Beiträge von Gerchla

    Hallo Sina,

    schön das Du Dich wieder gemeldet hast. Es kommt leider nicht so selten vor das Hilfesuchende nach dem ersten Post wieder verschwinden und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich Dich mit meinen Fragen nicht verschreckt habe. Ich bin froh, dass es nicht so ist.

    Danke für Deine Antworten, ein wenig klarer sehe ich jetzt. Bevor ich Dir weiter schreibe will ich mich aber kurz bei Dir vorstellen:

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig. Die meiste Zeit davon komplett heimlich. Ich hatte Familie (Frau und 2 Kinder) war aber trotzdem in der Lage meine, zumindest in den letzten Jahren, extremen Trinkmengen zu verheimlichen. Sogar meiner Familie gegenüber. Ich habe bis zum Ende meiner "Karriere" funktioniert, wobei sowohl meine körperliche als auch meine psychische Verfassung bereits Jahre vorher schon mehr als desolat waren. Die letzten zwei Jahre meiner Sucht waren fürchterlich. Ich war ein psychisches Wrack und hatte ein Doppelleben aufgebaut, in mir regte sich gefühlsmäßig nicht mehr viel. Nur noch Verzweiflung und Aussichtsloligkeit. Körperlich spürte ich auch mehr und mehr die Symptome meines maßlosen Konsums.

    Meine Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Es liest sich für mich jetzt so, dass Du Dir Hilfe gesucht hast und bereit bist diese Hilfe anzunehmen. Dazu kann und möchte ich Dich beglückwünschen! Genau richtig! Ich gehe jetzt mal davon aus, dass "ambulanter Entzug" für Dich auch bedeutet, dass Du diesen ärztlich betreut durchführen wirst. Damit bist Du schon mal safe.

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    . Ich weis man kann sich nur selbst helfen


    Ich würde es so forumilieren wollen. Ich würde sagen, dass man selbst für sich und sein Leben verantwortlich ist. Und das man selbstverständlich alle Entscheidungen selbst treffen muss. Es muss einem klar sein, dass Hilfe von außen, egal in welcher Form und egal wie gut diese ist, immer "nur" ein Anstoss sein kann, einem den möglichen Weg weisen kann. Gehen muss man diesen Weg selbst. Die eigentliche "Arbeit" muss man am Ende dann selbst machen, aber man kann sich dabei helfen und leiten lassen. Gefährlich wäre es, wenn man denkt man könnte die Verantwortung für das eigene Leben an z. B. seinem Therapeuten abgeben und dieser hätte sich zu kümmern weil das ja schließlich sein Job wäre. Nein, man ist und bleibt immer für sich selbst verantwortlich.

    Wenn Du möchtest, dann schreibe uns hier was Dich umtreibt. Wo Du Ängste hast, wo Du nicht klar siehst, etc. Ich könnte Dir jetzt all meine Gedanken dazu schreiben was meiner Meinung nach wichtig ist um zu einem Leben ohne Alkohol zu kommen. Ich lass das jetzt aber mal weil ich nicht weiß ob Dich das gerade interessiert. Wenn Du hier im Forum liest, kannst Du das auch in anderen Beiträgen von mir nachlesen. Also egal was, egal welche Fragen, welche Gedanken Du hast, teile sie mit uns wenn Dir danach ist. Und wir werden Dir unsere Sicht der Dinge schreiben.

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    Ich hoffe du bleibst weiterhin weg von diesem Zeug.


    Das hoffe ich auch. Ich arbeite jeden Tag daran, wobei es jetzt bei mir schon lange nicht mehr um akute Dinge geht. Ich habe meine Suchtgeschichte aufgearbeitet, meine Trinkgründe gefunden und viele davon beseitigt. Manche lassen sich nicht einfach beseitigen, weil sie einfach derart anerzogen sind (Stichwort: Kindheit), dass ich lernen musste damit zu leben bzw. sie zu kontrollieren. Was bisher ganz gut geklappt hat. Ich weiß was der Sinn meines Lebens ist (das wusste vor und während meiner Trinkerzeit nicht) und ich gestalte mein Leben so, dass ich diesem Sinn gerecht werden kann. Das führt bei mir zu einer großen Dankbarkeit und damit auch zu einer Zufriedenheit. Ich denke, dass für mich dadurch der Sinn des Alkohols (=Veränderung der akutellen Situation / Auszeit / Entspannung / mal weg beamen) entfällt. Ich brauche ihn nicht weil ich nichts sofort oder akut verändern möchte. Mein Leben ist sehr gut so wie es ist und ich baue weiter daran. Schritt für Schritt.

    Trotzdem kann ich nicht sagen: Ich bin absolut safe und werde nie wieder trinken. Ich kann nur sagen, dass ich alles dafür tun werde mein Leben auch weiterhin selbstverantwortlich ohne Alkohol zu führen.

    Alles Liebe und Gute für Dich. Und wie gesagt: Wenn Dir was durch den Kopf geht, einfach her damit.

    LG
    gerchla

    Hallo Sina,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du Dich hier angemeldet hast und etwas gegen Dein Alkoholproblem unternehmen möchtest.

    Du schreibst, dass Du Tipps und Ratschläge von uns erhoffst.

    Ich könnte Dir jetzt so ganz naheliegende und vielleicht auch pauschale Ratschläge geben. Diese würden dann lauten: Geh zum Arzt und öffne Dich dort, sprich über Deine Situation und mach' mit ihm oder ihr zusammen einen Plan. Gehe auch unbedingt zur Suchtberatung und öffne Dich dort, auch hier wird man Dir ganz bestimmt wertvolle Tipps und Informationen geben können. Letztlich könntest Du auch mal schauen, ob Du eine Selbsthilfegruppe findest die zu Dir passt.

    Wie gesagt, dass wären jetzt so ganz "allgemeine" Ratschläge die aber sehr zielführend sind.

    In den paar Jahren wo ich mich jetzt schon mit anderen Alkoholikern austausche habe ich aber gelernt, dass viele gerade diese naheliegenden Schritte nicht gehen können. Sie können sich nicht vorstellen sich beim Arzt zu outen, sie haben Angst davor zur Suchberatung zu gehen und in einer Selbsthilfegruppe könnten sie ja jemanden treffen den sie kennen.

    Und ehrlich gesagt war das bei mir damals genau das Gleiche. Ich habe auch erst x-mal versucht irgendwie selbst von dem Zeug weg zu kommen, wobei ich immer kläglich gescheitert bin. Ich brachte nur Trinkpausen zustande, mal längere und mit zunehmender Dauer meiner Sucht dann nur noch ganz kurze. Am Ende konnte ich gar nicht mehr pausieren bzw. ich wollte auch gar nicht mehr. Ich wollte nur noch trinken. Heute verstehe ich das alles, heute weiß ich wie mächtig diese Sucht eigentlich ist und das es die wenigsten alleine schaffen davon weg zu kommen. Ich persönlich kenne genau eine Person, und ich habe mittlerweile einige trockene Alkoholiker gesprochen, die quasi ohne Hilfe von dem Zeug weg gekommen ist. Wobei diese Person locker 20 Jahre getrunken hatte und erst durch einen furchtbaren Unfall, der ihr leicht auch das Leben hätte kosten können, sozusagen wachgerüttelt wurde. Sie hatte verdammtes Glück und trotzdem eine schlimme Verletzung. Das "reichte" dann aus um aufhören zu können und soweit ich weiß auch ohne Hilfe von außen. Absolute Ausnahme, zumindest kenne ich keinen anderen Fall.

    Ich weiß nicht wie das bei Dir, ich weiß nicht wie Du tickst und wozu Du bereit bist.

    Was uns allen hier sicher ein wenig helfen würde wäre, wenn Du ein bisschen mehr von Dir berichtest. Wenn Du das möchtest. Also einfach mal so Sachen wie: Wie sieht Dein Umfeld aus? Trinkst du alleine oder in der Gruppe? Trinkst Du heimlich? Gibt es jemanden der da mit involviert ist (Partner, Eltern, Geschwister)? Was meinst Du warum Du trinkst? Was willst Du mit dem Alkohol erreichen? Was belastet Dich, wie bist Du da hinein gerutscht? Was hast Du schon unternommen um vom Alkohol weg zu kommen?

    Also Du merkst, das sind eigentlich so ganz allgemeine Fragen die uns aber enorm helfen Deine Situation besser einschätzen zu können. Und dann können wir hier viel besser Rückschlüsse ziehen, unsere eigenen Erfahrungen heraus kramen und mit den Deinigen abgleichen. Und so können wir Dir dann viel besser unsere "Tipps", ich sage mal lieber, unsere Meinung schreiben.

    Wobei ich aber jetzt schon nochmal betonen möchte, dass das was ich einleitend geschrieben habe, also Arzt / Suchtberatung und ggf. auch SHG auf jeden Fall ein sehr sehr gutes Vorgehen ist. Also eigentlich das absolut logische und richtige Vorgehen. Denn Alkoholsucht ist eine anerkannte Krankheit und wenn man (schwer) krank ist, dann geht man logischerweise zum Arzt. Alleine dieser Arztbesuch verhindert dann schon mal, dass Du kalt entziehst. Da kann man gemeinsam einen Plan machen und schauen, ob Du zuhause oder besser stationär auf Entzug gehst. Du bist betreut und kannst dann auch weitere Schritte absprechen. Da ist dann auch die Suchtberatung sehr hilfreich.

    Aber wie gesagt, ich weiß ja gar nicht ob Du Dir das überhaupt vorstellen kannst. Ich konnte mir das damals nicht vorstellen und musste genau deshalb viele Jahre trinkend verbringen bis es dann irgendwann doch mal so weit war.

    Vielleicht kannst Du Dir das ersparen.

    So, jetzt lass ich es aber mal. Ich wünsche Dir einen guten Start hier und einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG
    gerchla

    Hallo Cantanda,

    Zitat

    Ich habe noch eine Frage: Die letzten Tage hat mir die Leber weh getan bzw. ich hatte ein leichtes Stechen im Oberbauch. Könnte das mit meinem Konsum zusammenhängen?

    Du solltest natürlich unbedingt zum Arzt gehen um das abchecken zu lassen. Es kann selbstverständlich andere Ursachen haben, muss nicht am Alkohol liegen. Darum wäre es echt wichtig das checken zu lassen.

    Unabhängig davon kann ich Dir von meinen Erfahrungen berichten: Ich hatte in der letzten Phase meiner Sucht genau solche Probleme. Mal schlimmer, mal etwas weniger schlimm. Ich konnte teilweise überhaupt nicht mehr auf dem Bauch liegen. Das verursachte mir starkte Schmerzen. Besonders schlimm war es, wenn die "Unterlage" hart war, also z. B. wenn ich im Urlaub am Strand lag. Da ging nur noch die Rückenlage.

    Ich ging nie zum Arzt, ich habe das nie abchecken lassen. Ich wusste zu dieser Zeit ja bereits ganz genau was die Uhr geschlagen hatte und ich hatte eine Wahnsinnsangst vor Ärzten. Die mir z.B. Blut abnehmen und mir dann an Kopf sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe oder das meine Leber im Eimer ist. Ich war dann irgendwann so weit, dass ich bereit war mit dem Alkohol unter zu gehen. Nach dem Motto: Wenn ich mich tot saufe, dann saufe ich mich halt tot - ich sah keinerlei Perspektive und mir war das dann irgendwann einfach egal.

    Glücklicherweise ging die Geschichte ja gut aus meine Beschwerden verschwanden ganz schnell, sozusagen regelrecht unbemerkt nachdem ich mit dem Trinken aufgehört hatte. Ich hatte ja leider kalt entzogen und bin erst später zum Arzt. Meine Werte waren da natürlich noch nicht gut aber ich erinnere mich nicht mehr daran, dass ich da noch diese Probleme gehabt hätte.

    Heute passt alles und ich bin total froh und dankbar, dass ich körperlich unbeschadet aus dieser Zeit heraus gekommen bin. Ich habe viele gesprochen die dieses Glück nicht hatten.

    Lass es abchecken. Solltest Du die Diagnose bekommen das es mit Alkoholkonsum zusammen hängen könnte, dann ist das für Dich nochmal ein Zeichen in welche Richtung Du gehen solltest.

    LG
    Gerchla

    Liebe Femme,

    ich möchte Dir einfach nochmal sagen, dass Du Dich für mich sehr klar liest. Ich empfinde Dich als sehr reflektiert, Du erkennst Deine Baustellen, Du weißt wo Du ran musst.

    Du schaffst es nur (noch) nicht das alles zu Deiner Zufriedenheit umzusetzen. All das was Du da als Aufgaben für Dich identifiziert hast, all die Gedanken und Gefühle die Du gerade zu ordnen versuchst, das Finden Deiner Ziele, Deiner Lebensaufgabe, all das braucht vor allem Eines: ZEIT

    Und diese Zeit solltest Du Dir unbedingt nehmen. Denn das was Du jetzt hier an Zeit investierst ist die beste Investition Deines Lebens! Beispiel von mir: Ich habe in den ersten Monaten wirklich fast täglich einen Spaziergang von mindestens einer Stunde (meist mehr) gemacht. Es gab nur wenige Ausnahmen wo dieser Spaziergang nicht statt fand. Ich lebte damals in einer größeren Stadt und hatte sozusagen immer die gleiche Wegstrecke. Zu einem Schrebergarten und dann in einen Wiesengrund und wieder zurück. Diese Zeit war "reserviert" für meine Gedanken. Ich glaube ich habe das zunächst gar nicht bewusst so geplant. Aber nach und nach "brauchte" ich diesen Spaziergang, diese Zeit, um meine Gedanken zu ordnen. Ich kam zur Ruhe, ich war für mich, manchmal hatte ich auch Begleitung mit der ich dann aber eben genau über diese Themen sprach. Es war enorm wertvoll für mich. Jeden Tag gedanklich an meinen Problemen arbeiten um dann oft auch einfach nur vor unbeantworteten Fragen stehen.

    Diese Fragen nahm ich dann aber mit zu meinen Helfern. Zu meinem Mönch oder auch zu meinem besten Freund. Zwei Menschen die höchst unterschiedlich sind. Nicht selten habe meine offenen Fragen unabhängig mit beiden diskutiert, weil ich oft konträre Antworten bekam. Und am Ende entscheidet man dann natürlich immer selbst. Man kann Hilfe haben soviel man will, es bleibt immer "nur" Hilfe. Die eigentliche Arbeit, die eigentlichen Entscheidungen kann und muss man ganz alleine treffen.

    Diese Zeit damals, die Tatsache das ich sie mir genommen habe (und mich nicht z. B. vor den Fernseher gesetzt habe), war im Nachhinein mit das beste was ich getan habe. Das war manchmal sehr schmerzhaft, weil es ja natürlich nicht nur sachliche oder gar schöne Gedanken waren die ich da wälzte. Es war oft belastend, manchmal war ich verzweifelt und wollte ganz schnell mit meinen Helfern kommunizieren. Am Ende war es aber für mich genau richtig.

    Ich dachte damals auch daran nicht so viel zu grübeln und mir statt dessen lieber "was Gutes zu tun". Ich dachte daran wieder mit dem Laufen zu beginnen. Ein Sport, von dem ich wusste, dass er mir sehr viel bringen würde weil ich als junger Erwachsener einige Jahre allerbeste Erfahrungen damit gemacht hatte. Und dann sagte mein Hirn: "NEIN, lass es! Du weißt was passiert. Du wirst ganz schnell die Euphorie spüren, wie Du fitter und fitter wirst, wie es Dir körperlich und auch psychisch besser und besser geht und wirst voll in dieser Sportart aufgehen. Lass es genau deswegen".

    Und ich ließ es. Warum wirst Du Dich jetzt wahrscheinlich fragen. Hört sich doch alles prima an, wirst Du Dir jetzt vielleicht denken. Ich wollte ERST mit meiner Suchtvergangenheit abschließend und zwar umfassend. Ich wollte ERST all meine belastenden Probleme abarbeiten, frei werden für einen Neustart. Ich hatte große Angst davor etwas zu verdrängen, etwas nach hinten zu schieben, irgendwo einen Deckel drauf zu machen wo aber keiner drauf gehört. Und vor allem: Ich wollte mein Wohlbefinden nicht wieder zentral von etwas anderem abhängig machen. Nichts anderes wäre das nämlich gewesen. Und was wäre denn dann passiert, wenn ich körperlich mal nicht mehr in der Lage gewesen wäre "meinen" Sport zu machen? Woraus hätte ich dann meinen Sinn, meine Zufriedenheit gezogen?

    Mittlerweile laufe ich seit vielen Jahren wieder. Langdistanzen und so rund 50 km in der Woche. Ich begann wieder nachdem ich das Gefühl hatte mit dem Gröbsten durch zu sein. Heute sind die Stunden die ich beim Laufen oder auch Radfahren verbringe meine Auszeit, meine Denkzeit. Aber eben unter ganz anderen Voraussetzungen als das damals war. Es ist kein Weglaufen mehr, kein Trinkersatz mehr. Es ist ein (mein) Hobby, das mich erdet und mir Ausgleich verschafft.

    Ich möchte noch was zur Zufriedenheit sagen. Ich schreibe ja oft, dass es m. E. darauf ankommt ein zufriedenes Leben im Einklang mit sich selbst zu erreichen. Dann verschwinden die Gedanken an Alkohol, dann spielt er keine Rolle mehr weil er keine Funktion mehr einnehmen kann. Ich glaube eben, dass das dann die zentrale Aufgabe ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Anfangs, also nach den Ausstieg aus der Sucht (und wenn man mal die ersten wirklich großen Brocken weg hat) relativ gesehen einfacher ist zufrieden zu sein. Je gesfestigter man jedoch ist, je weiter Weg der Alkohol scheint, desto schwieriger wird es diese Zufriedenheit zu erreichen oder aufrecht zu erhalten. Es scheint mir so zu sein, dass derjenige der eigentlich alles hat, dem es objektiv gesehen gut geht, wo eigentlich alles passen müsste, schwerer zufrieden sein kann als derjenige, dem es eigentlich nicht so gut geht.

    Es scheint mir so, dass man wenn man "unten" ist, mit viel einfacherern, kleineren Dingen zufrieden ist als wenn man "oben" steht. Vielleicht erklären sich dadurch einige Rückfälle die erst nach vielen Jahren der Abstinenz geschehen. Ganz wichtig ist für mich in diesem Zusammenhang immer der Begriff der Dankbarkeit. Ich empfinde es als eine zentrale Aufgabe von mir, mir immer wieder, ich sage jetzt mal täglich, klar zu machen wie gut es mir geht und was für ein wunderbares Leben ich führen darf. Und ich tue das wirklich täglich, ich habe diese Gedanken jeden Tag. Seit vielen Jahren worüber ich dann auch wieder sehr dankbar bin.

    Ach und wenn sich das nun so liest, als wäre immer alles rosarot und völlig problembefreit: Nein das stimmt natürlich nicht. Es gab, seit ich trocken bin, auch wirklich schlimme Ereignisse in meiner Familie, es sind Dinge passiert die man nicht als "gehört halt zum Leben dazu" deklarieren könnte. Es gab auch schon Schläge, richtige Schläge. Oder auch einfach mal ganz normale Phasen wo es eben nicht so läuft, wo es z. B. in der Arbeit schlecht läuft, man an sich zweifelt, man überlegt ob man nicht doch nochmal was anderes tun sollte, etc. Und gerade in solchen Zeiten ist es m. E. so wichtig, dass man seinen "Auftrag" kennt, dass man seine Ziele kennt und dass man weiß wer man sein möchte, wie man sein möchte. Und darüber den Frieden mit sich selbst schließen kann. Dann kommt man gut und unbeschadet durch die schweren Lebensabschnitte, die uns nicht mehr trinkenden Alkoholikern selbstverständlich genauso bevorstehen wie anderen Menschen auch!

    Alles Liebe und

    LG
    gerchla

    Liebe Femme,

    nochmal ein paar Gedanken, die mir beim Lesen Deiner Zeilen so in den Kopf kamen:

    Zitat

    Soweit wie du lieber Gerchla bin ich leider noch lange nicht :-\


    Es geht gar nicht darum so weit zu kommen oder so weit sein zu wollen wie es vermeintlich ein anderer ist. Denn das ist im Grunde eine sehr relative Angelegenheit. Du hast ein anderes Umfeld als ich, Du hast einen anderen Charakter als ich, Du hast ganz andere Erfahrungen in Deinem Leben gemacht die Dich prägten, eine andere Lebensgeschichte als ich. Kurz: Du bist ein ganz anderer Mensch als ich. Ich glaube, es geht immer nur darum den eigenen Weg zu finden. Und diesen Weg, und das halte ich für ganz wichtig, im eigenen Tempo immer ein Stückchen voran zu gehen. Im Grunde geht es darum sein Leben zu gestalten, und zwar so zu gestalten, dass man damit zufrieden ist (idealerweise auch glücklich wobei ich das für eine sehr individuelle Sache halte). Das man mit sich selbst und uns seinem Leben im Reinen ist empfiinde ich als entscheidend. Ich bin davon überzeugt, dass man dann keinen Grund mehr hat Alkohol zu trinken. Denn letztlich trank man ja immer "nur", weil man sich erhoffte, dass der Alkohol etwas bewirtk, etwas verändert. Alkohol trinken ist immer eine Flucht aus der Realität die man ganz offensichtlich nicht ertragen kann oder will.

    Insofern möchte ich Dir sagen: Du bist auf Deinem Weg, auf Deinem ganz persönlichen Weg. Wenn Du von anderen hier liest und es sind Dinge dabei, die Du für Dich als gut oder wichtig oder nachahmenswert empfindest, dann ist das sehr schön. Denn das ist ja ein Stück weit auch der Sinn dieses Forums. Schnappe Dir diese (Denk-)Anstösse und "baue" sie so in Deinen Weg ein, dass es für Dich passt. Und tue das immer alles in Deinem Tempo. Überfordere Dich nicht, nichts ist schlimmer als sich selbst unter Druck zu setzen und zu überfordern. Greenfox hat das ja auch schon geschrieben. Gehe lieber langsam aber dafür absolut konsequent voran.

    Zitat

    Alles was mir nicht gut geht hinter mir zu lassen...


    Letzlich läuft es darauf hinaus. Wobei es ja oft gar nicht so einfach ist herauszufinden, was einem eigentlich nicht gut tut. Und auch wenn es sich vielleicht so liest als hätte ich das halt alles mal einfach so gemacht kann ich nur sagen: Es war ein langer, teils sehr schmerzhafter und von (Selbst-)Zweifeln geprägter Prozess.

    Hier spielte bei mir auch das Finden meiner Trinkgründe eine wichtige Rolle. Bei mir lagen diese in meiner Kindheit, in meiner Erziehung. Ohne das ich jetzt damit sagen will, dass eine schlechte Kindheit oder Jugend gehabt hätte. Nein, war eigentlich alles prima. Meine Eltern haben mich so gut erzogen so gut sie das eben konnten. Und auch so, wie sie selbst eben geprägt waren. Es war zumindest bei mir keine offensichtliche und klare Angelegenheit sondern ich musste schon recht tief "einsteigen" um mir selbst klar zu werden, wie ich zu dem Menschen werden konnte, der ich dann letztlich war.

    Wenn ich heute zurück blicke auf die Monate nach meinem Ausstieg, dann liegt das alles recht klar vor mir. Da waren einige elementare Entscheidungen zu treffen von denen ich heute weiß, das, wenn ich anders entschieden hätte, wahrscheinlich alles schief gegangen wäre. DAMALS jedoch, sah das ganz anders aus. Da wusste nur eines, das aber aus tiefstem Herzen heraus: ICH WILL NIE WIEDER TRINKEN und ICH WILL MEIN LEBEN WIEDER SELBST GESTALTEN. Das wusste ich und alles andere war ein riesiger Haufen von emotionalem Chaos.

    Ich möchte Dir ein Beispiel geben: Meine Trennung, von der ich hier ja schon häufiger geschrieben habe. Meine damalige Frau, die nun wirklich alles andere war als eine schlechte oder böse Frau, wäre mit mir sehr gerne den Weg in ein neues Leben gegangen. Das hat sie mir auch gesagt. Normalerweise hätte ich dankbar auf die Knie fallen müssen, dass ich überhaupt so eine Chance bekommen hätte. Aber statt dessen hatte ich ganz viele andere Gedanken im Kopf. Und diese Gedanken sagten mir, dass ich es mit dieser Frau und dieser gemeinsamen Lebengeschichte nicht schaffen werde dauerhaft trocken zu bleiben. Ich stellte all meine Gefühle in Frage, ich versuchte heraus zu finden: Was empfinde ich eigentlich für meine Frau? Liebe? Und welche Rolle spielen dabei meine Kinder? Bei ihnen war ich vollkommen klar, da brauchte ich mich meiner Gefühle nicht versichern. Da wusste ich: Ich liebe meine Kinder über alles - und genau desweg fiel mir auch diese Entscheidung so schwer.

    Es wäre also auch absolut nachzuvollziehen gewesen, wenn ich wegen meiner Kinder an dieser Beziehung festgehalten hätte. Diese Beziehung die ja nur ich allein kaputt gemacht hatte. Es war meine Schuld, mein Versagen. Ich war der Täter, nicht meine Frau. Trotzdem traf ich die Entscheidung mit zu trennen, mit allen Konsequenzen. Denn ich spürte, dass ich nur so wieder die Kontrolle über mein Leben erlangen kann und nur so dauerhaft ohne Alkohol leben werde können. Ich liebte sie nicht mehr, uns Verband eine gemeinsame lange Vergangenheit und zwei wunderbare Kinder. Aber nicht die Liebe. Nun ist wahrscheinlich auch Liebe etwas Relatives und es mag viele geben, die funktionierdende Beziehungen auf viel weniger aufbauen als das was ich damals hatte. Aber ich musste für MICH entscheiden, es ging um MEIN Leben. Und was sich vielleicht erst mal egoistisch anhört (die armen Kinder, die arme Frau) war letztlich die einzig richtige Entscheidung für mich. So konnte ich Abstand gewinnen, so konnte ich mich selbst in den Fokus nehmen, so konnte ich meine Suchtkrankheit aufarbeiten und verstehen lernen und so konnte ich sie dann letztlich auch dauerhaft überwinden. Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass ich auf jeden Fall gescheitert wäre, wenn ich mich anders entschieden hätte.

    Diese Entscheidung war die schwerste in meinem Leben, die Zeit nach dieser Entscheidung war geprägt von Gefühlschaos. Jedes Treffen mit meiner Ex-Frau, jedes Treffen mit meinen Kindern riss neue Wunden auf. Alte konnten nich verheilen und ich begann mehr und mehr in einer Flut von Schuldgefühlen zu versinken. Du merkst, ich habe nicht einfach heldenhaft irgendwelche schlauen Entscheidungen getroffen weil ich ja ein ach so kluger Kopf war. Nein, es war ein Prozess des immer wieder Nachdenkens, Zweifelns und manchmal auch Verzweifelns. Und doch kamen dazwischen dann mehr und mehr die Momente der Zuversicht, wo ich einfach merkte, dass es Zeit braucht und das ich Zeit brauche. Und ich merkte auch, dass ich unbedingt Hilfe brauche, vor allem was die Aufarbeitung meiner Schuldgefühle betraf. Und ich bin sehr dankbar, dass ich das erkennen durfte. So wie Du das ja für Dich auch erkannt hast.

    Am Ende war es dann der von mir hier schon oft erwähnte Mönch, der mich in zahlreichen Gesprächen zurück in einer geordnetes, in ein ruhigeres und klareres Leben geführt hat. Er gab mit genau die Hilfe die ich gebraucht habe. Er hat mir auch gelernt mit meiner Schuld zu leben, mit ihr umzugehen und sie als Fundament für mein zukünftiges Leben zu betrachten. Er hat mir klar gemacht, dass meine Sucht und das diese schlimmen Jahre mir bei der Gestaltung meines neuen Lebens eine große Hilfe sein können. Wenn ich meine Lehren daraus ziehe und wenn ich mir die Dankbarkeit, die ich wegen der Überwindung dieser Lebenskrise spürte, auf Dauer bewahren könnte.

    Ich habe Dir das jetzt nochmal etwas ausführlicher geschrieben weil ich denke, dass Du Dich gerade auch genau diesem Prozess befindest. In Deinem Tempo und mit Deinen Helfern um Dich herum. Ich denke, Du machst das sehr gut. Du hast erkannt, woran Du arbeiten möchtest, Dir ist klar, wo Du bei Dir Defizite siehst. Auch wenn Du diese vielleicht im Moment noch nicht abstellen kannst. Alleine das Erkennen und daran Arbeiten ist schon sehr viel wert.

    Und wenn ich Dir noch einen Gedanken schildern darf: Stell Dich selbst in den Mittelpunkt. Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Man kann sein Leben nur richtig aktiv gestalten, wenn man mit sich im Reinen ist. Und nur dann hat man auch genug Kraft für andere da zu sein, anderen zu geben, auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Ist das nicht der Fall, geht immer nur Energie verloren und man selbst bleibt auf der Strecke. Man gestaltet nicht, man steht auf der Stelle oder sprintet erst los um dann plötzlich wieder komplett zurück zu fallen. Das ist besonders für uns Alkoholiker brandgefährlich weil wir dann Gefahr laufen zu glauben, der Alkohol könnte unsere Energiereserven wieder auffüllen. Deshalb ist es so wichtig, dass man auf sich selbst am meisten achtet, sich nicht überfordert. Nicht automatisch das tut, von dem man glaubt das andere es von einem erwarten. Sondern nur das, was man selbst möchte und was einem nicht schadet.

    Phuu, wieder viel geworden. Alles alles Gute für Dich.

    LG
    Gerchla

    Hallo Cantanda,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich ganz kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Ich trank über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich, von meinem Umfeld unbemerkt.

    Jetzt einfach mal meine Gedanken zu Deinem Post.

    Erst mal möchte ich Dir sagen, dass ich es sehr gut finde, dass Du Dein Trinkverhalten unter die Lupe nimmst. Was Du da so von Dir schreibst deutet zumindest auf Alkoholmissbrauch hin. In wieweit Du bereits süchtig bist wird Dir niemand verbindlich sagen können. Das wirst Du sozusagen selbst herausfinden müssen bzw. Du wirst es merken, wenn Du jetzt nicht mehr trinken willst. Denn wenn Du bereits abhängig sein solltest, dann wird Dir das aller Voraussicht nach nicht so einfach gelingen. Aber das ist jetzt natürlich reine Spekulation.

    Was bei Dir gerade passiert ist etwas, was man immer wieder beobachten kann bzw. was ich selbst schon häufig von Alkoholikern erzählt bekommen habe. Also von trockenen Alkoholikern die darüber berichtet haben, wie sie in die Sucht gerutscht sind. Und ich selbst habe diese Erfahrung auch gemacht. Viele nutzen den Alkohol nämlich erst mal "nur" um ähnliches zu erreichen wie Du. Locker werden, entspannen, nicht so viel nachdenken müssen, etc. Die Gründe sind ja vielfältig und der Alkohol ist da ja zunächst auch mal ein gutes Hilfsmittel, man könnte auch sagen ein Schmiermittel das die Gesellschaft entspannt und zusammen hält.

    Wenn das ab und an mal passiert, da will ich mal nicht päpstlicher sein als der Papst, ist das ja auch kein Problem. Zum Problem wird es erst, wenn eine gewisse Regelmäßigkeit dazu kommt und wenn der Einsatz von Alkohol dann mehr und mehr bewusst entschieden wird. Wenn man sich also der Wirkung nicht nur bewusst ist sondern sie aktiv auch haben möchte. Auf Knopfdruck sozusagen. Unser Hirn speichert das alles ab und lernt sozusagen, wozu das Zeug "gut" ist, es weiß, wenn ich dieses Gefühl xy haben möchte, dann brauche ich nur zu trinken. Und so beginnt dann langsam die Sucht.

    Nun gibt es sehr viele Menschen, die sehr lange und sogar teilweise sehr viel trinken ohne bereits süchtig zu sein. Eine Formel mit 100%iger Gültigkeit wann jemand süchtig ist oder eben noch nicht, die gibt es nicht. Was aber immer wieder zu beobachten ist, ist, dass jene, die bereits Alkoholmissbrauch betrieben haben (ihn also bewusst eingesetzt haben), in schwierigen Situationen, schwierigen Lebensphasen, etc. dann richtig in die Sucht abrutschen.

    So aus der Ferne gesagt könnte ich mir vorstellen, dass Du im Moment genau an dem Punkt stehst. Du hast über Jahre die "positiven" Seiten des Alkoholkonsums erfahren, hast diese auch für Dich genutzt, warst jedoch meist im verträglichen Rahmen unterwegs. Ab und an mal ein Rausch, aber im Grunde hattest Du es ganz gut im Griff und auch die Menge war noch einigermaßen vertretbar. Wenngleich auch diese Mengen mit risikoarmen Konsum nicht zu tun hatten. Aber ok, so wie Du schreibst warst Du genauso unterwegs wie Millionen andere auch.

    Jetzt allerdings hat sich die Situation verändert. Jetzt aber sind plötzlich große familiäre Probleme da und, wie Du schreibst, noch ein paar andere extra oben drauf. Und jetzt machst Du eben genau das, was viele tun die den Alkohol auch schon vorher als Hilfmittel genutzt haben: Du nimmst ihn her um was auch immer damit zu erreichen. Abschalten, entspannen, vergessen, ne Auszeit haben, etc. Du wirst es selbst am besten wissen.

    Und das ist jetzt genau das Fatale. So rutscht man in die Sucht. Die ersten Anzeichen dafür kannst Du ja bereits sehen (und Du siehst ja glücklicherweise auch sonst wärst Du nicht hier), also häufigeres Trinken und auch größere Mengen um die gewünschte Reaktion zu erreichen.

    Deshalb ist es wirklich sehr sehr gut, dass Du JETZT etwas dagegen unternehmen willst. Wenn Du nichts tust, dann ist Deine weitere Alkoholkarriere vorgezeichnet. Es wird regelmäßiger, es wird mehr, Deine Persönlichkeit wird sich langsam verändern und Du rutscht immer tiefer hinein in den Sumpf.

    Was wäre jetzt also zu tun? Ich kann Dir hier jetzt nur sagen was ich mir denke. Ich würde an Deiner Stelle erst mal den "Genuss" von Alkohol absolut und kategorisch ausschließen. Ich würde mir sagen: Egal was kommt, egal wie schlimm es wird, ich trinke keinen Alkohol mehr. Auch nicht ein klein wenig. Gar nichts mehr.

    Nun hast Du ja aber auch geschrieben, dass Du der Meinung bist, dass Du das ohne Hilfe nicht schaffen wirst. Ich finde es übrigens sehr gut, dass Du Dich hier so genau reflektierst. Viele machen das umgekehrt und sagen: Ich probiere es erst mal ohne Hilfe, wird schon klappen.

    Und ich denke auch, dass Du Hilfe sehr gut brauchen kannst. Die Frage ist nur, welche Art von Hilfe und wofür eigentlich. Das kann ich Dir natürlich nicht beantworten denn 1. bin ich kein Arzt oder Psychologe und 2. weiß ich überhaupt nicht was bei Dir genau los ist. Mir scheint es aber so, dass Du mit einer bestimmten Situation nicht umgehen kannst. Ich weiß nicht was es ist aber ich denke mir, der Alkohol wird Dir nur eine Auszeit verschaffen, jedoch Dein eigentliches Problem nicht lösen. Denn der Alkohol löst nie Probleme, er schafft auf die Länge gesehen nur Neue die man ohne gar nicht hätte. D. h. also, eigentlich bräuchtest Du jemanden, der Dir dabei hilft Deine aktuelle Situation zu verarbeiten. Jemand der Dir "lernt", wie Du damit umgehen kannst, wie Du trotz dieser Situation zur Ruhe kommen kannst, wie Du trotz dieser Situation zu einer Entspannung / Erholung kommen kannst. Die wir ja alle brauchen um unsere Akkus wieder aufzuladen.

    Ein Psychlologe wäre hier vielleicht der richtige Ansprechpartner. Vielleicht könnte auch ein guter Freund, eine Freundin helfen. Ich kenne Deine Situation nicht deshalb ist es schwer hier etwas zu sagen. Möglicherweise gibt es für Dein Problem auch eine Selbsthilfegruppe. Und damit meine ich jetzt nicht Dein Alkoholproblem sondern das was da in Deiner Familie gerade passiert. Ich weiß es ja nicht.

    Was die AA betrifft: Ich glaube nicht, dass man Dich dort auslachen würde. Kann ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen. Ich weiß nur nicht, ob Du aktuell dort richtig aufgehoben bist. Wenn Du tatsächlich Alkohlikerin bist, dann bist Du dort sicher richtig (oder bei einer anderen SHG). Es könnte aber auch gut sein, dass Du einfach erst mal Hilfe brauchst um Deine familiären Konflikte verarbeiten zu können, denn zu lösen sind sie ja Deinen Angaben nach nicht.

    Vielleicht probierst Du es mal so, dass Du Dir vornimmst bis auf weiteres keinen Alkohol mehr zu trinken. Also eine bewusste Entscheidung gegen das Zeug. Und suchst Dir aber unbedingt gleichzeitig Hilfe im Bezug auf Deine familiäre Situation. Also jemanden mit dem Du darüber sprechen kannst, dem Du Dinge anvertrauen kannst, der Dir hier weiter helfen kann. Auch wenn dieser Mensch die eigentlichen Probleme in der Familie nicht lösen kann. Vielleicht brauchst auch einfach jemanden damit Du nicht alleine da stehst, mit dem Du Entscheidungen und mögliche Wege diskutieren kannst. Vielleicht gibt es ja eine Lösung für Dich, wenn Du lernen könntest Dich besser abzugrenzen, wenn Du lernen könntest Dich auf Dich und Dein Leben zu konzentrieren. Also auf das, was DU SELBST in der Hand hast und DU SELBST beeinflussen kannst. Vielleicht musst der lernen zu akzeptieren, dass es Dinge gibt die man nicht in der Hand hat und die man selbst überhaupt nicht beeinflussen oder steuern kann. Schon wieder ganz viel Spekulation von mir....

    Versuchs doch mal mit dem kompletten Alkoholverzicht und dann wirst Du selbst sehen wie es Dir damit geht. Ob es Dir leicht fällt auf Alkohol zu verzichten, ob Du es überhaupt schaffst oder ob Du weiter trinkst, es sogar weiter steigerst, etc. Wenn letzteres passiert, dann weißt Du was die Uhr geschlagen hat. Und dann ist ein Gang zur SHG selbstverständlich eine gute Option. Aber dann wäre es auch anzuraten, eine Suchtberatung, einen Arzt aufzusuchen. Denn dann geht es wirklich ums Eingemachte.

    Du hast vielleicht gemerkt, dass es mir nicht so leicht gefallen ist die richtigen Worte für Dich zu finden. Das liegt wohl daran, dass mir Deine genaue Situation nicht richtig klar ist. Aber ich hoffe trotzdem, dass ein paar Denkanstösse für Dich dabei waren.

    Wenn Du Fragen hast, dann einfach her damit. Ansonsten wünsche ich Dir einen guten Austausch hier im Forum und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Deine Probleme ganz schnell in den Griff bekommst.

    LG
    gerchla

    Hallo Femme,

    ich möchte einfach nur ein paar Gedanken von mir zu Deinen Zeilen da lassen.

    Erst mal möchte ich sagen, diese Einstellung von Dir:

    Zitat

    Aufgeben ist keine Option.

    finde ich super und es ist auch die einzig richtige! Auch wenn es jetzt nicht so toll läuft, aber wenn Du aufgibst wird 1. alles noch viel viel schlimmer und 2. ist die Chance weg Deine Situation langfristig zum Positiven zu verändern. Deshalb ist es absolut richtig das Aufgeben keine Option ist. Und finde es super, dass Du das so siehst und jetzt auch so durchziehst.

    Jetzt aber zu meinen Gedanken.

    Die Anfangseuphorie ist weg. Das ist eigentlich ganz normal und wird immer wieder von ganz vielen Alkoholikern so geschildert. Ich selbst kann das gar nicht so von mir sagen. Bei mir war es schon so, dass ich am Anfang ziemlich überwältigt (positiv) davon war, was da gerade mit mir passiert. Ich habe das in den ersten Wochen und Monaten besonders auch körperlich gemerkt. Plötzlich purzelten die Pfunde nur so runter und ich fühlte mich, als könnte ich Bäume ausreißen. Fitter, heller in der Birne, wacher im Geiste. ABER: Meine psychische Verfassung ging einen ganz anderen Weg. Hier war sozusagen ein Trümmerhaufen an Gefühlen, hier waren riesige Schuldgefühle die mehr und mehr ein Problem für mich waren und hier war auch sowas wie: "wie soll ich das alles nur schaffen, da sind so viele Altlasten und so viele neue Probleme".

    Ein Gefühl jedoch hat mich sozusagen von Anfang an begleitet, übrigens bis heute. Das war das Gefühl der Dankbarkeit, dass ich nicht mehr trinken musste und auch so gut wie nie von Suchtdruck belastet wurde. Also schon ein wenig anders als das bei Dir ist.

    Trotzdem will ich Dir meine Gedanken schreiben, vielleicht kannst Du was für Dich mitnehmen.

    Da war also der "körperliche Teil" bei mir, der super lief und immer besser wurde. Und da war die Psyche, die auch nach Monaten noch im Eimer war bzw. auch immer wieder neue Herausforderungen hatte. Ich habe mich kurz nach meinem Ausstieg von meiner Frau und damit meinen Kindern getrennt was für mich eine extrem schlimme Situation war. Dazu kamen dann noch Dinge aus meiner Alkoholvergangenheit die ich jahrelang verheimlicht hatte und die jetzt natürlich nach und nach auf den Tisch kamen. Schlimme Dinge, wirklich schlimme Dinge. Es gab für mich aber keine Alternative. Da waren Sachen dabei, die ich "für immer" hätte totschweigen können. Aber genau das wollte ich eben nicht. Ich wollte wirklich reinen Tisch machen um ganz neu anfangen zu können.

    Mein Plan war es, mein Leben notfalls auch komplett zu verändern, wirklich notfalls alles zu verändern, wenn mir es das ermöglicht ein zufriedenes Leben ohne Alkohol zu führen. Deshalb auch die Trennung von meiner Frau, was wirklich vor allem durch meine Kinder meine bisher schwerste Entscheidung war. Ich ging durch die Hölle. Ich wollte auch diese ganzen negativen Gefühle zu lassen, sie nicht durch irgend einen Aktionismus (ich wusste z. B. das mir Sport eine gute Ablenkung verschafft hätte) verdrängen. Ich wollte das alles spüren, durchdenken, erleben und erfühlen um dann aber auch abschließen zu können. Ich habe diesen Weg bewusst gewählt und ich kam dann auch schnell an den Punkt wo ich merkte, dass ich das alleine nicht schaffen werde.

    Deshalb nahm ich mir Hilfe. Wie Du ja auch. Bei mir war es ein Mönch der es mir ermöglichte mit ihm über meine Situation, meine Ängste, meine Gefühle zu sprechen. Viele viele Gespräche über viele Monate hatten wir. Und so konnte ich wirklich richtig aufarbeiten und auch abschließen. Und dann tatsächlich neu anfangen.

    Ich denke also, es sind mehrere Schritte notwendig, zumindest war das bei mir so. Basis: Nicht mehr trinken, das ist klar. Und dann wirklich klar Schiff machen auch wenn man erst mal denkt, das geht doch nicht, das kann ich nicht tun, das wird mich aus der Bahn werfen. Hätte ich meinen Job z. B. als Problem gesehen, so kann ich Dir versichern, dass ich auch diesen hingeworfen hätte. Sofort und auch dann, wenn ich erst mal keine Alternative gehabt hätte. Ich wollte wirklich alles weg haben was mich belastet hat.

    Ich weiß, dass sich das jetzt recht einfach liest. Und es war alles andere als einfach. Alleine meine Trennung hat mich literweise Tränen im Vorfeld gekostet, immer wieder stundenlanges Wachliegen, nachdenken ob ich diesen Schritt gehen soll oder nicht. Immer wieder ein abwägen von Konsequenzen, ein Verwerfen und ein neuerliches in Betracht ziehen. Aber irgendwann muss dann auch mal eine Entscheidung her. So oder so und zu der muss man dann auch stehen, dahinter stehen.

    Wenn ich Dich so lese, dann denke ich mir, da sind einige Dinge die nicht so toll laufen. Du schreibst von Deinem Job, der wohl nicht das ist was Du Dir vorgestellt hast und Du schreibst auch von Deiner Beziehung, die nicht so läuft wie sie es vielleicht sollte. Ich kenne Dich nicht und ich will mir nicht anmaßen Dir hier jetzt irgendwas zu raten.

    Ich selbst bin der Meinung, dass man sich selbst gegenüber klar sein muss, was man will und was einem gut tut und was nicht. Und dass man das was einem nicht gut tut verändern muss. Ein Ausharren in Situationen die einen Belasten ist temporär sicher kein Problem und sowas passiert auch immer wieder. Auf einen längeren Zeitraum jedoch ist das hochgefährlich. Vor allem für einen Alkoholiker, weil er natürlich immer in Gefahr ist, wieder auf sein "Entspannungsmittel" Alkohol zurück zu greifen. Deshalb ist es m. E. so wichtig, dass man mit sich und seinem Umfeld, seinem Leben, ins Reine kommt. Das beseitigt, was einem nicht gut tut, was schadet und sich dem zuwendet, das einem zur Zufriedenheit bringt.

    Das ist ein Prozess und das bedarf auch immer wieder von neuem ein Hinschaufen, ein Justieren, etc.

    Ich denke, Du befindest Dich noch in der Phase wo Du heraus finden musst, was Du eigentlich möchtest. Was Du von Deinem Leben eigentlich jetzt erwartest, wer Du gerne sein möchtest, wo Du hin willst. Und wenn Du Dir darüber mal im Klaren bist, dann wirst Du auch erkennen welche Veränderungen es dafür braucht. Ich habe das bei mir so erlebt. Ich brauchte etwa ein Jahr ohne Alkohol bis ich mit dem Gröbsten durch war.

    D. h. ich hatte meine Trennung vollzogen, ich lernte mit meinen extremen Schuldgefühlen umzugehen, ich wurde mir klar darüber, wer ich eigentlich sein will und wie ich mir mein zukünftiges Leben vorstelle, ich wurde mir klar darüber, was für ein Mensch ich sein möchte und noch mehr solche Dinge. Ich habe auch meine Trinkgründe gesucht und gefunden. Ich begann zu verstehen, warum ich trank, wieso ich den Alkohol als Hilfmittel gewählt hatte.

    Nach diesem Jahr war es natürlich nicht vorbei. Es begann dann langsam diese Zeit des immer wieder Hinschauens, des Korrigierens, etc. Und das dauert im Grunde bis heute an und ist wohl ein immerwährender Prozess.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute! Vielleicht war was für Dich dabei was Dir einen Denkanstoss geben kann. Bleib dran und lass mal ab und an was von Dir hören.

    LG
    gerchla

    Hallo Sonne,

    ein herzliches Willkommen auch von mir.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig (ganz genau kann ich es gar nicht sagen weil ich nicht weiß, wann der Schalter letzlich gekippt ist). Die meiste Zeit davon trank ich komplett heimlich. Was mir auch "sehr gut" gelang, obwohl ich Frau und Kinder hatte.

    Ich würde Dir gerne ein paar Fragen stellen. Antworten brauchst Du natürlich nur, wenn Du das auch möchtest. Du hast ja schon von meinen Vorschreibern/Schreiberinnen gelesen, dass es recht schwer ist selbst, also ohne Hilfe, aufzuhören. Und ich kann das nur unterstreichen. Es mag sein das es Alkoholiker gibt die das schaffen und dass man es dann natürlich auch gar nicht mitbekommt. Denn wenn es jemand selbst schafft, warum sollte er es dann herumerzählen. Wo es doch als eine große Schwäche gilt, wenn man alkoholabhängig ist (was übrigens natürlich totaler Schwachsinn ist).

    Was ich aber mitbekommen habe in den mittlerweile vielen Jahren wo ich mich anderen Süchtigen austausche ist, dass es viele, eigentlich fast jeder, erst mal selbst und sozusagen heimlich versucht hat. Und alle die ich gesprochen habe sind gescheitert. Inklusive meiner eigenen Person. Ich dachte ja ich bin ein ganz schlauer. Denn da ich heimlich trank erschien es mir als sehr schlau, wenn ich auch heimlich aufhöre. Denn dann würde ja niemand etwas davon mitbekommen. Keiner wüsste, dass ich ein Problem hatte und alles wäre prima. Win-Win-Situation sozusagen.

    Das war dann aber die Rechnung ohne die Sucht gemacht. Ich scheiterte mehrmals kläglich. Mehr als Trinkpausen (paar Wochen, später paar Tage) wurde nie daraus. Erst als ich bereit war ALLES für den Ausstieg aus der Sucht zu tun, also wirklich alles was es so an Programmen gab, da ist es mir gelungen. Das "witzige" daran ist aber, dass ich gar nicht alles dafür tun musste. Sondern ich musste eben "nur" bereit sein alles zu tun. Und entsprechend auch ausprobieren, was mir an Hilfsangeboten wirklich hilft. Ohne vorher schon Dinge auszuschließen oder zu sagen: dieser Quatsch bringt mir eh nix" oder "da kann ich nicht hingehen, weil da könnte mich jemand kennen", etc.

    Und so ging ich gleich am ersten Tag ohne Alkohol in eine SHG (war ne AA Gruppe), ich ging zum Arzt, zur Beratung, zum Psychologen, ich hatte einen Mönch als Gesprächpartner mit dem ich viele Monate lang viele Gespräche führte, ich hatte einen guten Freund der mir sehr viel geholfen hat.

    Was ich nicht hatte war z. B. eine klassische Therapie. Ich hätte aber keine Sekunde gezweifelt eine zu machen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass es mir helfen könnte oder das mein Weg sein könnte.

    Und das ist eben genau der Punkt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, die Hilfe finden, die einen dann letztlich weiter bringt. Und das ganze ist auch ein Prozess. Am Anfang des Ausstiegs können es andere Hilfsagebote sein als z. B. ein paar Monate später. Ich z. B. war nur ein paar Monate in meiner SHG. Und sie war Anfangs für mich wie eine Lebensversicherung. Je länger ich weg war vom Alkohol, desto mehr merkte ich, dass mich diese Gruppe nicht mehr weiter bringt, dass sie mich dann irgenwann sogar belastet hat. Und so ging ich und habe andere Dinge gemacht.

    Andere bleiben sozusagen ihr Leben lang in der Gruppe und gehen voll darin auf. Das ist die Kunst, den eigenen Weg zu finden.

    Jetzt aber zu meinen Fragen:

    Warum glaubst Du denn das Du trinkst? Was fehlt Dir, was denkst Du könnte der Grund sein? Klar, jetzt trinkst Du wahrscheinlich weil Du süchtig bist und trinken musst. Aber welches Gefühl wolltest Du denn haben oder erreichen (ursprünglich) durch den Konsum von Alkohol. Was wolltest Du kompensieren oder wolltest Du überhaupt was kompensieren? Hast Du auf diese Fragen (schon) Antworten?

    Deine Beziehung scheint ja eine sehr gute zu sein, so lese ich das zumindest heraus. Will sagen, Dein Mann wird nicht "der Grund" für Deine Flucht in den Alkohol sein. Andererseits scheinst Du ihm gegenüber auch eine bestimmte Rolle spielen zu wollen. Er soll Dich als "starke Frau" sehen und nicht als schwächliche Alkoholikerin. Vielleicht willst Du auch in anderen Situationen anders sein oder erscheinen als Du es eigentlich bist. Vielleicht hast Du Anforderungen an Dich selbst und an Deine "Rolle", die Du eigentlich gar nicht erfüllen kannst. Die vielleicht andere auch gar nicht von Dir erwarten sondern nur Du selbst glaubst das.
    Das stimmt mich sehr nachdenklich, wenn ich ehrlich bin. Denn genau darin könnte eines Deiner eigentlichen Probleme liegen. Jemand sein zu wollen, der Du gar nicht bist. Dazu ist Alkohol oft sehr gut zu gebrauchen. Möglicherweise geht das auch gar nicht auf Deinen Mann zurück sondern ist etwas, dass Du von viel viel früher (Kindheit / Erziehung) aufgedrückt bekommen hast. Und wo Du jetzt natürlich nicht so einfach raus kommst.

    Spekulation, ich weiß. Was ich Dir sagen will: Sei nicht blöd und versuche es heimlich und alleine. Das wird nicht klappen, ich habe noch nie jemanden getroffen bei dem das geklappt hat. Dafür lässt Du der Sucht nämlich ein viel zu großes Hintertürchen auf, ja ein regelrechtes Hintertor!

    Wenn Du schon das Glück hast einen Mann zu haben der Dich unterstützen würde und diesen Weg mit der gehen würde, dann nutze dieses Glück auch! Outen ist das A und O für einen funktionierenden Ausstieg. Es muss nicht Hinz und Kunz wissen, aber die Dir nahestehenden Personen, die wirklich wichtigen, die müssen Bescheid wissen.

    Und bitte: Du bist NICHT schwach. Du bist im Gegenteil sehr STARK, weil Du jetzt etwas gegen diese Sucht unternehmen willst. Damit gehörst Du zu einer sehr kleinen Gruppe. Die allermeisten Alkoholiker trinken nämlich bist zum bitteren Ende und funktionieren so lange sie halt funktionieren. Nur ganz wenige versuchen überhaupt den Ausstieg. Und von diesen Wenigen sind es wieder nur wenige die es auch schaffen. Das schreibe ich Dir deshalb um dir zu zeigen wie erst die Sache ist. Man hört nicht mal so nebenbei mit dem Trinken auf. Diese Sucht ist verdammt mächtig. Aber, und das ist das Positive, man kann da raus kommen. Wenn man es mit aller Offenheit und aus dem tiefsten Inneren heraus möchte und bereit ist alles dafür zu tun.

    So, lange Rede, viel geschrieben. Ich weiß ja gar nicht, ob Dich meine Zeilen überhaupt erreichen, emotional meine ich. Oder Du Dir denkst: Mir egal was der schreibt. Deshalb: Wenn Du Fragen hast, dann einfach raus damit. Ansonsten wünsche ich Dir von Herzen, dass Du Deinen Weg finden kannst. Aber bitte vergiss das mit dem heimlich getue...

    Ok, ich lass es jetzt. Alles alles Gute für Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo Giacoda,

    Ich bin 50 Jahre alt und Alkoholiker. Und trinke jetzt schon lange nicht mehr.

    Es ist schwer etwas zu Deiner Geschichte zu schreiben. Klar ist ein Alkoholiker nach Beendigung seiner Sucht nicht mehr derjenige der er davor war. Dafür ist viel zu viel passiert. Tiefgreifende und prägende Dinge.

    Aber in vielen Fällen entwickelen sich trockene Alkoholiker zum Positiven. Zumindest wenn sie so lange trocken sind wie Deine Mama. Es gibt schon auch welche, die mit der Faust in der Tasche trocken sind. Ich vermute dann immer, dass sie eigentlich nicht zufrieden sind mit ihrem Leben.

    Und genau das ist die Kunst: zufrieden oder sogar glücklich sein ohne den Alkohol zu vermissen, ohne diese HILFSMITTEL das einem früher dieses Gefühl verschafft hat.

    Ich Weiß nicht was bei Deiner Mama genau passiert ist. Ich denke Du kannst nur an Dir selbst arbeiten. Du hast es ja schon versucht aber jede Therapie ist nur eine Anleitung oder besser ein Anstoß zur Selbsthilfe. Die eigentliche Arbeit beginnt erst danach. Das gilt auch für uns Alkoholiker. Vielleicht musst Du noch Deinen Weg finden, damit Du loslassen und Dein Leben leben kannst.

    Nur ein paar Gedanken von mir.

    Alles Gute Dir!

    LG
    Gerchla

    Hallo Tinka,

    ich wollte mich mal kurz bei Dir melden. Bin gerade etwas und Zeitdruck aber ich wollte Dir einfach mal schreiben, dass Deine Zeilen gelesen habe. Und ich der Meinung bin, dass Du das gerade sehr gut machst.

    Du bist bei Dir, achtest auf Dich und Deine Bedürfnisse und das aber ohne dass Du ihm damit die Luft nimmst. Ok, im Moment ist er ja noch in Therapie aber so wie Du Dich liest wird genau das Dein Weg sein. Und ich hoffe für Euch, dass es EUER Weg wird. Es ist klar, dass er jetzt erst mal geflasht ist. Du musst Dir mal vorstellen, was da gerade alles so mit ihm passiert. Er bekommt gerade Input ohne Ende und er scheint diesen ja jetzt auch zuzulassen. Da hat er jetzt schon erst mal was zu verarbeiten.

    Aber eben auch Du, denn Du musst ja auch mit dieser neuen Situation umgehen. Und hast im Hinterkopf sicher auch immer noch die Erfahrungen aus den Monaten vorher. Da geht es ja dann auch irgendwann wieder um eines der wichtigsten Dinge in einer Beziehung: Es geht um Vertrauen. Und das wiederzuerlangen, dass dauert. Wie Du schon richtig bemerkt hast ist das ein langer Weg. Raus aus dem Alkoholsumpf und dann auch noch hin in Richtung "Vertrauen zurück gewinnen". Das braucht Zeit, vielleicht auch viel Zeit und wenn Ihr bereit seid Euch die zu geben, dann kann das alles ein gutes Ende nehmen. Ich wünsche es Euch.

    Ich finde es einfach toll, das will ich mal schreiben, wie Du das machst. Auch Deine Bereitschaft an Dir zu arbeiten und Deinen Teil zu einem Neustart damit beizutragen.

    Alles Gute weiterhin. Und lass mal wieder was von Dir hören, wenn Du Zeit zum Schreiben hast.

    LG
    gerchla

    Liebe Lali,

    ganz lieben Dank für Deine offenen Zeilen.

    Schau mal, schon jetzt kommst Du der "ganzen Angelegenheit" immer näher. Schon jetzt sieht man auch ohne psychologische Ausbildung, dass da was vergraben liegt was wahrscheinlich mal ausgegraben werden muss um es dann beseitigen zu können. Dauerhaft.

    Und genau da will ich mich jetzt auch zurück halten. Ich will Dir keine schlauen Ratschläge geben, denn ich denke das ist die Aufgabe von jemanden, der davon auch wirklich was versteht. Aber diesen Termin hast Du ja bereits vereinbart. Und hier wird dann wahrscheinlich ein Termin den nächsten ergeben. Wichtig ist aus meiner Sicht erst mal nur, dass Du offen bist. Damit meine ich, dass Du dazu bereit bist Dir helfen zu lassen und dass Du Hilfe willst und suchst. Wenn Du dann noch darüber im Klaren bist, dass diese Hilfe von außen trotz allem immer "nur" einen Anstoss geben kann, dass es dabei also quasi um Hilfe zur Selbsthilfe handelt und Du auch selbst an Dir arbeiten musst, dann wirst Du das schaffen. Ganz bestimmt, ich lese Dich wirklich als sehr reflektiert und klar. Ich glaube Du bringst alle Voraussetzungen mit.

    Noch ein paar Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Zitat

    Ich fühle mich fast schon schlecht, dass ich da ein Thema von mache angesichts der vielen Menschen hier und überall, die wirklich furchtbare Erlebnisse in ihrer Kindheit hatten, was ich definitiv nicht hatte. Dennoch habe ich immer so ein Gefühl in mir, dass ich nicht richtig bin.

    Es ist klar, dass Du Dich nicht schlecht fühlen brauchst. Das weißt Du auch. Man muss sich nicht dafür schlecht fühlen, weil man keine schlechte Kindheit hatte. Man kann vielleicht dankbar sein das es so war. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein. Aber der zweite Satz, dass Du das Gefühl hast Du wärst nicht richtig, das ist der Satz der es eigentlich so richtig in sich hat. Denn das ist ein Gefühl, dass Dein Leben, vor allem Dein Denken und Dein Handeln extrem beeinflussen wird. Da bin ich mir sicher. Da musst Du ran. Das muss weg. Ich wiederhole mich wenn ich sage, dass es dafür Menschen gibt die etwas davon verstehen. Mit diesen zusammen wirst Du das hinbekommen.

    Zitat

    Ich weiß nicht, ob ich da übertreibe bzw. über-empfindlich bin.


    Das spiegelt Deine Selbstzweifel wider. Das geht auch in die "ich bin nicht richtig"-Richtung. Da hängt alles mit allem zusammen. Und am Ende dann auch Deine Angstörung und ganz hinten dran dann auch Deine Suchterkrankung. Wichtig ist, dass Du jetzt nicht mehr trinkst. Denn selbst wenn Deine Suchterkrankung aus all diesen psychischen Belastungen heraus entstanden ist, so kannst Du diese psyschischen Belastungen (und damit den eigentlichen Grund für Dein Trinken) nur beseitigen wenn Du nicht aktiv trinkst. Daran scheitert es oft. Menschen trinken z. B. weil sie unter Depressionen leiden und je länger sie trinken desto schlimmer werden die Depressionen und desto tiefer rutschen sie in die Sucht. Um die Depressionen effektiv bekämpfen zu können müssten sie aber erst mal mit dem Trinken aufhören, also ihre Sucht (wenigstens mal temporär) besiegen. Das schaffen aber viele nicht, weil die Sucht sich bereits manifestiert hat und sie keine andere Möglichkeit sehen als gegen die Depressionen anzutrinken.

    Also nur mal so ein Beispiel. Ich glaube darüber musst Du Dir keine große Sorgen machen. Wichtig ist nur, dass Du Dir ganz darüber im Klaren bist, dass Du Deine psychischen Probleme nur aufarbeiten kannst, wenn Du abstinent lebst. Und ich bin mir sicher, dass sich damit auch die Aussicht auf einer dauerhaftes Leben ohne Alkohol für Dich erheblich verbessert. Und Dir nicht mehr das passiert, was Dir jetzt passiert ist. Weil Du nämlich eine Riesenbelastung von Dir genommen hast. Das wird dauern, sei Dir darüber im Klaren. Aber dieser Weg lohnt sich sowas von.

    Zitat

    Ihre Reaktion darauf, dass ich erzählte, dass ich ein Problem mit Alkohol entwickelt habe und ab jetzt abstinent leben möchte war nicht "ach du meine Güte, gut, dass du das so machst, wir unterstützen dich natürlich" sondern "ach du meine Güte, pass bloß auf, dass du den armen Franz (mir fällt grad kein besserer Name für meinen Mann ein) nicht damit nervst. Nicht, dass du ihm das jetzt madig machst wenn er mal was trinken möchte".


    Naja, weißt was meine Mama damals zu mir gesagt hat als ich mich geoutet habe: "Da kommt der Christian durch" - Erklärung: Christian war mein Opa ihr Vater. Der war Alkoholiker aber trotzdem mein Lieblingsopa. Sie sagte diesen Satz obwohl ich ihr vorher sozusagen erzählt habe, dass meine Welt jetzt in Trümmern liegt. Dass ich mich von meiner Frau, Ihrer Schwiegertochter, trennen werden, dass damit meine Kinder ihren "Papa" verlieren und dass ich nicht weiß, wie das jetzt alles weiter gehen soll.

    Ach, und wenn Du denkst darauf folgten dann aber doch noch tiefgreifendere oder ernstere Gespräche dann hast Du weit gefehlt. Sowohl meine Mama als auch mein Papa haben versucht möglichst schnell das Thema zu wechseln. Für mich war das damals ja ein Gang nach Canossa. Ich war bis dahin ja der treusorgende, heldenhafte Superfamilienvater der nebenher noch eine super Karriere gemacht hat. Am Ende war ich aber nichts anderes als ein über 10 Jahre langer Heimlichtrinker der seine Familie belogen und betrogen hat und der die letzten Jahre ein fürchterliches Doppelleben führte.

    Aber für mehr als diesen Spruch hat es nicht gereicht. Nun, ich hatte damit zu kämpfen. Es beschäftigte mich immer wieder. Ich hätte auch Kritik oder Vorwürfe verkraftet, irgendwas halt. Und auch später, wenn mir mein Vater erklärte das die Soße zum Braten von ihm mit Rotwein "verfeinert" wurde und ich sagte: äh, aber Du weißt doch das ich...." und er das komplett ignorierte, bekam ich immer wieder mein Päckchen mit. Heute sage ich, sie können es einfach nicht anders. Und einer meiner Trinkgründe war z. B., dass ich nie gelernt hatte mit Problemen umzugehen. Denn bei uns gab es keine Probleme weil es keine zu geben hatte. Versehst Du? Sie können gar nicht anders, sie wollen nichts böses.

    Aber ich denke, liebe Lali, auch dazu wirst Du Hilfe erhalten. Auch das wirst Du aufarbeiten können. Mit entsprechender Hilfe. Du kannst das alles für Dich lösen, wenn Du es nur willst und dazu bereit bist. Und das wird Dich zu einem neuen, zu einem anderen Leben führen. Ein besseres für Dich. Davon bin ich überzeugt.

    Alles alles Gute für Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo Perspektive-jetzt,

    Zitat

    Hast Du in der letzten Zeit/Jahren richtig Saufdruck gehabt? Mich beschäftigt mein Rückfall nach den drei Jahren. Heute weiß ich warum, weshalb, usw. aber das macht meine "Angst" vor ähnlichen "Vorkommnissen" nicht kleiner.

    Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit NEIN beantworten. Ich kenne diesen Druck nur aus den Zeiten vor meinem letzten Ausstieg. Meine längste Trinkpause dauerte etwa ein Jahr. Und in dieser Zeit hatte ich einerseits immer ein unterschwelliges, aber problemlos kontrollierbares, Verlangen und eben auch ein paar akute Drucksituationen. Welche ich aber immer abwehren konnte. Bis auf die letzte. Der kam sozusagen aus dem Nichts und traf mich komplett unvorbereitet. Ich gab nach und war innerhalb kürzester Zeit wieder dabei.

    Seit meinem letzten Ausstieg gab es so ein Gefühl nie mehr. Ab da war alles anders. Da hatte ich zwar eine Phase (in den ersten Wochen) wo ich Angst hatte ich könnte es nicht schaffen, wenn ich nicht ein paar Baustellen (z. B. meine enormen Schuldgefühle) abarbeite, jedoch war diese Angst kein Druck. Es war eben die Angst davor, dass dieser Druck deshalb kommen könnte und ich ihn dann nicht kontrollieren kann.

    Und was habe ich also getan? Ich habe die Baustellen abgearbeitet. Alle die kamen, da waren ganz viele alte, Altlasten sozusagen, es kamen auch neue (durch die Trennung von Frau und Familie z. B.) hinzu. Nie habe ich verharrt, immer habe ich aktiv versucht Lösungen zu finden. Ich wollte nicht mehr kontrolliert werden, ich wollte die Kontrolle (über mein Leben). Und so war mein erstes Jahr, ich schrieb es schon oft, ein Jahr, dass voll war mit Arbeit an mir selbst. Viel alleine, viel aber auch mit Hilfe von außen. Da waren dann richtig schlimme Zeiten dabei, wo ich längere Zeit ganz viel schlimme Gefühle zulassen musste (wollte) um diese dann auch aufarbeiten und abschließen zu können. Aber es waren dann auch immer mehr positive Erlebnisse und Erfahrungen dabei. Dann auch viele Erkenntnisse, Aha-Effekte sozusagen.

    Und umso weiter ich kam, umso klarer wurde ich. Und umso ruhiger wurde ich. Und umso besser ging es mir. Und die Angst ich könnte wieder trinken wollen wich nach und nach. So dass ich mich oft auch mal fragte, ob ich vielleicht zu lässig unterwegs bin, zu selbstsicher und ob ich dann nicht dafür irgendwann mal die Quittung bekommen könnte. In Form eines Rückfalls weil ich dachte der Alkohol kann mir nichts mehr anhaben.

    Aber dem war ja auch nicht so. Ich wusste und weiß ja sehr wohl das er mir was anhaben kann. Wenn ich ihn den trinken würde. Aber ich sehe überhaupt keine Veranlassung ihn zu trinken. Und Du darfst mir glauben, dass ich auch schlechte Zeiten hatte (und noch haben werde) seit ich nicht mehr trinke. Auf die Idee mir jetzt per Alkohol Erleichterung zu verschaffen bin bisher nie gekommen. Ich arbeite daran dass das so bleibt. Und ich denke es hängt alles damit zusammen, dass ich mit mir im Reinen bin und es auch bleibe. Das ich achtsam bin mir selbst gegenüber und mich selbst nicht überfordere. Das ich sage was ich möchte und was nicht. Ich denke, das sind für mich so die wichtigsten Dinge.

    Alles Gute und bleib dran!

    LG
    gerchla

    Hallo Lali,

    ich mal wieder.

    Ich will mal versuchen meine Gedanken hier runter zu schreiben.

    Erst mal möchte ich Dir dazu gratulieren, dass Du den Entschluss gefasst hast Deinen Rückfall sofort zu beenden und dass Du gleich wieder in ein abstinentes Leben hinein finden möchtest. So ganz selbstverständlich ist das nämlich nicht, ich kenne einige Alkoholiker die nach einer längeren Trockenphase und erfolgtem Rückfall dann erst mal wieder ein paar Jahre getrunken haben. Und die allergrößte Anzahl derer mit Rückfall finden überhaupt nicht mehr zurück. Oft passieren diese Rückfälle ja in den ersten Wochen oder Monaten des abstinenten Lebens. Da kann man zwar streiten ob das dann ein Rückfall war oder "nur" die Beendigung einer Trinkpause aber wenn Du Dir dazu mal die offiziellen Zahlen ansiehst, dann siehst Du, dass es erst mal recht wenige sind die es schaffen dauerhaft ein Leben ohne Alkohol zu leben. Und dabei waren es ja schon sehr wenige, die das überhaupt erst mal versucht haben. Das zeigt auch einfach nur, wie gefährlich und schwer diese Krankheit eigentlich ist.

    Und es ist eben auch so, dass viele langzeittrockene Alkoholiker es nicht aufs erste Mal geschafft haben. Deshalb bezeichnet man unsere Krankheit auch oft als "Rückfallkrankheit", weil der Rückfall eher die Regel ist als die Ausnahme. Mir persönlich gefällt diese Bezeichnung nicht sonderlich, denn sie impliziert für mich, dass ein Rückfall quasi dazu gehört. Und das stimmt nun aber auch nicht. Aber, und das ist das was ich Dir eigentlich sagen möchte: Wenn Du jetzt daraus lernst, dann kannst Du bald zu der Gruppe gehören, die nach einem Rückfall ein dauerhaft abstinentes Leben erreicht haben. Und das sind gar nicht so wenige.

    Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass Du Dich damit beschäftigst warum es dazu gekommen ist. Und mit dem was Du geschrieben hast, auch die Tatsache das Du bereits einen Termin bei der Psychologin vereinbart hast, gehst Du genau in diese Richtung. Vielleicht hast Du das jetzt also auch einfach nochmal gebraucht um wirklich Deinen Weg finden zu können. Die Zeit wird es zeigen.

    Ich will noch auf ein paar Dinge direkt eingehen:

    Zitat

    Schon während des Telefonats sagte sie, das höre sich für sie nach generalisierter Angststörung an, was man aber gut in den Griff bekommen könne. Das Thema Alkohol muss dann auch auf den Tisch.


    Schau mal, Du wurdest aktiv und schon tut sich da was. Erst mal hast den Termin, auch wenn es noch lange hin ist (war bei mir übrigens genauso) und dann bekommst Du auch gleich noch eine positive Aussage mit auf dem Weg, nämlich "kann man gut in den Griff bekommen". Na also, dann freu Dich drauf, wenn Du Deine Ängste los wirst und auch weiter ohne Alkohol lebst wirst Du ein anderer Mensch sein. Es wird Dir viel viel besser gehen und wenn es Dir wirklich gut geht, dann wird der Alkohol an Bedeutung verlieren. Ich meine das mit "gut geht" nicht so, dass immer um Dich herum die Sonne scheinen muss. Nein, ich meine es grundätzlich im Sinne "im Reinen mit Dir sein".

    Zitat

    Und so ist es bei mir natürlich auch.
    Ich habe nicht von ungefähr angefangen zu trinken. Ich wollte dieses leichte Gefühl. Und das ist es auch, was ich heute in den Situationen, in denen ich trinke bzw trank, haben wollte. Ich will entspannt sein und nicht so viel denken.


    Und siehst Du, sich damit zu beschäftigen, das meine ich mit "Trinkgründe" finden. Warum willst Du dieses leichte Gefühl? Oder besser: was verhindert denn aktuell das Du dieses leichte Gefühl nicht auch ohne Betäubung spüren kannst? Oder, kannst Du dieses leichte Gefühl auch mit anderen Mitteln (ich meine jetzt aber nicht Drogen, gell ;) ) erreichen. Und woher kommt das eigentlich alles, wann ging es los, was könnten die Auslöser gewesen sein?

    Und warum willst Du nicht soviel denken? Was sind das denn dann für Gedanken vor denen Du Angst hast? Warum hast du vor denen Angst? Was müsstest Du denn tun um diese Gedanken (oder Ängste) zu beseitigen? Ist da irgendwas in Deinem Leben mit dem Du seit Jahren lebst das da eigentlich gar nicht hin gehört? Das Du eigentlich gar nicht willst? Aber Dir fehlt die Kraft (oder Du hast Angst davor) es zu beseitigen?

    Bitte mir hier nicht auf diese Fragen Antworten. Das sind nur fiktive Fragen von mir die Dich zum Nachdenken anregen sollen. Denn ähnliche Gedanken waren es, die ich mir (im Rahmen meiner damaligen Probleme) auch gemacht habe. Und auf Frage folgte Frage und so gings immer tiefer. Und irgendwann kamen dann auch die Antworten. Und die Lösungen.

    Am Ende stellte ich mir dann auch viele Sinnfragen: z. B. was ist denn für mich der Sinn des Lebens? Wer will ich denn eigentlich sein? Wer war ich und was hat mir daran so gestört. Wie kann ich das ändern? Etc. da wird's, das gebe ich zu, dann auch mal ein wenig philosophisch. Und diese Fragen kamen bei mir eher gegen Ende meiner Aufarbeitungsphase, als die akuten Geschichten schon erledigt waren. Aber ich bin wirklich froh, dass ich sie mir gestellt und auch beantwortet habe.

    Zitat

    Als ich das erste Mal aufhörte zu trinken war ich ehrlich schockiert über die Gespräche, die um mich herum geführt wurden. Ich konnte mit den Leuten nichts mehr anfangen. Das war immer dasselbe Bla Bla, in erster Linie wurde über andere geredet bzw getratscht. Ich hatte das als ich selber noch trank gar nicht bemerkt. Und plötzlich hatte ich keinen Bock mehr auf meine Freunde / Bekannte.


    Das ist erschütternd, gell? Da merkt man erst mal was da eigentlich ab geht und das man da selbst ja genauso war. Ich kann diese Erfahrung nur bestätigen. In solchen Momenten dachte (und denke) ich mir oft scherzhaft: Das kann man ja nur besoffen ertragen - oder eben die Veranstaltung verlassen. Aber, wenn Du diesen Weg wirklich konsequent gehst und eben vielleicht auch ein wenig anders gehst als beim ersten Mal, dann wird sich Dein Umfeld langsam verändern. Es MÜSSEN diejenigen wegfallen, bei denen das gemeinsame Trinken der Hauptgrund für ein Treffen oder eine Freundschaft war. Und wenn Du das jetzt der Freundschaft zuliebe alles aufrecht erhalten hast, obwohl es Dir ja nicht gefallen hat, dann war das wirklich falsch. Und klar, Du hast irgendwelche Krankheiten vorgetäuscht oder anderweitige Ausreden gebraucht. ABER: genau das verhindert doch, dass Du mit Dir ins Reine kommst. Es stresst einfach nur, es belastet und es verschafft ein schlechtes Gewissen. Alles nicht gut für den Seelenfrieden eines Alkoholikers. Meine Erfahrung war, dass es bestimmte Veränderungen braucht. Vor allem ist es aber wichtig, dass man nur das tut, was einem selbst auch gut tut. Ganz besonders in der Anfangszeit. Da sind wir wieder bei diesem "gesunden Egoismus". Den braucht es wirkich und der hat nichts dem klassischen Egoisten zu tun.

    Denn oft ist es bei uns Alkoholikern so, dass wir es recht machen wollen. Warum auch immer, vielleicht weil wir ein permanent schlechtes Gewissen aufgrund unseres Trinkens (=Versagens) haben. Ich habe die Erfahrung gemacht das es enorm wichtig ist zu sagen was man will und was man nicht will. Ohne Ausreden. Und wenn man ein paar mal deutliche (ich spreche aber ausdrücklich nicht von verletzenden) Worte gesprochen hat, dann verändert sich das Umfeld automatisch. Wenn Du sagst "ich möchte nicht mit Euch ausgehen weil ich selbst keinen Alkohol mehr trinke und es nicht schön für mich ist Euch beim Trinken zuzusehen" dann wirst Du merken was passiert. Entweder es kommt ein: oh , war uns gar nicht bewusst. Wir legen viel Wert auf Deine Gesellschaft und verzichten selbst gerne auf Alkohol" oder es kommt was in Richtung "Spaßbremse" oder was in Richtung "echt? warum denn, so viel trinkst Du doch gar nicht, blablabla". Echte Freunde oder einfach auch nur Menschen mit etwas Bewusstsein werden einfach akzeptieren dass Du nicht mehr trinkst und werden sich Dir gegenüber auch entsprechend verhalten. Andere werden aus Deinem Umkreis verschwinden. Und neue Freunde suchen muss man sich auch nicht unbedingt. Durch veränderte Interessen und veränderte Gewohnheiten können die auch einfach so kommen.

    So jedenfalls meine Erfahrung. Und am Ende ist es dann normal, dass Du nicht mehr trinkst. Keiner spricht Dich mehr an, niemand nimmt Anstoss daran.

    Außer vielleicht:

    Zitat

    In meinen Elternhaus wird übrigens auch regelmäßig Alkohol getrunken, deshalb hatte ich als Jugendliche auch gar kein Bewusstsein für die Schädlichkeit von Alkohol. Ich dachte immer, wenn Mama und Papa das machen ist das doch nicht weiter wild. Hört sich doof an, ich weiß.
    Meine Eltern sind beruflich sehr erfolgreich gewesen, haben viel Geld verdient und bei uns Zuhause wurden immer die teuersten Weine und dergleichen getrunken. Dass auch der natürlich krank und süchtig macht ist klar, aber ich habe Alkohol nicht als das wahr genommen, was er eigentlich ist.

    und

    Zitat

    Selbst meine Eltern, denen gegenüber ich ganz ehrlich gesagt habe, was für Mengen ich in mich reingekippt habe. Ich glaube die dachten immer, dass ich total übertreibe weil sie selbst die Gefahr unterschätzen.

    Das liebe Elternhaus. Oft eine ganz besondere Herausforderung. Übrigens auch bei mir. Hier hast Du ja schon wieder einen Ansatzpunkt für Dein Trinkverhalten. Und wenn Du noch ein wenig tiefer gräbst, findest Du dort vielleicht noch mehr. Und vielleicht sogar die Auslöser Deiner Angststörung. Und das alles ohne das Deine Eltern fürchterlich schrecklich Eltern gewesen sein müssen. Vielleicht haben sie einfach nur "vergessen" Dir ein paar Dinge mit auf den Weg zu geben. Vielleicht hat einer der beiden selbst ein Problem gehabt (bezüglich Angst) und hat Dich geprägt, wie sie es wohl auch im Bezug auf Alkohol getan haben. Vielleicht haben sie Dir in entscheidenden Phasen Deines Lebens einfach die falschen Antworten gegeben oder etwas falsches vorgelebt. Ich schreibe das alles ohne Vorwürfe. Ich bin selbst mehrfacher Papa und ich mache sicher auch nicht alles richtig, mache Dinge falsch obwohl ich das gar nicht möchte und vielleicht noch nicht mal merke.

    Du merkst schon, mein Geschreibe kommt nicht von ungefähr. Diesbezüglich bin ich bei mir und meinem Verhältnis zu meinen Eltern recht tief eingestiegen. Was ich heute dazu sage: Meine Eltern sind meine Eltern und ich weiß das sie mich lieben. Und ich liebe sie. Auch wenn sie meine Sucht oft komplett ignorieren und nicht in der Lage sind mit mir darüber zu sprechen. Auch wenn mein Vater nach wie vor ein kritischen Trinkverhalten an den Tag legt und es ihm völlig wurscht ist ob ich daneben stehe oder nicht. Sie leben ihr Leben und ich glaube zu sehen, dass sie glücklich miteinander sind. Ich grenze mich ab wenn es sein muss und ansonsten habe ich einfach meinem Frieden geschlossen. Und ich versuche sie nach Besuchen immer so zu verlassen als ob es der letzte Besuch gewesen wäre. Ein paar Jahre haben sie ja jetzt auch schon auf dem Buckel und mir ist es wichtig immer meinen Frieden mit ihnen geschlossen zu haben. Denn irgendwann wird mal der Moment kommen wo ich das nicht mehr nachholen könnte, auch wenn ich noch so gerne möchte.

    So, ich hoffe es ist was für Dich dabei. Bleib konsequent! Lass Dich jetzt nicht mehr aus der Bahn werfen. Wenn Du erst mal in Behandlung bist, wenn Du erst mal richtig an Dir arbeitest, dann wirst Du auch spüren wie Du voran kommst. Eventuelle Rückschläge sind nicht ausgeschlossen (ich kam z. B. mit meinem Psychologen nicht zurecht), aber dann ist es wichtig weiter zu gehen und andere,neue Wege zu finden. Aber soweit bist Du noch nicht. Eines nach dem anderen. Du machst keinen Sprint, das ist ein Langstreckenlauf.

    Alles alles Gute und bis bald mal.

    LG
    gerchla

    Hallo Lali,

    Will mich nur kurz melden. Ich war heute den ganzen Tag unterwegs und hatte keine Gelegenheit Dir zu schreiben. Und jetzt bin ich platt! Ich werde Dir morgen schreiben, ich hab viele Gedanken zu dem was Du geschrieben hast. Und auch Parallelen zu mir.

    Aber eines will ich Dir gleich sagen: ich freue mich sehr dass Du noch da bist und dass Du nicht aufgibst. Ich freue mich wirklich sehr, obwohl ich Dich gar nicht kenne. Bis dann und

    LG
    Gerchla

    Hallo Lali,

    Zitat

    ich fürchte, du hast mit allem, was du schreibst uneingeschränkt Recht.

    Ok, ich hatte Recht, das ist mir aber gar nicht wichtig. Ich möchte Dir einfach nur sagen: Steh auf und kämpfe! Erst mal kämpfen damit Du nicht weiter trinkst oder wieder tief hinein rutscht und dann klug handeln. Dann nicht einfach nur Tag für Tag ohne Alkohol überstehen sondern den Tag / die Tage ohne Alkohol nutzen um diese sch....ß Sucht dauerhaft los zu werden.

    Ich weiß ja nicht ob ich Dich mit meinen Zeilen überhaupt erreichen kann. Aber gib Dich nicht auf und schiebe auch nichts auf. Nicht "ich muss", nicht "ich müsste", kein "eigentlich müsste", NEIN, sondern "ICH WILL" und "ICH WERDE JETZT" und dann zieh es durch.

    Mir scheint ja auch, dass Du sogar ein gutes Umfeld dazu hast. Ich schreibe "sogar", weil das auch nicht selbstverständlich ist. Oft ist auch das Umfeld ein großes Problem. Bei Dir scheint es so als ob dieses Umfeld zu Dir steht, Dich unterstützt, etc. Worauf wartest Du noch?

    Es geht, man kann zufrieden und auch glücklich ohne Alkohol leben und das alles ohne ihn auch nur eine Sekunde zu vermissen. Auch, ich sage sogar, schon gar nicht in schwierigen Situationen. Kein Zweifeln wenn es einem mal richtig schlecht geht, kein Zweifel auch dann, wenn man mal auf einer ausgelassen Feier ist, einfach nie ein Zweifel. So erlebe ich das bei mir und so haben es mir auch schon viele andere erzählt. Das geht und das geht sehr gut. Es ist eben ein Weg und man muss daran arbeiten. Anfangs richtig viel, später dann eher punktuell. Und immer wieder geht es um die persönliche Entwicklung und darum für sich selbst Sorge zu tragen. Achte immer darauf das Du mit Dir im Reinen bist (in guten wie auch in besch**enen Zeiten), dann hat der Alkohol normalerweise keine Chance. Erst wenn Du beginnst zu zweifeln, wenn Du mit Dir selbst nicht mehr klar kommst, wenn Du Dich selbst überforderst, Dir zuviel abverlangst und nicht mehr achtsam gegenüber Dir selbst bist, dann steht er wieder vor der Türe. Das zu verhindern ist die Aufgabe. Und das geht ganz gut, wenn man mal das eigene Suchtverhalten verstanden hat und wenn man seinen Weg gefunden hat.

    Und bleib' hier doch auch erst mal ein bisl aktiver. Schreib' was Dich umtreibt, wie es Dir geht, welche Zweifel Du hast. Schreib und tausche Dich aus, immer wieder. Lass Dir helfen, such Dir auch anderweitig Hilfe. Es geht doch um nicht weniger als um Dein Leben. Du kannst es so oder so leben. Selbstbestimmt und frei oder fremdbestimmt durch die Sucht.

    Aber Du hast es doch verdient ein selbstbestimmtes Leben zu leben und am Ende wirst Du es Dir nicht nur selbst danken sondern Deine ganze Familie wird davon profitieren. Die können am allerwenigsten dafür und leiden am allermeisten.

    Also, aufstehen, Krone richten und Neustart!

    LG
    gerchla

    Hallo Lali,

    ich habe jetzt mal Deine alten Beiträge nachgelesen. Du bist ja irgendwann Mitte 2018 hier angekommen.

    Mir fallen dabei zwei Dinge auf und das will ich Dir jetzt einfach mal schreiben. Was Du dann damit machst ist natürlich Deine Sache.

    Also, erstmal fällt mir auf, dass Du m. E. ein ziemliches Problem mit Ängsten unterschiedlicher Art hast. Nachdem Du ja eine Riesenangst vor Folgeschäden Deiner Trinkerei hattest oder noch hast kommen jetzt noch Ängste dazu, dass Weltbevölkerung in Kürze coronabedingt ausgestorben sein könnte. Du nennst das ja selbst Endzeitstimmung. Vielleicht hast Du noch weitere Ängst über die Du hier noch gar nicht berichtet hast, es würde mich überhaupt nicht wundern.

    Falls Du denkst ich würde das ins Lächerliche ziehen wollen: Weit gefehlt - Du hast da was an der Backe was Du dringend behandeln lassen solltest. Und zwar mit allen Möglichkeiten und aller Kraft. Ich vermute das hier ein psychisches Problem vorhanden ist, welches Dich stark belastet und Dir auch einen Trinkgrund bietet.

    Zum Zweiten meine ich aus Deinen Zeilen heraus lesen zu können (korrigiere mich bitte wenn ich falsch liegen sollte), dass Du zwar eine ganz schön lange Zeit keinen Alkohol mehr getrunken hast, mehr jedoch nicht. Nun ist es ja mal eine absolut tolle Geschichte, wenn man lange keinen Alkohol mehr trinkt. Das dürften bei Dir ja dann irgendwas um die 2 (oder fast 3?)Jahre gewesen sein. Aber, wie viele langzeittrockene Alkoholiker immer sagen (und schreiben): Nur nicht mehr trinken reicht i. d. R. auf Dauer nicht aus.

    Meine Erfahrung ist, und die beruht zum Teil auf eigenen Erfahrungen und zum Teil auf Gesprächen mit anderen Betroffenen, dass man bei "nur nicht mehr trinken" an Situationen scheitert, die einen Stress bereiten. Also immer dann, wenn eine Situation eintritt die nicht "normal" ist und die z. B. eine besondere Belastung darstellt, dann greift man früher oder später zum bewährten Mittel: Und das ist bei uns Alkoholikern nun mal der Alkohol.
    Es müssen übrigens nicht immer nur die schlechten Situationen sein. Es können auch mal ganz besonders tolle Situationen oder Ereignisse sein, die einen Alkoholiker der "nur nicht mehr trinkt" wieder zurück zum Alkohol bringen können. Schließlich gibt's ja was zu Feiern und das tun wir Alkoholiker dann mit dem Mittel unserer Wahl und das ist: Bingo! Der Alkohol.

    Wie kannst Du das also ändern?

    Nun, jetzt gehts wohl erst mal darum, dass Du erneut mit dem Trinken aufhörst. Solange Du aktiv trinkst kannst Du nämlich gar nichts verändern. Gleichzeitig wirst Du Deine Angstphobie damit noch verstärken denn jetzt hat Deine Leber ja wieder richtig was zu tun.... Die große Frage ist natürlich ob Du überhaupt aufhören WILLST. Denn wenn nicht, dann trink einfach weiter. Das ist Dein gutes Recht und niemand kann Dich daran hindern.

    Du schreibst ja:

    Zitat

    Weil ich trinken WILL! Mein Problem ist nicht weg, es war die ganze Zeit da.


    Du scheinst es also zu wollen. Vielleicht hättetst Du in der langen abstinenten Zeit die Chance gehabt Dir Alternativen zum Alkohol zu erarbeiten. Das wäre dann mehr gewesen als einfach nicht mehr zu trinken. Ich schreibe Dir das jetzt nicht um meinen Finger in die Wunde zu legen oder zu sagen: Selber Schuld, hättest halt an Dir gearbeitet - nein, ich schreibe Dir das, damit Du bei einer Möglichen neuerlichen Trinkpause vielleicht einen anderen Weg gehst.

    Ich bin mir nur nicht sicher ob Du dazu (schon) bereit bist. Wenn Du bereit wärst, dann würdest Du nicht das hier schreiben:

    Zitat

    Vielleicht ist jetzt mal die Zeit für die reale Selbsthilfegruppe gekommen.

    Sondern Du würdest schreiben: ES IST jetzt mal die Zeit für eine reale SHG gekommen und ich habe auch bereits eine gefunden wo ich am xy hingehen werde.

    Ich schreibe Dir hier meine Meinung ganz ehrlich. Damit will ich Dich keinesfalls verletzen oder Dir zu nahe treten aber das ist eben genau das was ich gerade bei Dir heraus lese.

    Zitat

    Jedenfalls tat es schon einmal gut, das hier loszuwerden.

    Jetzt bist Du es los aber das wird Dir nicht helfen. Es wird nicht reichen. Wenn Du da wirklich raus und weg kommen willst, dann musst Du es kompromisslos wollen. Da wären wir dann wieder beim viel zitierten persönlichen Tiefpunkt angelangt. Vielleicht hattest Du einen solchen, wenigstens einen gefühlten, beim ersten mal. Wo es Dir dann recht leicht fiel und Du ja auch eine lange Trinkpause eingelegt hast. Vielleicht erreichst Du ihn ja bald wieder und kannst erneut aufhören.

    Wenn Du es schaffen solltest das Trinken wieder einzustellen, was ich Dir wirklich von Herzen wünsche, dann überlege Dir was Du daraus machst. Überlege Dir, ob Du nicht versuchst Deinen Trinkgründen auf die Spur zu kommen. Überlege Dir, ob Du dann nicht wirklich ganz tief in Deine Suchtgeschichte einsteigen möchtest um heraus zu finden warum Du das Zeug konsumieren wolltest. Und dann beseitige die Gründe. Einer könnte Deine Angst sein. Ich hatte eine Frau mit einer Angststörung (etwas anders ausgeprägt als bei Dir) und ihr hat ein Psychologe wunderbar geholfen. Sie ist dauerhaft geheilt. Aber sie wurde aktiv und sie wollte das los werden. Und sie hat es geschafft, bis heute.

    Also, wie gesagt, die Gründe weshalb man trinkt sind meist mehr als "weil ich Stress habe" oder "weil ich überfordert bin" oder "weil mir alles über den Kopf wächst" oder "weil ich ohne nicht so lustig sein kann" - das alles sind "nur" die einfachen, die offensichtlichen Gründe. Am geht es meist um Dinge die viel tiefer stecken und die eben dafür verantwortlich sind, dass man Stress nicht bewältigen kann, dass man gehemmt ist ohne Alkohol, etc. Natürlich trinkt man irgendwann dann weil man süchtig ist und es muss. Aber es gab immer auch einen ursprünglichen Grund dafür das man da überhautp hinein gerutscht ist. Und wenn man dann mal wieder draußen ist, dann ist es hilfreich diesen Grund (oder Gründe) zu kennen. Für die Zukunft. Ich hoffe Du vestehst was ich meine.

    Das wollte ich jetzt mal los werden. Vielleicht kannst Du damit was anfangen.

    Ansonsten wünsche ich Dir wirklich von Herzen, auch wegen Deiner Familie, dass Du ganz schnell wieder weg kommst von dem Zeug. Lass Dir damit keine Zeit, jetzt ist Deine abstinente Phase noch richtig präsent. Mach jetzt Nägel mit Köpfen. Hol Dir jetzt auch Hilfe von außen, also jenseits dieses Forum hier. Alles alles Gute von mir.

    LG
    gerchla

    Hallo Dany,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Vielleicht möchtest Du uns ein bisschen mehr über die Situation bei oder mit Deiner Schwester schreiben? Sie trinkt und sie hat 2 Kinder, das geht aus Deinem Text hervor. Ich könnte Dir jetzt schreiben, dass Du nichts für sie tun kannst, also bezogen auf ihre Sucht. Wenn sie trinken will dann wird sie trinken und nur sie allein könnte daran etwas ändern.

    Aber diese Antwort ist vielleicht ein wenig zu pauschal und wird Dir wohl nicht helfen. Vielleicht möchtest Du uns ja die Situation etwas genauer schildern und vielleicht ist es Dir ja auch möglich uns zu schreiben, welche Ängste und Sorgen Dich besonders belasten. Dann könnten wir Dir hier ganz gezielte Antworten geben, Dir aus unserer Erfahrung berichten, Dir vielleicht auch den ein oder anderen konkreten Tipp geben.

    Wie gesagt, an der Sucht Deiner Schwester wirst Du nichts ändern können. Egal was Du versuchst, Du wirst sie nicht trocken legen können. Das ist leider so, diese Sucht ist nur sehr schwer zu überwinden und nur durch den Süchtigen selbst. Aber möglicherweise gäbe es ja Möglichkeiten Dir zu helfen, ich denke, dass Dich die Situation sehr stark belastet. Wenn Du magst, dann öffne Dich doch hier ein wenig, dann können wir mit Dir einen Dialog führen.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und ich wünsche Dir auch, dass Du hier Antworten zu Deinen Fragen erhalten wirst.

    LG
    gerchla

    Hallo Charlotte,

    schön, dass Du Dich wieder gemeldet hast.

    Einfach mal ein paar Gedanken von mir:

    Ich musste damals auch lange auf einen Termin beim Psychologen warten. In diesem Termin setzte ich ganz viel Hoffnung, ich hatte große Angst, dass ich scheitern könnte, wenn ich nicht bald jemanden hätte, mit dem ich meine Probleme besprechen könnte. Zur "Überbrückung" hatte ich da tatsächlich meine SHG, die ich in dieser Zeit fast täglich besuchte. Ich hatte das Glück, dass es dort ein so engmaschiges Angebot gab. Gruppensitzungen an 365 Tagen im Jahr, auch Weihnachten, auch Silvester, etc.

    Ganz anders als bei Dir war meine Gruppe sozuagen "alt". Ab und an kam mal ein junges Mädel dazu und ich dachte mir immer "die arme, muss hier mit uns alten Säcken rum schlagen", wobei ich ja noch zu den Jüngeren gehörte. Ich habe keine weitere Erfahrung mit SHG, höre aber oft von anderen Betroffenen das die SHG meist relativ "alt" sind und dass junge Abhängige sich eher schwer tun eine "junge" Gruppe zu finden. Und jetzt ist es gerade bei Dir anders herum nixweiss0 Darum kann ich Dich nur ermutigen, Dir noch andere Gruppen anzusehen. Bestimmt kannst Du eine finden, die auch altersmäßig zu Dir passt.

    Als ich dann meinen ersten Termin beim Psychologen hatte, war der eine mittlere Katastrophe für mich. Da passte aus meiner damaligen Sicht ja fast gar nichts und ich hatte das Gefühl, dass mir dieser Mensch niemals helfen wird. Und er hat mir auch im nachhinein damals nicht geholfen. Erst viel später halfen mir Dinge, die ich dann irgendwann endlich mal verstand, richtig gut weiter. Aber damals hätte ich einfach nur heulen können. Soviel Hoffnung hinein gesetzt..... Und nix war's.

    Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen mein Elend herunter zu spülen. Aber ich habe keine Sekunde daran gedacht. Denn ich wollte ja nicht mehr trinken. Also dachte ich: Du musst Dir anderweitig helfen, Du musst Dir wonanders Hilfe holen. Und ich überlegte ein paar Tage wer oder was das sein könnte. Letztlich fiel mir ein Mönch ein, den ich einmal erlebt hatte einer Krippenführung und der mich damals fasziniert hatte, weil er eine unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlte. Ich wusste nichts von diesem Menchen, auch nicht seinen Namen. Nur das Kloster kannte ich natürlich.

    Er erschien mir aber als der Mensch, dem gegenüber ich mich öffnen wollte, von dem ich Rat erfragen wollte. Das hatte damals absolut nichts mit Religion oder Glauben zu tun. Denn ich war nicht gläubig. Und so kam es dann auch. Ich konnte ihn ausfindig machen, er war bereit mit mir zu sprechen und daraus wurden dann viele Treffen und Gespräche. Er erreichte mich und ich fand all die Hilfe die ich erhofft hatte. Verrückt auf der einen Seite auf der anderen Seite war es dann aber auch mein Wille mir Hilfe zu suchen, nicht aufzugeben und meine Bereitschaft alles zu tun. Ich meine, so als nichtgläubiger Mensch bei einem Kloster anzuklopfen und letztlich ja um Seelsorge zu bitten ist jetzt auch nicht so einfach. Mir war das egal, ich wollte einfach auch diese Zuversicht und diese Zufriedenheit in mein Leben bekommen und dieser Mann hat das für mich verkörpert.

    Vielleicht kannst Du ja auch quer denken, Dich aus Deiner Erstarrung lösen. Vielleicht auch mal verrückte Ansätze probieren, falls es da was in Deinem Leben gibt. Sich einem Menschen öffnen zu dem man Vertrauen hat kann sehr befreiend sein. Auch wenn dieser Mensch vielleicht nicht unbedingt im engeren Umfeld zu finden ist.

    Einfach nur ein Denkanstoss. Ansonsten wünsche ich Dir, dass Du standhaft bleibst und schnell einen passenten Therapeuten findest. Und denke immer daran: Wenn Du wieder trinkst wird nichts von dem was Dich belastet gelöst. Abslolut überhaupt gar nichts. Und es wird auch nicht "eher" schlimmer sondern es wird auf jeden Fall schlimmer. Dann geht's wieder von vorne los und Du weißt auch nicht, wie tief es dann dieses mal nach unten geht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nach Beendigung meiner längeren Trinkpausen immer noch ein Stückchen tiefer gefallen. Erst habe ich getrunken, als hätte ich wochenlang an Durst leiden müssen und dann bin ich meist auf einem höhren Trinkniveau "kleben" geblieben.

    Deshalb: Lass das erste Glas stehen und kämpfe. Suche Dir parallel dazu weitere Hilfe und bleib stark. Dann wird es auch besser werden und Du wirst auch den richtigen Therapeuten finden.

    Alles Gute und lass wieder von Dir hören.

    LG
    gerchla

    Hallo Perpektive-jetzt,

    erst mal: Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Anfang 50, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Zitat

    Meine "Schwachstellen" warum ich immer rückfällig werde, habe ich zwar schon lange im Blick, aber eine Strategie um gegen zu steuern hat nicht wirklich funktioniert.

    Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass es mir enorm geholfen hat, meine "Trinkgründe" zu erkennen. Allerdings kann ich heute auch sagen, dass "Trinkgründe" und "Trinkgründe" zwei paar Stiefel bei mir waren. Erst mal hatte ich immer nur die offensichtlichen im Blick. Das waren zum Beispiel so Dinge wie "den Stress (allerdings ja versacht durch mein nasses Verhalten) überhaupt aushalten zu können" oder "unlösbare Probleme wegschieben zu können (welche jedoch gar nicht vorhanden gewesen wäre ohne die Sucht)" und noch mehr in diese Richtung.

    Man könnte also sagen, irgendwann trank ich eben weil ich süchtig war und ich hatte meine Trinkgründe um mir das zu rechtfertigen. Die wahren Gründe blieben mir lange verborgen. An diese konnte ich erst ran gehen, als ich wirklich wusste, dass nie mehr trinken will. Und dann auch nicht sofort. Nachdem ich aufgehört hatte vergingen erst mal Wochen und sogar Monate bis ich mal etwas tiefer in die "Analyse" einsteigen konnte. Ich möchte sogar sagen, bis ich überhaupt in der Lage war mit der Analsyse zu beginnen.

    Was ich auch noch sagen wollte: Ich hatte wie Du auch durchaus längere Trinkpausen vorher. Jetzt nicht fast 3 Jahre wie bei Dir aber ein knappes Jahr war bei mir auch mal mit dabei. Aber das war anders als es dann letztendlich beim wirklichen Ausstieg war. Mir ging es z. B. in diesem Jahr ohne Alkohol natürlich viel besser als mit. Alleine mein Gewissen, mein psychischer Zustand war um Dimensionen besser als vorher. Aber hatte da nicht den Willen meine Trinkerei in die Tiefe zu hinterfragen. Ich trank eben nicht mehr. Dachte oft daran, dass es schon schön wäre wenn ich wieder.... Aber ich hatte Gründe es nicht zu tun und die überwiegten gerade. Viel mehr war da nicht. Und so kam es wie es (aus heutiger Sicht mit heutiger Erfahrung) halt kommen musste: ich fing irgendwann wieder an.

    Später dann "knüpfte" ich meine Trinkpausen auch mal an bestimmte Trinkgründe. Also z. B," wenn "xy" überstanden ist, dann höre ich auf. Weil dann ist mir ja eine große Belastung genommen, vorher geht auf keinen Fall, weil das würdest du ja durchstehen". Nun, das ging dann schon mal ein paar Tage, vielleicht mal ein oder zwei Wochen und dann ging es halt wieder los. So wie Du das ja auch schon von Dir beschrieben hast.

    Am Ende war es dann so, dass ich irgendwann sowas wie meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte und dann auch zu diesem Zeitpunkt völlig ungeplant mit dem Trinken aufgehört habe. Das begann damit, dass ich eine von meiner Frau aufgedeckte schlimme Sache nicht wie normalerweise, durch zahlreiche geschickte Lügen vertuschte, sondern dass ich ihr "spontan" erklärte, dass ich Alkoholiker bin. Da muss ich jetzt dazu sagen, dass ich weit über 10 Jahre abhängig trank und die meiste Zeit davon aber komplett heimlich.

    Mir wir damals schon klar, dass diese Aussage alles verändern wird. Eine Welt wird zusammen brechen bzw. mehrere. Die meiner Familie und auch meine eigene. Alles wird an die Oberfläche kommen, nichts wird mehr so sein wie es mal war. Aber das war mir egal, ich konnte nicht mehr. Und ich war mir in diesem Moment auch darüber im Klaren, dass ich nie mehr wieder trinken will und dass ich bereit bin wirklich alles dafür zu tun. Auch Therapie, Jobwechsel, Wohnortwechsel, egal, alles nur nicht mehr trinken. Am Ende war es dann die Trennung von meiner Frau, die gerne diesen Weg mit mir gegangen wäre den ich aber mit ihr nicht mehr gehen konnte. Job blieb mir, Therapie im klassischen Sinne hatte ich auch keine. Ich war beim Arzt, ich war bei der Beratung, ich hatte einen Psychlogen, in den ersten Montaten eine SHG und noch andere sehr gute Hilfen.

    Und ich hatte als eine zentrale Aufgabe für mich erkannt, dass ich wissen musste, wie es soweit kommen konnte. Es erschien mir irgendwann logisch, dass mir dieses Wissen helfen könnte in Zukunft eben nicht den Alkohol zu wählen, wenns mal wieder schwierig wird. Ich fand dann meine Trinkgründe, vielleicht auch nur die vermeintlichen Trinkgründe, denn mit absoluter Sicherheit kann einem das wahrscheinlich keiner sagen. Das lag bei mir alles in der Kindheit (nein, ich hatte keine schlechte aber trotzdem war es dort zu finden). Das war alles nicht offensichtlich, nicht so einfach zu ergründen. Aber umso mehr ich da über mich und meine Verhalten, meine Muster lernte umso klarer wurde ich. Und umso mehr merkte ich, wie der Alkohol an Bedeutung verlor.

    Ich brauchte etwa ein Jahr bis ich mit dem Gröbsten durch war. Ich hatte ja davor schon mal ein Jahr ohne Alkohol. Aber das unterschied sich komplett von diesem Jahr. Beim ersten mal trank ich nicht, bei zweiten Mal trank ich auch nicht aber ich habe zusätzlich wirklich täglich an mir "gearbeitet". Und ich meine wirklich sagen zu können, dass kein Tag vergangen ist, wo ich nicht über mich, mein Leben, meine Sucht und auch meine Ziele nachgedacht habe. Ich holte mir Hilfe, hatte einen guten Freund an meiner Seite, hatte einen Mönch (andere Geschichte) an meiner Seite, einen Psychologen und ich hatte mich und meine Gedanken. Das war eine sehr intensive Zeit mit nicht nur positiven Phasen. Aber für mich war das der Schlüssel für ein Leben ohne Alkohol.

    Wollte ich Dir jetzt einfach mal so schreiben. Vielleicht kannst ja was für Dich mitnehmen.

    Ansonsten würden mich natürlich die Antworten auf die Fragen von Rina auch sehr interessieren. Und mich würde auch interessieren, was denn jetzt Deiner Meinung nach Deine Trinkgründe sind. Du schreibst ja, dass Du sie kennst. Also Du nennst es ja Schwachstellen, aber das ist ja egal. Würde mich freuen, wenn Du antworten möchtest. Vielleicht kann ich Dir dann noch was aus meiner Erfahrung heraus berichten.

    In jedem Fall: Alles alles Gute und einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo CelticGirl,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Im Grunde hast Du von Susanne schon alle Fakten genannt bekommen. Ich kann und möchte ihren Ausführugen einfach nur 100% zustimmen.

    Auf ein paar Dinge möchte ich trotzdem noch eingehen:

    Zitat

    Er wird nicht ausfallend, wenn er betrunken ist.


    Das war ich auch nicht. Auch nicht nach 10 Bier oder 12. Ich war immer friedlich, nie gewalttätig, auch nicht beleidigend. Trotzdem habe ich bei meinem Umfeld, bei meiner Familie mit meiner Trinkerei ganz erheblichen Schaden angerichtet. Ich trank über 10 Jahre und die meiste Zeit davon trank ich heimlich. Ich habe in dieser Zeit ziemlich viel Mist gebaut, den meisten davon auch "heimlich". Sprich: meine Frau bzw. Familie wusste überhaupt nicht was ich alles so getrieben habe. Lügen über lügen aber nach außen hin war ich der tolle Partner, der gute Papa und sehr erfolgreich im Job. Im Grunde bis zum Schluss.

    Aber, die Rechnung gibt's ja immer erst am Schluss. Und als ich dann irgendwann so weit war endlich mit der Trinkerei aufhören zu wollen (siehe auch die Ausführungen von Susanne), da hinterließ ich dann ein Trümmerfeld. Da kam dann alles an die Oberfläche und danach war nichts mehr so wie vorher. Auch was die Beziehung zu meiner Frau und meinen Kindern bzw. der gesamten Familie betrifft.

    Was ich damit sagen will: Man sieht beim Trinker oft nur die Spitze des Eisbergs. Was darunter ist, das sieht man nicht und das können die meisten auch sehr gut verbergen. Nicht jeder ist gleich und ich will Deinem Freund nichts unterstellen. Aber aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, dass man immer sehr aufpassen sollte, ob man einem Süchtigen vertrauen kann oder nicht. I. d. R., so meine Erfahrungen mit mir selbst aber auch mit anderen, kann man einem Alkoholiker kein Vertrauen schenken. Es sei denn es ist einem egal, wenn es enttäuscht wird.

    Wobei ich natürlich nicht weiß wo Dein Freund steht, ob er überhaupt bereits Alkoholiker ist oder nicht. Das kann ich nicht beurteilen, das kann wahrscheinlich niemand beurteilen außer er selbst. Zu dem was "normal" ist oder nicht hat Dir ja Susanne bereits geschrieben. Aus meiner Sicht betreibt Dein Freund in jedem Fall Alkoholmissbrauch. Inwieweit er bereits süchtig ist.... Aber da Du ja auf jeden Fall Dein Leben dauerhaft weiter mit ihm teilen willst, wollte ich Dir einfach mal schreiben was da noch so auf Dich zukommen könnte. In den Anfangsjahren meiner Sucht war ich durchaus noch moralisch gefestig, hatte noch Werte, hatte noch einen Charakter den ich als einigermaßen positiv bezeichnen möchte. Klar mit Schwächen aber im Grunde war ich kein schlechter Kerl, sag ich jetzt einfach mal so. Das änderte sich mit zunehmender Dauer meiner Sucht.

    Am Ende habe ich Dinge getan bei denen ich, wenn ich heute darüber nachdenke, einfach nur vor Scham und vor blankem Entsetzen in den Boden versinken könnte. Und wenn ich dann noch darüber nachdenke, mit welchen Argumenten ich diese Taten vor mir selbst gerechtfertigt habe, dann könnte ich nur schreiend davon laufen.

    Ich will einfach nur sagen: Alkohol oder die Sucht verändert Menschen. Nicht sofort aber über einen längeren Zeitraum auf jeden Fall. Und er verändert die Menschen nicht zum Positiven. Zumindest ist mir hier kein Fall bekannt. Insofern kannst Du Dir ja mal überlegen, ob Du diese Langzeitprognose in Deine Überlegungen mit einbeziehen möchtest. Es ist, wie alles, Deine Entscheidung.

    Zitat

    Aber ich wollte mir hier einfach mal Rat holen, denn ich sollte ja auch schauen, dass ich nicht selber in eine Abhängigkeit gerate.

    Da Du ihn ja auf keinen Fall verlassen wirst, das sozusagen kategorisch ausschließt, ist es schwer überhaupt etwas zu raten. Wenn Du hier ein wenig gelesen hast, dann wirst Du erkannt haben, dass Du "für ihn" nichts tun kannst. Normalerweise bleiben zwei Optionen: 1. Man spricht den Trinker an und macht seine eigenen Wünsche deutlich und kündigt dann auch die Konsequenzen an, wenn diese nicht erfüllt werden = in letzter Konsequenz dann das Beenden der Beziehung oder 2. man lebt und arrangiert sich mit der Situation so wie sie ist.

    Da Du ersteres ausschließt bleibt Dir nur Punkt 2. Und hier hast Du natürlich die Möglichkeit ihn Anszusprechen, kannst Deine Sorgen und Ängste forumulieren, kannst auch Deine Wünsche äußern. Und wenn er noch nicht süchtig ist, wenn er selbst vielleicht schon dran war (gedanklich) etwas ändern zu wollen, wenn Du vielleicht auch noch seine große Liebe bist, dann kann das natürlich auch zu einer Veränderung bei ihm führen, dann kann hier auch noch "alles gut" werden. Wenn das aber nicht passiert oder nur in nicht eingehaltene Versprechungen mündet, dann wirst Du damit leben müssen. Weil Du ihn ja keinesfalls verlassen wirst.

    Ich wünsche Dir, dass Du ein gutes Gesrpäch mit ihm führen kannst und dass er noch nicht abhängig ist und gleichzeitig auch einsichtig. Und dass Euch beiden dann eine wunderbare gemeinsame Zukunft bevor steht.

    Alles alles Gute für Dich!

    LG
    gerchla