Beiträge von Susanne68

    Kannst Du ja machen.

    Das Selbstbestimmungsrecht ist eines der höchsten Rechtsgüter bei uns (finde ich wichtig, ganz nebenbei) und solange kein medizinisch-psychologischer Gutachter feststellt, dass derjenige wegen geistiger Defizite gar nicht mehr wissen kann, was er will, gibt es keinerlei Handhabe, etwas dagegen zu tun, außer er wird irgendwie straffällig, fährt betrunken o.Ä.. ansonsten darf sich bei uns jeder zu Tode trinken, das wäre in Saudi-Arabien vielleicht anders, aber da möchte ich aus anderen Gründen nicht leben.

    Muss Dir nicht leid tun, ich glaube ich bin da relativ gut damit fertig geworden. Diese Abgrenzung von der Krankheit hat ja auch den Vorteil, das man sich trotzdem mögen kann. Da ist dieses Gezerre, was Du hast, nicht da. Ich brauchte das außerdem für die Handlungsfähigkeit, weil ich die Pflege organisieren musste, wenn Du da außerdem auch noch psychisch auf dem Zahnfleisch gehst, kannst Du dem Anderen gar nicht richtíg helfen, glaube ich.

    Ist ja nicht so, das ich das nicht nachvollziehen könnte.
    Mein Vater war Alkoholiker, er bekannte sich als Alkoholiker und er starb am Alkohol. Er hat sich nie helfen lassen, bis er völlig am Ende war. Und auch da brachte man ihn nicht vom Alkohol ab, sondern es ging "nur" noch um Allgemeinversorgung und Pflege.
    Deswegen weiß ich glaube ich ziemlich gut, was Machtlosigkeit ist.
    Ich beherrsche allerdings auch Abgrenzung ziemlich gut, deswegen hat mich das nicht besonders mitgenommen. Andere Familienmitglieder, die weniger von der Vorstellung lassen konnten, was mein Vater alles müsste, hat das mehr mitgenommen.


    Er müsste es erst mal einsehen.
    Du müsstest erst mal einsehen, das Du ihm nicht helfen kannst, das einzusehen.
    Ich müsste erst mal einsehen, dass ich Dir nicht helfen kann, einzusehen, dass Du ihm nicht helfen kannst, das einzusehen.

    so long.

    Ich bin nicht mal genervt. Ich hab aber schon mal erlebt, wie genau während so einer Diskussion der Betroffene, über den man geredet hat, und seine Frau war auch der Meinung, SOOOO schlimm ist es ja doch noch nicht, einen Krampfanfall bekommen hat, mit dem Kopf auf den Tisch schlug und sich dabei die Zunge abgebissen hat.
    Das geht so zack, zack, das glaubt vorher keiner. Natürlich sind es nur ein paar Prozent, aber wenn man dazugehört, Pech gehabt.

    Und mir ist nun mal absolut bewusst, das ich da vollkommen machtlos bin, wenn Deinem Alten was passiert, während wir hier plaudern.

    Ich hab Dir mal vorgeschlagen, dass du mal andere Geschichten liest, damit Dir die mögliche Tragweite des Problems überhaupt bewusst wird.
    Und ich bin jetzt weg. Du kannst ja ausprobieren, was passiert.

    Was willst Du jetzt eigentlich diskutieren?

    Such hier nach Alkoholentzug und google nach Citralopram und auch nach den Entzugserscheinungen, und Du wirst feststellen, dass das eine ganz tolle Kombination sein kann.
    Das kann aber nur der Arzt entscheiden. Hier auf die Entfernung, glaubst Du, ich bin so blöde und übernehme dafür die Verantwortung, indem ich Dir sage was Du da tun sollst?

    Genau das ist Co-Abhängigkeit.
    Es ist seine Krankheit, um die er sich kümmern muss. Entzugserscheinungen können lebensgefährlich sein.

    Aber statt ihm klar zu sagen, dass Du ihn nicht behandeln kannst und dass er genau deswegen eben zum Arzt muss, fragst Du hier.

    Nein, da kann ich Dir nicht helfen.

    Morgen,

    ich will Dich auch nicht weiter nerven. Nur falls Du noch mal hier hereinguckst noch ein paar Fragen (Du musst sie nicht beantworten).

    Ich denke halt, in jeder Partnerschaft gibt es Grenzen. Wenn die dauerhaft überschritten werden, geht es irgendwann nicht mehr. Ob das Trinken jetzt für Dich so eine Grenze ist, mit der Du nicht leben willst oder kannst, auch wenn er kein Alkoholiker wäre, weiß ich nicht.
    Streiten an sich muss nicht unbedingt so schlimm sein, dass eine Beziehung daran zerbricht - gibt viele Paare, die damit ganz gut klar kommen. Gar nicht streiten wäre auch nicht meins. Aber auch da gibt es meistens einen Punkt, wo jeder weiß, da wäre - endgültig - Sense.

    Wenn Du jetzt dem Schluss kommen solltest, dass er KEIN Alkoholiker ist und Du KEINE Coabhängige, machst Du dann so weiter wie bisher?
    Glaubst Du, dass sich dann an den gebrochenen Versprechen irgendwann etwas ändert?
    Lässt Du ihn dann trinken?
    Oder kämpfst und streitest Du weiter?
    Und wo würdest Du dann Grenzen setzen, die Du dann nicht auch wieder umwirfst (weil er Dir leid tut oder weil Du ihn liebst).
    Wo wäre Dein Point of no return?

    Gruß Susanne

    Wie gesagt, mir ist das relativ schnuppe, was Du hast. Von aussen kann man das wahrscheinlich nicht sicherer diagnostizieren wie Alkoholismus. Es geht ja nur um Hinweise, an denen Du erkennen kannst oder auch nicht, woran es in Deiner Beziehung haken könnte. Vieles ist Versuch und Irrtum - ist beim Arzt nicht anders. Um Einzelpunkte kann man sich steiten, gehts Dir dann besser? Und wenn Du es nicht bist, was folgt für Dich daraus?

    Aber wenn es Dich schon so aufregt, mal die Frage: was würde sich denn für Dich ändern, wenn Dir jemand direkt sagen würde - bist Du? Oder auch: bist Du nicht?
    Das bringt mich auch auf die Frage; was würde sich denn für Dich oder Deinen Mann ändern, wenn Du sicher wärest, dass er Alkoholiker ist? Oder: dass er keiner ist?

    Gutem Morgen Leonie,

    Ich glaube, Coabhängige haben genauso einen blinden Fleck beim Blick auf sich selbst wie Abhängige. Und es wird leider oft noch nach dem Schlupfloch gesucht, könnte es nicht vielleicht doch sein, das Alles ganz normal ist, ich mir was einbilde und man das noch hinbiegen kann.
    Zusätzlich schwierig ist es, weil vieles eine Frage der Interpretation ist und das natürlich auf allen Seiten, beim Betroffenen, beim Angehörigen und bei den Leuten die man fragt.

    In Deinem Fall, Leonie, weiß ich nicht, ob Du nicht sogar mehr unter seiner Sauferei leidest wie er selbst, und wenn Du bei ihm über Krankheit nachdenkst und Du den größeren Leidensdruck hast (der ja auch ein Krankheitszeichen ist)...was ich nicht weiss, nur Du steckst in Deinem Leben.

    Ich hatte mal ein wunderbares Schaubild, wie sich die Entwicklung der Sucht und das Verhalten der Angehörigen während dem Ringen darum gegenseitig hoch schaukeln, leider finde ich es nicht mehr, aber vielleicht hat es ja jemand. Auf jeden Fall war das sehr gut dargestellt, wie da mit der Zeit der Frust und die Aggression auf beiden Seiten wachsen, und beim angehenden Abhängigen fördert das die Suchtentwicklung, weil ihm das scheinbar gute Gründe zum Trinken liefert, genauso wie der Partner es völlig normal findet, dass er sich immer mehr darüber aufregt. Der Abhängige verliert übrigens vor lauter Ringen mit dem Partner auch die Sicht auf sein eigenes Problem.

    Es ist natürlich alles immer schematisch und nicht auf jeden Einzelfall gemünzt. Es geht aber sehr vielen Krankheitsbildern ums Prinzip und so ist es hier auch.

    Ich hab hier noch eine Checkliste zur Coabhängikeit, das heisst es unter anderem


      [li]hängen Ihre Gefühle sehr stark von der Situation ihres Partners ab[/li]
      [li]fühlen Sie sich stark, wenn der Abhängige sich schwach fühlt[/li]
      [li]haben Sie Angst, der Abhängige könnte aggressiv werden, wen Sie mit ihm über Alkohol sprechen?[/li]
      [li]haben Sie Ihrem Partner schon mal mit Scheidung gedroht, weil er so viel trinkt[/li]
      [li]Ärgern Sie sich, weil Ihr Partner ihre Ermahnungen nicht ernst nimmt?[/li]
      [li]wünschen Sie sich manchmal den Tod des Partners?[/li]
      [li]haben Sie häufiger das Gefühl, dass Sie gegen Ihren alkoholabhängigen Partner machtlos sind?[/li]
      [li]Haben Sie häufiger schon Drohungen, die Sie dem Betroffenen gegenüber ausgesprochen haben, nicht wahr gemacht und vergessen?[/li]
      [li]haben sie das Gefühl, dass Alkohol eine immer wichtigere Rolle in ihrer Partnerschaft spielt?[/li]
      [li]wechseln Ihre Gefühle für den Partner häufiger zwischen tiefem Hass und tiefer Liebe?[/li]
      [li]Wissen Sie nicht mehr, wie es weitergehen soll, weil Sie so verzweifelt sind?[/li]

    Das ist nur ein Teil der Liste, die in der Suchtfibel zu finden ist. Die mir vorliegende Version hat 22 Punkte, und wenn 8 davon erfüllt sind wird angeregt sich Hilfe zu suchen. Das ist wie bei den Alkoholiker-Tests, wenn von 10 Punkten 3 erfüllt sind, sollte man mal darüber nachdenken, oder so ähnlich, gibt ja auch unterschiedliche. Und das, dass Du ihn niemals decken würdest, wie Du in Deinem zweiten Beitrag geschrieben hast, ist nur ein Punkt unter vielen, den musst Du nicht erfüllen. Dafür scheinst Du mir emotional aber schon so was von involviert.

    Ich will Dir nichts unterstellen und für mich spielt es sowieso keine so große Rolle, wie man das Kind, das in den Brunnen gefallen ist, nennt.
    Also ich möchte Dir keine Coabhängigkeit nachweisen und ich werde auch nicht mit Dir darum ringen, wie viele Punkte Du erfüllst und ob Du unbedingt etwas machen willst. Das bleibt alles bei Dir.
    Ich möchte Dir nur die Rückmeldung geben, dass Deine Darstellung der Situation hier aus meiner Sicht einiges dazu hergeben würde. Wie sehr das von Dir Geschriebene aber nun Deiner wirklichen Situation entspricht und wo ich wieder etwas missverstanden, falsch interpretiert oder zu wörtlich genommen habe - wie gesagt, ich ringe nicht darum, ich gebe Dir nur ein Feedback wie das hier im Forum auf mich wirkt.

    Es geht hier aus meiner Sicht nur um eine Mischung aus Informationen und Anregungen, aus denen Du Dir dann selbst das Bild zusammensetzen musst. Ich wünsche Dir ein gutes Händchen.

    Gruß Susanne

    Noch ein letzter.

    Schon der Unterschied zwischen den beiden Sätzen kann das ja vielleicht verdeutlichen

    "Du regst mich auf"
    oder
    "Ich rege mich über Dich auf"


    Im ersten Fall weise ich dem anderen die Verantwortung zu, aber ich bin auch darauf angewiesen, das der Andere etwas macht, damit ich meinen Stresslevel wieder herunterfahren kann. Ich mache mich damit von dem, was der Andere tut, abhängig.

    Und ich weiß nicht, ob Du das kennst, oft muss der Andere nicht mal was Böses oder mit Absicht gemacht haben, damit man sich aufregt, irgendwas nervt einen halt.

    "Ich rege mich über Dich auf" verdeutlicht den eigenen Anteil. Und es stimmt sogar mehr, denn es ist das eigene Nervensystem, das in der Aufregung hochgefahren wird. Der Andere hat damit möglicherweise gar nichts zu tun. Und es ist auch das eigene Nervensystem, das einem das Stressempfinden vermittelt.
    Küchenpsychologie, aber manchmal helfen solche Bilder.

    Ja. Damit kommen wir aber auch wieder an den Punkt: Du kannst Dich den ganzen Tag damit beschäftigen, Dich darüber aufregen und im Prinzip fast nichts anderes tun, als Dich geistig mit seiner zu Trinkerei beschäftigen und er kann immer Möglichkeiten finden, trotzdem weiter zu trinken. Und er wird sie auch finden, wenn sein innerer Druck groß genug ist. Wie Dir Dietmar gestern geschrieben hat, der Süchtige betrachtet Alles als seinen Feind, was ihm die Flasche wegnehmen will. Auch die Ehefrau.

    Und genau deswegen ist eben wieder der Punkt, wie kannst Du damit umgehen, dass Dich das nervt, dass es an Deine Lebensfreude geht etc., wenn Du dir bewusst machst, dass Du an IHM praktisch nichts ändern kannst, so lange von ihm nichts kommt. Die Trinkpausen macht er ja auf Deinen Druck hin schon länger immer mal, wie Du schreibst, und du musst - In Deinem eigenen Interesse - ja damit rechnen, dass es nicht besser wird. Wenn Du Dich nicht trennen willst, brauchst Du ja dann wenigstens einen anderen Umgang damit, der Dich nicht so viel Kraft kostet und DIR mehr Lebensfreude verschafft.

    Es ist kein MUSS, das man sich darüber aufregt und sich die Laune verderben lässt. das ist Deine Einstellung dazu. Um es mal ganz überspitzt auszudrücken, ich weiss natürlich dass das Alles Andere als einfach ist. Aber da dran zu arbeiten würde vielleicht irgendwann Fortschritte bringen, denn ändern kann man nun mal nur sich selbst - und das ist schon hart genug.

    Bin jetzt mal weg. Gruß Susanne


    Okay. Also Schnaps trinkt er nicht. Ab und an mal. Aber Bier ist sein Hauptgetränk.
    Das würde ich auch riechen... Find ich. Es verfliegt erst so nach einigen Std und das bringt ja eh nix nix..

    Ich habe nicht behauptet, dass er das macht.

    Du hast gefragt, ob das möglich wäre. Es ist möglich. Und ich bin überzeugt, Du wärst genau so zu täuschen wie allen anderen.
    Wenn Dich jemand kennt, findet er heraus, wo die Punkte sind.

    Noch was, bevor ichs vergesse:

    Du solltest nicht vergessen, dass Dich Dein Mann ja auch kennt, dass Du unter Beobachtung stehst und dass er Dein Verhalten vielleicht genau so kontrollieren möchte wie Du seins. Er steht ja auch vor dem kleinen Problem, dass er einerseits gerne trinken will oder auch muss, aber bei allem Stress Familie und Ehefrau trotzdem gerne bei der Stange halten möchte. Und in seinem Kopf rattert es womöglich genau so wie in Deinem, nur hat er halt ein anderes Ziel als Du.


    Frage am Rande : gibt's Alkohol, den man nicht riecht?

    zumindest kann ein geübter Trinker mühelos eine halbe Flasche Schnaps mit "Einem Bier" maskieren, Du denkst dann er hat nur ein Bier.

    Aber auch das kontrollieren zu wollen, Flaschen zählen, etc, zählt leider nur zu den fast anrührenden und vergeblichen Versuchen, das Verhalten des Anderen irgendwie in den Griff zu kriegen. Irgendwo hast Du vielleicht schon mal gelesen, dass Alkoholiker zu den besten Schauspielern gehören, die man sich vorstellen kann..wenn die Sucht voll zuschlägt, können Trinker extrem erfindungsreich werden.

    Ich denke, da wird hier noch jemand was dazu schreiben.

    Gruß Susanne

    Zu dieser Ehrlichkeit noch was. Das lässt sich ja nachvollziehen, wenn man sich mal in seine Position versetzt.

    Die ehrliche Aussage von ihm wäre ja, dass er trinken will - ohne Wenn und Aber.

    Das willst Du aber nicht hören und wenn er das so sagt, kriegt er Ärger und Stress mit Dir. Er will in der Beziehung aber wahrscheinlich auch seine Ruhe haben. Jetzt wirst Du vielleicht sagen, ja, wenn er seine Ruhe haben will, dann soll er halt weniger trinken, dann lasse ich ihm ja seine Ruhe - aber genau das fällt ihm ja auch extrem schwer, falls er sich schon auf eine Sucht zu bewegt oder er sogar schon so weit ist, und damit steht er wieder unter Druck. Er kommt ja nirgends aus und weil er selbst kein Entkommen sieht, entwickelt er ein Ausweichverhalten...dazu gehört Lügen.
    Aktive Trinker sind meistens eh nicht allzu stresstolerant, weil Alkohol das Nervensystem angreift. Also weicht er Dir aus.
    Wenn Du ihn noch mehr unter Druck setzt, wäre ein relativ gewöhnliches Verhalten, dass er irgendwann heimlich trinkt, irgendwo mit einem Vorwand kurz verschwinden muss und einen Flachmann reinzieht, damit Du gar nicht merkst, wie viel er trinkt. Muss nicht sein, wäre aber "Suchtnormalität".

    Also das gehört zu seiner Entwicklung, seiner möglichen Krankheit, und wenn Du Dich darüber aufregst, ist das zwar verständlich, es hilft aber so viel wie wenn Du Dich über eine Grippe oder übers Wetter aufregst.

    Dazu kommt, dass auch normale Erwachsene tricksen, wenn man sie zu etwas drängen will, was sie nicht wollen.

    Abgesehen habe ich noch niemanden kennengelernt, der sich ungefragt sagen ließ, dass er abhängig ist oder sich darauf zubewegt. Das will niemand hören. Folglich kämpft er damit auch um sein Bild, dass er von sich selbst haben will. Denn die Erkenntnis, abhängig zu sein, braucht auch beim Betroffenen, bis er das zulassen kann - wenn es überhaupt dazu kommt, manche machen sich bis auf den Friedhof etwas vor oder sie kommen zu dem Schluss, dass sie sowieso lieber weiter trinken, weil sie sich vom Aufhören keinen großen Gewinn an Lebensqualität erhoffen. Und selbst der freundlich gemeinte Hinweis" Du trinkst zu viel" wird auch von vielen Nichtabhängigen als Beleidigung wahrgenommen.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,


    Nur merke ich leider dass du mich nicht ernst nimmst. Musst du ja aber auch nicht.


    ich habe Dich sogar so ernst genommen, dass Du mir zwei mal geschrieben hast, ich soll nicht alles so wörtlich nehmen. Erst auf Deine Aussage hin, dass Du manches nicht so meinst, und Deiner eigenen Relativierung der ganzen Geschichte wusste ich selbst nicht mehr so ganz, was Du eigentlich willst und wie sehr Du Dich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen willst.
    Da brauchst Du Dich aber nicht dafür zu entschuldigen, ich lebe noch und ich denke auch, dass Angehörige in ihrem Hin- und Hergerissensein oft gar nicht anders können, so dass ich das sowieso nicht persönlich nehme.

    Jetzt bist Du mit Wolfsfrau ja in einem ziemlich guten Dialog, wie ich das empfinde. Ja, und ich will nicht schon wieder als Miesmacher da stehen, aber ich kann Dir wegen dem "Beweisen-wollen" und den Trinkpausen leider auch wenig Hoffnung machen. Ich habe selbst ja auch schon mehrmals mit angesehen, dass Trinkpausen Teil der "ganz normalen" Suchtentwicklung sind, dass die Sucht deswegen trotzdem immer schlimmer wird, dass dann wieder Enttäuschungen folgen, leere Versprechungen und sich die Angehörigen an diesen kleinen Hoffnungsschimmern immer verzweifelter festhalten.
    Manchmal geschieht ja tatsächlich ein "Wunder" und bei dem trinkenden Angehörigen schnackelt es irgendwann und er setzt selbst Alles daran, aufzuhören. Aber weil Sucht eben so ein schwieriges Thema ist, auch und gerade für den Betroffenen selbst, muss er das dann auch zuallererst für sich machen, damit er die allfälligen Schwierigkeiten überhaupt überwinden kann.
    Danach (nach diesem Schnackler) sieht es aber, leider, bei Deinem Partner momentan überhaupt nicht aus, falls Du eine ehrliche Rückmeldung einer Außenstehenden haben möchtest. Und es gibt leider auch keine Möglichkeit, diesen Schnackler dem Betroffenen (dem Trinker) von außen zu vermitteln, das haben schon sehr viele Leute versucht und Liebe zählt da leider überhaupt nichts.
    Was Dein Partner jetzt vermutlich macht, ist die Tage zählen, bis er Dir das bewiesen hat und bis er endlich wieder "darf", und weil er dann ausgehungert und gierig ist, wird es auch nicht lange dauern bis er wieder richtig "zuschlägt". Und auch das ist ein Grund, warum Du aufpassen solltest, dass von Deinem eigenen Leben noch etwas übrig bleibt, wenn Du mit ihm nicht untergehen willst.

    Ich lege Dir ans Herz, hier Geschichten von anderen Angehörigen zu lesen oder wie schon erwähnt, in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu gehen. Dort triffst du Leute, die genau diese Erfahrungen, die Du gerade selbst machst, auch gemacht haben. Das hilft nicht nur, mit dem Problem nicht ganz alleine dazustehen, sondern auch, und das finde ich persönlich am wichtigsten, das "Prinzip" solcher Beziehungen besser zu verstehen und die Tragweite des ganzen Themas zu begreifen. Und ich habe das Gefühl, das wirst Du dringend brauchen können.

    Gruß Susanne

    Kann sein, dass Du für Objektivität dankbar gewesen wärst.
    Nur bin ich von Dir schon weg, weil ich den Eindruck hatte, dass von dem, was ich Dir bisher sagen wollte, auch wenig bei Dir angekommen ist. Und Ich bemühe mich nicht um Leute, die nach nem Satz mit der Vollkatastrophe dann damit kommen, dass das nur so dahergesagt war, weil sie ein bisschen dramatisieren wollten.

    Also entweder ist es schlimm, dann brauchst Du Hilfe, oder es ist nicht so schlimm und Du machst nur ein bisschen Show, dann kann das den Leuten (in dem Fall mir) hier völlig egal sein, was Du willst.

    Das Verletztsein als Helfer ist wahrscheinlich wenig zielführend, denn das Jammern beherrschen Alkoholiker genau so gut wie die Angehörigen. Und sehr oft ist es ja so, dass wenn man dann gesagt kriegt, dass - und evtl was- man tun müsste, um die Situation substantiell und dauerhaft zu verbessern, ist plötzlich alles nur noch halb so schlimm, man hat es ja eigentlich im Griff und kann noch ein paar Jahre so weiter wursteln.

    Ich glaube, das Gejammer dient hauptsächlich der Suche nach Bestätigung, das Andere oder die böse Welt an der eigenen unbefriedigenden Lebenssituation schuld sind. Wenn mein(e) Partner(in) doch nicht so doof wäre, seht Ihr das auch so..das beherrschen beide Seiten unisono und deswegen passen sie ja vielleicht so gut zusammen.

    Seis drum. Jede(r) darf fragen, keiner muss Rat(schläge) umsetzen und jeder darf seine(ihre Beziehung gestalten, wie er/sie möchte. Und jeder, der sich das Gejammer nicht anhören will, darf sich auch umdrehen und das Problem bei demjenigen lassen, der es vielleicht hat. Die/derjenige muss es ja auch ausbaden, wenn sie einen Fehler macht. Ich kann ja viel leichter aus ihrem Leben verschwinden als sie selbst das kann.

    Mir ist jedenfalls bewusst, dass ich mich auf die Fragestellerin nicht hätte einlassen müssen. Die Logik, dass sie sich ja entschieden hat, das bei ihrem Partner mit anzugucken, und dass sie das ihm nicht zum Vorwurf machen kann, gilt ja für mich genau so. Ich kann ihr das auch nicht zum Vorwurf machen, dass ich darüber nachdenke, ich hätte ja auch baden gehen können. Habe mich offensichtlich aber auch so entschieden.
    Ich kannte einige Partnerinnen von Alkoholikern, die dabei geblieben sind und immer irgendwie unglücklich wirkten. Natürlich will sich das Gejammer irgendwann keiner mehr anhören. Aber ob sie so viel glücklicher geworden wären, wenn sie alle Ratschläge befolgt hätten, weiß ich auch nicht. Ich bin ja auch nicht überzeugt davon, dass ein Alkoholiker glücklicher wird, der nur auf Druck von außen aufhört. Wie ich neulich wo geschrieben habe, ich kannte Alkoholiker, die wussten, wo es hinführt und sie haben trotzdem lieber weiter getrunken. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, sagte man früher dazu. Warum soll ein Angehöriger das nicht auch machen können. In dem Fall hier weiß Leonie jetzt vielleicht besser als vorher, was auf sie zukommen kann, aber sie nimmt es in Kauf. Ist vielleicht momentan einfacher, als alles umzubauen, und ihr gutes Recht. Und ganz ohne Zynismus - vielleicht passiert ja auch irgendwas, was ihr das Problem irgendwann aus der Hand nimmt. Kommt ja oft genug vor. Sie braucht ihm ja nur genug auf den Sack gehen, dass er plötzlich eine Andere hat..oder sonstwas. Oder sie leben halt so weiter. Alles möglich..
    Jedenfalls muss ich auch nicht jedes Problem lösen. In dem Fall ist es ja nun wirklich nicht mein Problem. Warum soll ich es dazu machen, indem ich verletzt wäre?

    Gruß Susanne


    Was ist jetzt schlimmer.. Zu können aber nicht zu wollen
    Oder zu wollen aber nicht zu können. Es sehe noch ein kleines bockiges Kind in ihm. Zudem ist er Sturr wie ein Esel (Widder)..

    lies mal Geschichten von Alkoholikern. Viele haben lange geglaubt, dass sie jederzeit aufhören könnten, bis sie es (aus irgendwelchen Gründen) mal ernsthaft probiert haben. Erst da haben manche gemerkt, wie sehr sie den Stoff brauchen. Von daher denke ich, dass Du das sowieso nicht wissen kannst, denn Du steckst ja nicht drin.

    Ein Partner, den man als kleines Kind sieht..und Du Dich als Erziehungsberechtigte (seine Mami)? Vielleicht hättest Du ja ein viel größeres Problem, wenn er mal erwachsen würde und seine Mami nicht mehr bräuchte. Ich glaube, das wird jedenfalls auf keinen Fall einfach.

    Meines wäre es jedenfalls nicht, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

    Gruß Susanne

    Von "doof rumhocken" habe ich nicht gesprochen. Für mich hat das mehr was vom Kaninchen, das wie gelähmt (hypnotisiert) vor der Schlange sitzt. Statt zu laufen, guckt es die Schlange an.

    Ich kann das nicht beurteilen, was Du alles machst. Von den paar Sätzen, die wir hier schreiben, kenne ich ja nicht Dein ganzes Leben.
    Wenn Du halt schreibst, das geht schon seit Jahren so, tue ich mir einfach schwer, Fortschritte zu erkennen. Und wenn Du schreibst, Du bist total am Ende, was ist dann der nächste (Fort-)Schritt? Heute stehst Du am Abgrund, morgen bist Du einen Schritt weiter?

    ich kann Dir nur sagen, pass auf Dich auf. Alles Gute.

    Gruß Susanne


    Und ja, es geht ihm schlecht mit der Situation. Er kann nicht mehr mit dem Gemecker leben. Ich wäre ja nuuur unzufrieden, alles an ihm wäre schlecht. So drückt er es aus.

    OK so weit. Ihm geht es schlecht, Dir geht es schlecht. Es KÖNNTE zwar anders sein, aber es IST so, wie es ist.

    Ich frage, ob der andere überhaupt aufhören will, weil es für mich einen Unterschied macht, ob da überhaupt irgendeine Übereinstimmung im Punkt Alkohol zwischen den Partnern besteht oder auch nicht.
    Beziehungen entwickeln und bestehen ja zwischen Einzelpersonen mit unterschiedlicher Vorgeschichte, jeder hat eigene Ziele und eine eigene Entwicklung. So was kann sich ja auch auseinander entwickeln.

    In Deinem Fall würde ich fast sagen, Du brauchst Dich gar nicht mit seiner Sucht beschäftigen, denn dass er nicht aufhören will, könnte er auch entscheiden, wenn er nicht süchtig wäre. Es ist halt einfach nicht verboten, sondern Verhandlungssache zwischen Euch, und er scheint seine Entscheidung ja getroffen zu haben. Das sehe ich jetzt ganz unabhängig davon, ob er überhaupt aufhören könnte. Denn bevor sich diese Frage stellen würde, müsste er ja erst mal wollen, dann könnte er/Ihr sich/euch immer noch mit den Schwierigkeiten beschäftigen, die dann auf ihn/euch zukommen würden. So lange er das gar nicht will, ist das kein Thema..

    Ich sehe es aber auch so, das Du Dich entschieden hast, das mit anzugucken. Du hast auch Deine Argumente, warum Du ihn nicht verlässt, aber dennoch - es ist Deine Entscheidung. Das, dass Du bei ihm bleibst, obwohl es Dir reicht, kannst Du ihm nicht vorwerfen, sorry. Du hättest auch Möglichkeiten, das zu ändern.
    Egal wie schwierig das für Dich wäre - so hockst Du halt in der Situation und Du hockst und Du hockst...Du wartest auf etwas, was vermutlich nie passieren wird, und verpasst es, Dich da zu bewegen, wo Du dich bewegen könntest. Weil Du mit dem Kopf nur bei ihm bist und nicht bei Deinen eigenen Anteilen, da bin ich ganz bei Dietmar.
    Verstehst Du, was ich meine?

    Gruß Susanne