Beiträge von AmSee13

    Hallo Dinto.

    Zunächst einmal: Ich denke, es ist gut für DICH, wenn du dich austauschst, sei es hier oder im anderen Forum.

    Das Ausformulieren kann dir helfen, deine Erlebnisse mit ihr zu sortieren, zu bündeln und dich dabei selbst ein wenig zu sortieren.

    Ich bitte dich, schau dir nochmals genau an, was DU für deine Freundin getan hast,

    und schau dir das an, was deine Freundin selbst für sich getan hat.

    Erkennst du das Muster darin?

    Deine Freundin ist zwar krank, aber sie ist eine erwachsene Frau, sie trifft ihre eigenen Entscheidungen, ob die richtig sind oder falsch, spielt dabei erstmal keine Rolle, es reicht festzustellen, dass sie ihre eigenen Entscheidungen trifft.

    Was du versuchst, ist, sie zu behüten, zu bemuttern und was kommt am Ende dabei heraus?

    Sie macht, während du deinen guten Freund triffst, macht sie mit ihrer Mutter und einer „Freundin“ ordentlich einen drauf.

    Und WER sorgt sich anschließend, macht sich Gedanken? - DU.

    Du meldest sie krank, du nimmst dir drei Tage Urlaub, nüchterst sie Schritt für Schritt aus, baust sie auf. Du gehst mit ihr zum Arzt.

    Und was macht SIE?

    Stell dir mal vor, dass das jetzt noch 10 Jahre so weiter läuft.

    Was dürfte alles noch passieren, bis du es überhaupt nicht mehr erträgst und selbst völlig hinüber bist?

    Hallo und herzlich Willkommen auch von mir. 🙋‍♀️

    Ich kann das, was Orangina dir geantwortet hat, nur bestätigen.

    Für eure Beziehung ist das jetzt in der Tat eine harte Zeit. Und sie für beide Seiten hart.

    Ich kann dir zusätzlich zu dem, was Orangina dir bereits geraten hat, nur noch empfehlen, dich in das Thema einzuarbeiten. Nimm dabei nicht nur die Sicht des Alkoholikers in den Blick, sondern auch die des Angehörigen.

    Das hat ja durchaus auch seine Berechtigung, was DU fühlst!

    Nur ist deine Partnerin dafür im Moment nicht der richtige Ansprechpartner. Von daher ist es gut und auch wichtig für DICH, dass du dich hier angemeldet hast und Hilfe zur Selbsthilfe suchst.

    Ich halte es für wichtig, dass du nachvollziehen kannst, was mit ihr los ist, ich halte es aber auch für genauso wichtig, dass du dich jetzt auch um DICH kümmerst.

    Hier zu schreiben kann eine gute Hilfe sein.

    Ansonsten findest du in unserer Bücherecke und in unserer Linksammlung hilfreiches Material.

    So schwer das jetzt für dich und auch für sie ist. Im Moment dürfte alles offen sein. Alkoholiker, die abstinent werden, verändern sich. Das ist auch richtig und wichtig für sie, denn das hat nicht selten seine Gründe, warum jemand in die Alkoholsucht abgleitet.

    Deine Partnerin wird sich völlig neu finden müssen. Das ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance.

    Ich selbst habe in meinem Leben oft die Erfahrung gemacht, dass es auf die Perspektive ankommt, wie man etwas betrachtet.

    Vielleicht hilft es dir, das, was da vor euch liegt, als Chance zu betrachten.

    Ich wünsche dir ein gutes Ankommen hier.

    Viele Grüße

    AmSee

    Dann schreib ich auch mal was dazu. 😉

    Brant und seine Vorschreiber haben nicht ganz unrecht, wenn sie im Laufe ihrer Abstinenz auch andere Abhängigkeiten und nicht unbedingt gesunde Gewohnheiten und dabei auch „Genussmittel“ in den Blick nehmen und hier in einem Thread auf das Thema eingehen.

    Koffein ist ja in der Tat nicht ganz unbedenklich, insofern darf Koffein-Konsum durchaus hinterfragt bzw. auf den Prüfstand gestellt werden.

    Ich selbst musste, als ich Brants ersten Beitrag zu dem Thema hier las, an die Diskussion um das sogenannte „Kontrollierte Trinken“ denken, denn die, die auf Alkohol nicht verzichten wollen und aus gesundheitlichen Gründen auch nicht müssten, begründen ihre Vorgehensweise entsprechend. Ich war nämlich selbst geneigt, meinen Koffeinkonsum zu verteidigen. 😉

    Als mir DAS auffiel, habe ich erstmal Abstand von einem Beitrag genommen. *grins*

    Und wer von uns ist nicht auch mit dem Thema „Suchtverlagerung“ vertraut?

    Ich hab Menschen kennengelernt, bei denen ihr Kaffee-Konsum tatsächlich schon etwas von Abhängigkeit, von Sucht hatte. Mein Vater war in der Beziehung auch so ein Beispiel: Der hat starken, schwarzen Kaffee kannenweise konsumiert.

    Ich selbst hab‘s im Laufe meines Lebens äußerst selten übertrieben. Zu viel Kaffee führte bei mir zu Herzrasen und Magenproblem.

    Koffein nehme ich seit ein paar Jahren in der Regel nur noch in Form von Cappuccino - ohne Zucker - (wir haben eine Siebträgermaschine) oder ab und zu mal einem Espresso zu mir. Da kommen über den Tag verteilt vielleicht insgesamt bis zu sechs Tassen zustande und es fühlt sich nicht so an, dass das zu viel wäre.

    Ich hab tatsächlich schon mehrfach an einer Kaffeefrei-Challenge teilgenommen. Ja, war ne Erfahrung und am Anfang in der Regel etwas unangenehm, aber ich hab meinen „Koffeingenuss“ nie als eine Form von Sucht wahrgenommen, daher habe ich auch nie das Bedürfnis verspürt, mich daraus befreien zu wollen oder zu müssen.

    Mit Zucker verhält sich das bei mir tatsächlich ein bisschen anders. Seit ich da mal an so einer Zuckerfrei-Challenge teilgenommen habe und mich in das Thema Zucker eingearbeitet habe, gehe ich anders mit meinem Zuckerkonsum um und Zucker insgesamt drastisch reduziert.

    Hallo Brant,

    ich schätze dein Engagement sehr, aber gib bitte genau Acht und prüfe gut, welche Webseiten du hier verlinkst.

    Wir wollten uns hier im Forum die Möglichkeit, hilfreiche Inhalte zu verlinken, nicht nehmen lassen, das bedeutet aber, dass wir genau aufpassen müssen, worauf wir ggf. verlinken.

    Bei der Seite, die ich vorhin rausgenommen habe, wurde - abgesehen davon, dass die Seriösität dieser Webseite in Zweifel gezogen wird - auf Alternativen verwiesen, die nicht unbedingt unproblematisch sind.

    Auch die Webseite, die ich eben rausgenommen habe, ist nicht unproblematisch.

    Grüße

    Am See als Moderatorin

    Heute hatte ich wieder ein Erlebnis, das ich unter den Begriff Serendipität einordnen würde.

    Durch Zufall war ich vor ein paar Wochen in Kenntnis eine Bitte um Hilfe an meine ehemaligen Kollegen gelangt. Da diese sich aus Zeitgründen der Aufgabe nicht annehmen konnten, habe ich das übernommen. War schließlich mein Fachgebiet.

    Heute habe ich den Menschen, der um diese Hilfe gebeten hatte, persönlich kennengelernt. Und was soll ich sagen? Was für eine Bereicherung, diesen Menschen kennengelernt zu haben.

    Es ergab sich, dass wir uns nicht nur über die Aufgabe, sondern auch noch über andere Interessen ausgetauscht haben, die mich grundsätzlich auch interessieren. Und ich hab echte Inspiration für weitere Möglichkeiten/ Vertiefung meiner Interessen erfahren. Die Begegnung war wie ein Katalysator.

    Es geht nicht unbedingt darum, das Beste aus allem zu machen, sondern offen zu sein für mögliche Chancen und diese auch zu erkennen, wenn sie einem begegnen.

    Ich jedenfalls hab mich richtig gefreut und weiß diese Begegnung/ dieses Ereignis wirklich zu schätzen.

    Im Herbst


    Der schöne Sommer ging von hinnen,

    Der Herbst, der reiche, zog ins Land.

    Nun weben all die guten Spinnen

    So manches feine Festgewand.

    Sie weben zu des Tages Feier

    Mit kunstgeübtem Hinterbein

    Ganz allerliebste Elfenschleier

    Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

    Ja, tausend Silberfäden geben

    Dem Winde sie zum leichten Spiel,

    Sie ziehen sanft dahin und schweben

    Ans unbewusst bestimmte Ziel.

    Sie ziehen in das Wunderländchen,

    Wo Liebe scheu im Anbeginn,

    Und leis verknüpft ein zartes Bändchen

    Den Schäfer mit der Schäferin.

    Wilhelm Busch

    Ok, gute Idee, bin dabei, wenn du Sportskanone mich nicht überforderst. 8o

    Nur so interessehalber: Welchen Hintergrund haben diese 33 Stunden Regeneration, also wie setzt sich eine halbe Stunde intensiv laufen mit anschließenden 33 Stunden Regeneration zusammen? 🤔


    Apropos, da fallen mir die guten Vorsätze ein, die viele sich regelmäßig nach Silvester für das neue Jahr einfallen lassen und dann aus den unterschiedlichsten Gründen doch nicht halten.

    Hab bezüglich Umsetzung von Vorsätzen/ Zielen mal gelernt, wie hilfreich sogenannte SMART-Ziele sein können. Könnte man hier vielleicht mal einbauen? 🤔 Was meinst du/ meint ihr dazu?

    SMART ist eine Abkürzung dafür, dass das gesetzte Ziel, der Vorsatz, kurz das, was man gerne ändern möchte,

    S pezifisch

    M essbar

    A ttraktiv

    R ealistisch

    T erminiert

    sein sollte.

    Okay, natürlich darfst du hier auch mal blödeln oder satirisch werden, haben andere hier auch schon gemacht und es ist meiner Beobachtung nach auch nicht unwillkommen.

    S’ist nur mitunter schwierig, das einzuordnen, besonders wenn man das Gegenüber noch nicht so kennt.

    Du musst es also nicht unbedingt lassen, gib einfach nur ˋn entsprechenden Hinweis, damit‘s nicht zu Missverständnissen kommt.

    Prima, dass es dir grad einfach nur gut geht. So soll‘s doch eigentlich sein, nicht?

    Hallo Honk,

    auch dir erstmal ein schönes Wochenende.

    Und wo wir gerade beim Thema sind.....ach so, wenn jetzt die Vermutung im Raum steht, ich hätte was an der Murmel, und gar....was getrunken....Nö. An der Murmel vielleicht, ja da stehe ich auch zu.

    Nö, vermute weder das eine noch das andere, dennoch weiß ich grad nicht so recht, wie ich deinen Beitrag hier einordnen soll bzw. verstehen soll, und deswegen frag ich einfach mal nach.

    Wenn ich das richtig verstehe, liegt dir ein bisschen was dran, dass dieses Forum erhalten bleibt. Du hast ja auch ein paar konkrete Ideen eingebracht.

    Möchtest du mit diesem Beitrag einfach ein Lebenszeichen von dir signalisieren, darstellen, was dich derzeit so beschäftigt bzw., wie dein neues Leben aussieht, und deinen Faden durch anderes als die Themen „Abstinenz“ und „Alkohol“ mit Leben füllen?

    Sollen andere dich und, wie du so tickst, etwas näher kennenlernen, weil du gerne Mitglied dieses Forums sein möchtest?

    Oder möchtest du ein bisschen provozieren?

    Ich muss gestehen, ich weiß noch nicht so recht, woran ich mit dir bin. 🤷‍♀️ Anderen mag es da ähnlich gehen. Bevor es zu vermeidbaren Missverständnissen kommt, wäre es vielleicht hilfreich, wenn du dich dazu äußerst.

    Grüße

    AmSee

    Mittlerweile bin ich oft an dem Punkt, schöne Dinge gar nicht begleiten zu müssen also im Sinne von Konsum von irgendwas. Ich hab zwar auch hochwertigste Limo zu Hause als auch auf der Arbeit, um mir mal was zu "gönnen", aber ich merke dass diese "Gönnung" eigentlich nicht mehr nötig ist.

    Das geht mir mittlerweile auch oft so, dass ich das gar nicht brauche. Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit mehr, weil das Schöne für mich inzwischen von sich aus schön ist.

    Seit geraumer Zeit trinke ich in der Regel nur noch Wasser und bin damit bestzufrieden. Mein Körper und Geist scheint das sogar als das beste Getränk von allen zu empfinden.

    Manchmal hab ich Lust auf ne Limo, aber im Grunde geht’s mir ähnlich wie dir, diese „Gönnung“ ist eigentlich nicht mehr nötig.

    Hätte ich mir vor drei Jahren nie vorstellen können….

    So wie ich das sehe, ist der Ausstieg aus einer Sucht ein Akt der Befreiung. Und warum soll ich auf diejenigen neidisch sein, die sich noch nicht befreien konnten?

    Mir hat diese Sichtweise geholfen, meine Süchte nicht nur einfach zu überwinden, sondern den Ausstieg als einen Zuwachs an Freiheit zu erleben.

    Da du dich direkt auf mich bezogen hast, teile ich dir MEINE Gedanken dazu mit. :)

    Inzwischen nehme ich selbst das auch so wahr, das der Ausstieg aus meiner Sucht ein Akt der Befreiung war und mir aus diesem Ausstieg ein Zuwachs an Freiheit zuteil geworden ist.

    Es hat bei MIR allerdings durchaus gedauert, bis ich das vollumfänglich so wahrnehmen konnte.

    Und ich hab in den letzten drei Jahren, in denen ich mich aktiv und engagiert mit dieser Alkoholsucht beschäftigt habe, anhand der Beiträge, die von Neulingen gekommen sind, beobachtet, dass diese ähnlich damit zu kämpfen hatten, aus dem ihnen bekannten und vertrauten sozialen Netz herauszufallen.

    Honk beschreibt hier in seinem Faden, wie er ausbleibende Einladungen und auch das Verhalten seiner Familie als diskriminierend erlebt. Rent berichtet von ähnlichen Erfahrungen und von Unverständnis seiner Abstinenz ihm gegenüber. Ähnliche Erfahrungen lassen sich in vielen Erfahrungsberichten von Neulingen/ Abstinenzlern im ersten Jahr beobachten.

    Und solche Erfahrungen fühlen sich eben nicht als Befreiung an, sondern im Gegenteil als Belastung. Mancher muss überhaupt erst lernen, damit umzugehen.

    Bei mir war das kein Neid auf andere Alkohol Konsumierende, den ich gespürt habe, sondern Selbstmitleid, weil ich mich ausgeschlossen fühlte.

    Ich hab das Buch von Allan Carr ebenfalls gelesen, als ich mit dem Rauchen aufgehört hatte. Es hat mir einen Ausstieg erleichtert, mich aber nicht davor bewahrt rückfällig zu werden.

    Beim Rauchen bzw. im Umgang mit anderen Rauchern erlebe ich das im Übrigen anders als beim Alkohol und im Umgang mit unserer Gesellschaft, in der Alkohol omnipräsent und selbstverständlich ist.

    Ich hab das bei Rauchern noch nie erlebt oder beobachtet, dass da eine Äußerung gekommen wäre: „Es muss doch gehen, dass du ab und zu mal eine mitrauchst". Und ich hab mich unter Rauchern noch nie dafür rechtfertigen müssen, wenn ich nicht geraucht habe. Im Gegenteil kamen dann eher Glückwünsche und mitunter Äußerungen wie „Ja, ich überlege auch schon eine Weile aufzuhören.“

    Alkohol spielt in unserer Gesellschaft eine ganz andere Rolle als Zigaretten und Co.

    Es ist übrigens krass, wie sich die eigene Objektivität unter diesem langen Suchtdruck verändert, wie man sich selber belügt und alles schön redet.

    DIESES MAL wird alles anders, dieses Mal kann ich kontrolliert Trinken, diese Mal gebe ich mir aber wirklich Mühe, dieses Mal...(und ein Teil von mir glaubt das in diesem Moment wirklich)

    Der vernünftige Teil in mir, der im Vorfeld schon weiß, dass dieses Mal NICHTS anders wird, wird überstimmt.

    Ja, das habe ich bei mir in Bezug auf das Rauchen immer wieder so beobachtet. Mancher nennt das Suchtteufel, mancher Suchtgedächtnis. Ich selbst nutze eigentlich keinen Namen dafür, personifiziere es nicht, sondern nehme es lediglich als ein ziemlich schräges Phänomen zur Kenntnis.

    Ich möchte es gar nicht erst dazu kommen lassen, dass dieses Phänomen bei mir auftritt, deshalb richte ich mein Leben auch nach „zufriedener Abstinenz“ aus bzw. nicht viel anders als du das formulierst:

    Für mich geht es viel darum, wie richte ich mein Leben nach der Sucht aus, was habe ich für Pläne.

    Susanne und Gerchla haben mich vor bald drei Jahren drauf gebracht. Susanne formulierte das damals so:

    Und heute kann ich feiern und auch den Sonnenuntergng bei Saft geniessen. Ohne drüber nachzudenken, ob ich ein Problem habe oder mir hinterher irgendwelche Selbstvorwürfe zu machen. Genuss ohne Reue. Ich bin heute gefühlsmäßig da, wo ich mit dem Trinken immer hin wollte. Nur bin ich schon lange nüchtern.

    Das hat mich angesprochen und erreicht. Und inzwischen könnte auch ich das genau so formulieren.

    Mir haben ebenfalls die positiven Stories geholfen. Ich stehe allerdings eher auf das sogenannte Bodenständige (hat auch mit meiner persönlichen Vergangenheit zu tun). Ich selbst hab u.a. einige Bücher von Selbstbetroffenen gelesen, die ich hier in der Literaturecke gefunden hatte. Diese Sober-Bewegung ist mir persönlich in ihren Formulierungen too much, aber das heißt ja nix. Wenn’s anderen hilft, sich davon inspirieren zu lassen kann, dann ist das doch völlig in Ordnung. Oder?

    Was mir vielleicht geholfen hat, dass die Erwartung+Vorfreude ans Trinken viel größer war, als dann der eigentliche tatsächliche "Genuss" (+Schuld&Verzweiflung danach)

    Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

    Neurobiologisch/ -chemisch ist das sogenannte Belohnungszentrum offenbar nicht an solche Erfahrungen geknüpft.

    Wenn das nämlich so wäre: Würden Alkoholiker, denen es so geht, dass sie diese Schuld und Verzweiflung immer wieder erleben, die noch nicht so weit sind, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als zu trinken, weil ein Absinken des Pegels die Hölle ist, mit dem Trinken nicht einfach aufhören können? (Sorry für den fürchterlichen Schachtelsatz, krieg‘s nicht besser hin. 🙈)

    Brant und Susanne und du, ihr habt von der Erfahrung erzählt, innerlich zu kapitulieren, und wie das für euch gewissermaßen der zentrale Wendepunkt war und Beginn eurer Abstinenz war.

    Ich zitiere mal dich, Brant, weil du das in deiner Vorstellung so eindrücklich geschildert hast:

    Das spricht doch dafür, dass da im Inneren irgendwas abgehen muss, um wider Erwarten den Absprung zu bewirken. Was auch immer das ist, denn es geschieht ja offensichtlich nicht jedem.

    Das, was du, Rent, da in dem Zitat oben schilderst, ist meiner eigenen Erfahrung und den Erfahrungen von anderen (ich denke da zum Beispiel an Gerchla) nach das, was dann später hilft.

    Wir haben das deswegen in unseren Informationstext Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ aufgenommen:

    Zitat

    Oder sie kann darin bestehen, regelmäßige (geplante) Rückblicke auf die schlimmen Erlebnisse während der eigenen Trinkerzeit vorzunehmen und die eigene Suchtzeit aufzuarbeiten.

    Wie gesagt, ich weiß es nicht und ich hab noch keine überzeugende Antwort gefunden.

    Gerade deswegen begegne ich der Sache oder vielmehr MEINER Alkoholsucht mit einem gewissen Respekt und mit entsprechender Vorsorge/ Selbstfürsorge. Angst hab ich keine mehr.

    Ich hatte mich dann am Freitag dafür entschieden, am Samstag wieder etwas zu trinken (weil ich es nicht mehr ausgehalten habe) und in dem Moment war das starke Craving weg (obwohl ich ja noch nichts getrunken hatte).

    Mir ist damals bewusst geworden, dass ich den Alkohol nicht als echte Chemie in meinem Körper brauche, sondern dass sich alles in meinem Kopf abspielt.


    Der Teil in mir, der nie genug bekommen konnte, war sozusagen bis Samstag ruhig gestellt.

    Was mich dabei interessiert, da ich mich ja für die neurochemischen Prozesse im Gehirn interessiere, mir da so einiges nachvollziehbar ist und ich das, was da eigentlich passiert, gerne nachvollziehen möchte, ist:

    Was wäre gewesen, WENN du nach dieser Entscheidung im Kopf am Samstag nichts getrunken hättest.

    Soweit mir bekannt ist, reicht schon die Aussicht auf Belohnung für die Ausschüttung von Dopamin und Co im Gehirn. Auf diese Ausschüttung MUSS aber, soweit mir das bekannt ist und wie ich’s bei mir selbst auch erfahren habe, die tatsächliche Belohnung folgen.

    Daher mein Interesse: Was wäre - du wirst es nicht beantworten können, weil’s nicht so gekommen ist - gewesen, wenn du Samstag nicht getrunken hättest.

    Was du da beschreibst, kenne ich vom Rauchen. Stets heißt es, so ein Suchtdruck/ Craving halte nicht soooooo lange an, aber ich hab das auch über mehrere Tage gehabt. Ich hab keine Ahnung, warum das so war. In solchen Situationen wollte ich irgendwie auch nicht literweise Wasser in mich hineinschütten.

    Da ploppte bei mir gerade noch sei ein Gedanke auf, da du von „vollem Bewusstsein“ gesprochen hattest:

    Unterschätz nicht, was in deinem Unterbewusstsein abgeht. Irgendwann hatte ich irgendwo hier im Forum mal eine Diskussion mit Susanne über das Bewusstsein und das Unterbewusstsein.

    Bildlich gesprochen ist das Bewusstsein, von dem wir alle so viel halten, nur die Spitze des Eisberges. Das nicht sichtbare Unterbewusstsein wirkt auf uns jedoch viel stärker ein, als wir das normalerweise vermuten.

    Ich würde mich aktuell so einschätzen, ein Rückfall bei mir wäre eine aktive Handlung mit vollem Bewusstsein. Zu Deutsch: Eigene Doofheit. Oder ist das zu einfach gedacht?

    Ich kann’s nachvollziehen, dass dir das in deiner derzeitigen Lebenssituation so vorkommt bzw. du so denkst.

    Nun will ich dir mit einer Diskussion darüber keine Angst machen, dass das Damoklesschwert eines möglichen Rückfalls beständig bedrohlich über dir hängt, aber sensibilisieren möchte ich dich für die Problematik.

    Sind die, die rückfällig geworden sind, tatsächlich einfach nur zu doof gewesen? Ich selbst habe in Bezug auf Alkohol keinerlei Rückfallerfahrungen, wohl aber in Bezug auf meine Nikotinsucht. Rückfallerfahrungen habe ich persönlich in Bezug auf meinen Vater erlebt. Nun konnte ich nicht in seinen Kopf hineinsehen und ich kann ihn auch nicht mehr fragen, aber ich bezweifle, dass seine zahlreichen Rückfälle nur auf eigene Doofheit zurückzuführen sind. Und ich bezweifle auch, dass seine Rückfälle daran gelegen hätten, dass er den nüchternen Lyfestyle strikt abgelehnt hätte und eine Beteiligung an all den auftauchenden Wellen des "better life" ihn nicht interessiert hötten. (Zwinker)

    Mit anderen in diesem Forum und in dem anderen habe ich mich über deren Rückfälle und das, was dem voraus ging, nicht ausgetauscht.

    Ich weiß auch nicht, ob der erste Schritt zum Rückfall schon gemacht wird, wenn ich nachlasse, mich regelmäßig mit meinem Problem zu beschäftigen. Erfahrungen anderer scheinen immerhin dafür zu sprechen. Was ich selbst weiß, ist, wie leicht sich nach einer gewissen Zeit so ein Gedanke einschleichen kann, man sei doch so selbstverständlich und so lange clean, dass nix passieren könne, wenn man mal ne Ausnahme macht.

    Zu einem solchen Gedanken möchte ICH es gar nicht erst kommen lassen, deshalb bleib ich am Thema dran.

    Was ich aber am eigenen Leib erlebt habe, war diese eine überaus heftige Suchtdruckerfahrung in Bezug auf Alkohol. Und die hat mir echt einen riesigen Schrecken eingejagt. Natürlich hätte ich aktiv losziehen müssen, um mir Alk zu besorgen, aber meine Not war in dem Moment so groß, dass ich losgezogen wäre, voll bewusst und gleichzeitig mit einem Scheiß-egal-was-darauf-folgt-Gefühl, wenn ich in dem Moment nicht die Unterstützung gefunden hätte, die ich gebraucht dringend habe.

    Was ich interessant finde, ist das, was die Rückfallforschung herausgefunden hat. Ein Rückfall geschieht offenbar nicht aus heiterem Himmel, sondern hängt immer mit einer unausgewogenen Lebenssituation, scheinbar harmlosen Entscheidungen und einer Risikosituation zusammen.

    Bei meinem Vater dürfte es meiner Beobachtung und externen Analyse nach immer wieder die unausgewogene Lebenssituation gewesen sein, die zu seinen Rückfällen geführt hat. Zu doof wird der meiner Beobachtung nach nicht gewesen sein.

    Und wenn’s so weit kommt, dann dürfte wirklich eines aufs andere und manchmal so schnell hintereinander kommen, dass man gar nicht gucken kann. Und DANN mag dir das, was du da tust, zwar bewusst sein und doch handelst du gleichzeitig wie ferngesteuert, weil dir die Neurobiologie und -chemie deines Gehirns kaum mehr eine Wahl lässt. Und dann folgt offenbar der sogenannte Rückfallschock, der zu dem Gedanken führt, dass jetzt eh alles egal ist.

    Grüße

    AmSee