Beiträge von Susanne68


    jetzt hab ich es schon so lang geschafft ohne Alkohol,dann kann ich ja nicht wirklich süchtig sein

    dieser Gedanke, ich kann ja (zum Glück) weiter trinken, weil ich mir ja bewiesen habe, dass ich nicht süchtig bin, ist einer der größten Hirnficks.
    Mit genau diesem Gedanken habe ich mir jahrelang "bewiesen", dass ich kein Alkoholproblem habe. Konnte ja jederzeit Pausen machen und war von daher - mit meinem damaligen Wissenstand - per Definition keine Alkoholikerin.

    Als ich wirklich aufgehört habe, habe ich verstanden, das man diesen Gedanken NUR dann hat, wenn man durch und durch süchtig ist und eine Möglichkeit braucht, sich das Saufen zu erlauben. Kein normaler Mensch, der schon mal Ärger mit dem Trinken hatte und das nicht braucht, sucht und findet solche Argumente.

    Dieser Gedankengang - ich habs einige Zeit geschafft, also darf ich - zeigt eigentlich, wie sehr mans braucht. Wenn mans nicht brauchen würde, wäre das ja logischerweise vollkommen egal, ob man darf.

    Gleichzeitig sind das nach meiner Wahrnehmung oft Leute, die eine Menge Brüche und Schwierigkeiten im Leben haben (könnte jetzt hier von Ichso eine ganze Reihe aus ihren eigenen Beiträgen zitieren), und das setzen sie damit halt irgendwie fort. Deswegen glaube ich eigentlich, das hilft nicht viel, so mir nix Dir nix abzurauschen. Jedenfalls nicht, wenn man ein paar Tage vorher noch argumentiert hat, dass man das verfügbare Datenvolumen schon reduziert hat, weil man eigentlich noch viel mehr sagen wollen würde und es einem nicht gut tut, alleine zu sein.

    Ist ja jetzt müßig, aber es ist relativ oft so, dass so jemand dann mit Kritik nicht wirklich umgehen kann. Und Kritik (keine Beleidigungen) gab es, finde ich allerdings auch nichts dabei.

    Jedenfalls war das bisschen Geplänkel, was sich zwischen ichso und ein paar Teilnehmern hier abgespielt hat, der reinste Ponyhof gegen das, wie ich es noch kenne. Und ich war ganz sicher kein Kind von Traurigkeit, jedes Mittel, so lange es durch die (gesetzliche) Meinungsfreiheit noch gedeckt war, war mir recht. Immer knapp an der Beleidigung vorbei, und es mussten natürlich auch immer die Anderen gehen, wenns zur Auseinanderersetzung kam. Da sind wir hier ja noch nicht mal ansatzweise.
    Dazu kam natürlich meine eigene Wut und meine Vorgeschichte, wo mich auch alles mögliche getriggert hat, wie man das ja so schön nennt. Und schon gings hin und her. Und meine Selbstbeherrschung, auch mal die Klappe zu halten, wenn es mir selbst schon nicht mehr gut tat, auch suboptimal. Aber es führte dann auch dazu, dass ich daran gearbeitet habe. Ich sags mal so, ich musste da meine eigene Umsetzung des Gelassenheitsspruchs finden.

    Es hat lange gedauert, bis ich Leute, die dann gekniffen haben, nicht nur verachtet habe. Früher hab ich leicht den Daumen gesenkt, harte Urteile gefällt. Heute denke ich schon eher, das ichso wohl auch selbst ein Problem hatte, klang ja mehrmals auch durch. Wäre vieleicht besser dageblieben und hätte sich dem gestellt. Ist aber natürlich auch nur meine (übergriffige) Sicht. Und bei meinen Frozzeleien weiss ich manchmal auch nicht, wie es ankommt, ich hab da aber viel dazugelernt, dass es auch empfindlichere Naturen gibt.
    Meine Art lag teilweise aber auch daran, dass die Alkoholiker, die ich früher zu meinen aktiven - saufenden - Zeiten kannte, eigentlich gar nichts Mitleiderregendes oder Empfindliches hatten, sondern ein Menschen verachtender Umgang mit sich selbst und Anderen eher das Normale war, da war keiner zart besaitet. Die (und ich, ehrlicherweise) brüllten sich auch gegenseitig an und kein Griff unter die Gürtellinie war tief genug. Also mit Promille, meine ich, aber im Streit zum Teil auch noch danach. Auch mein Partner ud ich haben uns nichts geschenkt.
    So wie ichso sagt, mangelnde Kinderstube...trifft auch mich auch zu. Arschloch war bei uns zu Hause üblicher Sprachgebrauch. Einer meiner Spitznamen. Gewöhnt man sich dran.

    Mein Problem war eher, dass ich aus meiner Rolle, den Leuten zu zeigen, wo es lang geht, nicht mehr rausgekommen bin. Ich wollte eigentlich nicht nur so ein Rauhbein sein, weil es für mich selbst irgendwann zu viel und auch durch war. Natürlich war ich nie nur ein Rauhbein, sondern hatte auch was zu erzählen, sonst hätte ich mich ja nicht halten können, aber es war schon manchmal grenzwertig.
    War wohl Teil meiner Verarbeitung, aber irgendwann musste mal was Anderes her. Deswegen bin ich auch nie zurückgegangen - obwohl es da genügend Stimmen gab, die das begrüßt hätten, aber da gabs dann auch eine Erwartungshaltung, auf die ich keine Lust mehr hatte.

    Und erst letzte Woche bekam ich ein paar Real-Live-Feedbacks, wo ich dann auch dachte, ich muss mich inzwischen sehr verändert haben, dass ich so wahrgenommen werde, wie das jetzt der Fall ist.
    Wobei ich unter dem dicken Fell schon auch manchmal noch was merke...und das eigentlich ein wesentlicher Bestandteil meines eigenen Heilungsprozesses ist. Sensibel zu sein und trotzdem was auszuhalten. Das ermöglicht mir erst die Teilnahme am sozialen Leben.

    Ich wünsche ichso, dass sie mit ihrer Entscheidung glücklich wird. Ansonsten, man kann bei nem Fehler auch mal zurückrudern. Da frisst einen niemand.

    Tja.

    So wie ich früher ausgeteilt habe, musste ich natürlich auch einstecken. War manchmal auch für mich nur schwierig auszuhalten. Denn wenn man entsprechend giftig ist, dann suchen andere bei einem selbst natürlich auch die Schwachstellen, wo sie einen verletzen können.
    Aber genau das zeigt einem ja auch die Baustellen, die man noch hat.

    Und ein ehrlicher Gegner ist da oft hilfreicher als der beste Freund, der sagts einem wenigstens.

    Jedenfalls war mit ichso was los, nicht nur Friedhof. Wir sind alle lieb und nett und respektvoll, wie langweilig.

    Dann geb ich auch noch meinen Senf dazu, obwohl ich das momentan ohne mich laufen lassen wollte. Bin grade anderweitig beschäftigt.

    Ja, Alkoholismus ist eine Krankheit, und es ist wohl auch sehr unterschiedlich, was dem Einzelnen hilft. Das Problem ist, vorher weiss man nicht, was beim jeweiligen anschlägt.

    Ich hatte früher teilweise extrem harte und direkte Ansagen verteilt, so hart, dass einige Leute mir schworen, nie wieder ein Wort mit mir zu wechseln. Und was gab es für Streit um meine Aussagen. Es ist nämlich auch Teil dieser Krankheit, sich selbst ganz gewaltig zu belügen und zu betrügen.
    Und vieles nicht wahrhaben zu wollen, und jedes "drauf eingehen" oder "sanft behandeln" ermöglicht manchen Leuten geradezu das Aufrechterhalten ihrer Selbstlügen. Ein bekanntes Ding ist auch, dass man stolz drauf ist, dass man jedem Therapeuten was vormachen kann - wobei einige Therapeuten wohl auch nur klar erkennen, dass es bei demjenigen wohl gerade keinen Sinn macht, lass den Kranken labern, bis ers selbst merkt..

    Und ich kenne auch den Satz, "wenn einer auf die Schnauze fliegen will, dann leg im kein Kissen unter" - lass ihn fliegen.

    Heute bin ich mit Einigen - und zwar exakt aus dieser Klientel, die ich geradezu niedergebügelt hatte und die mir aber schon so was von sauer waren - befreundet, und ich habe schon mehrmals die Aussage gehört, dass sie diese "Arschtritte" brauchten, ohne diesen Gegenwind nie trocken geworden wären, und dass sie über manches, was sie geradezu in erbitterte Wut versetzt hat, am allermeisten nachdenken mussten. Manche Leute brauchen das, dass man sie an sich abtropfen lässt, damit sie merken, dass sie niemandem mehr was vormachen können. Und alleine mit ihren Selbstlügen sind.

    Also eigentlich, wie mans macht, ist es verkehrt, oder auch richtig, es kommt immer aufs Gegenüber an.


    Ich "ernährte" mich von Nutella und den Saustall will sich niemand vorstellen.

    das muss ich mir nicht vorstellen. Ich hab mal ein paar Monate in einer Junkie-WG gelebt. Da rochs aus dem dritten Stock bis runter zum Eingang. War auch was Feines. Und dann mit 10 Pfennig in der Tasche nach Amsterdam getrampt. Machte ja nichts, in irgendeinem Coffeshop kamen die Dinger von links und rechts, Stunde um Stunde. Und ohne zu wissen, wo man dann blieb.

    Ich finde ganz ehrlich gut, dass Du heute so locker drauf bist.


    Warum seid ihr anderen hier? Was ist eure Motivation?

    ich hab hier anfangs nach dem Tod meines Vaters nur gelesen, weil mich was beschäftigt hat. Dann hatte jemand eine Frage, die ich mit dieser Erfahrung mit meinem Vater relativ gut beantworten konnte.

    So wars eigentlich immer. Erst war ich nur wegen mir da, und dann hat die Art und Weise, wie ich meine eigene Themen bearbeite, anderen geholfen. Ursprünglich - also bevor ich überhaupt in der Selbsthilfe das erste Mal aktiv wurde - war das gar nicht meine Motivation, anderen zu helfen, ich bekam nur sehr oft die Rückmeldung, dass es anderen hilft, wie ich mein Denken beschreibe. Und gestört hats mich nicht, also ich gönns den Leuten wenn es ihnen hilft, ich bin da nicht geizig. Und oft war ich auch überrascht über die Rückmeldungen, oft hat Leuten was ganz anderes - an meiner Schreibe - geholfen, als das, was ich gedacht hätte. Von daher "muss" ich aber auch nicht helfen, um noch mal auf das Manipulationsthema zu kommen, zu mindestens der Hälfte habe ich selbst was davon und das genügt mir im Zweifelsfall.


    Heute geht das zum Teil aber auch so weit, dass ich denke, ich sollte eigentlich schon, weil ich aus den Rückmeldungen eben weiss, das ich da was machen kann, das hat was wie wenn ich an einem Unfall vorbeifahren würde und dann nicht helfen würde. Das wäre nicht mein Stil. Oft bin ich auch sehr froh, wenn dann schon jemand anders was geschrieben hat und sozusagen schon ein Helfer vor Ort ist. Salopp gesagt, ich bin auch froh, dass Gerchla hier schreibt - und sämtliche Anderen, die das machen, und dass das meistens schon genügt, auch wenn ich anders schreibe. Ich hab sogar schon Dietmar vermisst, obwohl ich mich mal mit ihm in der Wolle hatte und sicher nicht alles gut fand. Der konnte das schon auch, nach meinem Empfinden. Da bin ich auch der Meinung, unterschiedliche Meinungen können da mehr als die Summe ihrer Teile sein, da machts die Mischung. Und anderen erfolgreich zu helfen, kann natürlich auch befriedigend sein und Sinn geben.

    Und mir ist auch der Smalltalk, mein Haus, mein Geld, meine Familie, der letzte Urlaub, oft zu flach, ich ziehe da was raus, wenn ich selbst genau formulieren muss oder mich auch wirklich substantiell mit jemandem über ein Thema auseinandersetze. Deswegen rede ich trotzdem gerne oft auch nur mal Blödsinn, spaßig oder komikermäßig. Ausserdem schreibe ich insgesamt gerne, ich hab mir selbst auch schon viel aufgeschrieben, um mir selbst etwas klar zu machen. Vor Publikum hat das den zusätzlichen Effekt, dass ich mich mehr bemühe, keinen Blödsinn zu erzählen, oder auch mal auf was aufmerksam gemacht werde, wo ich selbst betriebsblind bin. Ganz extrem, wenn ich Artikel schreibe und die dann erst von verschiedenen Stellen gegengelesen werden (Peer Review), weil keine Fehler drin sein dürfen.

    Und Sucht ist für mich auch ein Thema, was etwas Existenzielles berührt, was hält die Welt und den Menschen im Innersten zusammen, was mich insgesamt interessiert.

    Im Übrigen ist "wertschätzende Kommunikation", Kommunikation "auf Augenhöhe" Rhetorik. Und angewandte Psychologie.

    Schon wenn ich den Satz sage, ich hoffe, Dir was vermitteln zu können, heisst das eigentlich, ich glaube, an dem Punkt mehr zu wissen wie es geht als Du. Wenn ich sage, ich möchte Dir was mitgeben, über das Du möglicherweise nachdenken könntest, impliziert das, dass ich etwas bewirken will.

    Manipulation, lateinisch etwas mit den Händen bearbeiten. Du weisst als Hundebesitzerin, dass Du Deinen
    Hund mit Lob erziehen kannst, das zu tun, was Du von ihm möchtest. Wahrscheinlich liebst Du ihn und willst, dass es ihm gut geht, aber Du willst auch keinen Ärger mit ihm haben. Vermute ich. Vieleicht hast Du sogar Spaß daran, ihn zu erziehen, und was ist das?

    Es gibt da so ein Buch "Die Wahrheit beginnt zu zweit", von einem Paartherapeuten. Wir haben das mal durchgearbeitet. Unglaublich, auf wie vielen Ebenen man sich bewusst wie unbewusst gegenseitig manipuliert. Es ist praktisch gar nicht möglich, ohne Manipulation - oder ohne Wirkung, aber das kommt aufs Gleiche raus - zu kommunizieren. Zustimmung oder Abwehr, beides sind Reaktionen, die wiederum weitere Reaktionen hervorrufen. So wenig wie es möglich ist, sich im gleichen Raum aufzuhalten und gar nicht zu kommunizieren, ein schöner Rücken kann auch entzücken.

    Es gehören aber auch immer zwei dazu, einer der manipuliert, und einer der sich manipulieren lässt.
    Wenn hier jemand Hilfe sucht, dann beinhaltet das bis zu einem gewissen Grad sogar den Wunsch, manipuliert zu werden, es ist oft die Hoffnung dabei, dass einen Andere oder das Reden - und wo ist da die Grenze - ändern könnten. Oder bei der eigenen Veränderung da hin manipulieren könnten. Evtl sogar gegen den eigenen Widerstand.

    Mir fällt manchmal auf, wie sehr sich Verkaufsgespräche, Therapeutensprech und wertschätzende Kommunikation ähneln können.


    Streben nach „Macht“ zu Gier, Besessenheit und Rhetorik führt m.Mng. nach dazu, andere manipulieren zu wollen.

    ich hatte lange den Satz "Ich will niemanden beherrschen, ich will mich aber auch von niemandem beherrschen lassen."
    Gleichzeitig gedachte ich diesen Planeten zu verlassen, ohne Spuren zu hinterlassen.
    Da war ich aber schon lange wehrhaft, wenn mich jemand niedermachen wollte.
    Ich war früher oft Angriffen ausgesetzt, da hat es eigentlich gereicht, wenn jemandem mein Äusseres nicht gepasst hat. Das war nicht nur Anpassungsdruck, sondern ich hatte oft das Gefühl, ich hab was an der Nase, was Andere reizt. Ist mir öfter passiert, dass mich völlig Fremde einfach angegriffen haben. Und dass ich mich so gegen Lehrer aufgelehnt habe, war zuallererst auch mal "nur" Reaktion.

    Ich war halt irgendwie anders und sollte angepasst werden. Zuerst habe ich das wohl auch versucht, mich anzupassen, aber da ich immer wieder angeeckt bin, das konnte ich überhaupt nicht vermeiden, so sehr ich es auch versucht habe, bin ich irgendwann in die Vorwärtsverteidigung gegangen. Wenn sowieso nix zu retten ist, wozu soll ich dann versuchen, Anderen entgegen zu kommen?

    Und ich war lange von Leuten umgeben, die sich für was Besseres hielten, also musste ich irgendwann einfach gewinnen, wenn ich nicht immer nur hinten dran bleiben wollte.

    Das fing schon zu Hause an, wenn ich geholt wurde, um mir Strafen oder "Erziehung" abzuholen.

    Du kennst ja vermutlich den Satz, es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
    So hätte ich auf Dauer nur in völliger Abgeschiedenheit leben können.

    Momentan bin ich mehr auf dem Trip, Haltung zu zeigen. Und Spuren hinterlasse ich wohl schon, in dem ich mich hier betätige. Und schon ist es vorbei mit der reinen Lehre.

    Bei mir klappt es mit der Augenhöhe erst, seit dem ich mir nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lasse.

    Hallo Britt,

    möchte auch noch meinen Senf dazu geben.

    Ich beziehe mich nur mal auf eine Konfliktsituation.

    So wie Gerchla das schreibt, lese ich immer wieder mit großem Interesse und ich bin auch überzeugt davon, dass es zu ihm passt. Ich akzeptiere das voll und ganz, aber - es ist eben der Stil von Gerchla. Es ist Seins, er hat sich das wohl gut überlegt und steht auch dahinter. Ich glaubs ihm auf jeden Fall, denn es ist konsistent mit dem, wie er schreibt, seinem Stil der Kommunikation.

    Und ich bin nicht Gerchla, und deswegen würde das, wie er es macht, für mich nicht ganz passen, da bliebe etwas, wo ich Teile von mir selbst verleugnen müsste. Teile, die leben wollen und ihre Daseinsberechtigung in mir selbst für sich reklamieren. Ich führe meine Kämpfe mit mir selbst und manchmal auch mit meiner Aussenwelt, manchmal nervt es mich, manchmal befriedigt es mich, aber ich wäre einfach nicht ich, sondern eine Marionette, die sich vor allem nach Anderen richtet, wenn ich es nicht so machen würde.

    Der Unterschied zu früher ist bei mir höchstens der, dass ich mir vorher überlege, wie es mir mit der Retourkutsche geht oder ob ich da plötzlich alleine gegen eine Übermacht stehe. Oder ob jemand mit scharfer Munition auf mich schiesst..das wäre das Extrem, was es auch gibt. Und damit bin ich noch ein ziemliches Weichei in meiner Kuschelecke, denn manche Leute sterben auch für ihre Überzeugungen, wie man bei Demonstrationen in anderen Ländern sehen kann. Da werden zwar sehr unterschiedliche Ziele verfolgt und ich finde bei weitem nicht alle dieser Ziele gut, aber ich persönlich würde es auch falsch finden, sich immer ins Private zurückzuziehen und ruhig zu bleiben. Wenn ich mich als Bürger z.B. politisch betätigen möchte, muss ich damit leben, dass es da Andere, Gegner gibt, und die nicht nur nett zu mir sind. Trotzdem will ich das.

    In vielen Bereichen kann ich auch einfach machen, was ich will, völlig unabhängig davon, wie jemand anders das sieht oder was der davon hält. Es gibt ja doch einiges, was Andere gar nichts angeht und wobei ich auch niemanden brauche. Muss ich nur mit mir selbst ausmachen, wie ich das haben möchte.

    Und ich stelle auch ganz gerne mal Meinung gegen Meinung, und warte ab, was dabei passiert. In einer zivilen Gesellschaft passiert mir dabei normalerweise nicht sehr viel. Dann gibt es es zwar wahrscheinlich Leute, die mich nicht mögen, aber ich mag dann wenigstens mich. Wogegen ich mich nicht mögen würde, wenn ich von allen gemocht werden wollte, denn damit würde ich mich schlicht verleugen und überfordern und damit gegen mich selbst arbeiten.

    Aber das bin eben ich. So wie Gerchla Gerchla ist. Und Du bist Du. Und das ist der springende Punkt.

    Ich hab mich im alkoholfreien Zustand schon länger mal damit beschäftigt, die Einflüsse meiner Erziehung und und auch eines christlich-humanistischen "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" (Goethe), also eines moralischen Imperativs, unter dem ich aufgewachsen bin, von dem zu trennen, was ich gewesen wäre ohne diese ganzen Einflüsse. Hab also zumindest den Versuch unternommen, mich selbst unter diesen ganzen Schichten von Erziehung und Kultur zu entdecken, denn ich war offensichtlich sehr stark von mir selbst entfremdet. Ich hatte deutlich das Gefühl, nicht ich selbst zu sein.

    Ich war mal ausgeprägte Pazifistin, aber gelebte Duldsamkeit und reine Friedlichkeit haben mich depressiv gemacht. Agggression ist spätestens seit Sigmund Freud eine grundlegende Eigenschaft des Menschen, wenn sie unterdrückt wird, dann richtet sie sich gegen einen selbst. Weg geht sie davon nicht. Und sich selbst umzubringen, direkt oder durch sein selbstzerstörerisches Handeln, ist auch ein Mord.

    Ausserdem höre ich gerade wieder bei meinen aktuellen Aktivitäten, dass nichts den Menschen gleichzeitig so stark stressen und im gleichen Atemzug befriedigen kann wie soziale Kontake, weil wir einfach wissen, dass wir Andere zum Überleben brauchen, über lange Zeit der Ausschluss aus der eigene Gruppe oder Familie praktisch ein Todesurteil war, jedenfalls über die längste Zeit der menschlichen Geschichte, das steckt drin, anderseits aber auch Menschen der größte Feind des Menschen sein können.

    Mit nichts kannst Du das Hirn so zum Arbeiten und die Emotionen, Ängste wie Euphorie, zum Kochen bringen, wie wenn Du Dich irgendwo unter Leuten exponierst, die Du vielleicht brauchst oder die Dir gefährlich werden könnten (hab ich schon in verschiedener Form gehört und gelesen), und nichts bringt Leute so sehr aus dem Konzept wie überschäumende Affekte, wie jede Beziehungstat bestätigt.

    Und das kann schwierig sein, sich selbst mit diesen Emotionen auszuhalten, ganz normale Fluchtreaktion, dass man da am liebsten weglaufen möchte, aber das kommt ja mit, weil es in einem ist. Vor sich selbst und seinen Emotionen kommt man nicht weg, aber man muss sich andererseits auch nicht reinsteigern und daran abarbeiten. Akzeptieren und gut ist....das ist gar nicht mal so viel anders, wie weiterziehen lassen.
    Nach meiner Erfahrung legt sich diese Aufregung, wenn ich das zulasse und einfach mal laufen lasse, ABER kein weiteres Öl ins Feuer giesse. Früher war ich oft nachtragender, musste nachkarten, war wie ein innerer Zwang, oft habe ich dabei auch noch was erreicht, machte also sogar Sinn für mich, aber auf Kosten meiner eigenen Nerven. Heute nennt man so was Wutbürger, ich komme aus einer anderen Ecke, aber das Prinzip war schon so ähnlich. Die sind ja auch nicht gut drauf, ziehen aber auch eine gewisse Befridigung draus. Ist eben schon vielschichtig, was Sinn für den Einzelnen macht und wie sich das zusammensetzt.

    Und hier ist ja zumindest teilweise nicht völlig anders, ich schreibe ja auch oft, obwohl ich davon ausgehen kann, in vielen Fällen nichts zu erreichen, trotzdem geht es mir selbst besser damit, als wenn ich nichts schreiben würde. Allerdings lasse ich heute auch leicht wieder los, und das ist ganz wichtig für mich.

    Heute ist es oft so, dass ich mich umdrehe - oder den Computer ausmache - und das Ganze schon fast vergessen habe, ausser es ist wirklich ein ernstes Problem, wo ich handeln muss. Da spielt dann auch die Fähigkeit ein Rolle, mich selbst zu beruhigen, was man normalerweise schon als kleines Kind lernt, ich persönlich aber wohl relativ wenig gelernt hatte, und deswegen nachholen musste. Das ist aber kein Grund, nun deswegen gar keine Meinung mehr zu vertreten, damit diese Beruhigung nicht mehr beeinträchtigt wird.

    Bei mir ist Meditation z.B kein absolut friedliches OOMMMM, sondern ein Mittel, um mich zu fokussieren, Meditation ist Bestandteil diverser Kampfsportarten, das ist zwar nicht meins, aber es hat auch nichts damit zu tun, immer die Andere Backe hinzuhalten und alles passiv zu ertragen. Und es gibt auch Techniken, um sich zu beruhigen, das funktioniert aber auch nicht gleich auf Knopfdruck, sondern da muss ich mich auch erst selbst aushalten, weil die ganzen Neurotransmitter, Stresshormone, Adrenalin, erst wieder abgebaut werden müssen und das dauert halt nun mal ein bisschen. Jedwelche Traumatisierung greift da ungünstig ein und kann das System dauerhaft aus dem Gleichgewicht bringen. Aber der Körper lernt diese Selbstregulation in den meisten Fällen auch, wenn man ihn lässt...übrigens ein Grund für gewaltfreie Kommunikation, weil das dabei nach Möglichkeit nicht gereizt wird, aber dazu braucht man dann auch geschützte Umgebungen, die ein internetforum nur eingeschränkt bietet. Da sind halt immer auch andere, die andere Bedürfnisse haben.

    Jedenfalls glaube ich nur unter Vorbehalten, dass es da sehr viel bringt, wenn man sich jemandem zum Vorbild nimmt und möglicherweise so werden möchte, wie derjenige (z.B Gerchla) ist. Da kannst Du Dich extrem drüber frusten, dass Du so sein möchtest, es aber eben nicht bist und auch nicht werden wirst. Da kämpfst Du auch gegen Dich selbst und möchtest einen anderen Menschen aus Dir machen, als Du in Wirklichkeit bist. Glaubst, dass Andere vermeintlich "bessere Menschen" sind als Du, oder zumindest was besser könnten, weswegen Du ihnen ja nacheiferst. Gern genommenes Thema z.B. beim Stichwort "zufriedene Trockenheit", wer mal austickt wird schnell in eine falsche Ecke gestellt. Es sind aber nicht nur Andere anders als ich, sondern ich bin auch anders als Andere und damit in gewisser Weise immer mit mir selbst und meinem Inneren alleine. Und der Andere ist nicht nur anders, es ist auch anders als wir denken und ihn erleben..hinter der Stirn. Ja, und es gibt auch in vielen Fällen tatsächlich bessere, was man dann auch nur so akzeptieren kann.

    Ich persönlich erlebe das so, dass es für mich wichtiger ist, herauszufinden, was mir auch tief unter der Oberfläche wichtig ist und das dann aber auch zu machen und nicht nur zu denken. Deswegen kann ich über Input trotzdem nachdenken, wo derjenige recht haben könnte und ob ich das auch so machen könnte und auch möchte. Aber was ich dann draus mache, sollte dann schon zu mir passen - und dann muss ich das auch nur gegenüber mir selbst rechtfertigen.

    Gruß Susanne


    Mir ist es zu tiefst zu wider, andere zu belügen, um einen geringen Vorteil zu erschleichen.

    dann musst Du diesen Anspruch eben erfüllen. Ich schlage Dir vor, wieder mit dem Saufen anzufangen, damit Du beim nächsten Mal das so machen kannst.

    Andere müssen Deine Ansprüche nicht erfüllen, ausser Du überzeugst sie davon, dass es besser für sie wäre. Was ich in diesem Fall (des Themenerstellers) aber nicht so sehe wie Du. Da wäre das vielleicht ordnungsgemäss (gewesen, um korrekt zu sein), aber nicht schlau. Nur weil Du das gerne so hättest, muss das ja niemand so machen.

    Das kann auch sein, dass da mit dem Input, Deinem ganzen Vorab-Wissen, Deiner Therapie - und Lebenserfahrung und mit Deiner Selbstreflektion jetzt irgendwas zusammenpasst wie Schlüssel und Schloss. Die Möglichkeit gibt es.

    Ich denke, das solltest Du zulassen und spüren. Wenns irgendwann vorbeigeht, weisst Du immerhin schon mal, wie es ich anfühlt. Du kannst ja trotzdem aufpassen, wenn Du merkst, dass Du solltest. Das ist ja nur manchmal.
    Meine Meinung.