Beiträge von AmSee13

    Hallo Brant,

    deinen Notizen entnehme ich, dass du sehr hohe Erwartungen an Menschen zu haben scheinst, die hier die Moderation übernehmen.

    Meine Gedanken dazu (sie sind sachlich, analytisch, nicht als Rechtfertigung oder Vorwurf oder xyz zu verstehen 🤔)

    Ich selbst hege solche Erwartungen nicht. Für mich sind die, die in einer Gemeinschaft wie dieser hier die Verantwortung der Moderation übernehmen, so etwas wie Schiedsrichter im Sport.

    So eine SHG wie diese hier sehe ICH nicht als ein Unternehmen, in dem die Chefetage dafür verantwortlich ist, das Unternehmen mit stets frischem Wind, Ideen und Innovationen am Markt zu halten.

    Für MICH ist das hier eine Gemeinschaft, die mehr oder minder von allen getragen wird, die aktiv daran teilnehmen. Moderatoren sorgen eigentlich lediglich dafür, dass gewisse Regeln eingehalten werden. Ein Problem besteht in der Struktur, dass Moderatoren (und im alten Forum auch Admin) hier gleichzeitig auch normale Nutzer sind. So ist mitunter schwer zu unterscheiden, wann sie in ihrer Aufgabe als Moderator (Admin) schreiben oder als normaler Nutzer, als Selbstbetroffener.

    Nebenbei bemerkt: So, wie ICH das wahrgenommen habe, hat Greenfox (ich in den letzten Wochen des alten Forums ebenfalls) in den vergangenen Jahren die Administration übernommen, weil kein anderer mehr da war (der frühere Besitzer hat sich gar nicht mehr gekümmert), eine gewisse Pflege des Forums aber getan werden musste. - Ich selbst hab zum Beispiel Spam aussortiert, fragwürdige Inhalte gelöscht, Nutzer zu Vollmitgliedern freigeschaltet etc. -

    Er war immer wieder auf der Suche nach Unterstützung, aber es fand sich niemand. Niemand war bereit, für diese Gemeinschaft hier Verantwortung zu übernehmen. Sagt das nicht auch etwas über die Nutzer, dieser Gemeinschaft aus? - ICH jedenfalls kann gut nachvollziehen, wenn er enttäuscht ist.

    Ich frage mich, warum ausgerechnet von diesen paar Nutzern, die immerhin die Verantwortung der Moderation oder sogar Administration übernehmen, etwas erwartet wird, was meines Erachtens bei einer Angelegenheit wie dieser hier - einer Gemeinschaft Selbstbetroffener, die sich zum Zweck der Selbsthilfe zusammengefunden haben - von ALLEN daran Beteiligten und Interessierten erwachsen könnte und meiner Ansicht gegebenenfalls auch sollte.

    Ideen, frischer Wind, neue Energien hätten doch von ALLEN eingebracht werden können. Teilweise wurde sogar explizit dazu aufgerufen. Es kam ja nix. 🤷‍♀️

    Die Dreiheit - Mut (aktiv) - Gelassenheit (passiv) - Weisheit (neutral) begegnet uns ja auf Schritt und Tritt. Die Welt scheint darauf zu basieren.


    In unserer westlichen Kultur wird vieles vom anpacken bestimmt, etwas unbedingt erreichen müssen. Dadurch hat die Gesellschaft zwischenzeitlich und auf Kosten der Natur einen Lebenstandard erreicht der beispielslos in der Geschichte ist.

    Aber glücklicher sind wir nicht geworden, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein wenn ich die ganzen Zivilisationskrankheiten, die wahnsinnigen Ausmasse der Drogensüchte und vieles mehr so anschaue.

    Bin da ganz bei dir.

    Ich denke diesbezüglich ganz ähnlich.

    Und ich habe für mich die Antwort gefunden die dahin gehend lautet, wir tun das um ein Minderwertigkeitsgefühl mit einer Rolle zu überdecken, sich nicht mit dem Ursprung eines "ich bin nicht gut genug" auseinandersetzen zu müssen.

    Da dürfte etwas dran sein, aber ich persönlich denke, dass noch mehr dahinter steht bzw. ich würd‘s aufgrund meiner eigenen Erfahrungen noch etwas anders formulieren. Wobei ich das jetzt gerade nicht formulieren könnte, mir fehlen noch die Worte dafür.

    Ich persönlich habe mich aufgrund meiner EKA-Vergangenheit nie gut genug gefühlt. Des Ursprungs meines Minderwertigkeitsgefühls war ich mir wohl durchaus bewusst und ich hab mich früher auch erfolglos irgendwie damit auseinandergesetzt.

    Ich hab überleben wollen, leben wollen, aber auch verstehen wollen. Und ich war selbst nicht in der Lage, mich selbst zu lieben.

    Heute ist das anders. Ich fühle, dass es einfach ausreicht, dass ich da bin. Und ich liebe es, eine gewisse Verbundenheit mit der Erde zu empfinden, Teil dieser Erde und des Lebens, das sich auf ihr befindet zu sein (das bezieht sich allerdings nicht auf einen größeren Teil der Menschheit, deren Egoismus und Verhalten mich abstößt). Ich bin gerne in der Natur unterwegs, beobachte, rieche, fühle, staune. Und ich bin eben auch da und das reicht.

    Da auch du immer mal wieder auf das andere Forum zu sprechen gekommen bist und du dich in den letzten Tagen, als es um die Weiterexistenz dieses Forums hier ging, eingebracht hast, möchte ich hier in deinem Thread auch dazu gerne etwas von mir teilen.

    Das andere Forum habe auch ich etwas näher kennengelernt. Angemeldet noch unter K. hatte ich mich wegen meiner EKA-Geschichte. Ich hoffte dort auf Austausch und Erkenntnisse. Doch zu dem Zeitpunkt war dort nichts mehr los und Geld bezahlen für etwas, von dem ich nicht wusste, was ich dafür kriege, wollte ich auch nicht.

    Dann übernahm Alex das Forum, machte es kostenlos, baute es neu auf und es blühte richtig auf. Ich war bei diesen neuen Anfängen dabei und ich fühlte mich eine Weile auch recht wohl dort. Ich hab dort auch einiges für MICH mitnehmen können.


    Doch dass ICH mich dort wohl fühlte, änderte sich dann irgendwann. Kurz und gut, ich kam mit einer gewissen Art, mit der Richtung dort nicht zurecht und mir wurde bewusst, dass ICH dort so, wie ich nun einmal bin und auch sein möchte, einfach nicht reinpasste. So bin ich gegangen. Übrigens still, ohne öffentlichen Abschied, denn von einer Konfrontation versprach mich nichts. Hätte doch nur Unruhe gebracht und nix weiter. Andere waren dort ja offensichtlich glücklich und zufrieden, nur ich eben halt nicht mehr länger.

    Hier in diesem Forum war’s für mich auch nicht immer einfach. Und für MICH war’s auch gut und richtig, dass ich eine Zeitlang abgemeldet war.


    Zurück kam ich zunächst, um eine Art Danke zurückzugeben und anderen, die noch am Anfang standen, ein Zeichen, dass es zu schaffen ist. Der weitere Austausch ergab sich dann irgendwie und ich hatte mich in der Zwischenzeit auch verändert.


    In diesem Forum hier habe ICH etwas gefunden, was eben zu MIR passte und so bin ich geblieben.
    Um es zu erhalten und weil Greenfox Unterstützung brauchte - und ich mir eine gute Zusammenarbeit vorstellen konnte - habe ich dann die Moderation übernommen. Und ich hab sie so ausgeführt, wie ich das hier durch andere aktive Nutzer kennengelernt hatte und wie ICH mir eine gute Moderation vorstellte.


    Ähnlich wie Susanne habe auch ich darüber nachgedacht, ob ich mit meinen langen Texten die Nutzer eher zutexte. - In dem anderen Forum sind aus gewissen Gründen und einer gewissen Zielsetzung dort zumindest die ersten Texte bewusst kurz gehalten. - Doch ich konnte mich irgendwie nicht so kurz halten, wie die in dem anderen Forum, dass war irgendwie nicht meins und es passte für mich irgendwie nicht. Außerdem hatte ich selbst die Erfahrung gemacht, wie viel ICH persönlich von den langen Texten von Susanne und auch von Gerchla hatte. Und so habe ich mich hier eben eingebracht, wie ICH eben auch bin, ohne mich für irgendwas oder irgendjemanden zu verbiegen.

    Das, was hier auf der Startseite im Willkommenstext formuliert ist, basiert auf all diesen Erfahrungen:

    Wichtiger Hinweis
    Mancher Neuankömmling ist unzufrieden, weil eine SHG nicht so ist, wie ER/SIE sich das wünscht, und es kommt zu Unmut… Im Austausch miteinander und aufgrund unserer eigenen Erfahrungen haben wir festgestellt, dass es DEN EINEN WEG, der für ALLE passt, nicht gibt, sondern jeder für sich selbst herausfinden muss, was zu ihm passt und was nicht. Und so verschieden diese Wege auch sein mögen, so verschieden sind auch die Selbsthilfegruppen, die von Selbstbetroffenen betrieben werden. Angesichts dessen gilt für jede/n, dass sie/er sich die SHG suchen muss, die zu IHREN/ SEINEN Bedürfnissen passt - und eben nicht, dass die Gruppe sich an sie/ihn anpassen muss. Unter Umständen bedeutet das, dass man sich mehrere Gruppen ansehen muss, bis man die für sich wirklich geeignete gefunden hat. Insofern sind die Selbsthilfegruppen untereinander nicht als „Konkurrenz“ zu betrachten, sondern als Alternativangebote.


    Interessanter ist da für mich wie sind die Mechanismen, Strukturen innerhalb einer Gemeinschaft festgelegt und wie gehen die einzelnen Mitglieder mit Macht, Kontrollausübung, Manipulation, usw also durchhaus menschliche Eigenschaften um. Und um diese unsichtbaren Fäden zu erfahren ist es für mich fast Fakt das der stille Beobachter erfolgreicher ist als derjenige der sich ins Getümmel schmeisst und diskutieren will.

    DAS ist etwas, was auch mich interessiert und ich finde es immer wieder spannend. Stiller Beobachter konnte ich nur eher selten sein, auch wenn ich das mitunter ganz gerne bin. Ins Getümmel habe ich mich mitunter geschmissen und tue das auch noch heute, weil ich nicht immer

    die Klappe halten will. Manchmal geht’s dabei um Unrecht, manchmal geht’s um Moderation.

    Mit den richtigen Gesprächspartnern - Susanne ist für mich so jemand - macht das Diskutieren mitunter richtig Spaß und dient der Perspektiverweiterung.

    Hallo Brant,

    einige Formulierungen und Gedankengänge deines Beitrags vor zwei Stunden hier sprechen mich an, weil sie MIR so bekannt vorkommen bzw. mir, obwohl meine eigene Geschichte völlig anders verlaufen ist als deine, vertraut sind. Deswegen möchte ich hier in deinem Thread gerne etwas von mir teilen.

    Mut habe ich immer wieder aufgebracht oder vielmehr aufbringen müssen, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Nicht selten war es der Mut der Verzweiflung. Und dann kam irgendwann der Punkt, da konnte ich nicht mehr. Da war keine Energie mehr, kein Mut, kein Lebenswille.

    Wegen eines letzten Fünkchens Lebenswillen, der da noch in meinem Inneren war, hab ich mich im Herbst 2015 in eine Klinik für Depressionserkrankungen begeben.

    Ich wurde wieder stabilisiert, hatte einiges dazu gelernt, stieg wieder ein, brachte wieder unendlich viel Mut auf, kämpfte gegen zahlreiche Widerstände und hätte es fast geschafft. Doch was auch immer da alles eine Rolle gespielt hat, mein Körper konnte offenbar nicht mehr, wehrte sich gegen sich selbst (MS).

    Im Nachhinein betrachtet war das Trinken vielleicht noch so etwas wie ein letztes Aufbäumen, mir etwas zurückzuholen, was verloren war, Lebensfreude. Und unter Alkohol konnte ich auch funktionieren. Der Ausdruck „Kartenhaus“, den du gewählt hast, könnte nach meinem Empfinden auch auf meine damalige Situation passen.

    Die Fähigkeit, mich zurückzulehnen, Dinge sein zu lassen, die ich nicht ändern kann, Gelassenheit durfte ich dann nach und nach lernen. Und ich bin auch heute noch dabei. Was das eigentlich bedeutet und wie viel ich daraus für MICH gewinne, begreife ich nun erst so richtig. Und ich bin äußerst dankbar für diese Erfahrung. Sie trägt mich inzwischen, auch durch meine Erkrankungen. Und mit einem Mal wird das Leben für mich in gewisser Weise leicht.

    Abstinenz war auch für mich zunächst ein Weg aus einer Art Hölle.

    Dass ich dann schließlich eine Art Himmel gefunden habe, ist für MICH umso schöner.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Nana,

    ich hab mich natürlich gefreut, nochmals von dir zu hören und dass es dir gut geht.

    Das liest sich sehr gut, was du von dir erzählst. 👍

    Viel Erfolg wünsche ich dir für die im nächsten Jahr anstehende Reha.

    Auch wenn’s noch zwei Tage bis zu deinem Einjährigen sind, gratuliere ich dir schon heute dazu. 🎈

    Mögen noch viele, viele zufrieden abstinente Jahre folgen. 🍀

    Herzliche Grüße

    AmSee

    Liebe May,

    wie geht’s dir wohl heute?

    Hast du deine Pläne gestern gut umsetzen können?

    Ablenkung durch zum Beispiel Kartons packen ist auch ein hilfreiches Mittel. Wenn dabei auch noch Zufriedenheit herausspringt, das, was du dir vorgenommen hast, bewältigt zu haben und sichtbaren Erfolg vor dir zu haben, umso besser. :) :thumbup:

    Zum Einkaufen gehen: Ich persönlich denke nicht, dass das etwas mit Verstecken zu tun hat, sondern eher im positiven Sinne mit Bewusstheit und mit Achtsamkeit. Gestern wäre Einkaufen-Gehen möglicherweise noch kontraproduktiv für dich gewesen, hätte dich zu nah an den Alkohol gebracht und du dürftest im Gefühl gehabt haben, dass du dich der Konfrontation noch nicht stellen solltest. Das ist nichts anderes als Bewusstheit und Achtsamkeit.

    Und DAS ist zweifellos keine schlechte Strategie.

    Wenn du den Informationstext über „Bewahrung der eigenen Abstinenz durch Selbstfürsorge“ schon entdeckt hast, weißt du, dass es zwei unterschiedliche Wege gibt. Ich selbst bin anfangs auch den Weg der „Vermeidung“ gegangen und nicht den Weg der „Konfrontation“. Für MICH war das äußerst hilfreich, gewissen Bereichen ganz bewusst aus dem Weg zu gehen. Erst später, als ich mich tatsächlich gefestigt fühlte, bin ich in die Konfrontation gegangen.

    Wenn du achtsam mit dir umgehst, wirst du wissen, wie du das mit dem Einkauf erledigen kannst und dich entsprechend darauf vorbereiten. Und Vor-Bereitung ist die halbe Miete. ;)


    Liebe Grüße

    AmSee

    Kurz dazu:

    . . . da müßte ich dann wohl auf Schlaftabletten umsteigen . . . ich wollte mich mit übermäßigem Alkoholkonsum betäuben und das ist mir auch gelungen.

    Das ist ein Trugschluss, dass man von Alkohol besser schlafen kann.

    Eher das Gegenteil ist der Fall. Schlaf unter Alkoholeinfluss ist tatsächlich nicht so erholsam. ;)

    Wenn du’s durchziehst, dürftest du eine Veränderung deines Schlafes bemerken.

    Solltest du da tatsächlich weiterhin Schwierigkeiten haben, gibt es andere erheblich weniger schädliche Möglichkeiten.


    Ja, das Betäuben, welcher Alkoholabhängige kennt das nicht….

    Dummerweise können die Sorgen und Probleme, diese Biester, schwimmen.

    Wenn du wieder wach und nüchtern bist, sind die immer noch da. ;)

    Für viele Alkoholabhängige ist das Sich-den-Problemen, Sich-den-Schmerzen stellen, eine der größten Herausforderungen. Ohne Alkohol ist das aber möglich, mit Alkohol unmöglich.

    Ich hab hier unter unserer Linksammlung mal den Link zu einem anschaulichen Kurzfilm gefunden, vielleicht ist dieser Kurzfilm ja interessant oder aufschlussreich für dich: Kurzfilm „Nuggets“

    Grüße

    AmSee

    Ja, ich habe mich soeben durch den langen Text gearbeitet. ;)

    Gerne sogar.

    Da gibt’s so einiges, auf das ich dir antworten möchte und gewiss auch werde. Hab da aber ein bisschen Geduld, denn ich muss mich nun erstmal um was anderes kümmern.

    Außerdem hab ich dir gerade soooo viel geschrieben, wofür du dir gerne etwas Zeit nehmen darfst. 😉

    Wir lesen uns.

    Viele Grüße

    AmSee

    Und nun noch etwas Konkretes zu dem Sog, den du täglich verspürst.

    - WARNUNG: Dieser Text wird etwas länger, was überfordernd wirken könnte. Lass dir für die Lektüre ruhig Zeit, hier eilt NIX. ;) -


    Als ICH aufgehört habe, habe ich von den Erfahrungen und Werkzeugen profitiert, die ich bei meinen zahlreichen Ausstiegen aus meiner Nikotinsucht gesammelt hatte.

    Abgesehen von dem Leidensdruck, der groß genug sein sollte, um tatsächlich aussteigen zu WOLLEN, ist eine Veränderung der Gewohnheiten und des üblichen Tagesablauf äußerst hilfreich.

    Der Belohnungszentrum, jetzt nenne ich es mal „Suchtgedächtnis“, weil das in diesem Zusammenhang zutreffender ist, ist auch an Gewohnheiten gekoppelt. Mit anderen Worten, es wird von gewissen Gewohnheiten und Erwartungen getriggert.

    Alkohol sorgt im Gehirn - solange du nicht das Stadium erreicht hast, in dem das Ganze gar nicht mehr funktioniert und dir nichts anderes mehr übrig bleibt als Saufen zu MÜSSEN, weil ein Absenken des Spiegels zu unerträglichen Entzugserscheinungen kommt - für eine Ausschüttung von Glücksbotenstoffen (Endorphine, Dopamin usw.).

    Im Suchtgedächtnis reicht schon die Erwartung, die Aussicht, dass es gleich zur Belohnung kommt, für die Ausschüttung dieser Hormone. Und diese Erwartung/ Aussicht muss befriedigt werden, sonst wird’s ungemütlich.

    Und das ist im Prinzip dieser Sog, der dich fast wie ferngesteuert zum Supermarkt fahren lässt. Und diese ganzen Tricks, Gedanken „Es kriegt doch eh keiner mit“ gehören dazu. Manche fassen diese ganzen Gedanken, die da so zusammenkommen können, unter die Vorstellung eines sogenannten Sucht-Teufelchens :evil: zusammen.

    Diesen Sog zu dem Zeitpunkt, in dem er auftritt, bewältigen zu wollen, ist gar nicht mal so einfach. Da spielt Verschiedenes u.a. die eigene Neurochemie eine Rolle. - Falls dich das Thema näher interessiert, kannst du in unserer Linksammlung fündig werden oder ich schicke dir den einen oder anderen Link zu diesem Thema. -

    Deshalb ist eine entsprechende VOR-Bereitung, also vorher entsprechend für sich zu sorgen, ungemein hilfreich, damit es möglichst gar nicht erst zu einer Sog-Situation kommt.

    Das bedeutet zum Beispiel eine Änderung der eigenen Gewohnheiten, des Tagesablaufs, eigener Strukturen.

    Konkret bedeutet das zum Beispiel, den Einkauf zu einem anderen Zeitpunkt zu erledigen und auch anders einkaufen zu gehen. Vielleicht sogar in einen anderen Markt einkaufen zu gehen.

    Konkret bedeutet das, dich auf die Suche zu begeben, was DIR eigentlich wirklich gut tut.

    Es kann durchaus sein, dass dir da zunächst gar nichts einfällt, aber das macht nichts, irgendwann kommt aus deinem Inneren eine Antwort.

    Konkret bedeutet das zum Beispiel auch, hier im Forum zu schreiben und sich mit anderen auszutauschen (Keine Sorge soooo schnell machen wir hier nicht dicht. Wir lassen den anderen Nutzern genügend Zeit, die Information zu lesen, dazu zu antworten und sich ggf. zu verabschieden).


    Zu dem Punkt, was dir gut tun konnte, eine Erfahrung, die ich selbst gemacht habe:

    Als ich wegen Depressionen in der Klinik war, sagte man mir, ich sollte tun, was mir gut tut.

    Ich kann dir sagen, mir fiel zunächst nichts ein. Ich wusste zwar, dass was Menschen so im Allgemeinen gut tut und es gibt ja auch Listen, aber irgendwie hatte das gefühlsmäßig nichts mit MIR zu tun. Da kam gefühlsmäßig nix von bei mir an.

    Dass ich zu dem Zeitpunkt ständig kilometerweit spazieren ging, weil ich das irgendwie für mich brauchte und wollte, hatte ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht auf dem Schirm.

    Bei einem dieser Spaziergänge aber ging ich dieser Frage nach und fühlte in mich hinein. Eine ganze Weile kam da gar nichts und dann PLÖTZLICH „Warmes Körnerkissen“. Ich mag den Geruch und diese Wärme.

    Von da an, habe ich bewusst immer wieder zum Körnerkissen gegriffen, wenn ich mir was Gutes tun wollte.

    Einmal auf eine Idee gekommen, stellten sich dann so nach und nach weitere Dinge ein, die MIR wirklich gut tun.


    Und diese baute ich dann bewusst in meinen Tagesablauf ein und teilweise auch in meinen sogenannten „Notfallkoffer“. Der ist aber noch ein anderes Thema, dem du dich nicht unbedingt jetzt schon stellen musst, um dich nicht zu überfordern.

    Kurz zusammengefasst ist so ein „Notfall-Koffer“ eine Sammlung deiner persönlichen, als höchst wirksam erfahrenen Exit-Strategien.

    Ich lass das erstmal so stehen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo May,

    wie geht es dir denn heute? Du bist ja noch mitten drin im Entzug. Pass diesbezüglich bitte gut auf dich auf.

    Selbst wenn du jetzt nicht zum Arzt gehst, lohnt es sich für dich, dich in der nächsten Zeit mal körperlich durchchecken zu lassen und deine Blutwerte untersuchen zu lassen.

    Du kennst zwar diesen mehr oder minder starken Kater am Morgen und beobachtest außer Gewichtszunahme keine weiteren Nebenwirkungen deines Alkoholmissbrauchs, aber möglicherweise wird es dir ähnlich gehen wie mir, wenn du eine Weile abstinent bist.

    Ich wusste zwar, als ich noch trank, dass Alkohol ein Nervengift ist und an verschiedenen Stellen im Körper Schaden anrichten kann, aber was das für MICH eigentlich bedeutet, habe ich verdrängt bzw. nicht sehen wollen. Ich wollte ja gerne Alkohol trinken und hab mir davon jede Menge Lebensfreude und gute Lebensart, auch Savoir Vivre genannt, versprochen.

    Wie sehr mir mein Alkoholmissbrauch körperlich und psychisch tatsächlich zugesetzt und geschadet hat, wurde mir erst im Laufe meiner Abstinenz deutlich. Und ich kann dir versichern, dass das für MICH eine sehr prägende Erfahrung war. Ich hab ja nun krankheitsbedingt ein paar Handicaps und musste mich darauf einlassen, damit zu leben. Hab ich ja auch. Die Abstinenz jedoch brachte mir etwas zurück, von dem ich nicht erwartet hätte, dass ich das nochmals erleben dürfte. Das bedeutet nicht, dass nun alles immer eitel Sonnenschein ist, aber grundsätzlich geht’s mir körperlich und psychisch besser als zu Zeiten, in denen ich noch getrunken habe. Was für ein Geschenk ich mir mit meiner Entscheidung, mich vom Alkohol zu befreien, gemacht habe!

    Und noch etwas mehr dazu:

    Ich las etwas von zufriedener Abstinenz und das schien mir mit einem Mal so verlockend, dass ich da hin wollte. Dass ich weg wollte, von dem, was war.

    Als ich mich hier angemeldet habe, war ich soweit, mich meinem Problem zu stellen, denn mir war bewusst geworden, dass ich so nicht weiter machen will.

    Meiner eigenen Erfahrung nach - und die hat sich im Austausch mit anderen Hilfesuchenden bestätigt - ist entscheidend, sich bewusst zu sein oder zu werden, wovon man eigentlich weg will. Der Leidensdruck muss sozusagen groß genug sein, um es tatsächlich angehen zu wollen und dabei erfolgreich zu sein.

    Als ich hier im Oktober 20 aufschlug, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ein Leben ohne Alkohol tatsächlich ein schönes Leben sein könnte. Ich hatte nur diesen Verzichtsgedanken im Kopf, das heißt, was ich alles aufgeben müsste.

    Ich hab dann an dem Gedanken gearbeitet, dass ich nicht verzichte, sondern mich von etwas befreie. Ich konnte ja noch nicht wissen, wie angenehm ein Leben ohne Alkohol sein würde.

    Heute und schon eine ganze Weile geht’s mir nahezu so, dass ich mich frage, warum die Menschen überhaupt so wild auf Alkohol sind. Ohne ist es doch so viel schöner. Ich kann alles, was ich mir vom Alkohol versprochen habe, ohne dieses Hilfsmittel Alkohol. Ich kann richtig Spaß haben, feiern, tanzen, albern sein, mich entspannen, den Feierabend und das Wochenende genießen und das gänzlich ohne lästige, unangenehme Nebenwirkungen. ;)

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo May,

    ich gehe mal auf das eine oder andere ein, vielleicht kannst du damit etwas anfangen.

    Du erzählst von diesem Sog. Einen solchen habe ich erlebt, als ich noch getrunken habe und mein Problem vor mir verleugnet habe bzw. einfach nicht sehen wollte oder konnte.

    Ich hätte zu dem Zeitpunkt nicht an „Suchtdruck“ gedacht, denn ich war ja noch überzeugt, kein Problem zu haben, sondern meinen Konsum selbst noch kontrollieren zu können.

    Ob das schon „Suchtdruck“ ist oder nicht, spielt letztlich eigentlich keine Rolle. Fakt ist aber, dass du deine eigenen Vorsätze immer wieder mehr oder minder ungewollt brichst.

    Im engeren Sinne wird meiner Erfahrung dieser Begriff „Suchtdruck“ gebraucht, wenn man sich tatsächlich schon bewusst ist, Alkoholiker zu sein, abstinent leben will und plötzlich aus mehr oder minder heiterem Himmel ein nahezu unerträgliches Verlangen aufkommt, sich Alkohol besorgen und trinken zu müssen.

    Es gibt einen Faden im Infobereich, der sich mit diesem Thema beschäftigt, vielleicht hast du ihn schon entdeckt.

    Mir selbst hat geholfen, mich näher mit der Neurobiologie des Gehirns zu beschäftigen, um zu verstehen, was da eigentlich im Kopf abgeht. Das machte das, was da mit mir so abgeht, nachvollziehbar und bot mir Punkte, an denen ich ansetzen konnte.

    Kurz zusammen gefasst, hat dieser Sog, den du immer wieder erlebst, etwas mit dem sogenannten Belohnungszentrum im Kopf zu tun. Alkohol sorgt für eine Ausschüttung bestimmter Botenstoffe und zwar in einem viel größeren Maß, als das auf natürliche Weise zu erreichen ist. Und das Tolle daran, was sich dein Belohnungszentrum merkt, ist, dass du NIX dafür tun musst außer Alkohol zu konsumieren. Die ganzen Schattenseiten blendet es vollkommen aus, die haben mit ihm ja auch gar nichts zu tun. Die Aussicht auf die Belohnung lässt dich wie ferngesteuert, immer wieder zum Alkohol greifen.

    Zu deiner Frage: Ja, auch du könntest es schaffen, dem Ganzen zu entkommen und dem Sog zu widerstehen.

    Wie? - Nun, den ersten Schritt hast du gemacht: Du hast dir eingestanden, dass du ein Problem hast und dich hilfesuchend an dieses Forum hier gewandt.

    Im nächsten Schritt wird’s darum gehen, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen, und dir darüber klar zu werden, was DU eigentlich willst. Willst du weiterhin versuchen, deinen Konsum unter Kontrolle zu bringen, oder geht’s in eine andere Richtung?

    Mir selbst wurde, als ich hier vor bald drei Jahren aufgeschlagen bin, durch den Austausch mit anderen bewusst, dass ich’s eigentlich nicht mehr kontrollieren kann. Ich kannte mich inzwischen gut genug, um mir sicher zu sein, dass der Versuch, es kontrollieren zu wollen, ein so großer Kraftakt für mich wäre, dass ein regelmäßiges Scheitern zu erwarten war. Mir war klar, dass es für MICH die bessere Entscheidung wäre, es ganz bleiben zu lassen.

    Ich las etwas von zufriedener Abstinenz und das schien mir mit einem Mal so verlockend, dass ich da hin wollte. Dass ich weg wollte, von dem, was war. Ich war zuletzt übrigens auch bei 2 Flaschen Wein pro Abend, kurz bevor ich mich hier anmeldete, waren‘s sogar mehr.

    Das war jetzt schon ein etwas längerer Text. Ich hoffe, nicht zu lang.

    Viele Grüße und gutes Ankommen hier (eine Weile ist das Forum ja noch da)

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, May,

    nein, allein bist du mit deinem Problem in der Tat nicht.

    Diese „Geschichte“ mit dem zu viel trinken, kommt mir ziemlich bekannt vor. ;)

    Du schreibst, dass du dir schon mehrfach vorgenommen hast, keinen Alkohol zu trinken, deinen Vorsatz aber nicht einhalten konntest. - Wie war das denn so bei dir, was hat dich deinen Vorsatz immer wieder über Bord werfen lassen? - War es so etwas wie Suchtdruck oder hattest du dich im Kopf noch nicht wirklich vom Alkohol verabschiedet?

    Meine eigene Erfahrung war, als ich meine Vorsätze, nicht oder weniger oder kontrolliert Alkohol zu trinken, nicht eingehalten habe, dass ich mich vom Alkohol eigentlich gar nicht verabschieden wollte. Bevor ich Ende Oktober 20 hier aufschlug und auch noch in der ersten Zeit nach meiner Anmeldung hier, habe ich mir ein zufriedenes, glückliches Leben ohne Alkohol gar nicht vorstellen können und wollen.

    Hinweisen möchte ich dich unbedingt auf die Gefahren eines sogenannten „Kalten Entzugs“. Wenn du regelmäßig Alkohol getrunken hast, ist ein völliger Entzug nicht ganz ungefährlich. Achte bitte auf dich und suche, wenn’s ernst werden sollte, einen Arzt auf. Hier findest du Informationen zu Entzugserscheinungen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Der Faden ist schon etwas älter, aber im Grunde ist er zeitlos. ;)

    In diesem Sommer ist dieser alkoholfreie Cocktail unser Favorit:

    Wir haben ihn „LiMiGi“ getauft:

    Zutaten:

    1 Bio-Limette

    Frische Blätter von Marokkanischer Minze oder Pfefferminze

    1/2 Tl brauner Zucker

    Ginger Ale

    Eiswürfel

    Zubereitung:

    Limette in Spalten oder Scheiben schneiden und ins Glas geben. Dazu Minzblätter und Zucker.

    Mit einem irgendwie geeigneten Werkzeug stampfen, damit Saft und Aromen austreten. Durchmischen und mit Ginger Ale und Eiswürfeln auffüllen.

    Hallo Majpb,

    ich sehe dich zwischendurch immer mal wieder online.

    Gerne darfst du mit uns teilen, wie die bisherigen Antworten bei dir angekommen sind und/ oder was dich beschäftigt. Ganz kurz oder auch etwas länger. Natürlich darfst du auch schreiben, wenn dich etwas/ eine Antwort überfordert oder du etwas erst sacken lassen musst oder oder oder.

    Grüße

    AmSee

    Was du tun kannst?

    Greenfox hat dir da am Ende seines Beitrags einen guten Tipp gegeben.

    Für IHN kannst du nicht sorgen, aber für DICH und damit auch für deine Kinder.

    Es kann unheimlich hilfreich sein, mit anderen Angehörigen von Alkoholikern in einer Selbstgruppe zu sprechen. Sei es über (unberechtigte) Schuldgefühle, sei es, wie die Kinder reagieren und wie du mit ihnen darüber reden kannst und das Problem erklären.

    - Achte, wenn möglich darauf, dass er deine Kinder nicht sprechen kann. Aus eigener Erfahrung mit meinem Vater, der Alkoholiker war und regelmäßig abgestürzt ist, habe ich noch sehr gut in Erinnerung, wie manipulativ ein Alkoholiker sein kann. Mein Vater hat uns Kinder benutzt, um seine Ziele zu erreichen. Er hat das nicht böse gemeint, aber als nasser Alkoholiker ist man emotional außerordentlich instabil und nicht selten hält der Alkoholiker sich selbst für das Opfer.


    Es geht beim Austausch in einer Selbsthilfegruppe nicht nur darum, das Ganze rational - vom Kopf her - zu klären, sondern auch emotional. Eine Selbsthilfegruppe vor Ort kann da eine sehr wichtige Ressource sein.