Beiträge von AmSee13

    Hallo Schokomuffin,
    herzlich Willkommen hier im Forum und Gratulation, dass du bereits seit dem 1. April keinen Alkohol mehr trinkst und damit schon so viele gute Erfahrung gemacht hast. 44.
    Deine kurze Beschreibung diesbezüglich macht bestimmt auch anderen Mut, die sich mit dem Gedanken tragen, mit dem Alkohol trinken aufzuhören.

    Nun zu deinem Problem. Mir selbst, Ende 40, eine Weile mit ähnlicher Dosis unterwegs, ging und geht es zwar nicht ähnlich, aber aufgrund meiner anderen Erkrankungen habe ich ein paar Anregungen, denen du nachgehen könntest.

    Da du die kardiologische Seite schon abgeklärt hast und von daher „alles in Ordnung“ war, fallen mir noch folgende Möglichkeiten ein:
    - wie steht’s um deine Schlafhygiene?
    - was isst du abends, bist du ggf. nachts unterzuckert?
    - hast du dich möglicherweise selbst „programmiert“ ?
    - bist du zur Zeit psychisch ganz besonders mit etwas beschäftigt?

    Vielleicht hilft es auch weiter, sich mit den biochemischen Vorgängen in deinem Gehirn näher zu beschäftigen. Alkohol wirkt sich u.a. auf die Dopaminausschüttung aus und langfristiger Konsum führt zu einer Veränderung der Dopminrezeptoren im Gehirn. Das reguliert sich zwar nach einer Weile wieder, aber das dauert.


    Schlafhygiene: Bis zu welcher Uhrzeit trinkst du Kaffee oder Tee? Sitzt du vor dem Schlafengehen noch vor Computer, Tablet oder Fernseher. Usw.

    Hast du dich möglicherweise selbst „programmiert“? - Ich selbst habe Folgendes gelernt: Es gab eine Zeit, in der ich nachts häufig wach wurde und insgesamt ziemlich schlecht schlafen konnte (hatte nichts mit Alkoholentzug zu tun). Mein Arzt riet mir, nicht auf die Uhr zu schauen, um mein Gehirn nicht zu „programmieren“. Es scheint so zu sein, dass man sich auf bestimmte Uhrzeiten konditioniert, wenn man nachts beim Wachwerden auf die Uhr schaut.

    Vielleicht hilft dir das bei der Suche nach den Ursachen für dein Problem etwas weiter.

    Viele Grüße
    AmSee

    P.S.: Als Entzugssymptom kann so etwas meines Wissens nach auftreten, aber ob das nach sechs Wochen immer noch mit den Entzug zusammen hängt. nixweiss0

    Ich frage mich gelegentlich, wieso ich seit Jahren an dem scheinbar immer gleichen Punkt weiter festhänge. Es sind wohl wirklich die Gefühle. Und ich rutsche bei diesen Fragen auch sehr schnell in so einen diffusen Zustand, in dem gar nichts mehr klar ist (s.o., das gehört zum Einfrieren). Und dann lässt sich das Ganze nicht mehr so gut analysieren.

    Das hört sich für mich ganz danach an, dass etwas in dir damit überfordert ist. Dieses „Einfrieren“ oder dieser diffuse Zustand, von dem du erzählst, tritt, soweit mir bekannt ist, auf, wenn etwas ZU VIEL wird.

    Eine Lösung kann ich dir da leider nicht anbieten.
    Ich selbst würde aufgrund meiner eigenen Therapie-Erfahrungen und -Erfolge mit professioneller Hilfe noch tiefer graben. Ob das richtig ist oder nicht, weiß ich nicht.

    Vielleicht hat es tatsächlich damit zu tun, dass du dieses „innerliche Bild“, das du von deiner Familie hast, (noch ?) nicht aufgeben kannst.
    Dein Therapeut wird dir möglicherweise Gründe nennen können, warum du dir ein solches Bild gemacht hast, und auch mit Dir daran arbeiten können, warum du dich bislang nicht davon lösen kannst und wie du dich nun davon lösen könntest.

    Hast du dich auch schon mal mit der Problematik der Co-Abhängigkeit beschäftigt? Da findest möglicherweise auch den einen oder anderen Schlüssel für dich.

    Wann immer du Fragen hast oder Gedanken, die du teilen möchtest, bist du natürlich auch eingeladen, hier zu schreiben.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Nina,
    wieder erkenne ich mich in Vielem, was du von dir erzählst, wieder.


    Ich habe ehrlich gesagt oft das Gefühl, ich trete auf der Stelle. Ich tappe so oft wieder in die alten Muster. Mir hilft es schon, das dann hinterher zu reflektieren, auch mit Anderen (Therapeutin, Partner), aber das verändert die Gefühle in der Situation nur sehr langsam. Es ist wirklich kein Scherz, wenn Therapeuten einem sagen, dass sowas Jahre dauert.


    Ich kenne dieses Gefühl....
    Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich häufig erst durch die anschließende Reflexion ein Stück weiter kam.

    Wenn an der wissenschaftlichen Theorie der menschlichen Psyche wirklich was dran ist - und meine eigenen Erfahrungen widerlegen die Theorie nicht -, dann ist es auch kein Wunder, warum die Veränderung so schwer ist und Jahre dauert. Die gute Nachricht ist aber, es tut sich was!

    Du sprichst von „Einfrieren“. Ich hab das anders kennengelernt. Bei mir war in bestimmten Situationen mein Verstand glasklar und der hat übernommen, Emotionen waren da herzlich wenig in mir zu spüren. Ich war nicht völlig emotionslos, aber aus der Rückschau kann das nur so ein Oberflächenprogramm gewesen sein. Die eigentlichen Emotionen kamen immer verspätet und zwar mit ungefähr drei Tagen Verspätung. Dann aber zuhause, alleine in der Stille, brachen die unvermittelt wie bei einem Vulkanausbruch aus mir heraus und überschwemmten und überforderten mich regelmäßig.

    Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um daran etwas zu ändern. Mittlerweile ist es deutlich besser geworden und in der Regel bin ich auch gefühlsmäßig bei mir. Letztens hatte ich nochmals eine Situation (Trigger waren nicht meine Eltern), da kamen die Emotionen mit zwei Stunden Verspätung. Da hatte ich mich unabsichtlich überfordert. - Inzwischen weiß ich, was mich da getriggert hat, und habe neue Maßnahmen ergriffen, damit mir das nicht mehr passiert.


    Ich kann deine Zerrissenheit gut nachvollziehen. Ich lese bei dir auch die Hoffnung heraus, dass deine Eltern doch nochmals so werden, wie du sie dir wünschst. Und jedes noch so kleine Zeichen nährt diese Hoffnung....

    Alles, was du über dich erzählst, ist mir auch irgendwie so vertraut und es wird sehr wahrscheinlich noch mehr EKAs geben, denen es ähnlich geht.
    Hast du dich schon mal umgesehen, ob es in deiner Gegend SHGs für EKAs gibt? Vielleicht wäre das was für dich?


    Ich kann dir nur Mut machen, dich weiterhin auf dich zu besinnen, dich darin zu üben, „bei dir zu sein.“, dir deiner Grenzen bewusst zu werden und sie zu achten.
    Was du bislang für dich tust, habe ich in ähnlicher Weise für mich getan. Nach meiner persönlichen Erfahrung waren das Schritte in die richtige Richtung.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Eltern sich ändern und vom Alkohol Abstand nehmen, ist bei Allem, was du über sie erzählt hast, leider sehr gering. Es müsste sich in ihrem Denken bezüglich ihres Alkoholkonsums etwas verändern, es müsste ein Einsehen geschehen.
    Ich selbst hab das bei mir nicht sehen wollen, hab das verharmlost, wurde ungehalten, wenn mein Mann mich auf meinen Konsum ansprach. ICH hatte das im Griff, glaubte ich.
    Heute sehe ich das anders und meine Einstellung hat sich völlig geändert. Das lag aber daran, dass mir klar wurde, dass an meinem Konsum etwas nicht stimmte, und dass ich selbst mich ernsthaft mit meinem Problem auseinandersetzte.
    DAS hätte mir niemand abnehmen können und ich hätte es als Bevormundung empfunden und abgelehnt, wenn sich da jemand - und hätte ich den noch so gern - eingemischt hätte.


    Dass du Angst hast vor jedem Kontakt, kann ich nachvollziehen. Das ginge mir ähnlich. Ich habe das übrigens im Kontakt mit meiner Schwester noch immer, weil es mit ihr immer anders ist/war und ich häufig verletzt wurde. Ich wusste/weiß nie vorher, wie ich sie antreffe, und egal, was ich versuchte, wie viel Empathie und Entgegenkommen ich einsetzte, wenn sie wieder irgendwie merkwürdig drauf war, wurd‘s schmerzhaft für mich.

    Du sprichst von dem Schmerz, der nie ganz weg geht.... Nein, er geht nie ganz weg. Doch du kannst lernen, damit zu leben, und lernen, das, was du für dich daraus gelernt hast, einzusetzen, du kannst lernen, ihn gewissermaßen zu einer deiner Stärken werden zu lassen. Ich habe mit meinem Therapeuten u.a. auch daran gearbeitet.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Susanne,
    ich habe etwas Zeit gebraucht, um dich einzuschätzen zu können. Jemand wie du ist mir in meinem bisherigen Leben noch nicht begegnet.

    Inzwischen weiß ich mehr über die Problematik von EKAs. Als ich hier ankam, wusste ich darüber herzlich wenig. Anfangs glaubte ich tatsächlich, dass du mir irgendwie ähnlich seist. Durch unseren Austausch wurde dann deutlich, wie sehr wir uns tatsächlich unterscheiden.

    Ich denke, ich kann inzwischen tatsächlich nachvollziehen, was mit dir ist, warum du hier nicht „Alleinunterhalterin“ sein wolltest, warum du gehen wolltest bzw. was du meinst mit „jemanden gehen lassen“. - Ich schreibe „nachvollziehen“, weil ich nicht wirklich wissen kann, ob ich dich „verstehe“, denn dafür müsste ich ja eigentlich in deinen Kopf hineinsehen können. - Du hast hier aber sooooo viel von dir preisgegeben, dass ich, wenn vielleicht nicht „verstehen“, aber doch eben „nachvollziehen“ kann.

    Ich habe deine Fachkompetenz, die hier in den verschiedenen Bereichen immer wieder deutlich wurde, stets geschätzt. Und ich wusste auch, dass du dich zu deiner „Hässlichkeit“ bekennst.
    Umgehen konnte ich damit nicht wirklich. Mich jedenfalls kosteten Schlagabtausche mit dir häufig viel Energie, auch wenn wir nur sachlich diskutiert haben.

    Ich musste gehen. Zu dem Zeitpunkt war das richtig und wichtig für mich und meine weitere Entwicklung. Inzwischen bin ich ein Stück weiter.

    Ich wünsche dir alles Gute, Susanne. (Ich als EKA würde übrigens nicht mit dir tauschen wollen.

    Hallo Yanis,
    das hört sich richtig gut an, was du schreibst.
    Danke fürs Teilen! 44.

    Ich finde es immer wieder interessant, wie sich das eigene Denken so allmählich verändert, wenn man eine Weile dabei ist. Was du über dich erzählst, klingt für mich in sich stimmig.
    Meine Erfahrung ist auch gewesen, dass ich mir irgendwann die Hintertüren verschließen musste.
    Und auch ich habe eine Weile darüber nachgedacht, in eine SHG zu gehen....


    Das mit den Gleichaltrigen kann ich gut nachvollziehen. Wie sich das tatsächlich in SHGs zeigt, kann ich nicht beurteilen. Gut, dass sich für dich eine Möglichkeit aufgetan hat. Bin gespannt, davon zu lesen.

    Lese gerne mehr von dir! :)

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,

    das hört sich nach einer guten Richtung an bei dir! 44.

    Ich denke, dass auch viel davon abhängt, wie bewusst man für sich selbst wird.

    Ja, viiiiieeeel Wasser trinken ist auch sehr wirksam. Hab ich auch schon kennengelernt und genutzt.

    Badewanne hört sich auch gut an! Da das etwas ist, was DIR gut tut, ist das ein ziemlich wirksames Mittel.

    Vielleicht fallen dir, wenn du mal bewusst drauf achtest, weitere solcher Möglichkeiten ein, dir etwas Gutes zu tun. Auch auf sowas springt das Belohnungszentrum an....

    Als ich mal damit angefangen habe, danach Ausschau zu halten, was eigentlich MIR gut tut, fiel mir erstmal nix ein. Klar, da gibt’s so das, was andere raten, aber das konnte und wollte ich nicht einfach so übernehmen. Nach ner Weile fiel mir dann tatsächlich das eine oder andere ein...

    Deine Beschreibung des guten Sonntagsfrühstücks und .... gefällt mir. ;D Und du hast offensichtlich Humor. 44.


    Das gestern hat mich natürlich eine Weile beschäftigt, aber im Laufe des Tages beruhigte sich merklich etwas in meinem Inneren.

    Ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Abend.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Hanna,
    zunächst interessiert mich deine Einstellung zum Bier.
    Jetzt bist du gerade dabei, es zu loben. Es fülle deine Tage, der Tag sei nicht mehr so leer, du fühlst, Energie, wenn du Bier trinkst.

    Mit der Einstellung wirst du kaum vom Bier wegkommen. Du schwärmst ja geradezu. Warum willst du denn überhaupt weg von Alkohol?

    Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich auch noch geschwärmt. Dann aber hat sich in meinem Denken etwas verändert. Ich hatte mich angemeldet, weil ich mir Sorgen um mich machte.

    Mir wurde immer mehr klar, dass ich das Trinken nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich fühlte mich gefangen.
    Mir wurden immer mehr Momente bewusst, in denen der Konsum von Alkohol für mich eben gerade NICHTS mehr Positives hatte.

    Da wollte ich unbedingt raus.


    Wie ist das aber nun bei Dir? Wie ist deine Einstellung zum Alkohol?

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    gestern konnte ich dir nicht mehr antworten, aber ich hoffe, dass dich die Leere gestern nicht niedergerungen hat, sondern du deinem Ziel treu bleiben konntest.

    Nach meiner persönlichen Erfahrung ist dein Ansatz „auch diese Leere zu nutzen“, um „die Ruhe in dir wiederherzustellen“ ein durchaus sinnvoller Ansatz.
    Wie bist du gestern damit zurecht gekommen?


    Im Folgenden muss ich ein paar mal das unpersönliche, verallgemeinernde „man“ gebrauchen.... ;)

    Wenn man noch am Anfang steht, so meine eigene Erfahrung in ähnlichen Zusammenhängen, kann man sich damit auch überfordern.
    Gefühle, Gedanken können, wenn man noch keine anderen „gesunden“ Bewältigungsstrategien verinnerlicht hat, überwältigend werden und „Suchtdruck“ auslösen.
    Ich selbst hab das zwar nicht beim Saufen erlebt, weil ich Alkohol aufgrund familiärer Vorerfahrungen ganz bewusst nicht in solchen Zusammenhängen konsumiert habe (in der Regel), ich kenne das aber ziemlich gut vom Rauchen. Noch heute überkommt mich in bestimmten Momenten, wenn der Druck gewisser Emotionen in mir richtig heftig wird, das überaus starke Bedürfnis, mit Hilfe einer oder mehrerer Zigaretten Druck von Kessel zu nehmen. - Was leider auch immer wirkt... was Wunder, Nikotin wirkt so ......... am Anfang.... :grins: Konnte das trotz monatelanger Abstinenz noch immer nicht ganz abstellen, arbeite aber daran....

    Und so komme ich zur nächsten Frage:
    Was tust du oder was hast du dir für Situationen / Momente überlegt, wenn der Druck in dir zu stark wird oder zu steigen beginnt?

    Im Zusammenhang mit dem Nicht-mehr-Rauchen habe ich folgende Tipps kennengelernt, die nach meiner persönlichen Erfahrung gewiss auch beim Nicht-mehr-Trinken hilfreich sind:

    A ufschieben
    A usweichen
    A bhauen
    A blenken

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Nina,
    wenn du wüsstest, wie gut ich mich in dem wiederfinde, was du über dich erzählst.
    Ich habe in dem Sinne keinen Rat für dich, ich kann nur ein paar Erfahrungen und Gedanken mit dir teilen. Vielleicht hilft dir das weiter...


    Mir kommt vieles sehr bekannt vor, was du beschreibst, vor allem das Gefühl, sich nicht wirklich frei von Verantwortung fühlen zu können. Die Automatismen zu sehen und sich anders zu entscheiden ist finde ich wirklich sehr schwer.


    Das empfand bzw. empfinde ich auch so. Doch für mich sah ich keine andere Alternative als mich immer wieder um mich zu bemühen. Ich konnte und wollte nicht anders.
    Nach meinem Empfinden bist du einem riesengroßen Schritt weiter, wenn du die Muster und Automatismen überhaupt erst einmal bei dir und für dich selbst aufdeckst.
    Ich hab das so empfunden, als wenn ich so über einem gewissen Umweg die Kontrolle zurückbekomme.
    Solange ich nicht wusste, „wie der Hase läuft“, empfand ich mich der Situation hoffnungslos ausgeliefert. Für mich ein fürchterliches Gefühl, vor allem weil ich spürte, wie meine Kräfte zusehends schwanden, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.

    Zitat


    Das andauernde Überlegen und Abwägen, ob man eingreift - das macht ja auch müde. Zumal man mit dysfunktionalen Menschen immer wieder in diese Situationen kommt.


    Mich hat es auch müde gemacht, nur, was hatte ich denn für eine Wahl? Nüchtern betrachtet zwei: A) Völlige Loslösung. B) Weitermachen, weil‘s doch meine Familie ist, weil ich sie nun einmal liebe.

    A) Kam für mich nicht nochmal in Frage. Den Weg war ich unmittelbar nach dem Tod meines Vaters gegangen. Damals für mich überlebensnotwenig, später aber, als wir uns einander wieder angenähert hatten und wiedergefunden hatten, keine Option mehr.

    Also B). Doch B konnte ich nicht um jeden Preis weitermachen.

    Wie ist das bei dir? - Wenn ich das richtig bei dir verstehe, hast du’s auch schon mal in Richtung A) versucht, aber eigentlich ist das auch für dich keine Option.
    Vielleicht hilft dir schon mal, wenn du dir darüber klar wirst, warum A) keine Option ist und du an B) dran bist.

    Bei jedenfalls hat das zur Klärung eines Teils meines inneren Konflikts geführt.

    Zitat


    Ich habe inzwischen teilweise auch oft körperliche und psychische Einbrüche (auch durch chronische Erkrankungen), also Anzeichen, dass ich nicht mehr kann. Das hilft schon teilweise, dann eine Grenze zu ziehen, ist natürlich an sich keine tolle Methode, weil man dann schon im Notmodus ist.


    Oh, das kenne ich selbst ziemlich gut. Nein, natürlich ist das keine tolle Methode, aber ich habe versucht, das Positive dabei zu sehen. Eine ganze Weile habe ich meinen Körper als meinen Feind betrachtet. Mein Verstand/Geist wollte, aber mein verflxxxxxxx Körper hat mir einen Strich durch gemacht.
    Dieses Denken änderte sich im Lauf der Therapie. Ich erkannte, dass mein Körper eigentlich mein Freund ist, dass er‘s gut mit mir meint. Da waren nämlich jede Menge Empfindungen, eine ganze Reihe Stimmen oder Rollen in mir (Stichwort: Inneres Team), die der Verstand bzw. eine gewisse lautstarke, anführende Rolle in mir beständig übersah oder missachtete.

    Von meinem Körper bzw. meiner Psyche gebremst zu werden, war und ist keine tolle Lösung, mein Ziel war und ist natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

    Zitat


    Mir hilft auch sehr der räumliche Abstand. Aber emotional geht trotzdem innerlich die Achterbahnfahrt los. Auch am Telefon - wie schnell grenze ich mich ab und lege auf? Meist spüre ich die Überforderung erst hinterher, wenn es schon zu spät ist.


    Kenne ich, habe ich auch erlebt.
    Was hast du diesbezüglich in deinen Therapien gelernt?

    Hast du dich schon mal mit dem „Inneren Team“ beschäftigt?
    Kennst du dich ein bisschen in Gefühlsregulation aus?

    Wann nimmst du dir Zeit für deine Eltern? Wenn’s nach ihnen geht oder dann, wenn du gerade stark genug bist?

    Zitat


    Was mich so fertig macht, ist dass sie wirklich gar nicht sehen, was ihr Verhalten für mein Leben damals bedeutet hat, und was heute auch noch die Folgen davon sind. Sie sind da völlig gleichgültig bzw. weisen die Schuld von sich.


    Ich möchte dir hierzu eine Frage stellen:
    Was hast du davon, was versprichst du dir davon, dass sie es einsehen und dir sagen?

    Ich habe diesbezüglich mal bei meiner Mutter nachgetastet. Vorsichtig. Hab ihr zu erklären versucht, warum ich damals nach Papas Tod von zuhause weggehen musste. - Ich muss dazu sagen, dass sie es hätte verhindern können, aber mich hat ziehen lassen, weil sie spürte, dass das wichtig für mich ist, und aus tiefstem Herzen hoffte, dass ich irgendwann zurückkehre. -
    Sie hat nie verstanden, warum ich gehen musste. Ich glaube, das konnte sie nicht, weil sie vor sich selbst noch mehr hätte eingestehen müssen, dass sie als Mutter versagt hatte. Es war so schon schwer genug für sie. Sie hat diese Zeit definitiv nicht unbeschadet überstanden und ist wahrscheinlich auch deswegen schwer depressiv geworden.
    Ich hab, als mir klar wurde, dass sie das überfordert, nicht mehr weiter insistiert.
    Auch meine Schwester hat nie verstanden und mir bis heute nicht verziehen, dass ich damals gegangen bin.
    Und so weiß ich für mich, was damals geschehen ist und wie es mich für mein Leben geprägt hat. Und ich habe für mich für mein Leben die Verantwortung übernommen.

    Du fragst, was mein Therapeut wegen des Telefonierens geantwortet hat. Ich weiß es nicht mehr so genau. Vom Prinzip lag die Lösung darin, nicht zu telefonieren, wenn’s mir grad nicht so gut geht. Und mir meiner eigenen Befindlichkeiten mehr bewusst zu werden. Er sagte auch noch etwas darüber, dass die Vorstellung von Familie, die wir jetzt haben, auf die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts unter Bismarck zurückgeht, aber was das alles jetzt im Detail bedeutet, kann ich dir so nicht wiedergeben. Es hat nur während des Therapiegesprächs etwas in meiner Einstellung verändert.

    Dieses Jammern, dass ich/ wir so selten kommen, ist mir vertraut. Besonders allerdings von meinen Großeltern und meinen Schwiegereltern. Letztere sehe ich nach meinem eigenen Gefühl ziemlich oft. Die anderen sind inzwischen nicht mehr. Ich sage dazu nicht viel, was könnte ich auch sagen? Verstehen würden sie‘s eh nicht, es gäbe nur Stress, wenn ich wahrheitsgemäß antwortete, also schweige ich und denke mir meinen Teil.

    Zitat


    Wenn ich so von außen drauf schaue, könnte man fragen, warum tu ich mir das an? Aber es sind die Eltern. Es ist so schwer sich zu lösen von diesen Menschen.


    Das ist die Frage, die du für dich selbst klären musst.
    Gewiss ist das schwer, sich zu lösen. Es hat etwas mit den eigenen Wurzeln zu tun, mit der eigenen Geschichte, mit Gefühlen und Bedürfnissen und schließlich mit gesellschaftlichen Konventionen.
    Ich kenne das von mir so: Vom Verstand her ist mir so manches klar, aber das, was es so knifflig macht, sind die Gefühle und die verschiedenen Rollen/Stimmen in mir. Mir selbst hilft zur Klärung gelegentlich das Modell vom „Inneren Team“.

    Wenn du magst, darfst du gerne weiterhin teilen, was dich bei diesem Thema gedanklich und gefühlsmäßig beschäftigt.

    Natürlich freut es mich, wenn ich dir mit meinen Gedanken ein wenig weiterhelfen konnte.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Nina,
    darauf kann ich dir schon eher eine Antwort geben, auf die anderen Fragen leider nicht.

    Auch ich bin EKA, allerdings verstarb mein alkoholkranker Vater, als ich 15 Jahre alt war, infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls. Meine Mutter, in den letzten dreißig Jahren schwer depressiv, starb vor einem guten halben Jahr. Sie war zuletzt infolge eines Schlaganfalls, der sie linksseitig gelähmt hatte, in einem Pflegeheim in der Nähe meiner Schwester. Ich habe sie dort nur besucht, die geschäftlichen Angelegenheiten hat meine Schwester erledigt.
    Ich selbst bin Ende 40 und selbst chronisch krank (Depressionen und MS) und seit einem guten halben Jahr trinke ich keinen Alkohol mehr, auch davon war ich (psychisch) abhängig geworden.

    Du schreibst von dir, dass du viele Therapien und viel Beratung in Anspruch angenommen hast und dir ein lebenswertes Leben für dich selbst aufgebaut hast.
    Das kommt mir sehr bekannt vor, ebenso die Rollenumkehr, der Drang Verantwortung übernehmen und das Gefühl haben alles regeln zu müssen.

    Ich hab das bis zuletzt, bis zum Tod meiner Mutter, nie wirklich ganz abstreifen können. Was mir aber geholfen hat, war, mich immer wieder auf mich zu besinnen und auf meine Bedürfnisse. Bei mir zu sein, wie man so sagt.

    Ich habe immer wieder daran gearbeitet, mir bewusst zu werden, ob ich mich wieder wo hinein drängen lasse bzw. lies. Gegebenenfalls entschied ich mich dagegen, die Rolle zu übernehmen, oder aber bewusst dafür, wenn das denn vernünftig oder tatsächlich angebracht war.

    Mein Therapeut hat mir dabei sehr geholfen und interessanterweise auch meine Erkrankungen.

    Solange meine Mutter noch allein lebte und für sich selbst sorgen konnte, versuchte ich mich ggf. abzugrenzen, indem ich mir klar machte, dass sie sich selbst für dieses Leben entschieden hatte und dass sie für sich selbst verantwortlich ist. Sie war erwachsen und mündig. Ihre Wahl, ihr Leben.

    Natürlich hat es mich nicht selten geärgert, wenn ich aufgrund ihrer Wahl etwas für sie tun (korrigieren) musste, was ich nicht hätte tun müssen, wenn sie sich „vernünftig“ verhalten hätte.

    Oft strengten mich Telefonate mit ihr fürchterlich an und ich fühlte mich anschließend ausgelaugt. Am liebsten hätte ich nicht telefoniert. Mein Therapeut fragte mich: „Warum telefonieren Sie mit Ihrer Mutter?“ Ich antwortete: „Weil sie meine Mutter ist, weil man das eben so macht.“

    Ich lernte, weniger zu telefonieren. Und ich lernte, mehr auf mich zu achten und meine Bedürfnisse zu kommunizieren.

    Meine chronischen Erkrankungen „unterstützten“ mich bei diesem Erkenntnisprozess, denn mein Körper ließ Überforderung immer weniger zu, gewisse Dinge konnte ich irgendwann nicht mehr. Um nicht in diesem Zustand bleiben zu müssen, bemühte ich mich, mehr auf meinen Körper zu hören und meine Grenzen wahrzunehmen. Die Grenzen wurden wieder weiter, je mehr ich Rücksicht auf mich selbst nahm.

    Die letzten vier Jahre, die sie im Heim verbrachte, war ich von manchen Sorgen entlastet, weil sie unter Aufsicht des Personals war.
    Die Besuche bei ihr waren für mich trotzdem immer wieder ein Kraftakt, weil mindestens zwei Gefühle in mir miteinander kämpften, deren Handlungsimpuls ich nicht gleichzeitig nachgehen konnte. So übte ich mich immer wieder in Gefühlsregulation. Ich habe da Arbeitsblätter aus dem DBT-Programm der Borderliner, nach deren Empfehlungen ich vorgehe.

    Ich weiß nicht, ob dir mein Erfahrungsbericht eine Hilfe ist, aber ich lass dir das mal hier, weil du nach so etwas gefragt hast.

    Ich wünsche dir viel Kraft und gutes Gelingen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Bassmann,
    ich glaube, wir „kennen“ uns noch nicht. Ich selbst hab schon einige deiner Beiträge gelesen, du aber vielleicht noch nicht viel von mir.

    Ich bin erst seit etwas mehr als einem halben Jahr auf dem Weg, auf dem du schon länger gehst, war ab Ende Oktober eine kleine Weile hier aktiv, dann weg und nun wieder hier.

    Ich erkenne mich in dem wieder, was du über dich erzählst, und ich freue mich.
    Es erinnert mich an das, was hinter mir liegt, an das, was ich geschafft habe, und es zeigt mir einen Spiegel vor, wie es mir jetzt geht.

    Interessant ist, was du bezüglich der „Bewegung zurück“ schreibst. Ich befinde mich wahrscheinlich in einer anderen Lebenssituation als du und doch empfinde ich zur Zeit ähnlich.

    Bei mir hat es in gewisser Weise auch mit dem Rauchstopp begonnen, allerdings ist mir die Abhängigkeit vom Alkohol erst später klar geworden.

    Danke.

    Alles Gute dir weiterhin.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    natürlich begrüße ich, dass du bleibst!

    Was du heute Abend über dich preisgibst, hört sich für mich nach einer sinnvollen Richtung an.

    Ich empfehle dir, die verschiedenen Gedanken, die du dir auf deinem weiteren Weg machst, zu teilen.
    Ich persönlich glaube, dass man selbst und auch andere davon nur profitieren können.
    Es hilft meines Erachtens sehr darin, sich im anderen wiederzufinden, Parallelen zu finden und Schwachstellen aufzudecken. Ganz so wie Wolfsfrau das angesprochen hat.

    Einen guten Ansatz sehe ich darin, dass du dir deiner Stolperstellen bewusst wirst. So wirst du in die Lage kommen, prophylaktisch tätig werden zu können.

    Ich nehme mal ein Beispiel:
    Letztes Jahr Silvester war ich noch nicht so lange dabei, also noch recht frisch abstinent.
    Ich bekam den guten Tipp mir Silvester, wenn ich um Mitternacht an die Straße gehe, etwas in die Hände zu nehmen, den Haustürschlüssel zum Beispiel, um so der Gefahr zu entgehen, mir von den Nachbarn ein Glas Sekt in die Hand drücken zu lassen.

    Andere Stolperstellen können zum Beispiel am Wochenende kommen, wenn man bislang ein bestimmtes Ritual hatte, das mit Alkohol zusammenhing.
    Für solche Gelegenheiten sorgt man am besten vor, weil man sonst Schwierigkeiten mit seinem Belohnungszentrum bekommen könnte.
    Unterschätz die Macht und den Einfluss deines Belohnungszentrums nicht!

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    habe gerade deinen Post bei Samira gelesen.
    Schade, wenn du diese Konsequenz daraus ziehen willst....

    Mir wär’s lieber, du bleibst, und wir diskutieren, was DICH weiterbringt.

    Unterschiedliche Ansichten und Positionen wird es immer geben. Ich denke, für das Forum ist es eine Bereicherung, wenn unterschiedliche Ansätze gegangen werden.

    Für dich und möglicherweise auch andere, die dir ähnlich sind, wäre es vielleicht hilfreich, zu schauen, wie dein Weg verläuft.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Samira,
    sehe gerade, dass du dich abgemeldet hast.

    Nachvollziehen kann ich‘s....

    Schade finde ich‘s, weil du das Forum gewiss hättest bereichern können.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Rina,


    Viel Konjunktiv und wer-weiss-erraten in deinem Beitrag. nixweiss0

    Schade, inhaltlich scheinst du dich nicht mit meiner Antwort auseinandersetzen zu wollen, obwohl du selbst recht provokant formuliert hast und sich damit auch die angesprochen fühlen mussten, von denen dieser bestimmte Weg „auf so hohem Niveau celebriert wird.“

    Nun führt dieses Thema aber definitiv aus diesem Faden heraus. Ich überlege, ob ich diesbezüglich einen neuen Faden eröffne.

    Ich bin natürlich auch gespannt auf Erkenntnis‘ Antwort!

    Viele Grüße
    AmSee