Beiträge von AmSee13


    Suchtdruck "kann" das Unterbewusste, das Denken musst Du einschalten, um dagegen zu halten. Das ist zumindest der Punkt, wo es zum Rückfall aus heiterem Himmel kommen kann.

    Da fällt mir wieder der Punkt an, von dem du gestern geschrieben hast, und der mich an etwas erinnert hat, was mir diesbezüglich schon öfter aufgefallen ist.


    Und insgesamt ist der größte Teil der Hirnaktivität für unser Bewusstssein nicht erreichbar, und zwar prinzipiell, wir kriegen ja nur das mit, was dann über die Bewusstseinschwelle kommt.

    Wer kennt das nicht, das ihm ein bestimmter Name, Begriff oder Sachverhalt gerade nicht präsent ist, Stunden oder auch ein, zwei Tage später aber ist er da, taucht wie aus dem nichts auf.

    Ich finde das immer wieder spannend zu beobachten, denn nichts deutet vorher darauf hin, dass der Name, Begriff oder Sachverhalt gleich da, also in deinem Bewusstsein, ist.

    Dem Ganzen geht lediglich voraus, dass du einen Gedanken hattest, dem du nachgehen wolltest. Und dein Gehirn spuckt es nach einer Weile einfach von wo auch immer in dein Bewusstsein aus.


    Dieser Umstand deutet darauf hin, dass plötzlicher Suchtdruck ebenfalls durch einen längst vorher angestoßenen, inzwischen nicht einmal mehr bewussten Gedanken hervorgerufen worden sein könnte. Und wenn man dann noch an die Automatismen denkt, von denen du in ebenfalls geschrieben hattest….
    Insofern spricht sehr viel dafür: „Suchtdruck "kann" das Unterbewusste“


    Suchtdruck "kann" das Unterbewusste, das Denken musst Du einschalten, um dagegen zu halten. Das ist zumindest der Punkt, wo es zum Rückfall aus heiterem Himmel kommen kann. Aber genau dabei hilft eben Übung und grade nicht zwanghafte Risikovermeidung.

    Bin ich ganz bei dir.

    Nur würde ich jemandem, der gerade noch am Anfang und somit vor vielen Baustellen steht, dem eine gewisse Erfahrung und damit ein gewisses Einschätzungsvermögen, worauf er sich da eigentlich einlässt, fehlt, nicht raten, gleich in die volle Konfrontation zu gehen.

    Vermeidung KANN u.U. hilfreich sein.

    Immer bei Vermeidung zu bleiben, KANN allerdings dazu führen, dass ein gewisses Problem noch größer wird. Ich denke da an das Phänomen oder Symptom der „Generalisierung von Angst“.



    Ja, eben, was würde passieren, wenn es da weit und breit keine Kippen gäbe? Sterben würdest Du da dran wohl nicht.

    Es gibt aber nun einmal einen Kiosk und mehrere Tankstellen in meiner unmittelbaren Umgebung. :devilsmile:

    Ja, ich weiß durchaus, worauf du hinaus willst… Ich hab’s bei besten Willen bislang nicht besser hingekriegt. nixweiss0

    Um so wichtiger ist mir dann Aufarbeitung dessen, was dazu geführt hat, und Prävention.



    Wie schnell muss man laufen, um dem Löwen zu entkommen? Schneller als der Nebenmann...

    Was für eine Frage, wenn der Löwe gleichzeitig du selbst bist…. :grins:

    ICH hab da dummerweise noch ein weiteres Handicap:
    Wegrennen bzw. mich körperlich richtig verausgaben, was ich früher tatsächlich gemacht habe, geht bei MIR leider nicht mehr. Die dafür nötigen Kräfte in den Beinen und, selbst wenn ich einen Rollstuhl hätte und nicht auf die Beine zurückgreifen müsste, in den Armen, hat mir dummerweise die MS genommen. Uups. :grins:

    Im Ernst, ich nehm das mit Humor.
    MEIN Problem müssen wir hier nicht lösen. Ich hab da definitiv nicht Leidensdruck und inzwischen einen Weg gefunden, der für MICH ok ist.

    Falls du aber ne zündende, praktikable Idee haben solltest, was ich im Fall einer erneuten Extremsituation tun könnte, nur heraus damit. Ich bin ganz Ohr. :welcome:


    Ja, abhauen, totstellen, kämpfen. Und totstellen ist eben...warten, bis es von selbst vorbeigeht. Manchmal die einzige Möglichkeit. Wenn der Löwe größer und schneller ist und man beim Kampf nur verliert und Abhauen seinen Jagdinstinkt weckt.

    Genau. Dummerweise verkraftet das Gehirn das Totstellen, also das Runterfahren aller Systeme wohl nicht so gut… Hast du dich auch mal näher mit der Entstehung von Traumata beschäftigt und Traumabewältigung?

    Spannende Lektüre!

    ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass Rückfälle nur deswegen passieren, weil es Leuten an er inneren Einstellung mangelt. Oder am Willen. Oder weil sie zu blöd sind, es zu lassen.

    Ich hab mir das bei dir schon so gedacht, dennoch dürfte es nicht schaden, dass das hier explizit geklärt wird, um gerade bei denen, die mehr oder minder noch am Anfang stehen, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.



    Was mir mal eine zeitlang geholfen hat, war, mich geistig in Leute zu versetzen, die sich in einer Zwanglage befinden, in der sie selbst nichts mehr machen können. Im Krieg. Nach Naturkatastrofen. Nach Unfällen. Z.B.

    Immer wieder interessant für mich zu beobachten, wie sich unsere Interessen mitunter ähneln. Mit solchen Menschen/ Themen habe ich mich auch beschäftigt und tue es noch.

    Da dürftest du auch auf die biologischen Stressreaktionen „fight“, „flight“, „freeze“ gestoßen sein.

    wenn das wieder auftritt, einfach nur warten und weiteratmen. Bis es vorbei geht. Es geht vorbei.

    Wenn’s nur so einfach wäre…
    Doch, nach dem, was du über dich so erzählst, weißt du, dass das alles andere als einfach ist… ;)

    Ich kenne deine Methode und noch ein paar andere und habe die durchaus auch probiert und mich darin geübt, um es ggf.. als Werkzeug zur Verfügung zu haben. Ja, auch Fluchen und Schreien war darunter, Eiswasser, extrem scharfe Bonbons, stachelige Massagebälle, Steine im Schuh, sportliche Übungen wie Wadenpresse. Und so weiter. Halt Skills für die Zugangsbereiche, die in einer Anspannungssituation noch offen sind (kognitiv, visuell, haptisch und noch ein vierter Bereich, der mir grad nicht einfallen will).
    Mein Therapeut hat mich mit der sogenannten „Vier-Elemente-Übung“ vertraut gemacht und ich bin auch darin geübt…

    Doch das waren bislang dann immer wieder solche Momente, in denen ich mehr oder minder von jetzt auf gleich ohne, dass ich das erwartet hätte, in den Hochspannungsbereich (sozusagen von 0 auf 100) geriet. In diesem Bereich tritt bei bei mir in der Regel ausgeprägte Autoaggression auf.


    Ich hab ernstlich drüber nachgedacht, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, damit ich bewusstlos werde und das somit aufhört.

    So ähnlich ist das bei mir auch immer wieder abgelaufen, nur dass in mir das ausgeprägte Verlangen auftritt, mich extrem zu verletzen (wie genau, lasse ich hier bewusst weg, will ja keinen auf Ideen bringen…..) Und es kommen auch Suizidgedanken auf. Ich tu‘s nicht, wehre mich gegen den Drang, mich verletzen zu müssen und wähle, weil’s nicht auszuhalten ist, das Mittel, das in dem Moment den geringsten Schaden anrichtet, aber den Druck spürbar verringert: Zigaretten.

    Wenn ich mal wieder eins meiner depressiven Tiefs hab, kann ich die inzwischen tatsächlich mehr oder minder einfach aussitzen. In diesen Zeiten ist zwar alles schwarz und hoffnungslos und zwar immer schon gewesen und wird es immer sein, aber aufgrund meiner Erfahrungen, die ich mir deutlich und bewusst eingeprägt habe, und meiner Achtsamkeit WEISs ich, dass es tatsächlich vorbei geht.
    Diese Momente im Hochspannungsbereich sind anders….


    Natürlich hab ich versucht, dem auf den Grund zu kommen und präventiv tätig zu werden. Ich konnte ausmachen, dass das etwas mit seelischen Verletzungen und daraus resultierenden „Fehlentwicklungen“ zu tun hat. Da sind offenbar so ein paar Triggerpunkte in mir vorhanden, die verborgenen Tretminen ähnlich sind….

    Mit meinem Therapeuten, der auch auf den Bereich der Trauma-Therapie spezialisiert ist, habe ich die eine oder andere Verletzung und das, was damit zusammenhängt, aufarbeiten können.
    Die eine oder andere „Tretmine“ ist entschärft und weggeräumt, was auch Konsequenzen für andere im Prinzip noch verborgene „Tretminen“ hatte.

    Von daher stehen meine Chancen inzwischen recht gut, dass auch mit der Qualmerei endlich dauerhaft Schluss ist.


    Aufgrund dieser Erfahrungen und dem, was ich bei meinem Vater beobachten musste, bin ich überaus vorsichtig, hauptsächlich auf die sogenannte „Innere Einstellung“ als Erklärung für mehr oder minder auftretenden Suchtdruck zu setzen. Auch wenn ich in Bezug auf Alkohol ähnliche Erfahrungen mit Suchtdruck gemacht habe wie du und diese Erklärung sehr viel für sich hat.


    Ich glaube, auch aufgrund dieer Erfahrungen, dass es steilenweise mit der inneren Einstellung zusammenhängt. Wenn ich eigentlich trinken will und es mir verbiete, dann kann der Druck leicht aufkommen.

    Ich hab mit Interesse verfolgt, was du in dem anderen Faden zum Thema geschrieben hast. An den einen oder anderen Punkt habe ich auch gedacht, ohne das im Moment schon so zusammenfassen zu können, dass ich darüber schreiben könnte.

    Aufgrund meiner Erfahrungen beim Rauchen bin ich jedenfalls einfach nur heilfroh, dass ich meiner Sorge gefolgt bin und in diesen gewissen Situationen nicht zum Alkohol gegriffen hatte.


    Nasses Denken beinhaltet für mich z.B., wenn ich die Verantwortung für mein Trinken nicht in mir selbst suche, sondern immer noch irgendwie die Umwelt dafür verantwortlich mache. Und da kommt "Gesellschaft" und "Werbung" oder auch der pöse Ehepartner halt ziemlich schnell bei mir.

    Ein interessanter Aspekt, den du da in die Diskussion einbringst.

    Da für mich selbst schon mein ganzes Leben lang selbstverständlich gewesen ist, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, völlig unabhängig davon, ob tatsächlich jemand anderes für meine Misere verantwortlich war, ist mir diese Perspektive mehr oder minder fremd. Ich bin dem, was du da beschreibst, aber tatsächlich schon bei anderen - übrigens nicht unbedingt nur Alkoholikern (nass oder trocken) - begegnet. Daher kann ich nachvollziehen, was du im Blick hast. Von tatsächlich „nassen Alkoholikern“ kennt man solche Argumentationen wie „Ich geh jetzt trinken, weil du (Ehefrau/ Ehemann) mich so aufgeregt hast.“

    Dass die Allgegenwärtigkeit und Selbstverständlichkeit von Alkohol, die unklaren „Regeln“ in unserer Gesellschaft -hier beziehe ich mich auf Informationen des Vortrags von Prof. Lindenmeyer zum Anhören Der Untergang der Titanic - Alkoholismus in Deutschland begünstigen, steht wohl außer Frage.

    Insofern wäre es durchaus wünschenswert, wenn Nüchternheit zum „Lifestyle“ werden würde.


    Doch ich gebe dir vollkommen Recht, dass, wenn die Argumentation allein nach dem Schema „Ich trinke, weil die Gesellschaft mich dazu verführt hat.“ aufgebaut ist, verdächtig nach sogenanntem „nassen Denken“ klingt.

    Die Tatsache, dass es in unserer Gesellschaft so ist, wie es nun einmal ist, entbindet nicht von der Verantwortung, die jeder für sich selbst hat.


    ….Von daher ist der Thread hier ja fast schon "nasses Denken".

    Diese Begrifflichkeit von dir, Susanne?
    Ich bin irritiert. ;)
    Die kenne ich eigentlich aus einer anderen Ecke….



    Ich meine, nüchtern bin ich gesund.

    Im Prinzip fühlt sich mein Leben inzwischen so an und es ist mir aufgrund der vielen positiven Erfahrungen und Erkenntnisse meiner Nüchternheit fast schon unverständlich geworden, warum ich mir jemals soooo viel davon versprochen habe, Alkohol trinken zu dürfen. - Natürlich weiß ich, warum ich’s getan hab, muß es auch nicht bereuen, weiß, warum Alkohol schon seit Ewigkeit bei Feierlichkeiten konsumiert wird. ;) - Nüchtern zu leben empfinde ich tatsächlich als äußerst gesund, mitunter staune ich, was für ein wahres Spektrum mir entgangen ist, als ich noch geglaubt habe, Alkohol würde den Moment schöner machen. ;D

    Und dennoch finde ich es nicht passend, zu sagen, ich sei „gesund“, weil mich das im Prinzip eben auch zu dem Gedanken/ der Denkweise verleiten KÖNNTE, vielleicht doch das eine oder andere Mal ein Ausnahme machen zu dürfen. Und genau davor schütze ich mich eben auch durch die Wahl meiner Formulierungen.

    Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir über so etwas nur in diesem Rahmen hier Gedanken mache (was meiner Selbstfürsorge grundsätzlich nicht undienlich sein dürfte) in meinem Alltag spielt das alles eigentlich keine Rolle mehr. Ich trinke nicht, will nicht trinken und gut iss. ;)

    Grüße
    AmSee

    Hallo Paul.


    "nie wieder da hingelangen... "
    das ist mir bewusst, dort will ich weder (wieder) hin, noch spiele ich mit dem Gedanken.
    Wie kommst du darauf?

    Umgekehrt gefragt, wie kommst DU darauf, dass ich dir das unterstelle, dass du da wieder hinwolltest - abgesehen davon, dass das allein deine Angelegenheit wäre? ;)

    Nach meinem Eindruck diskutieren wir hier lediglich über Begrifflichkeiten. Meine Antwort bezog sich letztlich nur auf deine Frage.


    Ich trinke jetzt nicht mehr, bin ich dann noch Alkoholiker, noch krank?

    Nun ja, du wirst, egal wie lange du abstinent bleibst, nie wieder da hingelangen, wo du ganz am Anfang warst, als du tatsächlich noch „gesund“ warst. Das, was da nun einmal passiert ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen und dessen sollte man sich schon bewusst sein.

    Ich übertrage das mal auf andere Erkrankungen:

    Wenn du Diabetiker wärst, deinen Zucker aber gut eingestellt hast, bist du dann noch Diabetiker, noch krank oder bist du geheilt und kannst so Zucker konsumieren wie alle anderen?

    Wenn du Nussallergiker wärst, keine Nüsse mehr isst, bist du dann noch Nussallergiker?



    Im übrigen ist es an den meisten Stellen völlig egal, wie man sich bezeichnet.
    Mir ist das nur von jenigem Forum und von den AA bekannt (Und AA sind nur eine einzige von vielen Selbsthilfeorganisationen) , dass man sich da üblicherweise als Alkoholiker bezeichnet.

    Das sehe ich ganz ähnlich. Warum ICH in meiner Kurzvorstellung bei Neuankömmlingen diesen Begriff verwende, hab ich ja schon geschrieben. ;)

    Und das ist genau der Graubereich, diese NieTho´s, die einfach nirgendwo angesprochen werden. Ich kam ja schon auf Natalie Stüben zu sprechen, diese Lücke füllt sie, deswegen fühle (fühlte) ich mich so angesprochen, obwohl ich ihre Programme nicht gemacht habe. Mir haben die Podcasts gereicht und mein persönlicher Entschluss.

    Nun ja, „nirgendwo“ würde ich jetzt nicht sagen. ;)
    Guck mal in unsere Erstinformationen: Dort befindet sich ein Informationstext, mit dem auch solche Menschen angesprochen werden und auch zum Austausch eingeladen werden: Bin ich schon Alkoholiker? Oder „nur“ gefährdet?


    Da du dir so Gedanken um das „Wording“ machst: Mach doch einfach mal Vorschläge, wie der Begriff „Alkoholiker“ anders formuliert werden könnte und gleichzeitig einem Selbstbekenntnis und dem Bewusstsein dient, mahnende oder zur Achtsamkeit auffordernde Funktion zu haben.


    Können wir ja mal diskutieren. ;)


    Ich muss allerdings gestehen, dass die Begrifflichkeit für mich inzwischen nur noch ein Nebenschauplatz ist. Es kommt nach meiner Beobachtung nicht so sehr auf die Begrifflichkeit an.

    Sich aus der „Gehirnwäsche“, der man von klein auf ausgesetzt war, zu lösen, ist - und bleibt vorerst - ein Kraftakt, der nicht von jetzt auf gleich geschieht. Mancher schafft das leider nie….


    Interessant sind eigentlich nur die Konsequenzen, die man aus der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann/ weitergehen sollte, zieht.

    Damit, sich auf sich zu konzentrieren, einen neuen Weg kennenzulernen und erfolgreich zu gehen, sich hilfreiche Werkzeuge zuzulegen und einen Notfallplan zu entwickeln, hat man innerhalb des ersten Jahres eigentlich genug zu tun.


    Verzicht auf Alkohol muss "Lifestyle" werden.

    Oh, das wäre schön, wobei ich es nicht „Verzicht“ nennen würde. ;)

    Leider ist aus verschiedenen Gründen, u.a. aufgrund einer ungeheuer starken Lobby- und Werbearbeit der Alkoholindustrie, in den nächsten Jahrzehnten kaum zu hoffen, dass es dazu kommen könnte. :(

    Die „Gehirnwäsche“, zu der ich mich heute in Pauls Faden geäußert habe, müsste breit durchbrochen und abgestellt werden….


    Wie das Umschwenken vor vielen Jahren in Bezug auf Zigaretten und die Zigarettenindustrie, die ähnlich etabliert waren wie Alkohol, möglich war, ist mir bis heute ein Rätsel. nixweiss0

    Und wie ein „muss“ auf unsere Gesellschaft, die auf ihre Freiheit so große Stücke hält, wirkt, haben wir bei der sogenannten „Maskenpflicht“ sehen dürfen…..


    Natürlich kannst du versuchen, Menschen, denen es ähnlich geht bzw. ergangen ist wie dir, zu erreichen. Hier im Forum zum Beispiel ist dir die Möglichkeit ja gegeben. 😉


    Liegt es am fehlenden Willen, an der magelnden Ernstlichkeit des Unterfangens oder betrifft die Qualmerei einfach eine komplexere Sucht als die Flasche?

    Nach allem, was ich diesbezüglich inzwischen an Fachliteratur, an Erfahrungsberichten gelesen habe und durch meine eigenen Rückfälle zur Qualmerei am eigenen Leib erfahren habe, liegt es wohl nicht daran, dass die Qualmerei eine komplexere Sucht wäre als die Flasche.

    Zwar hat Nikotin offenbar ein höheres Abhängigkeitspotential, aber das bedeutet letztlich nur, dass du erheblich schneller von Nikotin abhängig werden kannst als von Alkohol.

    Umgekehrt wirkt Alkohol offenbar viel tiefer auf die Neurochemie und -biologie des Gehirns und des Körpers allgemein ein als Nikotin das tut.

    Die diversen Erfahrungsberichte enthalten völlig unterschiedliche Erfahrungen. Den einen fällt der Ausstieg aus der Qualmerei verhältnismäßig leicht und sie bleiben problemlos rauchfrei, dafür kämpfen sie aber sehr beim Ausstieg vom Alkohol und werden schlimmstenfalls rückfällig. Den anderen fällt der Ausstieg vom Alkohol verhältnismäßig leicht und sie bleiben mehr oder minder problemlos abstinent, dafür kämpfen sie aber beim Ausstieg aus der Qualmerei und haben u.U. auch mit Rückfällen zu tun.


    Ich zum Beispiel muß mich offenbar zur zweiten Kategorie zählen… :rotwerd:

    Nach meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen liegt es auch nicht am fehlenden Willen oder einer magelnden Ernstlichkeit des Unterfangens.

    Als ich zum Beispiel die Erkenntnis, wohin ich mit meinem Alkoholkonsum auf dem Weg war, zuließ und ich tatsächlich offen dafür wurde, dass ein abstinentes Leben erstrebenswert werden könnte (zufriedene Abstinenz), war der Ausstieg gar nicht sooooo schwer. Mein damaliger Faden hier zeugt davon.

    Was das Rauchen betrifft, so habe ich schon eine Ewigkeit klar vor Augen, was das in meinem Körper anrichtet und meine etlichen Unterfangen, damit aufzuhören, waren zweifellos immer sehr ernstlich und ich habe sehr, sehr viel Energie darein investiert, von dieser Sucht wegzukommen. Und wenn ich‘s geschafft hatte, hatte ich stets die feste Überzeugung und den Willen, nie wieder mit der Qualmerei anzufangen.
    Ich hab‘s vor einiger Zeit endlich wieder geschafft, aus dieser Sucht auszusteigen. Ich hoffe, dass ich damit nun wirklich endlich durch bin. Die Chancen stehen nach allem, was ich inzwischen erreichen dürfte, ziemlich gut.

    Rückfällig wurde in in den letzten Jahren immer dann, wenn ich völlig unerwartet unter höchste psychische Anspannung geriet. Unter einen Druck, der jedes Mal so groß war, dass ich das Gefühl hatte, ihn keinen Moment länger aushalten zu können. - Wer sowas schon mal erlebt hat, weiß, wovon ich spreche…. - In solchen Situationen hat bislang jedes Mal keines meiner eingeübten Werkzeuge geholfen. Ich wusste, was passiert, wenn ich auch nur eine rauche, aber in solchen Situationen war mir „das Hemd näher als die Hose“.

    Ich erkläre mir das damit, dass ich in genau so einer Situation vor ein paar Jahren Nikotin bzw. eine richtig inhalierte Zigarette als sehr, sehr hilfreich erlebt habe, der unerträgliche psychische Druck ließ nahezu unmittelbar deutlich spürbar nach. Keines meiner Notfall-Medikamente hat das je geschafft. - Darf es auch nicht, denn dann hätte es ein überaus starkes Abhängigkeitspotential.

    Nebenbei bemerkt: Ich vermute, dass ich in Teufelsküche gekommen wäre, wenn ich in einer solchen Situation jemals Alkohol konsumiert hätte. DAS aber habe ich ganz bewusst niemals getan, weil ich um die Gefahr diesbezüglich wusste. Bei Zigaretten habe ich damals, als ich diese zum ersten Mal in einer solchen Situation nutzte, diese Gefahr nicht erwartet. - Heute bin ich schlauer. nixweiss0


    Nun zum Willen: Ich habe immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass der Wille, der vorher definitiv da war, nahezu völlig weggewischt war, wenn ich tatsächlich in höchster Not und eigentlich nur als absolute Ausnahme zu Zigaretten gegriffen hatte. Hatte ich einmal wieder geraucht, wollte ich merkwürdigerweise nicht mehr damit aufhören. Als Außenstehender packst du dir einen den Kopf, aber von Innen sieht das aus mir nicht bekannten Gründen anders aus.

    Ich vermute, dass das mit dem hohen Abhängigkeitspotential von Nikotin zu tun hat, weiß dazu aber nichts näheres. Der Wille, nicht rauchen zu wollen, mir diesen Mist nicht antun zu wollen, musste sich jedes Mal aus mir unerfindlichen Ursachen erst wieder aufbauen. Manchmal habe ich nur ein paar Monate dafür gebraucht, zuletzt mehr als ein Jahr.

    Diese Rückfallerlebnisse aber führen mir vor Augen, was passieren KÖNNTE, wenn ich auch nur ein Mal, ausnahmsweise - wer kennt diese Argumentation nicht - Alkohol konsumieren würde. Und dazu will ich es niemals kommen lassen.


    Ansonsten: Nikotin kommt irgendwie nicht so schlimm daher wie Alkohol. Sowas wie einen Rausch erlebst du damit nur, wenn du’s so richtig übertreibst. Dazu kommt’s tatsächlich aber sehr, sehr selten, im Gegensatz zu Alkohol.

    Menschen mit ADHS, die aufgrund der ständigen Reizüberflutung, enorm gefordert und gestresst sind, erleben eine spürbare Milderung, wenn sie rauchen. Dazu gibt’s meines Wissens sogar wissenschaftliche Untersuchungen.
    Das wiederum, diese gewisse Milderung von etwas, das sonst als unangenehm erlebt wird, - mancher dürfte zum Alkoholiker geworden sein, weil er eben nicht zu den „Normalen“ gehört* - KÖNNTE ein Grund sein, warum so manchen Alkoholikern zwar der Ausstieg von der Flasche gelingt, sie aber von den Kippen nicht lassen können.


    *Bezug auf das Buch von Manfred Lütz, „Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde“ ;)


    Ob ich mich nun als "Alkoholiker", "trockener Alkoholiker", "Abstinenzler" oder "Schnullibulli" bezeichne ist völlig egal - mir sollte nur bewusst sein, dass ich ein Problen MIT Alkohol habe und entsprechend auf mich achten muss.
    Das klingt komplizierter und umfangreicher, als es im Endeffekt ist.

    Da stimme ich Greenfox vollkommen zu. Auch ich lebe mit diesem Bewusstsein, auch wenn ich das nicht erwähnt habe. ;)

    Im Prinzip hab ich das immer im Hinterkopf, denn das überaus traurige Beispiel meines Vaters und auch die Erfahrungen, die ich bei meinen Rückfällen mit Zigaretten gemacht habe, gemahnen mich dazu.

    Ich halte mir das nicht immer wieder gemahnend vor Augen, das ist an dem Punkt, an dem ich mit meiner Selbstfürsorge inzwischen angelangt bin, nicht mehr notwendig und deshalb hab ich in meinem Beitrag heute morgen gar nicht daran gedacht.

    DAS aber ist tatsächlich einer der Gründe, warum ICH mich in dieser Online-SHG engagiere. ;)

    Grüße
    AmSee


    Ich habe auch weiter über meine eigene Definition nachgedacht. Dabei habe ich gelernt, dass die Euphorie der Abstinenz auch gerne "Pink Clouds" genannt wird. Und zu den "Pink Clouds" passen die Begriffe wie "Alkoholiker, Krank, Stigma" einfach nicht.
    Ich bin endlich frei! Und ich möchte diese Freiheit geniessen. Und sie ist schön, diese Freiheit.

    Moin NieTho,
    ich lese bei dir immer wieder mit Verwunderung aber durchaus auch mit Interesse, wie sehr die mit der Begrifflichkeit „Alkoholiker“ ringst.
    Die „Hürde“ in dem anderen Forum hat dich offenbar wirklich sehr mitgenommen.

    Meines Erachtens ist es letztlich völlig egal, wie du dich bezeichnest, du könntest es auch „Schnullibulli“ nennen, nur dass in diesem Falle wahrscheinlich kaum jemand etwas mit diesem Begriff anfangen könnte. ;)

    Das, was ich da im Zitat fett hervorgehoben habe, trifft schon eine gute Weile, wie ICH mich fühle. Dein Beitrag hat mich zu ein paar Gedanken inspiriert: Im Grunde wäre ich da nie hingekommen, wo ich jetzt schon eine gute Weile bin, wenn ich nicht ein Alkoholproblem entwickelt hätte. Und wenn ich es so rum betrachte, dann könnte ich MEIN Unglück, ein Alkoholproblem entwickelt zu haben, sozusagen auch als Chance betrachten. Eine Chance, weil mich DAS erst dazu gebracht hat, mich dieser gewissen „Gehirnwäsche“, Alkohol gehöre selbstverständlich zum Leben dazu und wer keinen Alkohol trinken darf ist zu bedauern, zu befreien.

    Natürlich weiß ich, welche Vorstellung allgemein mit dem Begriff „Alkoholiker“ verbunden ist und das nicht nur, weil mein Vater ein sehr trauriges, erschreckendes, anschauliches Beispiel abgegeben hat. Nicht ohne Grund habe ich mich lange dagegen gewehrt und bestritten, ebenfalls alkoholabhängig geworden zu sein. Und ich kenne auch sogenannte trockene Alkoholiker, die sozusagen „mit der Faust in der Hosentasche leben“. Doch die positive Seite, die Chance, die ich selbst und noch ein paar andere in dieser Erkrankung erkennen können, sollte meines Erachtens auch in den Blick genommen werden dürfen.

    Wie schon mal gesagt, ich gebrauche diesen Begriff äußerst selten in meinem normalen Leben, ist für mich nicht (mehr) nötig. Wozu auch. Ich trinke nicht, mag definitiv nicht trinken, vermisse das Trinken überhaupt nicht und ich muss mich dafür nicht rechtfertigen.

    Ich definiere mich insofern gar nicht als krank, wenn ich mich als „Alkoholikerin“ bezeichne.

    Vor ein paar Tagen habe ich von meinem Arzt einen neuen Begriff kennengelernt, der eine Fähigkeit bezeichnet, die mir offensichtlich in den letzten Jahren zueigen geworden ist: Serendipität
    Vielleicht auch für dich interessant? :sun:

    In dem anderen Forum, das eben nicht zu dir gepasst hat, dient das Bekenntnis, Alkoholiker zu sein und (lebenslange) Abstinenz anstreben zu wollen, eigentlich nur als Signal, dass du tatsächlich einen Weg da raus anstreben willst. Im Grunde setzt es später an als wir das hier bereit sind zu tun, nämlich dann, wenn du tatsächlich so weit bist, den Entzug hinter dir hast und bereit bist für einen neuen Weg.
    Als du da aufgeschlagen bist, warst du zweifellos noch nicht so weit….
    Naja, und alles weitere ist diesbezüglich eigentlich schon gesagt. ;)



    Und deswegen ist meine Entscheidung, die Attribute, die man so kennt, nicht anzunehmen, genau richtig. Ich muss weiterhin aufpassen und achtsam sein. Aber das mache ich für mich, weil ich es will, nicht weil ich es muss.

    Nun hat mich meine „Trockenarbeit“ / meine „Selbstfürsorge“ schon viel weiter gebracht, als ich es noch in den ersten Wochen und Monaten, im ersten Jahr gebracht hat und ich muss gestehen, dass es mir auf dieser Basis tatsächlich schon schwerfällt, mich in deine Situation einzudenken und/ oder zu fühlen. So mag manches, was ich oder andere, die schon länger abstinent leben, überheblich rüberkommen, obwohl es gar nicht so gemeint ist.

    Schreib du ruhig gerne weiter von DEINEN Gedanken und Erkenntnissen, es ist wichtig für dich und deine weitere Entwicklung, dass du sie machst, und es dürfte hilfreich für dich und andere (vielleicht auch für mich? nixweiss0) sein, sie zu teilen und sich darüber auszutauschen.


    Zum Thema „müssen“ hätte ich auch noch Geschichten zu erzählen… ;)


    Wünsche dir einen angenehmen Tag!
    AmSee

    Hallo Thomson,


    Seid mir bitte nicht böse, aber die ständige Präsenz des Themas in meinen Gedanken tat mir nicht gut. Daher habe ich weniger geschrieben.

    böse ist dir hier sicherlich niemand. Warum auch?

    Klar hab ich mich gefragt, warum du, nachdem du sooo präsent warst, plötzlich gar nicht mehr schreibst, aber letztlich bleibt es deine Angelegenheit, ob und wie viel du dich austauschen möchtest oder nicht.

    Ich will nicht bestreiten, dass ich von sogenannten „Eintagsfliegen“ oder „Strohfeuern“ inzwischen genervt bin. Es scheint in den letzten Jahren so viele davon zu geben, wenn man sich die vielen mehr oder minder schnell versandenden Threads hier ansieht. Es wäre schön, wenn die, für die ich mir Zeit (und Energie) genommen habe, sich später Zeit (und Energie) für andere Neuankömmlinge nehmen würden, damit es hier zu einem lebendigen Austausch kommt.

    Doch grundsätzlich gilt, dass ich das hier erstens nicht tun müsste, dass zweitens viele Gründe denkbar sind, warum sich jemand nicht mehr meldet, und dass drittens selbstverständlich niemand zum (weiteren) Austausch gezwungen ist.

    Es freut mich natürlich für dich, wenn du mit deiner Abstinenz weiterhin zufrieden bist und einen Weg für dich gefunden hast.
    Und wie viel oder wie wenig Beschäftigung du mit diesem Thema brauchst, kannst letztlich nur du selbst wissen und entscheiden.


    Falls du irgendwann mal Fragen an uns haben solltest oder einfach nur ein Update geben möchtest, bist du hier natürlich weiterhin herzlich willkommen.

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo NieTho,
    das ist richtig schön zu lesen, welche neuen positiven Erfahrungen du machst und Erkenntnisse gewinnst. 44.
    So manches kommt mir bekannt vor. ;)

    Wie du bemerkt hast, komme ich nicht immer - besonders in den letzten Wochen - dazu, dir zeitnah zu antworten.
    Auch wenn’s hier schon seit geraumer Zeit ziemlich ruhig zugeht, findet sich glücklicherweise immer wieder jemand für einen hilfreichen Austausch. 44.

    Gerne lese ich natürlich weiter von weiteren positiven Erfahrungen und Erkenntnissen. Und vielleicht hilft ja gerade das, was du teilen magst, auch jemand anderem weiter.

    Beste Grüße
    AmSee