Beiträge von Gerchla

    Hallo Kathi,

    danke für Deine Erläuterungen.

    Erst mal dazu:

    Zitat

    ich habe mich wahrscheinlich nicht so ausgedrückt wie ich das wollte .Das tut mir leid .

    Alles gut. Darum habe ich ja einfach mal nachgefragt.

    Und dazu:

    Zitat

    Ja das mit den Schuldgefühlen stimmt schon aber eigentlich weiß ich ja das ich nichts dafür kann.

    Das "eigentlich" kannst Du wirklich weg lassen. Du kannst nichts dafür. Du bist nicht verantwortlich. Das ist so. Es sei denn, Du hättest ihn vorgehaltener Waffe jeden Tag gezwungen Alkohol zu trinken was ja sicherlich nicht der Fall war. Verstehst Du was ich meine? ER hat sich dafür entschieden zu trinken, irgendwann hat dann seine Sucht ihm diese Entscheidung abgenommen und er musst oder muss einfach trinken weil er eben süchtig ist. Aber dafür ist er verantwortlich. Und ER ist es auch, der aus dieser Geschichte heraus kommen könnte, wenn er es denn wirklich wollte.

    Ganz sicher kein einfacher Weg und ja, viele haben Rückfälle, scheitern erst mal aber diejenigen die es wirklich wollen stehen dann auch wieder auf und nehmen einen neuen Anlauf. Einige solcher Menschen schreiben auch hier im Forum. Es ist also seine Sache, keinesfalls Deine.

    Somit kann ich nur sagen, dass Du aus meiner Sicht genau das Richtige gemacht hast. Du warst konsequent und hast Dich getrennt. Alles andere hätte nur bedeutet, dass Du Dein Leiden und auch das Eurer Kinder verlängert hättest.

    Ich habe in Deinem anderen Thread über die Probleme gelesen, die Deine Kinder mit ihrem Papa haben. Ich will dazu jetzt erst mal nichts schreiben denn ich glaube das Du da von anderen Kindern von Alkoholikern besseren und wertvolleren Input bekommen wirst als ich ihn Dir geben könnte. Ich bin zwar selbst mehrfacher Papa und zwei meiner Kinder haben auch meine aktive Trinkerzeit erleben müssen, jedoch war sowohl mein Trinkverhalten als auch mein generelles Verhalten (ich war nie ausfallend, gewalttätig etc.) nicht mit dem Deines Ex-Mannes vergleichbar. Das Leid, das ich meinen Kindern angetan habe war, so denke ich, eine andere Form von Leid. Was es aber nicht besser macht.

    Das einzige was ich Dir dazu noch sagen möchte: Wir (also meine Ex-Frau und ich) sind damals, also nach unserer Trennung und nach meinem Outing als Alkoholiker, mit unserer Tochter (wie war damals im Alter Deiner Kinder) zur Kinderpsychologin. Mein großer war damals schon im jugendlichen Alter und hat das deutlich besser verkraftet, meine Tochter jedoch litt enorm, teilweise aber eben auch sehr still. Ich kann nur sagen, dass das ein wirklich guter und richtiger Schritt war. Vielleicht könnte das auch was für Dich / Euch sein. Überlege doch mal, ob Du mit Deinen Kindern nicht so einen Psychologen aufsuchen möchtest. Da kannst Du vorher auch mal alleine hin und Dich beraten lassen, die Situation schildern und dann abklären, was der Psychloge/in meint.

    Alle Gute und

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Patti,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Als ich in Deinem Alter war hatte ich in etwa die Hochphase meiner Sucht erreicht, ich trank täglich und ich trank bereits erhebliche Mengen. Ich funktionierte noch, jedoch waren die Enschläge der suchtbedingten Veränderungen (psychisch bereits kaputt / körperlich erste Symptome aufweisend) bereits spürbar. Was dann noch folgte was sozusagen die Endphase. Nochmal ein paar Jahre wo es dann noch so richtig nach unten ging. Bis zum Schluss konnte ich die Fassade aufrecht erhalten. Was aber nur bedeutete, dass sie danach umso stärker zusammen fiel.

    Meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast:

    Was Du schilderst deutet für mich eindeutig auf Kontrollverlust hin. Wenn Du trinkst kannst Du ab einem bestimmten Zeitpunkt Deinen Konsum nicht mehr kontrolliern und musst einfach immer weiter nachlegen. Das ist eines der Anzeichen für eine Suchterkrankung. Es gibt noch weitere Anzeichen, Du kannst ja gerne mal einen Test machen. Einfach mal googeln, da wirst Du unsterschiedliche Test finden. Wichtig dabei ist, dass Du die Fragen absolut ehrlich beantwortest. Also nicht schönen, sondern einfach ganz ehrlich gegenüber Dir selbst sein.

    Am Ende ist es dann aber auch egal, denn das was Du hier schilderst ist ja Fakt. Und das was Du schlussfolgerst, nämlich das Dir hier wohl nur ein kompletter Verzicht auf Alkohol helfen kann, ist auch absolut richtig. Da ist es jetzt erst mal egal ob Du "nur" Missbrauch betreibst, also NOCH nicht süchtig bist oder ob Du bereits abhängig trinkst. Erst mal kommst Du hier nur raus, wenn Du nichts mehr trinkst.

    Auf die Länge gesehen würde es dann schon einen Unterschied machen. Denn wenn Du nicht süchtig sein solltest, dann kann es Dir gelingen, wieder zu einem normalen Trinkverhalten zurück zu finden. Wenn Du süchtig bist, wird Dir das in aller Regel nicht gelingen sondern Du würdest wohl früher oder später wieder komplett drin hängen.

    Wenn ich sage "erst mal nicht mehr trinken", dann meine ich damit nicht ein paar Tage oder Wochen. Dann meine ich damit einen längeren Zeitraum. Vielleicht einfach mal 3 Monate oder noch besser mal ein halbes Jahr gar keinen Alkohol trinken, also ohne Ausnahme absolut nichts. Das mag Dir jetzt utopisch vorkommen, ist aber für jemanden der kein Problem hat eben kein Problem. Viele Menschen machen das sogar unbewusst, weil sie nur bei wenigen Gelegenheit mal was trinken und diese oft Monate auseinander liegen.

    Wenn Du das tust, dann achte genau darauf, was mit Dir und was in Dir passiert. Fällt es Dir leicht? Oder musst Du kämpfen? Denkst Du ständig an Alkohol? Oder ist der Gedanke daran nach ein paar Tagen weg? Denn auch wenn Du Alkoholikerin sein solltest, kann es Dir durchaus gelingen eine längere Zeit ohne zu leben. Auch mehrere Monate, ich hatte auch solche Trinkpausen. Aber ich dachte eben fast ständig an das Zeug, immer wieder. Wenn Du es erst gar nicht durchhalten kannst, dann weißt Du was der Gong geschlagen hat. Dann kann ich Dir nur raten Dir auf jeden Fall Hilfe zu holen. Arzt, Suchtberatung, SHG, evtl. Therapie machen etc.

    Deine Angst bezüglich Deines Freizeitverhaltens, bezüglich Deiner Freunde und Deiner Lebensfreude kann ich absolut verstehen und nachvollziehen. Weil ich ja noch weiß, welche Gedanken ich damals hatte, auch wenn man unser Trinkverhalten nicht vergleichen kann. Aber ich kann Dir auch versichern, dass man ohne Alkohol ein wunderbares Leben führen kann. Und zwar inkl. Lebenfreude, Feiern, lustig sein und intensiven Austausch mit Freunden.

    Ich würde lügen, wenn ich Dir sagen würde, dass das einfach so passiert. Nein, es dauert ein wenig und es wird sich viel verändern. Aber ich habe nicht dabei verloren, sondern nur gewonnen. (Teilweise) neue, andere Freunde, neue Interessen, neue Sichtweisen und eine veränderte Wahrnehmung was den Sinn meines Lebens betrifft. War ein Prozess, ein sehr spannender der Dir aber keine Angst machen soll. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Leben seit ich keinen Alkohol mehr trinke, um Dimensionen besser ist als es vorher war. Was nicht bedeutet, dass es nicht auch Einschläge, schlechte Phasen, negative Erlebnisse, etc. gäbe. Ganz normal, wie bei allen anderen auch. Aber ich gehe ganz anders damit um.

    Also, lange Rede, kurzer Sinn: Probiere es doch mal mit einer langen Trinkpause. Für Deine Freude wirst Du Dir schon mal was einfallen lassen können, denn ich nehme nicht an, dass Du ihnen die Wahrheit sagen willst (wenn Du weiter trinkst werden sie diese früher oder später aber sowieso erfahren). Also sag ihnen doch z. B. einfach mal, dass Du einen Selbstversuch machst und mal ein halbes Jahr ohne Alkohol leben möchtest. Liest man immer wieder. Wenn es echte Freunde sind, dann werden sie damit kein Problem haben. Ansonsten solltest Du diese Freundschaften vielleicht mal hinterfragen.

    Ich hoffe, dass Dir meine Gedanken ein paar Denkanstösse geben konnten. Alles Gute und wenn Du Fragen hast, dann einfach raus damit.

    LG
    gerchla

    Hallo Kathi,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, habe wie Du 3 Kinder und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Ich bin ein wenig verwirrt. Dein Post irritiert mich ein wenig weil ich Dich und Deine Gefühle bzw. das was Dich gerade so belastet nicht richtig einordnen kann. Was aber sicher daran liegt, dass ich zu wenig weiß.

    Also Du hast Dich getrennt. Du hast Dich scheiden lassen? Oder lebst in Scheidung? Oder noch gar nichts dergleichen? Er lebt nicht mehr in Deinem Haushalt?

    Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du ihn dauerhaft vor die Türe gesetzt hast und aktuell auch keinen Kontakt mehr zu ihm hast, oder? Du schreibst ja auch, dass Du Dich neu verliebt hast. Bedeutet das jetzt auch, dass Du Deinem Mann gegenüber keine Gefühle mehr hegst, also Liebe oder Zuneigung meine ich.

    Oh Gott, Du musst jetzt denken ich würde Dich aushören wollen. Aber ich will nur Deine Situation verstehen. Wenn Du nicht antworten willst ist das auch ok, oder antworte einfach nur darauf wo Du das auch möchtest.

    Deinen letzten Satz interepretiere ich jetzt mal so, dass Du Dir Schuldgefühle machst, weil er jetzt "wegen Dir" wieder trinkt. Ist das so?

    Wenn das Deine Gedanken sind, dann will ich Dir sagen: Davon kannst und musst Du Dich berfreien. Denn ER trinkt, Du flösst es ihm ja nicht ein. ER hat entschieden wieder zu trinken. Wie Du ja auch schreibst hat er die Therapie "nur" gemacht, weil Du ihn unter Druck gesetzt hast. Sowas ist immer nicht so toll, denn wenn ein Alkoholiker das "jemanden zuliebe" oder aus Druck heraus macht ist die Gefahr groß, dass es immer dann schief geht, wenn der Grund weshalb er es gemacht hat wegfällt (in Deinem Fall warst ja Du und Eure Kinder der Grund) .

    Jetzt bist Du gegangen, hast Dich neu verliebt, jetzt sieht er keinen Grund mehr ohne Alkohol zu leben. Denn der Grund ohne zu Leben ist ja jetzt weg. Aber dafür kannst Du nichts. Dass Beziehungen auseinader gehen, dass sich jemand neu verliebt, sowas kann passieren. Viele Ehen scheitern genau daran. Aber das bedeutet nicht, dass man deshalb trinken muss. Und es bedeutet auch nicht, dass derjenige der sich trennt dafür verantwortlich ist, wenn der andere Teil zum Trinken beginnt. Oder wieder damit anfängt.

    Es ist so in unserer Gesellschaft, da wird geredet: "Sie hat ihn verlassen und er hat zum Saufen angefangen". Der arme xy, die böse Frau. Aber das ist Quatsch, denn er hat sich selbst dazu entschieden zu trinken. Es ist seine Verantwortung, nicht Deine. Mal abgesehen davon, dass es immer auch mehrere Gründe gibt, weshalb eine Ehe scheitert, weshalb es zur Trennung kommt. Ich denke mir, er wird sicher seines dazu beigetragen haben.

    Ich kann es zwar nachvollziehen, wenn Du Dir jetzt Vorwürfe machst. Denn da sind ja noch die Kinder, er ist ihr Papa usw. usf. Aber es ist falsch. Ich sage Dir das als Alkoholiker. Ich alleine hatte es in der Hand zu trinken oder auch nicht. Es war meine Entscheidung. Er könnte z. B. auch sagen: Ok, sie ist weg aber ich habe da noch 3 Kinder. Alleine deswegen trinke ich nicht denn diese Kinder brauchen mich. Wäre ja auch mal ein Ansatz gewesen.

    Aber ich denke bei ihm ist es einfach so, dass er eigentlich nie aufhören wollte. Alleine der Druck "zwang" ihn dazu, er wollte eigentlich "sein" Bier trinken. Und trotz Therapie fand bei ihm kein Umdenken statt (das passiert manchmal bei Menschen die unfreiwillig in Therapie gehen) und er kam nach der Therapie und hätte trotzdem gerne wieder getrunken. Allein die Angst Du / Ihr könntet ihn verlassen hielt ihn davon ab.

    Sowas ist eine ganz schlechte Voraussetzung für eine dauerhaftes Leben ohne Alkohol. Ich würde fast Wetten, dass es früher oder später so oder so passiert wäre. Auch wenn Du Dich nicht anderweitig verliebt hättest.

    Vielleicht magst Du ja noch ein wenig mehr erzählen. Vielleicht liege ich ja komplett falsch. In jedem Fall solltest Du jetzt nicht versuchen ihn "zu retten", denn das kannst Du nicht. Das kann nur er selbst. Du solltest Dich auf Dich und DEIN Leben und auf das Leben Deiner Kinder konzentrieren. Und ihm seines lassen. Wenn er weiter trinken will, dann soll er das. Du kannst ihn nicht trocken legen.

    Du hast es ja versucht und sogar temporär geschafft. Aber er kam trotz Therapie nicht zur Erkenntnis das ein Leben ohne Alkohol für ihn lebenswerter ist als eines mit. Akzeptiere das! Damit hat er sich entschieden, und zwar für den Alkohol. Da bist Du machtlos. Ich weiß es von mir. Nur als ICH es wirklich wollte konnte ich es schaffen. Vorher hatte ich nur Trinkpausen um mein Gewissen zu beruhigen, mir zu beweisen, dass ich ja gar kein Problem habe, etc.

    Würde mich freuen, wenn Du noch ein bisschen von Dir schreiben würdest . Vielleicht können wir Dich hier dann noch mehr unterstützen, Dir noch besser unsere Erfahrungen mitteilen.

    In jedem Fall wünsche ich Dir alles alles Gute und ganz viel Kraft. Und natürlich einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen,

    Zitat

    einmal Alkoholiker immer Alkoholiker....Das muss ja nicht so sein!

    Doch, es ist so. Einmal Alkoholiker immer Alkoholiker. Das ist so. Was aber nicht bedeutet, dass man immer ein aktiver, also ein trinkender, Alkoholiker sein muss.Oder, um es mal ganz banal zu formulieren: Man muss nicht immer ein nasser Alkoholiker sein, man kann es auch schaffen ein dauerhaft trockener Alkoholiker zu werden.

    Ich schreibe das aus meiner Erfahrung heraus. Seit einigen Jahren habe ich relativ viel Kontakt, auf unterschiedliche Art und Weise, mit Alkoholikern. Darunter ganzu viele, die schon lange nicht mehr trinken aber eben auch jene, die gerade am Anfang stehen und das Trinken aufgeben möchten. Bei all den lange trockenen Alkoholikern die ich kenne gibt es keinen, der von sich sagen würde "ich war Alkoholiker und bin es jetzt nicht mehr". Alle sagen von sich, dass sie Alkoholiker sind, jedoch keinen Alkohol mehr trinken.

    Ich glaube darin liegt auch ein Schlüssel für ein dauherhaftes Leben ohne Alkohol. Also nicht darin das zu sagen sondern es auch so zu empfinden. Ich habe auch mit einigen gesprochen (und von einigen gelesen), die nach vielen Jahren, teils mehr als 20 Jahren, rückfällig geworden sind. Und dann tatsächliche teilweise wieder jahrelang tranken.

    Die meisten berichteten davon, dass sie es quasi "wissen wollten". Das sie zweifelten "richtige" Alkoholiker zu sein, dass sie ja vielleicht nur Missbrauch betrieben haben könnten. Einige davon erzählten mir auch, dass sie es tatsächlch geschafft haben eine nicht mal so kurze Zeit "normal" zu trinken. Wobei sie sich im nachhinein dann doch eingestehen mussten, dass sie sich etwas vorgemacht haben und es mit zunehmender Dauer immer schwieriger wurde die Menge "klein" zu halten. Früher oder später sind sie dann aber alle abgestürzt.

    Weil: Einmal Alkoholiker immer Alkoholiker

    Und was den persönlichen Tiefpunkt betrifft: Hier kann ich Britt nur zustimmen. Mag sein das Menschen vom Alkohol weg kommen bevor sie diesen erreicht haben. Da stelle ich jetzt aber mal die These auf, dass diese dann noch keine Alkoholiker waren sondern "einfach nur" Missbrauch betrieben und die Kurve noch rechtzeitig erwischt haben.

    Ich selbst hatte viele Tiefpunkte aus denen heraus ich dann versuchte aufzuhören. Es wurden immer nur Trinkpausen daraus. Erst ganz am Ende, als ich meinen persönlichen erreicht hatte, konnte ich aufhören. Und meiner war kein akutes Ereignis (wie z. B. Führerschein weg, von der Familie verlassen, etc.). Bei mir war es einfach ein langer Weg nach unten. Und ganz am Ende fehlte mir einfach die Kraft und der Wille mich erneut aus einer heiklen Situation heraus zu lügen. Ich wollte einfach nicht mehr. Ich wusste, jetzt bist Du an den Punkt wo Du Schluss machen musst. Mit allen Konsequenzen die sich daraus ergeben.

    Man kann das einerseits als das berühmte "Klick"-Erlebnis bezeichnen aber andererseit bin ich auch davon überzeugt das dieser Klick ausgeblieben wäre, wenn ich meinen Tiefpunkt nicht erreicht hätte.

    Wie gesagt, eine sehr individuelle Angelegenheit. Aber ich denke das ein "echter" Alkoholiker (also süchtig und nicht "nur" Missbrauch betreibend) einen solchen Punkt erreichen muss. Denn warum sollte er denn aufhören, wenn es mit Alkohol noch ganz gut geht? Das verhindert die Sucht. Und auch wenn es eigentlich schon nicht mehr so gut geht, wenn es eigentlich schon ziemlich schlecht geht, verhindert die Sucht immernoch den Ausstieg. So lange bis der Alkoholiker quasi nicht mehr anders kann und erkennt, dass ein Leben ohne Alkohol wohl besser ist als eines das weiter mit statt findet.

    Und, das will ich auch noch sagen: Die meisten erreichen diesen Punkt nie und leben (und sterben) mit (an) Alkohol und ihrer Sucht.

    LG
    gerchla

    Hallo zusammen,

    da wir ja jetzt hier den Thread von Paul zu einer, wie ich finde, sehr interessanten Diskussion über alkoholfreies Bier und Co. aber auch für Erfahrungen im Bezug auf "versehentlichen" Alkoholkonsum nutzen, möchte ich speziell zu Rinas Zeilen etwas schreiben. Ich hoffe das mir der Paul, sollte er sich hier denn nochmal melden, das nicht krumm nimmt. Im Grunde müsste diese Diskussion aber für ihn eingentlich auch hochinteressant sein.

    Aber nun zu dem was Rina geschrieben hat:

    Zitat

    . Es war in den m Moment, als ob eine sofortige Kettenreaktion ausgelöst wurde, ein Kurzschluss. Ich trank dann nicht an diesem Tag aber so 3 Tage später hatte ich die Situation- also mich - nicht mehr im Griff und trank dann elendig 5 Tage durch.
    Wahrscheinlich wäre es damals auch ohne Nusstorte zum Rückfall gekommen, es lag bestimmt nicht nur daran.

    Als ich mit dem Trinken aufgehört habe war ich erst mal so isoliert, dass ich die ersten Wochen und Monate (ich denke es waren wirklich Monate) keine Gelegenheit hatte, versehentlich an Alkohol zu geraten. Also z. B. so wie es Rina mit dieser Torte passiert ist. Ich war entweder in der Arbeit, oder aber zuhause (beschäftigt mit mir und meinen Gedanken) oder ich war in meiner Gruppe. Natürlich traf ich mich mal mit Familie (zum Reden), mit ganz engen Freunden bzw. meinem besten Freund (zum Reden) aber das war's dann im Großen und Ganzen auch schon. Ich ging nicht zu Einladungen o. Ä.

    Trotzdem trieb mich genau dieser Gedanke relativ früh um. Was passiert, wenn du versehentlich mal Alkohol zu Dir nimmst? Ist dann alles im Eimer? Geht dann gar nichts mehr? Kann ich dann wieder von vorne anfangen? In meiner SHG habe ich ja viele Gespräche geführt, also jenseits unserer Gruppensitzungen, die ja (AA) Monologe waren. Da waren einige dabei, die mir von der berühmten Schnapspraline erzählt haben. Da waren auch welche dabei, die mir dringend ans Herz gelegt haben sogar auf Essig zu verzichten. Auf jeden Fall auf Balsamico-Essig, was ich tatsächlich als "Verlust" empfunden habe, weil mir der bei bestimmten Speisen wirklich schmeckt und ich mir da auch gar keine alternative Zubereitung vorstellen konnte. Aber gut, meine Abstinez stand über allem und so verzichtete ich selbstverständlich auch darauf.

    Je länger ich dann ohne Alkohol lebte (wir befinden uns immer noch in den ersten Monaten) desto mehr wuchs in mir die "Angst", ich könnte durch einen Fehler, durch eine Unachtsamkeit ungewollt Alkohol zu mir nehmen. Ich erinnere mich z. B. an ein Ereignis, wo ich meine Frau (von der ich bereits getrennt lebte) besuchte. Wir hatten eine sehr emotionale Aussprache und ich war quasi kurz vor dem (psychischen) Zusammenbruch. Da kam sie mit ein paar Tropfen die mir helfen sollten wieder ruhiger zu werden, wieder stabiler zu werden. Sie kannte sich mit sowas aus und hatte sich schon immer besonders mit Naturheilmitteln beschäftigt. Ich stand dem eher neutral bis skeptisch gegenüber, war jedoch in diesem Moment derart labil und am Ende, dass ich die Tropfen dankbar annahm. Waren vielleicht ein oder zwei Teelöffel voll.

    Kaum geschluckt wurde mir heiß und kalt zugleich. In meinem Kopf war nur ein Gedanke: "Oh Gott, Du hast nicht gefragt ob die mit Alkohol sind!!!!!!". Panik stieg in mir auf, kaum noch zu kontrollieren. Sofort fragte ich sie bereits zitternd (ich dramatisiere das wirklich nicht), ob die Tropfen mit Alkohol sind. Als sie das verneinte (sie wusste ja zu dieser Zeit auch bereits das ich Alkoholiker war) verspürte ich eine unglaubliche Erleichterung.

    Dieses Ereingis hat mich im Anschluss erst ständig und dann immer wieder in regelmäßigen Abständen beschäftigt. Und irgendwann begann ich zu überlegen ob es (bei mir oder für mich) wirklich sein kann, dass mich eine ungewollt eingenommene, äußerst geringe Menge Alkohol (die nicht dazu geeignet ist mir eine Wirkung zu verschaffen) wieder zum Trinken zurück bringen kann. Ich hatte da schon im Kopf, dass es mir bestimmt mal passieren kann oder sogar wird, dass ich z. B. mal einen Apfelkuchen mit Weiswein, einen Rotweinkuchen, einen Eierlikörkuchen oder irgend ein Essen wo irgend ein Alkohol in der Sauce ist erwische. Ohne das ich mich bewusst dafür entschieden hätte, aber trotzdem würde ich ja Alkohol zu mir nehmen, wenn auch in geringen Mengen.

    Mein Verstand, und hier meine ich wirklich meinen selbstbestimmten klaren Verstand, der sagte mir: "Das kann nicht sein, dass du dann rückfällig wirst, dass dich das dann aus der Bahn wirft. Die Menge ist so gering, du hast auch keine bewuste Entscheidung für Alkohol getroffen und wenn du es nicht zufällig erfahren hättest, dann wüsstest du es noch nicht mal."

    Und so kam dann mein Gedankenkarussell mehr und mehr in Gang. Irgendwann habe ich dann ganz bewusst für mich "entschieden", dass mich ein derartiges Ereignis nicht aus der Bahn werfen wird. Das ich es nicht zulasse, dass eine Bratensauce, bei der nicht davon auszugehen war das sie mit Alkohol "verfeinert" wurde, mich aus der Bahn wirft. Wenn ich dann nach dem Essen z. B. erfahre, dass sie Rotwein enthalten hat (oder, sehr beliebt in unsere Region hier auch Bier), dann darf mir das nichts ausmachen. Geht gar nicht.

    Und es kam natürlich wie es kommen musste. Das erste auf das ich traf war ein Apfelkuchen wo die Apfelstückchen vorher in Weiswein eingelegt waren. Beim zweiten Stückchen, wirklich erst beim zweiten, fiel mir plötzlich ein Geschmack auf, der mich irgendwie an Alkohol erinnerte. Und ich fragte bei meiner Gastgeberin nach, denn ich war bei ihr eigentlich im absolut sicheren Terrain. Und ausgerechnet die Frau meines besten Freundes (und auch noch beim ersten Treffen bei ihnen seit ich ohne Alkohol lebte), der mir so viel geholfen hatte um meine Sucht zu überwinden, ausgerechnet sie hatte den Apfelkuchen so gemacht, wie sie ihn halt immer macht. Nämlich mit Weiswein.

    Ich werde ihr Gesicht nicht vergessen, als ich sie fragte ob da Alkohol drin ist. Sie wurde kreidebleich, total verlegen, hat sich geschämt wie verrückt und hat immer nur "oh Gott, oh Gott" gesagt. Und sich allergrößte Vorwürfe gemacht. Mir natürlich sofort den Teller weg genommen damit ich nicht noch weiter esse.

    Und ich? Ich hab' ihr gesagt, dass alles gut ist, und dass sie sich jetzt mal keine Gedanken machen soll. Das es mir nichts ausmachen wird (davon war ich mittlerweile überzeugt) und dass ich aber jetzt natürlich kein Stück mehr esse, weil ich ja jetzt weiß das Alkohol drin ist. Ich bekam dann einen Nusskuchen. Trotz meiner Worte war für sie der restliche Tag gelaufen während ich überhaupt keine Probleme hatte.

    Ich erzähle mal weiter: dieses Erlebnis habe ich dann irgendwann meinem (damals fast) Erwachsenen Sohn erzählt. Auch mit den selbstbewusten Worten "mir passiert da nichts, das weiß ich". Worauf hin wiederum er nervös wurde und mir einen Vortrag gehalten hat, dass es genau wegen so einer Einstellung zu Rückfällen kommen kann. Nach dem Motto "na siehste, Kuchen mit Alkohol und nix ist passiert, bei einem Glas Bier würde bestimmt auch nichts passieren".

    Ich hab dann anschließend wirklich bereut das ich ihm das erzählt hatte, denn ich hab ihm damit ja quasi ein Päckchen Unsicherheit mitgegeben. Während ich selbst überhaupt keinerlei solcher Gedanken hatte. Für mich war da ein Haken dran, schon auch mit dem guten Gefühl, dass ich im Fall eines solchen Falles wirklich ungefährdet bin. Nie wäre ich aber auf die Idee gekommen, jetzt z. B. bewusst einen Rotweinkuchen zu wählen.

    Ich hatte und ich habe in meinem Hirn eine ganz klare Regel und die lautet: Ich entscheide mich niemals bewusst für Alkohol, auch nicht wenn er verkocht oder verbacken ist oder in Medikamenten. Ich weiß aber auch, dass es mich im Fall der Fälle nicht weiter beschäftigt.

    Und so gab es dann immer wieder interessante Situationen. Als ich z. B. wieder mit dem Laufen begann (und am Anfang von einem Muskelkater zum nächsten wanderte), da kam mir der Franzbrandtwein in den Sinn, den ich früher ab und an in solchen Situtionen genutzt hatte. Auch hier kam sofort: "ACHTUNG, Alkohol, riecht ganz stark, verdunstet, ist hochprozentig, gelangt über die Haut in den Körper.... Und dann nach und nach die Gedanken: "Du hast nie im Leben Franzbrandtwein getrunken, er hatte in deinem Leben mit Alkohol überhaupt keine Bedeutung (weil ich da ja gar keinen Sport mehr gemacht habe), er wurde von dir eigentlich überhaupt noch nie mit Alkohol in Verbindung gebracht. Wo ist jetzt dein Problem?"

    Trotzdem kostete es mich Überwindung die erste Flasche zu kaufen und es kostete mich auch Überwindung ihn das erste mal anzuwenden. Ich hätte das auch lassen können, denn im Grunde bringt es eh nicht viel. ABER, ich wollte das tun, weil mein Hirn mir sagte: "Lass mal bitte die Kirche im Dorf und verteufel jetzt nicht auch noch den Franzbrandtwein". Das gleiche dann übrigens auch was den Essig betrifft.

    Ich glaube, das habe ich weiter oben schon mal geschrieben, da findet ganz viel in unserem Kopf statt. Unser Kopf und unsere Gedanken spielen hier eine große Rolle. Nur ist es eben so, dass jeder Kopf ein andere Kopf ist und jede Gedanken andere Gedanken sind.

    Somit kann ich auch hier nur wieder sagen: Für mich ist das so ok, ich konnte das so mit mir "vereinbaren" - andere könnten daran grandios scheitern. Sie haben einen anderen Kopf und andere Gedanken.

    Was ich noch dazu sagen möchte, was mir auch ganz wichtig ist (auch an Paul gerichtet, falls er hier jemals wieder lesen sollte): Besonders am Anfang eines Suchtausstiegs ist man m. E. immer gut beraten eher den "konservativen" Weg zu gehen und Alkohol (inkl. Triggerereingnisse) zu meiden, und zwar absolut und vollumfänglich. Für manche ist es gut das immer so zu machen, auch später. Andere merken oder spüren im Laufe der Zeit, dass bestimmte "Dinge" (wieder) möglich sind. Dass sie z. B. ohne Probleme auch ein alkoholfreies Bier genießen können (weil es ihnen wirklich schmeckt), dass sie vielleicht auch nicht auf Alkohol in Saucen oder sonstigen Speisen achten müssen, etc.

    Es ist auch hier, wie eigentlich in allen Bereichen dieser Krankheit, eine sehr individuelle Angelegenheit.

    LG
    gerchla

    Also ich bin jetzt auch keiner, der grundsätzlich die Keule raus holt wenn jemand z. B. alkoholfreies Bier trinkt. Ich habe in meinen Bekanntenkreis eine Alkoholikerin die immer alkoholfreies Bier trinkt wenn sie irgendwo auswärts zum Essen geht. Und sie kann sogar Alkohol "essen", sprich, wenn sie z. B. Magenprobleme hat kann sie irgend ein Alkozeugs von dem sie glaubt es würde helfen auf ein Stück Zucker träufeln und diesen dann essen. Und natürlich kann sie auch z. B. Kuchen mit Alkohol essen, also auch wenn dieser nicht verbacken ist.

    Also alles was diese Frau so "kann" oder macht würde bei manch einem die Alarmglocken läuten lassen. Sie ist aber schon über 10 Jahre trocken und da sie in meinem engeren Umfeld unterwegs ist kann ich sagen: Sie trinkt wirklich nicht mehr und sie macht mir auch nicht den Eindruck als wäre sie gefährdet wieder anzufangen.

    Für mich ist sie ein Beispiel, dass hier ganz viel in unserem Hirn statt findet. Ich meine, wir wissen ja z. B. auch, dass Alkohol (Magenbitter oder what ever) gar nichts hilft bei Magenproblemen sondern eher das Gegenteil bewirkt. Sie glaubt es aber immernoch und tropft sich das Zeug dann auf ein Stück Würfelzucker weil sie weiß, dass sie Alkohol essen kann, jedoch nicht mehr trinken. Eigentlich absurt, unlogisch und bringen tut es obendrein auch nichts. Aber des Menschen Wille oder auch Glaube ist sein Himmelreich.

    Zum Verständnis möchte ich noch dazu sagen, dass sie das natürlich nicht jeden Tag macht. Es kommt sehr selten vor, eben dann wenn sie mal meint es könnte was bringen. Ansonsten lebt sie wirklich komplett alkoholfrei. Faszinierend ist bei ihr auch, dass sie bis heute ablsolut nichts, also wirklich gar nicht reflektiert / hinterfragt / oder aufgearbeitet hat. Wirklich gar nichts. Wenn man sie darauf hin anspricht, dann entschuldigt sie ihren Konsum (sie trank sehr lange und es war wirklich für ihre Familie inkl. Kinder mehr als unlustig) damit, dass sie es anders nicht ausgehalten hätte und trinken musste. Weil, Schuld hatten ja x und y und z. Punkt!

    Also sie hat einfach das Gegenteil von dem gemacht, was ich hier immer als meinen Weg beschreibe. Bewuststein entwickeln, sich darüber im klaren werden warum man getrunken hat, aufarbeiten, Trinkgründe beseitigen, etc. Alles was ich immer so von mir gebe spielt bei ihr überhaupt keine Rolle. Inklusive der Geschichte mit dem "Alkohol essen" können. Wir brauchen dann natürlich gar nicht darüber reden, dass sie überhaupt kein Problem damit hat, mit anderen Trinkenden zusammen zu sitzen. Und mit Trinkenden meine ich jetzt aber RICHTIG Trinkende. Sie hat kein Problem bei einer Feier, wo es auch feuchtfröhlich wird, dabei zu sein. OHNE selbst zu trinken.

    Sie ist für immer ein Beispiel dafür, dass es bei unserer Krankheit nichts gibt, was es nicht gibt. Ich möchte nochmal versichern, dass sie nach allem was ich weiß und auch selbst erlebt habe, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf jeden Fall eine Alkoholikerin ist. Alles was diese Frau gemacht hat, war sich vor vielen Jahren im Suff die Schulter zu brechen (und dabei hatte sie noch Glück) um sich dann zu schwören, nie mehr Alkohol zu trinken. Und diesen Schwur bricht sie nicht. Spricht man sie darauf an, dass sie Alkohol zu sich nimmt, z. B. wenn sie was isst wo das Zeug drin ist, dann antwortet sie lapidar: Ich habe geschworen nie mehr Alkohol zu TRINKEN und ich weiß, dass ich ihn essen kann und mir das nichts aus macht. Ich fange deswegen sicher nicht wieder mit dem Trinken an.

    Tja, war jetzt mal ein kleiner Exkurs. Diese Frau ist für mich ein Studienobjekt das mir immer wieder zeigt, dass man (ich) im Bezug auf unsere Krankheit nicht schwarz / weiß denken kann.

    Wobei ich jedoch trotzdem felsenfest davon überzeugt bin, dass bei der überwiegenden Mehrheit der Alkoholikern der Weg dieser Frau komplett schief gehen würde. Sie ist aus meiner Sicht nicht der Standard sondern eine absolute Ausnahme. Und es ist eben wichtig, sich nicht solche "Vorbilder" zu nehmen (wenn man solche kennt), also nach dem Motto: Na bei der geht das doch auch, warum soll das bei mir nicht gehen?

    Was mich betrifft: Ich trinke kein alkoholfreies Bier und auch sonst keine alkoholfreien Varianten von etwas, was man eigentlich mit Alkohol in Verbindung bringt. Auch Medikamente, Mundwasser, etc. enthält bei mir keinen Alkohol. Wo es sich vermeiden lässt da vermeide ich es. Das hat aber nichts mit panischer Angst zu tun sondern entspricht einfach meiner Lebenseinstellung ein Leben ohne Alkohol führen zu wollen und was alkoholfreie Varianten von Bier, Wein, etc. betrifft: hat mir nie geschmeckt. Ich bin sicher, dass mich ein Mundwasser mit Alkohol nicht triggern würde.

    Natürlich hatte ich den letzten Jahren auch immer mal was mit Alkohol "erwischt", meist im Lebensmittelbereich. Einen Kuchen z. B., das kommt vor. Wenn ich vorher weiß, dass der mit Alkohol ist, dann esse ich ihn nicht. Wenn mir aber der Bäcker (oder die Bäckerin) das erzählt während ich gerade ein Stückchen verspeise, dann renne ich nicht panisch auf die Toilette und spuck den Kuchen aus, sondern dann esse ich den einfach zuende. Weil ich weiß, dass mir nichts passieren wird. Selbst als ich mal eine Schapspraline erwischt habe (welche einfach verdammt nach einem harmlosen bekannten Schokokonfekt aussah) habe ich diese einfach gegessen, ohne das ich darüber in Panik verfallen wäre.

    Bei anderen kann das ganz anders sein, deshalb respektiere ich hier jede andere Verhaltensweise. Hier muss jeder selbst wissen was geht und was nicht. Wobei ich mir immer denke, gerade wenn es um so Geschichten wie z. B. alkoholfreies Bier geht: Darüber sollte man eigentlich erst nachdenken, wenn man mal längere Zeit ohne Alkohol gelebt hat. Am Anfang geht es doch erst mal darum die Sucht zu überwinden und nicht darum sich damit zu beschäftigen, ob man jetzt alkoholfreies Bier (oder Gin) trinken kann, will, soll.

    LG
    gerchla

    Hallo Charlotte,

    schön das Du Dich wieder bei uns gemeldet hast.

    Ich glaube Du hast jetzt die richtigen Schritte eingeleitet. Gut, dass Du nicht mit Deinem Leben spielst und Dich in professionelle Hände begibst. Ich kann mir vorstellen, dass da jetzt ziemlich viel in Deinem Kopf herum geht. Und ich kann das sowas von verstehen!

    Ich möchte Dir sagen: Hab einfach mal vertrauen. Jetzt erst mal die Entgiftung, das ganze in der Klinik und damit bist Du erst mal sicher.

    Danach geht es um die eigentliche Sucht, also Deine psychische Abhängigkeit. Wenn Du es wirklich willst, wenn Du wirklich weg willst von dem Zeug, dann kannst Du das auch schaffen. Du hast bereits einen Termin bei der Suchtberatung, das ist ganz hervorragend. Öffne Dich dort, sprich über Deine Sucht, Deine Ängste über das was Dich bewegt. Macht zusammen einen Plan, wie es weiter gehen könnte.

    Und vor allem: Hab keine Angst, vertraue! Vertraue darauf das es gut werden wird, und zwar dann, wenn Du bereit bist alles für ein Leben ohne Alkohol zu tun. Damit meine ich einfach nur offen sein für die Hilfsangebote die es gibt, bereit sein Hilfe anzunehmen, sie zu suchen. Erst mal nichts ausschließen sondern probieren. Eine Selbsthilfegruppe könnte Dir auch sehr gut helfen, gerade auch am Anfang, wenn Du noch unsicher bist und Dir vielleicht auch alleingelassen vorkommst. Aber das bist Du nicht.

    Und wir sind ja auch noch da. Kommuniziere mit uns. Wir helfen wo wir können indem wir Dir schreiben was wir selbst erlebt haben, was wir denken, was unsere Erfahrungen sind.

    Ich drücke Dir jedenfalls die Daumen und wünsche Dir, dass Du gut durch die Entgiftung kommst und dann Deinen Weg weiter gehen kannst. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du hier bleibst und Deine Erfahrungen mit uns teilst. Wir begleiten Dich gerne.

    LG
    gerchla

    Also das kommt bei mir heute quasi nicht mehr vor, weil mittlerweile auch meiner erweiterter Bekanntenkreis weiß, dass ich nie Alkohol trinke.

    Wenn ich heute geschäftlich irgendwo bin wo Alkohol gereicht wird, dann sage ich einfach, was ich stattdessen gerne hätte. Das wird i. d. R. auch nicht hinterfragt.

    Ansonsten habe ich immer gesagt: "Danke, iaber ch trinke keinen Alkohol", oder "Nein danke, ich trinke keinen Alkohol".

    Ich kann mich nicht erinnern, dass sich da jemand dann "getraut" hätte zu fragen: Warum?

    Wobei ich dazu sagen muss, dass ich meinen engeren Freundeskreis eingeweiht hatte. Die hätten sicherlich "warum" gefragt. Aber die wussten ja ohnehin Bescheid.

    Und bei allen die im Laufe der Jahre neu dazu kamen war und bin ich einfach immer der, der keinen Alkohol trinkt. Ganz normal, nichts besonderes.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Sonnenkäfer,

    schön das Du mal wieder von Dir berichtet hast. Und ganz toll, dass Du nun schon über 3 Wochen ohne Alkohol lebst.

    Ich möchte Dir einfach ein paar Gedanken zu unterschiedlichen Themen von Dir da lassen:

    Zitat

    In emotionalen, problematischen Belangen ist meine Mutter kein sehr empathischer Gesprächspartner.


    Das kenne ich von meinen Eltern auch. Besonders von meinem Vater. Außer meinem Outing ganz am Anfang, wo ich ihnen sozusagen gar keine Chance ließ und ihnen einfach eröffnete was bei mir Sache war, konnte ich kein ernsthaftes Gespräch mehr über dieses Thema mit ihnen führen. Und selbst diese erste und im Grunde einzige Gespräch war eher ein Monolog meinerseits. Wobei ich fairerweise dazu sagen muss, dass mir das damals gar nicht so unrecht war, denn es war einfach eine Wahnsinnsherausforderung für mich gewesen mich ihnen gegenüber zu öffnen. Auch wenn ich zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise darüber nachdacht hatte es nicht zu tun war ich doch froh, als es raus war und auch als es vorbei war.

    Später jedoch hätte ich mir schon häufiger mal gewünscht, dass ich mit ihnen über meine Sucht und mein neues Leben sprechen könnte. Aber alle Versuche meinerseits scheiterten. Es lag m. E. nicht an fehlender Empathie, nein ich denke sogar, dass sie sich Wahnsinnssorgen und Gedanken um mich gemacht haben. Und ob ich das schaffen werde und was meine Trennung jetzt für mich und meine Kinder bedeuten würde usw. Ich denke sie haben sich sehr viele Gedanken gemacht. Nur sprechen konnten sie darüber nicht, schon gar nicht mit mir... Tja, und genau das war es auch, was ich selbst als "Bündel" durch meine Kindheit, meine Erziehung mitbekommen hatte.

    Und im Grunde habe ich in meiner Beziehung genauso gelebt. Habe auch immer so getan, als ob alles prima wäre, wollte Probleme nicht sehen, etc. Und hab am Ende dann auch den Alkohol dazu hergenommen die auch dadruch entstehenden Belastungen zu kompensieren.

    Selbst heute, wo ich viele Jahre ohne Alkohol lebe und mein Leben schon lange wieder in "geordneten" Bahnen verläuft, wo alle Beteiligten im Grunde so gut es irgend möglich war aus dieser schlimmen Zeit heraus gegangen sind und ich sogar zu meiner ersten Frau wieder ein gutes Verhältnis habe, sie nach wie vor auch Teil unserer Familie ist, können meine Eltern mit mir nicht reden. Nicht darüber.

    Das hat mich lange beschäftigt. Mittlerweile habe ich aber meinen Frieden schließen können. Ich kann es akzeptieren und ich kann es, wenn ich mir die Geschichte meiner Eltern ansehe, sogar verstehen. Und ich erkennte heute kleine Gesten die mir zeigen wie sie wirklich fühlen. Wie sie auch mir gegenüber fühlen. Es ist alles gut.

    Ich weiß nicht wie es bei Deiner Mutter ist. Vielleicht hat sie auch einfach nur Angst, vielleicht bezieht sie Deine Probleme auf sich, auf ihre Erziehung. Vielleicht gibt sie sich die Schuld dafür und will deshalb erst gar nicht darüber reden, es nicht wahr haben. Lass es bei ihr und kümmere Dich erst mal um Dich und Deine Abstinenz. Später, wenn Du mal gefestigt ohne Alkohol lebst, wirst Du die Kraft haben auch diese "Baustelle" für Dich abzuschließen.

    Zitat

    Mich mit Freunden abends zu treffen, ob außer Haus oder bei uns traue ich mir noch gar nicht zu.


    Ich finde das absolut nicht schlimm. Ich meine, wir reden jetzt gerade von 3 Wochen ohne Alkohol. Das ist einerseits eine sehr lange Zeit auf die Du stolz sein kannst, die Du Dir erarbeitet hast, andererseits sind es aber auch einfach nur 3 Wochen, also eine Zeitspanne die so kurz ist, dass man (Du) nicht erwarten kann bereits gefestigt im neuen Leben steht.

    Ich habe es ja schon oft geschrieben, bei mir dauerte es etwa ein Jahr bis ich mit dem Gröbsten durch war, bis ich das Gefühl bekam, da ist jetzt was ganz großen in meinem Leben passiert, da hat sich jetzt etwas richtig und dauerhaft verändert. In dieser Anfangszeit habe ich auch alles gemieden was mir gefährlich hätte werden können. Und ehrlich gesagt hatte ich auch gar kein Bedürfnis mich in Gefahr zu begeben. Ich hatte gar keine Lust auf Feiern und die wenigen "offiziellen" Anlässe habe ich mit einem sehr gut vorbereiteten Notfallplan überstanden. D. h. ich hatte mich immer aktiv auf mögliche Situationen, Gefahren vorbereitet und war immer bereit (sozusagen bewusst ins Gehirn gemeiselt), notfalls die Veranstaltung sofort zu verlassen. Meine Abstinenz war mir heilig, ging über jede Freundschaft, über jedes Pflichtgefühl, etc. und das ist auch heute noch so. ABER: ich will auch sagen, dass ich nie in die Situation kam einen dieser Pläne so richtig anwenden zu müssen. Meist war es so, dass all die Ängste und die Gedanken darüber, was da jetzt alles passieren könnte nicht eintrafen.

    Ich glaube da hat mir eine klare Kommunikation sehr geholfen. "Ich trinke keinen Alkohol" - einer meiner Standardsätze, anfangs auch "keinen Alkohol mehr". Kaum einer fragte mich nach dem Warum. Und wenn, dann bekam er eine Erklärung. Mir nahestehenden Menschen hatte ich ohnehin die absolute Wahrheit erzählt, entfernteren Freunden oder Bekannten sagte ich meist (sinngemäß): "Ich habe in der Vergangenheit sehr viel Alkohol getrunken. Und stand einfach vor der Entscheidung entweder so weiter zu machen oder etwas zu verändern in meinem Leben. Und ich habe mich dazu entschieden mein Leben künftig ohne Alkohol zu leben".

    Ich kann mich nicht erinnern, dass mich daraufhin irgendjemand mal gefragt hätte, ob das bedeutet das ich Alkoholiker bin. Tja, es ist eben ein sehr heikles Thema und viele Menschen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

    Zitat

    Ich habe jetzt schon den meisten gesagt, das ich eine Trinkpause mache (und damit viele belustigt glaube ich) aber nicht gesagt wie lange diese dauern soll, geschweige denn das es eigentlich für immer sein soll.


    Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass das ein Fehler ist, was Du da machst. Ich möchte Dir aber sagen, dass ich offensiv damit umgegangen bin. Nach 3 Wochen wussten es bei mir auch nicht nicht alle relevanten Personen. Da wusste es "nur" mein engerer Familienkreis. Aber nach und nach sprach ich dann auch mit allen anderen wichtigen Menschen. Also Freunde z. B. - ich wollte mir von Angang an hier kein Hintertürchen offen lassen. Und ich bin heute sehr froh, dass ich es geschlossen habe. Das hat mir in der Folgezeit auch viel an Gedanken (wie Du sie Dir jetzt z.B. machst) und Erklärungen erspart. Und meine guten Freunde blieben mir, die meisten brachen weg, jedoch hauptsächlich bedingt durch die Trennung von meiner Frau. Deren "beigebrachter" Freundeskreis ging mir sozusagen komplett verloren, sie "hielten" sozusagen zu meiner Frau. Was ich auch verstehen kann.

    Im Laufe der Zeit kamen auch neue Freundschaften oder einfach auch gute Bekanntschaften hinzu. Und bei diesen neuen war dieses ganze Thema Alkohol überhaupt nie ein Thema. Sie kannten mich ja nur so wie ich jetzt war. Der Typ der keinen Alkohol trinkt, warum auch immer. Hier wiederum wissen diejenigen mit denen ich mittlerweile enger befreundet bin Bescheid, andere nicht. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für andere i. d. R. nicht wichtig oder interessant ist, warum man selbst jetzt keinen Alkohol trinkt. Es ist einfach so wie es ist und gut.

    Zitat

    In zwei Wochen habe ich mit einer Freundin abends zum Essen verabredet, das wird dann meine erste Feuertaufe.


    Da möchte ich Dir ein Stück aus meinem Leben erzählen. Und zwar wie das Outing gegenüber meinem besten Freund verlief, der mir später dann durch viele Gespräche sehr geholfen hat.

    Wir hatten uns Monate nicht gesehen (logisch, ich hatte ja alles vernachlässigt). Ich rief ihn an und wir vereinbarten ein Treffen in dem Ort in dem wir beide arbeiteten in einem Cafe. Ich sagte nur, ich müsste mal mit ihm reden. Er freute sich mich endlich mal wieder zu treffen.

    Ich kam ein paar Minuten zu spät, er war schon da. Er hatte bereits für sich bestellt und vor ihm stand ein Glas Bier. Ganz normal, wie das eben war wenn wir uns irgendwo getroffen haben. Ich kam dazu und bestellte, ich weiß es noch, eine Apfelschorle. Er machte keine Sprüche oder so, denn er selbst hatte kein Alkoholproblem und somit auch keinen Grund einen blöden Spruch zu machen. Ich sagte zu ihm: "Zuallererst muss ich Dir was sagen, ich bin Alkoholiker" - Bäääähm. Das hatte gesessen. Danach kam "und ich habe mich von meiner Frau getrennt" - Bäääähm, das hatte wieder gesessen. Ich erinnere mich noch, dass er mir richtig leid getan hat, weil das erste was er verlegen zu mir sagte war "wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mir kein Bier bestellt". Ich antwortete: "trink Dein Bier, ich habe ein Problem, nicht Du".

    Wir haben dann lange geredet und er hat sich als nächstes natürlich kein Bier mehr bestellt. Hätte er ohnehin nicht aber vielleicht hätte er sich ein alkohlfreies gegönnt. Aber auch das ließ er bleiben. Wir redeten und er ging nachdenklich nach Hause als ich (kann ich so sagen, weil wir später viel über diese Situation gesprochen haben). Seither hat er in meiner Gegenwart nie mehr einen Tropfen Alkohol getrunken. Obwohl ich ihm ausdrücklich gesagt habe, mehrmals, dass das längst kein Problem mehr für mich ist. Nein, er selbst hat sogar aufgrund meiner Geschichte angefangen sich selbst zu hinterfragen. Und seine gelegentlichen Feierabendbierchen komplett eingestellt. Wobei er aus meiner Sicht wirklich keinerlei Suchtpotenzial gehabt hat.

    Naja und heute ist er ein sehr guter Ausdauersportler, was auch aus dieser Veränderung heraus resultierte, wie er mir selbst sagte: "Deine Geschichte hat mein Leben verändert".

    Also, liebe Sonnenkäfer, wenn Du Dich wirklich mit einer echten Freundin triffst, dann sei offen und ehrlich. Alles andere bedeutet nur Stress und Stress ist das, was Du am wenigsten brauchen kannst.

    Zitat

    Und vielleicht tatsächlich mal ein Jahr. Für immer nichts mehr zu trinken macht mir immer noch etwas Angst.


    Ich lebe mittlerweile aus Überzeugung ohne Alkohol. Es ist mir eine Art Lebensphilosophie geworden, wie bei anderen, die z. B. vegetarisch oder vegan leben, oder zuckerfrei oder was auch immer.
    Die Frage, ob ich in 10 oder 20 Jahren immernoch ohne Alkohol leben werde, die stellt sich mir gar nicht. Denn die Antwort wäre einfach nur: keine Ahnung. Ich weiß es nicht und es ist auch nicht wichtig. Ich lebe jetzt und nicht in 20 Jahren. Ich lebe auch nicht in einem oder in zwei Jahren, oder in fünf. Nein, ich lebe jetzt. Und da lebe ich ohne Alkohol weil es mir so gut damit geht und ich keinen Sinn mehr in Alkohlohl finden kann.

    Es wird Dir oder mir auch niemand sagen können, ob jemand der bis heute kein Alkoholproblem hat in 20 Jahren auch keines haben wird. Das ist jetzt auch nicht wichtig. Wichtig ist immer der Augenblick, das Jetzt. Was jetzt nicht heißt, das ich mir keine Gedanken über meine Zukunft mache oder mich nicht absichere etc. Aber ich lebe nicht so, dass ich jetzt nur noch an meine (mögliche) Zukunft denke. Es gibt so viele Beispiele von Menschen, die nur auf z. B. die Rente hin leben und arbeiten. Und diese dann gar nicht erreichen, oder aber krank werden oder aber kurz nach erreichen versterben. Und ja, es gibt auch die, die es dann krachen lassen, die sich die geplanten Träume noch verwirklichen. Aber von denen die ich kenne sind das alles Menschen, die immer im Jetzt gelebt haben, sozusagen bis zum Ende.

    Zitat

    Und manchmal kommen auch die Stimmen die mir sagen, wenn ich es doch jetzt schon so viele Tage geschafft habe, kann ich ja gar kein Alkoholiker sein.


    Ja, diese Stimme war bei mir der Grund, weshalb ich einige Trinkpausen beendet habe. Meist so nach 2 - 3 Wochen. Wenn Du diese Phase überwunden hast, wenn Du merkst, dass Du die Wirkung des Alkohols (und nur darum geht es ja im Grunde) nicht mehr brauchst, sie dann auch nicht mehr suchst, dann wird das besser werden. Aber das kann schon einen Moment dauern, sei nicht ungedultig. Bleib konsequent, lass Dich von dieser Stimme nicht täuschen. Sie lügt. Wenn Du wieder anfängst, dann geht alles wieder von vorne los. So ist das einfach.

    Stell Dir auch einfach immer wieder die Frage, was Du jetzt davon hättest, wenn Du "ein Glas" trinken würdest. Was wäre dann besser als es jetzt ist? Und wenn Du nicht bei diesem einen Glas bleiben kannst, wovon Du ausgehen musst, was wird dann wohl passieren? Genau, innerhalb kürzester Zeit bist Du wieder dabei. Du gibst Deine Freiheit, die Du gerade am zurückgewinnen bist wieder auf und lässt den Alkohol wieder den Takt vorgeben. Schön benebelt, schön betäubt, jedoch einfach nicht echt und auf die länge gesehen vernichtend und fatal. Die Quittung bekommst Du am Schluss.

    Es gibt da ja einen recht bekannten Spruch oder eine recht bekannte Weisheit, die man mir damals auch gleich bei den AA erzählt hat. Ungefähr so: "Nimm Dir jeden Tag vor immer das erste Glas stehen zu lassen. Immer nur heute! Immer nur heute lässt Du das erste Glas stehen. Was morgen ist, ist uninteressat. Du lässt immer nur heute das erste Glas stehen" - Wenn man so denkt oder denken kann, dann hilft das enorm diese Angst vor dem "nie mehr Alkohol trinken dürfen" zu überwinden.

    So, jetzt war's doch wieder viel von mir. Auch wenn ich ab und an etwas vom Thema abgekommen bin hoffe ich einfach, dass Du was für Dich mitnehmen kannst, das Dir hilft Deinen Weg weiter zu gehen.

    LG
    gerchla

    Hallo Rob,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich auch mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Ich muss sagen:
    Die wenigen Zeilen die ich jetzt von Dir gelesen habe klingen ziemlich verzweifelt. Dein Nikname "SrgtDead" tut sein Übriges dazu....

    Kannst Du uns erklären was Discord bedeutet? Ich kenne dieses Wort nur aus dem Englischen und da bedeutet es "Zwietracht". Meinst Du vielleicht, dass Du nach einem Diskurs suchst?

    Also diskutieren kann man hier im Forum ganz wunderbar. Jedoch kann es schon mal einen Moment dauern, bis man Antwort erhält. So wie Du schreibst leidest Du ja unter akuten Suchtdruck. Und ich weiß jetzt nicht, ob Dir hier ein Forum ganz schnell und zu dem Moment wo Du es brauchst helfen kann.

    Viel besser geeinget wäre hier meiner Meinung nach eine analoge SHG, also eine reale sozusagen. Denn dort gibt es Menschen, die man evtl. auch mal außer der Zeit einfach anrufen kann, wenn man gerade in akuter Not ist. So kenne ich das zumindest aus der SHG in der ich war. Nicht jeder wollte das, aber es gab schon einige die gesagt haben "Du kannst Dich jederzeit bei mir melden".

    Ich nehme jetzt aber mal an, dass Deine Sozialphopie und vielleicht auch Deine sonstige körperliche Verfassung den Besuch einer SHG nicht zulassen?

    Hast Du sonst nicht vielleicht eine Bezugsperson (außer Familie) die Du z. B. anrufen könntest, wenn Du gerade ganz akuten Suchtdruck verspürst? Einen anderen trockenen Alkoholiker vielleicht der bereit ist dann mit Dir sprechen?

    Ansonsten geht es mir ähnlich wie Greenfox. Ich werde nicht ganz schlau was denn nun genau Deine Intention ist. Man kann sich hier im Forum zu den unterschiedlichsten Themen (i. d. R. natürlich immer den Alkohol oder die Sucht betreffend) austauschen und sich die Meinungen anderer Teilnehmer einholen. Genau dazu ist ja so ein Forum da. Dazu eröffnet man ein Thema und gibt dem selbigen erst mal etwas "Futter". Sprich, man berichtet über sich, was einen umtreibt und was man gerne diskutieren möchte. Normalerweise ergibt sich dann der "Rest" von selbst.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du Deinen akuten Suchtdruck widerstehen und überwinden kannst. Und dass Du es schaffst, trotz all der körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen die Du durch die Sucht erlitten hast, Deine Verzweiflung zu überwinden. Reden und Austauschen kann hier viel helfen und es kann einem auch sehr viel geben. Also schau doch mal, ob Du Dich hier wohl fühlst und ob das hier die richtige Plattform für Dich ist. Ich wünsche es Dir jedenfalls.

    Alles Gute und

    LG
    gerchla

    Hallo Sophie,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt und selbst Alkoholiker, trinke jetzt aber glücklicherweise schon länger keinen Alkohol mehr.

    Ich möchte mal ganz pragmatisch auf Deine Fragen eingehen:

    Zitat

    Oder wie ich es besser ansprechen kann, dass er es mal akzeptiert?


    Du hast ihn ja bereits angesprochen, wenn ich das richtig gelesen habe. Er hat reagiert wie ein typischer uneinsichtiger Alkoholiker halt so reagiert. Da erfüllt er mit seinen Reaktionen voll die klassischen Reaktionsmuster.
    Wenn Du ihn darauf noch einmal ansprechen möchtest, dann solltest Du ganz klare Botschaften senden. Sag ihm wie Du die Situation siehst, sag ihm was Du erwartest und sag ihm was Du tun wirst, wenn er diese Erwartungen nicht erfüllt. Und das alles ohne Vorwürfe und ganz ruhig und sachlich. WICHTIG: Kündige nichts an was Du nicht halten kannst oder willst und halte anschließend aber auch alles ein was Du angekündigt hast. Falls er die von Dir vorgegebenen Grenzen und Regeln nicht einhalten sollte, wovon Du ausgehen solltest.

    Zitat

    Habt ihr einen Tipp für mich wie ich weiter vorgehen soll?


    Versuche Dir darüber klar zu werden, was Du Dir wert bist. Und versuch Dir darüber klar zu werden, was Dein Leben Dir wert ist. Versuche Dein Denken auf Dich und Deine Bedürfnisse zu fokussieren und nicht auf seine. Versuche zu lernen und zu verstehen, dass er für sein Leben selbst verantwortlich ist und dass er so viel und so lange trinken kann wie er das möchte. Es ist seine Entscheidung, nicht Deine. Versuche zu akzeptieren, dass Du auf sein Trinkverhalten keinerlei Einfluss hast, spätestens dann nicht mehr, wenn er trotz Deiner geäußerten Wünsche einfach weiter trinkt und nichts verändert. Und wenn er aufgrund Deiner Intervention etwas verändert was er aber nur mit Mühe und auch nur kurze Zeit durchhält, dann versuche zu verstehen, dass er ein süchtiger Trinker ist, dem von außen (also auch durch Dich) nicht geholfen werden kann. Versuche zu verstehen, dass nur ER SELBST etwas gegen seine Sucht unternehmen kann.

    Und dann überlege Dir, ob Du Dein Leben längere Zeit oder dauerhaft an der Seite eines Alkoholikers verbringen möchtest. In dem Wissen, dass Du niemals einen Einfluss auf seinen Konsum haben wirst. Egal was Du tust, egal wie Du Dich verhälst. Und wenn Du zu der Erkenntnis kommen solltest, dass Du das alles nicht möchtest, dass Du ein selbstbestimmtes und freies Leben führen möchtest, dass Du ein zufriedenes und glückliches Leben führen möchtest, dann setze alle Hebel in Bewegung, dass Du dieses Ziel erreichen kannst.

    D. h. dann, Du holst Dir Hilfe von außen. Vielleicht in einer SHG für Anghörige, vielleicht eine gute Freundin, ein Freund, vielleicht auch ein Psychologe (könnte sein das Du Probleme mit Co-Abhängigkeit hast). Egal was Du tust, es sollte dabei immer um DICH und nicht um ihn gehen. Dein Leben, Deine Verantwortung - sein Leben, seine Verantwortung. Am Ende musst Du eine Entscheidung für DICH treffen. Wenn Du mit der aktuellen Situation (und mit der Wahrscheinlichkeit, dass es wohl noch schlimmer werden wird) leben kannst und leben willst, dann steht es Dir selbstverständlich frei so weiter zu machen. Wenn nicht solltest Du aber nicht auf ein Wunder hoffen sondern selbst aktiv werden.

    Das waren jetzt mal zusammen gefasst meine Gedanken. Ich weiß auch, dass das alles leicht daher geredet ist. Besonders dann, wenn Du tatsächlich in eine Co-Abhängigkeit gerutscht sein solltest. Es ist leider so, wenn Du nichts tust, wenn Du glaubst Du könntest ihn heilen, Du müsstest nur lange genug durchalten, Du hättest irgendwas in der Hand, dann könnte das in eine lange Leidenszeit führen. Versuch das nicht zuzulassen, das hast Du sicher nicht verdient. Lies Dir die Geschichten anderer Angehöriger hier durch. Im Grunde ähneln sich sowohl die Geschichten als auch die Wege heraus aus diesen kranken Beziehungen.

    Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir alles alles Gute für Deine Zukunft. Und Deinem Partner wünsche ich, dass er vielleicht doch irgendwann selbst erkennt, dass er gerade sein Leben weg wirft.

    LG
    gerchla

    @ Benno
    Paul war das letzte mal am 11. April hier angemeldet...., leider. Was mit ihm ist wissen wir natürlich nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass sein Alkoholersatzgin-Experiment schief gelaufen ist. Wobei ich ihm das wirklich nicht wünsche, sondern ich wünsche ihm das er glücklich und zufrieden ohne Alkohol lebt und uns nicht mehr braucht und deshalb nicht mehr schreibt.

    Ich befürchte aber das Gegenteil. Aber vielleicht meldet er sich ja irgendwann mal wieder hier und berichtet von seinen Erfahrungen. Kommt immer wieder mal vor das jemand nach langer Zeit wieder hier aktiv wird.

    LG
    gerchla

    Hallo Benno,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du Dich entschlossen hast aktiv zu schreiben.

    Ich stelle mich kurz vor: 50 Jahre, Alkoholiker, jetzt schon lange ohne Alkohol lebend. Vorher trank ich über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich.

    Du hast ja bereits hier mitgelesen, wahrscheinlich weißt Du eh schon Bescheid.

    Dein Spruch gefällt mir übrigens sehr gut. Nur auf Veränderung zu hoffen reicht nicht aus. Man muss selbst etwas tun. Und das trifft ja sowohl auf Alkoholiker zu die weg vom Alkohol wollen als auch auf Angehörige, die ihr Leben (und Leiden) mit einem Alkoholiker verändern möchten.

    Ich freue mich auf einen interessanten Austausch mit Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Sonnenkäfer,

    Du bist gerade dabei Deinen Weg zu finden. Ich würde an Deiner Stelle jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen sondern weiter kämpfen. Weiter versuchen den eingeschlagenen Weg zu gehen, vielleicht den Weg ein wenig zu korrigieren, wenn Du das Gefühl hast es tun zu müssen. Korrigieren heißt aber nicht wieder trinken. Es heißt z. B. jetzt doch mal ne SHG zu testen, jetzt vielleicht mal sowas ausprobieren wie Susanne Dir vorgeschlagen hat (was tun das Dir Spaß macht, was zum Wohlfühlen), einfach nochmal etwas verändern. Etwas probieren, aber keinesfalls wieder trinken.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das 14 Tag bis zu 3 Wochen bei mir in der "mittlernen Phase" meiner Sucht genau die Zeiträume waren, innerhalb deren ich meine Trinkpausen meist beendete. Mehr als 4 Wochen schaffte ich zu dieser Zeit gar nicht mehr. Meist war's nach etwa 2 Wochen vorbei, paar Tage mehr, paar weniger. Das ganze 3 bis 4 mal im Jahr. Und genau wie Du schreibst ging das auch bei mir am Anfang relativ leicht, mit großer Motivation um nach 10 Tagen, nach 2 Wochen kamen immer mehr die Gedanken es doch mal wieder probieren zu können. Der große Unterschied zu Deiner Situation war bei mir, dass ich mich während meiner Trinkpausen überhaupt nicht mit meiner Sucht beschäftigt habe. Ich habe nichts gelesen und aus sonst nicht tiefer darüber nachgedacht. Ich habe einfach nichts getrunken, weil ich wusste, dass es zu viel war was ich normal in mich hinein schüttete. Und weil ich eben Angst hatte ich könnte abrutschen.
    Ich war ja aber bereits abgerutscht und jede beendigte Trinkpause hat mir im Grunde bestätigt, dass ich nichts mehr im Griff habe. Aber das konnte oder wollte ich dann auch nicht verstehen.

    Also, Du hast jetzt schon viel erreicht. Man kann 14 Tage so oder so sehen. Klar kann man sagen das sind erst 14 Tage, halt mal die Füße still. Das würde ich dann tun, wenn Du überheblich davon schreiben würdest, dass Du schon über den Berg bist. Tust Du aber ja nicht. Und so sage ich: Du hast schon verdammt lange 14 Tage hinter Dir, und das obwohl Du alkoholsüchtig bist. Damit hast Du die ersten wichtigen Schritte in ein neues Leben ohne Alkohol bereits getan. Und jetzt hängst Du die nächsten 14 Tage dran! Und überdenkst mal Deine Strategie, stellst aber niemals Dein abstinentes Leben in Frage. Da Du Dich ja mit Dir und Deiner Sucht beschäftigst tust Du mehr als "nur" nicht mehr zu trinken. Und deshalb läuft die Zeit hier auch für Dich. Geh diesen Weg weiter, ändere etwas, korrigiere, probiere aus, finde Dich und Deinen Weg. Damit hast Du keine Garantie das es funktioniert aber in jedem Fall eine gute Chance.

    Und dazu:

    Zitat

    Mein Mann fragt seltsamerweise überhaupt nicht nach, wie es mir gerade geht. Er ist generell nicht so der Mensch der viel über Gefühle oder Probleme redet, das bin schon immer ich gewesen.


    Ich weiß nicht, ob Du ihm daraus einen Vorwurf machen solltest oder kannst. Du schreibst ja, dass er nicht so der Typ ist der über Gefühle sprechen kann. Und erschwerend kommt hinzu, dass dieses Thema Alkoholsucht für viele Menschen schwer zu greifen ist. Und wenn man etwas nicht greifen, vielleicht auch nicht verstehen kann, dann tut man sich nochmal schwerer damit umzugehen. Vielleicht hat er aber auch einfach nur ganz einfach Angst etwas falsch zu machen, etwas falsches zu sagen oder zu erfahren das Du wieder trinkst oder auch das es Dir unheimlich schwer fällt nicht zu trinken. Weil er nicht weiß was er dann machen soll, was er dazu sagen soll, etc.

    Verstehst Du was ich meine? Ich habe die Erfahrung gemacht das viele Menschen damit gar nicht umgehen können. Bestes Beispiel sind meine Eltern, die das Thema komplett ignorieren. Aber sowas von komplett. Die eigenen Eltern können nicht mit ihrem süchtigen Sohn, der schon jahrelang trocken ist, über dieses Thema sprechen. Kein Wort, keine Silbe. Und wenn ich es anspreche, sehe ich die Panik und die Verzweiflung in ihren Augen weil sie nicht wissen was sie jetzt tun oder sagen sollen. Und sie wechseln dann schnell und meist ungeschickt das Thema....

    Also, vielleicht hilfts ja, wenn Du ganz in Ruhe und ganz offen mit ihm sprichst. Ihm sagst warum Du mit ihm darüber sprechen möchtest, ihn sozusagen hilfst mit dem Thema umzugehen. Ich möchte fast sagen, hier bist zunächst Du die "Starke", er scheint Hilfe zu brauchen. Vielleicht gelingt es Euch dann hier z. B. einen täglichen Austausch zu haben, auch über genau dieses Thema.

    Ich möchte noch sagen, dass ich Deinen Mann natürlich nicht kenne und das alles auch ganz anders sein kann. Du wirst das selbst gut einschätzen können. Und Du musst das dann natürlich auch selbst wollen. Ich will einfach nur sagen, dass es nicht unbedingt sein muss, dass er Dich einfach ignoriert. Es kann eben auch andere Gründe haben das er sich so verhält.

    Zitat

    Es macht mich auf jeden Fall sehr traurig das es ihn so wenig zu interessieren scheint und er wohl denkt, das ich nichts mehr trinke und das Thema damit abgehakt ist.


    Siehe oben. Vielleicht müsste man genau darüber mal reden..... Denn denken kann man viel. Aber auch Du kannst Deinem Mann nicht hinter die Stirn schauen und weißt somit nicht, was wirklich in ihm ab geht.

    Und selbst wenn es so wäre (was wie gesagt nicht sein muss): Es ist Deines, Dein Leben, Deine Sucht und Du bist dafür verantwortlich. Auch für das was Du jetzt machst und wie Du jetzt damit umgehst. Es ist nicht seins. Gehe Du Deinen Weg und lass ihm seinen. Was aber nicht bedeutet, dass Du das mit ihm nicht besprechen kannst oder darfst. Natürlich ist es immer besser man hat einen Partner an der Seite dem man vertraut und der einen begleitet als einen dem alles egal ist.

    Und nochmal was zu den 14 Tagen und Deiner Aussage, dass Du vielleicht einfach noch nicht so weit bist: Dir ist schon klar, dass das, also diese Gedanken, durch die Sucht gesteuert sind? Es ist genau das, was Susanne Dir geschrieben hat: psychischer Entzug, also die eigentliche Sucht. Das körperliche liegt schon eine Woche oder mehr hinter Dir. Das psychische ist jetzt das worum es im Grunde und eigentlich grundsäztlich geht. Diesem Druck gilt es jetzt erst mal Stand zu halten. Und dabei darfst Du gerne auch auf Zeit setzen. Sie läuft für Dich, sofern Du etwas tust, Dich beschäftigst, Dich weiter entwickelst, an Dir arbeitest, Strategien entwickelst. Und das tust Du ja.

    Also halte durch. Denn sonst muss ich nochmal Susanne zitieren: "Du hast morgen das Kopfweh, nicht ich...." Und das wäre doch wahnsinnig schade, weil Du hast schon viel erreicht!

    Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo June,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich kurz vor: 50 Jahre alt, Alkoholiker und nun schon länger alkoholfrei.

    Meine Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Zitat

    Tiefer sank wohl nur noch die Titanic!!!


    Ich denke, es geht noch viiiiiiiiiel tiefer. Frei nach dem Motto: "Schlimmer geht immer". Wenn Du weiter trinkst hast Du gute Chancen noch Dinge zu erleben, die Dir Dein Haselnussschnaps-Erlebnis geradezu lächerlich vorkommen lassen werden.

    Aber vielleicht war das ja DEIN persönlicher Tiefpunkt. Ich wünsche es Dir, denn das Erreichen des selbigen ist für viele Alkoholiker der erste ernste Anstoß etwas gegen die Krankheit zu unternehmen. Viele sagen, man muss erst seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht haben bevor man wirklich bereit für den Ausstieg ist. Ich weiß nicht ob man das als allgemeingültig bezeichnen kann, aber es ist schon so, dass viele davon berichten, das ein bestimmtes Ereignis dann der Auslöser für die Entscheidung mit dem Trinken aufzuhören war. Andererseits gibt es aber auch sehr viele, die von Tiefpunkt zu Tiefpunkt eilen und ihren persönlichen dann scheinbar nie erreichen. Ehrlich gesagt ist das sogar die große Masse der Alkoholiker. Denn es sind eher wenige, die ernsthaft versuchen mit dem Trinken aufzuhören.

    Zitat

    Ich erhoffe mir hier ganz viel zu lesen, was mir hilft durchzuhalten; was mir MUT macht und mir zeigt: ICH BIN NICHT ALLEINE!!!


    Also eines kann ich Dir mit Sicherheit sagen: Du bist keinesfalls alleine. Hier im Forum triffst Du auf Menschen, die entweder so wie Du, gerade noch am Suchen sind oder auf solche wie mich, die das schon länger hinter sich haben. Wir alle haben eines gemeinsam: Wir sind Alkoholiker. Und da draußen gibt es noch unglaublich viel mehr davon. Die meisten leugnen es, viele ahnen oder wissen es und leben einfach damit, solange es eben geht. Die Welt um uns herum ist voll mit funktionierenden Alkoholikern und mit einigen wenigen, denen man ihre Sucht auf den ersten Blick ansieht und die damit das darstellen, was sich "die Allgemeinheit" so als Alkoholiker vorstellt. Nämlich den Penner auf der Parkbank mit der Flasche im Arm. Aber die Realität sieht eben anders auch. Zwischen all den glücklicherweise vielen Menschen ohne Suchtproblem tummeln sich die ganzen funktionierenden Alkoholiker, die ihr Leben vermeintlich gut im Griff haben aber denen man eben nicht hinter die Stirn schauen kann. Genau so einer war ich auch. Nach außen alles prima, nach innen ein totales Wrack, zumindest in den letzten Jahren meiner Karriere.

    Also Du bist keinesfalls alleine. Aber, das allein wird Dir nicht helfen. Wie schon geschrieben, es sind leider nur wenige die versuchen heraus zu kommen und von denen die es versuchen sind es wiederum wenige, die es dauerhaft schaffen. Einen Königsweg wie man es schafft gibt es leider nicht. Das wäre schön und könnte sehr viel Leid und Elend ersparen. Aber den gibt es nicht, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Was aber sehr vielen geholfen hat ist, dass sie diesen Weg nicht alleine gegangen sind. Die meisten die es schafften hatte Hilfe dabei. Für viele ist dabei der klassische Weg, also Entgiftung, Therapie, etc. sicher ein sehr guter. Aber es gibt auch viele andere Beispiele von Menschen, die z. B. "nur" mit Hilfe ihrer SHG trocken wurden und blieben oder die punktuell spezielle psychologische Angebote genutzt haben. Oder ganz andere Hilfen, ganz andere Wege gingen. Ganz allein, also sozusagen heimlich trocken werden ohne das jemand was merkt, so nur mit sich alleine, ist sicher schwer. Ich hab es mehrmals versucht und bin immer gescheitert.

    Darum nun auch meine Frage an Dich: Was ist Dein Plan? Hast Du einen? Wie willst Du vorgehen? Arzt? Suchberatung? Entgiften tust Du ja im Moment wahrscheinlich selbst, also ohne ärztliche Begleitung. Zum Thema kalter Entzug schreibe ich jetzt mal weiter nichts, das haben andere ja schon getan. Dazu kannst Du auch googeln oder hier im Forum nachlesen.

    Wenn Du es also wirklich ernst meinst und auch heute noch der Meinung bist, dass es für Dich tiefer nicht mehr geht und Du ab sofort ohne Alkohol leben möchtest, dann hole Dir am besten so viel Hilfe wie Du bekommen kannst. Sei bereit alles zu probieren, was nicht bedeutet, dass Du dann auch alles machen musst. Du musst und wirst selbst heraus finden, was gut für Dich ist und was nicht. Aber es ist sehr hilfreich, wenn nicht sogar eine Voraussetzung, wenn man bereit ist alles für ein Leben ohne Alkohol zu tun. Vor allem in der Anfangszeit war es für mich enorm wichtig, dass ich Hilfe an meiner Seite hatte. Einmal eine SHG, dann einen Psychologen, einen Mönch und einen sehr guten Freund. Mit dieser Kombi kam ich (auch ohne klassische Therapie) gut durch die ersten Monate und je länger ich weg war, desto klarer wurde ich und desto klarer und auch einfacher wurde mein Weg. Ich bin mir aber ganz sicher, dass ich es ganz alleine niemals geschafft hätte.

    Insofern möchte ich Dich ermutigen, Dich zu öffnen um mit den richtigen Menschen über Deine Krankheit zu sprechen und auch Dein weiteres Vorgehen abzustimmen. Denn auch hier gilt: DU BIST NICHT ALLEIN!

    In diesem Sinne wünsche ich Dir alles alles Gute, einen guten Austausch hier im Forum und das Du Deinen Weg aus der Sucht finden kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Sonnenkäfer,

    toll das Du Dich gegen das Trinken mit Deinen Freundinnen entschieden hast. Das könnte ein wichtiger Schritt auf Deinem Weg gewesen sein, damit hast Du eine ganz bewusste Entscheidung gegen den Alkohol getroffen.

    Zitat

    Es wird nicht einfach werden, ist die Vorstellung ohne Alkohol zu leben einfach doch noch zu neu. Klar habe ich schon immer mal wieder daran gedacht, weniger zu trinken, aber noch nie noch nie noch nie daran GAR NICHTS mehr zu trinken.


    Ich kann das nachvollziehen. Ohne Alkohol zu leben und das in unserer Gesellschaft, das kann einem schon utopisch vorkommen. Hat er doch einen verdammt hohen Stellenwert und wird sozusagen mit allem in Zusammenhang gebracht was irgendwie Spaß macht.

    Und gerade wenn man am Anfang steht ist dieses "NIE MEHR" ganz groß und vielleicht auch ein wenig bedrohlich. Aber das liegt sicher auch daran, dass es sich für Dich jetzt nach "nie mehr DÜRFEN" anfühlt, also nach einem Verlust. Und wer verliert schon gerne etwas. Gleichzeitig merkst Du aber jetzt schon, das Du auf der anderen Seite auch einiges gewinnen kannst. Wenn Du es jetzt also schaffst, dass aus diesem "nie mehr DÜRFEN" ein "nicht mehr WOLLEN" wird, dann wird auch langsam dieses Gefühl des Verlusts verschwinden. Und wenn Du es schaffst all die positiven Gefühle die Dir der Alkohol verschafft hat auch ohne Alkohol zu empfinden, dann BRAUCHST Du ihn ja gar nicht mehr. Er hat plötzlich keine Daseinsberechtigung mehr, er wird plötzlich reduziert auf das, was er tatsächlich eigentlich ist: Zellgift und Droge.

    Aber dazu braucht es Zeit und damit verbunden eine Veränderung Deiner Sicht- und Denkweise. Insofern ist das hier...

    Zitat

    Ich werde auf jeden Fall eine Weile sämtliche Trigger meiden, wie Telefonieren oder abendliche Treffen. Selbst die Vorstellung dabei vielleicht den ein oder anderen Freund oder Bekannten zu verlieren, macht mir gerade gar nicht mehr so riesige Angst. Ich glaube ich muss einfach alles auf mich zukommen lassen.


    ... aus meiner Sicht erst mal die ganz richtige Herangehensweise. Erst mal verhindern, dass Du in Gefahr kommst. Darum auch nochmal mein "Daumen hoch" für die Entscheidung bezüglich des Treffens mit Deinen Freundinnen.

    Von mir kommt ja immer die gleiche Leier aber ich kann nicht anders, weil ich nur von meinen Erfahrungen berichten kann: Nutze die Zeit um an Dir zu arbeiten. Denke über Dich, Deine Ziele, Dein Leben, über das was Du oder wer Du sein möchtest und wie Du das erreichen kannst, nach. Hinterfrage die Gründe für Deinen Wunsch nach Alkohol und überlege Dir, wie Du Deine Wünsche ohne Alkohol erfüllen kannst. Gibt Dir dafür die Zeit, die Du brauchst, mach das alle in Deinem Tempo aber gehe konsequent voran. Mir hat damals neben viel Zeit mit mir selbst vor allem auch das Reden mit anderen Menschen geholfen. Ich hatte damals eine SHG, ich hatte einen sehr guten Freund und einen Mönch. Reden und Denken, das waren mit meine wichtigsten "Maßnahmen" um ein neues Leben ohne Alkohol erreichen zu können. Und zwar so erreichen, dass es sich für mich an keiner Stelle als Verlust anfühlt (obwohl ich meine positiven Erinnerungen an Alkohol nicht verdrängt habe), sondern ich wirklich nach wie vor jeden Tag dankbar bin, dass ich jetzt dieses wunderbare Leben ohne Alkohol führen darf.

    Alles Gute weiterhin, bleib standhaft. Verwirkliche Deine Ideen (Gitarre, Reiten, Malen) und lass es auf Dich zukommen. Wenn Du merkst, Du läufst Gefahr, dann hol Dir sofort Hilfe. Sprich darüber, machs nicht mit Dir allein aus. Hab nen Notfallplan, wenns doch mal richtig schwer werden sollte. Ich freue mich wieder von Dir zu lesen!

    Alles alles Gute weiterhin.

    LG
    gerchla

    Hallo Elly,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du hierher gefunden hast.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und kam Anfang 2015 in dieses Forum. Damals auch bereits seit einiger Zeit ohne Alkohol lebend und ohne Not sozusagen. Nachdem ich erst mal ein wenig gestöbert und mit gelesen hatte, begann ich dann auch mit dem Schreiben. Und bin dann sozusagen hier "hängen" geblieben. Es gibt mir nach wie vor sehr viel hier zu sein und mich auszutauschen. Ich lese auch oft nur die Beiträge anderer Mitschreiber ohne dass ich mich aktiv an einer Diskussion beteilige. Und ich stelle immer wieder fest, dass ich auch wenn ich mal anderer Meinung bin, immer etwas für mich mitnehmen kann. Und dadurch lerne ich eigentlich immer wieder Neues, kann immer wieder mal meine Sichtweise verändern oder anpassen. Und das ist etwas, was mir sehr gut tut und mir hilft mich weiter zu entwickeln. Oft auch ganz unabhängig von der eigentlichen Thematik Alkoholsucht, um die es ja hier im Forum primär geht.

    Das nur mal so! Ich wünsche Dir ein gutes Ankommen hier, viele interessante Diskussionen und das Du mit Deinen Erfahrungen vielen Hilfesuchenden die richtigen Impulse geben kannst.

    Bis bald mal.

    LG
    gerchla

    Hallo Astro,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Ein paar Gedanken von mir:
    ,
    Einiges von dem was Du schreibst erinnert mich an meine Geschichte. Ich trank zum Ende meiner Karriere hin mindestens 10 Bier pro Tag, meist eher noch ein paar mehr und als ich in den letzten Zügen lag kam dazu oft noch eine Flasche Wein. Trotzdem war beruflich sehr erfolgreich und genoss große Anerkennung. Ich führte ein sehr erfolgreiches Team und das Bild, dass man beruflich von mir hatte, hatte so überhaupt nichts mit dem zu tun, wie ich eigentlich war. Denn ich war zu dieser Zeit bereits seit einigen Jahren ein Wrack. Zuerst mal ein psychisches und dann auch zunehmend ein körperliches. Während meiner gesamten Trinkerzeit (diese dauerte weit über 10 Jahre) hatte ich mein Gewicht immer im Griff bzw. es war überhaupt kein Thema für mich. Die letzten 2 - 3 Jahre nahm ich dann enorm zu und zusätzlich stellten sich noch weitere körperliche Probleme ein (Magen / Darm / Schmerzen im Bauchraum / ständig geschwollene Lymphknoten / u. E. m.). Die Gewichtssteigerung war leicht erklärt, denn Bier und Wein hat halt ordentlich Kalorien. Und ich weiß nicht, wie oft ich mir morgens dann aus lauter Heißhunger einer Burger im Fastfoodschuppen gegönnt habe. Mehrmals die Woche, wenn ich mich recht erinnere.

    Solltest Du also mit dem Trinken aufhören, wird sich Dein Gewicht wahrscheinlich von selbst regulieren. Als ich aufhörte ersetzte ich all das Bier durch Wasser (wobei ich natürlich in der Menge deutlich weniger trank) und obwohl ich gleichzeitig wieder Appetit auf Süßes und Milchspeise bekam, nahm ich kontinuierlich ab. Innerhalb kürzester Zeit musste ich mehrmals meine Garderobe erneuern, weil mir die alten Sachen einfach zu groß waren. Und zu dieser Zeit hatte ich noch nicht mal daran gedacht wieder Sport zu machen. Das kam dann erst später und hat nochmal ein paar Kilo (die es eigentlich gar nicht mehr unbedingt gebraucht hätte) von der Waage genommen. Ich mache heute sehr viel Sport und kann essen soviel ich will. Die Wage ist immer mein Freund :)

    Zum Thema Angststörung:
    Als ich Deine Zeilen dazu las dachte ich mir: Wieder mal einer, der Psychologen pauschal ablehnt bzw. "nichts davon hält". Natürlich fußt das auf Deinen eigenen Erfahrungen, das will ich Dir nicht absprechen.

    Aber ich will Dir eine Geschichte dazu erzählen. Meine erste Frau litt unter Angststörungen. Das war noch zu einer Zeit, als ich noch nicht im Alkoholsumpf hing, relativ am Anfang unserer Beziehung. Nachdem es eher harmlos begann wurde es mit der Zeit immer schlimmer und ich weiß nicht mehr wie oft ich, vornehmlich nachts, den Notarzt gerufen habe, weil sie dachte sie würde jetzt sterben. Nachdem wir über einen sehr langen Zeitraum von Arzt zu Arzt gerannt sind, natürlich immer auf der Suche nach körperlichen Auslösern, kam doch irgendwann mal die Idee einen Psychologen aufzusuchen.
    Ich weiß nicht mehr genau wie lange meine Frau dann dort in Behandlung war, gefühlt würde ich sagen etwa ein Jahr. Sie war dann auch in einer Art SHG, die von diesem Psychologen moderiert wurde. Für den Notfall hatte sie auch Medikamente, aber ehrlich, beim Lesen der Packungsbeilage konnte einem ja echt schlecht werden....

    Nun, irgendwann kam sie dann mal wieder von so einer Sitzung nach Hause und eröffnete mir, dass sie ab jetzt nicht mehr hin gehen wird. Sie wäre sich jetzt sicher das es vorbei ist. Worauf hin ICH fast eine Panikattacke bekommen hätte, denn ich hatte wahnsinnige Angst es würde wieder kommen und ich stand dem so unglaublich hilflos gegenüber.

    ABER: Seither hatte sie nie wieder einen solchen Anfall. Das sollte jetzt mindestens 25 Jahre her sein und sie hat in diesen 25 Jahren viel erleben müssen. Nicht zuletzt meine Sucht und dann unsere Trennung mit all den schrecklichen Konsequenzen für sie und unsere Kinder. Aber von Panik oder Angst war auch in dieser Zeit nichts mehr zu sehen.

    Muss wohl ein guter Psychologe gewesen sein.....

    Dann noch eine Geschichte. Ich kenne jemanden, der durch eine solche Angststörung zum Alkoholiker wurde. Ein sehr erfolgreicher Mann, beruflich gesehen. Reiste um die Welt, war der Held. Zunehmend hatte ihm aber eine Angststörung dann seine Karriere gefährdet, z. B. hatte plötzlich Angst im Flugzeug. Also was tun? Natürlich Medikamente reinpfeifen. Nur halfen ihm diese irgendwie nicht so, wie er das erwartet hatte (hat er mir so erzählt, Details sind mir unbekannt). Eines Tages ging er an seiner Hausbar vorbei, die voll war mit edlen Schnäpsen, alles Geschenke der vergangenen Jahre wie er betonte. Denn er trank zu diesem Zeitpunkt keinen Alkohol. Und weil er sich mal wieder nicht so toll fühlte, genehmigte er sich einen Cognac.

    Und merkte plötzlich, wie wohl das tat. Seine Angst war wie weggeblasen und von da an hatte er sein Mittel gegen seine Panikattacken. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zum schweren Alkoholiker und Anfangs war er wie euphorisiert. Aber ja länger das ging, desto mehr kam die Angst zurück. Und die Sucht hatte er jetzt auch noch an der Backe. Am Ende konnte er in manchen Phasen nicht mal mehr zum Briefkasten und die Post holen, weil er Angst hatte.

    Am Ende hat er dann erst mal eine Therapie gegen seine Sucht gemacht und dann auch seine Angststörung behandeln lassen. Muss einen guten Psychologen gehabt haben, der Mann. Denn heute merkst Du davon nichts mehr. Alles was ihm "geblieben ist", sind seine regelmäßigen Besuche in einer SHG, einer SHG für Alkoholiker wohlgemerkt.

    Das sind meine beiden Erfahrungen mit Angststörungen, wobei nur die erste Geschichte eine persönlich erlebte ist, die zweite hat mir dieser Mensch erzählt, wobei ich keinen Grund habe an seinen Worten zu zweifeln.

    Insofern möchte ich dazu sagen:

    Zitat

    Ich kann mir aktuell noch nicht vorstellen, gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Aber das wird vielen von euch nicht anders gegangen sein. Mein Problem: Ich halte aus meiner Erfahrung mit Panikattaken von Psychotherapie wenig. Letztlich haben mir nur Medikamente geholfen.

    Ich denke das hast Du gut erkannt. Das ist Dein Problem. Ich klammere jetzt mal die Angststörung aus, spreche mal "nur" von der Alkoholsucht. Wenn Du Dir nicht vorstellen kannst gänzlich auf Alkohol zu verzichten, dann bleibt Dir ja immer noch kontrolliertes Trinken. Also statt 3 Flaschen Wein z. B. ein Glas. Warum Du das dann unbedingt trinken willst bleibt Dein Geheimnis... Aber gut, warum nicht. Alles was Du tun kannst ist, es einfach auszuprobieren. Wenn Du Alkoholiker bist, wirst Du es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht dauerhaft schaffen und bald wieder auf Dein altes Niveau zurück fallen. Sicher kannst Du das mal ein paar Wochen, vielleicht auch Monate hinbekommen. Aber es wird sich nicht so anfühlen wie bei einem Menschen der kein Problem mit Alkohol hat.

    Wenn Du scheiterst, dann weißt Du, dass es nur den absoluten Alkoholverzicht für Dich geben kann. Wenn Du etwas verändern willst. Selbstverständlich ist es immer Deine Entscheidung was Du machst. Niemand kann Dir verbieten Deine 3 Flaschen Wein zu trinken. Nur Du selbst kannst das.

    Und was die Psychologen betrifft: Ich hatte im Rahmen meines Ausstiegs auch einen "fürchterlich schlechten", der machte mich damals regelrecht wütend. Ich habe das dann eine Zeit lang probiert und mir dann anderweitig Hilfe gesucht. U. A. war damals auch eine SHG ein fester Bestandteil meiner ersten Monate ohne Alkohol. Die wichtigste Person wurde dann aber ein Mönch, er schaffte das, was der Psychologe nicht mal ansatzweise hinbekommen hatte. Und sehr viel später, als ich längst gefestigt und zufrieden abstinent lebte, erzählte mir dieser Mönch, dass er doch glatt auch mal Psychologie studiert hatte..... Es muss sicher nicht immer ein Psychologe sein und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass der richtige Psychologe (wenn man sich die Mühe macht ihn zu finden und dann das Glück hat fündig zu werden) Gold wert sein kann. Und kaum zu glauben: Jahre später verstand ich plötzlich, was dieser erste "schlechte" Psychologe mir damals eigentlich sagen wollte, was er eigentlich erreichen wollte. Nur war ich dazu damals noch lange nicht bereit. Denn für mich war er ein "Depp", der keine Ahnung hatte.

    So, genug geschrieben. Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum, viele gute Anregungen und natürlich, dass Du einen guten Weg für Dich finden wirst. Alles Gute und bis bald mal.

    LG
    gerchla