Hallo Majpb,
Willkommen in unserem Forum.
Ich überlege die ganze Zeit, weil ich mich schuldig dafür fühle, ein Gespräch mit ihm zu suchen, in der Hoffnung dass ich noch zu ihm durchdringen kann, weiß aber nicht genau, ob es die Sache nicht noch schlimmer macht, wieder den Kontakt zu ihm zu suchen.
So, wie du eure Beziehung geschildert hast, würde es mich kaum wundern, dass du Schuldgefühle verspürst, denn du hast dich während eurer Beziehung sehr „für ihn reingehängt“.
Du hast viele Gespräche mit ihm geführt, weil er u.a. das Defizit hat, nicht über seine Gefühle sprechen zu können, und weil er offensichtlich schon vor eurer Beziehung ein Alkoholproblem hatte, aus dem du ihn mit vielen Gesprächen usw. herauszuhelfen versuchtest.
Was du beschreibst, klingt jedenfalls nicht nach einer Beziehung von zwei tatsächlich erwachsenen Menschen. Ich nehme bei dem, was du beschrieben hast, eher ein sehr deutliches Gefälle wahr. Du hast dich um ihn gekümmert, hast Termine bei Ärzten für ihn gemacht, dort für ihn gesprochen. DAS ist eine Verantwortung, die Eltern für ihre Kinder übernehmen.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass du in diese Rolle hineingerutscht bist. So etwas passiert vielen, die mit einem in gewisser Weise hilfsbedürftigen Partner zusammenkommen.
Falls du dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich dir das Thema „Co-Abhängigkeit“.
Nur ist dein Ex eben kein Kind mehr, für das ein anderer Erwachsener die Verantwortung übernehmen müsste, sondern ein erwachsener Mann. Und selbst WENN du die Verantwortung übernehmen würdest, macht er als Erwachsener trotzdem das, was er will, und das geht mitunter in eine ganz andere Richtung. Als Erwachsener ist und bleibt dein Ex für sich selbst verantwortlich und er trifft ja durchaus SEINE Wahl. Du trägst keinerlei Verantwortung für ihn und du musst das auch nicht.
Auch wenn es unheimlich schwer ist, ihm beim Abstürzen zuzusehen, aber erstens dürftest du bei allem, was da bislang geschehen ist, nicht die richtige Gesprächspartnerin sein, und zweitens lässt sich leider niemand, der Alkohol trinken will, der darin seine „Medizin“ sieht, dauerhaft davon abbringen.
Es mag durchaus sein, dass er sehr an deinen Kindern hängt, jedoch dürfte dich dein Bauchgefühl nicht trügen, deine Kinder da raus zu halten und es nicht zum erneuten Kontakt kommen zu lassen.
Viele Grüße
AmSee