Beiträge von AmSee13


    Das mit dem Gehirn ist sehr interessant.

    Falls dich das wirklich näher interessieren sollte, kannst du dich unter folgenden Links etwas mehr in das Thema einlesen. Vielleicht beantwortet es dir ja die eine oder andere Frage?

    https://www.dasgehirn.info/krankheiten/su…logie-der-sucht

    https://www.dasgehirn.info/krankheiten/su…p%3Blanguage=en


    Der folgende Link führt zu einer 32 Seiten umfassenden Broschüre, die sich als populärwissenschaftliche Publikation versteht und sich eher an Fachkräfte richtet, die ihr Wissen auf den neuesten Stand (Stand 2009) bringen möchten.

    https://www.praxis-suchtmedizin.ch/praxis-suchtme…ucht_100401.pdf

    Grüße
    AmSee

    Hallo Tom!


    Genau aus diesem Grund habe ich den Erfahrungsbericht ja geschrieben. Ich finde es gehört sich einfach so, wenn man in einem Forum Hilfe bekommt dann auch das Ergebnis zu liefern.

    Mir geht das ähnlich, zu denken, dass sich das einfach so gehört und ehrlich gesagt, freue ich mich immer wieder, jemanden zu treffen, der das auch so sieht und umsetzt. Leider ist, wenn man hier eine Weile dabei ist, zu bemerken, dass das für viele nicht selbstverständlich zu sein scheint. Vielleicht hat sich die Mentalität geändert, vielleicht war’s schon immer so. nixweiss0 Umso schöner, wenn sich doch wieder jemand meldet. 44.


    Aber.... Ich habe die Erfahrungsberichte ja auch gelesen und mir gedacht ich könne es besser :( Wahrscheinlich geht es fast jedem so.

    Das mag durchaus so sein, dass es vielen so geht. Nach meiner Erfahrung und Beobachtung gehört auch einiges dazu, sich einzugestehen, alkoholabhängig zu sein. Wie es aussieht, bist du nun so weit. Ich kann’s dir nur wünschen, denn die Alternative sieht erfahrungsgemäß nicht so rosig aus. - Nicht dass ich dir diese Krankheit wünsche, aber wenn sie denn einmal da ist, entkommt man ihr nur, wenn man nicht wieder Alkohol konsumiert. Und aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass man richtig zufrieden abstinent leben kann. :))

    Ich selbst musste einen solchen Selbstversuch nicht erst ausprobieren. Als andere mir von ihren Erfahrungen berichteten und wohin es sie schließlich gebracht hatte, begriff ich, wo ich selbst bereits stand und ich begriff die Gefahr. Das hat mir dann gereicht, vielleicht aber auch, weil mir das traurige Beispiel meines Vaters deutlich vor Augen stand.


    Das mit dem Gehirn ist sehr interessant. Ich wollte jetzt seit Januar aufhören aber habe letztendlich fast fünf Monate gebraucht und mich echt schwer getan.

    Schon verrückt, was man so anstellen kann, um weiter trinken zu dürfen, nicht wahr?
    Mit Vernunft und Verstand ist das meines Erachtens nicht zu begreifen und erst, wenn man dann mal rausgetreten ist und sich das Ganze von außen und aus einer gewissen Distanz betrachtet, kann man nur den Kopf über sich und über andere, die das ähnlich machen, schütteln.

    Die ganze Heimlichkeit, um nicht aufzufallen, die Tricks, die man sich ausdenkt, usw. Alles, um ungestört weitermachen zu dürfen. Über diesen Artikel bin ich z.B. gestern in unserer Linksammlung gestolpert: http://www.fr.de/panorama/alkoh…1526729?GEPC=s5


    Übrigens, sei froh, dass es bei dir einfach geht, seit du dir Deadline gesetzt hast. Selbstverständlich ist das meiner Erfahrung und Beobachtung nach nicht. Ich sehe dabei aber auch die Gefahr, dass es zu dem Gedanken verleitet, doch kein Problem zu haben und deinem Suchtgedächtnis Hintertürchen offen lässt.


    Das Problem beim Alkohol ist die Akzeptanz in der Gesellschaft.

    Die gesellschaftliche Akzeptanz spielt gewiss eine Rolle. Ich bin da letztens auf einen Artikel gestoßen, der das thematisiert.
    Die Sache ist nur die: Lässt du dich länger davon beeinflussen oder gehst du deinen eigenen Weg? Ich hab mich für meinen eigenen Weg entschieden und es geht mir inzwischen ziemlich gut damit. Es fühlt sich für mich an, als ob ich einer Art Gehirnwäsche entkommen bin. Inzwischen stört‘s mich auch nicht mehr weiter, wenn andere in meiner Gegenwart trinken. Ich bedaure mich nicht mehr dafür, nicht trinken zu dürfen, sondern freue mich im Gegenteil stets von Neuem darüber, es nicht mehr zu MÜSSEN. Ich hab für mich erkannt, dass ich mich darüber hab täuschen lassen, was der Alkohol mir angeblich an Gutem und Schönem beschert hat, und mag gerne auf dieses zweifelhafte „Glück“ verzichten. Sollen andere weiter damit machen, ihre Sache.

    Mit Fassbrause und Bitburger 0,0% rate ich dir vorsichtig zu sein. Lies dich diesbezüglich mal ein bisschen ein. Das ist nicht so harmlos, wie du vielleicht denkst. Das ist ein Thema, das unter abstinenten Alkoholikern immer mal wieder diskutiert wird. Hier mal ein Artikel des Verbraucherservice Bayern zu Fassbrause.
    Das Problem ist einerseits der häufig doch vorhandene Alkoholgehalt, denn in Deutschland bedeutet alkoholfrei nicht, dass es tatsächlich alkoholfrei ist, und zudem der Geschmack und der Geruch, der an richtiges Bier erinnert, und deshalb dein Suchtgedächtnis triggern kann.

    Grüße
    AmSee

    Hallo kölschejung,
    Von mir ein Danke für deinen Erfahrungsbericht!
    Er bestätigt einmal mehr, dass „Kontrolliertes Trinken“ nicht so ohne Weiteres möglich ist, wenn der „point of no Return“ erstmal erreicht ist.

    Sagen können wir hier den Neuankömmlingen ja viel, aber manchereiner muss offenbar seine eigenen Erfahrungen machen. Vielleicht hilft dein Erfahrungsbericht ja anderen, die sich mit ähnlichen Gedanken tragen, weiter.


    Was ich nicht begreife... Ich höre das Hörbuch und höre ganz easy mit dem Trinken auf, warum kann ich diese Einstellung nicht einsetzen um nach eiem Bier auf Wasser umzusteigen oder eine party feucht zu genießen ohne wieder abzustürzen. Ich bin doch sonst auch recht intelligent...

    Tja, da hat dich dein Suchtgedächtnis bzw. dein Belohnungszentrum offensichtlich ausgetrickst.
    Leider kommt man da, wie Erfahrungen immer zeigen, mit Vernunft und Intelligenz nicht weiter, da es nach anderen Regeln funktioniert.
    Für mich war es hilfreich, mich ein bisschen näher mit der Biochemie des Gehirns zu beschäftigen, um das Ganze etwas besser begreifen zu können. Alkohol sorgt für eine Ausschüttung bestimmter sogenannter Glückshormone und spricht damit dein Belohnungszentrum an. Anders als auf dem normalen, gesunden, vorgesehenen Weg nimmst du mit Alkohol sozusagen die Abkürzung.
    Wie schwer man mit Intelligenz an das, was da in der Biochemie des Gehirns abgeht, rankommen kann, bemerkt man z.B. beim Zustand des Verliebtseins.

    Hat dein Belohnungszentrum einmal den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und guten Gefühlen kennengelernt, „merkt“ es sich das und wird dir diese „Abkürzung“ immer wieder anbieten. Dummerweise „merkt“ es sich nicht die negativen Auswirkungen, die werden einfach ausgeblendet.

    Was ich für dich nur hoffen kann, ist, dass du dich von dem glücklichen Umstand, dass du „ganz easy mit dem Trinken“ aufhören kannst, nicht nochmals zu dem Gedanken verführen lässt, dir stünde jemals wieder die Möglichkeit zur Verfügung, du könntest „ganz normal trinken“.

    Was da bei dir im Urlaub, als du den Wein gekauft hast, abgegangen ist, ist ein typisches Muster deines Suchtgedächtnisses. Wegen der Aussicht auf „Belohnung“ ist das Sixpack im Einkaufswagen gelandet und auch am gleichen Abend geleert worden. Danach geschah etwas, was in der Rückfall-Forschung als „Rückfallschock“ bezeichnet wird.

    Grüße
    AmSee

    Hallo Schwachestarke,
    nun kann ich mir etwas besser vorstellen, vor welchem Problem du stehst, und kann dir vielleicht ein paar hilfreiche Gedanken dazu dalassen.


    Zwar kann ich - bei Ablenkung oder im Umfeld, in dem nicht getrunken wird - darauf verzichten, aber sobald ich die Möglichkeit habe bzw. das Umfeld stimmt, dann trinke ich. Die ersten 2-3 Gläser mit Genuß…die nächsten beiden Gläser mit schlechtem Gewissen. Mittlerweile habe ich unter Kontrolle (?), dass ich nicht mehr vollends abstürze.

    Was dir vorzuschweben scheint, nennt sich „Kontrolliertes Trinken“. Das ist etwas, was sich so mancher, der vor einem ähnlichen Problem steht wie du, wünscht. Es soll Alkoholiker geben, die das hinbekommen, aber ich habe noch keinen kennengelernt oder von einem solchen gehört. Ich kenne selbst auch keine SHG, in der das diskutiert wird, auch wenn es angeblich welche geben soll.

    Ich weiß aber von seeeeeeeeeeeehr vielen Alkoholikern, die das eben nicht hinbekommen, sondern auf diesem Weg scheitern. Ich hab‘s selbst mehrfach versucht, bevor ich mich hier angemeldet habe - und diesen Begriff auch noch nicht kannte - und hab‘s nicht hinbekommen. Ich musste für mich erkennen, dass ich nicht kontrolliert trinken kann, sondern stets geneigt war, die mir VOR dem Konsum gesetzte Grenze immer wieder zu überschreiten. Bei mir kam der Durst sozusagen mit dem Trinken.
    Dass so viele mit dem sogenannten kontrollierten Trinken scheitern, dürfte der Grund sein, warum es in den mir bekannten SHGs nicht diskutiert wird.

    „Abgestürzt“ bin ich übrigens nie, aber Schluss war zuletzt immer erst, wenn ich nicht mehr mochte und mich müde, zerschlagen und erschöpft fühlte.
    Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich mir noch vorgemacht, dass ich täglich nur eine Flasche Sekt oder Wein konsumiert habe und dass das ja noch in einem gewissen Rahmen sei. Tatsächlich aber war es mehr als eine Flasche, meine Dosis hatte sich längst schon schleichend erhöht.


    Mein Mann meint, dass wir kein Alkoholproblem haben bzw. schweigt sich darüber aus. Mir fällt es schwer, mich von ihm unabhängig zu machen. Schließlich trinken wir abends seit Jahren gemeinsam. Und dadurch, dass er weiter trinkt, fällt es mir um so schwerer, nicht zu trinken.

    Auch fällt es mir schwer, meinen Abend anders zu gestalten mit „kleinem“ Kind und trinkendem Mann auf dem Sofa! Ich muss irgendwie die Routine durchbrechen!

    Sich einzugestehen, ein Alkoholproblem zu haben, ist ja auch kein sooooo leichter Schritt. Dein Mann scheint es nicht sehen zu wollen und, wenn das so ist, wirst du ihn mit Worten oder auch Drohungen kaum erreichen. Im Gegenteil, wenn du ihm etwas, was er „liebt“, wegnehmen willst, wird er das als Einmischung in seine Angelegenheiten wahrnehmen und dich als „Feind“ sehen. - Ich hab‘s meinem Mann auch übel genommen, wenn er mich auf meinen Konsum angesprochen hat.

    Das kann ich durchaus nachvollziehen, dass dir das schwer fällt. Viele trockene Alkoholiker wählen nicht ohne Grund zunächst den Weg der Vermeidung, d.h. ziehen sich aus gesellschaftlichen Runden, in den Alkohol konsumiert wird, zurück, schaffen sich ein alkoholfreies Zuhause und so weiter.

    Die Frage ist für dich nur, wie DU aus deinem Problem aussteigen kannst. Das kannst letztlich nur du selbst entscheiden und das wird ganz davon abhängen, wie hoch dein Leidensdruck ist.

    Meine Erfahrung ist folgende: Solange du dich selbst dafür bedauerst, nichts trinken zu DÜRFEN, wirst du’s schwer haben.
    Ich selbst hatte den Punkt, trinken zu MÜSSEN noch nicht erreicht, aber als ich mich nach meiner Anmeldung hier endlich näher mit dem Thema beschäftigte und mich meinem Problem endlich stellte, wurde mir klar, wohin es mich führen würde, wenn ich so weiter machte wie bisher.
    Und so hörte ich mit dem Trinken auf.
    Im Hintergrund spielte bei mir aber, das wurde mir erst im vergangenen Sommer bewusst, als ich plötzlich heftigen Saufdruck verspürte und mich am liebsten mit Alkohol abgeschossen hätte, noch eine Rolle, dass ich mich selbst dafür bedauerte, nicht trinken zu dürfen. Mit Hilfe habe ich diese Attacke erfolgreich überstanden und mich bei der Aufarbeitung anschließend von diesem Gedanken des Bedauerns befreit.
    Ich bedaure mich seither überhaupt nicht mehr dafür, nicht trinken zu dürfen, im Gegenteil bin ich froh, es nicht mehr zu müssen, bin ich froh und glücklich, frei zu sein. Ich darf mich tatsächlich zufrieden abstinent nennen.

    Meine eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen vieler anderer, von denen ich Kenntnis habe, sind in den Informationstext „Selbstfürsorge“ eingeflossen.



    Aber natürlich kann mein Mann sein Leben selbst entscheiden. Ich habe nur Angst davor, dass ich es mit ihm (trinkend an meiner Seite) nicht schaffe, abstinent zu bleiben und noch größere Angst davor, dass es dann später ein Trennungsgrund werden könnte, um für mich zu einem glücklichen Leben ohne den ständigen Alkohol zurück zu kommen!

    Dazu kann ich dir nur sagen: Ein Schritt nach dem anderen!
    Ob du’s schaffst, abstinent zu bleiben, oder nicht, liegt letztlich in deiner Hand. Es liegt an dir, dich mit allem zu beschäftigen, was deine Abstinenz gefährden könnte, und entsprechend Selbstfürsorge zu betreiben.
    Es mag sein, dass eine Trennung irgendwann auf dich zukommt, aber das dürfte sich für dich erst dann ergeben, wenn dein Leidensdruck so hoch ist, dass dir keine andere Wahl mehr bleibt, wenn du nicht selbst untergehen willst.


    Andererseits zieht mich dieses Bild (Cocktail im Sommer, Weißwein zum Fisch, Bier beim Picknick, Rotwein vorm Kamin) magisch an. Es hat für mich etwas von Leichtigkeit und Fröhlichkeit und Gemeinschaft.

    Oh, dieses Bild hatte ich auch mal. Alkohol ist nun einmal ein Mittel, das im Gehirn bestimmte Botenstoffe freisetzt, ohne dass man dafür arbeiten muss. Er schafft eine höchst willkommene Abkürzung und unser Gehirn/ Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis ist nun einmal so simpel gestrickt, dass es diese einmal kennengelernte Abkürzung nur zu gern auf dem Plan ruft und anbietet. Die negativen Seiten werden da völlig ausgeblendet.

    Inzwischen habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass ich ohne Alkohol sogar besser und frei von unangenehmen Nebenwirkungen den Frühling, Sommer usw., den Fisch, ein Picknick, einen Sonnenuntergang, einen Abend am Kamin genießen kann.


    Ein Versuch auf alkoholfreien Sekt umzusteigen hat nach etwa 3-4 Monaten keinen Spaß mehr gemacht (?) und ich bin zurück zum Alkohol.


    Kein Wunder, denn deinem Belohnungszentrum gaukelst du mit alkoholfreiem Sekt vor, dass es etwas kriegt, was es gar nicht kriegt. Es wird dich bei sowas immer wieder darauf aufmerksam machen, dass ihm der bekannte und beliebte „Wumms“ fehlt.
    Erfolg wirst du nur haben, wenn du in einer ganz anderen Richtung unterwegs bist und dein Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis eben nicht triggerst.

    Das hier schicke ich erstmal ab. Ist eh schon recht lang geworden.

    Viele Grüße
    AmSee

    Ich hab vor einer Weile dieses Erklär-Video (22 Minuten) zum Thema Rückfall entdeckt, das ich sehr einleuchtend und gut erklärt fand und das ich nun erst endlich wiedergefunden habe.
    Darin erklärt Prof. Lindenmeyer von der salus klinik Lindow anhand des Beispiels „Stau auf der A61“, wie es zu einem Rückfall kommen kann und wie Rückfallprävention betrieben werden kann.


    Die Rückfall-Forschung hat offenbar in den letzten zwei Jahrzehnten herausgefunden, dass die meist genannten Begründungen für einen Rückfall, „Riesige Probleme“ oder „Aus heiterem Himmel“, nicht stimmen. Die meisten Rückfälle haben offenbar einen ganz ähnlichen typischen Verlauf.

    https://www.lieberschlaualsblau.de/lieber-schlau-…au-auf-der-a61/

    Hallo Schwachestarke,
    schön mal wieder von dir zu lesen, auch wenn der Anlass letztlich kein so schöner ist.

    Nach dem, was du von dir schreibst, hast du dir selbst inzwischen eingestanden, alkoholabhängig zu sein.
    Verstehe ich das richtig, dass du dich in deiner Einschätzung, ob du’s bist oder nicht, noch von deinem Mann verunsichern lässt?
    Oder bezieht sich das darauf, dass dein Mann deiner Einschätzung nach ebenfalls abhängig ist, es sich selbst und dir nicht eingestehen will und stattdessen abstreitet?

    Ich kann dir nur raten, dich unabhängig davon zu machen, ob dein Mann dir deine Abhängigkeit bestätigt oder ob er sich selbst eingesteht, ein Alkoholproblem zu haben. Wen einer, der bereits abhängig ist, das nicht sehen will, dann sieht es nicht. Erfahrungsgemäß kommt man da mit Reden und Vernunft nicht dran.

    In seinen Augen hat er kein Problem und daher dürfte er auch nicht die Notwendigkeit sehen, irgendwas zu ändern. Er möchte trinken, also trinkt er. Und er darf das, das kann ihm niemand verbieten.
    DU hast ein Problem, weil dir sein Verhalten nicht gefällt.
    Sofern du von IHM erwartest, dass er sich ändert, damit DU mit ihm kein Problem mehr hast, wird’s schwierig.
    Ändern kann eigentlich nur derjenige etwas, der das Problem tatsächlich hat.
    Insofern spielt es im Grunde eigentlich keine Rolle für dich, ob er es sich selbst eingesteht.



    Mein Mann will nicht hören, dass wir weniger trinken sollten…aber ich habe Angst: wir haben eine kleine Tochter…noch merkt sie nicht, dass wir jeden Abend betrunken sind…aber der Tag wird bald kommen!

    Das klingt irgendwie danach, dass du dich von deinem Mann abhängig machst.

    Du schreibst, dass du dich dafür hasst, dass du ab 20 Uhr betrunken bist. Und dass es dir nicht gefällt, dass dein Tag dadurch zu kurz ist. Und du hast Sorge, dich vor deinem Kind schämen zu müssen.
    Und doch kannst du nicht anders, als jeden Abend doch wieder deine Flasche Sekt zu trinken. Nur, weil ER sich gehen lässt? Oder ist da doch noch was anderes? - Musst du hier übrigens nicht beantworten.



    Wie kann ich den richtigen Zeitpunkt finden für Entscheidungen? Und was kann ich am besten tun?

    Meine Erfahrung ist, dass sich nur durch Vernunft nicht der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen finden lässt. Es heißt immer wieder, dass jemand seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen muss, um abspringen zu können. Für mich persönlich ist das so ein Zeitpunkt, wo‘s einen emotional mehr oder minder förmlich anspringt, dass man so nicht weiter machen will.

    Was du am besten tun kannst? - Sorge DU für DICH.

    Hast du dir unseren neuen Bereich „Wichtige Erstinformationen“ schon mal näher angesehen? Dort kannst du eine Vielzahl an Informationen finden, die dir weiterhelfen können.
    Vielleicht wäre der Gang zu einer Suchtberatung auch hilfreich für dich, um dich in einem persönlichen Gespräch weiter beraten zu lassen?

    Übrigens: Die Angst, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen, hatte ich auch, als ich am Anfang stand. Hilfreich fand ich in dem Zusammenhang, nicht in so großen Dimensionen zu denken, sondern in viel kleineren, wie z.B. „Heute trinke ich nicht.“ Entscheidend finde ich dabei den Gedanken, wirklich nicht trinken zu wollen. Wenn du selbst nicht wirklich dahinter stehst, dürfte es schwer werden.
    Inzwischen habe ich keine Angst mehr, ganz im Gegenteil, ich genieße es, keinen Alkohol mehr zu trinken und bin dabei ziemlich vergnügt. Ich kann Alkohol so gar nichts mehr abgewinnen. Kaum zu glauben, denn ich hab bis vor 1 1/2 Jahren noch ganz ähnlich gedacht und argumentiert wie du in deiner Erstvorstellung, aber es ist wahr und ich genieße diese neue Freiheit voll und ganz.

    Viele Grüße
    AmSee


    Aber auch ohne das ist mir mit ca. 40 aufgefallen, dass ca. die Hälfte meines Lebens vorbei ist und ich mir schon langsam überlegen sollte, was ich eigentlich mit dem Rest noch anstellen will. Das floss auch in das rein, dass ich dann aufgehört habe, weil ich dachte, solls das gewesen sein?
    Ist mir der Alk wirklich so viel wert oder gibts da auch noch was anderes? Will ich am Ende nur alles versoffen haben?

    Der Gedanke, dass die Hälfte meines Lebens um ist, ist mir so eigentlich nie gekommen. Das liegt vielleicht daran, dass Menschen, die mir wichtig waren, teils schon so früh gestorben sind und dass mir deswegen eigentlich immer wieder bewusst wurde, dass es grundsätzlich jederzeit vorbei sein kann. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich jahrzehntelang in einer Art von Überlebensmodus war.

    Für mich selbst spielte lange Zeit das Erreichen des Alters von 43 Jahren eine sehr große Rolle. Und zwar deswegen, weil mein Vater, auf den sich damals meine Aufmerksamkeit immer wieder so sehr konzentrierte, eben nur 43 Jahre alt geworden ist. Ich erinnere mich auch gut daran, dass er sich in den Monaten vor seinem Tod doppelt so alt fühlte und dass er auch merklich verbraucht und gealtert wirkte.

    Als ich dann selbst die 43 erreicht hatte, war das ein ganz merkwürdiges Gefühl, und auch, als ich dann ein Jahr älter wurde. - Hat mir Vieles von damals ins Bewusstsein zurückgebracht….

    Die Frage, wie ICH mein Leben führen möchte, hat mich eigentlich immer wieder beschäftigt und ich hab‘s ja durchaus auch versucht, mein Problem war nur, dass ich mich aus den Zwängen, in denen ich mich gefangen fühlte, nicht wirklich bzw. nicht erfolgreich befreien konnte. Und so musste ich immer irgendwie weiter machen. Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen, das ich inzwischen erworben habe, befand ich mich den größten Teil meines Lebens im Überlebensmodus und in einem beständigen Kampf.

    Punkt 1 hat mir mein Vater vor vielen Jahren sinngemäß in mein Poesiealbum geschrieben. Ich hab‘s versucht, das umzusetzen, aber wie kann man sich treu sein und bleiben, wenn man sich selbst noch gar nicht richtig gefunden hat und mit dem Gefühl lebt, verkehrt zu sein und stets erfolglos bemüht ist, richtig zu werden?

    Diese Punkte insgesamt sind so ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt hat, auch beruflich. Ich wusste also darum, doch meine Erfahrung war, dass ich nichts ändern konnte, obwohl ich mich immer wieder darum bemüht habe.

    Ich erinnere mich gut daran, wie müüüüüüüüüde ich dann vor ein paar Jahren war. Ich konnte nicht mehr und wollte auch nicht mehr. Ich kann nicht genau sagen, wie ich da wieder herausgekommen bin, aber ich bin da wieder heraus. Ohne professionelle Hilfe hätte ich‘s nicht geschafft, dessen bin ich mir sicher. Doch wie ich das bei mir schon oft erlebt habe, wenn die Zeit reif ist, dann tue ich das, was eben notwendig ist, und es ergibt sich das, was ich eben gerade brauche.
    Heute erst und gerade durch das, was kürzlich erst durch die Therapie aufgearbeitet worden ist, fühle ich, dass ich tatsächlich endlich und zu meiner Zufriedenheit an das herankomme, was da in diesen fünf Punkten genannt wird. Erst jetzt kann ich mich erfolgreich darum bemühen, so leben, dass ich nicht(s) bereuen muss, wenn ich endgültig gehen muss.


    Und die Gestaltung ist nichts, was man einmal macht, sondern auch nüchtern kommt immer wieder was Neues.

    Das sehe ich auch so und ich find‘s auch ganz ok so. Die Interessen und Bedürfnisse ändern sich ja nun einmal im Laufe der Zeit.


    Ich fang jetzt das Weitwandern an. Erst mal kleinere Touren, aber Ziel ist, mal hundert Tage am Stück zu laufen.

    Ich musste schmunzeln, als ich das las, denn genau das schwebte mir im letzten Jahr vor. Kennst du das Buch von Uli Hauser, „Geht doch! - Wie nur ein paar Schritte mehr unser Leben besser machen“? Es ist eine Liebeserklärung an das Wandern. Er ist in einem Sommer von Hamburg aus über die Schweiz nach Italien, nach Rom gewandert. Dieses Buch und noch ein paar andere haben mich sehr inspiriert.
    Ich werde meine Idee allerdings voraussichtlich doch nicht umsetzen, weil sich meine Interessen inzwischen schon wieder verändert haben und das Weitwandern mit meinen beiden Hunden, ohne die ich nicht sein mag, eine zu große Herausforderung wäre.
    Dennoch finde ich deinen Plan einen wunderbaren Plan und ich wünsche dir viel Erfolg und Vergnügen bei der Umsetzung.

    Was das Forum hier betrifft, kann ich deine Gedanken und Empfindungen dazu nachvollziehen. Die Hauptsache ist doch, dass du für dich das tust, was zu DIR passt.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Benutzername 44,
    ich möchte noch etwas ergänzen bzgl. Verantwortlichkeit.

    Deine Mutter darf ihren Weg gehen, ebenso wie du deinen Weg gehen darfst.

    Für jemanden, der nicht an dieser Krankheit erkrankt ist, ist sehr schwer bis unmöglich, nachzuvollziehen, warum der oder die Erkrankte diesen Weg geht und nicht einfach mit dem Trinken aufhört, obwohl es doch eigentlich vernünftig wäre. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: Von Innen sieht das Ganze immer anders aus.
    Das gilt übrigens auch für Depressionen, mit denen ich leider auch selbst vertraut bin.


    Wir haben ihr ebenfalls ans Herz gelegt eine Therapie zu machen, was sie allerdings nicht will, weil sie denkt, dass sie das alleine hinkriegt und sie mit keinem Fremden darüber reden will.

    Wenn sie das nicht will, dann ist das IHRE Entscheidung, die du, so schwer es dir auch fällt, akzeptieren musst. Das bedeutet nicht, dass du’s gutheißen musst, du darfst durchaus deine Zweifel daran haben, aber sie ist erwachsen und mündig, und es ist IHR Leben und IHRE Entscheidung.

    Umgekehrt darfst du dir aber für DICH überlegen, was DIR SELBST angesichts ihrer Entscheidung gut tun würde. Wenn du dir ihr „Gejammer“ nicht geben magst, dann musst du das auch nicht, denn es liegt ja an ihr, etwas in ihrem Leben zu ändern.

    Übrigens bezüglich „Mitleid“: Ich habe für mich gelernt, zwischen „Mitleid“ und „Mitgefühl“ zu unterscheiden. Mitleid zu haben bedeutet, wie der Begriff schon sagt, mit zu leiden. Im Unterschied dazu bedeutet Mitgefühl zu haben, dass man zwar emphatisch weiß, was der andere fühlt, aber selbst ganz bei sich ist und eben gerade nicht mit-leidet. Das kann zum Beispiel auch bedeuten, dass es dir gut gehen darf, obwohl’s dem anderen, deiner Mutter zum Beispiel, gerade schlecht geht.



    Jedes Mal wenn wieder irgendwas war, tat jeder am folgetag so, als wäre nie was gewesen. Tja und so hat sich wohl alles angestaut.

    Dahinter steckt sehr häufig das Bedürfnis, dass doch bitte wieder alles gut sein möge. Ich nenne es „Harmoniebedürfnis“. Häufig war da ja etwas, das zur Eskalation geführt hat, und man möchte nicht, dass es wieder dazu kommt.
    In meiner Familie war das übrigens nicht anders.
    Solche Dinge anzusprechen und aufzuarbeiten kostet Kraft und mitunter auch Mut, aber nicht selten steckt auch ziemlich viel dahinter, was angesprochen, geklärt und ernsthaft verändert werden müsste.
    Dass so wahrscheinlich keine Aufarbeitung und somit Veränderung stattfindet und im Gegenteil Verletzungen und Wunden bleiben, die nicht wirklich heilen können, bemerkt man eigentlich erst, wenn sich die Möglichkeit ergibt, von außen aus einer gewissen Distanz darauf zu schauen.


    Sie klingt jedesmal aufs neue super motiviert, wenn sie sagt, dass sie versucht Wege zu finden, ihre Hände davon zu lassen, aber am Ende klappts dann sowieso wieder nicht.

    Das ist eine Enttäuschung, die ich mit meinem Vater (und auch mit meiner Mutter, die später an Depressionen erkrankt ist) immer wieder erlebt habe und ich weiß nur zu gut, wie mürbe das macht.
    Wenn du es schaffst, dich endlich auf dich und deine Bedürfnisse zu konzentrieren, wirst du nicht oder zumindest weniger davon abhängig sein, was sie macht.

    Du fühlst Wut, weil sie nicht den Weg geht, den DU für sie für richtig hältst. Versuche dir aber mal bewusst zu machen, dass sie erwachsen ist und ihre eigenen Entscheidungen trifft. Vielleicht schafft sie’s tatsächlich irgendwann, die Möglichkeit dazu besteht ja grundsätzlich. Vielleicht schafft sie‘s auch nicht, aber das ist dann IHRE Entscheidung und IHR Weg.


    Als sie das letzte Mal trank, schrieb ich ihr eine Nachricht, dass ich von ihr und meinem Vater erstmal nichts mehr hören will, bis sie das endlich in den Griff bekommen haben, um mich selbst zu schützen, aber jedesmal schaff ichs nicht standhaft zu bleiben und denke mir „Wenn ihr jetzt was passiert und das unsere letzte Unterhaltung war, werd ich’s wahrscheinlich immer bereuen.“

    Dass du diese Gedanken hast, dürfte damit zu tun haben, dass du dich irgendwie für sie verantwortlich fühlst. Häufig stecken dahinter auch sogenannte Glaubenssätze, die du um Laufe deines Lebens erworben und verinnerlicht hast. Vielleicht kannst du diesen Glaubenssatz sogar jemandem zuordnen, den du kennst?

    Versuche dir klarzumachen, dass du nicht für deine Mutter verantwortlich bist!

    Der einzige Mensch, für den du wirklich verantwortlich bist - es sei denn, du hast Kinder - , bist du selbst. Und allein damit hast du eigentlich schon genug zu tun.

    Liebe Grüße
    AmSee