Beiträge von Sparkassen_Helga

    Nachdem ich mit meinem Mann darüber gesprochen hatte und wir gerade auf dem Weg zu einer Grillparty waren, kam von seiner Seite auch die Frage, ob er denn dort was trinken dürfe.

    Na klar darf er - aber doch eine sehr kümmernde Geste. Du hast auch einen netten Mann!

    Mir hat bei der Versöhnung mit mir AmSees Signatur geholfen:

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

    Und ich versuche das immer auch auf meine Beziehungen zu anderen zu übertragen. Ich kann die Menschen nicht ändern, ich kann nur meine Einstellung oder mein eigenes Verhalten ändern.

    Ich habe vor einiger Zeit ein Video zum Thema Sucht gesehen, in dem beschrieben wurde, dass Konflikte, die zu kognitiver Dissonanz führen, Süchte auslösen. Diese können darüber gelöst werden, dass man seine Einstellung zu den Dingen hinterfragt.

    Wenn Du also gelernt hast "Man darf nicht lügen" und das so in Dir verankert ist, hast Du natürlich immer innerlich den Konflikt wenn Du lügst. Also wenn Du anderen irgendetwas (Krankheit/Medikamente...) erzählst warum Du nicht trinkst. Wenn Du aber Deine Einstellung zum Lügen änderst in der Form, dass es ok ist zu lügen, wenn man damit niemandem schadet und man sich selbst damit schützt, ist das Lügen gar nicht mehr konfliktbehaftet.

    Ich hoffe ich konnte das jetzt an diesem schlechten Beispiel irgendwie verständlich machen. Man kann das ja auf alle möglichen Lebenssituationen in denen man sich nicht wohl fühlt übertragen. Man muss seine Positionen gar nicht immer aufgeben, aber einfach mal hinterfragen: warum habe ich diesen Glaubenssatz. Ist er meine innere Überzeugung oder von außen anerzogen.

    Alkoholiker finde ich ein wirklich hässliches Wort und es ist gesellschaftlich so stigmatisiert. Alkoholiker sind im öffentlichen Bewusstsein "Versager", die es nicht schaffen normal zu konsumieren. Das ist eine wirklich schädliche Denke. Wenn man das für sich annimmt, führt es leider nicht gerade dazu, dass man sich in seiner Nüchternheit besser fühlt. Im Gegenteil.

    Ich kann mich von diesem Gefühl nach einer gewissen nüchternen Zeit gut befreien. Wenn ich gesoffen habe, hab ich mich auch lausig als Versager gefühlt. Klar, ich bin ein absoluter Suchtmensch. Ich habe mein Leben lang dazu geneigt bewusstseinsverändernde Substanzen exzessiv zu konsumieren. Ich war halt ne Partymaus. Irgendwann ist da keine Party mehr und der Konsum geht trotzdem weiter - dann ist das nicht mehr so sexy und lustig wie damals, als man jung war.

    Es ist müßig sich darüber so zu grämen, Emily. Du hast es geschafft das Saufen zu überwinden und die Chance ein Leben zu führen, wo Du stolz in den Spiegel schauen kannst. Wenn ich unter Menschen bin, wo gerade viel gebechert wird - lässt sich nicht immer verhindern - denke ich mir auch oft warum soll ich mich eigentlich schlecht fühlen. Ich hab´s doch geschafft das zu überwinden. Die anderen fühlen sich auch unsicher in ihrem Konsum - ansonsten wäre es ihnen nicht so wichtig, dass alle mitsaufen. Und wenn ich dann eine Ausrede verwende, warum ich heute nicht mittrinke ist das nicht nur zu meinem Schutz, sondern auch für die anderen. Ich möchte, dass sich Menschen mit mir wohlfühlen. Und ich möchte mich wohlfühlen und auch meine Intimität bewahren. Niemanden geht es etwas an, warum ich nicht trinke.

    Vielleicht täusche ich mich, aber ich hab manchmal das Gefühl, dass Du Dich verpflichtet fühlst den Anderen "zu beichten" was Du schreckliches die letzten Jahre getan hast. Das musst Du nicht. Du kannst es nicht ungeschehen machen und Du solltest es auch nicht überdramatisieren. Du hast lediglich eine Suchterkrankung - Du hast niemanden umgebracht oder eine Straftat begangen.

    Wenn Du Dich "outest" kannst Du das nicht mehr zurücknehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob Du Dir zum jetzigen Zeitpunkt einen Gefallen tust. In engeren Runden habe ich mir schon angewöhnt zu sagen, dass ich in der Vergangenheit soviel gebechert habe, dass das bis zum Rest des Lebens reicht - ich hab mein Soll schon erfüllt. Da kann sich jeder seinen Teil zu denken.

    Hast Du das Gefühl zu lügen, weil Du nicht offen sagst was los ist?

    Genau das ist es, AmSee13 was ich erst letztes Jahr begriffen habe. Ich hab das mit der Achtsamkeit immer nur als esoterisches Geblubber wahrgenommen.

    Wenn ich jetzt Buchhaltung mache - dann mache ich Buchhaltung und esse nicht noch nebenbei mein Frühstück, lasse kein Youtubevideo laufen, schalte das Radio aus, checke nicht alle 5 Minuten meine Mails und schreibe nicht noch die Einkaufsliste - ich mache Buchhaltung, sonst nichts. Nach 3 Stunden mache ich eine Pause, koche und esse mein Mittagessen, lese anschließend meine Mails und koche danach einen Tee - dann mache ich wieder Buchhaltung, sonst nichts! Meine vermeintlich großartige Multitaskingfähigeit hat mich in den letzten Jahren so dermaßen gestresst und am Ende ist nichts gewonnen. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mir das immer gelingt, aber ich schaue viel mehr darauf.

    Ist das kontrollierter Konsum ?

    40-50 Jahre Konsum + dann fast jeden Abend 2 Bier, Nachmittags ein Glas wein, keine Ausnahmen, keine Steigerung der Dosis.

    Ist die Person überhaupt, zumindest körperlich richtig abhängig?

    Erstrebenswert ist sowieso eine ganz andere Frage...
    Aber zumindest körperliche Schäden, stellen sich damit wahrscheinlich erst sehr spät ein. Mit Schäden meine ich natürlich sämtliche, mögliche Erkrankungen die Alk begünstigt.

    Ist es denn wichtig, ab wann die Abhängigkeit wirklich anfängt? Ich habe jeden Abend 3 Bier getrunken. Für einige ist das ein Witz und nicht der Rede wert. Ich habe aber gleichzeitig gemerkt, dass mein Konsum nichts Normales mehr hatte. Ich hab die 3 Bier reingeschüttet, um meinen Zufriedenheitspegel zu erreichen. Klar ging auch mal ein Tag ohne Alk oder auch zwei. Aber die Unfreiheit war da - in meinen Gedanken und auch körperlich. Und ich habe auch gemerkt, dass drei Bier täglich auf Dauer körperlich einfach ruinieren. Man schläft doch beschissen, selbst nach 1 Bier.

    Am Ende hört man für sich mit der Sauferei auf und nicht, um irgendeiner Statistik gerecht zu werden, die einen in krank oder gesund einteilt. Nach den gängigen Tests war ich nie Alkoholiker - trotzdem habe ich für mich gemerkt: das ist nicht richtig.

    Hallo Stevie, ich glaube da ist jeder unterschiedlich. Ich esse Tiramisu oder Dinge, wo Alkohol nur in sehr geringen Mengen enthalten ist - eine Demiglace oder ein Eierlikörkuchen. Was ich nicht mag sind Schnapspralinen oder Eierlikörtorte, wo der Alk oben drüber gegossen wird. Da ist der Alk im Vordergrund und weniger als Parfüm. Allerdings esse ich sowas nur "außer Haus" - zu Hause eine Rotweinsoße kochen käme für mich nicht in Frage. Ich denke aber, dass mich das auch nicht triggert, weil ich immer der Biertrinker war - Sekt, Wein, Schnaps und Co waren nie meine Getränke.

    Ich war jetzt bei einer Gala mit mehreren Gängen, wo in mind. 3 Gängen Alkohol im Essen deklariert war. Ehrlicherweise hab ich es nicht einmal erahnen können. Das Glas Sekt zum Jahreswechsel hab ich in die Hand genommen, angestoßen und dann in den Blumenkübel gegossen...

    Hallo Mausezahn, von mir auch noch ein herzlichen Willkommen! Schön, dass Du zu uns gefunden hast. Gerade die Anfangszeit kann herausfordernd sein. Ich hoffe Du findest hier die Unterstützung, die Du brauchst, um glücklich abstinent leben zu können. Ich hab auch viele Runden gedreht und kam immer irgendwann an den Punkt mich zu fragen, warum ich eigentlich aufgehört habe zu trinken? War doch gar nicht so schlimm... mir hilft das Forum sehr mich immer wieder daran zu erinnern, wie es war. Schlechte Dinge verdrängt das Gehirn viel schneller als gute Erinnerungen.

    Ich wünschte ich hätte früher mein problematisches Trinken hinterfragt. Und ja, ein nüchternes Leben kann schön sein. Nüchternheit löst nicht alle Probleme, aber alle Probleme, die im Zusammenhang mit dem Alkohol entstanden sind.

    Und Karottensaft ist köstlich!

    Wenn Du es genau wissen willst, sag ich Dir, Du nimmst die Suchtproblematik nicht ernst. Aber, wie ich sagte, das ist nur ein Impuls. Ob der Dir gefällt oder nicht, das musst Du für Dich entscheiden.


    Und was Deine Torte da angeht....ich war auch eher entspannter was die tägliche Konfrontation mit Alkohol im Alltag angeht, hab ich ja erzählt. Was ich nie erzählt habe, alk. Getränke habe ich nicht unbedingt strikt gemieden. Quasi vergleichbar mit deiner Torte.

    Genau, meine tägliche Dosis Schwarzwäder Kirsch... Hörst Du Dir eigentlich selbst beim reden zu?

    Weißt Du, ich stehe so solide im Leben, dass mir solche Unterstellungen von mir Fremden einfach gepflegt den Buckel runterrutschen.

    Und weil wir beim Thema sind, ich persönlich diese Notlügenthematik ja schon in einem anderen Thread vertreten habe, gleichzeitig hier lese, dass gewisse Süßigkeiten mit Alkohol mit Alkoholgehalt überhaupt kein Problem sind, gleichzeitig die Ansicht vertreten wird, Notlügen sind legitim....da stelle ich mir schon ganz ehrlich die Frage, passt das zusammen?

    Die Frage stelle ich mir bei Deinem Posting allerdings auch. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    Was sind denn Deine geringen Mengen? Ich esse auch Tiramisu mit Amaretto oder Schwarzwälder Kirschtorte mit Schnaps. Mich würde die Weinbrandbohne wahrscheinlich auch nicht aus dem Konzept bringen - wobei ich sowas schon immer eklig fand. Wenn ich aber anfange am Wochenende auf Veranstaltungen mal was zu trinken, bin ich irgendwann wieder bei meinen täglichen 3 Bier. Was ist denn kontrolliertes Trinken? Ich freue mich für Dich, dass Du kontrolliert trinken kannst - außer Dir kenne ich niemanden.

    An welcher Stelle ist der Faden eigentlich in die Richtung abgebogen, dass Menschen, die Ausreden nutzen sich permanent als trockenen Alkoholiker sehen und immer mit ihrer Sucht konfrontieren müssen oder kein Selbstbewusstsein haben oder nicht zu sich stehen können?

    Das ist doch Quatsch. Ich benutze auch Ausreden, um nicht an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen zu müssen. Wenn ich keine Lust auf die Gästeliste bei einer Party habe, sage ich einfach ich hab keine Zeit. Das hat überhaupt nichts mit Konfliktvermeiden zu tun, sondern damit, dass ich dem Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen will. Und genauso kann ich auch beim Alk eine Ausrede verwenden ohne an Selbstbewusstseinsmangel zu leiden oder mich zu schämen. Ich will anderen nicht ihre feucht-fröhliche Party versauen. Einfach, weil ich ein normal sozialisiertes Wesen bin, das nicht wie ein Dampfwalze durch die Gesellschaft fährt. Auf solche Leute haben die meisten Menschen nämlich überhaupt keinen Bock. Das hat nichts, wie oben genannt, mit Gefallsucht zu tun, sondern mit Höflichkeit und Anstand.

    Was aber bleibt ist das Potential, wieder abhängig zu werden. Dieses Potential besteht aber auch bei anderen Drogen, die ich nie genommen habe wie z.B. Crack, aber ich würde mich doch nie als Crack-abstinent bezeichnen.

    Das ist grotesk. Ehrlich.

    Der Unterschied zwischen uns und Nichtsüchtigen besteht darin, dass wir "aus Gründen" einen Substanzkontrollverlust erlitten haben, von der wir nun im Zuge der Heilung abstinent leben. Eine Substanz, die ich nicht konsumiert habe, gehört wohl kaum dazu. Und natürlich besteht für uns immer die Gefahr eines Rückfalls bei Konsum.

    Diese Gefahr besteht bei Nichtsüchtigen nicht, weil sie nicht am Punkt des Kontrollverlustes waren. Hier jetzt zusätzlich hochgradig süchtigmachende Substanzen aufzulisten ist komplett am Thema vorbei. Es gibt Menschen, die nicht alkoholsüchtig werden. "Unser" Kontrollverlust ist mE nicht heilbar. Natürlich sind wir nicht krank, wenn wir nicht trinken - aber, und so ehrlich muss man zu sich selbst sein, ein kontrolliertes Trinken wird es für keinen von uns mehr geben. Und das ist die Krankheitskomponente.

    Und an Mojo sorry, dass Dein Faden so eskaliert. Vielleicht sollte man das wirklich abtrennen.

    Das ist ein wichtiger Punkt, weshalb ich auch die elektronische Patientenakte ablehne. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass jeder Einblick in alles hat, egal wie wenig das Ganze miteinander zusammenhängt. Dann steht da eine Angststörung oder Depressionen in der Akte und schwubbs sieht der Gastroenterologe beim Bauchschmerzpatienten eher den psychisch Kranken.

    Ich bin Legalwaffenbesitzer und da ist auch immer wieder die Diskussion, ob bei der Zuverlässigkeitsprüfung auch Einsicht in die Krankenakte genommen werden sollte. Die Gefahr besteht darin, dass alle psychisch Kranken ihre Zuverlässigkeit und damit Ihre Legalwaffenberechtigung verlieren. Und gerade der Schießsport oder das Jagen bedeutet für Viele ein seelischer Halt und eine gesunde kameradschaftliche Gemeinschaft. Das ist unter anderem auch ein Grund warum ich niemals mit einem Arzt über meine Sucht sprechen möchte. Wenn es irgendwann zu einem Abgleich kommt, bin ich als trockener Alki sofort alle Waffen los.

    Und der nächste Punkt ist: ich generiere mich damit auch ein Stück weit als moralische Instanz, wenn ich da als erschlankter Supersportler auftauche, der erstmal erklärt, dass er nun drogenfrei durch´s Leben geht. Will ich das? Mein Opa sagte immer jeder solle nach seiner Façon selig werden. Warum sollte ich anderen ein schlechtes Gefühl machen wollen? Ich kann das gut nachfühlen wie witzig eine Party zu später Stunde werden kann - ich war früher selbst dabei.

    Weil es schlichtweg niemanden etwas angeht.

    Genauso wie mein Mann mit niemandem über seine Krebserkrankung spricht, genauso wie niemand auf einer Party darüber redet, dass er hochverschuldet ist und der Gerichtsvollzieher letzte Woche vor der Tür stand, genauso wie niemand darüber spricht, dass er Erektionsprobleme hat und die Ehefrau letzte Woche fremd gegangen ist, genauso wie niemand darüber spricht, dass er gerne mal ins Bordell geht oder Millionär ist, genauso wie niemand darüber spricht, dass er in der Kindheit missbraucht wurde.

    "Genauso wie niemand darüber spricht..." - diese Liste ist endlos fortsetzbar. Es geht einfach niemanden etwas an. Warum soll ich meinem Umfeld irgendetwas über mich, mein Inneres oder meine Probleme erzählen? Ich verstehe ehrlich gesagt den Drang oder die Verpflichtung einem fremden Menschen etwas über mich zu erzählen nicht. Das hat doch nichts mit Scham zu tun, sondern mit Privatsphäre. Vielleicht verkehre ich einfach mit anderen Menschen, aber in meiner Welt redet man über soetwas nicht. Ich will solche Dinge auch nicht von meinem Gegenüber hören. Ich kann mich mit einem Fremden problemlos einen ganzen Tag lang gut unterhalten und amüsieren, da muss ich doch nicht von meinem Alkoholproblem berichten.

    Vor allem was erwarte ich denn vom Gegenüber? Dass der dann irgendwas schlaues oder einfühlsames dazu sagt? Oder mir auch etwas "gesteht"?

    Für mich gibt es maximal eine Handvoll Menschen mit denen ich privates bespreche. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es doch wohl eher um Situationen auf Parties oder beim Nachbargrillen, wo man evtl. Alkohol angeboten bekommt und nicht um den Besuch bei der besten Freundin. Wenn ich zum Golf gehe, spiele ich da über´s Jahr locker mit 100 fremden Menschen, die ich aber irgendwie trotzdem alle bis zu einem gewissen Grad kenne. So eine Runde dauert gerne mal 5 Stunden mit Abschluss im Club. Der Klaus ist der Unternehmer mit dem großen Kaufhaus im Nachbarort, der Dieter der Handchirurg, Tatjana ist die Kindergärtnerin und Holger der Tischler - mehr Infos will ich gar nicht haben. Bei einigen weiß ich nichtmal, was sie beruflich machen. Man hat eine gute Zeit, lacht oder jammert über den veschobenen Putt oder den schlechten Schlag und unterhält sich über Gott und die Welt. Es entsteht eine Scheinnähe, man trinkt noch was zusammen im Clubhaus und jeder geht seinen Weg.

    Wer geht denn bitte in eine Gesellschaft und redet über oben genannte Dinge? Für mich ist das auch ein Grund hier im Forum unterwegs zu sein und nicht in einer SHG vor Ort. Meine Sucht ist meine Privatangelegenheit.

    Ich sage beim Sport meistens auch, dass ich noch Auto fahren muss (und mal wegen 2 Gläsern Wein den Führerschein abgeben musste). Den zweiten Teil erzähle ich nur, wenn das engere Leute sind, die auch gerne mal zuviel trinken und dann fahren.

    Übrigens haben die 2 Gläser Wein damals zu 40 Tagessätzen und 14 Monaten Fahrverbot geführt, weil ich neben den 0,5‰ noch eine Baustelle mit dem Spiegel touchiert habe.

    Gerne auch: ich muss morgen früh raus und fit sein. Oder: ich bin gerade sehr traurig wegen eines Verlusts und Alkohol verstärkt das nur, ich will die Stimmung nicht versauen. Oder: ich glaube ich bekomme noch eine Migräne.

    Für mich ist meine Drogensucht das intimste Geheimnis, das ich nur mit meinem Mann teile. Ich gehe ja auch nicht mit anderen Krankheiten hausieren.

    Mojo die Erfahrung mit dem Rauchen hab ich auch gemacht: Rauchen aufzuhören scheint in den Köpfen der Menschen eine unglaublich große Leistung zu sein. Übrigens haben mich damals auf einer Party auch welche zum Rauchen verführen wollen. Verrückt, oder?

    Das heißt jetzt nicht, dass man sagen soll: Du, ich bin Alkoholiker(in), ich darf nicht mehr trinken.

    Nach Deiner Logik ist das dann aber die einzig mögliche Antwort. Welche andere Antwort soll denn bitte glaubhaft sein? Sich irgendwelche konstruierte Sätze zusammenzubauen, die einem selbst gegen überfunktionieren können ist ja fast noch schlimmer. Am Ende belügt man nicht die anderen, sondern sich selbst.

    Und meines Erachtens nach, tut man sich mit Lügen keinen Gefallen. Sondern damit, fest zu sich zu stehen und das auch zu kommunzieren.

    Wenn wir alle in der Vergangenheit so fest zu uns gestanden hätten und immer so ehrlich gewesen wären, würde es weniger Alkis auf der Welt geben. Unsere Alkoholsucht ist eine sehr private Sache, die keinen anderen Menschen etwas angeht, es sei denn man möchte es mit Menschen unbedingt teilen.

    Das Resultat, nicht vorbereitet zu sein, haben wir bei Ciara ja gelesen: "und gestern musste ich einen Fingerhut voll Alkohol zu mir nehmen, weil mir eine Flasche Schnaps geschenkt wurde und ich diesen unbedingt wegen der Schenkerin probieren musste! Ist aber alles gut gegangen."

    Dass der Fingerhut der Worst-Case war, bestreiten wir doch beide nicht. Ich bin nur der Meinung, dass man auch mit einer Notlüge genauso gut vorbereitet sein kann.

    Anyway, wir müssen nicht einer Meinung sein, Honk.

    Ich seh es anders. Was später mal irgendwann sein wird, ist in dem Moment völlig egal. Vielleicht ist sie in der Zukunft soweit stabil, dass sie etwas anderes sagen möchte. Achtsamkeit ist in solchen Momenten viel wichtiger als Ehrlichkeit.

    Dein Vorschlag:

    "In den letzten Wochen war es irgendwie ein bisschen zuviel, ich will mal eine Pause einlegen." oder

    "ich möchte abnehmen, wenn ich jetzt was trinken, mach ich mir damit meine Wochendisziplin kaputt, das will ich nicht..." oder

    "Du, ich muss / möchte morgen fit sein, deswegen trinke ich jetzt nicht"

    ist am Ende doch genauso eine Lüge.

    Ich finde es durchaus ok auch Notlügen zu verwenden, wenn man noch nicht stabil ist. Du hättest sagen können, dass Du heute ein inkompatibles Medikament eingenommen hast.

    Letzte Woche habe ich eine Topfpflanze verschenkt, die mir die Beschenkte zurück gegeben hat - mit dem Hinweis, dass ihre Katzen alles anfressen und die Pflanze giftig ist. Ich fand das ok - wusste nicht, dass sie Katzen hat und hab dann einfach eine Einladung ins Restaurant als Alternativgeschenk angeboten. Der Beschenkende wird das nicht als Zurückweisung auffassen - das ist nur in Deinem Kopf. Die Verpflichtung "unauffällig normal" zu agieren.