- FORTUNE - … danke, dass du zurücklässt, was für dich wertvoll ist ❤️
… ich weiß nicht, warum mir der Satz „lerne deine Lebenszeit zu schätzen“ solche Angst macht. Aber ich habe Gänsehaut!
Er ist SO wahr, aber er versetzt mich in Angst und Schrecken. Ich glaube, mich damit nicht zu befassen, war Teil meines trinkens.
Und die Vorstellung, dafür jetzt Verantwortung zu übernehmen… mein Leben zu gestalten, das endlich ist… Brrr.
Ich glaube ich brauche noch, bis ich darin eine Kraft fühlen kann!
Liebe Mia,
auch ich kenne diese Gedanken, diese Ängste, von denen du da geschrieben hast….
Honk hat dir da aber etwas sehr Wahres gespiegelt: Du BIST unterwegs und hast schon längst angefangen, für dich Verantwortung zu übernehmen. 💪
Ich hatte solche Gedanken, wie du sie äußerst, vor etwas mehr als zwei Jahren.
Konkreter Hintergrund war, dass ich mich endlich dazu durchgerungen hatte, doch noch eine „richtige“ Therapie zu machen. Deshalb hatte ich mich auf die Suche nach einer Therapeutin, die auch in Traumatherapie ausgebildet ist, gemacht.
Kurz und gut: Obwohl ich die Frau für eine Fachfrau hielt, sie schien auch nicht wenig Expertise zu haben, und mich selbst in den paar kuratorischen Sitzungen genau prüfte, ob die zu mir passen könnte, stellte diese sich schließlich als die völlig falsche heraus und ich geriet sogar in eine Retraumatisierung.
Sie war sehr fordernd, sagte, wann immer ich regredierte - also in frühere emotionale Ichs von mir zurückfiel -, mein erwachsenes Ich, meine sogenannte Alltags-Normal-Person, müsse umgehend wieder übernehmen. Von Kindern dürfe man sich schließlich nicht auf der Nase herumtanzen lassen, Kinder müssten Regeln lernen.
Also bemühte ich mich umgehend ihren Forderungen nachzukommen. Anleitung, wie, erhielt ich keine, ich machte irgendwie und kriegte es auch irgendwie hin.
Wie überfordert hab ich mich da gefühlt…..Ich hab alles gegeben, weil ich glaubte, das müsse so sein. Sie wies mich ja auch mehrfach darauf hin, dass ich das in meinem Alter schließlich können müsse.
Meine sogenannte Innere Kritikerin wurde durch diese Vorgehensweise mächtig befeuert. Einmal mehr wurde bewiesen - sogar durch eine „Fachfrau“! - wie unfähig, wie erbärmlich, wie lebensunfähig usw. ich war.
Mein Erwachsenes Ich, das durchaus eine Ahnung von Fürsorglichkeit hatte - ich hab schließlich schon von klein auf Verantwortung übernommen und ALLES gegeben - war völlig überfordert und ich fühlte mich so unfähig, erbärmlich und was man in so einer Situation noch so alles fühlen kann.
Und dann, als ich mit Müh und Not die Papiere, die ich für den Antrag auszufüllen musste, ausgefüllt hatte - sowas war für mich inzwischen schon ein Ding der Unmöglichkeit geworden, aber die Therapeutin forderte, dass ich das als erwachsene, mittelalte Frau schaffen MÜSSE - lehnte sie mich als Patientin ab. Ihre Begründung war, ich regredierte zu viel und zu leicht.
Ich fiel in ein tiefes Loch. In deinen Gedanken, die ich oben zitiert habe, finde ich mein Ich vor gut zwei Jahren wieder….. Ich konnte nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Und ich machte mir auch Vorwürfe, weil ich eine Therapie begonnen hatte, weil ich offensichtlich zu viel gewollt hatte.
Ich hatte dann aber schließlich Glück, als ich nach jeder Menge Absagen von in Frage kommenden Therapeuten schließlich bei Therapeut Nummer 14 anrief und den kennenlernen durfte. (Ich hatte schon aufgeben wollen, war mit meinen Kräften völlig am Ende.)
Dieser Therapeut, auch in Traumatherapie ausgebildet, ging von Anfang an völlig anders an die Sache heran, machte mir Mut, baute mich auf, stabilisierte mich, bestätigte mich, gab mir ggf. Anleitungen, wie ich für mich sorgen konnte. - So, wie er das macht, stelle ich mir einen „richtigen“ Traumatherapeuten vor. Er entlässt mich nie aus MEINER Verantwortung, was ich gut finde, aber er gibt mir Hilfestellung, Anleitungen, tatsächlich hilfreiche Werkzeuge an die Hand, es selbst schaffen zu können.
Und siehe, wo ich heute stehe! - Nicht immer ist alles supi-dupi, aber grundsätzlich geht es mir gut, bin ich im „grünen Bereich“, fühle ich eine Selbstliebe und Stärke, die ich früher so nie hatte.
Warum erzähle ich dir das?
Nun, ich denke, ich weiß, wie sich das anfühlt, was du jetzt noch fühlst….
Ich kann dir mit meinem Beispiel vielleicht aber Mut machen, DASS sich das ändern kann und voraussichtlich auch wird. Die ersten Schritte hast du schon gemacht. 👍
Und wenn ich das richtig verstehe, bist du schon bei einer Therapeutin, der du vertraust und mit der du bereits arbeitest.
Es wird nicht von jetzt auf gleich gehen, aber in diesem Zusammenhang hilft dir vielleicht die Erkenntnis von Beppo Straßenkehrer im Buch „Momo“ von Michael Ende. Falls du dir diese Passage gerade nicht geläufig ist, in unserem Zitate und Sinnsprüche -Thread findest du sie unter #330.
LG AmSee