Das Problem scheint doch zu sein, welches Gewicht lege ich in welches Wort bzw. wie deute ich es. Wille ... ist das etwas was auf Wissen, Bewusstsein (Wissen, um die Realität, Zusammenhänge erkennen, begreifen und auch verinnerlichen) beruht? Meinetwegen auch auf wissentschaftliche Erkenntnisse, fernab jeglicher Annahmen, etwas woran ich glaube, (zutiefst) überzeugt bin, wofür auch Beweise, nachvollziehbare, vorliegen. Sozusagen eineindeutige, fernab jeglicher Unsicherheiten ... hätte, würde, könnte, vielleicht.
Untergrabe ich nicht den Willen, das was ich mir vornahm, mit der Aussage: 'das hat nichts mit Willen(stärke) zu tun, es ist eine Krankheit' und gleichzeitig werfe ich das Wort Stigmatisierung in den Argumentationskorb ... vermische ich da nicht unterschiedliche Dinge, die ein Gelingen, wenn nicht schon verhindern, doch arg erschweren?
Gefährde ich da nicht die Motivation, in dem ich immer wieder behaupte (unterschwellig): "Du kannst nichts dafür".
Auch Bemerkungen wie "... es ist keine Charakterschwäche" legitimieren zum Nachgeben, sich der Krankheit fügen, ich kann ja nichts dafür oder es ist sogar genetisch bedingt, dafür kann ich erst recht nichts. Mein Vater war ein Säufer, auch die Leberzirrhose meiner Großmutter kam nicht gerade vom Kamillentee.
Ich, jugendlich und doof, erlernte (!) recht schnell die vermeintlichen Vorzüge des Alkoholgenusses. Ich wusste es nicht besser, ich passte mich an, tat das was alle/die meisten taten, es wurde zur Gewohnheit, denn es war ja sooooo schön. Als ich älter wurde, halft mir der Alkohol, alle Zweifel, jegliches Bewusstsein zu ertränken. Eigentlich (!) wollte ich ja, zumindest weniger trinken, aber nur eigentlich! Ich tat es aber nie.
War das Charakterschwäche, Willenlosigkeit, war ich von Geburt an schon krank & musste mich dem Alkohol hingeben oder wählte ich nur den einfachsten Weg?
Sicher, irgendwann wurde es zu Gewohnheit, zur angenehmen ... automatisch wurde am Abend Alkohol verzehrt - denn das tat gut. Aus Gewohnheit wurde Sucht.
Nicht zu trinken, allein schon der Gedanke daran, machte mich unruhig, später sogar sehr unruhig! War das nun stofflich bedingt oder nährte ich es durch meine Gedanken?
Ich entschied mich für "die Gedanken". Meine Erfahrung, mein Erlebtes, "Erlittenes" gab mir letztendlich Recht. Wusste ich es oder nahm ich es nur an?
Egal! Ich probierte es - die Abstinenz.
Der stoffliche Entzug dauerte vielleicht ein ... zwei Wochen, so lange benötigt der Körper, das wusste ich. Der gedankliche, "gefühlsmässige" Entzug zog sich, bei mir, über Wochen, Monate. Ganz langsam, sehr langsam, verschwand erst die "Gier", dann die Angst, Unsicherheit.
Auch wusste ich, die neuronalen Bahnen (wer, was, wo ausschüttet und ob überhaupt ... Glückshormone etc.) brauchen Monate, um sich halbwegs zu rekalibrieren, das musste (!) ich aushalten/abwarten.
Wollte ich das?