Beiträge von Susanne68


    Im Außen hab ich Therapie - allerdings Traumatherapie und die muss ich weiter machen.

    so weit mir bekannt, ist eine Traumatherapie sinnlos und führt grundsätzlich nicht zum Erfolg, so lange jemand trinkt.

    Ich hab mal ne Therapie gemacht, die auch sehr tief ging, und um dazu überhaupt angenommen zu werden, war es Voraussetzung, das ich mindestens schon ein Jahr trocken war und mein Alkoholproblem nicht mehr im Vordergrund stand. Sonst hätte beim Arbeiten in den Tiefen nämlich sehr leicht Suchtdruck entstehen können, wenn ich mit der Situation überfordert gewesen wäre.

    Im übrigen ist es ja hübsch, dass Du aufhören willst, aber das ist nach meiner Erfahrung in erster Linie "machen". Und im Prinzip ist es technisch ganz einfach, nämlich einfach nichts tun. Nichts trinken, Punkt. Unter keinen Umständen. Nicht schon im Voraus die Ausreden bereit legen, wanns schwierig werden kann.

    Es ist genau so schwierig, wie Du es Dir machst. Und auch so leicht, wie Du es Dir machst.

    Was ich noch sagen wollte: Nathalie Stüben hab ich noch nie gehört. Ich kann das nicht beurteilen. Als ich aufgehört habe, wusste sie wahrscheinlich noch nicht mal, dass sie mal saufen wird, und ich brauche sie nicht. Also ich hör mir das nicht an, weil es mir nichts bringt.

    Und das Niederschwellige ist zwar vielleicht gut, obwohl ich auch keine Hemmungen hatte, zur Suchtberatung zu gehen. Andererseits hat das Niederschwellige den Nachteil, dass relativ Viele nach einem Absturz sich oder ihren Angehörigen geloben, dass nun alles anders wird, dass diese Beschlüsse aber oft nicht sehr haltbar sind. Und je leichter man wo einsteigt, desto leichter steigt man auch wieder aus.

    Und auf der Anderen Seite ist auch jemand. Ich meine, jeder, der getrunken hat, ist für sich selbst verantwortlich. Jeder hat sich selbst in die Situation gebracht, in der er ist, und daraus kannst Du per se keinen Anspruch auf Hilfe oder Anerkennung ableiten, wenn Du Dich endlich mal dazu durchgerungen hast, dass DU etwas an DEINEM Leben verändern willst. Machst Du ja für Dich selbst.
    Also warum, ausser der Tatsache, dass es als Kankheit anerkannt ist, sollte es jemanden kümmern, wie Du das machst oder wie Du es gerne hättest? Es ist Arbeit, sich damit zu beschäftigen, und niemand arbeitet gerne umsonst.
    Ich mach das freiwillig, aber mir ist völlig klar, dass ich Dir nicht helfen muss. Weil, was gehts mich eigentlich an?, um das mal so deutlich zu sagen. Und das ist bei jedem so, der das nicht macht, um nur sein Helfersyndrom zu bedienen.

    Zur Vergleichbarkeit der Süchte...

    Also ich denke, das ist individuell. Wobei ich das nicht nur denke, die Erfahrungsberichte sind einfach unterschiedlich.

    Beim Rauchen war es bei mir so, dass ich bei den ersten Versuchen, es wieder aufzuhören, nach einer Woche am liebsten die Wände hochgegangen wäre.
    Ich hab das dann aufgegeben und mich damit abgefunden. Und damits nicht zu blöd wird, mir halt gesagt, dass es mir schmeckt und ich so gerne rauche. Hat sich auch genau so angefühlt. An irgendwas sterbe ich sowieso, und ich hab ne Tante, die mit 90 noch raucht. Also wozu so hoch hängen?

    Dann habe ich das Trinken aufgehört und das war erst mal einfach. Nach 4 Wochen die volle Euphorie, wunderbar, wenn ich gewusst hätte, dass es so einfach ist, hätte ich viel früher damit aufgehört (hätte ich nicht, denn ich war davor gar nicht so weit, aber dachte ich anfangs halt). Vorher die Trinkpausen hatte ich gemacht, um mir irgendwie was zu beweisen und vor allem, um Weitertrinken zu können, aber da hatte sich wirklich ein Schalter umgelegt, und es war viel einfacher, als ich befürchtet hatte. Und das änderte sich auch nicht mehr, obwohl ich sonst durchaus einige Schwierigkeiten noch vor mir hatte. Die hatten aber nichts mehr mit dem Saufen zu tun.

    Mit dem Trinken habe ich das Kiffen aufgehört, das ging bei mir Hand in Hand, und damit war eine wesentliche Hürde, das Rauchen aufzuhören, auch beseitigt. So lange ich getrunken habe, hätte ich mir sowieso immer wieder eine angesteckt, und Kiffen ist nun mal auch mit Rauchen verbunden, uswusf. Ursprünglich bin ich übers Kiffen zum Rauchen gekommen, damit ich besser inhalieren konnte, ohne zu husten.
    Nebenbei, ich habe einiges extrem betrieben, ohne dauerhafte Schäden davonzutragen. Es reichte nach dem Aufhören noch dazu, um als Informatiker in Führungsposition zu arbeiten.

    Dann hatte ich das Gefühl, nur das Saufen aufzuhören, aber weiter zu Rauchen, ist ja irgendwie eine halbe Sache, Du vergiftest Dich ja weiterhin. Also das stand dann irgendwo in meinem Hinterkopf, dass ich das irgendwnn noch mal angehen wollte.

    Nach 14 Monaten ohne Alkohol war ich dann so weit. Anfangs war es furchtbar, selbst mein Partner erzählt heute noch, dass ich die ersten beiden Wochen wirkte, wie besoffen. Ich konnte fast nicht autofahren, ich war total neben mir.
    Der unmittelbare Suchtdruck, mir eine anzuzünden, war zwar nach ein paar Tagen weg, aber ich hatte noch über 4 Monate lang das Gefühl, dass ich mich durch ein zähes Medium bewege, wie wenn ich unter Wasser laufen würde, ich wurde fast depressiv. Eines Tages hatte ich aber auch da das Gefühl, jetzt bin ich frei. Das kam plötzlich, so ein Gefühl, jetzt bin ich durch.

    Ich hatte hier irgendwo mal einen Artikel verlinkt, dass es manchen sehr schwer fällt, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kannte auch schon Leute, die trotz Lungenkrebs weitergeraucht haben. Und wahrscheinlich hast Du ja auch schon Bilder gesehen, wo Leute dann trotz Kehlkopfkrebs und bereits amputierten Beinen durch so ein Röhrchen in der Luftröhre rauchen.

    Also kann man da, wie beim Alkohol, ja nur feststellen, dass manche einfach nicht aufhören können, egal was passiert.
    Und ich bin heute nur froh, dass ich dazu eben nicht gehöre. Die Leute tun mir trotzdem in gewisser Weise leid und irgendwie ist mir klar, dass ich schon viel gemacht habe, aber natürlich auch Glück dazu gehört, dass es so läuft wie bei mir. Kein Grund zu Arroganz mehr, ich habe schon zu viele gesehen, die mehr gekämpft haben als ich, und die es trotzdem nicht geschafft haben.


    Und, mich beschleicht an vielen Stellen wirklich das Gefühl, das einige Menschen diese Radikalität nutzen, um sich selber zu festigen. Also helfende Menschen nutzen ihre "Erfahrung" aus, um sich selber zu bestätigen. Man kann das an einigen Textbausteinen gut sehen, m.M.n., wenn ein helfender einem Neuling schreibt "du hast ein paar Tage Trockenheit hinter Dir, ich 15 Jahre, komm da mal hin"...klingt für mich das im Wording so, als ob der Helfende selber noch nicht klar ist. Und sich selber am Abgrund sieht. Vielleicht auch so geprägt ist, die ganze Zeit am Abgrund zu wandeln.
    Das ist für mich aber, als Hilfesuchender, echt eine fiese, nicht motivierende Aussicht.

    ich will da mal was dazu sagen.

    Ich persönlich kämpfe absolut nicht mit der Trockenheit. Suchtdruck hatte ich in den ersten Wochen zwei mal ganz kurz, im Minutenbereich, seitdem nicht mehr. Ich würde ohne Abstriche behaupten, dass ich den Alkohol schon seit über 20 Jahren nicht mehr vermisse. Und ich lebe, wie ich Lust habe, ob wo getrunken wird oder auch nicht, interessiert mich nicht, und ich habe auch Normaltrinker im Freundeskreis. Also ich richte mein Leben nicht danach aus, dass ich mal gesoffen habe, um es kurz zu machen.

    Und ich habe mich auch anfangs sehr darüber geärgert, was man denn nun alles tun oder lassen sollte. Deine Tiraden erinnern mich ein wenig an mich selbst. Also lies es nicht als Angriff, ich denke mit Dir kann man Klartext reden.

    Ich war, als ich aufgehört habe, durch damit. Sonst hätte ich gar nicht aufgehört. Aber mir hats gereicht, und die Aussicht, nie wieder trinken zu müssen, war für mich kein Berg, sondern Anlass zur Hoffnung. Ein Glück, wenn ich nicht will, dann zwingt mich keiner zum Weitertrinken. Ausser ich mich selbst, und mich hab ich so weit im Griff.

    Damit bin ich angetreten, es anders zu machen, als das was ich bis dahin gehört hatte. Hab mich in der Suchthilfe engagiert.

    Aber, und das musste ich dann akzeptieren, den allermeisten fällt es nicht so leicht wie mir. Und das, obwohl sie auch aufhören wollen und ganz genau wissen, dass es ihnen besser gehen würde.

    Die Allermeisten fangen leider irgendwann wieder an. Und das wird teilweise absolut hässlich.
    Und zumindest bei denen, die trotzdem weiterkämpfen (bei weitem nicht alle) ist Klartext angesagt, und eventuell auch Arschtritte.. Woran liegt es, dass Du wieder zum Glas greifst, obwohl Du doch ganz was anderes wolltest? Da muss geklärt werden, spätestens nach der 120sten klinischen Entgiftung (gibts, ich hab solche Leute begleitet)

    Nebenbei setzt Du Dich damit auseinander, wie Du genau das bei Dir selbst verhindern kannst. Denn Dir ist ja klar, so groß sind die Unterschiede nicht, Du hast auch lange genug und überhaupt genug gesoffen, und Du siehst, dass Rückfälle nicht glücklich machen. Und diese Auseinadersetzung führst Du auch teilweise hart. Mit Anderen, mit Dir selbst. Du gehst ans Eingemachte. Aber Du übst auch Selbstliebe, denn als Du gesoffen hast, konntest Du Dich selbst nicht leiden. Und Du merkst, dieser Umgang mit sich selbst ist auch zäh.

    Irgendwann merkst Du dann auch, dass auch ein trockenes Leben nichts Besonderes ist, es wird normal und ist von daher dann kein Grund mehr zum täglichen Feiern. Wenn Du Dir nicht zusätzlich was suchst, was Dich ähnlich befriedigt, wie es die Sauferei ja lange getan hat, fragst Du Dich vielleicht irgendwann, ob das nun alles war, zumindest bei mir.
    Du hattest da ja mal was mit der Funktion der Süchte....

    Und Du wirst es nicht gerne hören, aber 4 Wochen gingen meine Trinkpausen teilweise, das hatte bei mir zumindest gar nichts zu sagen. Ich hab das so gesehen, unter einem Jahr gilt das bei mir gar nicht als ernsthafter Versuch.

    Ich hab das "Du" jetzt rhetorisch verwendet, das Meiste ist nur über mich selbst.

    Schönen Gruß


    Ich würde mich gerne weiter beraten lassen aber die Therapeuten sind sowas von ausgebucht dass es schwierig ist jemanden zu finden.

    Jo. Mir ist beim Schreiben vorhin auch aufgefallen, dass ich ja mit der Suchtberatung den Dusel hatte, eine Therpeutin ohne Wartezeit zu finden. Das wäre schon damals schwierig gewesen.

    Ich weiss nicht, wo Du bist, geht mich auch nichts an, aber ich musste auch 25 km fahren. Jahre später bin ich zu einer speziellen Therapie auch mal über 100 km gefahren, solche speziellen Freaks wie mich behandelt nicht jeder.
    Mir war nach einigen harten Abstürzen klar, es geht bei mir ums Überleben, und dafür kann ich sehr viel tun. Aber natürlich musste es passen, ich habe selbst der Psychologin gesagt, dass ich nur Dinge mache, die mir, evtl. nach Diskussion, sinnvoll erscheinen.

    Face-to-face halte ich für erstrebenswert. Ich hab nämlich Dinge über mich erzählt, was ich glaubte, wie ich bin, und das hat die sofort auf den Prüfstand gestellt. Indem sie mich in Situationen brachte, wo ich spontan und ohne zu überlegen reagieren musste.
    Das geht im Internet natürlich nicht und ein Podcast bringt die direkte Interaktion auch nicht.
    Auf jeden Fall wurde mir da ganz klar, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung geben kann. Also mein ganzes Selbstbild war einfach schief und das gehörte auch zu der Änderung, die notwendig war.

    Ich bin jetzt erst mal weg, Kurzurlaub. Aber hier können Dir mehrere Leute was sagen.
    Viel Glück einstweilen.

    Moin,

    Du hattest übrigens geschrieben, dass Du zum Gang zur Suchtberatung sozusagen gedrängt wurdest.

    Die Suchtberatung war meine erste Anlaufstelle.
    Mir kam die Erleuchtung, dass ich aufhöre, nachts mit mindestens 3 Promille, als der Entzug einsetzte. Abends war ich noch damit ins Bett gegangen, dass ich mal wieder eine längere Pause einlegen sollte.

    Morgens war ich entschlossen, das durchzuziehen. Dabei hatte ich den Gedanken, dass ich ja immer aufhören konnte, dass mein Problem aber war, dass ich immer wieder angefangen habe. Da dachte ich, es wäre ja vielleicht nicht schlecht, sich darüber mal mit jemandem zu unterhalten, der sich damit auskennt. Denn allein kam ich ja offensichtlich nur bis zu den Pausen.

    Ich hatte tatsächlich das Gefühl, mein eigenes Denken reichte nicht dafür, es hatte mich ja erst in die Situation überhaupt gebracht.

    Ich habe in der Suchtberatung angerufen, gesagt, dass ich mit dem Trinken aufhören will und einen Termin gemacht. Dieser Termin war, als ich genau so lange nichts getrunken hatte wie Du gerade jetzt.

    Ich habe nicht sehr viel Angst vor solchen Terminen, ich hab mich besoffen genug blamiert, wovor sollte ich da in der Suchtberatung Angst haben?

    Jedenfalls war der Termin einfach und schmerzlos. Es war in einer Großstadt, da war es unwahrscheinlich, dass mich direkt jemand kannte.
    Der Empfangsmitarbeiter fragte mich als erstes, ob ich Entzug habe, unmittelbar Hilfe brauche oder ob ich es noch drei Tage ohne Trinken aushalte. Nix von wegen "Du musst aber als erstes ins Krankenhaus", nur einfach nach meinem Befinden gefragt.
    Dann fragte er mich, ob ich in eine Motivationsgruppe will und ob ich auch an Einzelgesprächen Interesse habe. Ich wollte beides.

    Ich kann Dir nur sagen, mich hat dort niemand zu irgendwas gedrängt. Ich musste mich nicht als Alkoholiker bekennen und ich wurde auch in keine Therapie gezwungen.

    Nur die Psychologin mit den Einzelgesprächen sagte, sie setzt sich nur ernsthaft ein, wenn ich tatsächlich die Absicht habe, ganz aufzuhören. Für halbe Sachen haben sie gar nicht die Kapazitäten und das Personal, sie können sich nicht jedem halbherzigen Versuch widmen.
    Und sie sagte, da ich nicht mittellos bin, fände sie es gut, wenn ich zur Unterstreichung meiner ersthaften Absichten einen Obulus von 150 damals noch D-Mark entrichte. Ich weiss nicht, ob sie drauf bestanden hätte, aber ich wollte meine Ernsthaftigkeit selbst unterstreichen, da gab es von meiner Seite nichts zu meckern.
    Und für die hundertfuffzich Mäuse bekam ich 10 Stunden Einzelgespräche mitsamt Hausaufgaben, es liegt ja an einem selbst, wie viel man dann tut. Ich fand das keineswegs teuer. Und Saufen, wie du selbst erwähntest, kostet ja auch. War ein guter Einsatz für das Ersparte.

    Die waren da übrigens sehr gut, was mich anbelangt. Ich war aber vielleicht auch gut, denn ich wurde ein dreivierteljahr später zur Supervision der Psychologin eingeladen, wo ihre Gespräche mit mir evaluiert wurden. Und wo dann so eine Art Oberdruide sass (ein langzeittrockener Alki, der Therapeut geworden war) und das kommentierte, auch meine Art, mich nur nach langer Überlegung überhaupt auf was einzulassen. Also die hatten da eine Art Qualitäassicherung.

    Ich habe es nie bereut, dass ich dort war. Wenn Du, je in Deinem Leben, mal beim Zahnarzt warst, es ist nicht schlimmer. .. und wenn der Angst vor dem Bohren hat, ist es schlecht für den Patienten.

    Das wollte ich mal dalassen, falls Du darüber noch nachdenken solltest.

    Schönen Gruß. Wie läufts?


    Ich habe das eher ab ein gewissen Punkt als Last empfunden.

    merke Dir genau das.

    Über kurz oder lang werden Situationen kommen, wo auch knochentrocken nicht alles easy ist. Ich hatte z.B. einen Unfall mit Langzeitfolgen. Irgendwas passiert fast immer.

    Und dann das Gefühl: wenn ich jetzt deswegen mit dem saufen wieder anfange, habe ich ja nur ein zusätzliches Problem.
    Du hast das ja schon selbst herausgerabeitet bein Rauchen. Dann hast Du den ganzen Mist wieder, ärgerst Dich über Dich, musst wieder aufhören.

    Viel einfacher, es trotzdem zu lassen. Da macht man das Problem nicht größer, als es ist.

    Ansonsten, Radfahren kann ich gut nachvollziehen 44.

    Weshalb freut es Dich, andere "leiden" zu sehen? Für mich klingt das schon etwas abgehoben, so lange bist Du auch noch nicht abstinent ;). Vor Kurzem warst Du selbst noch mitten drin.

    kann man aus zweierlei Richtung betrachten.
    Man kann auch die Selbsterkenntnis draus ziehen, dass man genau derselbe Idiot war.
    Genau so, wie ich beim Lesen mancher Story auch sehe, was ich für ein Glück hatte. Denn auch bei mir hätte es ganz anders ausgehen können. Ohne mich drüber zu erheben, denn was wäre gewesen, wenn es nicht "klick" gemacht hätte? Dann würde über mich auch irgendwer sagen "hat sich totgesoffen".
    Ich wäre aus heutiger Sicht ein Vollidiot, obwohl ich noch sehr genau weiss, was ich vom Trinken erwartet hatte und dass mir das damals sinnvoll erschien, zu saufen. Weswegen ich es auch nicht bereue, damals war es das, was ich wollte. Verloren habe ich letztlich auch nicht viel. Unglücklich über meine Sauferei war ich ja lange nur, weil ich es nicht völlig unter Kontrolle hatte, aber aufhören wollte ich ja nie.

    Und durch Nachdenken kam ich nicht zu diesem Geistesblitz. Der schlug einfach ein.

    Ich bin der Typ der Konfrontation. Zum Rauchstopp z.B. hatte ich ein halbes Jahr immer eine Schachtel Kippen in der Jackentasche. Zu dem im "Raucherbüro" stand weiterhin der volle Aschenbecher. Die Kippen deswegen, so mein Gedanke: "Wenn der Suchtdruck soooo groß wird, dass Du es nicht aushälst, kannst Du dich jederzeit erlösen". Gleichzeitig habe ich mir aber gesagt: "Und wenn Du das tust, musst Du den ganzen, beschissenen Weg wieder von vorne gehen. Hast Du da Bock drauf? Nein".

    Und so halte ich das mit dem Sprit auch. Gut, ich habe keinen Flachmann in der Tasche oder im Auto. Aber die Trinkumgebung zu Hause bleibt, als Mahnmal. Das ist vielleicht ein wenig schräg und auch vielleicht gefährlich aber ich glaube ich brauche diese direkte Auseinandersetzung.

    Am Freitag ist Eishockey, Play Offs meines Lieblingsvereines. Und natürlich, gerade an einem Freitag, der Sündenpfuhl des Alkohols. Und ich freu mich darauf die Leute zu beobachten wie sie immer mehr die Kontrolle verlieren. Und ich nicht.
    Mich hats getrinke im letzten Jahr schon selber oft angekotzt und obwohl ich da stand mit dem sechsten Halben in der Hand fand ich das super unangenehm wie einige aus meiner Truppe dann schon 8 hatten, zwei weitere in der Hand und so richtig doof wurden und die Kontrolle verloren. Das hat mich da schon echt angekotzt und ich fands ekelig.

    tja nun.

    Ich wurde 5 Tage, nachdem ich mit dem Rauchen aufgehört hatte, in den italienischen Alpen auf einer Hütte mit ca. 15 Rauchern eingeschneit, mitten im Hochsommer. Keine Chance, dem aus dem Weg zu gehen. 3 Tage Klausur.

    Ein halbes Jahr später habe ich eine Stange Tabak im Schreibtisch gefunden, hatte ich erst für den Fall der Fälle aufgehoben und dann vergessen.

    Mit alkoholischen Getränken als Geburtstagsgeschenk für meinen Stiefvater war es später genau so. Der wollte halt immer Schnaps und nichts Anderes. Mir macht das auch kein Kopfkino, aber bei anderen ist das anders, habe ich schon gehört und das nehme ich ernst.

    Keiner soll sich selbst gefährden, weil das bei einem anderen lockerer läuft - betrifft auch das andere Forum. Wenn jemand nur so trocken werden konnte, dann braucht er vielleicht diese Regeln. Und keiner muss einen anderen trockenlegen, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich bin früher auch nur von mir selbst ausgegangen, von meinen eigenen Erfahrungen, und das haben mir schon Leute zu recht vorgehalten. So, wie ich das gemacht habe, schaffen das nur verhältnismässig wenige. Wobei das bei mir kein Schaffen war, ich hatte die Lust daran verloren, war nicht mal stolz drauf, sondern sah das als das einzig Vernünftige an. Andere müssen viel mehr kämpfen und das erkenne ich an.

    Alice Cooper, Musiker, ich weiss nicht ob Du den alten Mann noch kennst, Schockrocker, Sohn eines Predigers, seit Jahrzehnten trocken, sagte in einem Interview "Gott hatte mir den Suchtdruck genommen". Und auch wenn ich ein schlechter Gläubiger bin, genau so fühlte sich das bei mir an. Ein leises Klick und das wars. Alles weitere war das Ungewohnte der dauernden Nüchternheit, das Neuland, aber keinerlei Bedürfnis, zum Alten zurückzukehren.

    Später hab ich mal nach einer feucht-fröhlichen Betriebsfeier am nächsten Tag die Chefsekretärin gefragt, ob sie denn icht mehr wisse, mit wem sie es im Gebüsch getrieben hatte. Sie hatte einen kompletten Filmriss und ich sonnte mich in meiner Boshaftigkeit. Die Story war nur meine Erfindung, die ich nie aufgeklärt habe. Ich mochte sie ja auch nicht. Die kam immer montags rein und erzählte ganz stolz von ihren Besäufnissen. Wie andere Kollegen auch. Da sass ich und durfte mir das anhören. Mein Chef "ich trinke schon immer gern und viel". Ich hab sie teilweise zu den Besäufnissen gefahren, war Arbeitszeit und ausser mir war ja keiner nüchtern.
    An sich war mein Job aber ein anderer, und lauter hochqualifizierte Leute. Tut dem Saufen keinen Abbruch.

    Trotz alledem langweilen mich Betrunkene schon lange eher. Wenn ich für mich selbst einen schönen Abend haben will, tue ich mir das nicht an, sondern mache was, was mir wirklich gefällt. OK, wenn man Interessen hat, dann lässt es sich manchmal nicht vermeiden, aber direkt danach suchen tue ich nicht. Panik vor der Situation ist für mich aber auch nicht angebracht. Und so lange ich trinken wollte, funktionierte die Abschreckung nicht, ich hatte genügend Anschauungsmaterial, Alkoholtote eingeschlossen. Also ich wusste im Prinzip immer, wie es ausgehen kann, es war mir nur wurscht.

    Das Problem kann sein, dass andere das nicht ernst nehmen. Ich wollte beim Griechen statt Ouzo was alkoholfreies. Da brachte mir die Bedienung Pflaumenlikör und behauptete, das sei doch kein Alkohol. Kurzes riechen, weg damit, aber wenn Du nicht auf Zack bist, kann das sehr schnell gehen.

    Das ist auch einer der Gründe, warum dazu geraten wird, auf Abstand zu gehen. Wie bei Schoki oder sonst was, was Du magst, kann es passieren, dass der gute Vorsatz blitzartig beiseite geschoben wird. Wenn Du Abstand hast, musst Du Dich erst mal hinbewegen und evtl. was besorgen, da hast Du Zeit, gegenzusteuern.

    Wie sind die drauf, deine Truppe, werden die das locker akzeptieren? Denn die kennen Dich ja so, dass Du mittrinkst.


    Im Umgang mit Triggern und Triggersituationen gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Vermeidung ist der eine, Konfrontation der andere.

    bei mir hat es immer gereicht, wenn ich, eben bewusst, in solche Situationen hineingegangen bin und mir im Vorfeld überlegt habe, dass ich in eine Triggersituation komme. Von Anfang an, ich hatte kurz nach dem Aufhören einige schwierige Gespräche, wo ich genau wusste, dass ich sonst im Anschluss zum Trinken gegangen wäre. Und dass ich dafür Alternativen brauche.

    Die beiden einzigen Male, in denen ich kurz sogenannten Saufdruck hatte, waren, als ich mir das im Vorfeld nicht überlegt hatte. Weils mich überrascht hat, aber auch da half, Hirn einschalten.

    Meine Mutter fing schon bald an, beim Essengehen zum Griechen die Ouzos bei mir zu deponieren, weil mich das nicht juckte und die Ouzos hinterher noch da waren. Ich kenne aber einen Langzeittrockenen, der wird beim Schnapsgeruch halb verrückt. So weit muss man sich kennen, um das zu entscheiden. Mutproben sind was für Kinder.

    Später hatte ich nebenberuflich was mit speziellen Delikatessen zu tun, ich verkaufte die. Da waren auch Kunden dabei, die unbedingt Wein haben wollten. Den habe ich aufgrund der Kundenwünsche mitverkauft. Ich habe dann sogar zu Weinproben eingeladen und eine Schnapsbrennereiführung gemacht - für mich hatte ich den hochwertigen Fruchtsaft bestellt - und es hat mich nie tangiert.
    Aber ich habe mir im Vorfeld klargemacht, dass ich das können muss, sonst lasse ich es besser.

    Unterm Strich, Du musst Dich kennen, und am Anfang kennst Du Dich noch nicht so gut aus mit der Nüchternheit, wenn Du seit 10 Jahren maximal zwei nüchterne Tage am Stück hattest. Es ist ein Unterschied, ob Du mutig bist oder ob Du aus Selbstüberschätzung tollkühn handelst. Ich hab trotz meiner Rotzigkeit trotzdem an den richtigen Stellen aufgepasst und manche Dinge nicht gemacht. Eins davon war ein Karriereschritt, der mich zu viele Nerven gekostet hätte und auf den ich deswegen verzichtet habe.
    Der Saufdruck könnte ja auch in mir drin ohne äussere Trigger entstehen. Da hiess das Stichwort "ausgeglicher Lebensstil".

    Was übrigens oft kommt, in genau diesen Kreisen von ehemaligen Trinkern, ist die Unterstellung
    "ach, du siehst Dich als geheilt an? Dann glaubst Du wohl, dass Du wieder trinken kannst"

    ..das sagt in erster Linie etwas über denjenigen aus, der diese Unterstellung macht. ER braucht das, denn wenn ER sich als gesund sehen würde, würde er wieder trinken.
    Ich brauche das nicht. In mir existiert die Verbindung "ein Gesunder trinkt" nicht mehr. Ein Gesunder muss nicht trinken, sonst wäre er nicht gesund. Ein Gesunder kann sehen, dass es viele gute Gründe gibt, schon allein die vielfältige Giftwirkung und die Krankheitsrisiken, es sowieso zu lassen.
    Will sagen, man kann sich ja auch zu jemandem entwickeln, der einfach keinen Alkohol trinkt, wie es einige Andere, ohne Trinkvergagngenheit, auch tun.

    Moin,

    Ich hab da über Deine Aussage und meine Aussage etwas länger drüber nachgedacht. Und gestern abend eine Reportage gesehen über einen Rauschtrinker. Die Repo ist von schon von 2007 aber unheimlich erschütternd, da wurde ein Mann über eine Woche begleitet der sich früher oder später tot säuft. Das waren echt heftige Bilder und der Typ ist krank. Und bleibt krank. Definitiv.

    Also ich denke ab gewissen Eskalationsstufen ist das Wort krankheit absolut angebracht. Ob man alle über einen Kamm scheren sollte oder in eine Jacke zwängt, halte ich aber weiterhin für fraglich.

    genau welchen solchen Tatsachen habe ich mich gefragt, wozu das Bekenntnis, Alkoholiker zu sein, überhaupt nützlich ist.
    Für mich ist das ein Nebenschauplatz. Kann man sich trefflich drüber streiten.

    Denn der Zusammenhang, dass man aufhört, weil man krank ist, stimmt so einfach ja offensichtlich nicht. Ich kann mich als Alkoholiker sehen und trotzdem keinerlei Grund sehen, mit dem Trinken aufzuhören. Und auch wenn ich mich so sehe und deswegen aufhören will, ist noch lange nicht gesagt, dass ich es dann auch schaffe.

    Für mich war dieser Begriff beim Aufhören nicht wichtig. Wenn es mir nicht sehr schlecht gegangen wäre, und zwar genau und nur dann, wenn ich zu viel getrunken habe (auch Rauschtrinker, hier), dann hätte ich keinen Grund zum Aufhören gesehen. Egal, ob mich jemand oder ich als Alkoholiker sieht oder nicht.
    Ich hab in meinem frühen Erwachsenenalter mit harten Drogen rumgemacht, da galt der Begriff "Süchtig" als Auszeichnung, weil wir uns damit von den Spiessern, den braven Bürgern, die nichts besseres zu tun hatten, als zum Arbeiten zu gehen, abgesetzt haben. Da wollte keiner "normal" sein.

    Beim Aufhören war für mich wichtig, dass ich jedesmal in die Scheisse gelangt habe, wenn ich wieder angefangen habe. Und DAS unmittelbar zu spüren, hat mich sozusagen davon geheilt. Für mich war das einfach so, wenn ich anfange, trinke ich zu viel, und dann gehts mir schlecht. Als Rauschtrinker hatte ich keinen Dauerpegel, da war das ziemlich deutlich. Vor allem, weil ich meist angefangen habe, um mich noch besser zu fühlen, und das ging meistens in die Hose.

    Manchmal bezeichne ich mich als Alkoholiker, da man sich damit manche Leute gut auf Abstand halten kann. Weil die darüber erschrecken und mich dann in Ruhe lassen 8). Funktioniert bei mir sehr gut, da ich schon lange nicht mehr wie ein Säufer aussehe. Und weil ich ein ziemlich heiteres Verhältnis zu meiner Vergangenheit habe, da sie mich nicht belastet, mache ich da hin und wieder Witzchen drüber.

    Die Definition als Krankheit dient in erster Linie dazu, eine Behandlungswürdigkeit zu akzeptieren und Geld für Therapien zu Recht zur Verfügung zu stellen. Und das hat seine Berechtigung, da sehr viele ohne Therapie nicht aufhören können.

    Ansonsten soll der Begriff verdeutlichen, dass man sehr wahrscheinlich nicht mehr zu normalem Trinkverhalten zurückkehren kann. Das ist aber sowieso nur relevant, wenn man die Absicht hat, irgendwann wieder zu trinken.
    Wenn ich mit dem Trinken abgeschlossen habe und dauerhaft kein Bedürfnis mehr dazu habe, also vollständig bewältigt, dann ist der Begriff Krankheit auch wieder unwichtig.
    Manche mag es vielleicht davor bewahren, unvorsichtig zu werden. Aber ich glaube, dazu muss irgendwo auch ein Trinkwunsch vorhanden sein, den man damit abwehren will.

    Mir wurde schon mehrmals dazu geraten, und zwar von Ärzten und von meinem Neurologen, mich nach langer Trockenheit nicht mehr als Alkoholiker zu bezeichnen. Das sei falsch. Das wurde mir zum ersten Mal gesagt, als ich vier Jahre trocken war und wegen was anderem nach einem Psychologen gesucht habe. "Haben sie noch Trinkdruck? Nein? Dann stimmt die Bezeichnung nicht mehr und ist auch für eine Therapie nicht relevant"...Originalaussage.

    Das Rauchen aufzuhören fiel mir auch schwer. Ich bezeichne mich aber auch nicht mehr als Raucher, obwohl ich davon ausgehe, dass ich leicht wieder drinhängen würde, wenn ich wieder anfange.

    An sich denke ich, das Ziel ist, dass man sich diese Fragen gar nicht mehr stellen muss, weil der innere Druck, wieder anzufangen, vollständig weg ist. Und so wenig wie ich das nach aussen begründen muss, warum ich nicht trinke, muss ich das vor mir selbst rechtfertigen. Ich will nicht und ich brauche es nicht, das reicht.

    Meine Motivation, vor vielen jahren in die Suchthilfe einzusteigen, war übrigens genau das, dass es mich gestört hat, dass man nun lebenslänglichkrank sein muss. Weil sie mich in Selbsthilfegruppen auch in die Schublade stecken wollten. Ich fand "krank sein" noch nie als erstrebendswert. Ich wollte vermitteln und hatte da lange sogar eine Art missionarischen Eifer, dass man die Sauferei vollständig hinter sich lassen kann, wenn man das will. Deswegen musste ich trotzdem auch einiges tun, um das Leben vollstandig nüchtern zu bewältigen, aber das ist ja mehr ein Lernprozess - und damit etwas gesundes - als ein Krankheitssymptom.

    Schönen Gruß

    Was mir an dem Gedanken mit der Lebensfreude nicht ganz gefällt, obwohl ich ihn nachvollziehen kann, ist, dass man sich damit nach meinem Gefühl in eine neue Abhängigkeit begibt, wenn man sie als Voraussetzung für Trockenheit sieht.

    Was macht man dann, wenn es aus irgendwelchen Gründen, chronische Krankheit, Alter, Erdbeben, Krieg, so Dinge die täglich in der Zeitung stehen, NICHT läuft? Wenn die inneren oder äusseren Umstände ohne eigenes Zutun so bescheiden werden, dass man keine Lebensfreude hat und man es nicht ändern kann? Säuft man dann wieder?
    Und ich glaube, es ist Selbstüberschätzung, zu glauben, dass man die Lebensfreude vollständig selbst in der Hand hat. Auch wenn es ein paar Jahre und unter günstigen Umständen so aussieht.

    Aus meiner Sicht muss die Trockenheit dann immer noch funktionieren, sonst ist man nur trocken, so lange es nicht regnet. Kein Kunststück. Und sie funktioniert auch unter schlechten Umständen, Gesunde brauchen keine Gründe, um NICHT zu trinken.

    Ist aber meins, muss mir keiner nachmachen.
    Lebensfreude ist ein schöne Sache, keine Frage.

    Ich hab mal gelesen, so lang man das noch kognitiv lösen kann, und so lange man noch reale, tatsächlich vorhandene Gründe fürs Trinken sieht, ist man noch nicht wirklich süchtig. Denn dann ist es noch nicht geisteskrank.
    Grippe heilt auch nicht, weil man weiss, dass es einem dann besser geht. Da wird eine falsche Kausalität hergestellt, wenn man das glaubt.

    Und bei mir war das tatsächlich so.
    Mein Partner wollte jahrelang wissen, warum ich trinke. Und ich hab Gründe gesucht und gefunden, und dann hab ich die gelöst und weitere Gründe zum Trinken gefunden. So lange, bis nix mehr da war, was mich vorgeblich dazu brachte.

    Und ich hab lange Trinkpausen gemacht, ich wusste ganz genau, dass es mir da besser ging. Hat mich aber nicht davon abgehalten. Brachte mich nicht mal dazu, aufhören zu wollen, kein Gedanke daran.

    Erst als ich keine realen Gründe zum Trinken mehr fand und trotzdem weitergesoffen habe, war ich so weit, mir zu sagen, dass es entweder Sucht oder total idiotisch ist. Und ein Idiot wollte ich noch weniger sein als süchtig.

    Dazu kann ich nur sagen, das trifft vielleicht auf Problemtrinker mit Depressionen zu. Aber auch nur, wenn sie nüchtern kaum einen schlechten Tag haben.

    Meine letzte und schlimmste Trinkphase begann, als es derartig rund lief und es mir so absolut gut ging, dass ich unbedingt noch eins drauf setzen wollte. Bis heute für mich die gefährlichsten Phasen, wenn es mir sehr gut geht, weil ich dann nach einer weiteren Steigerung verlange. Probleme waren für mich kaum je ein Grund zum Trinken, die Probleme bekam ich erst, wenn ich getrunken habe.

    Ja, natürlich hab ich dann auch aufgehört, weils nicht mehr auszuhalten war. Und ich hatte eine Anfangsephorie, mit der das ziemlich easy war. Erst mal. Blieb nicht so. Ich wurde trocken nach einiger Zeit sehr unzufrieden. Und da musste ich noch ganz schön viel ändern an mir und meinem Leben, damit sich das wieder änderte.
    Und ich hatte in vielen Jahren der Trockenheit Phasen, da hatte ich keine Lebensfreude mehr. Da war ich nur am kämpfen, Krankheitsfolgen zu managen. Täglich Schmerzen. Da hab ich mich tatsächlich auch gefragt, was es nun eigentlich gebracht hatte, aufzuhören.
    Da half mir eigentlich nur Sturheit. Und fehlender Saufdruck vielleicht auch.

    Und ich stimme dem schon zu, dass man einen Sinn drin sehen sollte, aufzuhören, weil man die damit verbundenen Schwierigkeiten sonst nicht auf sich nimmt. Das muss aber nicht unbedingt Lebensfreude sein. Bei mir war es zuerst der Gedanke, dass mir dann selbst nicht mehr so im Weg stehe. Das hat sich aber nur teilweise erfüllt, da ich trocken im Prinzip erst mal der gleiche Mensch bin wie trinkend, bloss ohne Kotzen. Und mit den Seiten, die ich früher nur besoffen rausgelassen hatte, musste ich dann nüchtern umgehen, denn die waren nicht automatisch einfach weg. Jekyll and Hyde mussten vereingt werden. Das war die größte Schwierigkeit.

    Das kognitive, dass es besser ohne wäre, kann Dir fast jeder Mehrfachrückfällige runterbeten. Ich dachte anfangs auch, das muss man doch sehen. Man kann sich irren.

    Ich hab mal drüber nachgedacht, will ich wirklich eins trinken? Ein Bier?

    Ich konnte nach zwei Bier noch aufhören, wenn etwas Wichtiges anstand, ein Termin z.B.. Mit Mühe und Unlust zwar, aber es ging. Aber das war nicht das, weswegen ich getrunken habe. Denn zwei Bier waren für mich so gut wie nichts, machten höchstens müde. Und Appetit auf mehr.
    Und wenn ich keine Wirkung habe, kann ich es auch gleich ganz lassen. Denn dann habe ich nur noch das Risiko, dass ich wieder reinrutsche, aber nichts von dem bisschen Trinken.

    Deswegen habe ich trotzdem keine Angst vor Kleinstmengen. Ich nehme mit einem Medikament täglich die Alkoholmenge zu mir, die etwa einem halben Schnapsglas voll Bier entspricht, 0,5 Gramm. Muss sein, da ich eine schwere Erkrankung habe (damit ist nicht mein Alkoholismus gemeint) - da passiert auch nichts. Kannst du Dir ja vorstellen, wie ein winziges Glas Bier wirkt, da merkst Du überhaupt nichts.

    BlackisBeautiful,

    wenn Du nicht abhängig bist, kannst Du frei entscheiden, was Du tust. So lautet nämlich die Definition von Abhängigkeit. Es geht dann nur um Deine inneren Kämpfe, und die musst Du mit Dir selbst abmachen. Kann niemand für Dich entscheiden ausser Dir.

    Ansonsten gibt es viel Info und Literatur, was passieren kann, und trotzdem kannst Du Dich bewusst auch gegen Deine Gesundheit entscheiden. Risiko allein muss kein Entscheidungskriterium sein. Menschen gehen viele Risiken ein und hoffen, sie zu beherrschen. Bei meinem Sport kann auch was passieren, ist es mir halt wert.

    Im Übrigen denke ich, wer Hilfe braucht, schaffts nicht mehr allein, und für mich ist das ein klares Zeichen von Abhängigkeit. Ob man das Alkoholismus oder Grmpflmpf nennt, ist für mich dabei nebensächlich.

    Ich wünsche Dir gute Entscheidungen.

    Jede Gemeinschaft kann sich die Regeln geben, die sie haben will.

    Es handelt niemand in irgendeinem öffentlichen Auftrag und muss alle gleichermaßen bedienen, sondern diese ganzen Foren, auch dieses hier, sind entstanden, weil irgendjemand ein Forum nach seinem eigenen Geschmack und Bedürfnis wollte.
    So lange sich das im gesetzlichen Rahmen hält, kann jeder machen, was er will.

    Und ich weiss, dass man als Forenbetrieber ein Hausrecht hat und niemand reinlassen muss, den man nicht will.

    Therapeuten übrigens auch, da nimmt auch nicht jeder jeden. Muss ja irgendwie passen, sonst kostet das nur und bringt keinem was.

    Wenn ich sage, ich will mich nur mit trockenen Alkoholikern unterhalten, ist das so wenig verboten, wie wenn ich sage, ich saufe mich lieber tot.

    Es geht in diesen ganzen Foren in erster Linie um Selbsthilfe..übersetzt, jeder hilft sich selbst, mithilfe des Inputs von anderen evtl. Das ist kein Top-Down-Service, ich gehe da hin und werde bedient.

    Es ist übrigens bei realen Grppen auch so. Bei vielen musst Du nur den vagen Wunsch haben, irgendwann aufzuhören oder Dich damit zu beschäftigen, bei anderen wird es gerne gesehen, wenn Du trocken wirst.

    In der Suchtberatung, in der ich war, musste ich als nicht mittelloser Mensch 150 damals noch D-Mark abdrücken, um die Ernsthaftigkeit meines Anliegens zu unterstreichen. Und sie haben mir auch gesagt, sie helfen nur Leuten, die wirklich aufhören wollen.
    Weil alles Andere aus Erfahrung nur Energie frisst. Für mich war das OK, denn ich wollte.