Moin Paddy! Ich bin damals auch Anfang November aus dem Entzug raus und das war auch zu einem Zeitpunkt, als das Publikum dort sich stark veränderte. Jetzt kommt die Jahreszeit, in der Manche in den Entzug gehen, um einen warmen Schlafplatz plus warmer Mahlzeit zu haben.
Wie geht es denn nun für dich weiter? Kommt da noch eine Anschlussbehandlung oder wie möchtest du für dich fortfahren?
Beiträge von Bighara
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Hey Paddy! Bei mir hieß das Ganze damals BEP (=Belastungserprobung). 😃 Hach ja, da kommen Erinnerungen hoch. Die erste BEP fiel mir schwer, da wir hier im Stadtteil Straßenfest hatten und alles voll war im Trinkenden. Hattest du dein zu Hause vorher schon Klarschiff und Alkfrei gemacht, bevor du in den Entzug bist? Hoffe, die BEP lief gut und landest gleich in der Klinik wieder wohlbehalten und nüchtern an. ✌🏻
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Leute…es gibt zwei Arten von Suchtkranken: Die Einen halten sich die Krankheit immer wieder vor Augen, weil es für sich selbst brauchen, weil sie nicht unachtsam werden wollen, weil sie das für sich selbst benötigen und es ihnen Sicherheit verschafft. Und dann gibt es die Anderen, die irgendwann auch mal genug von dem Thema Sucht haben und das nicht wie so ne Art Damoklesschwert über sich hängen haben wollen und auch mit dem Abstand gut fahren.
Beide Wege und alles dazwischen hat seine Berechtigung - Hauptsache, es funktioniert und hält einen in der Abstinenz.
Ich hatte in einer SHG vor längerer Zeit mal einen Herren sitzen, der ist nach 35 Jahren Abstinenz während der Corona-Zeit rückfällig geworden. Just saying. -
Im Endeffekt ist es müßig dieses Thema aufzumachen, weil Suchtdruck nicht quantifizierbar ist. Jeder empfindet Suchtdruck anders, in einer anderen Intensität, mit anderen Gefühlen und entsprechenden Begleiterscheinungen. Eine hochgradig individuelle Angelegenheit.
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Also, Suchtdruck hat nichts mit einer freudigen Erwartung zu tun, die man sich selbst verwehrt. Zumindest hat diese Schilderung wenig mit dem massiven inneren Verlangen gemein, was mich schonmal überkommen hat und was so stark war, dass ich mich nur aufs Bett legen konnte und es aushalten musste, bis es vorbei war. Das war überleben für den Moment und hatte nichts Romantisierendes an sich. Da war nix mit freudiger Erwartung, Belohnung oder sonstwas Positivem - das war einfach nur hochgradig anstrengend und belastend.
So wie du das beschrieben hast, Paul, liest sich das für mich ein wenig verharmlosend. Aber ich möchte hier kein Fass aufmachen und du hast das auch nicht verharmlosend gemeint. -
Hey Paddy,
soweit ich weiß, ist Sucht im Rahmen der PKV in der Regel nicht mitversichert. Da müsstest du in deine Versicherungsbedingungen schauen, um wirklich sicher zu sein, was von der PKV umfasst wird. Für sowas ist aber schon der Sozialarbeiter im Haus zuständig, der sich genau um solche Fragen kümmert und dich bei der Klärung sowie Antragstellung unterstützt. Zumindest war das bei im Entzug so (eben weil man selbst nicht die Ressourcen hat, um sich damit rumzuschlagen).
Wenn du in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst, dann dürfte die Entwöhnung (nicht der Entzug!) von der DRV übernommen werden. Andere Kostenträgerschaft. -
Hey. Ich kenne das Gefühl mit dem besser sein. Wenn ich getrunken hatte, konnte ich eine Lockerheit und Leichtigkeit an den Tag legen, die mir nüchtern sehr schwer fällt, weil ich sehr kontrolliert bin. Alkohol war für mich der kontrollierte Kontrollverlust. Das war sehr angenehm. Es gibt ja auch Dinge, die mich zum Suchtmittel geführt haben…das erkenne ich auch an. Nenilius : Es gibt von jedem Suchtmittel eine Pro & Contra-Seite. Die Pro-Seite für den Alkohol wie bei mir ‚Leichtigkeit‘ steht auf der Contra-Seite für die Abstinenz, weil mir in der Abstinenz die Leichtigkeit fehlt: So ne Pro & Contra-Liste hat jeder für sich selbst….das Eine wird erstrebenswerter, wenn die negativen Konsequenzen des Anderen spürbarer werden. Eigentlich ne ziemlich einfache Milchmädchenrechnung. Aber auch hier gilt…das Suchtmittel ist nur ne Abkürzung. Du bist im Suff nicht besser als nüchtern. Ich kenne Niemanden, der im Suff wirklich die beste Version seiner Selbst wäre. Du etwa? 😅
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Und erstmal wird es leider was schlimmer…all die Sachen, die du mit Hilfe des Alkohol weggeschoben hast, kommen peu a peu wieder hoch, um verarbeitet zu werden. Daher auch dein Wunsch innerer Drang sich betäuben zu wollen. 🙁
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Hey du! Chaos bleibt Chaos - mit Alkohol verdrängst du und ohne kriegst du es mit. Nüchternheit ist kein Allheilmittel und es ist ein Trugschluss, dass plötzlich alles gut wird, nur weil man nicht mehr trinkt. ABER: In der Nüchternheit stehen dir mehr Ressourcen zur Verfügung, um die Probleme zu lösen. Meist entstehen Probleme auch erst gar nicht, weil du sie nüchtern gar nicht erst entstehen lässt.
Und bei mir hat es ca. 3 Monate gedauert bis der Alkohol sich aus meinem Geist verflüchtigt hatte und die innere Mattscheibe aufgeklart ist. Nach zwei Wochen ist der Alk erstmal nur aus dem Körper raus. Nicht mehr, nicht weniger…leider.
Bleib stark, Nenilius ! Die Belohnung fürs nicht trinken kommt nicht sofort, aber sie kommt! -
Hallo Paul. Ohne dir zu nahe treten zu wollen - ich glaube, wir Beide sprechen einfach nicht die gleiche Sprache. Hab das sehr oft bei deinen Beiträgen, dass ich keine Ahnung habe, was du damit aussagen möchtest. So geht es mir hier mit deiner Antwort auch wieder. Für mich ist das irgendwie am Thema vorbei. 🤷♀️ Aber da man nunmal nicht mit Jedermann auf einer Wellenlänge liegen kann, ist das auch überhaupt nicht schlimm, dass ich deinen Beitrag nicht auf den Sinn entschlüsseln kann. Andere werden dich da besser verstehen. 😊 Von daher…ich ziehe mich hier nun raus, weil das sonst Chaos gibt. 😅
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Lieber Paul,
ich fühle mich durch deinen Post angesprochen, da du augenscheinlich auf mich Bezug nimmst. Anscheinend habe ich dich verärgert, das war nicht meine Absicht. Ich empfinde weder meine Worte hier noch in meinem Podcast als äußerst gefällig, angenehm. Ich habe auch keineswegs geschrieben, dass deine Worte abwertend oder verurteilend wären, weil ich dir das schlichtweg nicht unterstelle. Ich habe geschrieben: Man sollte vorsichtig mit dem Wort Willensstärke in Bezug auf Abhängigkeitserkrankungen sein. Und so ist es auch. Nur mit reiner Willensstärke können sich viele Menschen der Erkrankung nicht in den Weg stellen, sondern brauchen noch was mehr Support. Willensstärke gehört definitiv dazu, reicht aber allein nicht unbedingt. Es ist schön, dass du es allein mit der Kraft deines Willens geschafft hast - Gratuliere. Aber die einem Suchtkranken unterstellte fehlende Willensstärke trägt zur Fremd- und auch Selbststigmatisierung bei und hält den Menschen weiter in der Erkrankung. Hierzu gibt es Forschung, ich verweise hier auf Georg Schomerus, quasi der Stigma-Papst in Deutschland. Wirklich super interessant und er trägt auch für Laien wirklich gut verständlich seine Forschungsergebnisse zusammen.
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Ich drücke dir ganz fest die Daumen und vor allen Dingen: Lass dich nicht unterkriegen und verlier die Hoffnung nicht. Manche Dinge brauchen halt einfach Zeit, da muss man dann zäh und geduldig sein, damit es was wird. Vielleicht gehst du nochmal zur Suchtberatung und fragst nach Alternativmöglichkeiten für einen Entzug in einer anderen Klinik, sofern die Zuständigkeiten es zulassen? Wenn das nicht geht, dann ist das so. Bleib auf jeden Fall dran, du machst das schon super. 👍🏻
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Guten Morgen. Lieber Paddy …ich hab gestern so zwischen Tür und Angel geantwortet, was ich bei dem Thema nicht hätte zu tun sollen. Also, die pharmakologische Begleitung habe ich tatsächlich auch durch in all den Jahren. Ich habe Campral bekommen, was gar nicht bei mir angeschlagen hat. Dann stand mal Adepend auf der Liste und sogar Antabus, was man heute gar nicht mehr bekommt. Antabus killt dich, wenn du trotzdem trinkst. Tjaja, und ich habe trotzdem weitergemacht, zwar nicht so viel, weil nach zwei kleinen Bier bei mir das Gefühl aufkam, dass mein Kreislauf gleich zusammenbricht, aber es ging. Auch hier kann man sich wieder wunderbar selbst betrüben, denn es steht und fällt alles mit der Einnahme. Die Medikamete sind eine Begleitung, sie können definitiv helfen und das mit dem Suchtdruk verbundene Leid lindern. Aber sie sind kein Allheilmittel und kein Retter.
Falls es dich interessiert…ich bin auch als Podcasterin aktiv und war in dieser Funktion im Rahmen der Betroffenenbeteiligung auf dem Deutschen Suchtkongress in Köln. Du findet in meinem Podcast ‚Let‘s talk about Sucht, Baby!‘ die aktuelle Folge ‚Der Suchtkongress und seine Folgen‘, welche sich mit der These ‚der qualifizierte Entzug plus Reha = Erfolgsfaktor‘ beschäftigt. Ich unterhalte mich mit meinem Therapeuten aus der ReHa darüber, warum diese Kombination so gut ist und was auch gegen sie spricht. Bei Fragen zu dem Thema schreib mich gerne an.
Und zu der von Paul beschriebenen Willensstärke…ich halte diese Aussage für sehr gefährlich, weil sie auch ein Faktor der Stigmatisierung ist. Warum hörst du nicht einfach auch zu trinken? Ach, bist doch selbst Schuld an deinem Leid: Du willst einfach nur nicht richtig. Und das wiederum erzeugt Scham und Versagensgefühle. Warum schaffen andere das nur ich nicht? Fehlende Willensstärke. So einfach ist das mit der Sucht nämlich nicht. Suchtdruck ist nicht quantifizierbar, ebenso wie stark man in der Sucht drinne hängt. Es ist eine Krankheit, aber es gibt Wege hinaus. Der Eine schafft es allein, der Andere mit der SHG, der Andere wiederum mit Entzug und ReHa und manche wiederum benötigen auch das ganze Paket von Entzug, Reha, Nachsorge, Adaption und Clean-WG. Ich bin ja bei der Reha raus und hab das mit der Abstinenz hinbekommen. All die ich kenne, die das ganze Paket gemacht haben mit Adaption und Clean-WG, sind alle stabil geblieben. Sehr hohe Erfolgsquote, falls das dein akademisches Zahlenherz happy stimmt. 😃 Rein statistisch kannst du es quasi auf diese Aussage herunterbrechen: Je länger die Verweildauer im Suchthilfesystem und den jeweiligen Anschlussmaßnahmen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass dauerhaft ein abstinentes Leben geführt wird. -
Paddy Ich war vor Kurzen auf dem Deutschen Suchtkongress und habe dort den neusten Stand der Forschung miterleben dürfen. Von den Zahlen her sind Qualifizierter Entzug plus anschließende Entwöhnung Erfolgsgaranten. Beides zusammen erreicht zu wenige Menschen, aber wenn, dann können diese Maßnahmen äußerst effizient sein. Ich bin diesen Weg auch selbst gegangen, bin seitdem seit nunmehr über 2 Jahren abstinent und mir geht’s wunderbar.
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Nalrexon? Hab ich da anscheinend was überlesen? Das wäre ja ein pharmakologischer Ansatz…
Ich würde mich von der Schwiegermutter tatsächlich auch nicht abbringen lassen den Entzug zu starten. Im Zweifelsfall weiß die eh schon, dass du gern zu tief ins Glas schaust.
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Puuuuuuh Paddy …du, ich weiß nicht. Natürlich kann es funktionieren, KANN! Es gibt viele niederschwellige Angebote in der Richtung. Wenn du allerdings in der körperlichen Abhängigkeit schon drin hängst, gibt meiner Meinung nach keine Alternative zum Entzug plus anschließender Entwöhnung. Damit sind meines Erachtens die Chancen für einen Erfolg mit am Höchsten. Es wird schon seinen Grund haben, weshalb du einen Entzug machen sollst. Ich betone nochmal: Meine Meinung dazu, ich maße mir hier keinerlei Urteil an.
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Was macht eigentlich CeBe ? 😃
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Paul Also, soweit ich das verstanden habe, weiß der Arzt von Nenilius über den Konsum an sich Bescheid, nur über die Menge nicht. Nenilius hat sich dahingehend mitgeteilt, insoweit kann doch überhaupt keine Aussage getroffen werden, ob da Scham eine Rolle spielt oder nicht. Ärztliche Behandlung findet bereits statt, was schon ein riesiger Schritt ist. Und ich empfinde es nicht als hilfreich hier so ein Angstszenario zum kalten Entzug aufzubauen. 300ml Vodka sind immer noch keine ganze Flasche oder mehr. Ich würd persönlich da die Kirche mal im Dorf lassen.
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Nenilius Ansonsten schreib mich gern per PN an. Wir sind quasi ein Alter…vielleicht kann ich dir mit Rat zur Seite stehen.
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Kommt es für dich in Frage dich mitzuteilen und über die schlimmen Dinge zu reden? Reden entlastet ja bekanntlich. Ansonsten die schlimmen Dinge vielleicht niederschreiben, damit sie raus sind aus dem Kopf?