwas emotionaler, brach ich in Tränen aus. Ich trennte mich damals von meiner Frau und verlor dadruch auch meine von mir über alles geliebten Kinder. Diese Zeit war echt die Hölle für mich, für meine Familie war sie das natürlich nicht weniger, denn sie konnten ja noch nicht mal was dafür. Treffen mit meiner Ex-Frau und meinen Kindern waren ein emotionales Fiasko. Aber dieser Psychologe hatte damals nicht ganz unrecht, denn in dieser Zustand des weinerlichen, schuldbehafteten Ex-Säufers brachte mich natürlich nicht voran.

    Allerdings war dieser Psychologe durch solche Sprüche nicht in der Lage mich zu erreichen. Bei anderen Dingen war er sehr gut, hier allerdings half er mir nicht. Und so suchte ich mir diesbezüglich anderweitig Hilfe. Etwas, das ich Dir auch empfehlen würde. Probiere doch einfach mal einen anderen Therapeuten aus.

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    ach es war einfach schrecklich und ich hatte mehr Bedürfniss zu trinken denn je zuvor.


    Tja, da wäre dann wieder die Frage, warum Du so ein Bedürfniss hast bzw. hattest. Es geht also dabei sozusagen um die Gründe für Deine Sucht. Möglicherweise findest Du die Antwort für so ein Verhaltensmuster in Deiner Kindheit. Ich fand meine Gründe genau dort. Und ich möchte betonen, dass ich eine durchaus schöne Kindheit hatte. Trotzdem gilt: "Unter jedem Dach ein Ach". So war es auch bei uns. Meine Eltern beispielsweise trugen nie Konflikte aus, sie wurden unter den Teppich gekehrt oder einfach wegignoriert. Damit hatte ich etwas ganz wichtiges nicht gelernt, nämlich Probleme anzugehen und zu lösen. Und auch zu Dingen zu stehen, die ich fabriziert hatte. Das ist jetzt etwas komplizierter und kann hier nicht in ein paar Sätzen erklärt werden. Jedoch weiß ich heute, dass ich darüber zum Problemlöser Alkohol gekommen bin. Unter anderem, ein paar gesellschaftliche Regeln oder Traditionen spielten sicher auch eine Rolle. Es war wohl ein Zusammenspiel mehrere Faktoren.

    Wenn man es mal weiß, wird einem vieles klarer und bewusster. Ich wünsche Dir, dass Du Deine Gründe finden kannst.

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    Und was mach ich, wenn er mir keine Chance mehr gibt und ich total in ein Loch falle?


    Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass Du NUR für Dich zum Trinken aufhören möchtest. Mach es für DICH und für sonst niemanden. Du musst für Dich die wichtigste Person in Deinem Leben sein. Und was sich jetzt so egoistisch anhört ist eigentlich genau das Gegenteil. Denn es ist so, dass Du erst dann für andere da sein kannst, wenn Du mit Dir selbst im Reinen bist. Das war für mich eine meiner zentralen Erkenntnisse. Erst wenn Du Dein eigenes Leben, Dein eigenes Ich geregelt hast, dann kannst Du Dich anderen widmen. Und wenn Du das tust, dann wird Dein Partner enorm davon profitieren. Denn dann hast Du Kraft und Energie, die Du auch in ihm investieren kannst. Und Liebe, wenn ich das mal so sagen darf. Denn ich glaube, dass ein nasser Alkoholiker gar nicht in der Lage ist richtig zu lieben, auch wenn er denkt er würde es. Ich dachte das jahrelang von mir. Ich hatte ja keine Ahnung was Liebe eigentlich bedeutet.

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    Hat jemand von euch aufgrund des Alkohols seinen Partner verloren?


    Naja, ich habe kurz nachdem ich trocken wurde meine Frau verlassen. Ich trank die ganzen Jahre heimlich, sie wusste nicht, warum ich über Jahre immer depressiver und abwesender wurde, warum unsere Ehe langsam immer mehr den Bach runter ging. Dann outete ich mich, hörte zum Trinken auf und verlies sie. Das ist nicht einfach zu erklären. Ich sage mal so: ich war mir sicher, dass ich nicht dauerhaft abstinent hätte leben können, wenn ich weiter mit ihr zusammen gelebt hätte. Und mir wurde klar, dass meine Abstinenz für meine Zukunft das wichtigste in meinem Leben sein wird. Und das ich dieser Abstinenz absolut alles unterordnen werde. Denn sollte ich je wieder trinken, würde alles von vorne beginnen und ich weiß nicht, ob dann noch jemals die Kraft hätte, wieder da heraus zu kommen. Deshalb traf ich diese Entscheidung damals. Es war die Hölle für meine Frau, meine Kinder und auch für mich.

    Heute bin ich ein sehr glücklicher Mensch. Meine Ex-Frau und meine Kinder sind es auch, wir haben besten Kontakt. Ich bin mir sicher, dass keiner von uns heute glücklich wäre, wenn ich mich damals anders entschieden hätte.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du Deinen Weg finden wirst. Fokussiere Dich dabei auf Dich, nicht auf Deinen Partner. Wenn es richtig läuft, Du offen mit ihm sprichst und offen über alles redest, dann wird verstehen und Ihr habt sicher eine gute Chance diesen Weg zusammen zu gehen. Wenn nicht, dann gehe ihn alleine und gehe in unbedingt für Dich. Am Ende wirst Du Dein Leben zurück erhalten. Du hast sehr gute Chancen denn Deine Sucht scheint noch nicht so lange zu bestehen. D. h. nicht, dass Du sie unterschätzen darfst, es erhöht jedoch die Chance, dass Du sie besiegen kannst.

    Alles alles Gute und bis bald.

    LG
    gerchla

    Hallo Patrick,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Sag mal, Dein Nickname ruft in mir eine gewisse Irritation hervor. War es das Zeug was Du hauptsächlich getrunken hast oder wolltest Du lustig sein?

    Wie geht es Dir denn aktuell. Du hast Dich ja an Heilig Abend hier angemeldet. Hast Du die Weihnachtsfeiertage gut überstanden? Wie ist denn Dein Plan, bzw. hast Du einen? Was willst Du unternehmen um von der Sucht weg zu kommen?

    Ich bin übrigens auch Ehemann und mehrfacher Vater, etwas älter als Du (Ende 40) und hatte war in Deinem Alter bereits mitten in der Sucht. Aber noch lange nicht am Höhepunkt angelangt. Das war dann ein paar Jahre später soweit.

    Sehr gute Entscheidung jedenfalls, dass Du etwas dagegen tun willst. Interessant für uns hier wäre es, wenn Du ein wenig mehr über Deine Situation erzählen könntest. Wo Du stehst, wie Du getrunken hast oder trinkst, welche Pläne Du hast usw. Es ist nämlich nicht so ganz einfach die Sucht zu überwinden und eine Hilfe von außen ist es vielen sogar unmöglich. Lass doch mal eine aktuelle Wasserstandsmeldung hier, dann können wir vielleicht in eine kleine Diskussion kommen und Dir vielleicht auch ein wenig mehr von unseren Wegen aus der Sucht erzählen.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Also sowas wie eine tiefe Einsicht oder ein Aha Erlebnis


    Ja zum Beispiel. Bei manchen macht es auch einfach nur klick! Bei mir war es so, dass ich plötzlich wusste: jetzt will ich nicht mehr, jetzt oute ich mich. Das war völlig ungeplant ohne weiter darüber nachzudenken. Ich wusste nur: wenn ich das jetzt mache, dann bricht meine ganze Fassade zusammen und nichts wird mehr so sein wie vorher.

    So war es auch. Und von dieser Sekunde an hatte ich den unglaublich starken Willen nie mehr trinken zu wollen und ALLES dafür zu tun. Das alles war eine Sekundenentscheidung. Vorher hatte ich oft versucht irgendwie aufzuhören oder zu reduzieren. Hat nie funktioniert. Bis zu diesem Moment.

    Eine rationale Erklärung habe ich nicht. Ich denke, ich hatte einfach meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht und konnte und wollte nicht mehr. Meine Frau war nur insofern beteiligt, weil sie mir einen Vorwurf machte und mich zur Rede stellte. Wie vorher auch schon häufiger und da lügte ich mich immer heraus, erfolgreich. Das wäre mir damals sicher auch gelungen, aber ich wollte eben nicht mehr. Es ist wirklich schwer zu beschreiben und es gibt leider kein nachvollziehbares Schema. Nichts was Du tun könntest um bei ihm soetwas zu erreichen, meine ich.

    LG
    Gerchla

    Hallo liebe Forumsmitglieder,

    aus aktuellem Anlass hole ich jetzt mal diesen Thread hier wieder nach oben.

    Ich wünsche Euch allen ein wunderbares und friedvolles Weihnachtsfest! Besonders Euch Angehörigen und Partnern von noch trinkenden Alkoholikern wünsche ich, das Euer Weihnachtsfest anders wird, als Ihr es befürchtet. Und falls doch nicht, dann wünsche ich Euch die Kraft auf auf Euch zu achten und die Stärke Eure Bedürfnisse durchzusetzen!

    Ich danke bei dieser Gelegenheit allen Schreibern und Schreiberinnen hier im Forum für diesen wunderbaren Austausch. Für mich persönlich ist das sehr wertvoll, ich lerne fast immer dazu, wenn ich hier unterwegs bin. Ich lerne von Euch und Euren Erfahrungen, Euren Erlebnissen, Euren Lebensgeschichten, Eurer Kritik - danke, dass Ihr dies alles hier teilt. Und ein großes Dankeschön auch an die Menschen, die dieses Forum hier am Laufen halten. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist und viel Zeit kostet.

    Und da ich nicht weiß, wie aktiv ich hier während der Feiertage und die Tage danach sein kann, möchte ich Euch allen auch schon jetzt einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünschen. Und natürlich alles erdenklich Gute für das kommende 2019!

    Bis bald und

    liebe Grüße
    gerchla

    Zitat

    Was ich damit sagen will: Wenn die Einsicht nicht von ihm kommt hast Du meiner Meinung nach keine Chance...

    Klingt so unspektakulär.... ABER, damit hat Saskia es genau auf den Punkt gebracht. Genau so ist es leider. Es ist nur für viele Angehörige so unheimlich schwer das zu glauben. Er/sie müsste ja einfach nur mit dem Trinken aufhören, einfach nur Hilfe annehmen und dann wird es schon wieder werden, es kann doch nicht sein, dass... usw. usf. - Doch, es kann sein. Das ist leider das Wesen dieser Sucht. Es kann sein und es ist leider auch nicht selten so, das der Süchtige sich überhaupt nicht vom Alkohol lösen will oder kann. Die traurige Wahrheit....

    LG
    gerchla

    Hallo Silvia,

    Zitat

    Ich weiß,das haben sicher schon viele gesagt und ihr denkt ohje noch so eine arme Seele. :)

    Nein, ich denke das nicht. Ich denke, es ist für Dich (noch) nicht so schlimm. Du musstest noch keine richtig schlimmen Erfahrungen machen. Er tut Dir leid, Du musst mit ansehen, wie er sich langsam zugrunde richtet und eigentlich auch selbst erniedrigt. Du hast Mitleid mit ihm. Aber er hat Dich nicht geschlagen, verbal erniedrigt, Dir die Schuld für seine Sauferei gegeben usw. Jedenfalls schreibst Du darüber nichts.

    Insofern ist bei Dir noch ordentlich Luft nach oben, wenn ich das mal leicht irnoisch sagen darf. Und wie schon gesagt, ich finde es gut, das Du um Deine Beziehung kämpfen möchtest. Ich finde prokys Beitrag sehr hilfreich. Vielleicht versuchst Du ihn mal mit diesen Aussagen zu konfrontieren. Vielleicht braucht er ja nur so einen Schubser. Es kann aber auch sein, dass Deine Geschichte einfach immer weiter geht und seine Sucht immer weiter fortschreitet. Das ist eigentlich leider oft die Regel. Und dann wirst Du neu bewerten müssen, wie viel Kraft Du noch hast und wieviel davon Du noch investieren möchtest.

    Im Moment sehe ich Dich nicht akut bedroht, so wie Du schreibst. Du kannst also durchaus noch Energie in ihn investieren, Du hast noch genug davon. Achte aber darauf, dass Du nicht ungewollt oder unbemerkt unter die Räder kommst.

    LG
    gerchla

    Hallo Birgit,

    soweit mir bekannt ist, gehören Pornoseiten im Internet zu den am häufigsten aufgerufenen Seiten. Zunächst kommen mal die ganzen Service-Seiten wie z. B. google, was ganz vorne steht, dann noch diverse Maildienste, Bezahldienste etc. und dann geht's auch schon mit den Pornoseiten los.

    Ich denke nicht, dass da nur Alkoholiker surfen. Das sollte also andere Gründe haben. In einem Artikel einer renomierten Zeitschrift habe ich gelesen, dass das evolutionäre Gründe hat. Eigentlich sind Männer so programmiert, sich mit möglichst vielen Frauen zu paaren um die eigene Rasse zu erhalten. So stand es dort. Pornos dienen hier also scheinbar als eine Art Ventil. So ähnlich wurde es dort begründet.

    Dort stand auch, das Frauen wesentlich weniger Pornos schauen, weil diese evolutionär gesehen, sich nicht gleich mit dem erstbesten dahergelaufenen Mann paaren wollen. Schließlich können sie nicht unbegrenzt Kinder zur Welt bringen und wollen ihr Erbgut dann schon mit jemanden teilen von dem sie denken, er hätte ebenfalls ein gutes Erbgut.

    Also, das mal so meine kurze Zusammenfassung einer rationalen Erklärung, warum Männer so viel Pornos schauen. Stammt nicht von mir, habe ich so gelesen. Passt natürlich nicht so recht in unsere moderne und aufgeklärte Welt. Aber ich denke schon, dass wir noch viel mehr Einflüsse aus der Evolutionsgeschichte haben als wir vielleicht glauben.

    Mit Alkoholsucht hat es dann aber wohl nicht ursächlich zu tun.

    LG
    gerchla

    Liebe Phoenix,

    ok, jetzt sehe ich ein wenig klarer. Das liest sich jetzt nicht so gut. Es scheint also so zu sein, dass irgendeine Droge braucht um aus seinem Alltag zu entkommen. Wenn es der Alkohol nicht ist, dann halt was anderes. Das löst aber nicht sein grundsätzliches Problem und ich denke auch, dass die Therapie nicht funktionieren kann, wenn er nebenher sozusagen Ersatzdrogen konsumiert.

    Ich glaube, damit kommst Du dann auch langsam an einen Punkt, wo Du darüber nachdenken solltest, wie weit Du diesen Weg noch gehen willst. Wie lange Du das so weiter machen möchtest und was es für Alternativen für Dich gibt. Ich will damit nicht sagen, dass Du sofort alles hinwerfen sollst und ab durch die Mitte. Obwohl das natürlich auch ein Weg wäre.

    Ich finde, dass Du seine Situation sehr gut einschätzt. So wie Du geschrieben hast, dass er eine Geliebte hat, dass Du ihn nicht mehr erreichen kannst und das Du Dir vorkommst wie in der Truman Show, das alles zeigt mir, dass Du es wirklich sehr gut erfasst hast. Genau so ist es nämlich.
    Stellt sich die Frage, wie lange Du Teil dieser Show sein möchtest und, was vielleicht sogar noch wichtiger ist, unter welcher Regie. Wenn Du sagst, the show must go on, dann doch bitte unter Deiner Regie. Du stellst Regeln und Grenzen auf und Du legst auch fest, welche Konsequenzen Du ziehst, wenn diese nicht eingehalten werden. Das ist ganz wichtig, für Dich und Dein Kind.

    Selbstverständlich darfst und kannst Du gerne um Eure Liebe kämpfen, Du solltest nur aufpassen das es kein Kampf gegen Windmühlen wird. Denn dann wird es bei Euch genau 2 Verlierer geben: Dich und Dein Kind - Dein Mann, der Verursacher dieser Misere, säuft sich seine Welt weiter so wie sie ihm gefällt, oder kifft oder sonst was. Deswegen glaube ich, dass Regeln und Grenzen Deinerseits, und auch entsprechend Konsequenzen wenn er sie nicht einhält, eine Hilfe für ihn sein können. Denn vielleicht muss er erst Konsequenzen erfahren um wachgerüttelt zu werden. Vielleicht! Vielleicht ändert es auch nichts, aber dann musst Du Dein Leben und das Deines Kindes schützen.

    Es hängt jetzt also alles ein wenig davon ab, wieviel Du bereit bist (noch) zu ertragen und wie weit Du noch so weiter leben möchtest. Und vielleicht hast Du dabei auch Euer Kind im Blick. Er scheint ja trotz allem ein guter Vater zu sein, allerdings geht das alles sicher trotzdem nicht spurlos vorüber.

    LG
    gerchla

    Hallo Tina,

    ich habe eben, also bevor Dietmar Dir geschrieben hat, lange überlegt was ich Dir zu Deiner Frage sinnvollerweise antworten sollte. Ich war hin und her gerissen, weil ich mir auch dachte, eigentlich wäre es sehr gut, wenn sie in der Arbeit alle Bescheid wissen, andererseits birgt es aber auch Gefahren und Du kannst auch nicht sicher sein, dass die Situation in der Arbeit Deines Mannes wirklich ganz genau so ist wie Du sie einschätzt.

    Deshalb finde ich, dass Dir Dietmar hier eine sehr gute Antwort gegeben hat. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

    LG
    gerchla

    Liebe Saskia,

    danke für Dein "Dankeschön". Wir schreiben hier ja nur was wir denken und ich glaube, das machen wir alle gerne.

    Dein "Gesichtslähmung vom verzweifelten Gute-Laune-machen"-Spruch hat mich richtig zum Schmunzeln gebracht. Sowas nenne ich mal einen richtigen Galgenhumor!

    Ich wünsche Dir und allen Angehörigen / Partnern von Alkoholikern, dass es dieses mal ganz anders wird als sonst. Während ich das schreibe weiß ich, dass es wohl nur ein Wunsch bleiben wird und deshalb wünsche ich Euch auch viel Kraft und positive Energie um durch diese schwierige Zeit zu kommen. Und noch viel mehr wünsche ich Euch, dass Ihr einen Weg findet um Euch künftig auf ein "ganz normales" Weihnachtsfest zu freuen zu können. Ohne das die Sucht des Partners alles andere überschattet.

    Liebe Grüße an alle
    gerchla

    Liebe Britt,

    ich tue mich schwer diese Aussage richtig zu interpredieren.

    So schlimm wie welche Wahrheit? Diese Frage stelle ich mir gerade. Geht es darum, was diese Wahrheit für den Menschen bedeutet, der von dieser Krankheit betroffen ist? Oder hat dieser kurze Satz eine andere Bedeutung?

    LG
    gerchla

    Hallo Outdoorfan,

    stellt sich mir die Frage was "Glauben" eigentlich genau ist bzw. bedeutet. Wenn es für einen Christen das regelmäßige Besuchen des Gottesdienstes und das damit verbundene Schuldgefühl wenn man mal nicht dort war ist, dann glaube ich sicherlich nicht.

    Wer meine Geschichten hier ab und an mit liest, ist sicher schon über meine Schilderungen bezüglichs der Bedeutung eines Mönchs (katholischer), in meinem neuen abstinenten Leben gestolpert.

    Ich will es jetzt nicht in aller Tiefe ausführen aber dieser Mönch war wohl für mich die wichtigste Person im Prozess meiner Suchtüberwindung. Und ich habe diesen Menschen damals nicht aufgesucht, weil ich ein gläubiger Christ war sondern weil ich ihn irgenwann mal in meiner nassen Zeit getroffen hatte und er mich damals, obwohl ich da sicher einiges intus hatte (wie immer) sehr beeindruckt hatte. Nur mit dem wie er gesprochen hat und mit seiner großen Zufriedenheit. Das war damals nur eine beiläufige Begegnung ohne ein persönliches Gespräch mit ihm.

    Als ich dann als gescheiterter Alkoholiker vor diesem Mann stand, der dankenswerter Weise bereit war mit mir zu sprechen, spielte für mich alles eine Rolle außer der Glauben. Und dieser Mensch hat wohl gemerkt, dass ich mit der Kirche (was für mich damals gleichzusetzen war mit Glauben) nichts am Hut hatte. Ich erinnere mich heute nicht daran, dass er in einem unserer zahlreichen, sehr tiefgründigen Gespräche jemals das Wort Gott, Glaube oder beten erwähnt hätte. Fast schon krotesk: da saß ich im Kloster mit einem Mönch zusammen um mir Hilfe zu holen und dieser sprach von allem außer von Gott. Aber so war es und ich muss sagen, sehr viel später begann genau diese Tatsache mich zu interessieren und ich begann mich zu fragen, warum das so war und was das alles für mich jetzt eigentlich bedeutet.

    Was dadruch errreicht wurde, das kann ich sagen, ist auf jeden Fall, das ich heute Glaube und Kirche trenne. Die Kirche besteht aus Menschen und Menschen sind eben Menschen. Es gibt gute Menschen und es gibt weniger gute und es gibt sogar richtig böse. Und nur weil man in der Kirche engagiert sind macht das keinen besseren Menschen, zumindest nicht zwangsläufig. Mit dem Glauben an sich hat das aber m. E. nicht unmittelbar was zu tun. Es gibt ja so viele angeblich gläubige Menschen die in ihrer Kirche engagiert sind und sich doch so verhalten als wüssten sie überhaupt nicht wofür ihr Glauben eigentlich steht.

    Zurück zu mir. Ich gehe heute viel häufiger in die Kirche als ich das jemals in meinem Leben getan habe. Ich gehe manchmal mehrmals wöchentlich, manchmal auch ein oder zwei Wochen gar nicht, je nach dem wie mir gerade ist. Ich besuche dabei nie die sonntäglichen Gottesdienste sondern bin immer dann da, wenn mir eben danach ist. Wenn ich das Bedürfnis habe mal ein kleine Zwiesprache zu halten, wenn ich Bedürfnis habe mal wieder "DANKE" zu sagen oder wenn das Gefühl habe, mir könnte mal eine göttliche Eingabe nicht schaden. Lustigerweise erhalte ich diese dann auch meist und ich komme mir immer vor wie Don Camillo. Erklären kann ich mir das ehrlich gesagt nicht, denn warum sollte ausgerechnet ich einen besonderen Draht nach oben haben? Aber es ist mir auch egal, denn ich bin zufrieden und glücklich so wie es ist.

    Desweiteren begegne ich meinem Gott immer dann, wenn ich meine Laufschuhe schnüre und durch unsere wunderbare Natur laufe. Da habe ich dann oft ein fast schon spirituelles Gefühl und spüre eine tiefe Dankbarkeit, dass ich das machen kann und darf.

    So ist das bei mir und für mich ist das wunderbar so.

    LG
    gerchla

    Hallo Phoenix,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, Ende 40 und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Meine Familie (Frau und 2 Kinder) musste damals ähnliches erleben wie Du heute. Ich finde in Deinem Text viele Parallen zu meiner damaliegen Welt, zu dem was ich meiner Familie damals angetan habe. Was bei mir anders war ist, dass ich meine Trinkerei verheimlicht habe, was meiner Familie und insbesonderen meiner Frau aber keinen Vorteil gebracht hat. Eher im Gegenteil, sie hatte mit meiner Sucht zu kämpfen, bekam die Auswirkungen zu spüren, wusste aber nicht warum alles so war wie es war.

    Du dagegen weißt wenigstens Bescheid und kannst auf dieser "Basis des Wissens" Deine Entscheidungen treffen. Das ist kein Trost, das weiß ich sehr wohl. Ich wollte Dir nur kurz meinen Hintergrund schildern.

    Deine Geschichte ist, Dietmar hat es ja schon erwähnt, eine typische, sozusagen "ganz normale" Geschichte einer Partnerin eines Alkoholikers. Das was Du erlebst, das was Du fühlst, die Enttäuschung, das betrogen sein, das belogen sein und verletzt sein, das alles bringt die Beziehung zu einem Alkoholiker im Normalfall immer mit sich. In unterschiedlichen Ausprägungen zwar, aber i.d.R. läuft es doch immer nach einem bestimmten Schema ab.

    Bei Dir tun sich mir jetzt ein paar Fragen auf. Du schreibst ja, dass er Therapie macht, was ich ja schon mal nicht ganz schlecht finde. Du schreibst aber auch, dass diese Therapie nicht funktioniert. Darf ich fragen wie Du zu dieser Erkenntnis kommst? Trinkt er trotz Therapie weiter? Oder entwickelt er sich trotz Therapie nicht so, wie Du Dir das gewünscht hast? Was bringt Dich zu dieser Annahme? Du schreibst ja, dass er sie anscheindend nicht richtig macht.

    Sollte er aktuell nicht trinken aber es geht trotzdem nicht voran mit seiner Entwicklung bzw. mit Eurer Beziehung, dann wäre auch das nicht unbedingt untypisch. Leider gibt es auch viele Paare die sich gerade erst nachdem Trocken werden des Alkoholikers trennen. War bei mir übrigens auch so. Denn es ist ja nicht so, dass ein Mensch ein komplett anderer ist, nur weil er nichts mehr trinkt. Andererseits aber verändert er sich auch, muss er sich auch verändern, wenn er ein neues Leben ohne Alkohol führen möchte. D. h. er muss sich nicht unbedingt in seinem Grundwesen, seinen Grundeigenschaften verändern, jedoch wird sich seine Denkweise und sein Verhalten, seine Fürsorge um sich selbst stark verändern müssen, wenn er dauerhauft trocken bleiben will. Diesen Weg muss der Partner aber mitgehen wollen und auch mitgehen können. Nicht immer ist das der Fall und oft ist es auch ratsam, dass der Partner ebenfalls Hilfe in Anspruch nimmt um diesen Prozess erfolgreich begleiten zu können. Und es gibt glücklicherweise auch viele positive Beispiele, wo Paare nach dem Überwinden der Sucht dann zusammen ein glückliches Leben erreichen.

    Ich reite da jetzt so ausführlich darauf herum, weil ich bei Deinen Schilderungen erst mal nicht das Gefühl habe, Dein Mann wäre einer von den komplett hoffnungslosen Fällen. Ich kann mich da aber natürlich täuschen, darum ja auch meine Fragen oben.

    Die Tatsache, dass Ihr ein Wochenende durchweint, zeigt mir doch schon, dass er sich zumindest irgendwie mit seiner Sucht beschäftigt und eine Art Erkenntnis vorhanden ist. Klar neigen wir Alkoholiker im nassen Zustand doch recht stark zu Selbstmitleid, aber immerhin spricht er nicht davon, dass er ja gar kein Problem hat.

    Vielleicht möchtest Du Eure Situation noch ein wenig genauer schildern, dann könnten wir uns evtl. noch ein besseres Bild machen. Mich würde, wie schon gesagt, wirklich interessieren ob er jetzt trotz Therapie weiter trinkt. Oder warum Du meinst er würde es nicht ernst nehmen. Antworten natürlich nur dann, wenn Du magst.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und hoffe, Du bekommst viele gute Informationen und Anregungen. Und wenn Du Fragen hast, dann her damit.

    LG
    gerchla