Beiträge von Sparkassen_Helga

    Hallo CeBe,

    oh, das ist ganz an mir vorbeigegangen, dass Du nun schon trocken bist. Herzlichen Glückwunsch zur ersten Woche. Die ersten Tage sind schlimm. Ich kenne das auch - die Fahrigkeit, Nervosität, einfach nichts läuft rund. Das wird aber nach 3-4 Wochen viel einfacher.

    Ich würde mir aber irgendetwas suchen, was Dich fesselt. Vielleicht etwas Neues, was nicht mit Alkohol verknüpft ist. Langeweile und rumsitzen sind gefährlich. Liest Du gerne? Malst Du gerne? Möchtest Du eine Sprache oder ein Instrument lernen? Yoga magst Du ja nicht :) Idealerweise irgendetwas, was Dir Spaß macht und worin Du Dich verlieren kannst. Ich spiele leidenschaftlich gerne Golf. Das kann man alleine machen, mit anderen, als Wettbewerb, im Urlaub... eine Runde dauert 4 Stunden und der Tenor bei allen Golfern: auf der Runde sind meine Gedanken und Sorgen beruhigt, ich denke an nichts. Mir ist immer ein Hobby mit Bewegung wichtig, um innere Anspannung abzubauen. Im Winter besuche ich gerne Volkshochschulkurse. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

    Gibt es bei Dir etwas, was Dich die Zeit vergessen lässt?

    Ich werfe mal einen anderen Aspekt ein. Es ist politisch gewollt. Es bringt Steuern, Arbeitsplätze und vermeintlichen Frieden in eine Gesellschaft. Frieden insofern als dass Menschen ihre Unzufriedenheit betäuben können. Ich habe durch den Beruf meines Vaters bedingt viel im unterschiedlichen Ausland gelebt - unter anderem für ein Schuljahr in einem islamischen Land im Alter von 16. Zu der Zeit habe ich bereits geraucht, gekifft, gesoffen. All das fiel plötzlich weg. Es gab dort schlicht keine Konsummöglichkeiten. Ganz abgesehen von dem Problem mit meinem Vater, habe ich an die Zeit wirklich sehr, sehr positive Erinnerungen. Ich war in einer Ganztagsschule und in der Freizeit hatte man mit seinem Freunden wirklich viel Spaß ohne, dass irgendwelche Drogen im Spiel waren. Das kannte ich aus meiner Zeit im europäischen Ausland nicht - überall hat man als Jugendlicher beim Feiern gesoffen. Im "middle east" (ich will das hier nicht konkretisieren) hat man am Wochenende Barbecue-Pool-Partys komplett nüchtern gefeiert. Natürlich habe ich dort ein privilegiertes Leben in einer gated community geführt - das darf man bei der Betrachtung nicht unter den Tisch kehren, aber grundsätzlich würde ich die geringe Möglichkeit an Drogen zu kommen, für positiv in allen Bevölkerungsgruppen ansehen.

    Ganz unabhängig davon, wie ich das politisch-religiöse dort System finde, frage ich ich, ob die gesellschaftliche Freiheit eine Sucht zu entwickeln, wirklich einen freiheitlichen Mehrwert hat. Klar, ich entscheide jeden Tag, ob ich fast Food esse oder was gesundes, ob ich Sport mache oder faulenze. Das sind mE alles vernuftsteuerbare freie Entscheidungen. Kann der Mensch wirklich frei eine Entscheidung für ein Suchtmittel treffen? Ich glaube nicht, dass ich ein schlechteres Leben gehabt hätte, wenn nie die Möglichkeiten zum Drogenkosum vorhanden gewesen wären - im Gegenteil.

    Bin ich also verantwortlich für meine Sucht? Der Weg zur Sucht wird schon in sehr jungen Jahre bereitet. Alkopops, diese süßen Liquids zum dampfen. Das sind alles Dinge, die Kinder ansprechen - meinetwegen auch Jugendliche in einer verletzlichen Selbstfindungs- und Entwicklungsphase. Ein Erwachsener fängt selten mit Mitte 20 erst das Rauchen an. Kinder und Jugendliche sind einfach dumm und leicht zu ködern und sollten deshalb besser geschützt werden.

    Wer ist also verantwortlich für die Sucht? Die süchtigen Erwachsenen, die die Heranwachsenden "anfüttern"? Die freiheitliche Gesellschaft, die die Selbstzerstörung durch Verfügbarkeit der Drogen ermöglicht? Man selbst? Schließlich sehen gerade Kinder von Alkoholikern wohin das führt - warum fangen sie überhaupt an?

    Die Frage nach den Gründen für die Sucht führt unmittelbar zu der Frage: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

    Hallo CeBe,

    die Weingewohnheit könntest Du mit einem Teeritual ersetzen. Statt den Wein zu entkorken einfach einen schönen Entspannungstee kochen, mit schönem Geschirr und Stövchen. Mein Abendritual ist immer ein Lavendeltee. Bei heißem Wetter könnte man auch einen Eistee vorbereiten, der aus einer schönen Karaffe kommt. Ich hab dafür Minze im Garten.

    Den Stress mit Wandern auszugleichen mache ich auch gerne. Außerdem habe ich Yoga für mich endeckt - das kann man in jedem Alter noch anfangen. Es gibt kaum etwas wonach man so herrlich schlafen kann und Frieden im Kopf hat. Das hängt allerdings auch etwas von der Yogaform ab, die man aussucht und braucht einen guten Yogalehrer.

    Ich würde mich zunächt gar nicht vor der ganzen Welt offenbaren - Du kannst diese Offenbarung nicht mehr zurücknehmen und hast Dich ja mit Offenbarung über das Forum bei Deiner Tochter schon etwas geärgert (Zum Glück ist das für Dich gut gelöst).

    Zum einen gibt es immer Menschen, die damit ein Problem haben, wenn man nicht mehr trinkt und sich dann doch den Rückfall wünschen. Alleine saufen ist für viele blöd. Und zum anderen stellt sich mir die Frage welchen Nutzen Du davon hast. Brauchst Du den Aufpasser von außen? Und was passiert bei einem Rückfall? Ich finde aus Deinen Zeilen liest sich sehr viele Strenge gegen Dich selbst heraus. Du sagst Du hast Angst und Scham - die Scham in einem Rückfall kann einen zu noch mehr trinken verleiten. Mach Dich nicht so klein, sondern sei lieber stolz auf Deinen Mut einen neuen Weg einzuschlagen und mach das erstmal für Dich mit Hilfe des Forum aus - bis Du etwas gefestigter in Deinem Tun bist. Du kannst Dich in der späteren Zukunft doch immer noch vor den Menschen, die Dir wichtig sind, öffnen.

    Du hast jetzt zwei herausfordernde Termine. Die schaffst Du bestimmt. Man darf auch Notlügen verwenden, wenn man das "Nicht-Trinken" nicht erklären möchte, zB, dass man gerade Medikamente nimmt.

    Ich finde die News immer eine gute Anregung und würde mir noch einen Diskussionsfaden wünschen, um die Infos hier nicht zu zerreißen. Vielleicht können wir noch einen Quasselfaden anlegen, wo man sich dann die News rüberkopiert, die man besprechen möchte?

    Hallo CeBe,

    ich verstehe Dich absolut. Ich würde auch niemals hier im Ort zum Arzt gehen, zu einer Selbsthilfegruppe oder mit irgendjemandem mein Problem besprechen. Ich habe in der Vergangenheit schon viele Runden gedreht und ich glaube, was mir gefehlt hat, war ein Ort, wo ich mich ausheulen kann, wo Menschen sind, die das Problem Sucht verstehen - wo man auch verletzlich sein darf. Ich bin aktuell sehr optimistisch, dass es diesmal funktioniert - gerade weil mich hier niemand kennt. Unbetroffene sind im besten Fall nur mitleidig, viel schlimmer ist aber das Abwerten und Verächtlichmachen. Ich sag nur wer ohne Fehler ist... Das schreiben im Forum hilft die Gedanken zu kanalisieren.

    Ich hab eine "Kurz"Biographie hier im Forum gelesen. Die von Brant und die hat mich erschüttert und mit Bewunderung zurückkgelassen, wieviel ein Mensch aushalten kann und was er schaffen kann. Ich war kurz verführt zu glauben, dass es bei mir ja zum Glück nicht so schlimm sei - um dann zu erkennen - doch, es macht keinen Unterschied. Aktuell habe ich das Buch "Vom unerwartenten Gefühl nüchtern zu sein: Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol". Ich bin noch nicht weit gekommen, weil ich eigentlich keine Elendsgeschichten lesen mag, sondern lieber Coping-Strategien. Wenn man sich Lebensläufe wie den von Junke, Winehouse und Co anschaut ist man evtl. verführt zu denken "na so schlimm ist es bei mir ja nicht".

    Warum hast Du eigentlich getrunken? Aus Langeweile? Aus Angst? Um Gefühle zu unterdrücken? Ich glaube man muss die Ursache für sich herausfinden, um auch frei und glücklich ohne Alkohol leben zu können. Ich weiß nicht, ob einfach nur aufhören ausreichend ist. Ich habe hier im Forum ein tolles Video von Christine Koschmieder gefunden, wo ich mich sehr wiedererkannt habe - was mir geholfen hat zu begreifen, dass ich lernen muss Gefühle auszuhalten, mich Ihnen zu stellen und zu schauen, warum ist das jetzt nicht zu ertragen? Was passiert, wenn ich jetzt nichts trinke? Du musst das nicht hier aufschreiben, ich will das nur mal als Idee anregen darüber nachzudenken.

    Bei meinem Online-Test kam auch nur "riskanter Konsum" raus, weil ich einfach körperlich keine großen Mengen tolerieren kann, egal wie lange ich schon saufe. Aber ich konnte nie einen oder zwei Tage Pause machen und ich konnte nie normal trinken - schnellstmöglich drei Bier reinschütten, um gesättigt zu sein ist nicht normal und geht einfach über "riskanter Konsum" hinaus. Solche Tests können einen schnell in falscher Sicherheit wiegen.

    Hallo CeBe,

    schön, dass Du da bist. Ich bin auch erst "wieder" seit 3 Wochen abstinent. Die Angst und Scham kenne ich auch - das wird sofort besser, wenn man nicht mehr trinkt; man muss nichts mehr verstecken. Hast Du Dir schon einen Plan gemacht wie ein Entzug aussehen könnte? Ich freu mich auf den Austausch mit Dir!

    Mir fällt außer evtl. Sport ehrlich gesagt keine gesunde Sucht ein.

    Ich glaube Du unterschätzt die Schädlichkeit von Cannabis. Ich war viele Jahre polytox unterwegs (Pilze, LSD, Speed, MDMA, Gras, Saufen sowieso - davon ist nix unschädlich). Und ich kenne das allzugut, nicht nur von mir, sondern meinen ganzen Partyfreunden - man entzieht den Alk mit dem Kiffen, dann wieder das Kiffen mit dem Alk und so weiter und so weiter. Am Ende ist der Alkohol aber immer dabei, weil man bei "normalen Gelegenheiten" mit nem Bier in der Hand weniger auffällt, als wenn man vor der Tür was raucht.

    Kiffen ist, wenn man nicht raucht, körperlich nicht so schädlich, aber dauerhaft verändert es komplett die Art zu denken und zu fühlen. Ich weiß nicht wie lange Du dauerhaft kiffst, aber die Menschen, die ich so kenne und das sind nicht wenige, die 20-30 Jahre lang konsumieren sind von ihrer Sozialkompetenz auf einem komplett anderen Level als andere Menschen - und das meine ich nicht positiv. Da entwickeln sich andere Denkstrukturen. Ich kenne das von mir selbst, die Konfliktfähigkeit geht verloren und die Empathie ist anders.

    Cannabis ist Cannabis - auch wenn es medizinisch ist. Möglicherweise bekommst Du etwas mit weniger THC und mehr CBD, aber am Ende ist Cannabis meiner Erfahrung nach auf Dauer persönlichkeitsverändernd.

    Ich will das gar nicht bewerten, wir sind ja alle Erwachsen, aber ich finde es wichtig das nicht zu verharmlosen. Und nur weil andere Dinge wie Rauchen auch schädlich sind, ist das eine nicht besser als das andere.

    Und noch was zum Thema stottern: ein Schulfreund von mir war wirklich schlimmer Stotterer und hat fast 2 Jahre Therapie bei einer Logopädin gemacht - das wurde über die Zeit immer besser, heute würde niemand vermuten, dass er jemals gestottert hat. Ob das für jeden ein Weg ist, weiß ich allerdings nicht.

    Ich finde es auffallend, wie sehr Du die für Dich richtigen Antworten anerkennend lobst und die falschen Antworten als intolerant abqualifizierst und den Usern Vorturteile unterstellst.

    Hallo Scrat, schön, dass Du da bist.

    Ich habe die gleiche Erfahrung für mich gemacht - ich kann nur ganz oder gar nicht - und gar nicht tut mir viel besser. Mir gibt das Wissen um dieses Forum mehr Sicherheit für schwache Momente, auch wenn ich noch ganz frisch bin. Ich hab das Gefühl verstanden zu werden und Menschen zu fnden, die den gleichen Shit erlebt haben. Ich freu mich auf den Austausch!

    LG Helga

    Leider kann ich mein Leben nicht immer so lenken, dass ich diesen aus dem Weg gehe. Besonders wenn man Unternehmer ist, geht die "rettenede Flucht" aus dem Stress nicht immer so leicht oder gar nicht. Ausszeit ist unmöglich

    Hallo Haserich, ich denke Du hast Dir schon zu viele Erklärungen und Rechtfertigungen zurecht gelegt, warum dass mit dem Saufen nicht zu ändern ist. Ich bin selbst seit knapp 20 Jahren Unternehmerin und mache seitdem nur noch zwischen Weihnachten und Neujahr Urlaub - wo ich dann trotzdem meinen Laptop mitnehme. Ich kann Dir versichern, dass es auch ein Leben ohne Alk als Unternehmer gibt. In meinen trockenen Phasen war ich wesentlich produktiver.

    Aber Du hast immerhin erkannt, dass Du Probleme mit der Stresskompensation hast. Die Geschichten ähneln sich hier und Du wirst viele Überschneidungen finden. Ich habe für mich verschiedene Entstressungsstrategien erarbeitet. Dazu gehört Yoga, Golf spielen, Wandern und Musik machen - Was könnte für Dich funktionieren? Willst Du aufhören zu trinken?

    Genau, es soll nicht symbolisieren, dass ich der Nabel der Welt bin, das Epizentrum oder das Wichtigste auf der Welt - sondern eher ein: meine Bedürfnisse sind jetzt wichtiger, als das für die anderen wichtige Trinkritual. Und außerdem ist es ein praktischer Schminkspiegel 8)

    Ich habe gerade heute durch Zufall meinen Notfallkoffer (wieder)gefunden. und es ist ein silberner Notfallkoffer im Wortsinn. Es ist ein kleiner Metallkoffer, wie von Rimowa, ca. 8x5x2cm und mit kleinen aufschnappenden Schnallen. Also ein sehr hochwertiges kleines silberes Metallköfferchen. Auf dem Koffer steht: "Case of values" - also Wertekoffer. Der kleine Koffer ist innen mit Samt ausgeschlagen und hat zwei kleine Scharniere, so dass er max 90° geöffnet werden kann. Ich beschreibe das so detailliert, weil ich immer wieder erstaunt bin wie unglaublich aufwendig dieses kleine Werbegeschenk von Mercedes hergestellt ist. Und wenn man diesen Koffer aufklappt ist innen ein kleiner Spiegel auf dem steht: "me". Vielleicht sollte ich den mal in die Handtasche stecken, wenn man mal wieder in Gesellschaft ist, wo es schwierig wird erinnert er an das Wichtigste.

    Zitat

    Ich funktioniere, ich bin weiter gekommen, als es jemals irgendjemand von mir erwartet hätte. Und somit ist mein Umfeld der Meinung es ist eh alles paletti und ich hab eigentlich keinen Ansprechpartner wenns mir mal schlecht geht. "Dir gehts doch gut. Sieh was du erreicht hast."

    Ich erkenne mich in diesen Zeilen so sehr wieder. Und es ist nicht nur so, dass andere das so sehen, sondern für mich ist das auch immer die Rechtfertigung vor mir selbst für das Saufen gewesen. Ich bin erfolgreich und funktioniere - also hab ich kein Problem, alles super. Ich bin so allein mit meinen Ängsten, Problemen und Gedanken, suche die Erleichterung in der Flasche, löse damit aber kein Problem, sondern produziere Neue. Meine beiden Opas haben sich tot gesoffen und meine Mutter hat ebenfalls ein problematisches Trinkverhalten.

    Hast Du schon mal über längere Zeit gar nicht getrunken?