Beiträge von Susanne68

    Hallo Nyssa,

    Du hast ja jetzt schon eine Menge Input bekommen.

    Kurz zu mir, ich habe auch immer Trinkpausen gemacht, wenn ich getrunken habe, dann aber so viel, das ich mehrmals fast dran gestorben wäre. Viel hat nicht unbedingt was mit "immer" zu tun...
    Ich komme auch aus einer Familie, in der insgesamt viel getrunken wurde, aber mit 40 denke ich, spielt die Herkunftsfamilie auch nicht mehr so die Rolle. Auf Unterstützung durch die Familie habe ich weder gewartet noch damit gerechnet. Wegen mir hat auch niemand aufgehört, warum auch, ich habe wegen anderen ja auch nicht aufgehört.
    Jetzt trinke ich schon über 19 Jahre nichts mehr, mein Vater ist an den Folgen des Alkohols gestorben. Wir sind lange ziemlich getrennte Wege gegangen.

    Ich hatte damit gerechnet, dass es mir extrem schwer fallen würde, aber dann fiel es mir ziemlich leicht. War halt irgendwie durch.

    Mich würde noch folgendes interessieren


    Habe knapp ein halbes Jahr durchgehalten.

    ....

    Und hoffe hier auf Unterstützung.

    Wenn Du durchgehalten hast..musstest Du kämpfen? Durchhalten hört sich nach Anstrengung oder Kampf an. Ist das so? Hast Du deswegen dann auch wieder getrunken, wegen innerem Druck oder Trinkdruck? Für mich ist das nicht selbstverständlich, dass man durchhält (oder durchhalten muss), ich hatte eines Tages die Schnauze voll und seitdem war das für mich ziemlich selbstverständlich, nichts zu trinken. Am Anfang hab ich mich damit ziemlich auseinandergesetzt, aber "durchhalten" konnte man das nicht nennen, weil ich nie mehr wirklich das Bedürfnis zu trinken gehabt hätte. Mir hats gründlich gereicht. Aber vielleicht hänge ich mich an diesem Wort jetzt auch zu sehr auf..ist mir halt aufgefallen.
    Jedenfalls, wenn das so wäre, müsstest Du da vielleicht ran. Immer kämpfen ist schwierig, es darf auch mal von selbst gehen.

    Welche Unterstützung erwartest Du Dir? Gut zureden hat bei mir nicht viel geholfen, eher gar nicht, was mir mehr geholfen hat war allgemein Wissen darüber, wie Sucht funktioniert. Und dann natürlich, was ich STATT Trinken machen kann und wie ich mir ein Leben ohne Suchtstoffe einrichte.
    Was erwartest Du? Wie kann man Dir helfen, was glaubst Du?

    Gruß Susanne

    Hallo,

    wenn das noch ein paar Wochen geht, ist das vermutlich eine Langzeittherapie, oder irre ich mich da?
    Gibt es da keine Paargespräche? Normalerweise gibts da doch oft so was wie Paarwochenende, wo man auch mit dem Therapeuten mal gemeinsam spricht, wie das dann weiter geht.

    So generell kann man das gar nicht sagen, was ein Alkoholiker braucht. Ist halt doch jeder ein bisschen anders als der Andere. Manche wollen mehr ihre Ruhe, andere eher reden. Kann auch ganz unterschiedlich sein, was jemandem Probleme bereitet oder warum jemand getrunken hat. An sich denke ich, Ihr müsst da vor allem drüber reden, was sie braucht, und Du solltest sie ernst nehmen.

    Und ich würde an Deiner Stelle auch damit rechnen, dass sie sich durch die Therapie und durchs Aufhören verändert. Aber in welcher Richtung, das musst Du nun auch abwarten, und auch da könnte reden helfen. Und für die gemeinsame Zukunft wäre es auch wichtig, das auch Du weisst, was Du brauchst, und das klar kommunizierst. Keine überzogene Angst, das Du sie damit unter Druck setzt, Stress lässt sich eh nicht ganz vermeiden, davor kannst Du sie nicht bewahren, da muss sie durch.

    Gruß Susanne

    Niederungen des Daseins bezog sich auf diesen Satz


    aber ich wollte nicht zusammen mit Drogenabhängigen etc. eine Therapie machen, in Gruppen von 20, 30 oder 40 Leuten

    ..und Niederung ist für mich in diesem Zusammehang immer relativ zu dem, wo man sich selbst gerade wähnt.

    Und es waren schon ein paar Einlassungen dabei, wo ich dachte, dass Angela das vielleicht mit einem Kuraufenthalt verwechselt. Erst mal ein bisschen Urlaub, "hoffe, die machen einen guten Plan für mich", "möchte das nicht selbst machen müssen".:.also schon ein bisschen Vollkaskoversorgungsmentalität.
    Und wenn man 10 Jahre saufen konnte und sich da mit Sicherheit nicht reinreden liess, kann man ja auch nicht erwarten dass einem alle den roten Teppich auslegen, wenn mans sich dann endlich mal gemütlich überlegt.

    Es ist ein bisschen provokant von mir, könnte natürlich auch völlig daneben liegen und ich bin mir selbst eigentlich nicht sicher, ob ich es richtig finde, das zu schreiben, aber ich habe da einfach das Gefühl, dass es so nicht klappen wird, ohne das da noch ein bisschen Umdenken stattfinden wird. Für meinen Geschmack ist da noch ein bisschen wenig Eigenverantwortung dabei.

    Und klar, natürlich wäre es gut, wenn der Draht zum Therapeut stimmen würde. Das heisst ja nicht, das man sich nicht auch mal direkt die Meinung sagen kann, das sollte der Draht schon aushalten und der Therapeut sollte auch professionell genug sein, um mit der Kritik umzugehen. Aber wer von uns kennt es nicht auch, was man nach ein paar Tagen Trockenheit alles in den falschen Hals bekommen kann und wie gereizt man da auf manchen Hiweis und auf harmlose Fragen anspringen kann? Da müsste man jetzt die andere Seite hören, um sich überhaupt ein Bild zu machen.

    Gruß Susanne

    Und natürlich würde ich damit rechnen, dass das alles erst mal ein bisschen dauert.
    Erst mal der Entzug, wobei der psychische Entzug viel länger dauert als der körperliche. Und noch länger dauern die Änderungen am eigenen Leben. Eher Jahre als Wochen.

    Und oft ist man nach ein paar Wochen oder Monaten euphorisch und denkt, nun hat man es hinter sich, dabei ist man erst mal nur von der Droge (wozu ich Alkohol rechne) runter, aber die eigentliche Arbeit fängt dann erst an. Ziel ist ja nicht, das man nicht mehr will und nicht mehr darf, sondern dass man es wirklich nicht mehr braucht, für nichts. Dass nüchtern leben so selbstverständlich wird wie vorher 10, 20 30 Jahre lang zudröhnen.

    Mein Partner hat mit dem Rauchen aufghört und ich habe dann noch ein paar Jahre weiter geraucht. Direkt neben ihm. und als ich dann so weit war, war mir das auch egal, wenn um mich herum andere geraucht haben.
    Genau so beim Alkohol. Als ich mal die Schnauze voll hatte, hatte ich die Schnauze voll. Da tangierte mich das alles nicht mehr, wenn andere getrunken haben.

    Kann also klappen, und wie Du schon schreibst, musst Du da jetzt sowieso durch.

    Beim Suchtdruck gibts mehrere Arten. Das eine ist der unmittelbare Jieper, der einen so überfällt. Das andere sind so Gedanken, wie schön es doch wäre, mal wieder zu trinken.

    Beim direkten Suchtdruck hilft oft, viel alkoholfrei zu trinken. Wasser, Saftschorle. Bei dem, was Du für Rose und Sex on the Beach gezahlt hast, kannst Du Dir auch wirklich gute Säfte leisten, kann richtig lecker sein. Und dann aber ruhig wie beim Wein auch ein, zwei Liter. Eisbecher sind nach meiner Erfahrung auch ganz gut.
    Überhaupt, genug trinken und richtig essen, Mineralstoff- und Vitaminhaushalt, gefüllter Magen, das hilft alles auf die eine oder andere Weise. Abreagieren.

    Und beim Gedanken, wie toll es doch mal wieder wäre...es wäre eben nicht toll, sondern würde ja wieder da hin führen, wegen dem du nun aufhören willst, nämlich zum nächsten Absturz. Also den Gedanken kannst Du gleich abstellen, dieser Fantasie würde ich mich gar nicht groß hingeben.
    An sich gehts ja drum, dass man sich, auch wenn man trinken will, besser fühlen möchte, und das ist eben der Punkt. Was könntest Du tun oder insgesamt ändern, um ohne Alkohol (und überhaupt ohne Betäubung) trotzdem ein befriedigendes Leben zu führen, wo Dir das nicht mehr fehlt. Vor dieser Aufgabe stand wohl so gut wie jeder. Und das muss natürlich auch jeder für sich selbst herausfinden.

    Ich dachte gestern erst mal, das Übliche. Nach einem Absturz schwört man sich, nie wieder, und das hält genau so lange wie das Kopfweh oder sonstige direkte Nachwirkungen. Sobald der Haussegen wieder halbwegs gerade hängt und der Katzenjammmer überstanden ist, könnte man doch wieder. Abgesehen davon, dass man als Süchtiger dran arbeitet (arbeiten muss) das nicht so schlimm zu finden.

    Ja, Drogen. Ich dachte auch irgendwann, trinkst Du nur noch, ist leichter beherrschbar und macht weniger gesellschaftliche und juristische Schwierigkeiten. Gibts ja überall, musst Du nicht verstecken, kannst Du jederzeit öffentlich tun. Aber gerade die Einfachheit ist ein Teil des Problems. Denn da musst Du alles, was Dich davon abhalten kann, aus Dir selbst heraus holen.

    Am Alk und den Kippen bin ich hängen geblieben. Und damit aufzuhören, war etwas anderes, als nur eine Sucht gegen die andere zu tauschen.

    Bin mal gespannt, ob hier noch was kommt.

    Ich schliesse mich da Gerchla an. Fakt ist ja, dass Du Deinen Vater pflegst, und Fakt ist, dass er Dich unterstützt, und das was Deine Psychologin da gesagt hat, könnte man auch als klärende Frage auffassen. Wenn Dich Dein Vater nicht unterstützen würde, könntest Du Dir wohl weder den Luxus, wegen dem Arbeitsplatz wählerisch zu sein, noch den Luxus einer Privatklinik leisten. Ob Du das Geld nun für die Pflege bekommst oder nicht, ist da eher nebensächlich. Es macht Dir das Leben jedenfals leichter und in mancher Beziehung vielleicht sogar zu leicht.

    Und Du schätzt es ja ganz offensichtlich selbst, dass Du es Dir leisten kannst, Dir die Privatklinik zu gönnen und nicht in die Niederungen das Daseins hinabsteigen zu müssen. Drogenabhängige, wie eklig. Da kommen übrigens auch viele aus gut betuchten Eltenrhäusern, kennst Du den Begriff "Wohlstandsverwahrlosung"? Ein Glück, dass Du was Besseres bist. Dabei bist Du aber auch nur eine Säuferin, die Hilfe benötigt. Und das kratzt vermutlich an Deinem Selbstbewusstsein.

    Ich würde mal sagen, Du bewegst Dich auf ganz dünnem Eis, was Deine zukünftige Abstinenz angeht. Ich hab schon mehrere solcher Fälle erlebt, die sichs leisten konnten und dann dachten, sie werden trocken, auch wenn sie sich nur die Rosinen rauspicken. Ich kenne da (unter Anderen) so einen Typen, der hat mehrere Geschäftshäuser in Bestlage, deswegen kackt der sich genau so voll wie ein Penner auf der Parkbank. Und der wird auch genau so elendiglich verrecken. In strunzgewöhnlichen Selbsthilfegruppen sitzen Uni-Professoren, Manager und Rechtsanwälte, denen Du möglicherweise intellektuell nicht das Wasser reichen könntest. Trotzdem werden sie mit ihrer Sucht nicht fertig.

    Und das schreibe ich nicht als Angriff, sondern als freundlichen Hinweis. Du wirst schon noch Einiges bei Dir selbst klären müssen.

    Guten Morgen,

    ich hab ja auch keine klassische Therapie gemacht, aber ich hatte ca. 15 Einzelsitzungen bei einer Psychologin der Suchtberatung der Diakonie.

    Erstens musste ich da auch bezahlen. Zwar nur einen symbolischen Betrag, aber "wer es sich leisten kann, von dem verlangen wir das, erstens zu unserer Unterstützung und zweitens zur Untermauerung der Ernsthaftigkeit". Da gings wohl auch drum, die Spreu ein wenig vom Weizen zu trennen. Es ist dort nicht viel anders als hier im Forum, dass viele Hilfesuchende kommen, die schwach anfangen und dann stark nachlassen. Wo der Wille zur Abstinenz also nicht sehr viel weiter reicht, als bis der momentane Katzenjammer wieder verschwunden ist, und ist ja klar, dass professionelle Helfer schon gerne wüssten, wo sich der Aufwand überhaupt rentiert.

    Gestritten haben wir ausserdem auch. Zum Teil deswegen, weil sie auch sehr direkt war, zum Teil aber auch deswegen, weil ich mich auf Vieles nicht festnageln lassen wollte und sie mir das aber nicht durchgehen liess. "Wenn Sie Hilfe von uns wollen, dann halten sie sich gefälligst auch an unsere Regeln"...ein ganz wichtiger Punkt übrigens, denn Süchtige neigen zum "wasch mich, aber mach mich nicht nass", scheuen sich, bei sich selbst da hin zu gucken, wo es unangenehm wird, und ich war da anfangs nicht anders.
    Und als ich dann z.B mit Trinkgründen anfangen wollte...uninteressant, warum sie das bisher so gemacht haben, jetzt gucken wir mal nach vorne wie wir das anders machen können. Wie sie es bis jetzt gemacht haben, wissen Sie ja bereits. Dafür haben wir jetzt keine Zeit.
    Und dann musste ich klar sagen, wie das bei mir eigentlich weiter gehen soll, ohne vieleicht und "mal gucken", sondern "das mache ich und das nicht". Ging auch drum, dass sie sich nur auf klare Aussage von mir hin überhaupt um weitere Hilfe für mich bemühen.

    War ich sauer. Übrigens für mich eine Herausforderung an sich, von dieser Wut wieder runterzukommen, ohne dafür dann den Alkohol zu Hilfe zu nehmen. Das war schon gleich mal eine Übung für das trockene Leben, trotz Widerständen weiter zu machen.

    Ich habe nach ca. 4 Jahren Trockenheit noch mal eine andere Therapie gemacht. Da war ich irgendwann auf meinen Therapeuten auch richtig sauer. War mir irgendwie "zu nahe getreten". Trotzdem war er ein sehr guter Therapeut. Als ich ihm das dann so gesagt habe, dass ich sauer bin, meinte er, super, das gehört zum Entwicklungsprozess. Man soll den Therapeuten ja nicht heiraten und zum Kuscheln ist er auch nicht da, das ist kein Kaffeekränzchen und es geh auch nicht um "gute Gespräche", sondern das sind ja im Grunde harte Arbeitstreffen, die es einem ermöglichen sollen, dann wieder alleine durchs Leben zu gehen. Wie mans falsch macht, das weiss man selbst und dafür braucht man keinen Therapeuten.

    Gruß Susanne


    So mit das Schwierigste daran war aber, daß der Gedanke an ein Leben komplett 'ohne' irgendwie nicht sonderlich spannend war. Es erschien mir... perspektivlos. Ändern... okay... aber wofür überhaupt?

    genau das war bei mir auch ziemlich ausgeprägt. Erst in Bezug auf Drogen, dann beim Alkohol.
    "Damals" hatte ich noch nicht begriffen, dass es sich dabei (zumindest bei mir) um psychische Entzugserscheinungen handelte, die nach einer gewissen Zeit vorbei gingen.

    Ich hab ein gutes Jahr, nachdem ich mt dem Alkohol aufgehört habe, das Rauchen (ebenfalls extrem, 50 Zigaretten täglich mindestens) aufgehört, und da hab ich mehrere Tage am Rad gedreht, hatte Impulse, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, um das auszuhalten.
    Da wusste ich allerdings schon, dass es reiner Entzug ist und vorbeigehen wird. Im Währenden, also wenn ich diese Anfälle gerade hatte, war das aber auch die reine Verzweiflung.

    Und den "Sinn des Lebens" musste ich mir tatsächlich auch erst irgendwie schaffen. Ich habe sehr früh (Elternhaus) mit dem Drogen-und Alkoholkonsum begonnen, einen sonstigen Sinn im Leben nie gesehen (Zeitvertreib bis zum Sterben, alles Andere was man so macht tritt sich irgendwann fest, also wozu eigentlich die ganze Plagerei mit Job etc., mitnehmen kannst Du am Schluss ja eh nichts?) und dann letztlich wegen dem Leidensdruck aufgehört. Erst mal Euphorie, ist ja so schön wenn der Schmerz endlich nachlässt und man auch merkt das es klappt, aber dann doch wieder große Leere. Stand dann auch irgendwann vor der Frage "solls das jetzt gewesen sein, den ganzen Schrott jetzt zwar nüchtern, aber wozu?

    Ich habe dann angefangen, mein ganzes Leben etwas spielerischer zu betrachten, bin beruflich Risiken eingegangen, die ich mich eigentlich nie getraut hätte, und habe versucht aus meinen Hobbies einen Beruf zu machen, habe dafür Sicherheiten aufgegeben. Ich habe ein paar (für mich) spannende Sachen gemacht, bei denen ich zwar nicht reich geworden bin, aber tatsächlich noch mal so was wie Spannung in meinem Gesamtleben hatte, und nochmal eine Menge dazu gelernt, Lehrgeld gezahlt, aber auch was erlebt. Und darüber hat sich das dann auch geregelt, das ich mit meinem Leben insgesamt ganz zufrieden bin, und damit wurde das mit dem Sinn immer unwichtiger für mich. Und die Leere kultiviere ich meditierend manchmal geradezu.

    Gruß Susanne

    Ich denke, in dieser Konstellation hat halt eine(r) immer die Arschkarte. Da gibt es keine schöne und einfache Lösung, mit der alle rundum glücklich sind.

    Für den Süchtigen ist es auch ein extremer Verlust, wegen Angehörigen auf seine Droge zu verzichten.
    Sehr oft liest man ja, dass Trinker mit der Flasche verheiratet sind. Und so fühlt sich das ja auch an. Wie wenn man die/den Geliebte(n) verlassen müsste, weil die Angehörigen nicht damit klar kommen. Und so wie der Süchtige auf sein Suchtmittel fixiert ist, ist der Angehörige auf den Süchtigen fixiert. Zumindest sehr oft, ich kenne das aus eigener Erfahrung.

    Es ist gehupft wie gesprungen, wers zuerst nicht mehr aushält, muss was ändern. Und wenns dem Trinker noch nicht reicht, aber dem Angehörigen schon, dann muss halt der Angehörige von seinem Suchtmittel lassen. Und der Bruder/Mann etc. ist ja dann das Suchtmittel, wenn das Verhältnis so zwanghaft ist.
    Der Angehörige hat dann auch das größere Problem, wenn der Trinker offensichtlich noch ganz gut mit der Situation leben kann (und das zeigt er, indem er weitermacht), aber der Angehörige eben nicht. Und über die Situation zu jammern, hat mit "tun'" nichts gemeinsam. Jammern kann man lange, und trotzdem nichts ändern. Und das betrifft Angehörige wie direkt Betroffene.

    Wahrscheinlich kriege ich jetzt Haue, aber Angehörige begreifen ja auch nicht, was sie vom Süchtigen verlangen, wenn sie denken, wegen ihnen könnte der so einfach aufhören. Abgesehen davon, das man ihn ja sowieso nicht dazu zwingen kann.

    Ich meine, man könnte ja auch den Wohnort wechseln, wenn man dem Säufer nicht mehr begegnen und sich nicht blöd anmachen lassen will. Der Klügere gibt nach. Dann hat der Andere zwar (scheinbar) gewonnen, aber man kann wenigstens neu anfangen, leben und frei atmen. Vom Süchtigen erwartet man ja auch, dass er sein Leben komplett ändert, also warum nicht auch von sich selbst?

    Herzlich willkommen Summerchild,

    die Geschichten von Süchtigen sind extrem unterschiedlich, von daher möchte ich nur mal von meinen Erfahrungen erzählen.

    Mein Vater trank wohl mindestens so lange, wie ich ihn kannte und er starb an den Folgen des Trinkens, als ich 57 Jahre als war und er 82. Wenn ich mich nicht vollkommen irre, hatte er keinen alkoholfreien Tag, so lange ich auf der Welt war, und bis ganz kurz vor seinem Tod, also mindestens 57 Jahre am Stück (wahrscheinlich aber auch schon vorher).
    Er war eher so ein Trinker, wie es früher viele gab, hat zwei Bier mit zum Arbeiten genommen, abends ein paar Halbe, da und dort ein Viertel Wein, drei vier Schnäpse dazwischen und ansonsten auch nie "Nein" gesagt, wenn ihm etwas angeboten wurde. Über den Tag gerechnet war das eine ordentliche Menge, dabei war er aber sein Leben lang nie arbeitslos und hat nebenbei ein paar Häuser gebaut.

    Meine Eltern liessen sich scheiden, als ich 25 war, da war ich aber schon lange ausgezogen und lebte einige hundert Kilometer davon entfernt. Alkohol spielte bei ihren Streitigkeiten immer eine Rolle, die Trennung kam aber weil er plötzlich ein Freundin hatte. Das hat ihm meine Mutter dann nicht mehr verziehen.

    Meine Mutter war dem Alkoholkonsum auch nicht gänzlich abgeneigt, also bei uns stand täglich was auf dem Tisch. Bier, Wein, Schnaps, Likör, das war immer präsent. Ich bin da so reingewachsen, ich fand das Trinken ganz normal, kannte ja nichts anderes, es schmeckte mir und ich mochte auch die Wirkung. Relativ früh kam ich auch mit anderen Drogen in Berührung, ausserdem war ich eine eher rebellische Jugendliche, störte mich nicht so sehr, wenn ich schlecht aufgefallen bin, und so nahm ich dann, bis ich 24 Jahre alt war, an Drogen so ziemlich alles, danach trank und rauchte ich "nur" noch bis ich 40 war.

    Ich habe viel Schnaps getrunken, oft zwei bis drei Liter, war also dann wirklich hackedicht. Andererseits habe ich auf Druck meines Partners und auch weil ich selbst nicht ganz abstürzen wollte, die letzten Jahre meiner Karriere jede Woche drei Tage Pause eingelegt und nur abends getrunken, dann natürlich reingepresst. Aber tagsüber nur sehr selten, ich hatte das auch mal ausprobiert, um den Kater zu bekämpfen, heisst ja immer, das man mit dem weitermachen soll, womit man aufgeghört hat, aber das tat mit nie nie gut und deswegen hatte ich da auch nie ein gesteigertes Bedürfnis danach. Ich habe es dann lieber ausgehalten, wenn es morgens schlecht ging.

    Ich war von daher wohl auch eher psychisch abhängig und habe ohne Entgiftung aufgehört, habe da also keine Erfahrung.
    Der Tiefpunkt kam bei mir absolut plötzlich, über Nacht sozusagen.
    Ich habe nie jemandem versprochen, dass ich aufhöre, die Diskussionen und Streitereien, die ich mit meinem Partner darüber geführt habe, drehten sich immer nur drum, das ich mich besser unter Kontrolle halten sollte und wollte. Im Grund war ich auch immer davon überzeugt davon, das ich jederzeit aufhören könnte, wenn ich das wirklich wollte, aber ich wollte eben nicht aufhören, sah überhaupt nicht, was mir das bringen sollte, und ich habe schon in relativ frühen Jahren schon mal die Erfahrung gemacht, das ich wegen einem Partner nicht aufhören werde. Ausserdem war ich grundsätzlich der Ansicht, das es meine Privatangelegenheit ist, was ich mit meinem Leben und auch mit dem Trinken mache und dass das nun wirklich niemanden etwas angeht.
    Ich hatte schon mit ca. 20 schon mal die Erfahrung gemacht, dass mir der Rausch mehr felhlt als der (damalige) Partner, wenn ich es drauf ankommen lasse. Also war es bei der weiteren Partnersuche damit für mich auch klar, dass nur ein Partner in Frage kommt, der meine Trinkerei akzeptiert. Trotzdem wurde es dann eben zu viel und das führte zu Konflikten. Aber die Geschichte ist von daher. eben grundsätzlich anders als bei Deinen Eltern.

    Als ich aufgehört habe, lebte ich praktisch in Trennung von meinem Partner (dem wurde das dann doch zu viel), war aber beruflich verhältnismässig gut aufgestellt. Es bahnte sich schon eine Weile an, weil es mir vom Trinken immer schlechter ging. Ich hatte dann immer häufiger Abstürze, bei denen ich Todesängste hatte, extreme Blutduckschwankungen, Kotzanfälle, Schlaganfallängste, lauter solche Dinge, ober wo es mir am nächsten Tag auffiel, wie viel Glück ich hatte, das nicht mehr passiert war (Verletzungen usw. vom Hinfallen).
    Trotzdem stand Aufhören für mich nicht zur Diskiussion, darüber hätte ich nie mit mir reden lassen und darüber nachgedacht habe ich auch nie. Ich bin immer den Weg gegangen, Trinkpausen einzulegen, um mich zu erholen, aber es war dabei auch immer klar, dass ich danach wieder trinken werde. Aus irgendwelchen Gründen war ich absolut davon überzeugt, das mein Leben vorbei wäre, wenn ich ganz aufhöre. Es fühlte sich für mich an, als ob ich mich dann gleich umbringen könnte, wenn ich nie mehr was trinken könnte. Also das kam überhaupt nicht in Frage, darüber auch nur nachzudenken.

    Eines Nachts war es dann eben so weit, als der Alkoholpegel langsam zurückging und es mir sehr schlecht dabei ging, kam mir wie ein Geistesblitz der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn ich "das mal ganz bleiben lassen würde", wenn ich also von dem damals schon jahrelangen Versuch mal lassen würde, das unter Kontrolle zu behalten, sondern einfach mal ..gar nichts mehr. Also so mehr oder weniger der Gedanke, was soll an einem nüchternen Leben eigentlich so viel schlimmer sein als an dem Leben, was Du jetzt gerade führst?
    Und als ich dann schon dabei war, fiel mir dann auch gleich noch ins Auge, wie lange ich schon damit rummache und was ich schon alles "gefressen" hatte, um weitertrinken zu können. Und um wie viel einfacher es vielleicht wäre, das Ganze los zu sein und einfach nüchtern weiterzumachen. Also eon echter Geistesblitz, ein Aha-Erlebnis erster Güte. Das passierte im Prinzip innerhalb weniger Minuten, dann war das klar, dass ich es zumindest ensthaft probieren werde, aufzuhören.

    Dafür war es aber Grundvorraussetzung, dass ich vorher wirklich so viel getrunken hatte, dass es mir extrem schlecht ging. Und dafür wiederum war es wohl auch wichtig, dass mein Partner es aufgegeben hatte, mich vor den schlimmsten Folgen zu bewahren, und er für sich die Konsequenz getrogffen hatte, sich zu trennen. Denn dadurch habe ich ja erst mal noch hemmungsloser getrunken, aber ohne das wäre ich nie an diesen Tiefpunkt gekommen, denke ich. So lange sich das noch irgendwie regeln liess, hätte ich wohl nie aufgehört.

    Und ich habe dann tatsächlich und sehr straight aufgehört, hatte nie einen Rückfall. Ich war in der Suchtberatung, hatte ca. 8 Sitzungen in einer Motivationsgruppe und vielleicht ein Dutzend Einzelgespräche mit einer Psychologin, aber dann ging es mir erst mal recht gut, 4 jahre später habe ich noch mal ein andere Therapie gemacht, diie nichts mit Alkholentwöhnung zu tun hatte, weil doch noch ein paar Baustellen geblieben waren. Aber an sich hatte ich einfach komplett die Schauze voll, das war mein Tiefpunkt.

    Zum Schluss noch mal zu meinem Vater. Der lebte dann ca. 15 Jahre alleine und als Rentner im eigenen Haus, nachdem seine letzte Freundin gestorben war. Wir unterhielten und dann auch mal über unsere Leben und eines Tages sagte er mir, das er wohl auch Alkoholiker wäre, dass es sich für ihn aber nicht rentieren würde, damit aufzuhören. OK, aus eigener Erfahrung weiss ich ja, dass eine Menge Arbeit darin steckt, "zufrieden trocken" zu werden, und wenn der (empfundene) Leidensdruck nicht sehr hoch ist, dann macht man das wohl nicht. Also so lange der Alkohol seinen Zweck noch erfüllt, redet man gegen Wände, das kenne ich ja von mir selbst.

    Ich habe das von daher einfach akzeptiert und gar nicht erst versucht, dagegen anzugehen. Im Gegensatz dazu haben seine Brüder ihn schon dafür kritisiert, dass es dann vor allem im Alter immer hemmungsloser wurde, aber denen hatte er einfach Hausverbot erteilt, wie er überhaupt jeden, der ihn ändern oder kontrolllieren wollte, einfach auf Abstand gebracht hat. Also das zu akzeptieren war am Ende sogar die einzige Möglichkeit, da überhaupt eine Pflege für ihn zu organisieren, als er Pflegefall wurde. Alles Andere hätte er gar nicht zugelassen, und gesetzlich musst du ihn machen lassen, da gibt es kaum eine Handhabe dagegen. Und natürlich waren die Schäden durch den jahrzehntelangen Konsum am Ende überall überdeutlich. Das kannst Du akzeptieren oder Dich damit kaputt machen, das bingt nichts.

    Dein Vater wird eine Menge Input bekommen, denke ich. Ich habe schon Leute geshen, da dachte man, das wird nie was, wurde dann doch, und aber auch schon Leute da dachte man, die habens geschnallt und dann war es doch nicht so. Hellsehen ist ziemlich schwierig, vor allem wenn es die Zukunft betrifft. Es wird sich rausstellen, was passiert.

    So weit erst mal, ich weiss nicht ob Dir das was bringt.

    Gruß Susanne


    Manchmal bin ich nur sehr erschrocken darüber, wie dicht ich noch dran bin am Alkohol. Das nehme ich die meiste Zeit garnicht wahr! Gestern beispielsweise hatte ich einen schlimmen Beziehungsstreit wo auch jetzt noch nicht klar ist, ob die Beziehung überhaupt noch existiert. Von den emotionalen Dingen mal abgesehen fühle ich mich total hilflos, da ich einfach keine Wohnung finde und ja auch noch meinen Sohn (14) habe (also nicht einfach gehen kann, wie ich das sonst gemacht habe, wenn mir was emotional zu viel wurde). Fakt ist, dass wenn sie gestern gegangen wäre ich schon den Plan hatte direkt Alkohol zu kaufen um das irgendwie aushalten zu können. Das macht mir Angst. Denn es ist ja nunmal alles am Kippen in der Partnerschaft und nur eine Frage der Zeit bis die Trennung vollzogen wird. Und dann aufeinander hocken weil sie nicht auszieht und ich nichts finde ist die Hölle für mich.

    Dazu hab ich auch noch was. Zwischen meinem Partner und mir hat es auch während meiner Trockenheit noch ein paar Mal ganz gewaltig gekriselt. Eine Zeitlang sah das bei uns auch so aus, als ob das nichts mehr wird. Wir haben dann wieder zusammengefunden, aber das ist eine andere Geschichte.

    Jedenfalls hab ich dann auch im Zorn schon gesagt, ich gehe mich jetzt besaufen, schon um ihn zu ärgern. Aber auch aus der momentanen Verzweiflung heraus, weil ich da auch ganz gewaltig unter innerem Druck stand. Also ich dachte wirklich einen Moment darüber nach, es zu tun.

    Aber schon in dem Moment, wo ich das gesagt habe, war mir eigentlich klar, dass ich nicht trinken werde. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich ja Erfahrung damit habe und wusste, das ich betrunken erst recht ein Häufchen Elend wäre, und dazu nicht mal mehr handlungsfähig, weil ich mich im Suff ja nur selbst behindert hätte. Ich hätte nicht mal mehr ins Auto sitzen und mir ein Hotelzimmer suchen können. Das war einfach nach sehr kurzem Nachdenken klar, dass das eine Sackgasse wäre, aus der ich dazuhin auch erst wieder rausfinden müsste.

    Der Punkt ist der, wenn ich dann mit dieser Situation klar kommen müsste, dann würde das, obwohl es schwierig wäre, nüchtern trotzdem noch besser gehen. Und wenn es nur wäre, weil mein Selbstbewusstsein nicht ganz so geknickt wäre, aber auch, weil ich mit klarem Kopf ja doch ganz anders denken kann. Und weil ich dann nicht zusätzlich das Problem hätte, mit dem Trinken auch mal wieder aufzuhören. Ich nehme an, Du wärest ja angetrunken auch ganz anders angreifbar, auch wenn ihr da gezungenermaßen noch aufeinanderhockt. Das würde es ja noch unerträglicher machen. Bei mir wäre das jedenfalls so.
    Und so wie ich das verstehe, suchst Du ja eine Wohnung. Selbst das dürfte nüchtern besser gehen.

    Ich komme mal wieder auf die Meditation bzw. den Voläufer. Atemübungen, mindestens einige Minuten und unter voller Konzentration. Am besten mit irgendeinem Video zur Anleitung. Da gibt es verschiedenste Quellen, Deine Therapeutin vielleicht oder ein Meditationsstudio oder auch Youtube. Das hilft zuverlassig, sich zu beruhigen. Das löst zwar die Probleme nicht, aber die Aufregung machts ja auch nicht besser.

    Gruß Susanne

    Loslassen ist ja ausserdem nur das eine. Das Andere ist, das Du Dich auch abgrenzen darfst.

    Er ist ja immerhin schon länger volljährig und wenn er sich entscheidet, nichts gegen seine Sucht zu tun, dann ist das eine Entscheidung eines erwachsenen Menschen, die er ja auch so fällen darf. Ich habe immer darauf bestanden, dass es mein Leben ist, und selbst wenn ich das zugrunde richte, dann ist das in erster Linie immer noch meine ganz persönliche Angelegenheit. Denn schliesslich bin ja ich am Ende tot, der Andere könnte ja gehen. Ich bringe ja nicht mein Gegenüber um, sondern mich selbst.
    Und zum Teil ist dieser Trotz, der dabei aufkommt, ja auch eine Abwehr der Übergriffigkeit, und die Manipulationen sind ja eine gegenseitige Angelegenheit. Angehörige versuchen ja auch massiv, den Süchtigen zu manipulieren, die wollen ja auch dass er etwas tut was er nicht will.

    Unterlassene Hilfeleistung ist es übrigens erst, wenn Dein Mann im nüchternen Zustand klar sagen würde, das er diese Hilfe will. Sonst sagt Dir jedes Gericht, dafür ist er selbst verantwortlich. Es ist schliesslich nicht entmündigt, das gibt es gar nicht mehr, und selbst als gerichtlicher Betreuer müsstest Du Seinen mutmaßlichen Willen durchsetzen und nicht Deinen. Also wenn Du als Betreuer weisst, dass er trinken will, dann gibst Du ihm was zu trinken. Und selbst dann, wenn er diese Hilfe will, müsstest Du nicht mehr tun, als Du tun kannst. Da es immer Möglichkeiten gibt, an Alkohol dranzukommen, könntest Du das gar nicht kontrollieren, selbst wenn Du das wolltest. Und wenn er sichs alle 5 Minuten anders überlegt, hättest Du gar keine Möglichkeit, ihn daran zu hindern.

    Ich meine, ich bin in gewisser Weise ja auch nicht für das Helfersyndrom Anderer zuständig, damit müssen die klar kommen. Ich muss mich nicht retten lassen, weil ein Retter das für sein Selbstbewusstsein oder sein Wohlbefinden braucht. Anderseits musst Du als Angehörige aber auch nicht die ganze Sucht-Geschichte mitmachen, denn es zwingt Dich ja auch niemand dazu, dabei zuzugucken und darunter zu leiden.

    Es gibt Suchtmediziner, die sagen dann selbst das sie eigentlich Sterbebegleitung machen. Oft über Jahre bei wiederkehrenden Entgiftungen, aber was anders ist es ja dann nicht. Man entgiftet sie und hofft, dass es dieses Mal vielleicht schnackelt, aber sie dürfen die Betroffen ja auch nicht gegen ihren Willen festhalten. Und oft ist es dann halt irgendwann zu Ende.

    Du darfst schon sagen "das ist Deine Angelegenheit, da halte ich mich raus".

    Hier sind momentan nicht viele Angehörige aktiv, so wie ich das mitkriege.

    Bei mir war es allerdings nicht der Partner, aber mein Vater ist am Alkohol gestorben und ich habe ihn betreut, als ich schon sehr lange trocken war.
    Ich habe gar nicht erst versucht, ihn vom Alkohol wegzubringen, weil ich genau wusste, wie das bei mir gelaufen war. Das Verhältnis war lange konfliktbeladen auch von Kontaktabbrüchen geprägt, aber gegen Ende war es dann ganz friedlich.

    Mir ging es so, dass ich mit zunehmend ehrlichem Blick auf mich selbst öfter mal Aha-Erlebnisse hatte, so und so hat mein Vater auch reagiert.
    Ich kannte also praktisch das, was er machte aus der Innensicht. Das hat es mir ermöglicht, meinen Frieden damit zu schliessen, da und dort konnte er eben nicht anders, so wie ich eben lange auch nicht anders konnte. Ich wusste ja ganz genau, dass ich trinkend Vieles auch ganz einfach nicht gesehen habe, ich hatte da einen blinden Fleck. Alkoholische Betriebsblindheit. Damit habe ich das nicht mehr so persönlich genommen, wusste dass das nichts mit mir (und meinen Fehlern/Unzulänglichkeiten) zu tun hatte, was er machte. Er war halt suchtgesteuert. Und er hatte wie ich einen großen Aber dagegen, dass Andere ihn kontrollieren.
    (daneben konnte er im betrunkenen Zustand absolut ekelhaft sein, aber genau das war ich betrunken teilweise auch. Das hat meinem Urteil über ihn die Schärfe genommen, dass ich gesehen habe, dass ich auch nicht besser bin. Bei mir war es teilweise Stress, mit dem ich nicht umgehen konnte, und mit Kritik konnte ich betrunken auch nicht umgehen, und wenn mich mein Partner dann unter Druck gesetzt hat, bin ich ausgeflippt. Aber auch ansonsten bin ich öfter mal unangenehm aufgefallen. Und das habe ich dann bei ihm eben auch genau so gesehen)

    Meine Denke ging auch dahin, dass ich argumentiert habe, dass ich schon getrunken habe, als wir zusammen gekommen sind, und dass er das wusste und für mich damit akzeptiert hatte. Ich habe auch so argumentiert, wenn DU wiillst, dass ich weniger trinke, dann muss auch Du dafür sorgen, dass ich weniger brauche. Denn ICH wollte ja von mir selbst aus nicht soooo viel weniger trinken.
    Und dabei kommt dann das ins Spiel, das die gutgemeinte Hilfe vom Süchtigen ja oft übrhaupt nicht erwünscht ist, sondern ja in erster Linie dazu dient, dass der Angehörige damit klar kommt. Der Süchtige, der trinken will, will ja gar nicht geholfen werden, ist aber dankbar für den Schuldigen, dem er es in die Schuhe schieben kann.

    Insofern würde ich Dir vielleicht empfehlen, Bücher von Alkoholikern zu lesen, in denen sie beschreiben, wie sie selbst während ihrer aktiven Sucht getickt haben. Ich meine, das Loslassen besteht da ja aus zwei großen Teilen. Das eine ist die "normale" Trennung, wie man sie bei anderen Beziehungen auch haben kann, wenn es vorüber ist, und das andere sind die Fragen und Schuldgefühle, ob man noch mehr oder etwas Anderes hätte machen können, und um den zweiten Teil geht es da ja wohl. Und je besser Du weisst, wie ein Süchtiger tickt, desto leichter fällt möglicherweise das Loslassen, weil einfach immer klarer wird, dass Du sehr eingeschränkte Möglichkeiten hast, etwas zu tun, und dass Trennung oft sogar DAS Mittel ist, an dem der Süchtige merkt, dass es so nicht weiter gehen kann.

    Aber natürlich hilft selbst das oft nicht, also es ist nicht so dass man sagen könnte, trenne Dich dann merkt ers, sondern es geht eher da drum, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Süchtiger etwas unternimmt, dadurch erhöht, wenn er merkt, wie tief er in der Scheixxe sitzt und auch niemand mehr da ist, der sich das Gejammer anhört und den Dreck wegräumt. Sondern wenn er wirklich selbst mit den Konsequenzen seines Trinkens klar kommen muss. Bei mir war es beispielsweise so, so lange mein Partner da war, haben wir oft deswegen gestritten. Für mich sah es oft so aus, als ob ich gerade wegen den Streitereien getrunken habe, und auf jeden Fall war ich so damit beschäftigt, mich mit ihm irgendwie zu arrangieren, dass ich über mich selbst dabei kaum nachgedacht habe. Ich war ja mit der Abwehr und dem ganzen Beziehungsmanagement (Saufen ist eine logistisch anspruchsvolle Tätigkeit, wenn man es gegen den Willen des Partners macht) derartig beschäftigt.
    Ausserdem hat auch er mir den Notarzt gerufen (bin nicht mitgegangen, konnte noch "Nein" lallen) und das macht dann natürlich auch keiner mehr, wenn man alleine ist. Da denkt man dann vielleicht schon mal eher drüber nach, dass was passieren kann, als wenn sich immer jemand um einen kümmert (oder einen zu ändern versucht, was ja nur Abwehr hervorruft).

    Aber natürlich ändert auch das bei vielen gar nichts. Sehr viele Alkoholiker ändern nie was, das muss man klar so sehen. Aber auch das zu wissen kann vielleicht beim loslassen helfen, wenn Du dieses Leben nicht mitleben willst. Da passen dann einfach die Lebensvorstellungen nicht zusammen.

    Und wie alles emotionale braucht das Alles seine Zeit zur Bewältigung. Es ist ja auch eine Art von Trauer, erst wehrt man sich gegen die Erkenntnis, dann kommt langsam die Akzeptanz und irgendwann kommt man damit klar.

    Gruß Susanne

    Liebe Femme


    Dennoch erscheint es mir persönlich wichtig hinzuschauen was ich in den letzten Jahren damit versucht habe "wegzulösen".. Und ich merke - jetzt in meiner Trockenphase - welche Situationen mich nah an den Alkohol bringen und ich bin der Meinung, dass ich da einfach ran muss, denn mir fehlen eindeutig Lösungsstrategien!! Ich denke auch nicht, dass es (bei mir) reichen würde einfach das Glas stehen zu lassen, wie du schreibst.

    ich habe das Glas auch nicht einfach nur so stehen lassen. Erst mal schon. Aber an sich war ich (und bin ich) der Überzeugung, dass Aufhören ja nicht die Kunst (für mich) war. Die Kunst für mich war, nicht wieder anzufangen.

    Ich habe ja jede Woche für drei Tage aufgehört. Und dann tagsüber nie. Stur wie ein Ochse. Auch, weil ich genau wusste, wo mein Trinkstil hinführen wird. Aber da aufhören lange auch nicht in Frage kam, musste ich das ja irgendwie händeln. Also über regelmässige Trinkpausen um runterzukommen und dem Körper Erholungsmöglichkeiten zu geben. Damit ich nicht zu schnell komplett am Ende bin.

    In die Suchtberatung bin ich tatsächlich (auch) mit der Erwartung gegangen, dass da meine Trinkgründe mit mir zusammen analysiert werden. Ich hatte da Einzelgespräche mit einer Psychologin.
    Die Trinkgründe waren da aber nie Thema. Das eine wichtige war das Aufschreiben meiner Suchtgeschichte als Hausaufgabe und wohl auch als Vorbereitung auf eine Therapie. Dabei war dann auch noch so ein Multiple-Choice-Bogen zum Ankreuzen, in welchen Situationen man denn regelmässig trinkt. Das waren bei mir schlicht alle. Es gab bei mir keine Situationen, in denen ich nicht regelmässig getrunken habe, das kam bei mir nur darauf an ob es gerade "genehmigter Trinktag" war oder nicht. Und natürlich habe ich mich zu bestimmten Anlässen besonders beherrscht.

    Was wir - also die Psychologin und ich - genauer analysiert haben, war, ob mein Selbstbild stimmig ist, also ob ich überhaupt so reagiere wie ich das denke. Dabei kam erst einmal heraus, das ich viel weniger Ängste vor Anderen habe, als ich immer dachte. Ich sah mich immer als Aussenseiter, weil ich dachte ich reagiere automatisch total ablehnend und abwehrend, aber das war nicht zu verifizieren. Und das andere, was sehr genau bearbeitet wurde, war genau der Moment, wenn ich in den Laden gegangen bin und mir den ersten Flachmann geholt habe. Das war auch der kritische Moment, bei mir war der Saufdruck nämlich vorbei, wenn ich diesen Moment überwunden hatte. Und dieser Moment wurde dann sehr genau analysiert, wie fühlt sich das körperlich an und soweiter. Es ging im Grunde drum, dass ich das unter Kontrolle halten kann, wenn es mir bewusst ist.

    Und obwohl ich ja eine ziemlich lange Karriere hatte, Drogen und zum Teil bis zu drei Liter Schnaps, wenn ich entsprechend drauf war, war das bei mir ziemlich komplett durch. Ich hatte die Schnauze voll und nach relativ kurzer Zeit der Nüchternheit gab es da auch nichts mehr, dem ich nachgetrauert hätte oder wo ich noch mal hin zurückwollte.

    Natürlich bin ich auch X-Mal an Situationen hingelaufen, wo ich dachte, da hast Du früher getrunken. Ich war auch gestresst, teilweise ein Nervenbündel, schlecht gelaunt. Steckte irgendwie darin fest, das mir das Leben trotzdem nur schwer von der Hand ging, dass vieles einfach zäh war. Aber nachdem ich dann mal nüchtern war und auch merkte, dass ich das wohl bleiben kann, fiel mir das schon auf, das es ja noch schlechter war, so lange ich noch getrunken hatte. Von daher habe ich mich auch nie dem Gedanken hingegeben, wie schön das doch wäre, zu trinken. Mir war irgendwie klar, wenn ich das jetzt nicht schaffe, dann wars das wohl.

    Und das bringt mich auf den Gedanken, dass Du doch auch lange geschrieben hast, wie sehr Du unter Deiner Trinkei eigentlich leidest. Du hast zwar sehr viel weniger getrunken als ich, aber ich entsinne mich, das Du da doch auch sehr viel mit allem Möglichen gekämpft hast, mit Deiner Unzufriedenheit, mit Deinen Ängsten. Wenn Du jetzt dem Trinkdruck nachgeben würdest, wärst Du doch genau wieder dort. Das kann es ja eigentlich nicht sein, wo es Dich hin zieht.
    Anderseits ist es aber auch so, nachgewiesenermaßen, das sich Menschen in ihrem bekannten Elend sicherer fühlen als auf unbekannten Neuland, selbst wenn das Neuland eigentlich besser ist. Weil man das Andere wenigstens kennt und sich in unbekanntem Gelände unwohl fühlt. Und es ist vielleicht gerade diese Unsicherheit, die Dein Sucht-Ich mit dem Bier "behandeln" - betäuben, bekämpfen möchte. Ist ja schliesslich auch ein übliche Anwendungsindikation für Alkohol, weniger ängstlich zu werden. Könnte ich mir jedenfalls vorstellen.
    Nicht zu vergesen, das Alkohol das Dopaminsystem (u.A.) aus dem Gleichewicht bringt, die ganze Motivation und das Belohnungserleben sich dadurch ändert und dass das seine Zeit brauchen kann, bis sich das normalisiert.

    Und man muss ja auch klar sagen, obwohl es Dir schwer fällt, Du kannst ja auch nüchtern bleiben. Du sitzt trotz allen Schwierigkeiten selbst an der Steuerung und lässt Dich nicht von der Sucht steuern. Also bist Du dem auch nicht komplett ausgeliefert. Und ich denke, einiges von dem, was Du hier anfangs, noch trinkend so beschrieben hast, müsste doch eigentlich auch besser geworden sein, keine Selbstvorwürfe mehr weil Du trinkst etc. Und Du wusstest zumindest unbewusst wohl ganz genau, was Du an der Therapie hast und dass es sich zu kämpfen lohnt, also es gibt da ja eindeutig auch eine Haben-Seite.

    Bei mir wars dann halt so, dass ich den ersten, automatischen Trinkimpuls - der aus der Gewohnheit und Sucht einfach kommt - dann nahtlos mit dem verbinden konnte, wie es nach drei oder 4 Tagen endet.
    Bei Gesprächen mit einigen anderen (Mehrfachrückfälligen) kam es mir so vor, als ob die eben das nicht können oder erfolgreich erst mal ausblenden. Bei denen (also zumindest bei welchen mit denen ich wirklich drüber geredet habe) kommt - wie bei mir in aktiven Zeiten auch - nur der Gedanke, wie schön jetzt die erste Erleichterung, oder das Anfluten und das Beschwipst-Sein wäre.
    Mit den Folgen beschäftigen sie sich dann später, Hauptsache erst mal "abreagiert". Natürlich ist dieses Denken emotional gesteuert, und Suchtdruck ist am Ende ja auch eine Emotion, ein spürbares Gefühl , und je drückender dieses Gefühl ist, desto schöner erscheint es, dem dann nachzugeben. Oder es läuft sowieso automatisch ab wie Autofahren auch.
    Aber genau da kannst Du Deine Fähigkeit, das bis zum Ende zu durchdenken, vermutlich ganz gut einsetzen. Es ist nämlich nicht nur so, dass Emotionen das Denken beinflussen, sondern dass man durch Denken auch seine Emotionen beeinflussen kann.

    Und die Lösung ist oft tatsächlich die, so eine kritische Situation nüchtern zu durchleben und am eigenen Leibe und mit allen Sinnen zu erfassen, dass das geht und wie es einem damit geht. Und dann (so ging es mir) regelmässig (bewusst) feststellen, dass das ja alles nüchtern mindestens genau so gut geht, wenn nicht besser. Wenn Du hinterher dann guckst, wie war es und wie wäre es unter Alkoholeinflisuss gewesen, ist das bei mir fast immer eindeutig. Das dauert, natürlich, bis man die Situationen alle durchhat und die alten Erfahrungen durch Neue ersetzt sind. und Geduld ist hier ja auch regelmässiges Thema. Aber irgendwann stellst Du fest, dass Du den Alkohol zu nichts mehr brauchst.

    Gruß Susanne

    Hallo Billy,

    ich kann nicht in Deinen Mann reingucken und jeder Alkoholiker ist ja trotzdem anders als der andere.

    Ich habe meinen Partner teils gehen lassen, teils weggeschickt, weil ich auch wusste, dass ich nicht aufhöre. Und das war kein Manipulationsversuch.

    Ich wusste auch, was ich mache, und ich hatte Angst vor den Folgen. Insofern habe ich noch zu bremsen versucht, aber aufhören kam trotzdem nicht in Frage. Ich habe zwar nur abends getrunken und nur 4 Tage die Woche, aber dafür teilweise ein bis zwei Liter Schnaps plus Bier plus Joints in kurzer Zeit. Und ich wusste genau wie "gesund" das war.
    Ich war gleichzeitig davon überzeugt, wenn ich mit dem Trinken aufhöre, dann fühlt sich das Leben für mich so freudlos an, das ich mich dann eben nüchtern anders umbringe. Selbst wenn ich es geschafft hätte, aufzuhören, sah ich da nichts vor mir, wofür es sich rentiert hätte. Und das hatte mit Äusserlichkeiten nichts zu tun, denn nach aussen hin war ich auf der Überholspur, das gab mir nur ohne Alkohol nichts.
    Da hätte mein Partner auch nichts davon gehabt.

    Erst als ich dann noch kaputter war, kam mir der Gedanke, was an einem nüchternen Leben eigentlich schlimmer sein soll, als das, was ich gemacht habe.

    Ich sah über längere Zeit einfach keine Möglichkeit, dieses Dilemma aufzulösen und ich habe ja auch gesehen, dass mein Partner drunter leidet. Von daher fand ich es tatsächlich selbst besser, dass er sich trennen wollte. Natürlich hatte ich auch ausgeprägte Stimmungsschwanken wie sehr viele Alkoholiker, mal so mal so, aber im Grunde habe ich selbst eingesehen, dass das mit mir nicht gehen kann. Und ich war schon dabei, die Achtung vor meinem Partner zu verlieren, weil es sich das mit mir so lange antat und auch nicht von mir wegkam.

    Mein Partner hätte überhaupt nichts machen können, weil ich ja selbst auch keinen Ausweg sah. Aufhören, wie gesagt, war auch keine Option, das hätte mein Problem damals nur verlagert. Nüchtern hätte man mit mir damals auch nicht leben können.

    Gruß Susanne