Hallo,
niemand würde einem Nichtraucher ungefragt eine Zigarette anbieten… Und das ist der unterschied… Auf jeder Feier zur Begrüßung gibt es ein Glas Sekt oder ein Bier… Zu jedem guten Essen gibt es Alkohol… In keinem Restaurant würde man eine Zigarette gereicht bekommen…
Zu jedem guten Essen gibt es nicht nur Alkohol, sondern auch andere Sachen zum Trinken. Also da müsstest Du Dich schon in sehr speziellen Kreisen bewegen, mit gutem Essen kenne ich mich einigermaßen aus. Da sieht nur so aus, wenn man trinken will, dass es nichts anderes gibt, weil man das gar nicht sehen will.
Und es guckt auch keiner blöd, wenn ich sage, danke, lieber einen Espresso. Nach der Rhabarbersaftschorle, die ich zum Essen getrunken habe, logischerweise.
Normalerweise muss ich dabei niemandem auf die Nase binden, dass oder warum ich überhaupt keinen Alkohol trinke, das interessiert nämlich fast niemanden.
Und wenn ich es trotzdem irgendwo erzähle, kann ich mich fast darauf verlassen, dass mir dann irgendwer erzählt, dass er eigentlich auch ein Alkoholproblem hat. Was glaubst Du, wie oft mir das schon passiert ist, dass dann jemand anders auch aus der Hecke kommt, dass er eigentlich viel zu viel trinkt?
Um ehrlich zu sein suche ich irgendwie noch nach einer HintertÜr… Einem Ausweg… Einem Plan oder eine Taktik, wie ich im Alltag auf den Alkohol verzichten kann, aber dennoch am Wochenende ein oder zwei Gläschen zu trinken…
Hast Du es schon probiert und bereits Erfahrungen damit, weniger zu trinken? Sonst musst Du es halt probieren, runter zu reduzieren. Ob es klappt und wie es Dir damit geht, merkst Du dann schon, das kann Dir vorher niemand sagen.
Ich bin nach Jahren täglichen Konsums dazu übergegangen, jede Woche mehrere Tage Pause einzulegen. Das ging jahrelang gut, allerdings habe ich dann mit der Zeit immer öfter nachgeholt, auf was ich zwischen drin verzichtet hatte.
Also es wurde davon unter dem Strich nicht besser und ausserdem war es sehr anstrengend. Und es ist auch eher frustrierend, nach zwei Gläsern aufzuhören, dann wenns grade am schönsten ist und man eigentlich noch gerne ein Gläschen trinken würde..und man von den ersten Gläsern schon ein bisschen enthemmt ist, ist es noch schwerer "Nein" zu sagen.
Ich konnte mir auch nie vorstellen, nie mehr was zu trinken, auch dann als es schon gar nicht mehr lustig war, aber eines Tages war es dann so weit, da war es dann viel einfacher, gar nichts mehr zu trinken als nur ein bisschen was. Und es war dann auch viel lustiger, wenn ich gar nichts getrunken habe, weil es nicht mehr peinlich wurde und das ganze Drumherum nicht mehr war, was man dann halt so hat, wenn man am Morgen danach aufwacht. Bei mir kam allerdings noch dazu, dass ich mich nach Stresstagen runtergesoffen habe und das wurde halt immer extremer.
So kam dann überhaupt erst der Gedanke auf, ganz damit aufzuhören, aber ich wusste da ja auch noch nicht wie es wird, hab mir das furchtbar schwierig vorgestellt...ich hab auch eine relativ lange Karriere hinter mir. Und vielen fällt es auch extrem schwer oder sie probierens erst gar nicht, hätte bei mir ja auch sein können.
Und am Anfang habe ich mir auch erst gesagt, jetzt trinke ich mal ein Jahr lang nichts und dann gucke ich mal, wie es mir damit geht. Anfangen kannst Du ja jederzeit wieder, das läuft ja nicht weg. War mir dann aber ziemlich schnell klar, dass es mir so viel besser geht.
Heute fehlt mir jedenfalls schon viele Jahre gar nichts mehr ohne Alkohol, obwohl ich das früher nie geglaubt hätte.
Jedenfalls muss das ja bei Dir nicht so sein wie bei mir, und es gibt Programme zur Reduzierung, also wenn Du nicht gleich ganz aufhören willst, könntest Du ja mal gucken wie es Dir damit gehen würde. Selbstdisziplin würde es wohl in jedem Fall erfordern.
Gruß Susanne