Beiträge von Sparkassen_Helga

    Ich finde das Bewusstsein für ein Suchtverhalten immens wichtig. Wenn ein Kind Ritalin einnimmt heißt es oft, oh das arme Kind ist krank und muss behandelt werden, damit es gesund wird. Daraus ergibt meist eine jahrelange Abhängigkeit, die in den seltensten Fällen hinterfragt wird. Mir kann niemand erzählen, dass es normal ist, wenn in einer Schulklasse 60% der Jungs Ritalin nehmen (so im Bekanntenkreis).

    Oftmals werden Befindlichkeitsstörungen mit harten Medikamenten behandelt. Dazu würde ich spontan auch Semaglutid zählen.

    Auf der anderen Seite werden Störungen mit echtem Krankeitswert als Befindlichkeitsstörung behandelt. Ich selbst habe mich vor Kurzem nach vielen quälenden Jahren für eine lebenslange Therapie entschieden. Diesen Weg kann ich nicht jetzt nicht mehr einfach abbrechen. Ich werde also die nächsten Jahre von min. zwei Substanzen dauerhaft abhängig sein. Für mich war das sehr schwer das anzunehmen, da ich ja schon auf ein anderes Medikament angewiesen bin. Ich hadere sehr mit der Verpflichtung/ Abhängigkeit das dauerhaft einnehmen zu müssen.

    Natürlich ist dieses Forum für Alkohol. Aber wir reden hier auch oft von Suchtverlagerung. Und da passt mE Medikamentensucht auch hervorragend hinein. Denn hier wird seltenst die Frage gestellt inwieweit eine Sucht vorliegt. Man hat ja die medizinische Indikation.

    Ist es akzeptierter von Pharmaprodukten abhängig zu sein? Wenn ich wegen Depressionen saufe, bin ich Alkoholiker. Wenn ich dagegen Amphetamine auf Rezept einnehme, ist es eine Therapie. Diese Arte Doku zeigt vielfältige pharmazeutische Lösungen für jedes Lebensproblem:

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    Mein Opa trank fast jeden Tag seine Flasche Bier (0,5l), nie exzessiv, aber stetig, er wurde 85 Jahre alt, Winston Churchill, ein exzessiver Wisky-Trinker schaffte es bis zum 91. Lebensjahr, mein Vater soff eine letzten 20 Lebenjahre täglich bis zum Umfallen, selbst er wurde 74 Jahre alt, bis seine Organe so nach und nach ihren Dienst versagten (offizelle Todesursache: Lymphdrüsenkrebs).

    Man darf nicht vergessen, dass man nur die Überlebenden sieht. Ich nenne solche Mensche immer ein biologisches Wunder. Helmut Schmidt fällt auch in diese Kategorie.

    Diejeniegen, die mit 50-60 an Bauchspeichdrüsenkrebs, Darmkrebs oder bei Rauchern an Lungenkrebs gestorben sind, blendet man natürlich aus. Die sind nicht sichtbar.

    Ich habe gerade einen Bericht von einem Lebertransplantierten gesehen, der nach seiner OP meinte es geht ihm so gut wie noch nie in seinem Leben - und das obwohl seine AI Lebererkrankung erst in seinen 20ern entdeckt wurde. Er wusste nie wie schlapp er eigentlich war, weil er keinen Vergleich zu gesund hatte. Und so ist es auch beim Dauerkonsum von Alk - wie willst Du erahnen, wie Du Dich fühlen könntest.

    Ich habe normalerweise kein Craving etc. - hier dummerweise schon einmal, muß natürlich nicht einfach so nachgeben. ;)

    Du kannst Dir ja an den Cravingtagen sagen, dass Du das erstmal auf "nach dem Urlaub" verschiebst. Den Urlaub ziehst Du jetzt einfach mal durch - weil Du es kannst. Wir reden dann später nochmal drüber.

    Ich merke sogar nach 1 Jahr noch Veränderungen. Ich hab auch nie exzessiv getrunken. Alkohol verändert das Denken viel mehr als man annimmt.

    Hey Lars,

    150 Tage ist ein tolles Ergebnis. Schon fast ein halbes Jahr. Ich freue mich besonders, dass Du die positive Entwicklung so gut wahrnimmst. Ich vergesse das manchmal, weil es schon so alltäglich geworden ist. Aber genau das ist es, es ist so wertvoll, dass man es nie vergessen sollte. Ich hab letztens auch gedacht es vielleicht mal aufzuschreiben.

    Und schön, dass Du Dich gemeldet hast! Man macht sich ja schon Gedanken, wenn der eine oder andere User auf einmal weg ist.

    In der Beschäftigung hält man sich doch auch, wenn man nach Lösungen sucht. 🤔

    Das stimmt schon, aber es ist weniger anstrengend sich in altbekanntem Terrain rumzutreiben, als die Herausforderung etwas Neues zu machen. Und da bin ich gedanklich wieder beim Instrument lernen - ein Ziel das verdammt anstrengend ist, es ist neu. Jeden Tag die Bude saugen beschäftigt auch, aber ist keine geistige Herausforderung.

    Ich finde die Definition auch durchaus gelungen und denke, dass man auch zwischen Opfer und Opferrolle unterscheiden muss.

    Die Opferrolle war mir schon als Kind fremd. Mein erwachsenes Ich weiß heute, dass ich Opfer meiner missbräuchlichen Eltern war. Als Kind dachte ich lange, dass ich Schuld am Verhalten meiner Eltern hatte. Während andere Kinder im Grundschulalter als Zukunftswunsch dachten "Wenn ich einmal groß bin..." werde ich Feuerwehrmann, Polizist, Prinzessin, heiraten.. oder was auch immer Kinder sich so wünschen, war mein Wunsch "Wenn ich einmal groß und stark genug bin, bringe ich meine Eltern um". Das klingt hochgradig psychopathisch, aber ich bin tatsächlich ganz normal. Das waren die kindlichen Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation nach einer Lösung suchend. Das Ende vom Lied, ich bin mit 17 ENDLICH von zu Hause abgehauen und habe mein Abitur alleine gemacht, nachts in der Kneipe arbeitend, in den Sommerferien in der Fabrik. Ich habe wie AmSee auch viele Hochs und Tiefs im Leben gehabt und auch Situationen, in denen es erstmal keine Lösung gab und man Lebensumstände einfach aushalten musste. Ich kann bestätigen, dass man mit Sartre ein gutes Mindset finden kann. Mich begleitet die existenzialistische Sichtweise heute noch, um Entscheidungen treffen zu können. Die Opferrolle ist eine Entscheidung, die ein erwachsener Mensch wählt, kein Schicksal.

    Es gibt Menschen, die sind lösungsorientiert, andere problemorientiert. Wenn ich heute ein größeres Problem habe, stelle ich mir vor, wie sich mein Leben in 5 oder 10 Jahren ändern könnte, wenn ich unterschiedliche Entscheidungen treffe. Denn das schlimmste, was uns in diesem Leben passieren kann ist der Tod.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass ich nicht hundertprozentig offen damit umgehe, dass ich ein Problem hatte

    Wozu auch? Das geht doch niemanden was an. Warum solltest Du irgendeinem Arbeitskollegen oder Eltern von Schulfreunden davon erzählen? Süchte und Krankheiten sind so persönliche Dinge. Ich wüsste nicht mal wie ich damit umgehen sollte, wenn mir ein lockerer Bekannter "ein Geständnis" macht. Das wäre mir wahrscheinlich viel zu privat.

    Zum einen finde ich es wirklich ganz toll, dass Du ganz alleine den Absprung geschafft hast, aber irgendwie bist Du noch nicht mit Dir im Reinen. Mir hilft es sehr mich nicht zu sehr auf andere zu focussieren, sondern mehr auf mich. Leg mal die Gedanken über andere - ob sie ohne Alk leben könnten oder was sie zu Feiern trinken beiseite.

    Warum will ich im Urlaub was trinken? Warum zu Weihnachten? Was genau gibt mir das trinken und welche anderen Möglichkeiten habe ich dieses Ziel zu erreichen. Das sind die wichtigeren Fragen für Dich.

    Ich bin auch ein typischer Angst-Kummer-Entspannungstrinker. Für mich sind Problembewältigungsstrategien der Schritt zu weniger Durst geworden. Aktuell halte ich meine Abstinenz auch gut, indem ich mir immer wieder vergegenwärtige welchen Mehrgewinn ich im Leben dadurch habe. Es hat mir neue Möglichkeiten eröffnet.

    Da war ich jetzt aber ganz schön im Flow…Ich hoffe ich erschlage niemanden mit dieser Textwand.

    Ich mag lange Texte. Ist doch eine Form der Wertschätzung.

    Hallo Libra,

    herzlich willkommen!

    Was mir fehlt sind Kontakte zu anderen nüchternen Menschen. Im normalen Leben finde ich die einfach nicht.

    Hast Du gar keinen nüchternen Menschen um Dich? Erzähl doch mal mehr davon. Ich kenne das ja auch, dass auf Feiern gerne viel gebechert wird, aber dass es keinen nüchternen Menschen im Umfeld gibt, klingt ja nicht so schön. Wie ist denn Dein Alltag so?

    Bist Du alleinerziehend oder trinkt Dein Partner auch so viel?

    Das erinnert mich an meine Kindheit. Ich hatte eine Bücherreihe "Entdecken und Bestimmen - unser Sternenhimmel." Hat mir als Kind viel Spaß gemacht, aber wie Brant schon sagte, es gibt kaum noch ausreichend dunkle Ecken.

    Da vergeht manchem das Lachen

    Ich würde mich nicht zu sehr von den anderen gedanklich beeinflussen lassen. Es gibt immer die Unkenrufe der Pessimisten.

    Nö, nur Vorteile ... alle werden zufriedener, entspannter, das Leben wird immer sicherer, wir (Menschen) froher, dank der Techologie(n) bekommen wir alles in den Griff, nebenbei steigt der Suchtmittelkonsum, die Erderwärmung u.s.w.u.s.f. ... ich freu' mich!=O

    Wie schön war doch die Zeit als wir noch in Höhlen gelebt haben und an einer Sepsis durch Schnittverletzung gestorben sind :rolleyes:

    diverse Assistenzsysteme mich im Auto vom eigentlichen Fahren abhielten

    Meinst Du die Assistenzsysteme, die dafür Sorgen, dass Du nicht durch den Sekundenschlaf verunfallst? Oder die, die dem Motorradfahrer das Leben retten, weil man ihn dann doch übersehen hat (von mir aus auch, weil der Mopedfahrer zu schnell herangekommen ist und der Schulterblick schon vorbei ist) oder vielleicht die, die selbständig einen RTW rufen, wenn Du bewusstlos im Graben liegst? Oder die, die Dich daran erinnern, dass Deine Mitfahrer nicht angeschnallt sind und Dich vor dem Trauma bewahren, dass sie beim Unfall dann tot sind, weil sie durch die Frontscheibe geflogen sind?

    Das kann ich sogar absolut nachvollziehen. Aber sind die triggernden Fotos nicht vielleicht sogar eher die Bilder auf social media, wo alle ihr "perfektes Leben" teilen? Vielleicht erinnerst Du Dich an die Werbung von früher "Mein Auto, mein Haus, mein Boot", sichtbare Statussymbole. Jetzt kann man auch die unsichtbaren Statussysmbole teilen: "Mein Urlaub, meine fancy Morgenroutine, mein Lifestyle, mein Gym-Body, mein..."

    Ich freue mich immer über Urlaubsfotos von FREUNDEN, alle anderen habe ich bei WA zB. auf stumm geschaltet. Ein Bekannter fotografiert jeden morgen den Sonnenaufgang, geile Bilder. Ich bin kein neidischer Mensch - ich kann mich tatsächlich sehr mitfreuen. Ich mag auch Urlaubsberichte sehr sehr gerne. Vielleicht ist das auch ein Faktor?

    Ich fand das schon interessant, was ich da bislang in dem Hörbuch so gehört hab.

    Erzähl mehr davon, ich finde das auch interessant.