Beiträge von Susanne68


    Also ist das echt so, dass mit gewissen Trinkmengen sozusagen geprahlt wird?? Ich frag wirklich nur aus Neugier weil ich immer nur das Gegenteil erlebt habe...die tatsächliche Menge wird verkleinert,heruntergespielt,geleugnet...einfach aus Scham. Ist das Phänomen beim „Märtyrertum“ vielleicht eher bei Männern anzutreffen?

    vielleicht sind das insgesamt mehr Männner, aber sicher nicht nur. Wenn Du z.B. mal weibliche Stars wie Janis Joplin oder Amy Winehouse anguckst, die ihre Sauferei öffentlich zelebriert haben, sturzbetrunken und unter Drogen aufgetreten sind, Amy sogar einen Hit mit "(I won't go to) Rehab" hatte, und die dann auch an den Folgen ihrer Sucht gestorben sind, also das volle Programm unter den Augen der Öffentlichkeit, dann kannst Du Dir ja vielleicht vorstellen, dass es solche Frauen auch in etwas unbekannterer Form gibt, die das ganz ähnlich machen. Ich kenne jedenfalls mehrere, die auch Männer unter den Tisch saufen. Und die sind in ihren Sprüchen auch nicht zimperlich.

    Gruß Susanne

    Und es ist ja nicht so, dass ich diese Gedanken gar nicht nachvollziehen könnte. Ich komme selbst aus einer Kultur/einem Elternhaus, wo es was galt, wenn man viel vertragen hat, wo man sich auch nicht so leicht geschlagen gab, Indianer kennt keinen Schmerz, nur Warmduscher...im Sinne des Reinliterns, aber auch beim Leistungsfetischismus. Wer was aushält, gilt was, ist so. Und mir selbst gehts ja auch manchmal so, das ich nicht so recht nachvollziehen kann, wo bei 4 Bier das Problem ist, weil ich bei dieser Menge vermutlich nicht groß drüber nachgedacht hätte, aber das hätte ja auch zur Folge, dass ich wohl noch trinken würde.

    Also das ist ja genau die Denke, die das Problem gefördert hat, und kein Teil der Lösung. Und im Gegensatz zu Stalingrad, was ich vorhin erwähnt habe, zwingt einen Alkoholiker ja keiner, sich kaputtzumachen, er könnte sehr oft was dran ändern wenn er wollte und wenn er wirklich Konsequenzen ziehen würde ("so weit wäre"), und er gewinnt auch keinen Blumentopf dabei. Manche haben dann aber so ne Art Märtyrer- oder Opferdenke, suhlen sich im Selbstmitleid, sind auf ihre Leiden stolz usw, nur bringt einen das ja nicht weiter und es macht diese Leute auch nicht trocken. Und die meisten, die man in so einer Gruppe oder Therapie trifft, wissen ja, dass sie ein Problem haben und die meisten sind da nicht stolz darauf.

    Viel Erfolg.

    Mit ambulanter Reha habe ich keine Erfahrungen. Allerdings war das in der Motivationsgruppe damals in der Suchtberatung vielleicht nicht so viel anders, war ja auch betreut, nur viel kürzer. Na egal.

    Was mir aber auffällt:


    Ich habe - um mal konkret zu werden - ein wenig Angst belächelt zu werden, da ich ja "nur" 4-5 halbe Liter Bier konsumiert habe und "sonst nichts". Für mich hat das jedoch ausgereicht mein Leben Stück für Stück durcheinander zu bringen, meine Zukunft zu gefährden, mein Selbstwert zu verlieren, mich sozial weitestgehend zu isolieren und eine Reihe an gesundheitlicher Einschränkungen zu haben. Überdies fühle ich mich nicht sicher genug um nicht mehr in diesen Kreislauf zu geraten.

    was hindert Dich dran, einfach froh zu sein, dass Du noch nicht so weit abgestürzt warst und noch nicht so viele Scherben zusammenkehren musst?

    Ich war auch nicht "ganz unten", als ich aufgehört habe, Jahre früher steckte ich schon mal viel tiefer im Elend, zwar nicht alkoholisch, aber von den anderen Lebensumständen, und ich hab mir auch schon mal angehört, das ich ja gar kein richtiges Problem hatte, weil ich nicht jeden Tag und nicht schon gleich morgens gesoffen habe und auch keine 75 Rückfälle und 35 Entgiftungen vorweisen konnte.
    Aber ich hab mich trotzdem einige Male fast totgesoffen, und es kam in erster Linie darauf an, dass ich erkannt habe, dass ich ein Problem habe und da wo die anderen waren wollte ich doch gar nicht hin. Hätte mir auch nichts geholfen, dort zu sein. Ich hatte halt nicht genau das gleiche Problem wie viele andere, trotzdem hatte ich gute Aussichten, das nicht zu überleben.

    Und selbst wenn es nicht so schlimm gewesen wäre, reicht doch, dass es einem damit nicht gut geht, und wenn Du das nicht auch finden würdest, hättest Du Dich ja wohl kaum so um die Therapie bemüht.
    Es geht doch drum, dass ich mich selbst damit ernstnehme, und das ist auch schon mal eine gute Voraussetzung dafür, das man das auch schaffen kann, um auf Deinen letzten Satz einzugehen.

    Es geht nicht um den Wettstreit, wer der kaputteste ist, denn wer den gewinnt, kannst Du Dir ja ausrechnen. Wenn Du Angst hast, dass der Dich belächelt, und Du dann dran arbeitest, dass Du Dich auf seine Stufe stellen kannst, wo würde das wohl hin führen? Und wahrscheinlich würde er sich ja selbst gerne in den Hintern beissen, wenn er das noch schnallt, und beneidet Dich womöglich drum, dass Du das tust, was er vielleicht auch besser getan hätte. Natürlich gibts auch echte Schwachköpfe, die das für eine Auszeichnung halten, diejenigen zu sein, die am meisten am Arsch sind, aber da muss man dann halt drüber stehen. Mich erinnert das an Erzählungen aus Stalingrad, wer am meisten in die Fresse bekam, hatte gewonnen, war stolz drauf und kriegte nen Orden. Das ist was für Masochisten. Dafür habe ich sicher nicht mit dem Saufen aufgehört.

    Ja, grade das mit den Kindern ist ein Argument, denn auch nach der Schwangerschaft haben die ein ganz besonderes Problem. Sie können noch weniger weg wie die Erwachsenen, sind noch mehr auf eine funktionierende Familie angewiesen und haben in einer Suchtfamilie (weil das ja die ganze Familie beeinträchtigt) erhebliche Risiken, selbst einen Dachschaden davonzutragen oder auch ein Suchtproblem zu entwickeln. Dazu gibts Untersuchungen, kannst Du nachlesen (Google "alkoholiker kinder"). Nicht die besten Vorraussetzungen jedenfalls in einer Welt, die sowieso nicht gerade einfach ist. Ich denke, da tust Du als Erwachsener auch gut daran, sie davor zu schützen.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

    Mir ist noch nicht klar, wie Du das eigentlich siehst und was das für Dich heisst.
    In Deinem Eingangspost schreibst Du ja, dass sie das nicht viel findet, dass es ihr schmeckt und dass sie darauf nicht verzichten möchte.
    Wenn man das mal so stehen lässt, ist das ja genau das, was sie im Grunde wohl auch will, alles Andere wäre höchstens ein Kompromiss Dir zu liebe. Jedenfalls würde sie wohl kaum aus freien Stücken damit aufhören, so wie sich das anhört. Ich denke, sie hat ja vor Deiner Zeit vermutlich auch schon so ähnlich gelebt und hatte das gar nicht auf dem Schirm, das wegen einer Beziehung zu ändern.

    Bei mir war das jedenfalls so ähnlich und ich wollte eigentlich einen Partner haben, der mich so lässt wie ich bin, wegen einer Beziehung gleich wesentliche Teile meiner liebsten Beschäftigung zu ändern war sicherlich nicht meine Absicht. Ob jemand anderes mein Trinkverhalten problematisch fand, war mir relativ egal, ich muss es ja nicht allen recht machen. Selbst wenn ich ungesund lebe, ist das ja erst mal meine Privatangelegenheit, und wie weit ich das von einer Beziehung bestimmen lasse, ist Verhandlungssache, was heisst, dass ich auch ablehnen kann. Und auch bei mir wars ja erst mal mein Leben, ich muss(te) mit mir klar kommen, wogegen Partner zum Teil schon austauschbar waren. Und meine Prioritäten waren da lange ziemlich klar, weil ich genau wusste, dass Liebe bei mir nicht gereicht hätte, um aufzuhören.

    Also müsste sie sich ja erst mal ändern, damit ihr zusammenpasst, oder Du weisst jetzt einigermaßen, woran Du bist und akzeptierst das, oder so ähnlich. Oder Du versuchst, an ihr rumzuschrauben, was beste Voraussetzung für einen Machtkampf ohne Ende ist. Was machst Du mit dem Wissen von hier?
    Falls ich Dir zu nahe trete, vergiss es.

    Kann sich übrigens auch schnell ändern, wenn Du mit Nachdruck verlangst, dass sie weniger trinkt, und sie das als Übergriff betrachtet. Willst ihr das liebste wegnehmen, was sie hat, oder so. Oder wenn sie es auf Dein Betreiben hin sogar probiert und feststellt, dass das nicht so einfach ist, und sie und auch Du Du dann so langsam immer unzufriedener werdet. Oder weil sie sich wegen dem Trinken verändert. Meist ist von allem was dabei.
    Ist natürlich Deine Sache, wie lange Du das mitmachen willst, ist ja auch Dein Leben. Manche richten sichs neben einem Alkoholiker ja auch ein. Andere jammern Jahr für Jahr, wie schlimm und immer schlimmer es wird. Ziehen aber genau so wenig einen Schlussstrich wie der Trinker selbst. Wie man sich bettet, so liegt man dann halt.

    Ich würds offen ansprechen, aber dann schon eine Grenze ziehen, wie lange Du das mitmachen willst, wenn sich nicht ernsthaft was ändert. Alkoholiker sind Ankündigungsweltmeister, aber das ist nur Zeitgewinn und Ruhigstellung, Manipulation damit Du noch ein bisschen mit spielst. Rechnen kannst Du nur mit dem, was sie tatsächlich macht. Und ich würde mich da nicht hinhalten lassen, hat Gerchla ja auch schon angedeutet. Manchmal klappts ja.


    Ich würde gern mal wissen, welche Mengen sie heimlich trinkt, aber das wird schwer herauszufinden sein.

    wenn das so stimmt, was Du schreibst - 8 - 12 * 40 ml, also 320 bis 480 Milliliter Weinbrand à 36 Vol%, entspricht ca. 92 bis 140 g reinem Alkohol, das ist die siebeneinhalb- bis 12-fache Menge dessen, was für Frauen als risikoarmer (nicht als risikoloser) Konsum gilt, sofern sie tatsächlich mehrere ganz alkoholfreie Tage in der Woche einlegt.

    Obs jetzt noch ein bisschen mehr ist, dürfte dabei eher nebensächlich sein, zu viel ist es unter gesundheitlichen Gesichtspunkten allemal.

    Jammern (ich liebe sie doch) nützt leider nicht viel, wir können hier leider auch nur die Erfahrungen weitergeben, die man dabei im allgemeinen macht, und wenn es eine Methode gäbe, das so einfach zu ändern, dann würden wir die hier auch sicherlich mitteilen. Aber es haben wohl schon Generationen von Angehörigen, was bei der Verbreitung des Suchtproblems eher Millionen als weniger sind, erfolglos probiert, das zu ändern. Eher sind die Angehörigen über kurz oder lang dann selbst ein Fall für den Psychotherapeuten, der versuchen soll, die Schäden wieder gerade zu biegen.

    Es gibt da so ein Programm, nennt sich CRAFT, das wendet sich an Angehörige, die sich nicht trennen wollen, aber das ist an sich wohl auch schon sehr anspruchsvoll, und da müssen die Angehörigen erst mal aufwendig selbst geschult werden und der Erfolg ist natürlich trotzdem alles Andere als garantiert. Gibt es bislang wohl auch nur eher vereinzelt. Kannst Du mal googeln.

    Und klar gibt es Paare, bei denen das irgendwann funktioniert. Ich lebe selbst in so einer Beziehung, ich hab dann nach 13 Jahren in dieser Beziehung mit dem Trinken aufgehört, aber auch erst dann, als ich selbst und mein Partner schon nicht mehr konnten. So lange ich nicht selbst an meine Grenzen gestoßen war, kam das für mich nicht in Frage, aufzuhören. Ich hatte ohne Alkohol ein Gefühl von Sinnlosigkeit, durchaus vergleichbar mit schwerem Liebeskummer oder einer Depression, und dieses innere Loch konnte mein Partner oder sonstwer einfach nicht füllen. Und wie bei so einer kranken Liebe war ich auch bereit, alles mögliche dafür in Kauf zu nehmen, damit ich weiter trinken kann. Hauptsache ich musste nicht aufhören, bis dann eben der Punkt bei mir erreicht war.
    Und das erfordert ebenfalls von beiden Seiten sehr viel Arbeit, also eine einfache Lösung gibts wohl so gut wie nie. Ob ich das jemandem empfehlen könnte, weiss ich nicht, denn es war ziemlich hart und wenn Du mich fragst...ein Jahr Beziehung ist keine Zeit, wegen der sich das für mich rentieren würde. Da sucht man sich doch leichter jemanden, mit dem man dieses Problem erst gar nicht hat.

    Gefühle kommen und gehen. Wenn Deine Partnerin jemals auf die Idee kommen sollte, mit dem Trinken aufzuhören, müsste sie auch lernen, sich von Ihren Gefühlen nicht beherrschen zu lassen. Eine(r) von euch muss auf jeden Fall da durch, ob sie das ist oder Du..und wie sie "Ohne"wäre, weisst Du ja sowieso noch nicht, nicht nur dass sie der Alkohol im währenden bis heute verändert, schon als Ihr Euch kennengelernt habt, hat sie die Welt ja wohl schon durch diesen Filter betrachtet, wie Du schreibst und sie hatte da wohl schon immer ihre Ausstiegsmöglichkeit. Und es ist auch unwahrscheinlich und vielleicht auch gar nicht erstrebenswert, dass sie die vom Anfang wieder werden würde, denn da war sie ja die, die den Alkohol noch irgendwann benötigen würde.

    Jedenfalls ist Liebe nach meiner bescheidenen Auffassung noch leichter zu lassen und in absehbarer Zeit zu bewältigen, als dann irgendwann Ehe, Haus und zwei beziehungs- und suchtgeschädigte Kinder auseinanderzufieseln.

    Vielleicht ist es ja eh nur Deine rosarote Brille, die sich langsam klärt...


    Dafür werde ich Geduld brauchen, aber ich denke auch, dass sich das lohnen wird.

    Bei mir hat es sich jedenfalls gelohnt, und ich glaube bei den meisten Anderen auch.


    Mir sind schon Leute begegnet, die mir sagten, dass sie kein schlechtes Gewissen haben bei oder nach einem Rückfall, denn die Sucht ist nun mal eine Krankheit und dem Krebspatienten kann man ja auch keinen Vorwurf machen, wenn die Krankheit wieder zurückkommt.

    Steht ja jedem frei, wie er das für sich sieht. Auch wenn jemand sagt, dass er sich lieber zu Tode trinkt, als dass er aufhört, ist das erst mal seine Sache. Kann ja jeder mit seinem Leben machen, was er will. Ich meine, als ich noch trinken wollte, konnte mich ja auch keiner vom Gegetneil überzeugen. Ist halt so, wie es für den Einzelnen "von innen heraus" aussieht.

    Für Dich sieht es offensichtlich anders aus.


    So entspannt kann ich das nicht sehen. Ich muss einfach lernen, die Phasen zu überstehen, wenn der Suchtdruck wieder scheinbar ins Unendliche zu gehen scheint. Allerdings ist es bei mir auch so, dass die Rückfälle nicht spontan aus heiterem Himmel passieren, sondern tagelang im Vorfeld "geplant" werden.


    Ist bei mir einmal der Gedankenblitz gekommen, dass sich wieder mal eine Gelegenheit bietet, geht der nicht mehr weg und wird immer größer.

    Also ist doch die Frage, wie kommst Du da hin, wo Du hin willst. Nämlich dahin, dass Dich dieser Gedanke nicht mehr beherrscht.

    Ich hab mal in Deinen älteren Beiträgen gelesen. Also der Wunsch, da rauszukommen, besteht bei Dir ja abscheinend schon länger, und ich habe auch den Eindruck, das Du durchaus bereit warst, etwas dafür zu tun. Ich hatte beim Lesen auch den Eindruck, dass Du durchaus aus freien Stücken in Deine Therapie gegangen bist. Warum Du danach wieder rückfällig geworden bist, kann und will ich nicht beurteilen, ich kann auch nicht beurteilen, warum Du in der Therapie nicht das Werkzeug bekommen hast, mit diesen Gedanken umzugehen, oder ob Du das nur nicht anwendest, wenn Dich der Gedanke ans Trinken drückt.
    Jedenfalls habe ich schon von einigen gehört, das dann so ziemlich alles egal ist, wenn der Saufdruck entsprechend hoch ist. Viele Leute wenden dann auch ihre hochgelobten Notfallpläne nicht an, wenn erst mal der Durst gestillt werden muss. Und bei mir war das zwar alles so, bevor ich überhaupt wirklich damit aufhören wollte, aber eben davor war mir manchmal auch alles egal. Das Problem ist, das man so halt nicht raus kommt, was nur so lange egal ist, so lange einem das wurscht ist.

    Bei mir wars dann halt so, als ich dann die Schnauze wirklich voll davon hatte, habe ich aufgrund meiner langjährigen und gut ausgebauten Karriere mit allen möglichen und größten Schwierigkeiten gerechnet. Ich hatte ja auch von Anderen schon mal gehört, wie das war, und warum hätte das bei mir so viel anders sein sollen? Bei mir war der Rausch fester Bestandteil meiner erwachsenen Persönlichkeit, stellte mich ja auch vor einige Herausforderungen, das zu ändern.
    Mir war aber auch klar, dass ich eben nicht davon wegkomme, wenn ich das nicht eine längere Zeit einfach aushalte, und wenn ich bei Druck immer wieder trinke, dann kann sich halt nichts ändern. Dann bleibt es eben bei der Situation, die mich so ankotzte.
    Und ganz am Anfang des Aufhörens dachte ich, ein Jahr kann ich auf jeden Fall durchhalten, dann kann ich die Situation noch mal neu bewerten, wenn ich das für nötig halte. Ich meine, wieder anfangen kann ich ja jederzeit, wenn mich die Trockenheit nicht überzeugt, Alkohol gibts ja überall. Ich hab mich dann aber immer dafür entschieden, es zu lassen. Aber dass ich begriffen habe, das es immer meine Entscheidung ist, die ich auch jederzeit wiederrufen könnte, nahm auch ein bisschen den Druck, das ich irgendetwas "muss". Und dieses erste Zeitlimit, ein Jahr, war für mich eben überschaubar. Dauerte dann bei weitem nicht so lange, bis ich davon überzeugt war..


    Mir ist vergangene Woche mal wieder aufgefallen, dass ich mich manchmal mit Situationen einfach abfinde, wenn ich feststelle, dass ich sie nicht gut finde. Ich nehme dann die für mich unschöne Situation hin und bemitleide mich selbst. Durch dieses Selbstmitleid wächst dann in mir der Druck und der braucht irgendwann ein geeignetes Ventil. Alkohol und Nikotin waren dafür immer gut. Ich könnte statt "MiMiMi" ja aber auch mal versuchen, die Situation zu ändern, so dass es für mich besser wird. Dann hätte ich Beschäftigung, kann meine Energie sinnvoll einsetzen und habe am Ende vielleicht sogar noch Zufriedenheit, weil ich was verändert habe. Zur Belohnung sollte ich dann natürlich auch nicht zum Alkohol greifen.

    Das meinte ich, ich musste mir nicht nur überlegen, von was ich weg will, sondern auch, wo ich hin will. Allerdings musste ich dazu dann schon ziemlich nüchtern sein und das war auch gar nicht so einfach und eindeutig, wie mit dem Trinken aufzuhören. Denn um da was zu ändern, brauchte ich viel Geduld, auch Glück, Frusttoleranz und eine dickes Fell, und ich musste mich damit abfinden, dass nicht alles geht, was ich gerne gehabt hätte. Ausser bei ein paar relativ banalen Änderungen war ich da schnell beim "Dicke Bretter bohren".


    So ist das auch mit dem Beispiel des Marathons, was ich geschrieben hatte. Ich setze mich hin und sage, kann ich nicht und Ende. Aber Rina hat recht, mit ausreichend Training könnte ich es schaffen. Dazu müsste ich es aber wollen oder zumindest gewillt sein, nach einem Weg zu suchen, um das Ziel zu erreichen. An der Stelle hapert es noch bei mir.

    Nichts Trinken ist für mich erst mal eine Form von "Nichts tun"...also nicht noch mehr zu tun, sondern etwas weg lassen, was man bisher getan hat. Passend ist für mich eher bei "Trockenheit als Lebenseinstellung"...oder so ähnlich, aber das ist eher etwas, was man lebt, weniger ein Ziel, das man irgendwann erreicht. Im Unterschied zum Marathon bleibt da der Weg das Ziel, so sehe ich das jedenfalls.


    Ich wache nach einem Umtrunk am nächsten Morgen immer mit einem schlechten Gewissen auf.


    Das schlechte Gewissen, Kater, flauer Magen am nächsten Tag...es ist eigentlich nur bescheuert. Gewinn ist da keiner zu holen, es ist immer nur mit Verlust verbunden.

    Die letzten beiden Zitate zeigen jedenfalls, das Du schon in der Lage bist, etwas auszuhalten, wenn Du gerade weisst, was Du willst. Wenn Du trinken willst, greifst Du dafür auch ins Klo, ohne groß mit der Wimper zu zucken. Das ist der Punkt, wo ich manchmal schreibe, dass es mit Stärke nichts zu tun hat, denn die Stärke ist vorhanden, sonst würde man die Selbstvergiftung und das drumherum gar nicht so lange aushalten. In dem Moment, wo man trinkt, ist man ja auch bereit, den Preis der sozialen Ächtung usw zu bezahlen.

    Also im Prinzip geht es weniger um Kraft, sondern mehr um eine eindeutige Entscheidung und darum, sich davon auch von seinem inneren Schweinhund nicht mehr abbringen zu lassen. Wenn man zwei sich grundsätzlich widerstrebende Zeile hat (mal trinken, mal nicht trinken), dann nützt die ganze Kraft nichts, weil Du das ja immer selbst bist. Da hilft es vielleicht eher, auf die zu Grunde liegende Motivation zu gucken, was will ich mit dem, was ich mache, eigentlich erreichen? Bei mir war das im Grunde ja so was wie Wohlbefinden und, im Falle des Versagens und des daraus resulirtenden Selbsthasses, auch Selbstzerstörung. Kann ich beides einfacher und humaner haben als durch Saufen. Extem gesagt, selbst sich ne Kugel zu geben ist weniger mit Leiden verbunden, als am Saufen zu verrecken. Und Wohlfühlen, Lebensfreude, auch Spaß ohne Reue kriege ich erst recht leichter ohne Alkohol. Das muss mir dann halt irgendwann klar werden.
    Ich hab an dieser Stelle mit mir selbst Verhandlungen geführt, dass doch auch mein Suchtanteil eigentlich nur wollte, dass es mir gut geht (war ja schliesslich das Argument, wegen dem ich vorgeblich trinken wolte), und dass das für mich auf Dauer nur möglich war, wenn es eben keinen Alkohol (und auch keine Drogen) mehr gibt. Weil das eben rum ums Eck war.
    Im Grund ist es die Einsicht, das es ganz ohne viel einfacher ist, die das Ganze dann für mich relativ leicht machte. Und statt mich dazu zu zwingen, habe ich mich eher wie einen guten Freund behandelt, dem ich ja auch nichts geben würde, von dem es ihm hinterher schlechter geht.

    Und bei allem Gelaber denke ich, es ist von Vorteil, wenn das Nüchternbleiben irgendwann so zur Selbstverständlichkeit wird, das man nicht dauernd drüber nachdenken muss. Wenn das bei mir nicht schon lange so wäre und ich mich jedesmal wieder "beherrschen" müsste, weiss ich nicht, wie lange ich das machen würde. Da glaube ich allerdings, dass da der zeitliche Abstand zum letzten Trinken durchaus die halbe Miete ist, und das ist wohl bei Dir momentan auch das Nächstliegende. Erst mal Strecke machen.

    In diesem Sinne, wünsche Dir kluge Entscheidungen.
    Susanne

    Ich schieb noch nen Gedanken nach.

    Also bei mir war es so, dass mich ein oder zwei Bier in meinem ganzen Leben kaum interessiert haben, ich habe immer wegen der Wirkung getrunken und dafür brauchte es schon deutlich mehr. Wegen dem Geschmack und der Geselligkeit brauche ich weder Bier, Wein, noch Spirituosen, das ist alles für mich leicht ersetzbar.

    Natürlich habe ich mich oft gebremst, weil es nicht passte, mehr zu trinken, und zum Teil war es auch einfach Schlafmittel, da reichten dann lange ein paar Bier, trotzdem in der gemässigten Phase mindestens 4, am Ende reichte das auch dafür längst nicht mehr, und im Grund war das Ziel bei mir immer der Rausch.
    Und an dieser Stelle würde ich mich an Deiner Stelle mal wirklich hinterfragen, was Du mit den ein, zwei Bier eigentlich erreichen willst.
    Fühlst Du Dich nach ein, zwei Bier irgendwie besser? Ich war da höchstens ein bisschen matschig im Kopf, wenn ich überhaupt was davon gemerkt habe. Reichte aber nicht mal wirklich zum Entspannen, zum locker drauf sein erst recht nicht.

    Und wie lange ist es her, dass Du locker beschwipst und fröhlich bezecht ins Bett gegangen bist, dass Du danach ohne Reue aufgewacht bist? Bei mir war das bei genauer Betrachtung schon lange, vielleicht sogar fast nach den ersten wenigen Malen, die Ausnahme gewesen, ich habe allerdings viele Jahre darauf verwendet, diesen Zustand wieder zu erreichen. Für die paar Male, wo es wirklich klappte, habe ich aber eine Menge Fehlversuche und ein Menge Ärger in Kauf genommen, eine hohen Preis bezahlt. Eigentlich ein schlechtes Geschäft.

    Möglicherweise machst Du Dir genau so wie ich nur vor, dass Du das gerne hättest, und so wie Du schreibst, ist das ja auch bei Dir mit schöner Regelmässigkeit der Anfang vom Absturz. Und ich ziele dabei jetzt nicht auf den Kontrollverlust ab, sondern ich glaube, das ist von Anfang an bei den ein, zwei Bier die tieferliegende Absicht oder zumindest billigend einkalkuliert, dann auch mal wieder so richtig zu trinken, weil Du im Grund ja weisst wie es endet, und zwar genau deswegen, weil Du ja dieses Rauschgefühl willst.
    Du willst nicht ein, zwei Bier trinken, sondern Du willst "eigentlich" breit und zu sein, besoffen halt, denke ich. So habe ich das bei mir im Nachhinein jedenfalls eruiert, als ich mir das dann schonungslos im Rückblick betrachtet habe.

    Anders als mit Einsicht und tatsächlicher schonungsloser Betrachtung meiner eigenen gemachten Erfahrungen weiss ich leider auch nichts, um die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Und ich habe mich sehr lange mit Händen und Füßen gegen die Erkenntnis gesträubt, dass es in dem Stil, wie ich trinken wollte, wirklich nicht mehr schöner war als ganz ohne, und das bei genauer Betrachtung schon lange bevor ich damit aufgehört habe. Ich wollte das aber einfach nicht sehen, was möglicherweise Folge und Ausdruck meiner Sucht war. Denn von aussen war das schon längst aufgefallen, dass ich mir damit schon lange keinen Gefallen mehr damit getan habe, nur ich habs halt nicht gesehen.

    Genau das war es, was sich bei dem, was ich "Klick" nenne, dann änderte, da lag das schlagartig offen vor mir und liess sich auch nicht mehr verdrängen. Und plötzlich wollte ich es auch gar nicht mehr verdrängen, das war da von Heute auf Morgen grundsätzlich anders.

    Viel Glück.


    Rekonvaleszent : Da geht für mich dann der Bogen zu Deinen Zeilen und der Erkenntnis, die in mir noch reifen muss, dass ich dem Alkohol nicht gewachsen bin. Es hat ja so lange funktioniert, wie kann denn da auf einmal Schluss sein? Und wenn es nur einmal ist? 1-2 Bier? Und dann gleich wieder Stopp? Diese und ähnliche Gedankenspiralen bekomme ich noch nicht aus dem Kopf. Wahrscheinlich bleiben die da auch drin und ich muss lernen, damit umzugehen. Das ich keinen Marathon laufen kann, muss ich auch akzeptieren, aber das fällt irgendwie leichter. nixweiss0 Gibt es einen Weg, die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen?

    Experimente dieser Art habe ich gemacht, so lange ich noch nicht aufhören wollte, sondern noch dachte, das ich das über Trinkpausen wieder in den Griff bekomme und meinen Konsum bei entsprechender Selbstbeherrschung auf ein akzeptables Level zurück bringen könnte.

    Ich konnte relativ lange (ca. ein Jahr lang) nur alle paar Wochen trinken und es dabei bei den besagten 2 Bier belassen. Hatte natürlich seine Gründe in einem vorherigen Absturz, warum ich das überhaupt probiert habe. Und weil ich immer Pausen machen konnte, hier ich mich nicht für besonders abhängig.

    Tatsache ist aber auch, dass ich es (in dieser Zeit des stark reduzierten Trinkens) mit der Zeit immer frustrierender fand, mich derartig zu beherrschen. Zwei Bier sind halt nichts halbes und nichts ganzes, brachte mir also eigentlich überhaupt nichts ausser dem scheinbaren Beweis, dass ich es im Griff hätte, hatte mit Spaß aber auch nicht viel tun und natürlich auch nichts mit dem Gefühl, wegen dem ich immer trinken wollte. Und ich hätte immer öfter gerne noch mehr getrunken, habe mich dann aber trotzdem beherrrscht, auch wenn es mir schwer gefallen ist. Das war, wie mit Hunger von einem leckeren Essen aufzstehen, aufzuhören, obwohl man noch Hunger und Appetit hat und obwohl noch genug da wäre. Oder beim Sex zu früh...fehlt halt einfach was.

    Es war so eine richtige Nullnummer, das fiel mir dann auch auf, als ich ganz aufgehört habe. Von zwei Bier habe ich ganz einfach nichts, da kann ich es gleich ganz bleiben lassen.
    Und diese ganzen gekappten Ansätze führten nur dazu, das ich mich auf eine Gelegenheit freute, es mit gutem Gewissen mal wieder richtig krachen zu lassen, und diese Gelegenheit kam auch und war der Auftakt zu einer ziemlich heftigen (und letzten) Phase. Da habe ich dann fast nur noch Schnaps getrunken, alles andere war mir zu wenig.

    Also im Prinzip habe ich diese Gedanken weggesoffen, brauchte es wohl, damit das bei mir ankam.

    Es gab früher so was, das nannte sich Schattenspiele. Da sass man vor eine Kerze oder Lampe und machte mit den Händen Figuren, und der Schatten, den das Licht durch die Hände an der Wand warf, war wesentlich größer als die Hände selbst.
    Wenn Du jetzt einen Gartenzwerg vor das Licht stellst, dann erscheint der Schatten, den der wirft, wie ein Riese.

    Mit Problemen ist es genau so, sie erscheinen im Licht unserer Ängste (oder Deiner Schüchternheit) oft viel größer, als sie in Wirklichkeit sind. ..Gibt natürlich auch andere Probleme, die sind sogar größer als sie scheinen.

    An sich kann ich Dir nicht wirklich weiterhelfen, wie Du mutiger werden kannst. Ich bin kein Therapeut. Aber wie wäre es, wenn Du es mal so betrachtest:

    Wie geht es Dir denn heute, mit dem Trinken Deines Vaters?
    Was wäre so viel schlimmer, wenn Du ihn ansprichst?
    Was hast Du zu verlieren?
    Was kann Dir schlimmstensfalls passieren?

    Wäre das, was passieren könnte, wenn Du es ansprichst, schlimmer als das, was Du momentan bereits erlebst?
    Wenn es jetzt schon so schlimm wäre, würde das ja zeigen, dass Du das aushalten kannst und deine Angst unbegründet wäre.

    Hängt natürlich ein bisschen davon ab, wie die Situation bei euch wirklich ist und wie die Reaktion Deines Vaters sein könnte. Weiss ich ja nicht, Alkoholiker sind trotzdem sehr unterschiedliche Menschen.

    Gruß Susanne

    "Zu der Abhängigkeit stehen" ist für mich erst mal unwichtig.
    Du könntest auch Veganer werden und sagen, bei euch gibts kein Fleisch mehr, müsstest Du Dich dafür irgendwie rechtfertigen? Genau so kann ich mich aus freien Stücken und aus Gründen, die überhaupt niemanden etwas angehen, dazu entscheiden, keinen Alkohl mehr zu trinken, dazu muss ich überhaupt kein Alkoholiker sein. Es geht ausser mir niemanden etwas an, was ich trinke, wenn ich mich darüber unterhalte, dann weil ich es will, nicht weil ich es muss.
    Relativ am Anfang hatte ich mal so eine Phase, da dachte ich, ich frag mal Leute, die mich fragen, warum ich keinen Alkohol trinke, warum sie dauernd welchen trinken. Ich meine, ist doch genau das gleiche..sollen die doch rechtfertigen, warum sie unbedingt Bier oder Wein brauchen. Damit kannst Du jede Anmache in Nullkommanichts abwürgen...habe ich aber nicht oft gebraucht.

    Und ich vermute mal mit gutem Grund, deine Schwiegereltern interessiert eigentlich nur, dass sie was zu trinken kriegen, was Du trinkst oder auch nicht, gucken sie vielleicht blöd an, ist aber auch für die nicht so wichtig, so lange ihr Glas gut gefüllt ist. Ich kenne diese Leute zwar nicht, ist aber eher das Normale.

    Ich würde das aber auch aus einem anderen Grund gar nicht so an die große Glocke hängen. Ich gehe davon aus, dass Du Deine Schwiegereltern genau so wenig ändern kannst wie man andere Leute ändern kann, so wenig wie man einen Trinker ändert wenn der das nicht will. Und wenn Du da eh schon einen schlechten Stand hast, wird man vielleicht alles darauf zurückführen und wenn Du mit Deinem Mann mal Ärger hast, werden sie behaupten, dass Du trinkst, ob es stimmt oder nicht ist dann sehr wahrscheinlich egal. Da bist Du dann halt die Säuferin, von der er sich doch eh schon lange trennen soll, aus dieser Nummer kommst Du dann nicht mehr raus. Das gilt dann sogar, wenn Du trotzdem trocken bleibst, und das, obwohl ich Dich so einschätze, dass es dann für Dich noch schwieriger wird. Sie würden sich über Dich das Maul zerreissen, denn ihre Meinung über Alkoholiker wirst Du sehr wahrscheinlich nicht ändern.

    Ob Du dabei was gewinnen würdest oder nicht doch eher verlieren..also wenn es nicht unbedingt sein muss, würde ich das, glaube ich, genau so machen wie Du. Du musst Dich ja nicht selbst ans Messer liefern. Zur Abhängigkeit musst Du höchstens vor Dir selbst stehen, aber auch nur, wenn Du das brauchst, um trocken zu bleiben.

    Ruhig sein, warum. An den Überlegungen an sich ist ja erst mal nichts falsch.
    Für mich selbst wars am Anfang allerdings schon eine Schwierigkeit, erst dachte ich - ist ja auch so eine typische "Selbsthilferatgeberdenke", also ich meine jetzt diese ganzen Bücher zu jedem erdenklichen Thema - man kann jedes Problem aus der Welt schaffen.

    Aber kann man halt nicht, oder nur zu einem erheblichen Preis, wie wir ja fast alle hier auch irgendwie wissen. Mehrere der länger Trockenen hier haben irgendein Päckchen zu tragen, das man nicht so einfach los wird. Trocken sind wir trotzdem, und oft nicht mal schlecht, also deswegen muss man ja nicht dauernd Trübsal blasen.

    Und so ein Thema wie das mit den Schwiegereltern berührt da auch nochmal den Punkt, warum es jeder nur für sich selbst schaffen kann. Nicht nur, weil einen sonst niemand dazu bringen kann, wie wir das bei den Angehörigen immer schreiben, sondern auch deswegen, weil es ausser einem selbst vielleicht niemanden wirklich interessiert und Aussenstehende gar nicht begreifen, was das für einen bedeutet, man mit den Widerständen manchmal auch einfach leben muss und weil es aber fürs eigene Leben und Wohlbefinden trotzdem besser ist, nüchtern zu bleiben, ganz egal, was die anderen darüber denken.

    Na ja, und das letzte ist, dass viele, ich auf jeden Fall auch, die Angehörigen ja auch ganz schön strapaziert haben, Krankheit hin, Krankheit her, und wir auch davon profitiert haben, auch wenn wir gerne schreiben, verlassen wäre vielleicht einfacher, und wir von denen auch nicht verlangen können, dass die sich jetzt wegen jedem quersitzenden Furz nun um uns kümmern. Denn schliesslich haben wir ja die Selbstverantwortung, von der wir immer reden. Und unsere Freiheit wollen wir ja auch haben, ich jedenfalls, wo ich überhaupt nicht will, dass es jemanden kümmert was ich mache. Gibt halt nix umsonst...

    Und, natürlich können wirs probieren, aber die können genau so gut Nein sagen wir wir auch, und dann müssen wir da durch, wie umgekehrt auch. Womit wir wieder beim Thema wären.

    Das Problem dürfte sein, das diese ganzen Überlgeungen für die anstehende Situation vielleicht nicht mehr viel helfen werden. Wenn der Mann da nicht mitzieht und die Schwiegereltern das momentan nicht einsehen wollen, muss man ja trotzdem irgendwie durch die Situation erst mal durch, und das trocken. Nützt ja nicht viel, da nun noch drei Baustellen aufzumachen und alles auf einmal lösen zu wollen, wenn es gerade nicht geht, das schafft ja nur zusätzlichen Druck.

    Und deswegen würde ich mich erst mal da drauf konzentrieren, das erst mal irgendwie hinter mich zu bringen. Und das geht auch, 5 Tage kriegt man immer irgendwie rum. Hier gibts ja auch genügend Strategien, sich selbst mal aus der Situation rausnehmen, selber vor allem was Anderes trinken, was einem auch schmeckt, ab und an mal eine Minute tief durchatmen, so ganz banale Dinge. Was da für einen am Besten geht, muss man natürlich selbst herausfinden, hilft leider nichts.

    Guten Morgen.

    Es ist schön von Dir, dass Du Deinem Freund helfen möchtest.

    Aber leider muss er selbst aufhören wollen. Wenn er selbst nicht alles daran setzt, wird ihm niemand helfen können. Er muss sich selbst helfen wollen. Und so, wie Du das beschreibst, ist er davon meilenweit weg. Tut mir leid für Dich, aber hier kann das auch niemand ändern, das könnte nur er.

    Ich weiss auch leider keine Möglichkeit, wie Du ihn davon überzeugen könntest. Aber hier im Angehörigenbereich des Forums gibt es zahlreiche Geschichten von anderen Angehörigen, wie schlimm das noch werden kann.
    Damit kannst Du viele Jahre Deines Lebens verbringen, dabei alles versuchen, ihm Deine ganze Liebe geben, vor Verzweiflung und Enttäuschung ausflippen und rumtoben, an der Situation völlig verzweifeln, und er trinkt trotzdem weiter. Möchtest Du so leben?

    Mich geht es nichts an, was Du machst, aber so wie Du das beschreibst, und weil ihr ja auch noch nicht lange zusammen seid, würde ich mir an Deiner Stelle lieber jemand anderen suchen. Bei Deinem jetzigen Freund kannst Du nur mit untergehen oder hilflos dabei zugucken. Was hast Du da davon? Und was tut er denn für Dich?

    Und wenn Du denkst "aber ich liebe ihn doch und irgendwer muss ihm doch helfen"...das nützt Dir so viel, wie wenn er mit einer anderen Frau zusammen wäre. Er ist mit der Flasche verheiratet, Du spielst da höchstens eine Nebenrolle.

    Lies Dich mal durch die Geschichten im Angehörigenbereich, wenn Dich das wirklich interessiert.

    Gruß Susanne