Beiträge von Susanne68

    Liebe Britt,

    ich erinnere mich, von Dir öfter das Thema fragend gelesen zu haben, wie man denn zufrieden trocken wird.

    Sowie ich Dich jetzt lese, hast Du ein gutes Stück davon inzwischen erreicht. Für mich ist zufriedene Trockenheit grundsätzlich erst mal, dass ich mit dieser Entscheidung nicht hadere. Was ich bei Dir rauszulesen glaube 44.

    Ansonsten meine ich, jeder geht seinen Weg, egal wie der aussieht. Es bleibt immer der eigene Weg, auch wenn man scheitert. Jeder läuft mit sich selbst rum. Klugscheissmodus off :).
    Ich wünsche Dir, dass Du so mit Dir selbst durchs Leben gehst, das Du mit Dir einverstanden bist und bleibst. Nicht nur hartnäckig, sondern auch in Frieden mit Dir selbst.

    Gruß Susanne

    Ich (meine persönliche Ansicht) würde ihn mal machen lassen. So lange es so klappt, wird er sich ja velleicht auch ungerecht behandelt fühlen, wenn Du ihm alles mögliche für die Zukunft unterstellen würdest.
    Und wenn, dann müsste das eh von ihm ausgehen. Wenn Du das anleierst, klappt das vielleicht während seiner ersten Verliebtheitsphase noch, aber danach wird er wieder zu dem der er ist. Sprich wenn er dann ein Alkoholproblem hat, kann nur er das angehen..wenn er will. Und Du kannst es dann angehen, ob Du mit einem Alkoholiker leben willst..wenn Du willst. Denn auch Dich würde das dann ja zunehmend stören.

    Sind halt ne Menge "wenn"...

    Ich meine, in Beziehungen gibt es eigentlich nie hundertprozentige Sicherheit, was die Zukunft betrifft. Betrifft ja nicht nur dieses Thema. Man kann immer das Schlimmste oder auch das Beste annehmen und es ist immer eine Entscheidung, sich drauf einzulassen. Zum Teil muss man die Dinge auch so nehmen wie sie im Moment gerade sind, und das scheint ja zumindest jetzt OK zu sein.

    Und klar kann immer was passieren, wo es nicht weitergeht. Die Möglicheit gibts aber auch unabhängig vom Alkohol immer. Das will man ja oft nur nicht glauben, so lange man im Honeymoon ist. Wer weiss denn heute schon, was in fünf oder 10 Jahren sein wird?

    Wir/ich merken Deine hier auch.

    So ein Forum erfordert eine klare Kommunikation.
    Es gibt hier Leute, die schreiben hauptsächlich ihren eigenen Strang und wenn sie das kommentiert haben wollen, dann sagen sie es. Erfordert etwas Übung, und ich habe etwas gebraucht bis ich das kapiert habe. Die Foren, die ich kannte, waren auf Dialog ausgerichtet.

    Gibt ja auch Monolog- und Dialog-Guppen, für beide gibts nachvollziehbare Argumente.

    Da kommt dann jedenfalls nicht auf jeden Beitrag eine ungebetene Bewertung. Und vielleicht auch keine Verletzung. Sondern da guckt man zu, wie jemand seinen Weg geht und wenn er was braucht, kann er es ja sagen. Muss man aber klar äussern, weil die Leute hier ganz unterschiedlich ticken. Und natürlich ist es schwer, zuzugucken, wenn jemand immer wieder auf die Fresse fällt, aber wenn er unbedingt selbst laufen lernen will, braucht er das vielleicht. Wie Du Dir denken kannst, könnte ich das nachvollziehen.

    Aber vielleicht brauchst Du ja auch die Reibung, die Du ja offensichtlich in den Auseinandersetzungen mit den ganzen Fachleuten suchst. Beschäftigt Euch gefälligst mit mir. Rückfälle können auch diesem Zweck dienen.

    Bin jetzt ein paar Tage weg.

    Jo.

    Ich hatte lange, bevor sich dann die Sauferei zu meinem Hauptproblem entwickelt hat, eine handfeste Polytoxkarriere hingelegt. Ich hatte jahrelang kohlschwarze Gedanken, so quasi wie depressiv auf Speed. Und mir war so ziemlich alles egal, also auch lebensgefährliche Aktionen.

    Und ich hatte zwar theoretisch auch ganz gute Möglichkeiten, aber ich war dermassen vernagelt in meiner Denke, dass eine ganze Reihe Leute, Leute, die mir zu gerne da raus geholfen hätten, absolut keine Chance hatten, an mich ran zu kommen. Ich treffe heute noch ab und an Leute, die sich wundern, dass ich noch lebe.
    Mich hätte definitiv niemand retten können, weil ich hatte wirklich noch bessere Tricks drauf, meinen potentiellen Rettern durch die Finger zu schlüpfen, als die. Psychologen, *lol*. Ich war irgendwie voll auf dem Selbstzerstörungstrip und in absoluter Abwehrhaltung. Und dabei hattte ich es irgendwie trotzdem noch drauf, für manche Leute faszinierend zu sein, also ich hab mich da drin sogar noch gesonnt, damit kokettiert.

    Bei mir wars der reine Zufall, dass mir irgendwo weit draussen mal ein Licht aufgegangen ist, bei dem ich so was wie Lebenswillen entdeckt habe.
    Es war im übrigen von allem was dabei, was der Schwarzmarkt und irgendwelche Arzneischränke damals hergeben haben. Also so richtig um sich selbst komplett das Licht auszublasen.
    Trotzdem sass ich danach natürlich ziemlich in der Scheisse, weil ich mich jahrelang ausser um meine Drogenversorgung um nichts gekümmert hatte. Samt Offenbarungseiden und Gläubigern, die mir im Nacken sassen und mir noch 15 Jahre später das Gehalt gepfändet haben, als ich längst ein normales Leben zu führen versucht habe, was ja aber auch erst mal mit Saufen zum Runterkommen ging. Irgendwo auch eine Suchtverlagerung. Privatinsolvenz gab es zu dem Zeitpunkt nicht, und nachdem ich das Saufen dann auch noch aufgehört hatte, hab ich ne zeitlang einen Job gemacht mit dem ich das dann endgültig aus der Welt schaffen konnte. Obwohl ich auf diese Art von Job auch keine rechte Lust hatte, aber es war halt ne Gelegenheit völlig neu anzufangen. Ausserdem war es gut für mein Selbstbewusstsein, dass ich das hingekriegt habe.

    Gesoffen habe ich damals - Polytoxzeit - zwar auch schon, aber das war aus meiner Sicht nur Beikonsum und hab ich überhaupt nicht ernstgenommen, wurde auch erst 10 Jahre später wirklich zum Problem. Und da hatte ich dann auch schon gewisse Ressourcen, weil ich ja schon mal aus so ner Scheiss-Situation rausgekommen war. Ausserdem hatte ich auch schon einiges nachgeholt, es waren aber trotzdm noch genügend Baustellen offen. Aber es war nicht mehr ganz so katastrophal.

    Von der damaligen Szene ich der ich mich dabei, also zu den Polytoxzeiten, meistens bewegt habe, hat es zirka die Hälfte auch tatsächlich nicht überlebt. Und ich war wie gesagt auch knapp davor.

    Also wenn ich das Wort Freak in den Mund nehme, dann meine ich damit mit Sicherheit auch mich selbst. Und der ganze Mist, der bei Dir sein könnte - wie gesagt, ich rate ja nur - war bei mir schon mal ziemlich Realität. Ist nur schon noch länger her als die Sauferei.

    Und bei mir hat das sehr lange gedauert, bis ich Hilfe erfragen und dann auch annehmen konnte. Und bis ich davon lassen konnte, mir da was beweisen zu wollen und zu akzeptieren, dass da zumindest die meisten auch nur ihren Job gut machen wollen und im Prinzip ziemlich hilfsbereit sind, wenn man sie nicht zu blöde anredet.
    Ich bin halt irgendwann über meinen Schatten gesprungen, weils dann auch bei der Sauferei irgendwann absolut auf der Kippe war samt wieder lebensgefährlichen Aktionen und ich im Laufe der Jahre mehr und mehr einen Blick von aussen auf mich selbst hatte und gesehen habe, was ich gemacht habe und dass es auch ganz anders laufen könnte, wenn ich mich nicht so dermassen deppert oder auch geisteskrank anstellen würde. So wie es jetzt eben schon eher läuft.

    Wegen mir kannst Du da gerne rauskommen und mir ist das auch schnurz mit welchen abgefahrenen Methoden. Nur, wenn das so ähnlich läuft wie bei mir, dann ist da von aussen vielleicht nicht viel zu machen. Ich wollte Dir das nur schreiben, denn ich sehe ja auch keine Möglichkeit, wie ich Dir dabei helfen würde. Wie gesagt, bei mir war das Zufall oder ein höheres Lichtchen oder tief drinnen ein Rest Selbsterhaltungstrieb, der verschüttet war und zum Vorschein kam, als gar nichts mehr ging.


    Ich versuche den Mittelweg. Ich möchte ihn nicht überfordern, ich möchte ihn aber auch nicht in Watte packen, sondern einfach ganz normal behandeln.
    Und ich möchte mich selbst schützen und dazu gehört, dass ich Dinge anspreche, die mir nicht gut tun.
    Das ist im Übrigen auch sein gutes Recht, ich erwarte sogar von ihm, dass er mir das sagt.

    Meine ganz persönliche Meinung:
    es gibt in Beziehungen nicht so viele absolute Wahrheiten und auch nicht so viel, was immer und ewig so bleibt. Wir haben in 32 Jahren bestimmt mehrere Leben gelebt, Berufe, Freundeskreise, Wohnorte und den Lebensstil gewechselt. Und sind älter geworden.
    Wichtig ist für uns Reden, immer wieder ausdiskutieren, streiten, aber auch sich wieder einigen wie es jetzt ist und wie es weitergeht. Verhandlungssache und konkrete Abmachungen im Grunde. Aber weniger Erwartungen, denn erwarten kann man nun mal viel, obs erfüllt wird, ist eine andere Sache. Wenn der Andere den Erwartungen nicht zugestimmt hat, Pech.

    Was das in Watte einpacken angeht: ich habe nach drei Monaten, statt in eine Langzeittherapie zu gehen, die ich beantragt hatte, eine Führungsposition in einer internationalen Firma angenommen, weil ich Schulden aus meiner verkorksten Vergangenheit hatte, die mich in meiner Trockenheit natürlich auch bedrückt haben, und gesehen habe, das ist die Gelegenheit das endlich mal abzubezahlen. Ein Freiheitsgrad. Das war eiskaltes Wasser und ich bin nach zwei Jahren auch wieder (selbst) gegangen, weil es mir zu viel wurde, aber es hatte seinen Zweck da auch erfüllt.
    Und ich musste da natürlich sehr darauf aufpassen, dass ich mich nicht überfordere, aber ich habe mich zumindest gefordert. Und natürlich muss man seine Grenzen auch mal überschreiten, um sie auszudehnen, aber nicht so weit, dass Schäden zurückbleiben.

    Ja, und als normaler Mensch wollte ich übrigens auch behandelt werden. Watte war nicht meins. Trotzdem war ich stellenweise ziemlich empfindlich, das kannte ich selbst nicht von mir.

    Wie gesagt, so ist das bei mir. Und es ist individuell. Wo die Grenzen Deines Partners sind, muss er Dir sagen und wahrscheinlich er selbst überhaupt mal herausfinden. Und damit meine ich nicht nur die Grenzen seiner Komfortzone oder seiner Lustlosigkeit, sondern die Frage wo es kritisch wird.

    Und natürlich bist Du immer noch selbst dabei, herauszufinden, ob das für Dich Zukunft hat.

    Mir gefällt das, wie Du das angehst.

    Keine Ahnung. In Foren ist natürlich vieles möglich. Dann amüsiert er sich halt über uns. Wir werdens überleben.

    Ich kenne bzw. kannte im realen Leben aber auch schon hochintelligente Leute, die sich selbst mehr oder weniger teilnahmslos beim Verrecken zugeguckt haben. Ohne jede Selbstempathie genau wussten, was sie taten, wenn sie nüchtern waren. Besoffen dann eher selbstmitleidig. Oder einfach nicht geschnallt haben, wie ernst es ist. Da machst Du dann letztlich Sterbebegleitung. Alkoholismus ist eine potentiell tödliche Erkrankung, die auch das Gemüt betrifft, und irgenwo müssen die Toten ja sein. Und es gibt Frauen, die auf solche Typen abfahren.

    In der Gruppe hörst Du irgendwann , xyz ist mit einer Tablettenvergiftung tot aufgefunden worden, wahrscheinlich Absicht. Oder er hat nen banalen Herzstillstand.

    Meinen Vater habe ich dabei ja teilweise begleitet. Ich hab das akzeptiert, dass er keinen Sinn drin gesehen hatte, aufzuhören. Allerdings hat er sich da auch selbst nichts vorgemacht, war immer klar dass er sowieso nicht aufhört. Und ich hab ja selbst auch lange so gedacht.

    Ich glaube das bringt gar nichts, da Vorwürfe zu machen, es ist Ausdruck einer Krankheit. Er kann ja gar nicht aufhören, entzieht sich seiner Macht. Und ich glaube, wenn er sich ändern könnte, dann hätte er das bereits getan. Ein Punkt, warum er sich dann auch als Versager sieht, der ihm nicht leid tut.

    Mann, Alter, ich hab eine lockere Sprache, aber bei Dir hört sich das auch schon so an, wie wenn Du noch einen letzten müden Versuch machst und zur Hälfte das Leben schon hinter Dir lässt. Hört sich irgendwie so nach Lebensbilanz an. Das müssen wir dann auch akzeptieren.

    Ich hab schon öfter von Frischlingen die Klage gehört, dass in den Gruppen immer nur so lebende Mumien 8) sitzen, die schon Trockenrisse haben.
    Jedenfalls gibts Gruppen, in denen praktisch keine Rückfälligen sitzen.
    Allerdings sind da natürlich auch schon viele weit weg. Das ähnelt dann oft eher einem Kaffeekränzchen. Weil über die Sauferei gibts unter Mumien nicht mehr viel zu sagen.

    Den Gedankengang kann ich schon nachvollziehen, denn es gibt auch ab und an den Rat, dass sich Frischlinge nicht zu sehr zusammentun sollten, aus genau dem Grund den Du erwähnst. Verstehen sich sehr gut, weil sie in der gleichen Situation sind, ziehen sich dann aber auch gegenseitig mit runter, wenn sie Pech haben.

    Ich glaube aus diesem Grund gibt es bei AA das Sponsoring, wo Erfahrenere die Neuen praktisch an der Hand nehmen. Ich war da aber nie. Ansonsten stehen bei den meisten Gruppen bzw. Selbsthilfeorganisationen Telefonnummern im Netz, wo man Gruppenleiter oder das Büro anrufen kann. Meistens gibts schon Möglichleiten, eine Gruppe zu finden die zu einem passt. Und dann muss man sich halt auch an diejenigen halten, die nicht rückfällig werden. Und sich im Zweifelsfall abgrenzen. Nein, wir sitzen nicht im gleichen Boot, denn wenn bei Dir ein Loch ist, würden wir ja alle untergehen. ;)

    Ausserdem entnehme ich Deinem Geschriebenen, dass Du nicht nur ein Alkoholproblem, sondern auch ne Tablettenabhängigkeit hast.

    Ich meine, ich kann da ja eh nix dran ändern, aber warum gehst Du nicht in eine andere Klinik? Und wie lange wirds dauern bis Du mal delirierend eingeliefert wirst und dann sowieso alle dabei sind, wenn Du die Hosen voll hast?

    Ja, das mit dieser Kultur kann ich bestätigen, solche Kreise gibts hier auch und ich habe mich lange in ihnen bewegt. Viele ziemlich gut situiert. Edelalkoholiker. Verbrämt unter kulturellem Deckmantel saufen sie wie die Löcher.

    Oder wie Joschka Fischer mal sagte, "Der Bundestag ist eine unglaubliche Alkoholikerversammlung, die teilweise ganz ordinär nach Schnaps stinkt"..und wie viele Gesetze unter Alkoholeinfluss beschlossen wurden, bleibt ein Geheimnis.

    So lange die nicht selbst wirklich ein Problem mit ihrer Trinkerei kriegen, hören die genauso wenig auf wie irgend ein Penner. Und weil sie Geld haben, merken sie es oft sogar noch viel später.

    Musste grad mal weg, sorry.

    Also was die Mengen angeht, die risikoarm etc. sind kannst Du mal bei https://www.kenn-dein-limit.de/ gucken.

    Die Persönlichkeit ändert sich mit der Zeit, auch durch den Alkoholkonsum und natürlich auch seinerseits durch die Spannungen.

    Und ansonsten sind das natürlich auch mal ganz simpel gesagt unterschiedliche Wert- und Lebensvorstellungen. Er tut ja nichts verbotenes, er will halt nur etwas Anderes als Du. Warum er das will, müsste er gar nicht erklären. Der eine will Kinder, der Andere nicht. Und das ist auch sein gutes Recht. Das ist auf jeden Fall auch ein Aspekt. Man muss sich nicht aneinander anpassen, wenn man nicht zusammen passt.

    Also hier schlagen alle paar Tage Angehörige auf, bei denen das die ganz große Liebe war, die sich zur Hölle entwickelte. Und für die man alles mögliche einsteckt, bis es halt nicht mehr geht. Oder es zu Gewalttaten kommt, bevorzugt unter Alkoholeinfluss. Oft fings genau so an und dann steht da "vor 10 Jahren hab ich das noch toleriert, aber..."

    Es kann niemand hellsehen. Wir auch nicht. Wir können Dir auch nicht sagen, wie Du leben willst oder sollst. Eine zeitliche Grenze kannst Du dir schon setzen, auch um das Gefühl zu haben, es wenigstens versucht zu haben, solltest aber bedenken, das es immer schwieriger für Dich wird, da wieder rauszukommen, je länger Du das mitmachst. Weil das nämlich Deine Energie zieht. Ausserdem, wen das schon jetzt keinen Spaß mehr macht, auf was wartest Du?

    Die Beiträge hier zeigen könnte auch nach hinten losgehen, dass er Dir die Hölle heiss macht weil Du ihn öffentlich schlecht redest. Und sich dabei auch noch in die Enge gedrängt sieht und pipapo. Überzeugen können auch wir keinen, der trinken will, das steht nun mal ziemlich fest.

    Hallo Muffina,

    also auf die Schnelle würde ich sagen, solche Auseinandersetzungen hatte ich mit meinem Partner auch und das über ca. 12 oder 13 Jahre. Ich hab versucht mich einzuschränken, auch aus eigenem Interesse, aber wenn mein innerer Druck entsprechend groß war hab ichs auch laufen lassen. Und über die Jahre mehr und mit zunehmenden Streitereien.
    Ich hab auch kein richtiges Problem gesehen und wirklich aufhören wollte ich auch nie. Gehörte für mich auch nicht zu den Basisabmachungen der Beziehung, da mein Partner mich schon vorher kannte und sich aus meiner Sicht ja drauf eingelassen hatte. Und heute weiss ich, ich hätte auch gar nicht aufhören können oder wäre dann zumindest ganztags ein Kotzbrocken gewesen.

    Trinkpausen habe ich auch gemacht, habe damit im Grunde aber nur vor mir selbst verborgen, dass ich gar nicht ohne konnte. Dienten ja grade dem Zweck, weiter trinken zu können.

    Also ich musste auf jeden Fall selbst an meine Grenzen kommen und mein Partner konnte das da nicht mehr mit ansehen.

    Du kannst für Dich formulieren, wie Du Dir eine Beziehung vorstellst, und ihn dann quasi vernünftig drauf ansprechen, ob das möglich ist. Wenn er rumzickt oder sich windet bist Du absolut machtlos. Und mit falschen Versprechungen und Stimmungsumschwüngen - heute so, morgen so - musst Du natürlich auch rechnen, weil er ist selbst "heute so und morgen so", also wenn Dir das jetzt schon keinen rechten Spaß mehr macht, würde ich an Deiner Stelle ernsthaft drüber nachdenken, ob Du den drei Monaten noch ein paar Jahre hinterherschicken willst. Diesen Mann kriegst Du im Moment nur mit seiner Trinkerei, so wie sie ist. Trinkpausen und Selbstkontrollversuche sagen nichts darüber aus, ob er es braucht, da sie zu einer Suchtentwicklung auch dazu gehören. Könnte also sein, nur weiss mans jetzt halt nicht. Ausser er macht plötzlich Nägel mit Köpfen, aber so siehts ja nicht gerade aus.

    Ganz ähnliche Geschichten gibt es hier mehrere, vielleicht liest Du hier erst mal. Ausserdem ist das natürlich nur auf Deine Beschreibung hin, ich kenne den Mann nicht und Du musst gar nichts, ich hab nur versucht Deine Frage zu beantworten.

    Ich wünsche Dir jedenfalls einen guten Austausch hier.

    Gruß Susanne

    Dein gesunder Egoismus wäre es übrigens auch, darüber nachzudenken, was Du tun kannst, um selbst nicht mit einem Rückfall von ihm konfrontiert zu werden. Weil das Deinem Wohlbefinden ja auch schaden würde (sonst würdest Du ja nicht hoffen, die Beziehung zu retten)

    Also Du willst ja auch nicht mit dem Hintern einreissen, was Du mit den Händen mühsam zu erhalten versuchst. Sprich Deine Ansprüche an ihn müssen natürlich auch der Situation angemessen sein, weil Du selbst gar nichts davon hast, wenn Du ihn überforderst. Das wäre natürlich seine Verantwortung (und seine falsche Entscheidung, weil es für ihn nichts verbessern würde), wenn er deswegen zum Glas greift, aber Du hättest den Schaden ja trotzdem mit.

    Man kann das durchaus als sportliche Herausforderung sehen, was da passiert.

    Ja, das ist so. Es geht nicht nur um ihn. Eine Beziehung ist ein beiderseitige Sache (auch wenns scheitert übrgens). Also man kann schon von ihm verlangen, das er auch da seine Verantwortung übernimmt, allerdings natürlich auch in dem Mass, wie er grade kann. Am Anfang sind die Nerven halt auch dünn, er ist wackelig, wie Du selbst ja auch schon festgestellt hast. Bis er wieder voll belastbar ist, das dauert, und manche finden auch nie wieder zur alten Form zurück. Alkohol ist definitiv ein Zellgift und manches ging auch nur mit Doping.

    Struktur und Tagesablauf muss er auch in einer stationären Therapie einhalten, und in einer ambulanten muss er pünktlich sein und sich ebenfalls an Abmachungen halten. Trotzdem muss er natürlich auch den Raum finden, um sich zu stabilisieren und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, das ist für ihn auch eine neue Situation jetzt.

    Gesundes Mittelmaß, ein sehr gutes Stichwort, und genau etwas, was Süchtigen ja fehlt. Vor ein Paar Tagen hast Du ja auch von dem Übermotivierten geschrieben, was er da plötzlich hatte..von einem Extrem ins Andere. Kenne ich.

    Die Zwickmühle, in der einer dann stecken kann (und der ist freiwillig in Therapie gegangen), ist für mein Empfinden hier ganz gut erkennbar (was aus ihm momentan geworden ist, weiss ich nicht):

    https://alkoholforum.de//index.php?topic=2127.0

    Hallo Tinka,

    Ja, ich hab das Gefühl, Du nützt das Forum auch in der Weise wie wir es öfter vorschlagen. Du ziehst Dir die Infos aktiv und wertest die Erfahrungen anderer auch für Dich aus. Selbsthilfe im Sinne des Wortes.

    Auf jeden Fall schaffst Du (und er) anscheinend die Voraussetzungen, unter denen das auch klappen kann. Wie gesagt, bei mir und meinem Partner hats ja auch geklappt, und auch wenn es viele andere abschreckende Beispiele gibt, bin ich ja trotzdem grundsätzlich optimistisch sonst würde ich mich ja selbst Lügen strafen (und jeder Aufwand hier wäre sinnlose Zeitverschwendung, aber so ist es eben nicht)

    Ich wünsche Dir (und Deinem Partner auch) auf jeden Fall alles Gute.

    Gruß Susanne


    Ich habe euch eine unerfreuliche Nachricht mitzuteilen. Die Krankenhaus-Entgiftung habe ich gecancelt (wg. Corono). Insofern hatte ich es nochmals alleine versucht. Mit mäßigem Erfolg. Nach fünf Tagen, hatte ich heute schon einen starken Rückfall.

    Das ist ja vor allem für Dich eine schlechte Nachricht, weil, Kandidat säuft und ist zwar um eine Erfahrung, aber um keinen Schritt weiter und dreht sich weiter im Kreis.
    Und Du wusstest es ja bereits ;)

    Ich kenne einige Leute, die ziemlich viele Anläufe gebraucht haben, das kommt vor. Manche habens dann irgendwann doch noch geschafft, bei einigen hatte es aber Folgen, mit denen ich nicht leben möchte. Hirn weggesoffen, können nur noch im Heim leben, andere chronische Bauchspeicheldrüsentzündung mit Zucker und amputierten Füßen, zum Teil ist da der Friedhof gnädig dagegen. Andere hatten mehr Glück.
    Es ist halt ein Spiel mit dem eigenen Leben. Kann man gewinnen oder verlieren.

    Ich weiss, dass solche Beschreibungen (Ermahnung ist es gar nicht, weil ja Du die Folgen tragen musst, wenn Du immer wieder auf die Fresse fällst. Mir tut ja nichts weh wenn Du dir dabei die Zähne aushaust) nichts helfen, möchte das aber trotzdem nicht verharmlosen. Und natürlich wird das Leben von jedem hier (ausser Deins) weiter gehen, wenn Du den Bach runtergehst.
    Trotzdem ist das hier natürlich auch dazu da, um genau solchen Freaks wie Dir die Möglichkeit der Selbsthilfe zu geben. Wie gesagt, Selbsthilfe, musst Du Dir selbst rausziehen, was Dir hilft. Gibt ja hier X Erfahrungsberichte. Einige hier sind auch unkonventionell trocken geworden, ohne Selbsthilfegruppe oder Therapie. Deine Möglichkeiten sind allerdings ziemlich begrenzt, wenn von Dir nicht mehr kommt.
    Die Chancen auf ein besseres Leben nimmst Du Dir vor allem selber und wir sind da nur Zuschauer. Und wenn Du aufgibst, hast Du sowieso schon verloren.

    Mach was draus oder nicht.


    Aber ich möchte auch sagen, dass ich schon mit einigen Menschen Kontakt hatte, die nur aufgrund massiven Drucks durch den Partner oder die Familie oder sogar den Arbeitgeber etwas unternommen haben, dann in LZT gegangen sind und sich dort erst mal völlig falsch vorkamen. Um dann dort im Laufe der Therapie plötzlich zu merken, dass sie hier vollkommen richtig sind und dann darüber mehr und mehr zur Überzeugung gelangt sind, dass sie nicht mehr trinken wollen.

    dem stimme ich zu. Ich bin selbst ein Mensch, der diesen Druck aufbauen konnte und es gibt ein paar Leute, die sagen, ich habe ihnen so oft einen Tritt gegeben, bis sie es kapiert haben. Als ich noch mehr Lust hatte, mich zu engagieren, habe ich mir da heiße Diskussionen mit manchen geliefert. Und wenn ich hier ab und an schreibe, ich kenne Leute mit 100 Entgiftungen und drei Langzeittherapien, dann habe ich das bei mehreren in voller Länge selbst mitgekriegt. Also nicht nur hinterher oder vom Hörensagen. Und einige gehören heute zu meinen besten Freunden. Von daher weiss ich natürlich auch zusätzlich, was Aufhören bewirken kann, nicht nur bei mir :D

    Allerdings hatte ich auch selbst was davon, denn es gehört zu der Auseinandersetzung mit meiner eigenen Sucht und meiner Familiengeschichte. Für mich war das eine Art, meine eigene Wut und Hilflosigkeit intellektuell und emotional zu bewältigen. Da war die Wut zu was gut und eben nicht so selbstzerstörerisch wie ich das lange gelebt hatte. Und meine Exit-Strategie stand immer, denn mich hat das in meinem Leben nie so besonders beeinträchtigt, wenn einer weiter gesoffen hat. Ich konnte die Leute auch verrecken sehen, wenn sie das partout nicht einsehen wollten, hart gesagt. Das war für mich Informationsinput, wie man es nicht machen sollte, und Bestätigung der Einsicht, mit was wir es bei Alkoholismus zu tun haben. Und wenns dann jemand nach langen Ringen geschafft hat, war das halt auch immer ein Erfolgserlebnis.

    Jedenfalls ist es natürlich schon klar, dass man die Welt nüchtern anders sieht oder wenigstens sehen könnte, auch wenn die Nüchternheit erzwungen ist. Einsicht kommt da sicher mit größerer Wahrscheinlichkeit als wenn der Kopf immer im Nebel steckt.

    Mir gehts jetzt auch wirklich mehr um die Angehörigenseite, wo dann manche eben über sehr lange Zeit sich selbst nicht davon lösen können und immer wieder Hoffnung schöpfen und auf Versprechungen reinfallen und denen ihr Leben dadurch wirklich versaut wird bzw. sie sich zum Teil auch selbst versauen, weil sie es nicht lassen können und selber emotional abhängig von der Situation sind.

    Und ich kenne nach einer Handvoll Beiträgen hier niemanden so gut, dass ich sicher sein kann, ob der/diejenige das dann auch wahr macht, sich zu trennen, denn leere Drohungen habe ich auch schon oft genug gehört. Wenn es dann zum Rückfall kommt, hat man doch wieder Verständnis oder stellt fest, dass man zu sehr am Anderen hängt. Man kann nun mal viel auch vor sich selbst behaupten, so lange man keine Taten folgen lassen muss.
    Ich erwähne es, weil es für mich dazugehört und damit ich es erwähnt habe. Ob es notwendig ist, weiss ich meistens nicht und was mein Gegenüber daraus macht, habe auch ich nicht in der Hand.

    Im Prinzip gehts mich gar nichts an, was jemand macht, so gut kennen wir uns hier gar nicht. Jedenfalls bin ich bei niemandem erziehungsberechtigt. Also wenn sich jemand auf die Füsse getreten fühlt, den Fuß einfach wegnehmen. Dürfte ja kein Problem sein.

    Noch ein allerlertzter Kommentar

    Wenn das den Partner erkennbar stark belastet und er sein Glück davon abhängig macht, ob der andere jetzt trocken wird, kann das für den Alkoholiker auch wieder zu einer Belastung werden, er hat dann das Gefühl, das er für Dein Glück verantwortlich ist und Deine Last auch noch mitschleppen muss, und das kann auch zu viel werden.
    Irgendwo hab ich mal gelesen, für Sterbende ist es kein Trost, wenn sie die sorgenvollen Gesichter ihrer Angehörigen sehen. Und auch wenn man in einem Loch sitzt, bringt es eher wenig, wenn man sich um das Leiden Seines Gegenübers auch noch Sorgen machen muss. Ein unglücklicher/unzufriedener/ungeduldiger Partner kann auch für einen Alkoholiker, der trocken werden will, eine Belastung sein. Und auch der braucht seinen Abstand.

    Mir persönlich gehts da eigentlich besser, wenn ich weiss, der andere ist nicht davon abhängig, was ich mache. Das nimmt mir eine Last von den Schultern, auch wenn ich mich natürlich auch erst damit abfinden muss, dass der mich ja gar nicht braucht. Aber mit jemandem mit zu fühlen ist auch nicht das gleiche, wie mit zu leiden. Also das hat nicht unbedingt mit "egal sein" zu tun, sondern damit, freier in seinen Entscheidungen zu werden.
    Und das Thema ist dann auch wieder Teil der Coabhängigkeit, eines Verhaltens, das die Sucht des Partners eher fördert. Streitereien gehören auch dazu, weil sie Saufgründe liefern.

    Das Thema, wie man diese ganze Verstrickungen und gegenseitigen Verantwortlichkeiten auseinanderklauben kann, haben wir dann irgendwann in der Paartherapie gelernt. Das ist schon rentabel, sich damit zu beschäftigen.