Beiträge von Paul


    Die Konsequenz aus deinem Gedankengebäude wäre nämlich,

    Die Konsequenz aus meinem Gedankengebäude ist, dass ohnen Willen nichts geht.

    Wenn ich den Süchtigen, also mich, nicht dazu motivieren kann, aufhören zu wollen, freiwillig, aus eigener Kraft, passiert da auch nicht viel.

    Ich lese sehr aufmerksam die Beiträge und hinterfrage sie auch, besonders die Widersprüche und gerade diese fallen mir auf (siehe die letzten beiden Beiträge).

    Es beißt sich doch: 'es ist keine Frage des Willens' und gleichzeitig '... oder keinen Willen zu benötigen'.

    Diese Logik kann ich wirklich nicht erfassen!

    Niemand will als willenlos oder gar als charkterschwach gelten, das ist verständlich, schon gar nicht als Versager. Jeder kann es sehen wie er will, wenn diese Argumentation Früchte trägt, ist alles wunderbar.

    Nochmal: Ich, nur ich, ... mir gelang es vom Alkohol loszukommen, weil ich es wollte, weil ich meine Mimosenhaftigkeit, meine Zweifel über Bord werfen musste.

    Ja, es war meine freie Entscheidung.

    Und es half mir ungemein, dieses, mein Bewusstsein, die ersten Tage/Wochen der Abstinenz durchzuhalten! Ich (!) zeigte Flagge und verbarg mich nicht mehr hinter all den Ausreden, der verbalen Schönfärberei, ignorierte sämtliche Konjunktive und begann ... keinen Alkohol mehr zu trinken!

    Ich bin nicht willensschwach, ich bin nicht charakterschwach (in Bezug auf Alkohol) - das bin ich heute.

    Es stimmt, auch ich wurde fit und viel aktiver, sogar weniger krank.

    Ich nehme an, mein Immunsystem kann sich jetzt auf die wesentlichen, eigentlichen Aufgaben konzentrieren, ebenso der Darm & Co. ist nicht mehr mit dem permanenten, energieaufwändigen Abbau von Alkohol beschäftigt. Mein System "Körper" funktioniert viel besser, weil schadstoffärmer, ich schlafe auch besser, bin nicht mehr so träge, die "neu" gewonnene Aktivität führt wiederum zu mehr Aufmerksamkeit, bewusster Leben.

    Das was wir immer so als selbstvertändlich erachten, dass der Körper einfach so funktioniert, ohne ihn bewusst/aufmerksam zu pflegen, hatte ich all die alkoholreichen Jahre sträflich ignoriert.

    Ich bewege mich mehr, ernähre mich gesünder (?), zu mindest besser, trinke viel mehr (nein, keinen Alkohol:)), all das trägt zum allgem. Wohlbefinden bei.

    Das Problem scheint doch zu sein, welches Gewicht lege ich in welches Wort bzw. wie deute ich es. Wille ... ist das etwas was auf Wissen, Bewusstsein (Wissen, um die Realität, Zusammenhänge erkennen, begreifen und auch verinnerlichen) beruht? Meinetwegen auch auf wissentschaftliche Erkenntnisse, fernab jeglicher Annahmen, etwas woran ich glaube, (zutiefst) überzeugt bin, wofür auch Beweise, nachvollziehbare, vorliegen. Sozusagen eineindeutige, fernab jeglicher Unsicherheiten ... hätte, würde, könnte, vielleicht.

    Untergrabe ich nicht den Willen, das was ich mir vornahm, mit der Aussage: 'das hat nichts mit Willen(stärke) zu tun, es ist eine Krankheit' und gleichzeitig werfe ich das Wort Stigmatisierung in den Argumentationskorb ... vermische ich da nicht unterschiedliche Dinge, die ein Gelingen, wenn nicht schon verhindern, doch arg erschweren?

    Gefährde ich da nicht die Motivation, in dem ich immer wieder behaupte (unterschwellig): "Du kannst nichts dafür".

    Auch Bemerkungen wie "... es ist keine Charakterschwäche" legitimieren zum Nachgeben, sich der Krankheit fügen, ich kann ja nichts dafür oder es ist sogar genetisch bedingt, dafür kann ich erst recht nichts. Mein Vater war ein Säufer, auch die Leberzirrhose meiner Großmutter kam nicht gerade vom Kamillentee.

    Ich, jugendlich und doof, erlernte (!) recht schnell die vermeintlichen Vorzüge des Alkoholgenusses. Ich wusste es nicht besser, ich passte mich an, tat das was alle/die meisten taten, es wurde zur Gewohnheit, denn es war ja sooooo schön. Als ich älter wurde, halft mir der Alkohol, alle Zweifel, jegliches Bewusstsein zu ertränken. Eigentlich (!) wollte ich ja, zumindest weniger trinken, aber nur eigentlich! Ich tat es aber nie.

    War das Charakterschwäche, Willenlosigkeit, war ich von Geburt an schon krank & musste mich dem Alkohol hingeben oder wählte ich nur den einfachsten Weg?

    Sicher, irgendwann wurde es zu Gewohnheit, zur angenehmen ... automatisch wurde am Abend Alkohol verzehrt - denn das tat gut. Aus Gewohnheit wurde Sucht.

    Nicht zu trinken, allein schon der Gedanke daran, machte mich unruhig, später sogar sehr unruhig! War das nun stofflich bedingt oder nährte ich es durch meine Gedanken?

    Ich entschied mich für "die Gedanken". Meine Erfahrung, mein Erlebtes, "Erlittenes" gab mir letztendlich Recht. Wusste ich es oder nahm ich es nur an?

    Egal! Ich probierte es - die Abstinenz.

    Der stoffliche Entzug dauerte vielleicht ein ... zwei Wochen, so lange benötigt der Körper, das wusste ich. Der gedankliche, "gefühlsmässige" Entzug zog sich, bei mir, über Wochen, Monate. Ganz langsam, sehr langsam, verschwand erst die "Gier", dann die Angst, Unsicherheit.

    Auch wusste ich, die neuronalen Bahnen (wer, was, wo ausschüttet und ob überhaupt ... Glückshormone etc.) brauchen Monate, um sich halbwegs zu rekalibrieren, das musste (!) ich aushalten/abwarten.

    Wollte ich das?

    Ich las gerade: "da muss man dann zäh und geduldig sein" (... wenn's nicht sofort klappt, mit der Entgiftung, der Abstinenz ...), im gleichen Atemzug wird behauptet, es habe nichts mit Willen (Willensstärtke) zu tun, das sei sigmatisierend, verurteilend, abwertend.

    Ein ähnlich verwirrender Satz, in diesem Zusammenhang: "Zum Erfolg gibt es keinen Lift. ..."

    ... und dazu benötigt es keinen Willen? Keine Aktivität meinerseits, kein "sich auf den Weg machen", es wagen, auch Rückschläge, ggf., hinnehmen? Ist nicht der Wille, der der uns voranbringt, der uns zäh und gedulgig sein lässt, uns die Treppe nehmen lässt, anstatt des Liftes? Ist es nicht der Wille/das Wissen (Bewusstsein), welches nicht nur das erste Glas stehen lässt und alle weiteren? Will ich nicht vom Alkohol loskommen?

    Vielleicht bin ich auch nur zu einfach gestrickt, weil ich einfach nicht verstehe, dass man mit Passivsein auch etwas verändern kann und Polarisierungsversuchen zu leicht verfalle, Hauptsache alles schön einfach, gefällig!

    Ich muss es nicht verstehen ... dann ist es eben so. (Ironie!)

    All diese, immer lächelnden, verständnisvollen Youtube-/Podcaster, die mit vielen Worten wenig sagen und viel Empathie erhaschen, deren Aussagen man oft vergeblich sucht, sind sooo gefällig/angenehm!

    Warum nicht einfach, wenn's auch schön "kuschelig", gefällig sein kann?

    Warum legt niemand die Karten unverblümt (!) auf den Tisch: klar, Alkoholismus kann zu einer (bitterbösen) Krankheit werden, die nicht nur Organe, sondern auch unsere Gefühlswelt mächtig durcheinander bringen kann.

    Vorallem die Gefühlswelt und da gibt es nur einen Weg 'raus, einen einzigen!

    Man kann diesen Weg auf unterschiedliche Weise bestreiten, keine Frage, doch bleibt das Ziel immer das Gleiche.

    Was will man also? Weiter trinken oder (lieber) nicht.

    Der einzige Erfolgsgarant bist Du selbst! Dein Glaube (an dich selbst), dein Wille.

    Die Medizin kann bei der Entgiftung helfen, Beruhigungsmittel u.a. ... so lange bis der Körper sich halbwegs wieder einpendelte. Entzugserscheinungen können arg heftig werden bis lebensberohlich. Können ... müssen aber nicht, darum ist ein begleiteter Entzug immer (!) empfehlenswert.

    Die Entwöhnung ist ein ganz anderes Kapitel.

    Woran glaube ich? Von was bin ich überzeugt? Manchen helfen Placebos, Zuneigung, Ablenkung, Gespräche, andere wälzen Fachliteratur und gelangen so zu ihrer Erkenntnis. Rede ich mir Suchtdruck nur ein, kann ich es wirklich nicht ertragen/überleben/aushalten und mit nur einem Bier/Wein/Schnaps stoppen, wenn nicht, sterbe ich dann - sofort?

    Viele machten die Erfahrung: hat man einmal angefangen, kann man schwerlich wieder aufhören.

    Warum fängt man also immer wieder an? Warum kann man nicht einfach stark sein, es aushalten, man weiß doch dieses "ungute Gefühl" hält nicht ewig an und wird immer schwächer.

    Viel zu oft höre, lese ich, Alkoholismus ist eine Krankheit und hat nichts mit Willensstärke zu tun, die gleichen Leute behaupten auch: wer nicht aufhören will ...

    Ja, was denn nun? Ich wollte und das voller Inbrunst und Überzeugung. Ich bin weder ein Superheld, bestimmt auch nicht sehr intelligent. Ich bin eher (oft) ein unsicher, zögerlicher Typ, manchmal auch ein mimosenhafter Ich-trau- mich-nicht, ich suche immer nach Plausibilität, Logik, auch nach Fehlern - was möglich ist und was nicht.

    Vom Suff loszukommen ist möglich! Alle die das schafften sind doch keine Spinner/Illusionisten, die wenigsten sind Superhelden. Warum schafften diese das, was machten die anders? ... wenn's kein Wille(stärke) war, was war es dann?

    Ein erlerntes, antrainiertes Verhalten mittels Opiaten, in dem Fall wohl Naltexon (?), unterdücken zu wollen, halte ich für sehr fraglich ... weiter trinken und hoffen, dass das Verlangen ausbleibt, nach mehr, also dem Rausch, obwohl man sich den Stoff (Alkohol) weiter zuführt?

    Und das dann noch mit dem Pawlowschen Effekt zu erklären, ist schon sehr, sehr gewagt.

    Auch die Standartmedizin setzt ähnliche Stoffe zur Reizunterdrückung ein, Benzodiazepine u.ä. , alles Hilfmittel, Unterstützer, Hemmer doch mehr auch nicht.

    Das Gehirn, das allzeit trainierte, muss sich entwöhnen - also wegkommen von dem Stoff, dem Gift, dem Rauschmittel. Dieses nun teilweise durch andere Rauschmittel (Hemmer, Blockierer) zu ersetzen, mag vielleicht für die Anfangszeit hilfreich sein, bis der Körper/das Hirn/das Gedächtnis auf den Alkohol verzichten gelernt hat ... bis man sich daran gewöhnte.

    Wie soll das gehen, wenn man weiter trinkt? Wo ist da die Logik, die Plausibilität?

    Herr Paddy,

    mal ganz im Ernst, warum fährst du deinen Alkoholkonsum nicht ganz langsam 'runter und/ oder gehst zu Entgiftung, ob nun mit oder ohne Schwiegermutter?

    Viele waren am Anfang recht wankelmütig/unsicher. Ich auch!

    Seelisch kommt jetzt der Schmerz..

    Jetzt kannst du doch ergründen, was dir Schmerzen bereitet, was dich stört, was du verändern kannst bzw. was du probieren könntest, damit sich etwas verändert.

    Anstatt immer alles zu betäuben, im Alkohol.

    Das Leben ist nicht immer schön, fair und kunterbund! Steckt man fest, in seiner Gedankenwelt/seinem Schmerz/Angst, suche nach neuen, anderen Gedanken.

    Gedanken/Ansichten anderer Menschen, viele sind abenteuerlich, manche sogar wirr, erschreckend, manche verführen zum Nachmachen und das kann sogar Spaß machen!

    Probiere! Du wirst bestimmt noch hunderte Male enttäuscht werden. Aber! Das ist genau so sicher/unsicher, wie das Gegenteil.

    Wenn dir eine begleitete Therapie hilft, mach' sie, wenn du mit den Menschen in einer SHG zurechtkommst - gehe hin!

    Nur nichts machen und sich selbst bedauern, verändert doch nichts. Trau' dich, wage etwas Neues, Anderes - du bist doch nicht dumm!

    ich hab eher alle Symptome akribisch dokumentiert und es als eine Art Strafe gesehen.

    Hallo Nenilius,

    bist du jetzt symptomfrei, was die Wirkung von Alkohol angeht? Brauchst also nichts mehr dokumentieren oder beobachtest du jetzt wie dein Körper sich langsam erholt? Nach 2 ... 4 Wochen alkoholfrei bemerkte ich schon die ersten ganz kleinen gesundheitlichen Verbesserungen, das Leergut nahm schlagartig ab und das schlechte Gewissen, wohl die bedeutenste Verbesserung, ich gesundete mental.


    Mit kurz und heftig(er), hat man wohl die besten Chancen davon loszukommen.

    Das ist ja eine interessante Theorie (?). Die erinnert mich an diverse Erklärungen, die mir google liefert, wenn ich nach "ab wann bin in Alkoholiker" o.ä. eingebe. Ist das nun Allgemeinbildung, also das Wissen, was alle glauben zu wissen, von dem sie annehmen, dass es so ist, weil es alle behaupten?

    Das würde ja alle der Lüge strafen, die jahrelang konsumierten und trotzdem vom Alkohol gänzlich loskamen. Ähnlich der Aussagen, vieler Ex-Alkoholiker, sogennannter Suchtexperten, Psychologen, SHG's etc., man müsse erst einen Tiefpunkt erreichen, also es müsse erst so richtig weh tun oder man müsse, sich (erst) als Alkoholiker bekennen und das wenn's geht vor der Gruppe, um sich überhaupt eines Problemes bewusst zu werden.

    Ticken die Menschen, alle, wirklich so? Was alle, viele behaupten ist die Realität?

    Oder ist das Wohlgefälligkeit, ich übernehme diesen Glauben, weil er mir wohl gefällt, es am einfachsten ist? Es alle so tun, ja, alle diese Meinung vertreten?

    Dann müsste ich ja zu den absoluten Extoten (Ausnahmen) gehören, ebenso viele andere auch. Glauben/glaubten wir nur etwas anderes?

    Ich glaubte daran, die Sucht wohnt nur im Kopf oder wusste ich es? Ich wusste, sich eine Gewohnheit wieder abzugewöhnen ist nicht gerade einfach.

    Ich verband, jahrelang, Alkoholtrinken mit "gut", angenehm, Entspannung, Selbstbestimmtheit, eine Art ... Freiheit. Das gewöhnte ich mir an!

    Menschen, die wohl viel klüger sind (?), und weder saufen, noch sich andere Nervengifte zuführen ... haben die alle nicht Recht, die, die gesund leben (mit ihrem Wissen), weder lallen, noch div. komisches Zeug erzählen, manchmal erschreckende motorische Ausfälle haben oder Erinnerungslücken aufweisen - irren die alle?

    Wo ist da das Bewusstsein?

    Viel zu lange gehörte ich zu den Wirklichkeitsverdängern, ich bemerkte doch, wie schlecht es mir ging, nach jeder durchzechten Nacht, ich bemerkte doch, dass Aklohol mir nie wirklich (!) gut tat.

    Ich tat das was alle taten - ich verharmloste, weil es so schon bequem war.

    Meine Oma sagt immer es gibt nichts was eine Flasche Vodka und Suppe nicht heilen kann.

    Mein Großvater hatte eine ähnliche Weisheit: ein gutes Essen und eine gute Flasche Wein oder: trink doch erstmal ein Bier.

    Das bedeutete nichts anderes, wie entspann' dich und tu' dir etwas gutes ... für den Moment, sorge für ein wohliges Gefühl und denke nach, dann findest du auch eine Lösung.

    Von berauschen oder Totalausfall (Verdrängen/Unterdrücken eines Problems) war nie die rede! Ebenso der Satz "Ohne Fleiß keinen Preis" ist mir noch in Erinnerung, ... wer nichts tut, sollte sich auch nicht beschweren ...

    Das waren alles Apelle an meine Vernunft, auf der einen Seite auch Mal alle Fünfe gerade sein zulassen (man darf sich auch Mal (!) gehen lassen), andererseits nie aufzugeben.

    Die letzen zwei Jahre meiner Alkoholkariere soff ich täglich, Bier, Wodka, Wein, was gerade da war, Hauptsache "schön verzaubert". Ich war jenseits von Gut und Böse = dauerberauscht. Irgendwie schaffte ich es, noch einkaufen zu gehen. Die Vernunft war schon längst im Alkohol untergegangen, nur manchmal, ganz selten, blitzte sie noch auf.

    In einem solchen Moment entschloss ich mich, dem Alkohol "Adieu" zu sagen = ich musste mich entscheiden und tat es. Ich wusste, am Anfang half nur Durchhalten/Widerstehen und meiner eigenen Jammerei nicht nachgeben.

    Das Durchhalten hat sich gelohnt! Ich hatte wohl ähnliche Auf und Ab's, wie alle Anderen, zweifelte an mir, an der Welt, an allem. Jammerte, bewehleidete mich und wäre am liebsten gestorben ... ganz langsam, wurde ich wieder klar im Kopf, die Vernunft gewann wieder die Oberhand und auch meine Bemitleidung ließ allmählich nach. Nach ein paar Tagen alkoholfrei, hatte ich den Beweis - es geht, auch ohne: wer eine Woche schafft, der schafft auch zwei, einen Monat u.s.w..

    Irgendwann wurde es zur Normalität, meine Ängste, Zweifel, Unzulänglichkeiten wurden davon weniger berührt, doch jetzt konnte ich sie ergründen und mir Strategien, die vielleicht zu einer Lösung führten, überlegen.

    Besoffen wäre das nie gegangen!

    Hallo, ich war schon bei meinem Hausarzt und der hat mir geraten langsam zu entwöhnen, erst zwei Tage nicht trinken, dann drei ...

    Dein Hausarzt empfahl, den abrupten Stop von Alkohol und dann "einfach" aushalten ... bis der Körper von selbst die Balance findet? Das ist kalter Entzug - da muss man mental schon sehr gefestigt sein.

    Das kann funktionieren, muss aber nicht. Ich reduzierte die Alkoholmenge (die ich täglich trank), ich gewöhnte mich, meinen Kopf, meine Gedanken über zwei ... drei Wochen daran, auch meinen Körper, dass es nun immer weniger Alkohol gab.

    Ich entwöhnte mich langsam ... allmählich. Ein abrupter Alkoholverzicht hätte mich sicherlich mental überfordert, meinen Körper/Kopf regelrecht in Panik versetzt. Die ersten zwei ...drei Wochen der Anstinenz trank ich wie ein Verrückter, Tee, Wasser ... alles was 'reinging = klar, ich musste auch pieseln, wie ein Verrückter. Doch ich wollte (!) von dem Stoff loskommen - unbedingt! Und das möglichst stressfrei.

    Das Schwierigste war für mich, diese Angst, Unsicherheit, diesen Verzichtsgedanken aus dem Kopf zu bekommen - daran musste ich mich gewöhnen und das brauche Zeit!

    Der Körper schafft das auch allein, Hauptsache er hat ausreichend Nahrung und genügend Flüssigkeit, Schlaf und Beschäftigung.

    Hallo Nenilus,

    ein kalter Entzug kann von Schwitzen, Unruhe, Angst- und Panikzuständen begleitet werden,

    kann aber auch zu heftigen Kreislaufbeschwerden, Krampfanfällen, Delirium bis hin zum Totalausfall führen, Durchfall oder Verstopfung ... alles ist möglich. Aber! Es muss nicht zwingend passieren.

    Kalter Enzug birgt immer diverse, nichtvorhersehbare Risiken!!! Deshalb empfiehlt auch keiner einen kalten, unbegleiteten Entzug.

    Es gibt keinen allgemeingültigen, "normalen" Verlauf beim Entzug von Alkohol! Es kann beim leichten bis heftigem Unwohlsein bleiben, kann aber auch auf der Intersivstation oder beim Bestatter enden.

    'Durm konsultiere einen Arzt, immer! Nicht jeder Arzt hat Erfahrung auf diesem Gebiet und oft überwiegt die Scham des Patienten ... wer will schon gern als Säufer angesehen werden.

    Doch wie will ein Arzt behandeln, wenn er die eventuelle Alkoholproblematik nicht kennt?

    Blähbauch, Appetitlosigkeit kann (!) auch div. Ursachen haben - Psyche, eine schlechtfunktionierende Darmflora, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, mangelde Bewegung (Verbrennung im Körper) u.s.w.u.s.f.. Der möglichen Ursachen gibt es so viele!

    Darum konsultiere bitte einen Menschen, der sich auskennt, richtig auskennt!

    Vielleicht hilft ja deine Sauerkrautkur, wenn die Gase auch entweichen können, vielleicht, vielleicht ... doch ist die eigene Scham es wert, so zu leiden?

    Hallo Willibald42,

    auch ich verfiel dem "Wahn" des "Allheilmittels" Alkohol und ignorierte völlig, dass ich mich eigentlich nur betäubte, jedoch nie heilte. Wenn ich krank bin und den Körper noch zusätzlich mit dem hochkomplexen Abbau von Alkohol belaste ... wie kann da je etwas besser werden?

    Ja, so eine dumme Nuss war ich!

    Was interessiert Dich was andere machen? Für die eigene Zufriedenheit ist wichtig, dass man für sich Klarheit ...

    Diese Vernunft, Zufriedenheit, Klarheit fehlte mir, diese suchte oder betäubte ich mittels Alkohol. Das gewöhnte ich mir an, Alkohol wurde zum Allheilmittel, gegen Kopfschmerz, Einschlafprobleme, unganenehme Gefühle. Anstatt mich damit auseinanderzusetzten, soff ich einfach alles weg.

    Nenne es meinetwegen Mimosenhaftigkeit, Schwäche oder unfähig sich mit Konflikten auseinandersetzen zu wollen/können. Vielleicht suchte ich auch zu verbissen nach dem Glück/Zufriedenheit - Alkohol ließ mich all das vergessen, ich war ein Wirklichkeitsverdränger, ein Problemwegschieber.

    Gegen Niedergeschlagenheit, Unsicherheit half Alkohol, da wurde ich Anfangs sogar mutig (nicht so verklemmt), das machte Spaß und ließ mich sicher auch Dinge erleben, welche ohne Alk. nie möglich gewesen wären. Alkohol war der beste Realitätsverdränger und Illusionsaufbauer, das beste Mittel, um alle Garstigkeiten zu verteiben.

    Mit zunehmender Gewöhnung, ließ all das nach und Alkohol wurde nur noch zum Betäuber. Begann da meine "Krankheit" ... im Kopf, dass ich nur noch das sah, was ich wollte? Ich mir die Welt so zurecht bastelte, dass es für mich passte, einer Realitätsverschiebung, Psychose gleich. Heute kann ich das mit JA beantworten.

    Ich würde mich hüten einem erwachsenen Menschen eine Binse zu erklären. ...

    Nur weil ich unfähig bin mit Rauschsubstanzen umzugehen, muss ich das nicht dem Rest der Welt verbieten.

    Nur scheinbar sind diese Binsen(weisheiten) verloren gegangen. Mit Verboten erreicht man eher das Gegenteil, das hat bestimmt schon der Eine oder Andere bemerkt.

    Viele Menschen können mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen - keine Frage, doch ein Siebentlel bis ein Fünftel der deutschen Bevölkerung schafft das eben nicht.

    Woran liegt das? Die sind doch nicht alle doof.

    Argumente wie Glücks- und Spassverstärker, Teil der Kultur u.ä. mögen zwar stimmen, doch muss man sich deshalb gleich an den Ruin herantrinken? So wie ich das tat und viele vor mir? Was lief da verkehrt? Mangelnder Spaß/Glück, Unzufriedenheit Einsamkeit, die man immer wieder zu betäuben versucht? Was Anfangs auch gelingt, bis es dann eben nicht mehr gelingt und das (eigene) Leid den "Spaß" überwiegt?

    Der Grund warum man trinkt ist doch die eigentliche "Krankheit", das Defizit.

    Seitdem reagiere ich ziemlich allergisch auf Alkohol- in Filmen zum Beispiel. Das war die Wochen davor nicht der Fall.

    Hallo Nyssa,

    ähnliche Erlebnisse hatte auch ich - plötzlich fiel mir auf, wie omnipräsent der Aklohol in Filmen war/ist und das alles positiv besetzt: Feierabendbier, zur Besiegelung einer Freundschaft, Verzeihen oder bei einer romatischen/amorösen Szene. Das kann man nur ertragen/sich daran gewöhnen oder wegsehen. Ich entschied mich für Wegsehen. Die erste Zeit im Supermarkt ging es mir ähnlich - es dauerte, bei mir (!), Wochen bis mich nichts mehr triggerte, es nahm ganz langsam, jedoch merklich ab.

    Nach ca. einen halben Jahr war diese Triggerei fast gänzlich erloschen und es dauerte noch länger bis "dieser Belohnungs- bzw. Verzichtsgedanke" aus meinem Kopf verschwand.

    Klar ist Alkoholismus eine chronische Krankheit und in gewissem Sinne auch nicht wirklich heilbar. Chronisch bedeutet doch, dass "wir" niemals mehr in der Lage sind ein normales Trinkverhalten ...

    Was ist denn bitte "normales Trinkverhalten"? Normales Vergiftungsverhalten?

    Eine Art Autoimmunerkrankung? Ich trainierte mir eine gewisse Alkoholtoleranz an, die scheint wohl irreversibel zu sein (Suchtgedächnis = unter einer bestimmten Promillegrenze - keine Wirkung).

    Warum sollte ich meinen Körper vergiften wollen? Weil es so viel Spaß macht?

    Wenn ich mich immer wieder infiziere, wird es chronisch.

    Wenn ich mich mit psychokativen Substanzen in einen anderen Gemütszustand bringen will, dabei aber völlig außer Acht lasse, dass ich meinem Körper schade - ist das dann Vorsatz oder nur fahrlässig?

    Borderline ... Genzline, wenn ich diese (rote) Linie immer wieder überschreite, gewöhne ich mich daran, es wird normal, die Linie verschwindet allmählich. Mache ich das nun bewusst oder unbewusst? Wenn ich etwas nicht weiss, dann wohl unbewusst = da schliddert man einfach so rein, das mag bestimmt bei Kindern oder bei "Menschen, die besondere Aufmerksamkeit bedürfen" gelten. Nun gehören aber nicht alle dieser Gruppe an (ich kann mich irren:rolleyes:).

    "Bin ich mit mir im Reinen?" Was psychotrope Substanzen angeht: ja. Viel zu lange verschloss ich die Augen vor der Realität, alles andere war so schön einfach, gefällig. Das angepasste Mitschwimmen in der Mehrheitsmeinung war so schön bequem, ich musste weder Grenzen ziehen, noch auf sie achten, auch unbequemen Fagen musste ich mich nicht stellen = alles leicht & flockig.

    Erst als bestimmte "Ausfallerscheinungen" auftraten, kippte dieses "leicht & flockig" ... gewaltig! Ich war süchtig, nach der Einfachheit bestimmte Gemütszustände auf unkomplizierte Art zu erlagen bzw. mich dieser mittels Betäubung zu entledigen.

    Nun habe ich diese Sucht nicht mehr. Leicht & flockig war in Wirklichkeit nie etwas, außer mein benebeltes Gehirn.

    Klar, wenn ich wieder trinke, geht der "ganze Spaß" von Neuem los. Doch mit meinem Wissen/Bewusstsein ... warum sollte ich das tun?

    Das Wissen war eigentlich (!) schon immer da, "musste" nur immer wieder der Einfachheit, dem "leicht & flockig" weichen. Alles andere bedeutete ja Arbeit, möglicherweise Konfrontation, Auseinandersetzen. Irgendwann *otzte ich mich selber an und ich entschloss mich.

    Nein, es ist keine Willenstärke, es ist eine Krankheit ...:*

    Oft, fast überall lese ich, Alkoholismus sei eine Kankheit, eine chronische. Chronisch: bedeutet langanhaltend, nicht vollständig heilbar und oft sei eine wiederholte Behandlung nötig .

    Nun meine Frage: ist das so? Immer? Ist diese "Krankheit" organisch bedingt, also hat sie eine reale Ursache, wie einen Virus, Bakterium oder eine unerklärliche Zellwucherung (weil die DNA an dieser Stelle mutierte)?

    Oder nähre ich diese Sucht, weil ich es mir immer wieder einrede, sie durch meine Gedanken am Leben erhalte?

    Jeder oder sehr viele, hatten es am Anfang der Abstinenz recht schwer (auch ich!), alles triggerte, alles erinnerte, es war fast unmöglich sich vom Gedanken an Alkohol zu lösen ... der Suff in den Alkoholregalen im Supermarkt, trinkende Menschen auf Feiern oder schlimmstenfalls täglich zu Haus, selbst im Fernsehen, Werbung u.v.a.m. = alles erinnerte mich an die vermeindlich schöne, gute alte Zeit der Unbeschwertheit, der Freude, der Entspannung = das befeuerte den Verzichtsgedanken, auch dass ich nun ausgeschlossen sei, aus diesem "Fest der Freude und Entspannung".

    Ist das nicht die eigentliche, chronische Erkrankung, dass wir diese Gedanken ständig am Leben erhalten?

    Wohlwissend, das Alkokolkonsum genau das Gegenteil von Entspannung bewirkt, dass es einen enormen Arbeitsaufwand für den Körper, für alle Zellen bedeutet (sogar Mega-Stress), dieses Gift Ethanol abzubauen. Dass der Körper auf Hochleistung arbeiten muss, um diesen Stoff umzuwandeln, erst in einen viel giftigeren Stoff (Acetaldehyd, weches dann zu Acetat werden kann, um überhaupt den Körper verlassen zu können, bevor das theoretisch nicht abgebaute Ethanol die Zellen völlig konserviert, also tötet).

    Nur weil der Körper so clever ist bzw. das Ethanol uns und sämtliche Rezeptoren, so nach und nach betäubt, wir es also gar nicht bemerken, was da in einem vorgeht, glauben wir ...

    Am nächsten Tag (Kater), die Rezeptoren (Sinneszellen) sind halbwegs wieder aktiv, werden wir durch Unwohlsein eines besseren belehrt und schwören uns - oft - nie wieder!

    Andere psychotrope Substanzen bewirken ähnliches, doch die nehmen wir ja nicht - komisch! Da wissen wir, die sind schädlich.

    Nur bei Alkohol scheint dieses Wissen irgendwie nicht zu funktionieren - denn alle (fast alle) machen das und haben Freude daran, behaupten es zumindest.

    Was ist also die eigentliche (!) Krankeit? Unsere Unwissenheit, Dummheit, Schwäche, unseren Körper nicht vor Schaden bewahren zu wollen? Ihn vorsätzlich (!) zu vergiften?

    Nach zwei ... drei Wochen Abstinenz, ist der Alkohol gänzlich aus dem Körper raus = Ursache, für eventuelles Unwohlsein beseitigt! Doch in unseren Gedanken ... was passiert da?

    Die Nachteile des totalen positiven Denkens sind im Artikel ja formuliert.

    Positives Denken ist nie von Nachteil, enfernt man sich allerdings von der Realität, vom Möglichen, kann man es wohl Manipulation nennen.

    Das kennt jeder von der Werbung, von diversen Religionen oder auch von der Propaganda.

    Je ungebilderter, nicht dümmer, man ist, desto leichter verfällt man diesem oder jenem Glauben (nicht Wissen) oder (!) je verzweifelter man ist, in Not, unzufrieden, traurig, ängstlich, erliegt man schnell der Versuchung, diesen einfachen Weg zu gehen.

    Informationen haben wir genug, noch nie so viele wie je zuvor ... vielleicht ist manchmal weniger doch besser.

    Ich frag' mich da immer, wo ist der gesunde Menschenverstand? Geht der in der Fülle unser bunten Glitzerwelt langsam verloren?