Beiträge von Susanne68


    Wer kennt das nicht, das ihm ein bestimmter Name, Begriff oder Sachverhalt gerade nicht präsent ist, Stunden oder auch ein zwei Tage später aber ist er da, taucht wie aus dem nichts auf.

    das geht ja noch sehr viel weiter und tiefer. Das gesamte Selbstbewusstsein beruht im Kern auf den Rückmeldungen der verschiedenen Sinnesrezeptoren im ganzen Körper. Augen, Ohren, Lagerepeptoren, Schmerzrezeptoren, Tastsinn, Geruch. Die Hirnzentren, wo das zuerst ankommt, hatten aber schon Fische und Amphibien. Und das meiste davon läuft absolut vollautomatisch und auch im Schlaf. Was bewusst wird, sind schon sehr weit fortgeschrittene Verarbeitungen dieser Signale. Gesichter z.B. Und alles vom Hirn gesteuert, Körpertemperatur, Herzschlag, Verdauung, Atmung. Du kannst gar nicht bewusst verdauen. Und wenn Du Dich anstrengst, beschleunigt sich die Atmng ohne jedes bewusste Zutun. Die Rückmeldung sagt Dir aber, dass was los ist und das Du was fühlst.

    Und alle unsere kognitiven Leistungen bauen darauf nur auf. Aber wenn Du z.B vollautomatisch beim Fluchtreflex Stresshormone ausschüttest, dann kriegt das die Amygdala mit dann spürst Du z.B. Angst. Lebensunwichige Systeme werden heruntergefahren, damit alles der Fluchtreaktion zur Verfügung steht. Der erregungszustand steigt.
    Die Angst und die Stressreaktion kann aber auch dadurch erst entstehen, wenn Du eine Situation als angsterregend bewertest. Also von oben durchs Bewusstsein. Aus Erfahrunen heraus, z.B. oder auch nur durch Vorstellungen, Einbildung. Und jede Erfahrung, die Du machst, wird auch unbewusst bewertet, ob die Situation gefährlich ist oder nicht. wie Du reagieren solltest. Und das muss ja manchmal schnell gehen, deswegen wird es automatisiert..ist schneller als erst lange nachdenken zu müssen. Da kann Dich der Löwe ja schon gefressen haben, wenn Du erst nachdenken musst.

    Und Ängste werden auch unbewusst stärker gewichtet, weil in einer angsterregenden Situation eher was Schlimmes passiert als in einer Wohlfühlsituation. Diejenigen, die sich nicht entscheiden konnten, hat der Löwe längst gefressen, die haben sich nicht weitervermehrt. Also die Evolution hat das optimiert, damit man Nachkommen produzieren kann.

    Nur haben wir halt heute die Gelegenheit, uns mit Dingen umzubringen, die unmittelbar gar nicht gefährlich aussehen. Und Alkohol ist auch noch so freundlich, das wir meist schon vorher Kinder haben können..wird also nicht selektiert. Und in kleinen Mengen, die es früher gab, förderte er den Zusammenhalt und die Geselligkeit und zeigt noch früher sogar sehr kalorienhaltige Nahrung an. Denn zum Gären brauchts Zucker, die Hirnnahrung, und auch das zieht uns an.
    Dass man Säufer werden kann, gibt es ja erst, seit dem man auch genügend Alkohol produziert. Im Grund eine Zivilisationskrankheit. So lange es nur alle Jahre vergorene Früchte gab, passierte ja nichts.


    Immer bei Vermeidung zu bleiben, KANN allerdings dazu führen, dass ein gewisses Problem noch größer wird. Ich denke da an das Phänomen oder Symptom der „Generalisierung von Angst“.

    es ist nicht nur das. Das immunsystem muss beispielsweise trainiert werden. Sonst kann es mit vielen Erregern nicht umgehen. Und es gibt interessante Verbindungen zwischen Immunsystem und Stresssystem und Bewusstsein.
    Das gleiche betrifft die inneren Erwartungen und z.B das Priming. Ja, da gehts dann schon in die Richtung "die Angst vor der Angst"...und auch da drum, dass sich Körper und Geist auch auf Erwartungen einstellen können, und zwar physiologisch. Manche Drogen sind in bekannter Umgebung ungiftiger als in fremder Umgebung, auch was die tödliche Dosis angeht, wusstest Du das?

    Wird mir für heute aber etwas zu viel.


    Hast du dich auch mal näher mit der Entstehung von Traumata beschäftigt und Traumabewältigung?

    nicht so wirklich. ich hab aber irgendwann mal gemerkt, dass ich mich selbst überhaupt nicht spüre. Dass ich gar keinen Bezug zu meinen Gefühlen habe. Dass ich mich in lebensgefährliche Situationen bringen muss, um überhaupt zu merken, dass ich leben will und das mir das doch nicht so ganz egal ist. So beim Klettern z.B mein persönliches Rätsel: werde ich mich anstrengen, wieder runterzukommen, oder ist mir das auch egal, wenn ich runterfliege? Und das war nicht nur ein Psychospielchen, sondern ich bin auch geflogen. Und natürlich schon da, wo die nächsten 40 Jahre keiner hinkommt, wo also nicht damit zu rechnen war, dass mich jemand findet.

    Ja, oder auch beim Saufen. Dauerte lange, bis ich überhaupt merkte, wie beschissen es mir schon lange ging. Das ist mir zum größten Teil erst aufgefallen, im Rückblick, als ich aufhörte, wie oft ich da gehangen war. Im Währenden hatte ich das immer gleich verdrängt. Mir war das die ganzen Jahre gar nicht wirklich bewusst oder ich konnte mich gleichgültig drüber unterhalten, wie wenn das einen ganz anderen Menschen nur betroffen hätte. Einen, den ich gar nicht kannte und der mir weitgehend egal war.

    Ich musste mich lange in Situationen bringen, auch in sehr kritische Situationen, auch zwischenmenschlich, damit ich anschliessend mein eigenes Verhalten reflektieren konnte, um überhaupt einen Ansatz zu kriegen, was in mir drin vielleicht so los sein könnte. Also eigentlich ja auch eine Art Dissoziation. Weil wenn ich so im Normalzustand in mich reingeguckt habe, war da nur Leere.

    Wie nennt sich das heute? Belastungstrauma? Ja, ich hab mich auch lange totgestellt. Bloß nicht die Aggressionen meines Alten wecken und solche Dinge. Immer schön unter dem Radar bleiben...

    Und im übrigen angeborene Verhaltensweisen, die sich willentlich kaum steuern lassen, da sie ausgeführt werden, bevor das Bewusstsein überhaupt zum Denken kommt.

    Die sich aber trainieren lassen, wie das Training von Rettungsdiensten und Soldaten oder überhaupt von Risikoberufen zeigt. Oder kognitive Verhaltenstherapie bei Phobien.
    Bis zu einem gewissen Grad halt. Der Knackpunkt ist der, erst zu denken und dann zu handeln, und das muss eben trainiert werden, dass Du nicht gleich wegrennst oder hochgehst, sondern erst mal die Situation erfasst. Und dummerweise steht das Bewusstsein im Verdacht, nur diese Dinge aufmerksam zu betrachten, die das Unterbewusste nicht selbst erledigen kann. Suchtdruck "kann" das Unterbewusste, das Denken musst Du einschalten, um dagegen zu halten. Das ist zumindest der Punkt, wo es zum Rückfall aus heiterem Himmel kommen kann. Aber genau dabei hilft eben Übung und grade nicht zwanghafte Risikovermeidung.

    Trotzdem bleibts die eigene Entscheidung, in der extremen Spannngssituation zur Kippe zu greifen. Weil da denkst Du ja anscheinend vorher. Ja, eben, was würde passieren, wenn es da weit und breit keine Kippen gäbe? Sterben würdest Du da dran wohl nicht.

    Wie schnell muss man laufen, um dem Löwen zu entkommen? Schneller als der Nebenmann...


    bin ich überaus vorsichtig, hauptsächlich auf die sogenannte „Innere Einstellung“ als Erklärung für mehr oder minder auftretenden Suchtdruck zu setzen

    ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass Rückfälle nur deswegen passieren, weil es Leuten an er inneren Einstellung mangelt. Oder am Willen. Oder weil sie zu blöd sind, es zu lassen. Ich hab mich lange damit beschäftigt, warum es so schwierig ist, sich zu ändern. Vielschichtiges Thema. Und fängt schon in der Schwangerschaft an mit der Regulation des Stresssystems, Bindungssicherheit, Interaktionen pipapo.

    Was mir mal eine zeitlang geholfen hat, war, mich geistig in Leute zu versetzen, die sich in einer Zwanglage befinden, in der sie selbst nichts mehr machen können. Im Krieg. Nach Naturkatastrofen. Nach Unfällen. Z.B.

    Die können sich ja nicht einfach wegmachen. Weil es keinen Alkohol gibt und keine Kippen. Und nicht "ja, aber". es git Situationen da ist das nicht erreichbar.Weil sie gefesselt sind. Weil sie sich nicht bewegen können. Weils einfach nichts gibt weit und breit.

    Und da ist es eben so, dass der Körper in lebensgefährlichen Situationen auf Ressourcen zurückgreifen kann, von denen wir Wohlstandsbürger (und das sind wir alle, und grade als Alkis, denn dazu muss es den Alk ja erst mal geben) kaum mehr was ahnen. Wir können ja nur deswegen zum Alk und zur Kippe greifen, weil wir sie überhaupt haben.

    Womit ich das nicht kleinreden will. Aber rein von der Sache her ist es eben so, es geht auch anders..wenns unbedingt muss.

    Übrigens auch:
    gottserbärmilich fluchen
    Scheisse schreien
    wie ein Rohrspatz schimpfen

    vor ein paar Monaten einen Artikel gelesen, dass das z.b bei unerträglichen Schmerzen nachweislich hilft, es besser auszuhalten, wobei ich da einen Unterschied zwischen Dauerschmerz und dem momentan Schmerz machen würde, wen Du dir auf den Daumen haust.

    Aber was blieb mir denn anderes übrig, als einfach auszuhalten, als ich wegen meinen anderen Baustellen Dauerkrämpfe, Dauerschmerzen, Dauerschlaflosigkeit hatte? Wenn jedem Arzt erst mal das Gesicht runterfällt, wenn Du aus dem CT kommst? Da haben Sie ja nicht gekleckert, sondern geklotzt. Shit happens Da ist nix von wegen Techniken. Aushalten, schimpfen, Punkt. Mir doch egal, wie das aussieht.

    Und schon viel früher hatte ich mir beim Schifahren das Bein gebrochen. Und lag da verdreht auf der Piste, bis ich irgendwann abtransportiert wurde. Ein wahnsinniger Schmerz. Da hab ich geflucht wie ein Rohrspatz, in einer Tour. Was hätte ich sonst auch schon tun können?


    Was das Rauchen betrifft, so habe ich schon eine Ewigkeit klar vor Augen, was das in meinem Körper anrichtet und meine etlichen Unterfangen, damit aufzuhören, waren zweifellos immer sehr ernstlich und ich habe sehr, sehr viel Energie darein investiert, von dieser Sucht wegzukommen. Und wenn ich‘s geschafft hatte, hatte ich stets die feste Überzeugung und den Willen, nie wieder mit der Qualmerei anzufangen.
    Ich hab‘s vor einiger Zeit endlich wieder geschafft, aus dieser Sucht auszusteigen. Ich hoffe, dass ich damit nun wirklich endlich durch bin. Die Chancen stehen nach allem, was ich inzwischen erreichen dürfte, ziemlich gut.

    Rückfällig wurde in in den letzten Jahren immer dann, wenn ich völlig unerwartet unter höchste psychische Anspannung geriet. Unter einen Druck, der jedes Mal so groß war, dass ich das Gefühl hatte, ihn keinen Moment länger aushalten zu können. - Wer sowas schon mal erlebt hat, weiß, wovon ich spreche…. - In solchen Situationen hat bislang jedes Mal keines meiner eingeübten Werkzeuge geholfen. Ich wusste, was passiert, wenn ich auch nur eine rauche, aber in solchen Situationen war mir „das Hemd näher als die Hose“.

    wenn das wieder auftritt, einfach nur warten und weiteratmen. Bis es vorbei geht. Es geht vorbei.

    ich meine, bei mir war das anfangs extrem. Ich hab ernstlich drüber nachgedacht, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, damit ich bewusstlos werde und das somit aufhört. Aber es ging vorbei. Und das wusste ich. Es geht niemals ewig.

    Ich will das jetzt gar nicht lange ausführen, aber ich war lange auf dem Standpunkt, wenn es mein Leben ist und ich dafür verantwortlich, wer zwingt mich dann dazu, es so gestalten, wie es Andere gut finden würden? Warum muss ich leisten, warum sollte ich Pflichten haben, warum soll ich überhaupt auf mich aufpassen, wenn es mir persönlich doch eigentlich wurscht ist, was passiert? Wenn ich mich kaputt saufen will, dann ist das doch wie mein Spielzeug, das eben kaputt geht? Ist doch mein eigener Einsatz, kann ich doch damit machen, was ich will.

    Wenns mir gehört, bin ich doch auch frei, es wegzuwerfen.

    Also Verantwortung heisst für mich nicht zwangsläufig, gut darauf aufzupassen. Da muss man dann vielleicht zuerst auch noch so was wie Todesangst enwickeln oder zumindest das Gefühl, dass das eigene Leben kostbar ist. Das hatte ich früher nicht oder nur manchmal. Meist war mir mein eigenes Leben eher lästig. Und dann wollten andere Leute, dass ich besser auf mich aufpasse. Konnte nicht gut gehen.

    Es geht auch sonst ein bisschen drum, was ich selbst in der Hand habe.

    Ich meine, ich bin nur eine Einzelperson, und wo sich die Gesellschaft hinbewegt, entzieht sich weitgehend meinem Einfluss. Hier und da ein bisschen, aber selbst Mächtige müssen sich mit den Umständen arrangieren. Frag mal Putin, ob er sich das so vorgestellt hat...wenn er je ehrlich sein sollte.
    Und da ist es eben die Frage, was nützt mir die Möglichkeit, dass die Gesellschaft in 50 Jahren anders tickt (schätze ich mal frei), wenn ich bis dahin sehr wahrscheinlich gar nicht mehr lebe.

    Wenn ich heute trocken werden möchte, ist es auch völlig egal, wie sich das entwickelt. Jetzt ist erst mal nur Jetzt.
    Und ich habe auch nur ein eniziges Leben, wenn ich das nicht rette, weil irgendwem ein Furz quer sitzt, ist es halt weg.

    Diese Begrifflichkeit von dir, Susanne?
    Ich bin irritiert. ;)
    Die kenne ich eigentlich aus einer anderen Ecke….

    als ich noch frischer trocken war, haben wir alles mögliche diskutiert. Auch nasses Denken. Ich musste schliesslich auch umdenken.

    Nasses Denken beinhaltet für mich z.B., wenn ich die Verantwortung für mein Trinken nicht in mir selbst suche, sondern immer noch irgendwie die Umwelt dafür verantwortlich mache. Und da kommt "Gesellschaft" und "Werbung" oder auch der pöse Ehepartner halt ziemlich schnell bei mir.

    Weil ich solche Dinge nämlich vorgeschoben habe, als ich unter Druck gesetzt wurde, aufzuhören "geht doch gar nicht anders, machen doch alle"..der ganze Rattenschwanz der da dran hängt. Ich hab auch , wie viele, versucht, die Verantwortung von mir abzuschieben. Und das ist schon ein Punkt, der beim Trockenbleiben wichtig sein kann. In Wirklichkeit war es meine Entscheidung, die Probleme mit Alkohol angehen zu wollen. Oder mir besoffen einen schönen Tag zu machen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

    Im Wirklichkeit habe ich mich schon mein ganzes bewusstes Leben lang Dingen wiedersetzt, die ich nicht wollte, nur bei Drogen und Alkohol und beim Klettern habe ich aus freien Stücken "Hier, her zu mir" geschrien. Ich musste mich ja schon fragen, warum machte ich ausgerechnet das so gerne mit, wenn ich ansonsten doch ganz easy absolut widerspenstig sein konnte??
    Und das kam definitiv aus mir selbst, weil ich die Wirkung mochte. Mich dazu zu bekennen, dass ich das ja so wollte, half mir, auch das Aufhören selbst in die Hand zu nehmen. Ausserdem, meinen Frieden damit zu machen, wollte ich damals so, passt schon. Hab ich jedenfals so empfunden.
    Und egal, wie ich angefangen habe, als ich aufgehört habe, war ich keine 13 mehr, sondern wusste sehr viel mehr vom Leben und hatte auch eine wesentlich stärkere Persönlichkeit. Also die Verantwortung abschieben auf Elternhaus, Gesellschaft, Werbung, war da nicht. Ich war ja längst selber groß.

    Ich war während meiner gesamten Saufzeit davon überzeugt, dass ich kein Alkoholiker bin, weil ich noch Trinkpausen machen konte.

    Denn mir wurde beigebracht, ein Alkoholiker ist jemand, der jeden Tag schon vom frühen Morgen her trinkt und der ausserdem so kaputt ist, dass er keiner geordneten Arbeit mehr nachgehen kann. Und mir wurde schon im Elternhaus beigebracht, dass die armen Schweine dann nicht mehr "dürfen" und dass kein gesunder Mensch freiwilig verzichtet. Nur (Geistes, Alkohol-)Kranke müssen das lassen. Für meine beiden Eltern war es unvorstellbar, das jemand freiwillig keinen Alkohol trinkt. Das ging noch Jahre, nachdem ich aufgehört hatte, so.

    Nebenbei, ich kannte auch einige Leute, auf die genau das zutraf, morgens erst mal der Flachmann statt Kaffee. Erst mit 2 Promille überhaupt fahrtüchtig. Und auf mich traf es eben nicht zu. Nicht jeden Tag und nie tagsüber. Aber wenn ich gesoffen habe, mich mehrmals in lebensgefährdende Situationen gebracht, weil ich einfach nicht mehr wusste was ich tat, gegen Wände geflogen bin etc. Bluthochdruck beim Kotzen. Also richtig besoffen, halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld. Meine Einstellung.

    Also hatte ich eben irgendein Problem, denn normal war das ja auch nicht. Ich wäre dran verreckt oder hätte irgendeinen saublöden Unfall gebaut oder mir das Hirn zusammengeschossen. Und das gestand ich mir eines Tages ein. Wie man das Kind nennt, war mir schietegal. Hauptsache aufhören, egal wie.

    Zu den Zeiten, als ich mit ca. 13 bis 15 angefangen habe, brauchte ich allerdings auch noch illegale Drogen. Und zwar genau deswegen, weil sie illegal waren. Das machte sie interessant. Alles, was erlaubt war, war ja irgendwie nicht so spannend. Und die Prohibition in Amerika hat ja auch gezeigt, dass deswegen nicht das Trinken aufgehört wird, sondern der Schmuggel aufblüht. Deswegen glaube ich sowieso nicht so recht an die gesellschaftlichen Veränderungen, was das angeht. Der Markt mit illegalen Drogen funktioniert wie geschmiert, trotz gesellschaftlicher Ächtung und ohne jede Werbung. Kaum ein Geschäft wirft mehr Gewinn ab.

    Das Einzige, was nachweislich was ändert, ist der Preis. Da gibts Untersuchungen in mehren Ländern, vor allem Skandinavien. Aber die wirklich Harten brennen dort halt schwarz. Ich war da auch schon dabei. Und das dünnt die Menge der Trinker schon auch aus, vor allem das tägliche gewohnheitsmäßige.

    Was das Rauchen angeht, neuere Zahlen zeigen, dass es wieder zunimmt. In Bayern gabs die Volksabstimmung, weil viele eben gegen das Rauchen in der Öffentlichkeit waren. Und beim Alkohol ist zwar der allgemeine Konsum etwas zurückgegangen, aber die Klinikeinlieferungen wegen Alkoholvergiftung haben sogar zugenommen.
    Ich würde mal sagen, das sind so Wellen. Und Alkohol hat auch andere Funktionen wie Rauchen und Spielsucht, nicht nur wegen der Belohnung, sondern auch wegen der Enthemmung. Mir sagte früher mal jemand, Trinker würden sich nur betrunken trauen, das Maul so weit aufzureissen, und das saß. Das musste ich nüchtern dann auch unbedingt können, das wollte ich so. Und an dem Spruch "in vino veritas" ist schon auch was dran. Ausserdem kann man so schön im Selbstmitleid versinken, ach die pööhhse Welt. Von daher ist der Thread hier ja fast schon "nasses Denken".
    Und im Übrigen ist Alkohol eine Arbeitsdroge, kein Zufall, dass Deutschland beim Konsum mit vorn dran ist. Früher immer in der Firma, Stress, gehen wir heute abend saufen, ist ja sonst nicht auszuhalten.

    Und wenn wir Glück haben, dann erledigen Klimaawandel und eine durchgeknallte KI das Problem noch, bevor die Gesellschaft so weit ist. Vielleicht schaffen wir uns ja insgesamt noch vorher ab.
    Also da müssen wir uns keine Sorgen machen.

    Ausserdem, was interessiert es mich, was die Gesellschaft tut, wenn ich mit dem Saufen aufhören will? Mein Suchtdruck kam definitiv nicht von aussen, sondern von innen. Ich hab gezielt gesoffen, und das oft auch gegen den Willen meienes Partners z.B. Dazu brauchte ich sicher keine Werbung.
    Und das ist aber auch so ein Punkt, den ich nicht wirklich verstehe. So lange man trinken will, ist es einem egal, was Andere drüber denken. Wenn man aufhört, sollen plötzlich alle mitmachen.
    Ich hab mit Sicherheit nicht aufgehört, um die Welt oder die Gesellschaft zu retten, sondern nur mich ganz alleine.

    Was die ewige Krankheit angeht, ich kenne Leute, die nach 15 Jahren Trockenheit noch stolz drauf sind, wenn sie ein Glas stehen lassen können, weil sie das wohl derartig antriggert.Das kenne ich bei mir nicht. Aber ich gehe davon aus, dass auch mein Stoffwechsel dahingehend an den Alkohol angepasst ist, dass ich bald wieder bei meiner alten Trinkmenge wäre, wenn ich wieder anfangen würde, oder noch drüber. Und diese Änderungen bleiben eben. Das betrifft zum Teil ganz banale körperliche Dinge wie den Leberstoffwechsel, der sich sehr schnell wieder auf die Toleranz einstellen würde. Und deswegen wars mir z.B. klar, das wird nicht nur eine Pause, sondern das ist dann mein zukünftiges Leben.

    Ich meine, nüchtern bin ich gesund. So wie ich keine Quecksibervergiftung habe, so lange ich kein Quecksilber zu mir nehme. Aber sobald ich wieder anfangen würde..deswegen ist es ja besser, wenns einem so leicht fällt.

    Und das ist genau der Graubereich, diese NieTho´s, die einfach nirgendwo angesprochen werden.

    ich hab grad wenig Zeit. Wöchte nur das einwerfen:

    Wer sucht sich überhaupt Hilfe?

    Ich persönlich meine, da gehören zwei Dinge dazu:
    erstens ein gewisser Leidensdruck und
    zweitens das Gefühl, es alleine vielleicht nicht zu schaffen

    Und um zu dieser Kombi zu kommen, müssen die meisten schon mal ziemlich lange und ziemlich viel getrunken haben, noch bevor sie ein Problem hatten.

    Die meisten von denen, die so zwischendrin hängen, probieren das erst mal jahrelang alleine.
    Wenn man sich Hilfe sucht, dann ist man meiner Ansicht nach schon längst in einem fortgeschrittenen Missbrauchs- oder Erkrankungsstadium und hat bereits die Erfahrung, das man alleine nicht weiterkommt. Es mag Ausnahmen geben, sind aber nicht viele.

    Und ich denke, das ist auch nachvollziehbar. Denn in der Regel möchten die meisten ja erst mal gar nicht aufhören, sondern nur erst mal ein bisschen mehr Kontrolle drüber. Und erst wenn das nicht funktioniert, und nach oft vielen Versuchen, es doch irgendwie zu kontrollieren, versucht man, aufzuhören.

    Man hört meiner Ansicht nach auch nicht auf, weil man sich Alkoholiker oder sonstwie nennt, sondern weil Saufen Konsequenzen hat, die sich ungut anfühlen. Da denke ich aber mehr an Führerscheinverlust, gescheiterte Ehen, Trockenkotzen als ans Wording.
    Dinge, die im Negativen mindestens genau so viel Gewicht haben wie im Positiven das Angenehme am Trinken.
    Und ich habe lange sehr gerne getrunken, ich bereue das eigentlich nicht. Erst ab einem gewissen Punkt wollte ich halt aufhören, sonst wäre das nicht schlimm für mich gewesen, ein Säufer zu sein. Säufer wäre ja ausserdem auch so eine alternative Bezeichnung, wenn Dir das besser gefällt. Ich sag auch schewrzweise Alki, genau weil ich weiss, das das einige hundertzwanzigprozentige ärgert. Aber ich darf auch lästern, ich bin schon so lange trocken das mir keiner was vormacht.

    Im übrigen ist es an den meisten Stellen völlig egal, wie man sich bezeichnet.
    Mir ist das nur von jenigem Forum und von den AA bekannt (Und AA sind nur eine einzige von vielen Selbsthilfeorganisationen) , dass man sich da üblicherweise als Alkoholiker bezeichnet.

    Wenns ums Medizinische geht, wird heute zwischen Missbrauch und Abhänggkeit sowieso nicht mehr unterschieden. Bei beidem kann man so viel trinken, das es gesundheitlich bedenklich wird und dass Kollateralschäden auftreten. Alkoholiker ist ein Begriff, der da kaum noch verwendet wird. Ist nur in manchen Köpfen noch nicht angekommen.

    Medizinisch heisst das auch ganz neutral F10.2, und das braucht man, weil man halt für die Abrechnung irgendeinen Schlüssel braucht.

    Und was den Lobbyismus angeht: der funktioniert nur deswegen so gut, weil die Werbung genau das bedient, was die meisten Leute wollen. Du musst nur mal zu einer Veranstaltung mit Alkoholwerbung einladen und alternatov ohne Alkoholwerbung. und dann siehst Du schon an der Zahl der Leute, die kommen, was wirklich interessiert. Nämlich Alkohol.

    Ohne Alkoholwerbung 50 Besucher, mit Alkoholwerbung das zehnfache. Ich habs ausprobiert. Es ist definitiv nicht so, dass "die Leute" unfreiwilig trinken.

    Und bei allem Ärgernis über die Bezeichnung, eine Abhängigkeit war bei Dir ja trotzdem gegeben, sonst wäre es ja überhaupt nichts Besonders gewesen, damit aufzuhören. Wäre ja nicht mal der Erwähnung wert gewesen, hättest Du einfach gemacht.


    Für heute schreib ich aber erstmal nicht mehr weiter - ich bin ziemlich groggy.
    Ich wollt Euch nur nen schönen Abend wünschen, meine Krallen ins Forum schlagen gedanklich und jetzt gibt's Sofa- Zeit.
    Vlg an Euch!
    CD

    Kein Problem.
    Ich bin auch nicht immer in Schreiblaune.
    Jetzt hatte ich grade ein paar Tage Zeit, aber die nächsten 10 Tage kommt nicht viel von mir.

    Bleib dran und machs gut. Sind ja noch Andere hier.

    Schönen Gruß
    Susanne

    Der Reihe nach von hinten.

    Der Nick...frag Greenfox oder AmSee, die haben Admin-und Moderatorenrechte, die können das ändern.

    Ein Thema kannst Du überall im Forum eröffnen. Wenn Du noch ein paar Beiträge schreibst, wirst Du wahrscheinlich für den internen Bereich freigeschaltet, da kann es auch nicht jeder lesen. Falls Du das so willst.

    Zitieren:

    Wenn Du auf "Zitat einfügen" gehst oder auf "Zitat" (je nach dem ob Du gleich zitierst oder schon in Deinem Beitrag bist)
    siehst Du, dass das Zitat mit z.B "["quote author=Cadamaro link=topic=2566.msg43748#msg43748 date=1680711439"]" beginnt und mit
    "[/quote]" endet.

    dazwischen steht der Text. Davon kannst Du Teile rauslöschen und Du kannst die Begrenzer kopieren und andere Teile des Textes wieder einfügen.

    Sieht dann so aus


    Wie zitiere ich Teile eines Texts untereinander, statt alles?

    Blablabla...

    So, dass ich einzelne Abschnitte aufgreifen kann und darunter antworten ?

    Wenn unverständlich, fragen.
    Im Übrigen kannst Du vor dem Abschicken des Beitrags auf "Vorschau" gehen und kontrollieren, ob es passt.

    Gruß Susanne


    Und rein rechtlich ist das Verhalten stellenweise arg an der Grenze zur unterlassenen Hilfeleistung.........Und das macht mich fuchsig. Nicht wegen mir selber, ich kann selber auf mich aufpassen und bin reflektiert genug selber mit mir klarzukommen, hoffe ich jedenfalls.

    Mir tun echt die Menschen leid die da ankommen und direkt vor den Kopf geschissen werden, wie ich ja auch. Na ja, aber hier ist es nett und mir gehts soweit gut, das ist auch schön :)

    Du musst Dir darüber im Klaren sein, das ist eine private Website, da haben die Betreiber Hausrecht (ich hatte selbst schon so ein Forum). Die müssen gar nichts, die können sich ihre Regeln selbst machen.

    Und auch díejenigen, die dort aufschlagen, sind für sich selbst verantwortlich. Wenn ihnen das nicht passt, müssen sie eben woanders hin. Wie in jeder Gruppe auch. Man muss seinen Arsch bewegen, bis man da ist, wo man hinwill.
    Und wenns den anderen hilft, die dort bleiben, und das scheint es zu tun, dann ist das eben so. Und schon gleich gar nicht mein Problem.

    Deswegen erzählen sie dort trotzdem ziemlich Schwachsinn manchmal, der medizinisch in der Suchtforschung längst widerlegt ist. Aber damit kommst Du da nicht durch. Also vergiss es. Mach Dein Ding.

    Fakt ist, keiner kann Dich zu was zwingen, was Du nicht willst. Weder dort noch hier. Ich geb keine Befehle, ich hab Meinungen.

    Du musst ja nichts von dem tun, was Dir jemand sagt.

    Es gibt aber eindeutige Zeichen, ob es passt, was Du machst. Du hast/hattest ein Problem und Du willst es lösen. Wenn es für Dich gelöst ist, liegst Du richtig. Wie Du das machst, ist Deine Sache. Und natürlich gibts trotzdem Erfahrungswerte, die sind aber nicht so absolut wie gerne dargestelt.

    Jo. Dazu kommt, dass Alkohol eine Droge ist, und wie jede Droge ein Suchtpotential hat, was NICHT von der Persönlichkeit des Konsumenten abhängt. Aber von verschiedenen anderen Faktoren, Genetik, Rezeptoren, Neurotransmitter, individuelle Hirnverschaltung.
    Letztlich kann jeder süchtig werden, wenn er nur lange genug und viel genug trinkt, je nach seinem individuellen Verträgnis. Da gibts Reihenuntersuchungen, Suchtpersönlichkeiten gibt es eigentlich nicht. Und wenn man drin ist, muss man halt wieder raus. Oder auch nicht, wenns einem so gefällt.

    Und die Traumata bzw. die ganze Vergangenheit machst Du ja auch mit nichts ungeschehen, das kannst Du nur verarbeiten und das geht nüchtern definitiv besser oder wird so überhaupt erst möglich. Bei mir waren es weniger die Traumata, aber ich komme aus trinkfreudíger Familie und hatte von daher kaum nüchterne Lösungswege für viele Lebensaufgaben gelernt und musste das dann nachholen. Viel Neuland für mich. Bei uns hiess es halt immer, trink was, dann gehts Dir besser. Andere Möglichkeiten wurden nicht in Betracht gezogen.
    Das war der Ausgangszustand, und das musste ich ändern.

    Und das heisst nichts anderes als, dass Du, selbst wenn Du sämtliche Gründe aufgearbeitet hast, trotzdem einem simplen Jieper (Appetit, Suchtdruck) haben kannst, denn Du dann genau so simpel aushalten musst, bis er wieder vorbei geht.

    Und den Du aber leichter aushalten kannst, wenn Du gewisse Tricks kennst. Rausgehen, Garten arbeiten ist da ganz sicher nicht schlecht (ausser die Gartenarbeit war bislang eine gute Ausrede, dabei eine Flasche Wein zu vernichten).
    Ausserdem Wasser trinken, Sound hören, gut essen, gut schlafen, ausgeglichener Lebensstil.

    Genau so, wie es aber auch gefährlich werden kann, wenn Du Dich nicht damit abfinden kannst und dem immer hinterhertrauerst. Stichwort "zufriedene Trockenheit"..heisst nicht, das nun alles Friede Freude Eierkuchen ist, sondern dass mans akzeptiert hat und damit zu leben lernt, und zwar, wenns gut läuft, auch sehr gerne damit (mit der Nüchternheit, ohne Alkohol) lebt.

    Ich kenn Dich zu wenig, bei mir wars anfangs so, dass ich es kaum gewohnt war, auf mich zu achten. Ich bin immer mit dem Kopf durch die Wand, auch wenns weh tat. Ausserdem war ich ziemlich arrogant, ich bin doch groß und stark, so softe Techniken brauche ich nicht. Umdenken war eine meiner wesentlichen Fähigkeiten. Wenns eng wird, muss ich nicht recht haben. Ich kann dann sogar was tun, was mir jemand rät ;D. Und sogar gucken, ob in der Wand nicht zufällig eine Tür ist, wenn ich mal ein bisschen zurücktrete und mich umgucke.


    Was nicht geklappt hat, nach Tagen...Wochen...war die ENTSCHEIDUNG es nicht mehr wieder zu tun. Schlicht, weil ich nicht kapiert hab, dass ich dieses Problem habe, dass ich nicht mehr "normal" trinken kann und aus dem Grund eine ENTSCHEIDUNG ja überhaupt nicht notwendig war, nicht zur Debatte stand.

    ich greife mal genau das heraus. Weil exakt das auch mein Problem war und weswegen ich mich in die Suchtberatung bewegt habe.
    Ich konnte immer Trinkpausen machen, also temporär aufhören, und ich habe immer wieder angefangen und dann habe ich gemerkt, wenn ich anfange, dann wirds nach einiger Zeit einfach absolut übel. Weil ich dann den Schnaps literweise getrunken habe etc.
    Und der Klick war, wenn ich gar nicht mehr anfange statt meiner ewigen Kontrollversuche, dann wird es auch nicht mehr übel und ich habe dieses Problem gelöst. Nur wie?

    Anfangs dachte ich, in der Suchtberatung wird irgendwie das Thema bearbeitet, warum ich trinke. Also irgendwelche Lebensprobleme als Trinkgründe, davon haben wir da nicht geredet. Heute weiss ich auch, dass das gar nicht wichtig ist, wenn man trinken will und wenn man es braucht, dann findet man immer Gründe. Zur Not und der beliebteste ist Montag, Dienstag, Mittwoch...

    Aber das interessierte dort keinen. Was interessierte, war, in welchen Situationen ich getrunken habe, was ich mir genau in dem Moment, als ich angefangen habe, davon erwartet habe, wenn ich trinke, und, das war das Wichtigste, was ich statt zu trinken sonst tun kann. Also Handlungsalternativen, die nicht selbstzerstörerisch sind und mich möglichst auch befriedigen.

    Denn Befriedigung, Belohnung, Spaß, war das, was ich mit dem Trinken am stärksten verbunden hatte. Und was regelmässig damit endete, das ich genau das Gegenteil davon erreichte.

    Ausserdem hatte ich mir bereits alle möglichen Selbsterklärungen zurecht gelegt, wie ich bin und warum das bei mir so sein muss, das es ohne Alkohol nicht geht. Da haben sie mir ein paar Zähne gleich gezogen. Manches stimmte einfach nicht, ich war nicht so, es war der Suff. Und der Punkt ist, wenn Du aufhören willst, brauchst Du keine Erklärungen mehr, warum Du bisher getrunken hast. Interessant ist nur, wie Du da rauskommst. Mit dem warum kannst Du Dich irgendwann beschäftigen, wenn Du schon lange nüchtern bist. Da sieht das meist sowieso anders aus als am ersten Tag oder in der ersten Woche.

    Jetzt erst mal Strecke machen und was stattdessen? Was macht Dir nüchtern Spaß z.B.?