Beiträge von Tom

    Das Problem dabei ist, dass die Glutamat-Aktivität im Hirn auch dann erhöht bleibt, wenn man bereits eine längere Zeit keinen Alkohol mehr trinkt. Laut Studienlage und Forschung braucht es 18-24 Monate bis das Hirn den Glutamat-Spiegel wieder runter gefahren hat. Und so lange ist das System noch überreizt. Mit folgenden Symptomen:

    Neurologisch: Kopfschmerzen, Migräne, Konzentrationsschwäche, Taubheitsgefühle (besonders im Nacken), brennendes Gefühl um den Mund, Schwindel.
    Körperliche Missempfindungen: Hitzegefühl, Schwitzen, Engegefühl in der Brust, Schmerzen.
    Herz-Kreislauf: Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen.
    Psychisch/Kognitiv: Angstzustände, verminderte kognitive Kontrolle, erhöhte Anstrengung bei geistiger Arbeit.
    Verdauungstrakt: Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall.
    Andere: Hautausschlag, Juckreiz.

    Interessant, aber kann ich nicht bestätigen, im Gegenteil:

    Neurobiologisch: keine Veränderung

    körperliche Missempfindungen: während meiner Trinkerzeit schwitze ich wie ein Bär bei der kleinsten körperlichen Tätigkeit und bei Stessempfinden, war Horror. Innerhalb weniger Monate hat sich das extrem verbessert und ich bin so froh drum

    Psychisch/Kognitiv: Meine diagnostizierten Angstsörungen sind beinahe weg und behindern mich kaum mehr in meinem Alltag. Kognitive Leistungsfähigkeit empfinde ich subjektiv besser als zuvor. Mein Erinnerungsvermögen jedoch spielt mir regelmäßig Streiche: ständige Déjà vus; die verunsichern mich und ich kann sie nicht einordnen.

    Verdauungstrakt: so viiiiel besser als vorher, tonnenweise Magenschoner bruch ich nicht mehr

    Andere: nach 10 Tagen Abstinenz hatte ich meinen ersten Gichtanfall... Ob reiner Zufall oder das abrupte Kappen der Purin-Zufuhr in Form von Bier der Auslöser war? Keine Ahnung. Problem latent vorhanden, aber aktuell auch ohne Medikamente mehr keine weiteren Schübe gehabt.

    Regelmäßig Bewegung und Sport ist für mich der Schlüssel zu den oben beschriebenen Symptomen. aAn der Ernährung könnte ich noch arbeiten und Supplemente nehm ich zwar (Multivitamine, Magnesium), aber da vermute ich bei mir, dass der Placeboeffekt mehr wirkt, als die Präparate an sich.

    Deshalb geh ich jetzt raus in die Kälte, 25km-Marsch und Vorbereitung für den Megamarsch im März🥾🥾

    Schönen Sonntag allerseits

    Tom

    Wieder mal ein kurzes Update von meiner Seite:

    Letzte Woche wars ein Jahr her seit meinem letzten Rückfall. Somit hab ich eine ganze Kalenderumdrehung (gibt's dieses Wort überhaupt?😀) nüchtern durch. Fühlt sich gut an und gibt Sicherheit, über die Zeitdauer eines ganzen Jahres verschiedenste Situationen trocken gemeistert habe. Andererseits ist es auch nur eine Zahl, ein Zeitraum, weswegen ich nicht in Jubelschreie ausgebrochen bin. Dazu kommt, wie ich schon mal angemerkt habe, dass ich den nüchternen Weg schon im 2023 eingeschlagen habe, halt mit diesen leidigen Rückfällen in den ersten Eineinhalb Jahren. Ich bin zuversichtlich, dass mir das nicht mehr passiert, und will trotzdem demütig dem Alkohol gegenüber bleiben. Denn darauf zählen, dass ich mich nach einem Rückfall immer wieder aufrappeln kann, darf ich nicht. Zu desaströs, wie jeweils nach einem Vorfall mein Selbstbild und Selbstvertrauen am Boden ist.

    Ansonsten stellt sich bei mir nach 2 abenteuerlichen und ereignisreichen Jahren der Alltag und die Routine wieder ein. Zum ersten mal seit langen wieder mal den Winterblues, scheiß Nebel die ganze Zeit🥴 Aber da bin ich wohl nicht der einzige. Was solls, das schlimmste dürfte langsam vorbei sein.

    So weit mal

    Gruß

    Tom

    Hallo aixman

    das hört sich toll an! Mit Enzug/Therapie und Nachsorge, zudem die Partnerin mit eingeweiht und unterstütztend zur Seite und nicht zuletzt auch noch im Forum angemeldet , top👍

    Ich hab zwar noch gut 15 Jahre bis zum Ruhestand, aber mit ein Gedanke war, als ich entschieden habe aufzuhören auch fogender: "Vielleicht schaffe ich es saufend bis zur Pension, aber spätestens dann, ohne Tagesstruktur, werde ich mich endgültig zu Grunde richten damit". Drum lieber jetzt als irgendwann später aufhören...

    Im Moment fühle ich so gut wie ewig nicht mehr, weiß aber auch, dass ich nicht leichtsinnig werden und mich in Sicherheit wiegen darf.

    Geniess es, das hast du dir verdient. Ich hatte auch einen riesen Flow in den ersten Monaten. Das wird sich aber wieder einpendeln. Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass die oft beschriebene Hochphase sich auch wieder legt und in ein neues, besseres "Normal" übergeht. Ich berücksichtigte das zu wenig und hatte prompt einen Rückfall gebaut. Soll keine Panikmache sein, sondern einfach mein Tipp, die Situation hin - und vorallem anzunehmen, wenn die erste Euphorie verflogen ist. Hierfür hast du deinen Werkzeugkasten, die Nachbetreuung und nun auch das Forum.

    Ich schalte deinen Thread sogleich in den offenen Bereich und ich als Mitglied frei.

    Gruß

    Tom

    Hallo aixman

    willkommen im Forum! Schön, dass du hier her gefunden hast. Magst du noch ein bisschen mehr von dir erzählen wie z.B. wie welche Rolle der Alkohol in deinem Leben hatte und was dich dazu bewogen hat, nun nüchtern zu werden? Wir haben alle einen sehr unterschiedlichen Background, umso mehr hilft es, sich ein ungefähre Bild seines Gegenübers machen zu können - und erleichtert auch ungemein den Austausch;)

    Gutes Ankommen

    Tom

    Soll keine Kritik sein, aber ist das möglich, mit dem Thema Alkohol abzuschließen, so als reine Willensentscheidung? Ich für mich zumindest weiss, dass das, was ich versuche wegzusperren, früher oder später umso heftiger zurückkommt. Ich muss mich nicht regelmäßig gehen den Alkohol entscheiden, zu guten Glück nicht mehr. Wie präsent die Alkoholthematik in meinem Alltag ist, kann ich nicht vollständig beeinflussen und sehe das eher als Prozess mit unbestimmter Dauer und Intensität. Im Gegenteil, es war nach meiner ersten, dreijährigen Abstinenz fatal zu glauben, das Thema sei abgehakt und ich somit geheilt... Meinen Weg sehe ich darin, nicht zu vergessen, woher ich komme und nicht mehr hin will und gleichzeitig im hier und jetzt nach vorne zu schauen.

    Hallo Kogge

    In deinen Worten finde ich mich wieder. Auch ich habe Fotos von mir, auf welchen ich ausstrahle, was ich nie werden wollte. Als regelmäßiger AA-Gänger hat mich dein abgewandelter Spruch angesprungen. Gott oder diese ominöse "höhere Macht" ist für mich kein annehmbares Konzept - aber das ist ein anderes Thema. Die eine Gruppe, die ich nach Möglichkeit besuche, hat den Spruch folgendermaßen abgewandelt:

    "Ich wünsche mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem andern zu unterscheiden"

    Die Kraft der Worte. Ich finde es eine gute Sache, solche Sprüche oder Mantras für sich persönlich umzuformulieren, so dass es auch wirklich stimmig ist. "Unänderbar" wäre für mich negativ behaftet - egal in welchem Kontext. So ticken wir alle unterschiedlich, was ok ist.

    In diesem Sinne

    Schönes Wochenende

    Ein grosses Thema!

    Ich kann das für mich noch gar nicht abschließend beantworten. Dass ich aber nach wie vor daran arbeite, liegt wahrscheinlich daran, dass ich mir die selbstgemachte Last "ich trinke nicht mehr, jetzt muss ich mein Leben mit Sinn ausfüllen" von den Schultern genommen habe. Ich habe die kleinen Schritte und Erfolge mit der dazugehörigen Ausdauer für mich entdeckt und schätzen gelernt. Ich habe den Sport (wieder) entdeckt, was für meine körperliche und vorallem geistige Gesundheit der Gamechanger war und ist. Bin dadurch ausgeglichener geworden, was mir wiederum hilft, an Tätigkeiten und Zielen dranzubleiben. Ich bin über die Jahre zum Einzelgänger mutiert, was eigentlich ganz ok ist, merke aber auch, dass mir der Kontakt zu guten Leuten ab und an fehlt. Früher wäre das ein Grund gewesen, dieses Gefühl wegzusaufen. Heute bin ich gnädiger mit mir - und nehme mir gleichzeitig vor, das Thema step-by-step anzugehen.

    Gruss

    Tom

    Hi ZuruekimLeben

    Herzlich willkommen nochmals von meiner Seite. Ich freue mich auf den Austausch mit dir und denke, dass du mit deiner langjährigen Abstinenz viele wertvolle Impulse ins Forum bringen kannst. Ich bin gerade auf der Heimreise aus Frankreich und werde dich, sobald angekommen, für den offenen Bereich freischalten.

    Beste Grüsse

    Tom

    Hallo Alex75

    Die drei Wochen dürften jetzt rum sein. Ich hoffe, dass die Situation sich in die richtige Richtung entwickelt. Wenn du magst, kannst du ja mal ein Update geben

    Alles Gute

    Tom

    Olala, Paul , du hast ja Nerven. Aber so wie ich dich einschätze glaube ich dir, dass das wirklich nur zu Testzwecken war. Dass das ein Spiel mit dem Feuer ist und bei den allermeisten nach hinten losgeht, brauchen wir glaub nicht zu diskutieren.

    Aber ein Rückfall ist, was du als Rückfall wertest.

    Das sehe ich anders. Ein Rückfall ist, so wie ich das für mich definiere, absichtlich Alkohol zu trinken. Ob einmalig ein paar Biere oder der Totalabsturz unterscheidet sich bloß im Schweregrad. Das muss ich für mich so handhaben, ansonsten würde ich Tür und Tor öffen um vielleicht ja wieder mal, irgendwann was zu trinken - war ja nicht so schlimm das letzte mal...

    In diese Falle bin ich vor 20 Jahren nach 3 Jahren Abstinenz getappt, muss nicht wieder sein. Und da wir schon beim Rückfall sind: ich bin ja hier bekannt als der mit den Rückfällen🫣. Wenn ich überhaupt was positives davon mitnehmen konnte, dann die Erkenntnis, dass ich die ursprünglich angenehme Wirkung nicht mehr reproduzieren kann. Ich werde schon nach dem ersten Glas zum selbstzerstörerischen, zynischen Typen, den nich nicht mehr leiden kann. Wenn ich das nicht vergesse, und da bin ich doch recht zuversichtlich, hab ich auch schon bald mein erstes rückfallfreies Jahr rum.

    Gruß

    Tom

    Die Winterzeit ist bei mir auch am schwierigsten. Ich werde Anlässe und Orte meiden, wo viel getrunken wird oder ich früher jeweils getrunken habe. Gleichzeitig ist aber auch Einsamkeit ein Thema, zumindest bei mir, weil ich mich halt aus dem ganze Trubel raushalten werde. Dagegen hilft bei mir, aktiv zu bleiben, rausgehen, auch wenns kalt und grau ist draussen. Das erfordert ein bisschen mehr Überwindung und Disziplin als an einem lauen Sommeraend, aber ich bin zuversichtlich, dass ich an diesen Tagen trotzdem entspannen und ein bisschen geniessen kann. Sollte trotzdem sich das Suchtgedächtnis melden, keine Panik, das gehört ein Stück weit zum Weg dazu. und geht auch wieder vorbei.

    Gratulation zu den 300 Tagen, Looner. Weiter so, ein Tag nach dem anderen und schon bald hast Du das erste Jahr geschafft

    Gruss

    Tom

    Als ich in der Klinik war, sagte ich Ok, 3 Wochen, mal Boxenstopp, zusammenflicken, was kaputt ist und wieder raus. ich war ja auf keinen Fall so hinüber und bescheuert wie die anderen Mitpatienten...

    Rückblickend reagierte bzw. redete ich so, weil ich mich einnfach in Grund und Boden schämte, in einer Klinik gelandet zu sein. Meine Sichtweise veränderte sich nach den ersten Wochen fundamental. Das wünsche ich mir auch für dich

    Gruss

    Tom

    Hallo Nobs

    Ich war 2004 vier Monate stationär. Die erste Woche war sehr hart, körperlicher Entzug und zusammen mit psychisch Kranken aller Art in der Geschlossenen. Dabei hatte ich doch nur zuviel getrunken, haha 😉

    Was ich sagen will, lass dir Zeit, anzukommen, und fixiert dich nicht auf die Sachen, die dich stören. Ich hatte auch allerhand seltsames Zeugs gebastelt, so sehr, dass die Kunsttherapeutin mich mal zur Seite nahm und mit mir darüber reden wollte...

    Lass dich einfach darauf ein, denn vergiss nicht, das ist dein Start in ein besseres Leben

    Gruss

    Tom

    Aber das wichtigste ist keinen Applaus zu erwarten. Das Wachstum findet im stillen statt, wo es keinen Applaus gibt, wo dich keiner sieht.

    Dieses Zitat gefällt mir sehr! Obwohl ich nicht abstreiten kann, dass die Anerkennung auch ganz nett ist😉 Durch die Abstinenz gelingt es mir endlich viel besser, mich vom ständigen vergleichen mit anderen zu lösen und irgendwie einfach mehr bei mir zu sein

    Hi Alex75

    Auch ich kann nur aus der Perspektive des Trinkers schreiben. Der Wunsch aufzuhören und auch dran zu bleiben, der muss von innen kommen. Ein Input von außen, wie zum Beispiel eine Trennung, ein Unfall, Jobverlust, was auch immer kann allenfalls der Auslöser sein, den abstinenten Weg gehen zu wollen, wird aber kein nachhaltiger Grund sein, die Abstinenz wirklich ernsthaft anzustreben. Ganz abgesehen, dass ich seine Motivation nicht beurteilen kann, darfst und musst du für dich schauen. Wenn er wirklich aufhören will und bis in einigen Wochen wieder ein bisschen klarer im Kopf ist, müsste er eigentlich verstehen können, dass du mindestens so fest, ja sogar noch mehr als er unter seiner Abhängigkeit leidest. Und darum du deine Zeit und Raum für dich brauchst.

    Wenn er das nicht verstehen kann oder will, ist es umso mehr ein Grund, dass du dich distanzierst

    Viel Kraft wünsche ich dir

    Tom

    Mir wars am Anfang sehr wichtig, eine Alkoholfreie Umgebung zu schaffen. Zu Hause kein Alkohol ist schon mal klar. Dann der Arbeitsweg: meine Tankstelle des Vertauens: konsequent einen Umweg gemacht, um nicht in Versuchung zu geraten. Dann viele, viele Podcasts gehört, Bücher gelesen und fastdas wichtigste: in jeder freien Minute (in der ich sonst getrunken hätte), ging ich spazieren, später Wandern, laufen Radfahren. Ein Beschäftigungsprogramm auf die Beine stellen, sobald der Vorsatz aufzuhören da ist, kann ich nur weiterempfehlen.

    Wie denkst du, dass du es dieses Mal angehen willst?

    Ich hatte den in meiner nassen Zeit angeschaut. Hatte mich in meiner fatalistischen, alkoholgeprägten Denkweise eher ermutigt als zum Nachdenken gebracht. Würde ich nicht weiterempfehlen

    Das ist schon mal ein erster und wichtiger Schritt: die Erkenntnis, dass es wie bisher nicht weitergehen kann.

    Als Mod muss ich kurz anmerken, daß wir kalten Entzug nich im Forum supporten können. Die gesundheitlichen Risiken sind zu hoch, als das wir hier aus der Ferne, als medizinischen Laien hierfür Hand bieten können.

    Falls dem so sein sollte, bespricht dies unbedingt mit deinem Arzt. Sobald du allfällige Absetzungssymtome hinter dir hast, als Faustregel gilt eine Woche, kann das Forum die Unterstützung/den Austausch bieten, wofür es gedacht ist.

    Liebe Grüsse

    Tom, als Mod