Mir gefällt diese Verherrlichung mit den „Hilfsmitteln“ und „Sanitätern“ einfach nicht. Das hat so einen positiv glorifizierenden Touch... Sobald ich egal was auch immer die Funktion zuspreche, dass ich ohne es nicht mehr kann, nie mehr können werde und dass ich bestimmte Dinge nicht ohne erreichen kann, dann mache ich mich davon abhängig. Punkt.
Eine gesunde Lebensentwicklung, oder Genesung, egal in welchem Alter, findet ohne solche Abhängigkeiten statt - und findet Wege das Leben in allen Situationen und Lagen aus sich heraus meistern.
Ja, ich will meinen Alkonsum mit Hilfe von Cannabis auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß herunterfahren und das ohne physischen und psychischen Druck/Leiden.(Diese Methode gilt mittlerweile als medizinisch anerkannt.)
Mag ja sein, dass es medizinische Ansätze dazu gibt. Ich will das sogar glauben. Aber ganz gewiss nicht im Selbstveruch! Ein par weiterführend belegende Infos dazu würde ich auch wirklich sehr begrüßen. Aber, und da bin ich mir sicher: es geht dabei IMMER darum dass solche Dinge auch suchtmedizinisch und therapeutisch begleitet werden. Das ist wichtig. Man bekommt Skills vermittelt und den fachlichen Blick von Außen. Man selbst lügt sich als Süchtiger immer noch selbst am meisten in die Tasche, mitunter ohne es zu merken. Und, es geht bei Substitution meines Wissens nach auch immer darum, dass zunächst substituiert wird, mit klar definierten Zielformulierungen - und das Substitutionsmittel irgendwann aber schließlich ausgeschlichen wird.
Nichts davon kann ich hier erkennen.
Haserich, Du berichtest uns in den ersten drei vier Beiträgen hier im Thread von einer tief greifenden und umfangreichen Konsumproblematik mit längerer Historie. Zunächst erst mal vielen Dank für Deine Offenheit.
Nun berichtest Du uns davon, dass Dein Umgang jetzt damit sein wird, dass Du wissentlich auf ein anderes, vermeintlich “weniger gefährliches“ Suchtmittel „umsteigen“ willst. Sozusagen willst Du den Teufel mit dem Belzebub austreiben.
Es würde mich interessieren wie Du folgenden Punkt siehst: bezüglich der Motive. Du hast die Trinkmotive angesprochen. Ich war schonmal darauf eingegangen. Meine Frage an Dich wäre: findet derzeit diesbezüglich irgendeine – aktive – Veränderung in Dir statt? Mein Eindruck ist nämlich der, dass Du exakt die gleiche Motivation dazu weiter trägst, und Dein Konsum von THC nunmehr aus exakt den gleichen Motiven heraus stattfindet. Das heißt, die eigentliche Suchtproblematik bleibt weiterhin unverändert bestehen. Es ist lediglich eine Suchtverlagerung 1:1 per excellence.
Die Gefahr liegt dabei auf der Hand, dass dadurch nichts, aber auch gar nichts gewonnen ist, ja dass der Schuss sogar komplett nach hinten losgehen kann und Du bald mit 2 Suchtmitteln zu kämpfen hast (was ja im Prinzip schon so ist). Ob Du das nun hören möchtest oder nicht. Die Motive bleiben. Und wenn Du bei Deinem derzeitigen Level in zweieinhalb Tagen die 5 Biere für diesen Monat aufgebraucht hast? Was dann? Früher oder später wird vermutlich „diese eine Ausnahme“ kommen die alles aufweicht...
Du berichtest uns von einer Konsumproblematik im Mischkonsum von Alkohol und Marihuana über mehrere Jahrzehnte. Auch Medikamente im Mischkonsum waren schon im Spiel. Das ganze hat auch schon deutliche Spuren in Deinem Leben hinterlassen. Mehrfacher Führerscheinverlust (=Trunkenheitsfahrten?), Familientrennungen,... weswegen Du Dir schon länger eingehende Gedanken über Dich und Dein Leben machst.
Nun begegnest Du dem aktuell, in dem Du halt weiterhin Cannabis und Alkohol konsumieren möchtest. Nur halt die Gewichtung der Suchtmittel etwas verlagerst. Im Prinzip willst Du etwas verändern in Deinem Leben, ohne selbst aktiv etwas zu verändern. Gestatte mir die wirklich gut gemeinte Frage: wie soll das funktionieren??
Ich sende wohlwollende Grüße in ein gutes Wochenende,
Mojo