Beiträge von Sparkassen_Helga

    Hallo Letzte Chance,

    einfach nicht mehr trinken reicht meist nicht. Wichtig ist eine Analyse wie es zu dem Rückfall gekommen ist, um eine Strategie für das nächste Mal zu erarbeiten. Bei mir sind Trauer und Langeweile große Themen. Trauer kann ich nicht lösen - da klammere ich mich an den Gedanken, dass es nach einigen Stunden oder am Folgetag besser wird, Langeweile kann ich begegnen, indem ich raus gehe oder bei schlechtem Wetter endlich mal die Kartons vom Dachboden sichte und bei Kleinanzeigen einstelle oder Rezepte wälze.

    Ich war die letzten Tage auch gefährdet und habe viel mit meinem Mann gesprochen. Was mir sehr hilft, ist der Tag nach dem erfolgreichen Widerstehen. Ich habe mir ganz bewusst vergegenwärtigt welchen Vorteil es hatte, dass ich am Vortag nicht getrunken habe. Da war zum einen der gute erholsame Schlaf, das nicht völlig verkaterte Gefühl am Folgetag, mit dem man sich dann bis zum Abend geschleppt hat, nur um das Konterbier zu trinken. Da war vor allem die Freiheit im Kopf den Tag so gestalten zu können wie man will.

    Tom hat es ja auch schon geschrieben, die intrinsische und extrinsische Motivation. Willst Du nicht mehr trinken und warum nicht? Kommt der Wunsch aus Deinem Inneren um Deiner selbst Willen? Oder wollen nur andere, dass Du nicht mehr trinkst? Deine Familie und Du würdest permanent das Gefühl haben zu verzichten? Es wird sehr schwierig letzteres dauerhaft durchzuhalten. Ich denke erst wenn man feststellt, dass das Nichttrinken kein Verzicht, sondern Bereicherung und Freiheit ist, wird der Weg leichter.

    Erzähl doch mal wie es zu dem Rückfall gekommen und ist und was Deine Familie jetzt dazu sagt. Die hatten Dir ja ein Ultimatum gesetzt. Ich würde das ernst nehmen, auch wenn sie vielleicht diesen Rückfall noch einmal tolerieren. Eine Freundin von mir ist auch an dem Punkt und organisiert gerade ihren Auszug - der Ehemann ahnt überhaupt nichts, weil sie keine Lust mehr auf das Drama hat. Die haben schon so viele Runden gedreht und er hat immer wieder Besserung versprochen. Am Ende wird es dort auch so laufen, dass er völlig überrascht ist und ihr vorwerfen wird, sie hätte doch was sagen sollen.

    Antwort: "Soylent grün ist Menschenfleisch" - so ruft es auch der alte Mann, als er aus dem Heim flüchtet. Solylent green ist der Titel des Films. Ich sag mal, fast richtig ;)

    Ich schieb noch eine leichte hinterher, der Antwortende darf dann auch gerne selbst eine neue formulieren:

    Was ist die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und Allem?

    Wollen wir das nicht lieber so machen, dass einer eine Quizfrage stellt - ohne Spoiler - und wer die Antwort ohne Google!!! kennt, postet die Antwort und stellt eine neue Quizfrage?

    Wenn das ok ist, würde ich starten:

    Was ist Soylent grün?

    Hallo Willi, für jeden muss es passen. Ich habe für mich in der Vergangenheit Alkoholismus gesehen als totaler Lebenskontrollverlust, Jobverlust, Brückenpenner, gescheiterte Ehe mit zerschlagenen Möbeln. Wenn Du Dir die Biografien in diesem Forum anschaust, ist das gar nicht immer so. Ich selbst habe nie exorbitant viel getrunken und sogar mein Mann hat mir immer wieder bestätigt, dass ich ja kein Alki sei - aber ich solle doch bitte nicht täglich trinken. Ich denke nicht, dass man seinen Konsum kritisch hinterfragt, wenn da nicht schon was im Argen ist. Freunde von mir, die wirklich überhaupt kein Problem mit Alk haben, denken überhaupt nicht darüber nach, ob und wann sie trinken wollen oder müssen. Auch das Trinken alleine zu Hause finde ich schon ein Indiz für eine besondere Beziehung zur Droge.

    Dennoch steht es Dir ja komplett frei so zu leben wie Du willst. Niemand muss seine Süchte oder schlechten Gewohnheiten ändern. Es ist in Deutschland erlaubt sich totzusaufen, Suchtkrank zu sein oder auch psychische Erkrankungen nicht behandeln lassen zu wollen, solange man sich selbst nicht verletzt oder andere. Es gibt dazu eine tolle Doku aus einer Psychiatrie in der ARD Mediathek - auch mit Alkoholikern, ich glaube ab Folge 3 (von 5). Und Du bist auch niemandem Rechenschaft schuldig. Niemand hier wird Dir reinreden, dass Du doch aufhören musst zu trinken. Dieses Forum unterstützt Dich aber gerne, wenn Du das möchtest.

    Ja, wir können alle morgen tot sein. Wie man die Zeit verbringt ist eine sehr persönliche Wahl. Ob man das Leben berauscht führen möchte oder nicht. Die Wahl hat aber immer Konsequenzen, je nach Intensität. Ich habe letzte Woche ein Video mit Brison Dechambeau und John Daly geschaut. Der erste ist aktuell der beste Golfer der Welt, der zweite hatte seine beste Zeit in den 90er und Jahrtausendwende. John Daly ist Kettenraucher, Alkoholiker und spielsüchtig (über 50 Millionen Dollar im Spielcasino verzockt). Er war damals dafür bekannt, dass er im Turnier Bier aus Pappbechern getrunken und Kette geraucht hat - gewonnen hat er trotzdem. Das enfant terrible der Golferszene. Beide sind Multimillionäre und Daly hat in der Vergangenheit immer wieder Entzüge gemacht. Trotz seiner Möglichkeiten ist er immer wieder rückfällig geworden. Heute sagt er, dass er "aufgegeben" hat und lebt seinen Alkoholismus komplett schamfrei öffentlich aus. Ohne Arzt zu sein, würde ich behaupten, dass er wahrscheinlich keine 10 Jahre mehr lebt. Er ist jetzt 57.

    Ich frage mich, ob es wirklich jemanden gibt, der im Angesicht des frühen Todes sagt: ich hab alles richtig gemacht und so gelebt wie ich es wollte. Ja, ich akzeptiere, dass mich mein Bauspeicheldrüsenkrebs in den nächsten 6 Monaten dahinrafft, ich hab immerhin ein schönes Leben mit Feierabendbier vor dem TV gehabt. Oder: Mir ist es egal, wenn ich mit 65 sterbe - bis dahin hab ich das Leben in vollen Zügen genossen. Oder: die Polyneuropathie in meinen Füßen ist es wert, dass ich so ein freies Leben geführt habe.

    Leider hab ich überlesen wie alt Du bist, aber ohne altklug klingen zu wollen, das liegt mir wirklich fern: das Leben und die Zeit laufen immer schneller je älter man wird und ich für meinen Teil denke mir oft: hoffentlich habe ich noch genügend Zeit die Dinge zu machen, die ich geplant habe. Hoffentlich hat mein Konsum nicht doch schon Schäden verursacht, die mir das Lebensende mit Krankheit versauen. Dir wünsche ich ein gutes Händchen bei den Lebensentscheidungen und natürlich gute Gesundheit.

    Hallo Willi

    ich bin fast 50 und hab das auch einige Jahre so gemacht - ich wollte auch nie komplett aufhören. Immer wieder Pausen über Wochen, über Monate, auch mal 2 Jahre. Dann immer wieder der Versuch nur am Wochenende zu trinken. Mir ist aufgefallen, dass meine Gedanken in der Zwangspause immer darum kreisten, wann denn nur wieder Alk erlaubt ist. Ich habe nie viel getrunken, weil ich keine Toleranzbildung habe. Bei 3 Bier ist bei mir Schluss. Trotzdem habe ich über die Jahre festgestellt, dass mein Konsum ein Problem ist, weil meine körperliche Leistungsfähigkeit immer lausiger wurde. Irgendwann reifte in mir der Wunsch frei von diesen Gedanken zu werden und das geht am Ende nur mit dem völligen Verzicht. Nur dann werden die Suchtstimmen im Kopf leiser - zumindest bei mir. Ich bin jetzt 2 Monate trocken und sehe einen anderen Menschen, wenn ich morgens in den Spiegel schaue - ich gefalle mir wieder mehr.

    Dieser Wunsch frei werden zu wollen hat bei mir vor 20 Jahren auch in Bezug auf das Rauchen geholfen. Du sagst ja selbst Du willst eigentlich nicht verzichten, sondern befreit sein. Vielleicht denkst Du den Gedanken einfach mal für Dich weiter.

    Wie alt bist Du denn jetzt? Hast Du einen genauen Plan wann und wieviel Trinken erlaubt ist? Also nur am Wochenende und dann nur eine begrenzte Menge, oder wie?

    Hallo LetzteChance,

    der erste Arbeitstag ist geschafft, jetzt der erste trockene Feierabend. Ich würde mich an Deiner Stelle unbedingt noch einmal mit der Familie zusammensetzen und ihnen erklären, wie fragil die erste Zeit des Trockenseins ist und dass Du die Unterstützung brauchst. Die ersten 3 Wochen ist man mE sehr gefährdet - danach wird es einfacher. Ich habe mit meinem Partner nach 6 Wochen Trockenheit darüber gesprochen, dass ich so nicht mehr weiter machen möchte. Da er nicht trinkt hat er nie die Problematik meiner Trinkerei gesehen. Ich bin aber auch nie offensichtlich eskaliert. Mir gibt das die Sicherheit von ihm Hilfe in verletzlichen Situationen zu bekommen.

    Und ich würde Dir raten die erste Zeit sehr viel mit anderen trockenen Alkoholikern zu sprechen. Menschen ohne Suchtproblematik erkennen oft gar nicht so genau, was da in uns los ist. Ob Du das in einer Präsenzgruppe oder hier online machst, ist egal. Meld Dich doch einfach öfter bei uns. Ich lese Dich hier zu selten. Ich habe den Eindruck, dass Deine Familie nun wirklich an der Grenze zur Trennung ist, wenn das nochmal in die Hose geht - das wäre wirklich sehr traurig. Nutz uns als Ressource um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

    Vorab: Multivitaminpillen ziellos einzunehmen halte ich für Quatsch, aber:

    Ich lasse regelmäßig meinen Mineralstoffgehalt im Vollblut untersuchen und ergänze dann gezielt. Dafür fahre ich ins Labor und zahle als Selbstzahler die Leistung - das ist dann einfacher Gebührensatz. Die meisten Hausärzte kennen sich mit diesen Dingen nicht gut aus. Ich hatte damals einen ganz tollen Privatarzt in Hamburg, mit dem ich das angefangen habe, weil ich viele Jahre CFS hatte. Bei mir sind Kupfer und Zink ein Dauerproblem. Magnesium nehme ich regelmäßig, weil ich viel Sport betreibe und weil ich dauerhaft Vit. D substituiere. Vitamin D täglich 5.000IE, Sommer wie Winter. Das teste ich auch regelmäßig im Labor. Wenn ich im Sommer den ganzen Tag auf dem Golfplatz rumturne lass ich das auch mal eine zeitlang weg. Außerdem nehme ich Omega 3- Öl in mein Greenspulver - das ich aber nur zweimal pro Woche trinke. Unregelmäßig nehme ich einen B-Komplex mit Methylcobalamin. Einmal im Monat spritze ich mir B12 als Methylcobalamin. Q10 nehme ich auch unregelmäßig ein.

    Ich hab noch ein paar weitere Dinge, wie NADH, Ribose und ähnliches bei Bedarf.

    Einfach ins Blaue irgendwas einnehmen macht wenig Sinn. Wenn man regelmäßig Zink einnimmt, führt das zu Kupfermangel. Das muss man wissen und die Einnahme entsprechend timen. Mineralien zusammen eingenommen sind auch unsinnig, weil sie an die gleichen Rezeptoren andocken. Vitamin A im Übermaß wird in der Leber eingelagert und ist auch nicht gesund.

    Die Frage ist, was kannst Du mit der Information anfangen? Was erhofft Du Dir von einer Supplementation für Dich?

    Hallo Brant,

    eine Tofupresse ist kein Industriehelfer, sondern hat schon seit Jahrhunderten Verwendung in der tradionellen japanischen Küche um den Tofu trockener zu bekommen. Er brät sich knuspriger und ist dennoch innen saftig. Einer meiner Kunden hat mir die Presse vor gefühlt 100 Jahren geschenkt. Mir hat der deutsche Tofu in den 80ern überhaupt nicht geschmeckt. Heute gibt es so geilen Tofu von Taifun oder der Rewe Bio. Kein Vergleich mit dem traurigen Klumpen von früher.

    Ich brate den getrockneten Tofu und begieße ihn danach mit einer Marinade aus Fischsoße (geht auch mit Soja), hellem Miso, Zitrone, frischem Koriander, Erdnussmus und selbstfermentiertem Chili. Gomasio geht natürlich immer.

    Wie spannend. Ich habe zwei Jahre vegan gelebt. Allerdings habe ich mit der Zeit eklatante Eisen- und Lecithinmängel entwickelt. Mein Mann hat das ganz prima vertragen. Möglicherweise sind Männer besser dafür gerüstet. Ich habe dazu auch mal eine Dokumentation gesehen. In früherer Zeit (Jäger&Sammler) wurde das erlegte Fleisch bevorzugt unter den Männern aufgeteilt, weshalb die Entwicklung des Beckens der Frau - anders als bei Tieren - eher mäßig war. Menschenfrauen haben deshalb auch so schwere Geburten, im Gegensatz zu Tieren.

    Wir essen heute auch noch hauptsächlich vegetarisch - da bietet sich levantinisch und asiatisch sehr an. Eines meiner absoluten Lieblingskochbücher ist von Ottolenghi "Genussvoll vegetarisch". Der Titel ist wirklich bescheuert, aber dies ist sein bestes vegetarisches Kochbuch. Wobei die meisten Rezepte vegan sind und die wenigen vegetarischen lassen sich simpel veganisieren. Eigentlich kann man ja alles veganisieren.

    Ich liebe ja auch Tofu - vor allem seitdem ich verstanden habe, dass man eine Tofupresse braucht, um ihn zu perfektionieren.

    Hallo LetzteChance,

    das klingt ja alles sehr traurig für Deine Familie. Umso besser, dass Du jetzt die Kurve kriegen willst. Hast Du Dich wieder für eine Entgiftung angemeldet?

    Was ist Dein Plan, damit Du nicht mehr rückfällig wirst? Du schreibst ja selbst, dass Du Dich immer gestresst fühlst, unbeachtet und unwichtig. Was wird denn diesmal anders sein, damit das klappt? Willst Du Dich vielleicht einer Gruppe anschließen wie AA? Oder eine Therapie machen? Nur aufhören zu trinken hat mir nie geholfen - ich muss mich mit mir auseinandersetzen, um die Muster zu erkennen, die immer wieder zum Rückfall geführt haben.

    Das Nichttrinken hat so viele Vorteile - vor allem, dass man sich nicht mehr schämen muss. Herzlichen Glückwunsch zu dem ersten Schritt, der beginnt ja bekanntermaßen im Kopf. Freu Dich auf die vielen nüchternen Stunden, die Du mit Deinem Sohn verbringen kannst.

    Hallo Brant,

    was für ein schöner Faden. Ich bin ja leidenschaftliche Köchin. Gerne aufwendig, unter der Woche auch schnelle Küche - aber immer selbst gekocht. Meine Lebensmittel beziehe ich übrigens von einer Solawi - das ist ein Zusammenschluss vieler Menschen und wir betreiben gemeinsam einen Biohof. Man kann mitarbeiten, ist aber nicht verpflichtend. Wir haben auch fest angestellte Mitarbeiter. Dazu haben wir noch Kooperationen mit einem Rinderbauern (heißt das so?) und Eierpatenschaften, dazu Äpfel und Brot, sowie feinstes Olivenöl aus Spanien.

    Seit ich das mache (fast 10 Jahre) lebe ich nicht nur viel saisonaler, sondern auch vielfältiger. Ein Blick in den Supermarkt ist so trostlos. Die Gemüseauswahl schon fast eine Beleidigung. Für mich gehört dazu auch ein schön gedeckter Tisch. Ich kenne Leute, die essen vor der Glotze.

    Ich koche gerne levantinisch und "südostasiatisch", wenn man das überhaupt so klassifizieren kann. Und Du?

    Hallo Tom,

    sehr inspirierend. Ich habe auch schon viele Runden gedreht und hoffe, dass das nun endlich meine letzte ist.

    Ich würde Dir gerne noch eine andere alternative Route empfehlen: E5 (Oberstdorf nach Meran) - der ist sportlich herausfordernd, aber belohnt mit wunderschöner Natur und spektakulären Panoramen. Touristisch auch etwas überlaufen, aber nicht so stark wie der Jakobsweg. Bei mir steht der E5 für nächstes Jahr an - falls mein Haustier tot ist.

    Helga, ich verstehe Deine Empörung nicht ("Ich finde keine Worte..") Natürlich schreibe ich von mir und meinen Empfindungen. Und auch von Erfahrungen, die ich mit Menschen gemacht habe.

    Es geht auch gar nicht um ein gewalttätiges Elternhaus, sondern um eine dysfunktionale Familie. So habe ich Bighara jedenfalls verstanden

    Da Du mich direkt ansprichst, antworte ich darauf:

    für mich klang Dein Posting, das Du auf ein direktes Zitat geschrieben hast:

    Zitat

    "Wer sensibel ist und eher eine unglückliche Grundstimmung hat, den erwischt es leichter, glaube ich"

    nach: wer nix abkann, fängt an zu saufen. Wer weniger empfindlich ist, steht das halt durch.

    Ich empfinde das Saufen als Copingstrategie um unerträgliche Lebenszustände zu überleben und nicht als Schwäche, weil man halt einfach ein Lappen ist.

    Wenn Du das anders meintest, dann nehme ich das so zur Kenntnis. In Internetforen kann man sich möglicherweise missverstehen.