Beiträge von Susanne68

    Guten Morgen noch mal, Laila,

    ich hab keinerlei Ahnung, ob Dir das hilft, was geschrieben wurde, oder ob Du das überhaupt so genau wissen wolltest.

    Mir ist noch folgendes eingefallen:

    So lange Du noch mitten in der Beziehung bist, dann bist Du natürlich von dem, was Dein Partner macht, auch direkt (mit-) betroffen. Bei den Gesprächen gibt ein Wort das Andere und wenn einer betrunken ist, dann redet er natürlich auch gerne mal Blödsinn. Oder er macht ins Eck, da gibts noch mehr lustige Sachen. Und der Alkoholiker braucht oft den Alkohol, um sich abzugrenzen, der ist nämlich genau so unsortiert.
    Du fragst Dich, warum ist der so, was hab ich ihm getan, und warum kriegt der sein Leben nicht auf die Reihe, liegt es womöglich sogar an mir?

    Und wenn Du ihn verlässt, dann geht ja vielleicht nicht nur er unter, sondern dann bist Du ja auch allein. Das willst Du ja möglicherweise auch vermeiden. Dieses starke Kümmerm wird auch mit Ablenkung von eigenen Problemen in Verbindung gebracht. Ich müsste z.B. grade einen Brief ans Finanzamt schreiben, habe dazu aber keine Lust, da kommst Du mir als Ablenkung gerade recht.

    Relativ oft, auch in "normalen" Beziehungen, kommt es ja vor, dass man nach dem Honeymoon manche Eigenschaften des Partners nicht mehr ganz so prickelnd findet und ihn, weil man ja schon was in die Beziehung investiert hat und das nicht so einfach aufgeben will, versucht, sich den Partner passend zu machen. Auch das oft unter dem Deckmantel der Hilfe oder der Moral. Es gibt ja auch Meinungen, dass sich bei Liebe die passenden Neurosen verbandeln. Und es ist oft ein Kampf zwischen Autonomie und Nähe, selbst-können-wollen und Hilfseinforderung.

    Das sind so Gedankengänge, wie ich sie kenne. Ich weiss nicht genau, wie das bei Dir ist.

    Mein Partner wusste, dass ich trinke und ziemlich eigen bin, schon bevor wir zusammengegangen sind. Mein "Anders-sein" war sogar ein Grund, warum er das spannend fand. Und wir waren schon vorher befreundet, ich dachte auch, da ist mal jemand, der das abkann. Also ich passte wie meine Vorgängerin in sein Beuteschema, um das mal so zu sagen. Und er erlag auch der Illusion, dass das nicht so schlimm ist und er mich im Zweifelsfall auch in die Spur bringen könnte bzw. dass er damit fertig wird.

    Wie gesagt, ich hatte schon lange vor ihm gesoffen, das hatte mit ihm gar nichts zu tun. Aber ich habe den Druck, den er dann auf mich ausgeübt hat, natürlich auch dankbar als Trinkgrund genommen, denn ich brauchte den Alkohol und mir war jeder Trinkgrund recht.
    Ich sah aber auch keinen Sinn darin, aufzuhören, denn meine Lebenseinstellung war die, dass das Leben sowieso bescheiden und sinnlos, ein Zufall der Evolution in einem gleichgültigen Universum, ist, und nur durch Alkohol oder andere Drogen überhaupt erträglich wird.

    Meine Denke war die, wenn ich das nicht mehr habe, dann habe ich gar nichts mehr und kann mir gleich die Kugel geben. Ich hatte schon ein paar Hobbies, aber mir kam das alles nur wie Zeitvertreib auf dem Weg zum Sterben vor, es dauerte sehr lange, bis ich ich in meinem eigenen Leben überhaupt angekommen war und mal das Gefühl hatte, dass ich gerne lebe.
    Schon deswegen konnte ich wegen meinem Partner nicht aufhören, abgesehen davon hatte ich so nicht gewettet, denn ich meiner Vorstellung wäre ich dann zwar vielleicht nüchtern, aber erst recht todunglücklich gewesen. Von daher war es mir auch relativ egal, ob mich die Sauferei umgebracht hätte. Und das ist ein Loch, das von aussen niemand füllen kann. Damit hatte ich selbst lange zu kämpfen, aber das musste ich selbst erledigen. Dazu brauchte ich aber erst mal eine Perspektive, dass sich das überhaupt irgendwann lohnt. Und an diesem Glauben fehlte es mir.

    Ich sage mal relativ salopp, wenn Du es schaffst, da auf genügend Abstand zu gehen, dann wirst Du sehen, dass seine Sauferei nicht in Deine Verantwortung fällt und seine Baustelle ist. Und selbst, wenn er sich umbringt, ist es immer noch sein Leben, für oder gegen das er die Entscheidung fällt.
    Aber dass Dich das so mitnimmt und Du Dich davon nicht lösen kannst, das ist Deine Baustelle.

    Meine Vorgängerin war Ingenieurin, endete nach mehreren Psychiatrieaufenthalten auf der Strasse und ist sehr wahrscheinlich inzwischen tot. Ich kannte sie. Mein Partner hat schon lange begriffen, dass das nichts mit ihm zu tun hat, und er absolut machtlos gewesen wäre. Alles was er da noch reingebuttert hätte, wären nur seine eigenen Verluste gewesen. Er hätte nichts verhindern können.
    Und mit mir hätte es ähnlich enden können, wenn ich nicht die Kurve gekriegt hätte. Aber darauf hatte er auch keinen Einflluss. Der entscheidende Moment bei mir war ziemlich einsam. Wenn man "in sich " gehen muss, dann ist das wohl so.

    Wie gesagt, keine Ahnung, ob Dir das was bringt, oder ob Du das überhaupt noch liest. Ich hab mich zumindest erfolgreich abgelenkt. Und jetzt muss ich.

    Gruß Susanne

    Und selbst, wenn er irgendwann mal so weit wäre, dass er selbst aufhören will....wenn man da was von aussen machen könnte und es dafür Patentrezepte gäbe, dann würden wir hier, oder jede Selbsthilfegruppe, und erst recht jede Therapie, mühelos jeden trockenlegen, der irgendwo wegen seinem Alkoholproblem aufschlägt und gerne aufhören möchte. Wir kennen uns schliesslich aus. Trotzdem wissen wir auch nur, dass wir nichts machen können, wenn das einer nicht schafft. Und Rückschläge sind viel eher die Regel, als einfache Lösungen.

    Darüber haben sich schon sehr viele Leute den Kopf zerbrochen.
    Dafür würde es den Medizin-Nobelpreis geben, da hättest Du sicher schon davon gehört.

    Ich habe mit meinem Partner von Anfang an ausgemacht, dass wir uns trennen, wenn ich jemals wieder anfangen würde. Und zwar ziemlich sofort. Reicht, wenn einer untergeht. Bringt gar nichts, zu zweit in die Hölle zu fahren. So weit die Theorie. Ich bin zwanzig Jahre trocken, ich denke, wir werden es nicht ausprobieren müssen.

    Guten Morgen,

    ich bin trockene Alkoholikerin.

    Also ich kann Dir nur sagen, mein Partner hat lange darauf gewartet, dass ich es endlich kapiere.
    Ich habe in dieser Zeit drauf gehofft, dass er endlich meine Sauferei akzeptiert.

    Ich habe mich genau so im Recht gesehen, zu saufen, wie er sich im Recht gesehen hat, etwas dagegen zu haben.
    Ich habe ihm immer gesagt, wenn er eine Partnerin will, die nicht trinkt, dann soll er sich halt eine suchen, es gibt doch genügend. Warum soll ich deswegen denn aufhören, ich will trinken. Das war mir in letzter Konsequenz wichtiger als die Beziehung. Ich hätte ihn gehen lassen. Und ich konnte mich wenigstens besaufen, wenns mir mal wieder gereicht hat. So gesehen hatte ich es vermutlich einfacher als er.

    Die ganz schlimmen Momente hab ich dank Filmriss oft einfach vergessen, aber er wusste es natürlich noch und hat drunter mehr gelitten als ich. Insofern hatte er eigentlich auch mehr Grund, was - an seiner Situation - zu ändern, als ich das hatte. Nur konnte er das eben genau so wenig wie ich. Aufgehört habe ich erst dann, als es mir selbst wirklich gereicht hat, und das dauerte sehr lange. 13 Jahre lang hat er das mitgemacht, konnte sich aber auch nicht trennen. Ich schwankte auch schon manchmal zwischen Mitleid mit ihm und Verachtung dafür, dass er sich das antat.
    Erst als er sich dann tarsächlich sichtbar auf den Weg machte, mich zu verlassen, habe ich ihn das erste mal seit langem überhaupt wieder als Mensch ernst genommen. Vorher waren die ganzen Drohungen von ihm für mich auch nur noch leeres Geschwätz, er liess ja auch keine Taten folgen.
    Und ich konnte endlich ungestört saufen, sonst wäre ich vermutlich nie an meinen Tiefpunkt gekommen. Es war wichtig, für beide Seiten, dass er mich endlich losgelassen hat, auch, damit ich endlich wirklich auf die Schnauze fliegen konnte. Mir musste es auch weh tun, und so lange er mich davor zu bewahren versuchte, wurde das halt nix.

    Er wollte mich auch retten, ich wollte aber gar nicht gerettet werden. Und ich war auch schon die zweite, meine Vorgängerin hatte ihn fast umgebracht, und da hatte er sich von den Therapeuten auch schon mal was über sein Helfersyndrom angehört. Damals war er absolut empört, Majestätsbeleidigung.
    Aber das Gegenteil von "gut" ist eben nicht "schlecht", sondern "gut gemeint". Als wir dann endlich mal zur Sache kamen und das aufgearbeitet haben, war das ein zentrales Thema.

    Und wenn halt jeder immer nur drauf wartet, dass sich der andere endlich ändert, passiert wenig.

    Für ihn wäre es vermutlich auch schwer, aufzuhören, eigentlich ziemlich egal, wen von Euch beiden die Veränderung nun trifft. Einer muss halt, er tuts nicht. Du leidest wahrscheinlich mehr als er und Du machst trotzdem auch keine Nägel mit Köpfen. Wahrscheinlich leidest Du eben auch noch nicht genug, um Dich zu entscheiden.

    Aus meiner Sicht als Aussenstehende würden sich für Dich genügend Möglichkeiten bieten, Dein Leben selbst in die Land zu nehmen. Schwierigkeiten gibt es immer, da muss man durch, alles andere sind auch bei Dir nur Ausreden, um noch ein bisschen im Elend sitzen bleiben zu dürfen.
    Du bist aus meiner Sicht möglicherweise genau so wenig so weit wie er, Konsequenzen zu ziehen und die Verantwortung für Dein Leben selbst zu übernehmen.

    Gruß Susanne

    Hallo Pfefferoni,

    ich bin auch schon viele Jahre trockene Alkoholikerin.

    Mit dem Begriff "abhängig" bin ich vorsichtig. Da werden Leute, die eigentlich kein Alkoholproblem haben, leicht in eine Schublade gesteckt, in die sie nicht passen. Von aussen ist das sowieso immer schlecht zu sagen, das merkt eigentlich nur der Betroffene selbst, ob ers braucht, oder ob es ihm nur Spaß macht, zu trinken. Und verbieten muss man sichs nicht lassen, es ist Abmachungssache, wie man damit als Paar umgeht.

    Wir leben in einer alkoholpermissiven (das Trinken erlaubenden) Gesellschaft, in der Trinken eigentlich als normal gilt. So habe ich das früher auch gesehen: die Normalen trinken, die Gestörten trinken nichts.
    Leute, die nichts oder wenig trinken, fand ich früher komisch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Verklemmt, brav, überangepasst, genussfeindlich, stinklangweilig.
    So lange trinken noch zum sozial angepassten Verhalten gehört und es auch sonst keine großen Ausfälle gibt, sehe ich das ziemlich entspannt. Und ansonsten sind Leute nun mal sehr verschieden, was dem einen gefällt, mag der Andere nicht. Deswegen ist das nicht gleich alles krank.

    Jedenfalls, man braucht weder Gründe noch Probleme, um zu trinken, man kann das ohne Weiteres für selbstverständlich halten, sich täglich zwei, drei Bier oder eine Flasche Wein zu gönnen. Da kenne ich ziemlich viele, die das so machen, und bei denen ich nicht glaube, dass sie deswegen besondere Probleme haben..irgendwas hat natürlich jeder, auch Nicht-Trinker, aber das ist ja auch eher normal. Damit kann man bei guter Laune 80, 90 Jahre alt werden, und das sind die Kriterien um die es für mich geht. Jemand anders kann das natürlich anders sehen.
    Das steigert sich jedenfalls nicht bei allen.

    Als gebranntes Kind (Du mit Deiner Erfahrung) oder wenn man so viel getrunken hat, dass es zum Problem wurde, sieht man das anders, aber unter Durchschnittsbürgern muss man damit rechnen, dass verbreitet regelmässig getrunken wird. In den Firmen, in denen ich gearbeitet habe, war es Standard, dass man sich montags die Wochenendbesäufnisse gegenseitig erzählt hat, je mehr desto besser. Protz, protz, was waren wir wieder besoffen... Ist mir erst so richtig aufgefallen, nach dem ich mal damit aufgehört hatte.

    Dass man als Ausnahme angesehen wird, wenn man nicht trinkt, das erlebe ich bis heute regelmässig. Nicht mehr so selbstverständlich wie vor 30 Jahren, aber es fällt schon noch auf.
    Erst letzte Woche - mit einem guten Freund, wohlgemerkt - eine mehrstündige Diskussion gehabt, ob ich das denn überhaupt nicht vermisse. Und auch sonst überall höre ich das ziemlich oft, wie gerne man doch was zusammen trinken würde.

    Zu Deinem Partner hätte ich nur noch die Frage, ob er dann, wenn er trinkt, zwei bis 4 Bier trinkt oder, sagen wir mal, 15?
    Ich habe auf Drängen meines Partners, und auch weil ich selbst nicht ganz abstürzen wollte, nach vielen Jahren täglichen Konsums angefangen, Trinkpausen einzulegen, mehrere Tage die Woche nichts getrunken. Aber mit der Zeit, wieder über mehrere Jahre, entwickelte sich das so, dass ich dann an den anderen Tagen oft zwei bis drei Flaschen Schnaps in kurzer Zeit getrunken (reingekippt) habe.
    Das war ein Problem, aber das muss bei Deinem Partner ja nicht so sein. So wie ich das lese, hat der noch nie ansatzweise so viel getrunken wie ich.

    Bei drei bis 4 Bier dreimal die Woche hätte ich mir sicher nie was dabei gedacht, aber so war das dann halt für mich selbst irgendwann auch unerträglich, damit hast Du den Grund warum ich dann aufgehört habe. Und am allermeisten half mir, das ich die Schnauze davon voll hatte. Zusätzlich stellte mir noch ein Psychologe ein paar richtige Fragen, aber entscheidend war wirklich, dass es mir selbst gereicht hat. Mein Partner ging dann in eine Angehörigengruppe, aber hauptsächlich, um zu lernen, das Problem "bei mir" zu lassen und sich selbst möglichst rauszuhalten. Andererseits hat mir das schon auch geholfen, denn damit konnten wir uns von "Gleich zu Gleich", zwei Leute, die sich damit auseinandergesetzt haben, über das Problem unterhalten.

    Wenn sein Trinkverhalten für Dich ein Problem ist, dann ist das Thema dann natürlich schon im Raum, schon dadurch wird es auch für ihn zum Problem, das eine Spirale in Gang bringen könnte. Auf jeden Fall denke ich, da sollte der Druck raus.
    Letzendlich wird die Beziehung so viele Chancen haben, wie Du ihr gibst. Wenns Dir dabei gut geht, ist gut, wenn nicht, dann eben nicht. Die Entscheidung kann ich Dir jedenfalls nicht abnehmen.

    Gruß Susanne

    Ja, ich finds auch schade.

    Auch wenn ich hier niemanden an der Hand nehme oder besonders nähebedürftig bin, finde ich es absolut schade, wenn hier jemand geht, der lesenswert schreiben kann.

    Was mich hier am meisten ärgert, sind zwei Punkte:
    Erstens, dass Leute, die es ein bis zwei Beiträge lang äusserst dringend haben, einfach wieder verschwinden, und damit meine ich eben nicht Dich.
    Und zweitens, dass ich 8 bis 10 Stunden täglich wegen meiner Arbeit vor dem Bildschirm sitze(n muss) und es nicht lassen kann, hier reinzugucken, obwohl es mich jedesmal ärgert, wie langweilig es hier ist und wie wenig intelligenten Input es hier gibt, aus dem ich auch mal was ziehen könnte.
    Und diesen ganzen Politschrott könnte ich von morgens bis abends auf Facebook haben, das ist für mich keine geistige Nahrung.

    Mir fehlt hier echt Input, der auch mir was bringt. Und es gehen die Falschen.

    Meine Güte Daun,

    Greenfox hat hier mal geschreiben, dass in diesem Forum keine politischen Diskussionen erwünscht sind. Bei dem was ich verlinkt hatte, gings wenigstens noch um Drogen und Alkohol.

    Und selbst wenn ich politisch vielleicht gar nicht so weit weg von Dir wäre, drückst Du Dich dermassen schwurbelig und unverständlich aus (zu Deiner Rechtschreibung hat Dir ichso schon mal was geschrieben, und Du könntest Dir echt mehr Mühe geben, oder kannst Du das nicht?), dass ich überhaupt keine Lust habe, Dir zu antworten. Und ansonsten ist das hier für mich nicht der Platz, um das zu diskutieren.

    Du wolltest doch mal nen Austausch auf Augenhöhe...dann sorg dafür, dass sich nicht alle erst mal bücken und rätseln müssen, was Du meinen könntest. Gehts hier irgendwo um Deine Sucht?

    OK.

    Ich will Dich im Grund auch gar nicht so hart angehen, aber das ist halt ein bisschen wie Pflaster abziehen, das kannst Du langsam und vorsichtig machen, oder mit einem schnellen Ruck. Langsam und vorsichtig ist für mich eindeutig die größere Qual. Und mit Wattebällchen-werfen löst man leider kein Suchtproblem.

    Ich bin ziemlich genau 20 Jahre ohne Suchtmittel, clean und trocken, und in diesen 20 Jahren war ich ca. 14 Jahre mit Unterbrechungen in der Sucht(selbst) hilfe aktiv. Ich habe in dieser Zeit schon sehr viele Angehörige erlebt, die, meistens mit wachsender Verzweiflung, versucht haben, einen Partner oder sonstigen Angehörigen (Brüder, Eltern, etc), von dessen Sucht abzubringen. Ich selbst habe, mit meinem Vater, aber auch mit genügend anderen Abhängigen, diese Erfahrung auch schon gemacht, dass man nichts machen kann, wenn der Abhängige, um den es geht, das nicht in irgendeiner Weise selbst will.

    Dabei habe ich aber noch gewisse Vorteile, da ich mich auskenne. Und manchmal sagt oder schreibt mir sogar jemand, dass ich vor 10, 15 Jahren demjenigen so den Kopf gewaschen habe, dass er nun zufrieden trocken ist. Aber das ist, genau so wie in den Fällen, wo einer zwangsweise erst mal ausgenüchtert wird und dann vielleicht merkt, um was es geht (das sind aber nur Ausnahmefälle), nur dann möglich, wenn derjenige seinen Hintern dann auch tatsächlich hoch kriegt. Ohne aktive Mitarbeit des Trinkers kann weder ich noch irgendein Therapeut was machen, und Angehörige leider auch nicht.

    Der Normalfall ist, so bitter das ist, dass sich Angehörige und Trinker gegenseitig hochschaukeln und die Spannungen dem Trinker dann zusätzliche Vorwände liefern, zu trinken. Er hat dann einen greifbaren Grund und einen Schuldigen, dem er seine Sauferei in die Schuhe schieben kann. Und zum Teil stimmt das sogar, denn die Spannungen in der Beziehung stressen ihn genau so wie die Arbeit und das ist immer ein guter Vorwand. Und es gibt fast kein besseres Mittel, um sich von Allen mal am Allerwertesten lecken zu lassen, als ihnen besoffen zu zeigen, wie egal sie einem sind.

    Und ansonsten wird manipuliert und gelogen, dass sich die Balken biegen, und zwar auf beiden Seiten. Von Seiten der Angehörigen, wie bringe ich den dazu, aufzuhören, obwohl er trinken will. Von Seiten des Trinkers, wie bringe ich meine Angehörigen dazu, dass ich weiter saufen kann, ohne das die mich permanent stressen oder es überhaupt merken. Und natürlich beobachtet er Dich ganz genau so, wie Du ihn beobachtest, und versucht natürlich auch, das Du nicht an ihn rankommst.

    Das hört erst dann auf, wenn einer aussteigt. Und wenn das nicht der Trinker ist, der aus diesem Karussell austeigt, bleibt halt nur der Angehörige.

    Und alle Argumente, warum das schwierig oder gar unmöglich ist, da auszusteigen, habe ich sicher schon hunderte Mal gehört. Da kann man sich ewig im Kreise drehen und kommt keinen Schritt weiter.

    Ich bin übrigens mit meinem damaligen Partner immer noch zusammen. Aber erst, nachdem wir schon fast auseinander waren und ich ungehindert saufen konnte, bis ich fast dran verreckt wäre. Damit es mir selbst reichte und nicht nur ihm. Und natürlich ist auch das keineswegs garantiert. Wenn ich wegen meinem Partner aufgehört hätte und nicht wegen mir selbst, würde ich mit Sicherheit schon lange wieder trinken. Und was ich brauche, ist nicht unbedingt das, was mein Partner glaubt, was gut für mich wäre. Sondern den Sinn dahinter muss ich schon selbst sehen.

    Gruß Susanne

    Das mag ja alles sein.

    Aber Du machst das mit. Und zwar freiwillig, oder bist Du angekettet? Oder bist Du diejenige, die ihn braucht und auch nicht loslassen kann?

    Und reden kannst Du da viel, das schwappt sich mit einem der Biere runter. Da musst Du schon tatsächlich was machen. Und zwar etwas, was DICH weiter bringt. Er hat genau ein Leben, mit dem er machen kann, was er will, und Du hast auch nur Dein eigenes Leben, das Du auf deine Weise auch gestaltest, indem Du dir das antust. Ist doch alles bloß weggeschmissene Zeit, was Du da machst.

    Beantwortet ist diese Frage ganz einfach:

    a) Weil Dein Mann Alkoholkrank ist. Und solange er sich - und zwar nur er alleine - nicht eingesteht das er alkoholkrank ist, solange wird er Tag für Tag 4 Liter Bier reinschütten - Tendenz, mit allen negativen Begleiterscheinungen wie z.B. Ausraster/Provokationen steigend.

    woher willst Du das eigentlich wissen, proky?

    Nach meiner Ansicht müsste er, um das festzustellen und zu behaupten, erst mal aufhören wollen . Und dann, obwohl er aufhören will, nicht aufhören können.

    Vorher ist das alles Kaffeesatzleserei. Wenn einer nicht aufhören will, weisst Du das nie.

    Und ansonsten ist es für mich völlig nachvollziehbar, wenn jemand grantig wird, weil der Partner was verlangt, was man selbst nicht will.
    In einer Beziehung muss man halt ausmachen, was man gemeinsam will. Und wenn man sich nicht einigen kann, ja dann muss eben einer oder eine Konsequenzen draus ziehen.


    Das ist schon Abhängigkeit und nicht mehr wirklich für einen anderen, der nicht trinkt, zu erklären.

    Nur mal kurz ein Einwurf. Es gibt Vieltrinker, die sind wohl nicht abhängig, sondern die machen das bewusst. Ich habe immer gesagt, ich trinke gern und viel. Ich sah sehr gute Gründe zum Trinken, es ist nicht verboten, und es gibt für mich auch keine moralische Verpflichtung, es zu lassen. Solange ich nicht irgendeinen verbotenen Scheiss treibe, betrunken fahre etc, geht das ausser mir selbst ja niemanden was an.

    4 Liter Bier am Tag...im Vergleich zu mir ein Hobbytrinker, der wenig verträgt. Trotzdem empfand ich mich erst ganz am Schluss als abhängig, und aufgehört habe ich nicht aus irgendwelchen moralischen Gründen, sondern weil es mir irgendwann mal halt schlecht genug ging. So dass ich dann irgendwann die Schnauze voll hatte. Natürlich kann man mich als merkwürdigen Menschen mit einer Reihe Dachschäden sehen, aber ich habe die Sauferei nicht als Problem empfunden. Sonst hätte ich nicht so lange gesoffen.

    Und ich weiss bis heute nicht wirklich, ob ich abhängig war, denn ich konnte es ja dann einfach lassen. Diese ganzen Schwierigkeiten beim Aufhören, von denen viele schreiben, hatte ich ja nicht. Natürlich war ein Leben ohne Alkohol für mich ungewohnt und meine ganzen unangenehmen Gefühle stürzten dann ungefiltert über mich, aber ich denke, das ist ein anderes Thema.


    Sollte ich meinem Vater sagen, was ich von alledem halte? Darf ich das?

    Natürlich kannst Du ihm das sagen. Es wird nur sehr wahrscheinlich nichts ändern.

    Mein Vater starb an den Folgen jahrzehntelangen Alkoholmissbrauchs, da war er 82 und ich 57 . Ich denke, ich habe ihn mein ganzes Leben lang keinen Tag ohne Alkohol erlebt. Meine Mutter hatte sich schon lange scheiden lassen. Eines Tages lag er bei meinem Besuch sturzbesoffen auf dem Sofa und redete mich gleich so schräg an, das ich mich einfach umgedreht habe und wieder gefahren bin (ich wohnte da längst ganz woanders). Irgendwann habe ich ihm gesagt, wenn er noch mal so betrunken ist, dann komme ich nie wieder. Oder wenn er mich betrunken anruft, da ist auch das Ende der Fahnenstange. Da versuchte er sich dran zu halten.

    Ansonsten sagte er mir, dass sich das Aufhören für ihn nicht rentiert. Es sah keinen Sinn drin, das Trinken zu lassen. Ich habe selbst über 25 Jahre getrunken und Drogen genommen, meine eigener Partner hat mehrere Jahre erfolglos an mich hingeredet, wir haben uns auch viel deswegen gestritten, aber ich wollte lange auch nicht aufhören. Deswegen wusste ich bei meinem Vater, dass es keinen Zweck hat, sich deswegen aufzuregen. Ich habe mich um ihn gekümmert, als er Pflegefall wurde, aber ansonsten lebe ich schon lange mein eigenes Leben, was er da machte war irgendwann nicht mehr besonders wichtig für mich.


    Ich frage mich warum man sich bei klarem Verstand jeden Tag aufs neue für 4 Liter Bier entscheidet.

    Da kannst Du Dich auch fragen, warum man sich bei klarem Verstand jeden Tag aufs Neue entscheidet, jemandem dabei zuzugucken, wie er sich für 4 Liter Bier entscheidet, statt einfach zu gehen.

    Ich nehme an, so wie Du Gründe nennen kannst, warum Du immer noch bei ihm bleibst, würde er Gründe nennen, warum er trinken will.

    Ich finds ganz erhellend, wenn jemand aus dem Herzen des Rechtssprechungsestablishments das Elend der Drogenpolitik durch den Kakao zieht.
    Deswegen der Hinweis auf den Autor, keiner aus der Riege der staatszersetzenden Anarchos, bei denen man das für selbstverständlich erachten würde.

    Was er sonst macht, muss ich ja nicht rechtfertigen.

    @Reko,

    ganz schönes rumlavieren.

    Nu ja.

    "Ihr wisst ja, von wem es kommt", sage ich hier im Realen manchmal über mich selbst, weil ich gerne ein lockeres Mundwerk habe, nicht mal entschuldigend, sondern ich bin halt so und so kennt man mich.

    Der Ausdruck kann hier (bei uns in der Gegend), auf jemanden gemünzt, vom leisen Kompliment bis zur absoluten Verachtung alles ausdrücken. Und der Zwinkerer machts keineswegs eindeutiger. Jedenfalls nicht, wenn man mal anfängt, drüber nachzudenken.
    Und Du wolltest doch wegen kleinen Vorteilen nicht lügen. Man beachte den Smilie ;)

    Ich hab mal jemandem, der mir süffisant sagte, dass er schon weiss, was ich denke, den Vorschlag gemacht, es mir doch mal vorzulesen. Hähä.

    BTW...mein Partner und haben unsere Beziehung nicht zuletzt dadurch gerettet, dass wir längere Zeit eine Übung gemacht haben, dass der Andere erst mal wiedergeben musste, was er bei den Äusserungen des Gesprächspartners verstanden hatte. Solche Selbstverständlichleiten - "ich weiss schon was Du meinst" oder "ich habe mich doch klar ausgedrückt" sind nämlich keineswegs so trivial, wie es zuerst scheint. Mein Partner hatte oft was ganz Anders verstanden, als ich sagen wollte, und umgekehrt. Vor allem mein Partner meinte sich nämlich ziemlich sicher zu sein, mich zu kennen, was aber nicht der Fall war und zum Problem wurde. Er konnte (und kann) nämlich keineswegs Gedanken lesen, und ich auch nicht.
    Und deswegen schreibe ich das hier, weil es für mich ein Thema war und teilweise immer noch ist. Was Ihr draus macht, ist natürlich Eures.

    Im Übrigen nicht nur bei der schriftlichen Kommunikation schwierig. Die finde ich teilweise sogar einfacher als direkt. In unseren härtesten Streitphasen haben wir uns Emails geschrieben, damit man mal Gedanken fertig formulieren konnte.

    Ein Uralt-Teil.

    Huber-Matthias kommt zum Arzt, es läuft halt nicht mehr so richtig, es zwickt links, es zwickt rechts, und sehen tut er auch nicht mehr so richtig.

    Hin und her, säuft er, ich habs Dir doch schon so oft gesagt? Na ja, ein bisschen macht er halt schwarzbrennen. Man gönnt sich ja sonst nix.
    Aber ab sofort bleiben lassen, sagt der Arzt, sonst bist Du bald ganz blind.

    Halbes Jahr später, sie begegen sich auf der Straße, Huber-Matthias tastet sich mit dem Stock an den Hauswänden lang, den Arzt sieht er gar nicht.
    Ja, Matthias, was ist denn los, bist Du jetzt blind? Ich hab dich doch oft genug gewarnt?

    Was soll ich sagen, Doktor, ich habs ja geglaubt, und ich habs auch probiert.
    Aber ich hab einfach nix gesehen, was so schön war wie der Schnaps.