Hallo Blackisbeautiful,
nun komme ich dazu, dir ausführlich zu antworten.
Zunächst einmal kann ich dich aus eigener Erfahrung nur dazu beglückwünschen, dass du dich über das Thema austauschen willst und die „Alarmglocken“ ernstgenommen hast.
Kurz zu mir: Ich bin 50, w, Alkoholikerin, seit mehr als zwei Jahren zufrieden abstinent und erwachsene Tochter eines (nicht funktionierenden) Alkoholikers.
Wenn ich das richtig interpretiere, möchtest dir die Option des sogenannten „Kontrollierten Trinkens“ offen halten, weil dein Vater, ehemals „Spiegeltrinker“, seit 14 Jahren erfolgreich damit unterwegs ist.
Nun werde ich dich davon kaum abhalten können und es ist auch DEINE Sache, wenn du das versuchen willst, aber ICH bin da dann raus, weil das für MICH überhaupt keine Option ist und ich mit meiner dauerhaften Abstinenz überaus zufrieden bin (was ich mir vor bald zweieinhalb Jahren überhaupt nicht vorstellen konnte).
Nur so ein paar Gedanken bzgl deiner „Option“:
Ich bin kein Mediziner, aber nach allem, was ich weiß, wird sich daran, dass dein Körper Alkohol schlechter verträgt, nichts mehr ändern. Was du diesbezüglich schreibst, erinnert mich an meine Nachbarin, der es ganz ähnlich geht, nur dass sie nicht umfällt und einfach einschläft. Was bei ihr womöglich aber auch an der geringen Menge Alkohol liegt, die sie bei gewissen Gelegenheiten denn doch konsumiert. nixweiss0 - Wenn dich interessiert, warum das bei DIR so ist, könnte ein Arztbesuch hilfreich sein…
Bezüglich Antidepressiva und Alkohol: Hast du dich mal näher mit den Wechselwirkungen beschäftigt? - Als ich selbst noch getrunken habe, habe ich das, obwohl ich grundsätzlich darum wusste, einfach verdrängt bzw. nicht ernstgenommen. Erst im Laufe meiner Abstinenz wurde mir klar, dass und warum sich Antidepressiva und der Konsum von Alkohol so gut wie gar nicht vertragen….
Wenn du dir deinen Botenstoffhaushalt völlig kaputt gemacht hast, tust du dir mit dem Konsum von Alkohol überhaupt keinen Gefallen, im Gegenteil…
Die „Option“, ab und zu eine Ausnahme zu machen und dann „kontrolliert“ zu trinken, scheint der leichtere Weg zu sein, ist es nach meiner Beobachtung und meinen eigenen Erfahrungen mit solchen Versuchen und mit vollständiger Abstinenz jedoch nicht.
Selbst wenn du inzwischen deinen Konsum „stoppen“ kannst, bedeutet das nicht, dass du die Sache „im Griff“ hast bzw. dauerhaft „in den Griff bekommst“.
Dieser Weg ist, wenn du erst einmal abhängig geworden bist, ein harter Weg und jedes Mal, wenn Alkohol konsumiert wird, ein enormer Kraftakt. Das liegt an der Wirkung, die Alkohol jedes Mal, wenn er konsumiert wird, in der Neurobiologie und -chemie des Gehirns entfaltet. Da geschieht etwas, was sich der rationalen Kontrolle entzieht.
Falls dich das Thema näher interessiert, kannst du in unserer Linksammlung weiterführende Informationen finden.
Gespürt habe ich selbst das jedes Mal, wenn ich mir fest vorgenommen hatte, nur ein Glas zu trinken. Schon bei diesem ersten Glas „bereute“ ich meinen zuvor festgesetzten Entschluss, es genau bei diesem einen Glas zu belassen, und trank deshalb dann in der Regel mehr als dieses eine Glas.
Daran wurde MIR auch klar, dass KT für MICH keine Option ist.
Seit ich selbst abstinent geworden bin und den Alkohol gänzlich aus meinem Leben gestrichen habe, geht’s mir definitiv viel besser und die Probleme, die ich mir selbst mit meinem Alkoholkonsum eingebrockt hatte, sind nicht mehr vorhanden.
Und ich vermisse den Alkohol auch überhaupt nicht, eher im Gegenteil: Manchmal, insbesondere wenn ich mit Alkohol konsumierenden Menschen in lustiger Runde zusammen sitze und selbst ohne Alkohol so gänzlich zufrieden bin, frage ich mich, warum ich so daran gehangen habe, Alkohol trinken zu dürfen. Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, aber so ist das Leben nun einmal.
Viele Grüße
AmSee