Die Formulierung macht den Unterschied.
Das Wörtchen „riskant“ wirkt anders als „brandgefährlich“, enthält eben nicht dieses Angst Schürende. So könnte die Formulierung auch von mir kommen.
Die Selbstwirksamkeit zu stärken ist bei mir seit geraumer Zeit ein Thema, ein Thema, was sich für mich selbst tatsächlich als heilsam erweist, ich hab ja noch andere Baustellen.
Ein solcher Rat wie von Hubby wird auch von MIR niemals zu hören/lesen sein. Wie du sagst: Zu riskant.
Dein Rat, den du mir damals gegeben hast, kann eben die Selbstwirksamkeit stärken. MIR hast du damit damals Mut gegeben, eine möglicherweise riskante Situation mit leicht anzuwendenden Mitteln selbst bewältigen zu können. Und ich HABE sie erfolgreich bewältigt, was mich wiederum bestärkt hat.
Beiträge von AmSee13
-
-
Nicht konkret. Dein letzter thread beginnt ja deutlich später.
Hier, das hast du mir damals geschrieben:
Zitat von RekonvaleszentUnd für nachher gegen Mitternacht: Halt ein wenig Abstand von Trinkenden. Damit Dir auch niemand ungefragt was in die Hand drücken kann, um anzustoßen, nimm etwas in jede Hand: Handy, Schlüssel, Geldbörse, Zeitschrift, irgendwas

-
Hallo Loner,
du bist nun für den öffentlichen Bereich freigeschaltet.
Die Begrifflichkeit spielt meines Erachtens zunächst einmal keine Rolle, egal ob du nun bereits Alkoholiker bist oder „nur“ gefährdet, entscheidend ist eigentlich, welche Gedanken dich hierher geführt haben:Es währe doch viel schöner, wenn ich mir keinen Kopf machen müsste und freier wäre. Das ist es nicht wert. Fragt sich nur wie ich es schaffen kann auch über einen längeren Zeitraum ... vielleicht auch für den Rest meines Lebens nüchtern zu bleiben.
Das, was du derzeit durch deine Abstinenz erfährst, sagt schon eine Menge aus, oder? Ohne Alkohol geht’s dir offensichtlich besser.Ich mein es spricht ja nichts dagegen ab und zu mal ein Glas Sekt oder Wein oder ein kleines Bier zu trinken. Aber das reicht mir nicht. Und wenn ich dann regelmäßig meine "Dosis" konsumiere plane ich bereits Pausen damit ich fit genug für z.B. Reisen bin. Das ist doch ... dumm.
Und genau DAS sollte dich nachdenklich machen.
Als ich selbst vor über drei Jahren hier aufschlug, hat mich das Problem beschäftigt, dass ich meinen Konsum nicht mehr wirklich kontrollieren kann.
Durch den Austausch mit anderen hier und durch das Lesen der Erfahrungsberichte anderer begriff ich, wo ich bereits stand und wohin ich gerade auf dem besten Wege war.
Da hab ich die Reißleine gezogen und es seither nicht bereut.
Also, gutes Ankommen hier.
Viele GrüßeAmSee
-
Hallo und herzlich willkommen, Loner ,
ob du hier richtig bist, wirst du wahrscheinlich nur selbst entscheiden können, wenn du hier erstmal ein bisschen angekommen bist und dich etwas mehr über deine Fragen ausgetauscht hast.
Komm erstmal in Ruhe an, lies dich ein bisschen ein.
Ich werde dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich freischalten, dann kannst du dort schreiben.
Viele GrüßeAmSee
-
Nein so habe ich mir das nicht vorgestellt.
Das kann ich mir denken.
Wenn du das jetzt mal weiterdenkst, welche Konsequenzen kommen dir in den Sinn? -
Hallo Samsa,
deinen Beiträgen ist deine Verzweiflung deutlich zu entnehmen.
So schwer dir das gerade fällt, lass dir folgende Frage von mir gefallen, sie ist gewiss nicht böse gemeint.
Wie hört sich das an, was du da geschrieben hast?dann gibt es diese Rückschläge die über Tage gehen, obwohl er mir morgens noch verspricht "Sich zu benehmen", heute auch. Und dann komme ich nach Hause und er ist total aufgedreht, laute musik auf volle Lautstärke, egal wa sich dazu sage. Ich weiß nicht mehr weiter.
So klingt eine Mutter, die sich über ihr ungezogenes Kind beklagt.
So schlimm die Situation für dich auch gerade ist, ist es DAS, was du dir unter einer Partnerschaft vorgestellt hast?
Liebe GrüßeAmSee
-
Bist Du so ein Angsthase?

Ich denke in diesem Zusammenhang weniger an mich, sondern an die Wirkung, die das Angst-Machen meiner Beobachtung nach auf den einen oder anderen Abstinenzler zu haben scheint.
Rent hat sich da mal auf ein Beispiel bezogen:Zitat von RentUnd wenn jemand nach 20 Jahren ein Restaurant meidet, weil es ihn triggern könnte, ist es für ihn genau so richtig und gut. (Das ist SEIN Weg)
Du hast darauf geantwortet:Zitat von RekonvaleszentDann tut mit eine solche Person leid. Vielleicht hat sie auch einiges falsch gemacht. Ich bin schon nach einigen Monaten wieder ins Restaurant gegangen und meine Frau hat zum Essen stets einen Wein getrunken.
Mir tut eine solche Person auch leid, weil sie selbst nach zwanzig Jahren Trockenheit noch Angst hat, dass sie da etwas triggern KÖNNTE.
Ich frage mich ernsthaft, ob bei einer solchen Person noch Angst vorhanden wäre, wenn sie von Anfang an in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt worden wäre.
Ich selbst bin schon seit geraumer Zeit genau dorthin unterwegs, mich in meiner Selbstwirksamkeit zu stärken. Und für mich fühlt sich das richtig gut an.Und wegen meiner eigenen Erfahrung damit teile ich hier meine Gedanken dazu.

Ernsthaft: Inwiefern ist das „gegendertes, wokes Wischi-Waschi Gedöns“? 🤷♀️ -
Bist Du so ein Angsthase?

Ich nicht, aber ich hab nicht vergessen, wie gewisses Angst-Machen anderer „Erfahrener“ auf MICH gewirkt hat, und ich hab schon mehrfach beobachten dürfen, wie es auf andere wirkt.
Erinnerst du dich noch an den Rat, den du mir vor drei Jahren an Silvester gegeben hast?
Mit DEM Rat hast du mich damals in meiner Selbstwirksamkeit gestärkt. -
ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass die Taktik des angetäuschten Saufens brandgefährlich ist.
Ich kann das mit meinem mittlerweile erworbenen Wissen gut nachvollziehen, was du zum Ausdruck bringen willst. Es geht dir um die Warnung vor dem Risiko, das da eingegangen wird.
Mich persönlich stört aber das Vokabular „brandgefährlich“, weil das Angst schürend wirkt. „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ heißt es und auch solche negativen Gefühle können wiederum zum Trigger werden.
Für hilfreich halte ich persönlich eher das, was Mut macht und die Selbstwirksamkeit stärkt.
Selbstwirksamkeit kann zum Beispiel dadurch gestärkt werden, direkt auf ein alkoholfreies Getränk zuzusteuern oder direkt danach zu fragen.Der Trinkreflex kommt rasch, wenn das Glas erst mal an den Mund geführt ist.
Dazu fällt mir grad was ein: Ich hab mich mindestens im ersten Jahr ein paar Mal dabei beobachtet, dass ich bei Szenen im Fernsehen, in denen Alkohol konsumiert wurde, Kopfbewegungen des Mitschluckens gemacht habe. 😅
Ist euch das auch schon mal so ergangen? Ich war jedenfalls verblüfft, dass ich das automatisch gemacht hab und hab über mich selbst lachen müssen. Angst gemacht hat es mir nicht. -
Gestern habe ich den Podcast Flaschengeist weiter gehört und habe verstanden, wie sehr man sich selbst verlässt, wenn man trinkt, um etwas von sich nicht zu spüren.
Das ist doch tatsächlich als würde man seinem inneren (Kind) sagen „geh weg, wenn du so bist, will ich dich nicht!“.Da ist was Wahres dran. Danke fürs Teilen.
-
Mensch, Mia, du bist schon bei Tag 15! 👍
Na, wie fühlt sich das an?
Egal, wie schwer es dir gefallen ist, dich zu der Suchtgruppe hinzuzugesellen, du warst da und du bist geblieben. 👍Ihr könnt gehen und jederzeit zurückkommen, auch und vor allem dann, wenn euch das nüchterne Leben mal nicht gelingt.
(Meine Sucht schlug kurz Purzelbäume und dachte sofort… naja, ihr könnt es euch denken).Mag sie getan haben, dürfte auch völlig normal sein, dass sie‘s tut, aber interessant ist doch, wie DU damit umgegangen bist. - Magst du erzählen, wie du damit umgegangen bist?
Ich ertappte mich bei innerer Ungeduld und dem Gedanken, dass da vorne vielleicht eher jemand von euch hin passen würde.
Musste schmunzeln, als ich das las.
-
Hmm mir kommt dieser Abstinenz Punkt ein bisschen wie das "vegane" Thema vor.
Hallo Hubby,
ich kann zwar in gewisser Weise nachvollziehen, dass es da Anklänge geben mag, nur sehe ich die Problematik, die aufgrund einer nicht ganz unerheblichen Erkrankung vorliegt, etwas ernster…Daher passt mir persönlich der Vergleich mit dem „veganen“ Thema nicht wirklich….
Ich hab mir dann angewöhnt einfach nen Drink zu nehmen und stehenzulassen oder so zu tun als ob ich dran nippe.
Das kann jeder so halten, wie er‘s/ sie‘s für richtig hält. Ich selbst könnte so scheinheiliges Getue nicht mit mir vereinbaren, aber so bin ich eben. Und für jemand, der noch am Anfang steht, spielt da u.U. auch eine Rolle, dass er dem Alkohol damit viel zu nahe kommt und sich davon triggern lässt. Insofern ist dieser Rat mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.
GrüßeAmSee
-
Ich weiß es ehrlich gesagt derzeit nicht wirklich, wie ich mit der Situation umgehen werde.
Ich denke, du wirst es herausfinden, wenn du in dich hineinhorchst und sehr ehrlich mit dir bist.
Natürlich kannst du deine Gedanken hier auch teilen, vielleicht kannst du aus den Antworten anderer etwas für dich rausziehen, so dass deine Entscheidung am Ende wirklich zu DIR passt und nicht zu irgendjemand anderem. -
Aus meiner Sicht ist das so, dass es gesellschaftlich (noch) irgendwo zum guten "gastfreundlichen" Ton gehört/ erwartet wird, Alkohol anzubieten (und auch zu trinken). Der Nichtsüchtige kann ja auch problemlos ein Gläschen Wein inkl. der leichten Anflutung+Geschmack "geniesen". Und diese leicht Entspannung nimmt ja auch irgendwo zwischenmenschlichen Barrieren/ macht locker. Klar, es würde niemand eine vorbereitete Bong oder Spritzbestecke herumreichen, zumindest auf keiner gutbürgerlichen Feier.
Dass das zum gesellschaftlich anerkannten „gastfreundlichen“ Ton gehört und sozusagen „normal“ ist, ist mir natürlich nicht unbekannt und war durchaus etwas, mit dem ich mich in meiner Anfangszeit auseinandersetzen musste.Doch in meiner Anfangszeit ging es mir genau darum, MICH zu schützen. Und deshalb wollte ich keinen Alkohol im Haus haben und auch nicht die Gläser, die dazu gehören.
Und es trug mich dabei durchaus auch der Gedanke, dass heutzutage kein Gastgeber Zigaretten, eine vorbereitete Bong oder Spritzbestecke für seine Gäste vorhalten würde.
Darüber hinaus beschäftigte mich die Erfahrung, die mein eigener Körper während der Abstinenz durchlief. Die völlig unerwartete Erholung von Psyche und Körper, die mir sehr, sehr deutlich machte, was für ein Nervengift Alkohol eigentlich ist. Das fühlte sich für mich überhaupt nicht richtig an, für meine Gäste solches Gift kaufen und bereitstellen zu sollen. Völlig egal, ob das gesellschaftlich Konsens ist, dass „man“ das so macht. Ich muss nicht das tun, was alle tun, wenn ICH das für falsch halte.
Als es mir dann im Laufe der Zeit überhaupt nichts mehr ausmachte, wenn andere in meiner Gegenwart Alkohol konsumierten, konnte ich die Einschränkung, dass es bei uns zuhause gar keinen Alkohol mehr gibt, lockern. Wie gesagt, zunächst war das reiner Selbstschutz, um mich nicht zu überfordern. Und das war auch richtig und wichtig so für mich.
Die Gäste, die uns besuchen, sind alle informiert, dass wir nicht trinken, dass es bei uns keinen Alkohol gibt, sie sich aber welchen mitbringen dürfen. Die sind, soweit ich mich erinnere, alle irgendwann mal informiert worden, dass ich nicht trinke, weil ich ein Problem damit hab. Das A-Wort ist mitunter schon gefallen, wenn ich das sagen wollte, ansonsten hab ich eher das Problem beschrieben.
Nachbemerkung: Wann immer das A-Wort gefallen war, hat mir das keiner abgenommen, weil ich, wie ich vermute, aus deren Sicht nicht in das A-Schema passe. Ich musste das dann begründen. War für mich wirklich nicht weiter wild, ich kann da echt zu stehen, aber eigentlich habe ich’s nicht nötig, meine Abstinenz begründen zu müssen, und mir vielleicht sogar noch gut gemeinte, aber unqualifizierte Gegengründe anhören zu müssen. Gespräche über das Thema KÖNNEN interessant sein, aber nicht selten münden die dann in Rechtfertigungen, warum jemand dann doch trinkt und dass er/sie ja kein Problem damit habe. Da spüre ich denn doch eine gewisse Unlust, mir das anzuhören, die Argumentationen sind mir selbst zu gut vertraut, und für mich nicht länger interessant.
Mir persönlich war der gesellschaftliche Konsens in solchen Momenten völlig egal und das ist er mir noch immer. Heute kann und will ich dazu stehen, dass ich anders bin und das tue, was ICH für richtig halte.
Und mal ganz ehrlich, wer mich nicht besuchen mag, weil ich keinen Alkohol bereitstelle, der ist doch an mir gar nicht interessiert. Was soll ich dann mit so einem Gast? Soll der doch wegbleiben, sein Problem, nicht meins. Und „gastfreundliches“ Ambiente besteht doch nicht nur in Alkohol.
Es gab letztens mal eine Situation, in der wir tatsächlich Alkohol bereit gestellt haben. Das war als unsere Nachbarn den sogenannten „Bogen“ bei uns wieder abgebrochen haben. Sowas wird in unserer Gegend nämlich gefeiert. Da haben wir in Absprache mit den Nachbarn ne Kiste Bier gekauft, die wir später an den einen Nachbarn verschenkt haben, zwei Flaschen Sekt und eine Flasche Rotwein. Ich hab Sekt und Rotwein ausgewählt. Sekt ging leicht und schnell, Rotwein war schwieriger, weil die Auswahlmöglichkeiten da sehr viel größer waren und ich mich da geschmacklich am mir nicht unbekannten geschmacklichen Interesse meiner Nachbarn orientieren wollte. Getriggert hat mich das kein bisschen, aber trotzdem hatte ich kein wirklich gutes Gefühl dabei, das zu tun. Es fühlte sich einfach nicht richtig an.
Ich hab auch definitiv kein Interesse, das nochmals zu tun. Ich mag‘s ganz und gar nicht, etwas zu tun, was ich selbst nicht für richtig halte. -
In einer Gesellschaft, in der das Trinken so „normal“, so allgegenwärtig und selbstverständlich ist wie unserer, fällt auf, wer da nicht oder nicht mehr mitmacht. Das ist fremd und Fremdes verursacht Unbehagen und u.U. sogar Feindlichkeit.
Dazu noch etwas:
Vergangenen Sonntag hatte ich meine Familie zu Besuch - die angeheiratete, die andere ist so gut wie gar nicht mehr existent.
Das sind Leute, die „normal“ trinken und aus einer Umgebung kommen, in der Alkohol bei Feierlichkeiten völlig „normal“ und selbstverständlich ist. Unter Umständen gehören auch ein paar Schnäpse dazu.
Sie wissen, dass wir nicht trinken und dass es bei uns keinen Alkohol gibt, es sei denn, sie brächten ihr Bier, ihren Wein oder Sekt und die passenden Gläser selbst mit.
Und obwohl sie das wissen und inzwischen ja schon oft genug bei uns waren, war ihr Befremden auch diesmal wieder spürbar.
Nach Kaffee, Tee, Torte und Kuchen werden üblicherweise Getränke und Knabberkram gereicht. Und was wünschten sie sich, obwohl sie’s besser wissen müssten?
- Bier. 
„Ha‘m wir nicht. Ihr könnt Cola, Ginger Ale, Bitter Lemon, Apfelsaft, Apfelsaftschorle oder Wasser bekommen“. - Sie wollten dann stilles Wasser (Leitungswasser), drei nahmen Cola.
Es wird ihnen wohl immer fremd bleiben, dass mein Mann und ich nicht trinken, und noch fremder, dass es bei uns zuhause keinen Alkohol gibt. Müssen sie durch, müssen wir durch, die Alternativen - Trennung von der Familie oder Alkohol kaufen oder selbst wieder Alkohol konsumieren - kommen für uns alle nicht infrage. 🤷♀️ -
Nun noch ein paar Gedanken dazu:
Allen anderen, und besonders die Leute, die bei besonderen Zusammenkünften selber Alkohol konsumieren und das nicht zu knapp, habe doch faktisch überhaupt kein Recht dazu, über mich zu urteilen, weil sie selber mitten drin stecken? Im Gegenteil sogar, wenn ich dazu stehe, KEINEN Alkohol mehr zu trinken, aus welchen Gründen auch immer, bin ich den trinkenden Menschen in meiner Entscheidung und Entwicklung doch einen riesigen Schritt voraus. Ich habe für mich erkannt, das mir Alkohol nicht gut tut. Und Alkohol tut niemanden gut, das ist doch Fakt.
Ich hab mich gefragt, warum dich die Kommentare deiner trinkenden Umgebung innerlich so sehr bewegen, dir so nahe zu gehen scheinen. Und dann kam aus meinem Inneren eine Antwort, weil ich da selbst in gewisser Weise auch durch musste:
Es ist die eigene Auseinandersetzung mit einem trinkenden Umfeld, das für den eigenen Nicht-Konsum herzlich wenig Verständnis aufbringen kann. Es gehört zum eigenen inneren Wachsen.Ich sehe das durchaus so wie du, dass niemand ein Recht hat, über deinen Nicht-Konsum zu urteilen. Denn das ist ganz allein deine Sache, was du tust.
In einer Gesellschaft, in der das Trinken so „normal“, so allgegenwärtig und selbstverständlich ist wie unserer, fällt auf, wer da nicht oder nicht mehr mitmacht. Das ist fremd und Fremdes verursacht Unbehagen und u.U. sogar Feindlichkeit.Die Frage ist doch eigentlich nur, wie du mit deren Unbehagen umgehst. Gehst du in offene Konfrontation oder machst du einfach dein eigenes Ding und tust dich mit Leuten zusammen, denen du nicht fremd bist und die dich einfach so nehmen, wie du bist.
Vielleicht sind das ein paar weniger Menschen, zumindest am Anfang, aber die sind meiner eigenen Erfahrung nach die wirklich interessanten.
VG
-
Guten Morgen, Samsa.
Es fällt mir total schwer das in Worte zu fassen ich habe so viel im Kopf, vielleicht kann ich mich die tage besser ausdrücken...
Mach dir deswegen keinen Kopf, aus eigener Erfahrung weiß ich gut, wie schwer das ist oder sein kann, in Worte zu fassen, was bei einem Thema wie diesem im Kopf herumschwirrt.
Lass die Worte ruhig wachsen, irgendwann fließt es dann von ganz allein. Anfangs noch zaghaft, später flüssiger.
Du kannst und darfst hier alle deine Fragen stellen oder deine Gedanken teilen. Allein das kann schon gut tun und glaub mir, du bist mit deinem Thema nicht allein.Ich rede viel mit meinem Freund darüber auch übers weniger Trinken und ich verstehe dass es schwer ist da mal eine Pause zu machen und nicht ein Bier hinter einander zu trinken. Er will es immer wieder versuchen aber es funktioniert nicht. Ich möchte nicht immer streiten.
Da hast du schon ein deutliches Bedürfnis formuliert: Du möchtest nicht immer streiten.
Solange er nicht von sich aus sein Alkoholproblem ernsthaft angehen will, dürfte es immer wieder zum Streit kommen, wenn du ihn auf seinen Konsum ansprichst.
Zwischen meinem Mann und mir kam es wegen meines Alkoholkonsums immer wieder zu Streit. Ich mochte es ganz und gar nicht, wenn er mich auf dieses Thema ansprach. Ich glaubte ernsthaft, er hätte keine Ahnung und ich hätte das selbst schon im Griff. Mein Leben, meine Verantwortung!
Ich dachte so etwas wie: „Mit welchem Recht kann der sich erlauben, mir meinen Konsum vorzuhalten? Das ist doch wohl MEINE Angelegenheit!“ Ich glaubte auch, dass er mich, weil er wusste, dass mein Vater Alkoholiker war, in einen Topf mit meinem Vater warf.
Mein Mann jedenfalls hätte mich nicht vom Trinken abgebracht. Ich hätte mich vielleicht sogar von ihm getrennt, weil ich das Gefühl hatte, dass er mir etwas, was ich selbst als schön und noch völlig im Rahmen empfand, wegnehmen wollte, weil er über mich bestimmen wollte.
Du schreibst, dass er wegen seiner Alkoholkrankheit sogar schon in einer Klinik war. - War ich selbst übrigens nicht, so weit war ich noch nicht. - Von außen betrachtet würde man vermuten, dass er doch jetzt Bescheid wissen müsste und einen anderen Weg beschreitet.
Ja, so denkt man von außen, aber innen drin sieht’s, wenn man süchtig ist, ganz anders aus. Für einen Außenstehenden nicht oder kaum nachvollziehbar. Man ist überzeugt, dass der Suchtstoff einem etwas gibt, etwas, auf das man nicht verzichten kann und nicht wirklich verzichten will.
Nach dem, was du über deinen Freund erzählst, verliert er - mal wieder (Stichwort Klinikaufenthalt) - die Kontrolle. Solange er selbst nicht die Reißleine zieht, kannst DU für ihn gar nichts tun. Auf den Konsum ansprechen führt zu Streit.
Mancher Angehörige verfällt dabei in ein Kontrollproblem (zählt die Flaschen, sucht die Verstecke usw.) oder sogar in eine richtige Co-Abhängigkeit. Co-Abhängigkeit ist wiederum ein ernsthaftes Problem für den Angehörigen. Wie das Wort schon aussagt, steckt da ebenfalls eine Abhängigkeit drin, die für die Psyche des Angehörigen äußerst ungesund und schädlich ist.
Deshalb mein Hinweis:Die Frage ist vielmehr, was du für dich tun kannst.
Viele Grüße
AmSee
-
Hallo zurück,
ah, ok, gut, dass ich nachgefragt habe. Das, was du als „Verständnis“ beschreibst, kenne ich von der Sucht meines Vaters. Ich hab seine Alkoholkrankheit von klein auf miterlebt. Er hatte immer wieder trockene Phasen nach Krankenhaus- und Klinikaufenthalt, aber regelmäßig Rückfälle. Er starb, als ich 15 war.
Was dein Vater dir erzählt hat, ist aber nicht die ganze „Wahrheit“.
Richtig ist, dass Kontrollverlust zur Alkoholkrankheit gehört. So mancher, der bereits abhängig ist, versucht sich dann noch mit dem sogenannten „Kontrollierten Trinken“, aber es gibt nur äußerst wenige Abhängige, die das tatsächlich erfolgreich schaffen. Die das tun, trinken dann aber auch sehr, sehr wenig und auch nicht so oft.
Der andere Teil der Wahrheit ist, ob man sich selbst tatsächlich eingestehen kann, ein ernsthaftes Problem zu haben, und das auch ernsthaft angehen WILL.
Dieses „Ich möchte ja, aber es ist so schwer und ich kann meine Grenze nicht finden.“ ist nämlich kein Freibrief. Und du als Angehörige musst das auch nicht einfach aushalten und hinnehmen, denn DEINE Bedürfnisse zählen auch, insbesondere für dich.
Bei mir war das im Prinzip so ähnlich, wie du das von deinem Freund beschreibst, wobei ich mir selbst zu dem Zeitpunkt noch nicht eingestanden habe, ein ernsthaftes Problem zu haben und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen wollte.
Ich dachte lange, ich hätte es im Griff. Ich konnte ja Trinkpausen einlegen, von Tagen und Wochen. Grundsätzlich hätte ich willentlich noch die Menge bestimmen können, aber der Wille schwand schließlich zunehmend mit dem ersten Glas, weil mir die Beschränkung dann unsinnig und nervig vorkam. Dass ich‘s nicht mehr wirklich kontrollieren konnte bzw. dass das kontrollieren Wollen für mich ein Kraftakt war, der mir zu viel abverlangte, brachte mich dazu, mich meinem Problem zu stellen und mich hier anzumelden.
Damit begann für mich mein Weg in die Freiheit.
Worauf ich hinaus will: Wer trinken will, den wird nichts davon abhalten. Wenn dein Freund keine Krankheitseinsicht hat und daraufhin von sich aus etwas ändern WILL, kannst DU gar nichts für ihn tun.
Die Frage ist vielmehr, was du für dich tun kannst.
Liebe GrüßeAmSee
-
Hallo Samsa,
ich habe dich soeben für den offenen Bereich freigeschaltet und dein Thema in das entsprechende Unterforum verschoben.
Du kannst nun im offenen Bereich schreiben.
GrüßeAmSee
-
Hallo und herzlich Willkommen, Samsa. 🙋♀️
Gut, dass du zu uns gefunden hast, um dich mit uns auszutauschen.
Ich selbst 51, w, bin sowohl Selbstbetroffene als auch Angehörige (d.h. erwachsene Tochter eines Alkoholikers, kurz EKA).
Du schreibst, dass du vollstes Verständnis hast. Das lässt mich aufhorchen. Was meinst du genau damit? Magst du das ein bisschen näher ausführen?
Und ich habe noch eine Frage: Du schreibst, dass dein Freund alkoholkrank ist. Ist ihm das selbst schon so bewusst oder ist das eine Vermutung?
Viele GrüßeAmSee