Beiträge von AmSee13

    Hallo Nana,
    auch von mir herzliche Glückwünsche zu deinen knapp drei Monaten! 44.

    Ich kann mich den Worten von Greenfox nur anschließen.

    Es liest sich gut, wie du deinen Weg gehst und deine Werkzeuge nach Bedarf einsetzt.

    Und von der Schilderung deiner Erfahrungen können wiederum andere profitieren.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Compverleih,
    so ein Schlag, mit einem Mal körperlich dermaßen eingeschränkt zu sein wie du und auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, ist gewiss nicht leicht zu verkraften. Was wäre denn angesichts einer solchen Situation schon „normal“?

    Als mich in Folge meiner MS-Erkrankung plötzlich die Kräfte verließen, meinen Aktionsradius enorm einschränkten, mir immer wieder einfach so Sachen aus den Händen fielen usw. hab ich das auch nicht einfach so weggesteckt.


    Dein Thema hast du „Wer bin ich, was bin ich?“ genannt. - Deine neue Lebenssituation hat es vermutlich mit sich gebracht, dass du nicht mehr auf das bauen kannst, was dich bislang angetrieben hat, dich bestätigt hat. Dich überzeugende und zufrieden stellende Alternativen und Möglichkeiten scheinen sich dir bislang noch nicht aufgetan zu haben.

    Angesichts dieser neuen Lebenssituation „Anpassungsschwierigkeiten“ zu haben und möglicherweise sogar in Depressionen zu verfallen, ist nicht unbedingt ungewöhnlich, sondern sogar eher „normal“.


    Ich bin jetzt lustlos und schläfrig,und selbst manchmal zu faul über etwas nachzudenken.

    Was du schilderst, sind Symptome wie sie z.B. bei einer Depression auftreten. Ob du eine solche hast oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Sofern es Depressionen bei dir sein sollten, bist du gut beraten, dir professionelle Hilfe zu holen, denn von allein geht das eher selten einfach so wieder weg.

    Dir, wenn du keinen oder kaum Antrieb hast und dich energielos und müde fühlst, Alternativen zu suchen, die das Leben für dich tatsächlich lebenswert machen, dürfte dir wahrscheinlich schwer fallen. Hast du denn grundsätzlich noch irgendwelche Interessen, denen du nachgehen möchtest oder könntest? Aus dem Rollstuhl heraus mögen manche Interessen nicht mehr so ohne weiteres umgesetzt werden können, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, das gar nichts mehr für dich drin ist.

    Ich musste mein Leben ebenfalls neu ordnen und etwas für mich finden, was mich wirklich interessiert. Das war nicht leicht. Als sich endlich eine erste Idee aufgetan hatte, ergaben sich nach und nach weitere Ideen.


    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo Compverleih,
    Willkommen in diesem kleinen, aber feinen Forum. :welcome:


    Tja,hab ich mir schon fast gedacht,hier bekomme ich auch keine Antworten.Bin ich wohl im falschen Forum.

    Es gibt hier nicht so viele Aktive, daher wirst du leider etwas Geduld aufbringen müssen, bis du Antworten erhältst.
    Auch lässt sich auf dein Problem nicht mal so eben zwischen Tür und Angel antworten.
    Ich selbst werde dir erst später ausführlich antworten können, da ich gleich einen wichtigen Termin hinter mich bringen muss.

    Beste Grüße
    AmSee

    Na, da gratuliere ich dir doch erstmal zu den heute erreichten vier Wochen Abstinenz! 44.

    Mögen es viele, viele, viele weitere Wochen und Monate werden. :heartBalloon:

    Das freut mich richtig für dich, dass es so gut für dich läuft und du mit der Abstinenz soooo positive Erfahrungen machst. :))

    Und auch wenn du grad mächtig Stress hast und der Tag für dich eigentlich mehr Stunden haben könnte, scheinst du derzeit ja die Energie und den Schwung zu haben, den du dafür brauchst. 44.


    Ansonsten trinke mich gerade auf der Suche nach neuen Lieblingsgetränken durch die Vielfalt alkoholfreier Getränke. Was mir da in der Vergangenheit alles an Geschmackserlebnissen verborgen blieb...

    ;D
    Schon spannend, was es da alles so auf dem Markt gibt. Gurkenlimonade, Limonade aus Tannenspitzen, Unkrauttrunk… um mal so abgefahrenes Zeug zu nennen. laugh2


    Zitat


    Dennoch bin ich weiter auf der Hut ! Und, das habe ich z.B. bei der Nikotinentwöhnung gelernt,ich habe für den Fall der Fälle meinen Notfallplan.

    44.

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo Just4Fun,
    wie geht es dir inzwischen? Hast du weitere positive Erfahrungen, weiteres hilfreiches Wissen sammeln können? Das würde mich natürlich für dich freuen. :)


    Wie‘s der Zufall so will, habe ich mir in einem anderen Zusammenhang heute morgen mal wieder einen dieser Vorträge zum Anhören von Prof. Lindenmeyer angesehen, und zwar Der Untergang der Titanik. Ich weiß nicht, ob du den inzwischen auch schon gesehen hast, ansonsten könnte ich dir den auch empfehlen.

    Du hattest mich darum gebeten, dir von den Unterschieden bei der Bewältigung von Nikotin- und Alkoholsucht zu erzählen, und ich hatte dir einen ganz deutlichen Unterschied genannt. Beim Ansehen dieses Vortrages zum Anhören trat MIR dieser Unterschied nochmals ganz deutlich vor Augen. Ob dir das wohl auch so geht? nixweiss0

    Mit einem Mal einer Minderheit anzugehören und gegen den Mainstream zu handeln (handeln zu müssen), ist meines Erachtens eine Herausforderung, die wir bei der Bewältigung einer Nikotinsucht eben nicht auch noch bewältigen müssen. - Nicht, dass ich die Bewältigung einer Nikotinsucht klein reden möchte, ich hoffe, du verstehst mich da richtig.


    Als ich vor zwei Jahren noch ganz am Anfang stand, hat mich die Omnipräsenz und Selbstverständlichkeit von Alkohol in unserer Gesellschaft nicht sonderlich interessiert. Wichtig war für mich da eigentlich nur, zu akzeptieren, DASS ich ein Alkoholproblem habe, und DASS kontrolliertes Trinken für mich keine Option mehr ist. In meinem Faden aus jener Zeit wird deutlich, WIE SEHR ich damit gerungen habe. Es sind fürchterlich lange Texte…. :rotwerd:


    Erst später, so im Verlaufe des ersten Jahres, als die Corona bedingten Einschränkungen aufgehoben wurden und das gesellschaftliche Zusammenleben wieder aufgenommen werden konnte, wurde die Konfrontation mit der Allgegenwärtigkeit und Selbstverständlichkeit von Alkohol für mich völlig unerwartet zu einer Herausforderung:

    Die Nachbarn luden zum Grillen ein und selbstverständlich wurde dort Alkohol konsumiert und zu vorgeschrittener Zeit der Schnaps auf den Tisch gebracht. Ein Ereignis, was für mich, wie mir schien, noch verhältnismäßig leicht zu verkraften war und mich nicht sonderlich getriggert hat. - Dachte ich…

    Am nächsten Tag bekam mein Mann bei der Arbeit ein Schlemmerpaket geschenkt, in dem sich neben Aperol weitere alkoholhaltige Lebensmittel befanden. Als er nach Hause kam und mir freudig sein Geschenk zeigte, hat MICH dann diese Flasche Aperol mit ihrer intensiven orange Farbe mächtig getriggert. Und als ich ihm das sagte, dass ich damit nicht gut umgehen kann, reagierte mein Mann enttäuscht über meine Reaktion, weil er sich über das unerwartete Geschenk als Ganzes sehr gefreut hatte. - Seine Reaktion auf mich setzte wiederum mir zu und ich fühlte mich schlecht und wie ein Versager.

    Am Abend musste ich meinen Mann und eine Kollegin dann zu einer Feier außerhalb fahren und während jener Autofahrt sprachen die zwei die ganze Zeit über die Getränke-Flat, die es auf jener Feier geben sollte, und wie sie diese auszunutzen gedächten und ordentlich abfeiern würden. Konnte ich noch irgendwie verkraften, dachte ich, aber insgeheim rumorte es ihn mir, weil ich bei Feiern früher auch kein Kind von Traurigkeit war. Und jetzt sollte das alles vorbei sein?

    Kurz und gut, da kam auf einmal für mich völlig unerwartet so viel zusammen und die geballte Konfrontation mit der Allgegenwärtigkeit und Selbstverständlichkeit von Alkohol haute mich um, obwohl ich mich doch eigentlich für gefestigt und zufrieden abstinent hielt. Der Anfall von Suchtdruck, den ich an dem Abend erlebt hab, war überwältigend. Sowas wollte ich NIE WIEDER erleben müssen, auch wenn ich die Erfahrung hinzugewonnen hatte, dass ich sowas durchstehen kann.


    Und dann gibt’s für MICH noch einen weiteren Unterschied, der mit meiner eigenen Geschichte mit meinem Vater zu tun hat. Eine Geschichte, die sich, wie ich inzwischen in diversen Erfahrungsberichten gelesen habe, in so vielen anderen Familien wiederholt hat und wiederholt. Bei der Bewältigung MEINER Alkoholsucht hat gerade DAS nach einer Weile der Abstinenz eine besonders große Rolle gespielt. Ich war nicht wie mein Vater, aber mir war klar, wohin ich auf dem besten Weg gewesen war. Was würde der Alkohol aus mir und meiner Familie machen, wenn ich rückfällig würde?

    Rauchen ist ganz gewiss nicht harmlos, aber solche Geschichten wie die von meinem Vater und anderen habe ich von Menschen, die lediglich Nikotin rauchen, noch nicht vernommen.

    Ob das bei dir auch eine Rolle spielt, weiß ich nicht und kann das auch nicht beurteilen. Dass es bei dir auch nicht gerade harmlos war, darauf deuten deine ersten Posts hin.


    Freundliche Grüße
    AmSee


    Aber erzähl mir doch bitte von den Unterschieden. Denn für mich sieht beides ziemlich ähnlich aus. Vielleicht in unterschiedlicher Ausprägung aber doch ähnlich.

    Diesbezüglich fällt es mir schwer, dir genau und treffend zu antworten, und mit meiner Antwort wirst du vermutlich nicht zufrieden sein.

    Dass sich meine Auffassung geändert hat und ich inzwischen gewisse Unterschiede wahrnehme, hat mit meinen eigenen Erfahrungen mit diesen beiden Süchten zu tun und mit dem, was ich in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Erfahrungsberichten in diesem Forum hier und in einem anderen Alkoholikerforum sowie in einem Rauchfreiforum gelesen habe.

    Das Thema „Alkoholsucht“ und Bewältigung derselben hat für mich im Laufe der Zeit noch tiefere Dimensionen angenommen als das Thema „Nikotinsucht“.

    Einen ganz deutlichen Unterschied macht zum Beispiel die Omnipräsenz und Selbstverständlichkeit von Alkohol in unserer Gesellschaft. - Das war in Bezug auf Zigaretten zwar auch mal so, du wirst dich noch erinnern ;), hat sich aber völlig verändert. - Vielleicht wirst du das selbst irgendwann mal an dir spüren, ob dir das bei der Bewältigung deiner Alkoholsucht etwas ausmacht und oder nicht und, falls es dir etwas ausmacht, wie sehr.
    Ich kann da nur für mich sprechen, aber bei der Bewältigung MEINER Alkoholsucht war das durchaus eine Herausforderung.

    Vielleicht wirst auch du, je länger du dich mit dem Thema beschäftigst, je mehr du dich durch Erfahrungsberichte anderer liest, je mehr eigene Erfahrungen du auf deinem neuen Weg machst, irgendwann gewisse Unterschiede bemerken. Vielleicht auch nicht.

    Beste Grüße
    AmSee

    Ja, danke der Nachfrage. Schrank steht und hält auch. Heute musste dann das Wasserbett umziehen. Hat sich nun zum neuen Schrank gesellt.

    Fleißig, fleißig. So‘n Wasserbett soll schwer sein, hab ich gehört. ;)

    Zitat


    Zum Thema Suchtdruck: so ganz unvorbereitet hat es mich ja nicht getroffen. Als ich aufgehört habe zu Rauchen war es ja ähnlich. Hier müsste man ja auch etliche Trigger meistern. Rauchen nach dem Essen, rauchen nach der Autofahrt, rauchen nach dem Sex, usw. Warum so sollte es mit dem Trinken also anders sein ?

    Gewisse Ähnlichkeiten bei der Bewältigung dieser beiden Süchte sind wohl nicht von der Hand zu weisen. Als ICH aufgehört habe, habe ich auch immer wieder Vergleiche zum Rauchaustieg gezogen und somit von etwas, was ich kannte, auf etwas, was ich noch nicht so kannte, geschlossen.

    Irgendjemand hat mir dann irgendwann mal geantwortet, dass es da doch so‘n paar Unterschiede gäbe. Inzwischen teile ich diese Auffassung. :devilsmile:

    Zitat


    Und trotz meines gestrigen Anflugs von wieder-trinken-wollen überwiegen doch die positiven Erfahrungen bei weitem.

    Das freut mich für dich! 44.

    LG AmSee


    Hatte ich mich vorher schon darauf eingestellt, dass sich evt. das Suchtgedächtnis melden könnte, war ich gewappnet z.B. vor dem ersten Urlaub, das erste Weihnachten/Silvester....

    Damit bin ich gut gefahren.

    Rekonvaleszent , ich erinnere mich noch gut, wie du mir vor zwei Jahren an Silvester geraten hast, mit einem Schlüssel oder etwas in der Hand bzw. in den Händen um Mitternacht rauszugehen, um so vermeiden zu können, dass mir meine Nachbarn ein Glas Sekt in die Hand drücken können.
    Ich fand deinen Tipp damals sehr hilfreich. 44.


    Nach meiner eigenen Erfahrung macht es das Wissen, was den Druck ausgelöst hat, etwas leichter damit umzugehen.

    Ich hab anderswo den Hinweis gelesen, dass es selten nur ein Ereignis ist, das Suchtdruck auslöst, sondern meist eine ganze Kette mehrer Ereignisse, ohne dass im Einzelnen überhaupt erstmal ersichtlich ist, dass es ein Trigger ist oder sein könnte.

    Ich hab da nochmals drüber nachgedacht und in diesem Zusammenhang mein eigenes Erlebnis mit überwältigenden Suchtdruck überdacht. Bei mir waren es im Nachhinein betrachtet tatsächlich mehrere Trigger oder Ereignisse, die dem Ganzen voraus gingen.
    Auch in diesem Vortrag zum Anhören wird ja eine ganze Kette von Ereignissen geschildert, die letztlich zum Rückfall geführt haben, ohne dass dem Beteiligten klar gewesen wäre, was da eigentlich passiert.

    Ich selbst fand und finde die Informationen in jenem Vortrag zum Anhören ganz hilfreich für meine Rückfall-Prophylaxe. Andere wie bspw. Susanne mögen das nicht nötig haben oder gehabt haben, aber, ob du diesbezüglich eher so wie Susanne bist oder eher wie ich oder Greenfox, kann ich nicht beurteilen.

    Ich denke nach wie vor, dass das Wissen, was mich persönlich getriggert hat oder mich triggern könnte, mir hilft, leichter mit meiner Erkrankung umzugehen, weil es mich achtsamer für mich und meine Bedürfnisse sein lässt.

    Beste Grüße
    AmSee

    Na, dann weißt du ja immerhin, was dich getriggert hat. Sowas hatte ich letztens gemeint, als ich dir geschrieben habe, dass alles Mögliche triggern kann.

    Nach meiner eigenen Erfahrung macht es das Wissen, was den Druck ausgelöst hat, etwas leichter damit umzugehen.

    Kenne solche Situationen auch… zu Gartenarbeit, Heimwerken u.ä. gab’s bei uns früher auch immer Bier…
    Heute genießen wir stattdessen n anderes leckeres Getränk ohne Alkohol und sind bestzufrieden. :))
    Manchmal denke ich noch dran, dass es früher Bier gab, aber es juckt mich überhaupt nicht mehr.


    Bin und bleibe aber standhaft.


    44.

    Huhu,
    gab’s denn irgendwas, das den Druck ausgelöst haben könnte? Kann Stress o.ä. gewesen sein oder auch etwas Positives oder bestimmte Gesellschaft…

    MIR hat es in jener einen echt heftigen Situation geholfen, gaaaaaaanz viel Wasser zu trinken. Als der Bauch voll davon war, war das Verlangen weg.

    Hallo Just4Fun.


    Zunächst muss ich einmal sagen, dass mich gerne mit euren Ratschlägen, auch den ungefragten, auseinander setze. Schließlich seid ihr je schon ein großes Stück weiter auf dem Abstinenz-Weg als ich und habt da schon die eine oder andere Erfahrung gemacht, die mir vielleicht noch bevor steht. Wie gesagt, ich setzte mich damit auseinander und wäge für mich ab, was ich mir für mich aus dem Werkzeugkasten herausnehme. Auch wenn ich dann nicht jedes Werkzeug benutze bin dennoch dankbar für euer Angebot (um im Bild zu bleiben).


    44.

    Ich ticke diesbezüglich ganz ähnlich wie du.

    Zitat


    Zum Thema Konfrontation: Ich wäge auch hier im Vorfeld ab, wie groß das Risiko ist. Stadionbesuch war hier für mich ok, einige bestimmte Freunde zu besuchen ist es z.B. (noch) nicht.

    Das klingt jedenfalls danach, dass du mit einer gewissen Achtsamkeit an die Sache herangehst. :)

    Bezüglich Notfallplan o.ä. hast du ja schon genug Hinweise bekommen. ;)

    Beste Grüße
    AmSee

    Da fällt mir noch etwas ein, wo von Datenbasis gesprochen haben und ich mich auf jenen Vortrag zum Anhören von Prof. Lindenmeyer bezogen habe:
    Interessant fand ich persönlich die Aussage, von der ich vermute, dass sie auf der Datenbasis seiner Klinik beruht, dass 50 Prozent der Alkoholiker, die einer Expositionstherapie unterzogen werden, einen Rückfall erleiden.

    Er führt zwar dann noch weiter aus, dass in diesem Zusammenhang auch eine Rolle spielt, ob es sich um einen kleinen Rückfall von ein paar Tagen oder um einen großen Rückfall von ein paar Jahren handelt, aber mich persönlich macht diese verhältnismäßig hohe Zahl, die offenbar trotz des geschützten Bereiches, in dem diese Therapie vorgenommen wird, auftritt, problembewusster.

    Und ob es in den neuen Therapierichtlinien heißt, dass das Abstinenzgebot überholt sei, ist mir persönlich eigentlich ziemlich egal. Ich kann für MICH nur feststellen, dass es mir mit der Abstinenz ziemlich gut geht, definitiv besser als zu dem Zeitpunkt, als ich noch gehofft hab, jemals wieder kontrolliert trinken zu können.

    Hallo Susanne,
    auch wenn dein Post an Greenfox gerichtet ist und ich auch noch längst nicht auf 20 Jahre erfolgreiche, zufriedene Trockenheit zurückblicken kann, möchte ich ganz gerne meine eigenen Gedanken dazu teilen. wikende091

    Ich kann durchaus nachvollziehen, worauf du hinaus willst, ich denke aber, dass dieses Problem, dass es keine zuverlässige Datenbasis gibt, für uns hier als Online-Selbsthilfegruppe nicht relevant ist. Auch ist gar nicht unsere Aufgabe zu „fischen“, um deine Metapher aufzugreifen.

    Wir sind uns hier - jedenfalls nach meiner Beobachtung - einig darüber, dass der berühmte Königsweg nicht existiert und wir versuchen hier ja auch gar nicht so zu tun, als ob es den gäbe.

    Greenfox hat das meines Erachtens in seiner Metapher ganz gut ausgedrückt. Wir, die Nutzer hier, teilen lediglich UNSERE EIGENEN Erfahrungen und ggf. UNSER Wissen, was UNS bei der Bewältigung UNSERES Alkoholproblems geholfen (oder eher nicht geholfen) hat. Daraus können sich andere dann wie aus einem Werkzeugkoffer bedienen.

    Konkret auf zuverlässige Datenbasis und alkoholfreies Bier: Spielt das, wenn’s um die Weitergabe von dem, was UNS SELBST geholfen oder eher nicht geholfen hat, wirklich eine Rolle?

    Wer um gewisse Risiken weiß, wird möglicherweise achtsamer damit umgehen als jemand, der davon gar keine Ahnung hat, für die dahinter steckende Gefahr aber geradezu prädestiniert ist. - Ob er‘s ist, wissen wir nicht, das müssen wir meines Erachtens aber auch nicht, für UNS war dieses oder jenes jedenfalls gefährlich und nur DAS geben wir weiter.

    Greenfox macht doch immer wieder besonders deutlich, dass es SEINE Erfahrungen sind. Ich mache das nicht ganz SO deutlich wie er, aber auch ich teile lediglich meine eigenen Erfahrungen und das Wissen, das MIR bei der Bewältigung MEINES Problems weitergeholfen hat. Und auch du machst es doch letztlich nicht anders.

    Was ich hier so besonders schätze, ist die Offenheit und Diskussionsbereitschaft. Wie du weißt, habe ich das anderswo vermisst.

    In jenem Vortrag zum Anhören von Prof. Lindenmeyer wird das Beispiel von diesen „Erste Hilfe Kursen“ bemüht, die im Allgemeinen auch dazu führen, dass jemand, der informiert ist, vorsichtiger im Straßenverkehr unterwegs ist.

    Dass wir trotz des Wissens um gewisse Gefahren dennoch ziemlich zufrieden unterwegs sind und nicht ständig mit einem „Geht nicht“ vor Augen leben, ist meines Erachtens in den bisherigen Beiträgen auch recht deutlich geworden. ;)

    Beste Grüße
    AmSee

    Es ist ein zweischneidiges Schwert.

    Ob du’s glaubst oder nicht, dessen bin ich mir tatsächlich bewusst und ich denke bei meinem Schreiben mitunter sogar darüber nach, ob ich dieses oder jenes schreibe oder es besser lasse.

    Zitat


    Ich gehe lieber wohin, wo ich keine Ratschläge bekomme, ausser ich habe explizit danach gefragt.

    Nun, ich weiß nicht, ob Just4Fun oder andere das hier bei uns so empfinden. Vielleicht äußern er oder andere sich ja bei Gelegenheit dazu.

    Zitat


    Kennst Du den Spruch:

    Alle sagten, es geht so nicht. Bis jemand kam, der nicht wusste, dass es so nicht geht, und es dann einfach machte.

    Ja, klar, kenn ich den und ich mag den sogar sehr.
    Ob dieser Spruch hier in diesem Zusammenhang jedoch so passt? nixweiss0
    Es ist ja hier nun nicht so, dass wir explizit schreiben, dass es SO nicht geht.


    Ich sage nur, Erfahrung ist nicht übertragbar, jeder muss seine Erfahrungen selbst machen und für sich selbst herausfinden, wie er glücklich wird.

    Susanne , hmm… Greenfox hat am Anfang dieses Fadens eine Metapher gebraucht, die ich in diesem Zusammenhang gerne nochmals aufgreifen möchte:


    Wir können Dir, bildlich gesprochen, nur als Werkzeugkasten gefüllt mit den verschiedensten Werkzeugen/Erfahrungen dienen, aus dem Du Dich bedienen kannst. Dein Haus musst Du selber bauen.

    Siehst du in meinen oder Greenfox‘ bisherigen Antworten einen Widerspruch dazu oder zu deiner eigenen Auffassung? nixweiss0


    Ich nehme das so wahr, dass so manches, was wir hier schreiben, dabei helfen kann, eigene Risikosituationen besser oder eher erkennen bzw. einschätzen zu können.

    Natürlich DARF jeder/jede seine/ihre eigenen Erfahrungen machen, aber nicht jeder/ jede muss JEDE Erfahrung unbedingt selbst machen. Man KANN seine Lehren auch aus den positiven oder negativen Erfahrungen anderer ziehen. ;)

    Lieber Just4Fun,

    du fragst, warum man nicht auf das „vegane“ Schnitzel zurückgreifen sollte.

    Die Sache ist die: Bist du nach etwas hinterher, das dem Original, das du so gerne mochtest, möglichst nahe kommt, oder gehst du auf Entdeckungsreise nach neuen, bislang unbekannten, aber durchaus bereichernden Möglichkeiten.

    Wenn du dem „Original“ hinterher läufst und es nachzuahmen versuchst, so stellt sich die Frage, was der Vergleich, der wohl kaum ausbleibt, mit DIR macht und ob dir das wirklich gut tut. Kinderpunsch schmeckt, wie du geschrieben hast, nicht so geil wie Glühwein mit Rum. Wie fühlt sich das an, nicht das zu bekommen, was du so gerne mochtest?

    Ich hab mich ja nun aus eigenem Interesse etwas näher mit der Neurobiologie der Sucht beschäftigt. Es ist offenbar nicht nur der Suchtstoff selbst, der auf unser Gehirn einwirkt und für die Ausschüttung bestimmter „Glückshormone“ sorgt, sondern bereits das ganze Drumherum. Und es kann alles Mögliche sein, was triggert.
    Interessant wird’s dann, wie das Gehirn darauf reagiert, wenn die erwartete Wirkung nicht einsetzt, und DAS kann ziemlich unangenehm werden. Näheres findest du zum Thema z.B. hier, das Thema dort ist „Dopamin und Endorphin: Stoffe, die Süchtig machen“.

    Natürlich kannst du dein Gehirn umprogrammieren, aber das sollte sehr bewusst erfolgen.

    Bei den Erlebnissen, von denen du erzählt hast, habe ich mich auch gefragt, ob du dir dessen so bewusst bist, was du da tust, oder ob du deine Alkoholkrankheit sozusagen „auf die leichte Schulter nimmst“ und es einfach mit der Methode „try and error“ probierst.

    In einem anderen Forum, das ich kenne, wäre dir von einem Stadionbesuch z.B. dringend abgeraten worden. Ich fand den Weg einiger Hartliner dort mitunter etwas zu rigide, kann aber inzwischen ganz gut nachvollziehen, was der Hintergrund dafür ist. Es ist nichts anderes als Selbstfürsorge.

    Konfrontation ist neben Vermeidung durchaus ein gangbarer Weg auf dem Weg zu zufriedener Abstinenz, aber nach meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung lässt sich so manches Risiko, gerade wenn man am Anfang steht, nicht weitreichend abschätzen.

    Zum „veganen Schnitzel“:
    Wie‘s der Zufall will, hab ich mich aus gesundheitlichen Gründen eine Weile vegan ernährt. Angeblich sollte diese Ernährungsweise nämlich meine MS-Erkrankung zum Stoppen bringen können. (Kann sie leider nicht und es gibt auch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass sie‘s könnte.)
    Ich hab kein’s von den veganen Schnitzeln (Hast du dir mal die Zutatenliste angesehen? :o) gegessen. Warum auch, wär ja doch kein Schnitzel. :grins:
    Stattdessen hab ich herumprobiert, wie ich mit rein pflanzlichen Zutaten leckere Speisen zubereiten konnte. Das war eine sehr interessante Entdeckungsreise und ich hab dabei so manches schmackhafte Gemüse entdeckt, das ich vorher noch nicht kannte und jetzt meinen Speiseplan bereichert. 44.

    Bezüglich Kinderpunsch:
    Ich mache mir meinen alkoholfreien Punsch selbst, aber nicht um Glühwein (der für mich inzwischen übrigens nur noch unangenehm nach Fusel riecht) nachzuahmen, sondern um ein zur Saison passendes Getränk zu genießen.
    Grundlage ist dafür entweder Apfelsaft oder Trauben-, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeersaft gewürzt mit Zimtstangen, Nelken, Kardamom, Sternanis, Piment, Orangenschale.
    - Mit diesem fürchterlichen Kinderpunsch gar nicht zu vergleichen. laugh2

    Kurz und gut: Probier doch mal was ganz Anderes, Neues aus!


    Alkoholfreies Bier trinke ich zum Beispiel ganz bewusst nicht. Ich hab das anfangs mal für eine mögliche Alternative gehalten, aber dann ist mir so nach dem zweiten oder dritten dieses ganz leicht wattige Gefühl im Kopf aufgefallen, das ich vom Alkohol her kannte und DAS wollte und will ich auf keinen Fall mehr in meinem Kopf haben.


    Prima find ich übrigens deinen nächsten Schritt. Damit hast du dir ein mögliches Hintertürchen zugemacht, dich noch mehr befreit und dir überaus wertvolle Unterstützung geholt. Schon interessant, wie viel sie schon von deiner Heimlichkeit und deinem Problem wusste und wie erleichtert sie war, dass du’s erkannt hast und angegangen bist, nicht wahr?
    Das dürfte für dich noch so eine spannende Entdeckung gewesen sein.


    Beste Grüße
    AmSee


    P.S.: Empfehlen kann ich dir übrigens z.B. noch diesen Vortrag „Der Stau auf der A 61 - Rückfallprävention“ zum Anhören.

    Ich weiß nicht genau, ob ich in diesem Forum diese Metapher verwenden sollte, aber für mich ist nun mal das Glas eher halb voll als halb leer.

    LG Just4Fun

    Warum solltest du diese Metapher hier nicht verwenden dürfen? - Stimme Frank da vollkommen zu, Gläser können ja auch mit Saft, Apfelsaft, Limo, Cola, Milch….. gefüllt sein. laugh2

    Mit dieser Einstellung dürfte dir im Leben manches leichter fallen als andersherum.

    Dazu passt doch das Sprichwort von Goethe „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen.“ ganz gut, meinst du nicht? :))