Beiträge von Paul

    Das war dann schlichtweg die Sucht

    Die Sucht ist doch ein Verändernwollen des gegenwärtigen Zustandes, mit den einfachsten, schnellsten, bekannten und bewährten Mitteln, ein hervorrufen von Wohlbedinden! Ein Ertäglich(er)machen.

    Erst wenn die Folgen, der Kater (Achtung: nicht männliche Katze ^^ ) am nächsten Morgen, das drohende Leberversagen oder andere unerträgliche Folgen größer sind, als der zu erwartende Vorteil, man sich dessen bewusst ist, setzt doch ein Umdenken, ein "Wollen" ein. Wenn der zu erwartende Erfolg größer ist ( nüchtern sein und bleiben), als der kurze (berauscht sein).

    Die Sucht ist doch nichts Reales, Haptisches (Greifbares), es ist doch ein emotional bedingtes Unvermögen (mit einer Situation zurechtzukommen), ähnlich der Angst, Trauer oder sonstigem negativen Gefühl, beim Süchtigen.

    Die Sucht ist doch ein antrainiertes Verhalten, welche zur "Eigenschaft", die durch Botenstoffmangel oder -überprodukton (im Hirn), wurde.

    Wer kein Alkoholiker ist, versucht doch dieses "Abschiessen" zu vermeiden, 'n bissel verzaubert sein, "angerauscht", locker sein ... das will man doch! Es kommt doch nur zum Blackout, weil man nicht richtig dosiert/dosieren kann.

    "Ich musste trinken, weil ich süchtig war ..." = warum konnte ich bestimmte Situationen nicht ertragen oder wollte es nicht ertragen? Weil ich so selbstbewusst, mir so sicher war?

    Ob die deine Ausführungen allerdings zum Nachdenken bringen, ...

    Wer's nie probiert, wird es auch nie herauskommen!

    Hätte ich nie nachgedacht, auch über den vielen Schwachsinn, würde ich heute noch meine Alkflaschen zum Glascontainer bringen und mich bedauern!

    Scheitern gehört auch zum Erfolg, ebenso wie Zweifeln, Hinterfragen.

    Jeder ist so individuell und so hat jeder auch seinen eigenen individuellen Weg.

    Genau, den muss jeder für sich finden, für sich allein, allen Kontroversen zum Trotz. Was bei mir funktionierte, funktioniert bei dir vielleicht nicht. Wird nicht darum sich auch ausgetauscht, um einen für sich passenden Weg zu finden?

    Will ich? ist doch die alles entscheidende Frage!

    Einmal dem Suff verfallen, wird's nicht gerade einfach, wieder davon loszukommen. Aber es gelingt!

    Antrainierte "Mechanismen" (im Kopf) wird man wieder los. Ich oder andere erfolgreich permanent Alkoholfreie sind doch keine "Sonderwesen" mit speziellen Fähigkeiten!!! Wir hielten durch, eigneten uns ein (anderes) Bewusstsein an, festigten es ... das ist doch keine Zauberei.

    Es braucht Zeit, auch muss man geduldig sein, durchhalten, sich permanent in Gelassenheit üben (wohl der schwieigste Teil), doch es funktioniert!

    Ich kann doch nur Denkanstösse liefern, auch Fragen - doch entscheiden/antworten muss jeder selbst. Einer versteht's, ein anderer nicht, ich bin doch nicht Dr. Allwissend. Ich hab' so viele Zweifel, Nöte, vielleicht auch verkehrte Ansichten, wie jeder andere auch.

    Ich muss meinen Weg gehen! Meine Erkenntnis, Aha-Erlebnisse, Zufriedenheit finden ... das hilft mir weiter!

    Inwiefern es Anderen hilft, muss doch jeder selbst entscheiden.

    Ich könnte jetzt alles wiederholen, was ich bereits äußerte ... viele, so auch ich, schoss mich immer wieder ab, weil ich mit mir und meinen Gefühlen und Empfindungen nicht zurecht kam.

    So wie viele Menschen. Wenn ich mir, die Frage beantworten kann (bzw. jeder für sich) und gleichzeitig bemerke, dass diese Dauerbetäubung alles andere als hilfreich ist, es sogar verschlimmert, kann ich etwas verändern.

    Diese Frage sollte sich jeder stellen und muss selbst seine persönliche Antwort/Lösung finden, ganz individuell - vorausgesetzt, er will das auch.

    Ich will nicht Andere verändern! Doch die Frage darf erlaubt sein: Warum tut ihr das, wenn es euch doch so viel Kummer bereitet?

    Meinetwegen kann sich jeder in den Ruin saufen, sofern er damit zufrieden ist, doch die Wenigsten sind doch damit zufrieden ..

    Steht es denn in deiner oder meiner oder in jemand anderes Macht hier, daran grundsätzlich etwas ändern zu können?

    Ja, es steht in meiner Macht, mich zu ändern, grundsätzlich. Ich will niemanden (anderes) verändern.

    Ich muss ehrlich gestehen ... soll'n "die Anderen" doch machen, was sie für richtig halten - sie werden bemerken, ob es funktioniert!

    Mein Weg funktionierte für mich. Wenn Andere einen anderen Weg wählen und der funktioniert (für sie), werden auch sie zufrieden sein.

    Nur darum geht's doch: Zufriedenheit. Ich muss für mich, meine Wahrheit finden, wenn die mit der Wahrheit der Anderen nicht deckungsgleich ist, ist es doch unerheblich = Hauptsache es funktioniert, für den Einzelnen!

    Tach, Herr Laggard,

    Voranzeichen für einen eventuellen Rückfall ... keine Ahnung, was die Gründe/Ursachen bei Anderen sein können. Doch die Anzeichen, Vorboten scheinen sich zu ähneln ... aufkommender Frust, in Form von Erregtheit, sei es Ärgern, Traurigkeit, Hilflosigkeit, auch Schmerzen ... egal was, man gerät in einen schwer erträglichen, emotionalen Zustand - will dem entfliehen, sich betäuben ... will, dass er weggeht, dieser Zustand, dass sich der Körper von diesem Erregungszustand löst, ihn ausgleicht.

    Zu viel Adrenalin, Histamin, Testosteron ... ? Es entsteht ein Ungleichgewicht von Botenstoffen und/oder Hormonen, das Gehirn versucht dem entgegenzusteuern, den Mangel bzw. Überschuss auszugleichen.

    Bei manchen helfen andere Reize, durch die wiederum ausgleichende Botenstoffe ausgeschüttet werden, wie bspw. Essen, Trinken (kein Alkohol), Bewegung, Yoga, die Veränderung der Atmung, eingen hilft lautes Schreien oder sich sonst wie abreagieren, je nach Gemüt.

    In der ersten Zeit meiner Abstinenz war ich sehr leicht erregbar, vieles nervte mich zu schnell, zu leicht - ich konnte mit all den nun ungefiltert (nicht betäubten) erzeugten Botenstoffen nicht umgehen. Mein Hirn war diese Fülle einfach nicht gewohnt, ja förmlich überfordert! Das wiederum erzeugte Suchtdruck ... ich will "mich-betäuben(ausgleichen)-Druck".

    Mir halft Beschäftigung/Abkenkung, mein Hirn musste etwas zu tun haben, auch durch Bewegung, nicht gerade exessive, sondern auch äußerst konzentrierte, wie sie bspw. beim Yoga, Thai Chi oder bei ähnlichen Übungen von Nöten ist, war für mich das geeignete Mittel. Manche haben Freude beim Malen nach Zahlen, Häkeln, Puzzlen, Töpfern oder werfen sich lustvoll in kontroverse Diskussionsrunden, andere finden Befriedigung beim Essen, da ist der Körper/Kopf auch herrlich beschäftigt.

    Der "Vorbote eines Rückfalls" ist doch meist beginnende Unruhe/Unzufriedenheit.

    Ich musste Gelassenheit üben. So simple Tip's wie "entspann Dich", "geh' mal 'ne Runde spazieren" oder "atme erstmal tief durch" taten ihre Wirkung ... doch das brauchte seine Zeit, viel Zeit!!!

    Er sagte ich bin diesen Menschen, der gerade hier war sehr dankbar. Ihr die ihr schon mehr oder weniger lang trocken seit könnt mir nicht das geben was mir dieser Mensch eben gegeben hat. Er hat mir gezeigt wer ich war und wo ich nicht mehr hin möchte.

    Leider gerät das viel zu schnell in Vergessenheit.

    Aufarbeiten ... klingt immer so "psychologisch" kompliziert, aufwendig.

    Ich schaute mir ein Foto an, von mir, schaute in meinen versoffenen, verklärten Blick - das war sowas von beschämend! Das genügte völlig, da bedurfte es weder Worte, noch Erklärungen, schon gar keine Diskussionen.

    Konnte man vor so einem Menschen Achtung haben?

    Andere verurteilt man immer schnell ...

    ... diese Unsicherheit kenne ich auch. Um die Alkoholabteilung mache ich auch einen grossen Bogen.

    Das geht wohl allen/vielen so, jahrelang eingeschiffene Automatismen/Gewohnheiten brauchen oft lange, bis man sie sich wieder abgewöhnt.

    Komisch ist, dass "Bilder", also das Ansehen bestimmter Dinge (die wir mal als angenehm empfanden oder Angenehmes damit verbanden), Bier-, Schnaps-, Weinflaschen oder trinkende Menschen im Biergarten oder auch im TV, so heftige emotionale Reaktionen auslösen. Dagegen bemerkte ich die vielen kleinen Schnapsflaschen im Kassenbereich zwar, doch die lösten in mir keinerlei Reaktion aus - weil ich die schon immer schrecklich fand? Schon immer mit den Heimlich-Säufern, welche ich nicht gerade achtete, verband? Auch Bilder von eimersaufenden Mallorca-Urlaubern fand ich schon immer schrecklich ... würdelos.

    Das konnte ich alles ansehen, da triggerte nichts.

    Heute, nach dem ich meine (oft sehr peinliche) Saufzeit aufarbeitete und das sehr nüchtern ^^ , schäme ich mich immer noch und genau dieses "nie wieder!" lässt mich heute lässig sämtliche Alkoholika links liegen lassen, angstfrei, fast schon belustigend ...

    Wie doof war ich damals:!:

    Hallo Laggard,

    am Anfang meiner Abstinenz fürchtete ich mich regelrecht vorm Alkohol, besser, dass ich wieder schwach werden könnte, in meiner alkoholfreien "Blase" war das alles kein Problem ... aus den Augen aus dem Sinn, doch schon der Anblick, wenn im TV gertunken wurde, ließ ein eigenartiges Gefühl aufkommen, auch im Supermarkt, in der Nähe der Alkregale, fühlte ich mich auffällig unwohl, also machte ich einen Bogen 'drumrum.

    Es kam zwar kein unbändiges Verlangen auf, doch eine gewisse Unsicherheit - soll ich oder lieber nicht? Ich konnte ja nicht immer die Augen verschließen.

    Ist das Thema bei euch?

    Ich beneide die Menschen so, die normal und ohne Scham ihr eines Bier trinken können und danach wieder aufhören.

    Es dauerte lange bei mir, bis ich mich von solchen Gedanken lösen konnte, bis diese Wehmut verging. Bis meine eigene Jammerei verging. Bis ich begriff, ganz automatisch, ein Bier trinken können, war nie etwas besonderes - im Gegenteil, es war immer besonders peinlich, besonders nach dem zweiten, dritten ... x-ten Bier = wie ich da mutierte, wie mir alles andere egal wurde, Hauptsache 🍻

    ... bis zur totalen Verblödung, Willenlosigkeit ... bis zum k.o./Einschlafen oder wie immer man es nennen möchte. War ich wirklich auch zu diesen Menschen geworden, die ich eigentlich (!) bedauerte, ja sogar manchmal verachtete?

    Die Antwort war einfach und sehr erschreckend!

    Mein Vater kam nie vom Alkohol los (ganz böse), auch viele Mitbürger ... am Strassenrand, hatten sich dem Suff ergeben, ich wusste also Bescheid. Wollte ich auch so sein? Oder war ich es bereits, bemerkte es nur nicht?

    Das machte mir Angst, so wollte ich nie werden/sein.

    Ich wusste, der Zug war abgefahren "nur ein Bier trinken", das hatte ich verlernt. Das war auch nicht mehr umzukehren. Das war ein unumstösslicher Fakt, das bemerkte ich in all den Jahren an mir selbst.

    Also musste ich mir den Alkohol nicht nur schlecht reden, mich an all die peinlichen Situationen erinnern, sondern mich auch von ihm fernhalten, damit die Gier nicht immer wieder entfacht wurde. Damit die Erinnerung an den vermeintlich ach so schönen Rausch allmählich verblasste.

    Andere Menschen konnten das, sogar Tiere. Warum sollte es mir also nicht gelingen? Das Blöde war nur, es brauchte Zeit ... lange Zeit.

    Ich, Herr Ungeduld, musste mich zusammenreißen, auch aushalten (besonders in den ersten Wochen), doch ganz allmählich, kaum merklich, wurde es immer einfacher - ich wurde immer gelassener.

    Hätte ich nicht an mich geglaubt (dass auch ich es schaffe), wäre es mir auch nie gelungen - allen Unkenrufen zum Trotz.

    Ich hab Angst, das mein Leben ohne Alkohol so langweilig ist, so trostlos.

    So dachte ich auch mal.🙄

    Doch lag es nie am Alkohol. Weder ich noch das Leben wurde un-langweiliger ohne Alkohol, auch wurde auch nichts interessanter mit Alkohol, im Gegenteil, ich wurde immer träger, ja, auch fauler, desinterssierter durch meinen Alkoholkonsum.