Willkommen Gräfin
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Nur ein paar Beispiele:
Ich total besoffen auf der Couch, mein Exmann holt unter wüsten/berechtigten Beschimpfungen unsere Tochter zu sich. Meine Tochter weint und packt.
Tür fällt zu, Tochter ausgezogen.
Ich fahre total betrunken ( Wodkaflasche im Auto ) mit meiner Tochter und ihrem Freund zu den Pferden ( Weide am Fluss ). Beim Wassernachfüllen fällt meine Tochter in den Fluss. Ihr Freund rettet sie.
Ich fahre total besoffen mittags im Urlaub in der Schweiz herum, dichtes Schneetreiben, Hochgebirge, Serpentinen... Frontalzusammenstoß mit einem Van ( 5 Personen ).
2,35 Umdrehungen, Fahrerflucht.
Diese Liste könnte ich noch ( mindestens ) 5 Stunden weiterführen.
ich hab auch viel Scheixx getrieben. Jetzt bin ich schon so lange nüchtern, dass es langsam mühsam wird, mich dran zu erinnern. Hier aufgeschlagen bin ich, nachdem mein Vater an den Folgen seines eigenen jahrzehntelangen Alkoholmissbrauchs gestorben war. Meine eigene Geschichte ist mehr als 20 Jahre her. Heute finde ich das - sorry - im Rückblick schon eher amüsant. Wirklich schlimmes ist mir nicht passiert, ich habe niemanden wirklich nachhaltig geschädigt, so weit ich weiss. Ausser mich selbst, und das ist ja mein Leben, das wollte ich wohl so.
Wenn Dich meine Geschichte interessiert, ich hab hier schon so viel geschrieben, ich mag das nicht immer wiederholen. Kann mich selbst nicht mehr labern hören/lesen, wenn ich das bis ins Detail ausbreite. Wie Daun schreibet, das ist meine Vergangenheit, nicht meine Zukunft.
Ich hab aber auch gesoffen, bis ich fast dran gestorben wäre. Eigentlich hab ich nur noch den Henkel zum Wegwerfen vermisst.
An sich wollte ich mich tot trinken, das war nur nicht so einfach. Ich hatte dann mehr Angst davor, das ich vorher noch zum geistigen Krüppel werde. Korsakow oder so was.
Mir ging es dann aber so schlecht, dass es einfacher war aufzuhören, als weiterzutrinken. Es war definitiv weniger Leiden. Ich war einige Male bei der Suchtberatung, habe aber wegen Alkohol keine Therapie gemacht und das lange alleine durchgezogen.
Die ersten Jahre dachte ich, bevor ich rückfällig werde, kann ich mir auch überlegen, ob ich mir leichter gleich die Kugel gebe, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen, ginge aber schneller und humaner. Bei mir ging der Suchtdruck aber zum Glück schnell vorbei, es fiel mir nach dem Aufhören nie schwer, nüchtern zu bleiben.
Deswegen wusste ich aber trotzdem nicht, was ich mir mir anfangen wollte. Ich hab seit frühester Jugend gesoffen, das gehörte bei mir zum Leben wie Essen und Schlafen. Komasaufen, Filrisse und eine Menge andere Drogen schon mit 15. Bin so richtig aus dem Ruder gelaufen und nur wegen Hochbegabung trotzdem immer wieder auf die Füsse gefallen. Ich fand das viel normaler als nicht zu trinken. Nüchtern, und nicht nur Trinkpausen, sondern dauerhaft, kannte ich als Erwachsene bis zu meinem vierzigsten Lebensjahr nicht.
Was ich festgestellt habe, ich hatte formal einen Superjob, hatte eine Führungsposition als Informatikerin, aber "seelisch " gab mir das überhaupt nichts. Erfolgserlebnsse im Beruf waren bei mir in etwa so nachhaltig wie meine Besäufnisse, die hielten, was mein Befinden anging, genau so lange. Am nächsten Tag kotzte mich der Job trotzdem an. Ich habe nur wegen dem Geld gearbeitet. Mein Gefühl war in etwa so, dass ich am liebsten als Katze gelebt hätte, in der Sonne liegen und gelegentlich irgendwo rumspielen. Disziplin war noch nie meines, ich fühlte mich da immer wie eingesperrt.
Ich hab dann den Job noch mal gewechselt, aber davon wurde es eher noch schlechter. Als ich dann so etwa vier Jahre trocken war, habe ich angefangen, mich hinzusetzen und mir aufgeschrieben, was mir wichtig ist, mit Priorisierungen, was brauche ich unbedingt, was wäre nur "nice to have", so in dem Stil, ganz wichtig, weniger wichtig und so. Ich bin da auch ans Eingemachte, was habe ich eigentlich nur übernommen, weil es in der Erziehung von mir verlangt wurde, und was kommt aus mir selbst? Bei der Gelegenheit habe ich dann auch meine einzige Therapie gemacht, weil ich das Gefühl hatte, ich komme mit mir selbst nicht klar. Ich hab beispielsweise festgestellt, dass es mir wichtig ist, viel draussen zu sein und möglichst wenig Zeit zum Geldverdienen zu investieren. Da ging dann nur selbstständig, da konnte ich entscheiden, wann ich genug verdient hatte und mich wieder auf die faule Haut legen konnte. Sehr von Vorteil, dass ich keine besonders großen finanziellen Ansprüche habe und mein Stundensatz trotzdem nicht schlecht war (ich hab mich neulich frühverrentet)
Bei mir ist es so, ich muss nichts erreichen, ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod (bin Agnostikerin und sehe keine Möglichkeit, darüber vernünftige Aussagen zu treffen) und ich muss niemandem etwas hinterlassen. Andere Leute spielten bei mir schon früher keine große Rolle, ich würde sogar sagen, dass ich absolut rücksichtlos war. Eher ist es so, dass ich heute so eine kleine soziale Ader habe. Ausserdem meditiere ich beispielsweise schon lange, und da ist mir auch bewusst, dass mir lange nicht alles so egal ist, wie es mir früher war. Heute lebe ich weniger für die "großen Würfe", sondern mehr so Tag für Tag.
Ich hätte nur die Frage, warum Du Dir das jeden Abend ins Bewusstsein rufst. Kämpfst Du damit gegen Saufdruck? Hast du Angst, sonst rückfällig zu werden?
Das solls erst mal gewesen sein, ich wollte Dich nur begrüßen.
Susanne