Beiträge von AmSee13

    Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um.

    Kann dir da gut folgen, weil’s mir ähnlich geht.

    Und dennoch fühle ich, dass ich mir Gewalt antun würde, wenn ich eine Aktion im großen Stil in Angriff nehmen würde, auch wenn ich mich von dem ganzen Kram mitunter so belastet fühle, dass ich am liebsten sofort den Container bestellen möchte.

    Und so vertraue ich da gewissermaßen meinem Bauchgefühl. Bislang lag ich damit immer richtig.
    Es muss sich richtig anfühlen, dann ist es auch richtig.

    An dem Müllvermeidungsthema bin ich auch dran. Kaufe so bewusst, wie es mir möglich ist, ein und mache vieles selbst.

    Hallo Bighara,

    Wie Brant geschrieben hatte, ist es ein Versuch so einen riesigen Themenkomplex in Worte zu packen. Das war ein wenig zu viel Rundumschlag.

    😉 genau, es ist ein riesiger Themenkomplex und lass dir von mir versichern, dass du meine volle Anerkennung hast, dass du dich mit soooooo einem Projekt aus deiner Komfortzone wagst.

    Hinterher ist man immer schlauer, heißt es, und da ist ja auch was dran.

    Ich sehe die Punkte, dass ich mehr bei mir bleiben muss, denn darum geht es mir. Gleichzeitig hatte ich mir auch vorgenommen, Nichtbetroffenen die Sucht thematisch näherzubringen und mehr Verständnis für die Erkrankung zu wecken. Denn meiner Meinung führt Aufklärung zu Verständnis und damit auch zu einer anderen Sicht und einem anderen - weniger stigmatisierten hoffentlich - Umgang mit der Erkrankung.


    Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit diesem Themenkomplex und in der Selbsthilfe drängt sich mir der Gedanke auf, dass du dir zunächst einmal zu viel vornimmst, zu groß denkst.

    Du machst da in gewisser Weise zwei große Fässer auf, die, wie ich das wahrnehme, im Grunde jedes für sich schon ziiiiiieeeeemlich groß sind. Du musst das gar nicht alles unter einen Hut bringen.

    Eine wohlmeinende Anregung: Beschäftige dich nicht mit dem, was in den Köpfen anderer Menschen sein könnte.
    Da kann alles mögliche drin sein oder überspitzt gesagt eben auch gar nichts.
    Nimm Abstand davon, in den Köpfen anderer bewusst etwas verändern zu wollen. Du kannst gar nicht wissen, was drin ist. Manchmal überraschen Menschen dich im positiven wie im negativen Sinn.

    Das einzige, was du tun kannst, ist, sie zum Zuhören einzuladen.
    Brich das, was du erzählen möchtest, so weit runter, dass du selbst dir zuhören möchtest, dass es für dich in sich stimmig und logisch klingt.
    Wenn deine Zuhörer ins Mitschwingen kommen, wenn da irgendwas ist, was sie anspricht, dann verändert sich vielleicht etwas in ihren Köpfen. Vielleicht aber auch nicht. 🤷‍♀️

    Ob du einen Betroffenen überhaupt erreichst, hängt von soooo vielen Faktoren ab. Du schilderst doch selbst, wie lange du gebraucht hast, dir dein Problem selbst einzugestehen und dann auch noch tätig zu werden. Ich selbst hab dafür auch echt lange gebraucht.
    Da hängt in der Regel so viel dran, sich selbst sein Problem überhaupt erst einzugestehen und dann auch noch in Handlung zu kommen. Mancher Betroffene schafft das leider nie.

    Nimm dir selbst den Druck, für andere irgendwas erreichen zu MÜSSEN. Musst du nicht.
    Du darfst das, was du inzwischen weißt, teilen, vielleicht hilft das jemand anderem. Mehr aber auch nicht.

    Die Leute aus dem anderen Fass kannst du u.U. erreichen, wenn du einfach nur von dir erzählst. Da fließen wesentliche Informationen, die aufklären, von ganz allein mit rein, wenn du nur von dir erzählst. Wenn du sie gar nicht interessierst, interessiert sie auch nicht die Aufklärung.

    Also:

    Don‘t thing big! Think small! That‘s really enough. 😉

    Stilles Wasser möchte dir nur kurz rückmelden, dass mir dieser Thread gefällt, weil er etwas in mir anstößt, was auch mich seit geraumer Zeit beschäftigt.

    Bin schon in winzig kleinen Schritten unterwegs. :saint:


    Gebe die Sachen allerdings nicht zum Wertstoffhof, das geht mir gegen den Strich, wenn Sachen noch gut sind oder nützlich sind, aber über Kleinanzeigen und Zu-Verschenken-Kiste.

    Liebe AmSee, ich mag mich gern im geschützten Bereich mit dir austauschen- das würde bedeuten dort ein Thema zu eröffnen, richtig?

    Liebe Mia,
    da gibt es zwei Möglichkeiten:

    Entweder du eröffnest dort im passenden Unterforum ein neues Thema mit einem Titel, den du für passend hältst, oder aber ich kopiere dir den entsprechenden Beitrag in ein neues Thema, das ich dorthin schiebe.


    Lieber wäre mir die erste Variante. 😉


    LG AmSee


    P.S.: Das freut mich, dass du mit meiner Betrachtung etwas Positives anfangen konntest. Nur aus dem Grund habe ich dir das geschrieben, denn die Unsicherheit am Anfang ist mir selbst durchaus in Erinnerung geblieben.

    Kennt ihr das, wenn ihr betrunken seid und so in euren „Urschmerz“ fallt, euch innerlich an irgendwas total aufhängt und am nächsten morgen manchmal noch nicht mal mehr genau wisst, was es war? Gott oh Gott, dass war bei mir oft so. Manchmal wusste ich auch noch, was es war- aber hatte dazu dann nüchtern einen ganz anderen Bezug. Vor allem aber, hätte ich nüchtern anders reagiert.

    Ja, kenne ich nur allzu gut…. :/

    Was den Podcast angeht: Ich möchte nicht den Hörer überzeugen oder in irgendeiner Art missionieren. Ich sehe mich nicht in der Position das zu tun. Jede Suchtgeschichte ist anders. Ea gibt da kein richtig oder falsch. Es gibt lediglich gewisse Parallelen. Ich bin die Expertin für mein Leben und für meine Suchtgeschichte und mit der bin ich nun in dem Podcast an die Öffentlichkeit gegangen, ich stelle mich hin und sage: So war es bei mir. Das kann mit einem passieren. Das sind meine Schlüsse aus dem Ganzen.

    Hallo Bighara,

    ich hab mich nun näher mit deinen drei Folgen befassen können und mir einen eigenen Eindruck verschafft. Hier nun eine Teilrückmeldung zu einem Aspekt, den ich sehr schwierig finde.

    (Achtung: Ich teile damit meine Gedankenwelt. 😉)

    In der Folge „Q&A mit Ela“ kündigst du u.a. an, darüber aufklären zu wollen, „Wie Sucht funktioniert, wie sie entsteht, wo sie herkommt“.

    So formuliert, ist das ein ziemlich großes Unterfangen, suggeriert allgemeingültige Aussagen.
    Nun geben Mediziner, Menschen, die sich damit wissenschaftlich beschäftigen, allgemein gültige Aussagen zu solchen Fragen ab, aber das sagt in der Regel herzlich wenig darüber aus, wie sich sowas von Innen anfühlt, wie sich sowas für einen selbst anbahnt.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht’s dir eigentlich auch gar nicht um allgemeingültige Aussagen, sondern darum, anhand deiner persönlichen Geschichte zu informieren, wie das bei DIR konkret war, um Menschen in vergleichbaren Situationen abzuholen.

    Wenn dir das gelingt, füllst du eine Lücke zwischen allgemeingültigen Aussagen von Medizinern und Erfahrungen von persönlichen davon Betroffenen. Eigentlich geht’s dir um die Innensicht, oder?

    Was du bislang getan hast, ist, zu teilen, wie sich das anfühlte, als du voll drin hingst (Interview mit Ela), wie während deiner Klinikzeit ein Trauma aufgebrochen ist und deine Sucht dich gefordert hat bzw. noch jetzt fordert (ausformulierte Suchtgedanken in Folge 2).


    Am Ende von Folge 2 machst du eine mehr oder minder allgemein gültige Aussage. Dieser letzte Teil ist insgesamt sehr, sehr dicht. Da ich weiß, was da alles dahinter steckt, ist er nach meinem Empfinden zu dicht. Für jemanden, der nicht so recht in dem Thema drin ist - und die Worte, die du deinen Zuhörern in den Mund legst, sprechen dafür, dass du davon ausgehst -, dürfte das schwer sein, dir da folgen zu können.
    Wenn du dann noch sagst, „Daher ist mir das auch so wichtig, dass ihr versteht, was ich sage.“ kommst du nach meinem Empfinden missionarisch rüber. - Genau das willst du aber ja nicht, also missionarisch rüberkommen.
    Ob deine Zuhörer das letztlich verstehen, ist eigentlich auch nicht wichtig. Verstehen ist sowieso ein Vorgang, der von soooo vielen Faktoren abhängt. - Nebenbei bemerkt - ich hab’s mit Wörtern - vermeide ich selbst nach Möglichkeit den Ausdruck „verstehen“, ich verwende aus bestimmten Gründen den Ausdruck „nachvollziehen“. 🧐 -


    Meine Empfehlung: Erzähl einfach von dir, bleib dabei ganz bei dir. Das reicht schon. Wenn du einen inhaltlichen Punkt, den du in der Klinik oder der Therapie gelernt hast, nahebringen willst, bleib konkret bei Beispielen von dir.

    Wer beim Zuhören bei sich feststellt, „Oh, das kommt mir bekannt vor, was die da von sich erzählt. Das ist bei mir ganz ähnlich.“, der kann von deinem Erzählen etwas für sich mitnehmen.
    Und wenn er etwas für sich mitnimmt, dann hast du erreicht, was du wolltest.

    LG AmSee

    Liebe Mia,

    die Methode, die du da gestern gewählt hast, nämlich das Szenario zu Ende zu denken, ist eine Methode, die auch anderen schon sehr geholfen hat.

    So, wie ich das sehe, bist du nicht in einen kräftezehrenden Widerstand gegangen, sondern hast dir selbst etwas sehr, sehr Hilfreiches geboten. Du hast weitergedacht, weiter gespürt, was aus dem Nachgeben folgt.

    Dein Belohnungszentrum bzw. dein Suchtgedächtnis selbst hat das Negative nicht gespeichert, dafür ist es nicht gemacht.

    Du hast deinem gesamten Inneren System aber eine ganz wertvolle Hilfe geboten, weiterzudenken, dir die Konsequenzen auszumalen, und damit etwas ergänzt, was deinem Belohnungszentrum naturgemäß fehlt.

    Wenn ich mir die Bewertung erlauben darf: Hast du super gelöst! 👍


    Dass du die Erleichterung heute morgen nicht so intensiv spüren kannst, ist nachvollziehbar und völlig verständlich, denn DAS, was das dringende Bedürfnis nach „Auszeit“, nach Rückzug oder Flucht in den wohl bekannten „wohligen, betäubenden Nebel“ ausgelöst hat, ist noch nicht bewältigt.

    Diese Aufgabe stellt sich dir noch und noch bis du nicht genug geübt darin, dich dem zu stellen. Doch lass dir von mir versichern, so, wie ich dich hier bislang wahrgenommen habe, wirst du deinen Weg, ja sogar mehrere hilfreiche, erfolgreiche Wege finden.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Liebe Mia,
    ich möchte dir sehr gerne darauf antworten. Wollen wir das im geschützten Bereich tun?

    Der Satz stammt nicht von mir, auch wenn er von mir hätte kommen können, sondern von der lieben Orangina. Soll ich das für dich ändern oder willst du das noch selbst ändern?

    Edit: Hab‘s jetzt einfach für dich geändert. Hoffe, dass das ok für dich ist.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Mia,

    mach dir um uns keine Gedanken. :)

    Bitte versteht mich nicht falsch, ich fühle mich nicht wirklich nah dran, sondern sehe schon die Chance und Notwendigkeit, das nüchtern zu bewältigen.
    Aber ich möchte mich schon aufrichtig zeigen, auch mit solchen Tagen. Die sich halt wieder ein bisschen schwerer anfühlen, als die zuvor.
    Ich weiß auch, dass es wieder leichter wird.

    Natürlich darfst du dich uns aufrichtig zeigen. Ich selbst nehme das als ein Zeichen des Vertrauens und des bei uns Ankommens, dass du das tust.

    Wenn du Unterstützung brauchst, melde dich. Wir sind zwar zur Zeit nur wenige, aber jemand von uns wird dir bestimmt antworten.

    LG AmSee

    Und nun noch etwas zum „Wegschieben“:

    Hast du schon mal von der „Tresor-Übung“ gehört?

    Bei mir war das (inzwischen kaum noch), öfter so, dass aus meiner Vergangenheit etwas hochkam, mich gedanklich und emotional ungemein forderte. Etwas, was mit der Gegenwart nicht unbedingt zu tun hatte, aber durch irgendwas getriggert wurde.

    Während der Therapie habe ich dann als Hilfe, mich in der Gegenwart zu stabilisieren, die „Tresor-Übung“ kennengelernt.

    In gewisser Weise ist das ein „Wegschieben“, aber kein Wegschieben für immer, sondern ein Ver- oder Aufschieben auf die Zeit, in der ich mit meinem Therapeuten im geschützten und begleiteten Rahmen da ran gehen kann.

    Mir ist noch etwas zu „Kontrolle“ und Panikattacken eingefallen, das sich zwar auf Panikattacken bezieht, aber auch für andere Bereiche gelten oder hilfreich sein könnte.

    Ich hab vor ein paar Jahren mal gelernt, dass sich Panikattacken nicht unmittelbar kontrollieren lassen. Die zeichnen sich nun einmal durch Kontrollverlust aus. - Wer sich etwas näher damit beschäftigt, wird auch nachvollziehen können, warum. Das hat etwas damit zu tun, wie unser System seit Ewigkeiten auf Gefahrensituationen reagiert: „Fight - Flight - Freeze“ ist etwas, was wir nicht bewusst steuern, sondern ein Programm, das angesichts einer Gefahrensituation ganz von selbst abläuft. -


    Mein Arzt erklärte mir aber, wie ich gewissermaßen über einen Umweg doch die „Kontrolle“ behalten kann. So eine Panikattacke läuft immer nach einem gewissen Schema ab, ruft ganz bestimmte Körperreaktionen hervor.
    Er erklärte mir, dass ich, wenn ich die Körperreaktionen beobachte, bewusst wahrnehme, mir selbst sagen kann: „Ah, jetzt kommt dies, jetzt kommt das, und da kommt jenes.“

    Ich habe damit zwar nicht direkt die Kontrolle über meinen Körper, aber indirekt habe ich sie schon, weil ich genau weiß, was da eigentlich in mir vorgeht.

    Dieses Wissen und diese Herangehensweise hat es mir so manches Mal schon leichter gemacht, wobei ich bis vor Kurzem die Angst vor der Angst nicht verloren hatte.
    Das mit dem Fließen-Lassen ist jetzt neu hinzugekommen und hat sich als hochwirksam erwiesen.

    Nur meine innere Emotionskontrolle ist noch älter, weil sie mich schon von Kindesbeinen an begleitet und mich vor meinem Vater geschützt hat. Deswegen greift die Kontrolle auch so hart bei mir. Gelernt ist gelernt und das seit vielen Jahrzehnten. 🤷‍♀️ Sie wird nie weggehen, aber das ist auch ok, denn sie hilft mir ja auch.

    Das kann ich nachvollziehen, deshalb hab ich das ja geteilt, wie das ich das bei mir mit dem sogenannten Inneren Kritiker erlebt habe und was ich selbst diesbezüglich dazugelernt habe.
    Ob sich das bei dir auch so verhält, kann ich natürlich gar nicht wissen. Ich weiß ja auch nicht, ob du an dem Thema in der Form dran bist wie ich.

    Mein Innerer Kritiker wird auch nie weggehen, er ist und bleibt ein Teil von mir. Und ich sehe das auch so wie du, dass das ok ist, er hilft mir ja auch und dient in gewisser Weise meinem Schutz, aber auch dazu, mich weiter zu entwickeln.

    Ich muss nur lernen mehr zuzulassen und in dem Prozess bin ich drin (siehe nüchtern Karaoke singen).

    Damals in der Klinik, aber auch später habe ich gelernt, mit dem Wort „müssen“ ganz bewusst umzugehen. Bevor und als ich in die Klinik ging, war mein Leben voll von „ich muss“, wurde es davon beherrscht und ich völlig überfordert.

    Nicht nur das Stationspersonal empfahl mir mehrfach, das „ich muss“ durch „ich darf“ zu ersetzen. „Sie müssen gar nichts.“ sagte man mir.

    So richtig begriffen hab ich das zunächst nicht und das Ersetzen von „ich muss“ durch „ich darf“ hörte und fühlte sich für mich nicht selten merkwürdig und unpassend an.
    Unter den Patienten, mit denen ich mich anfreundete, haben wir uns oft über unsere Umformulierungen amüsiert und uns gegenseitig scherzhaft mit den Formulierungen, mit denen wir auf der Station immer wieder konfrontiert wurden, ermahnt oder hoppgenommen.

    Nun wäre ich aber nicht ich, wenn ich nicht ernsthaft darüber nachgedacht und mich damit beschäftigt hätte. Ich hab oft in mich hineingefühlt, was die eine oder andere Forumulierung mit MIR macht und allmählich begriffen, worauf die auf der Station eigentlich hinauswollten.


    Daher möchte ich dir eine Empfehlung geben, es selbst bei dir auszuprobieren: Formuliere das „Ich muss nur lernen mehr zuzulassen“ in „Ich darf lernen mehr zuzulassen“ um und spüre immer mal wieder in dich hinein, was das mit dir macht.



    Und noch was dazu:

    Ich für mich habe gelernt, dass es für meinen Seelenfrieden besser ist zu akzeptieren, dass diese Suchtgedanken da sind. Sie sind halt da, aber das war es auch schon. Wenn sie kommen, dann erkenne ich das an, sage kurz ‚Hallo‘ und gehe dann weiter, wie bei einem alten Bekannten auf der Straße, mit dem ich nichts mehr zu tun haben möchte. Ich darf diese Gedanken nicht wegschieben, weil verdrängen und wegschieben bei mir keine Gute Lösungsstrategie in der Vergangenheit gewesen sind.


    Wenn sich das bei dir so verhält und sich vor allem „richtig“ anfühlt, dann kann es eigentlich nicht verkehrt sein. Ich sehe das auch so bzw. habe es selbst erfahren, dass Verdrängen eher nicht hilfreich ist, jedenfalls nicht für mich. Zum Wegschieben schreibe ich auch noch was.

    Ich selbst habe inzwischen so gut wie gar keine Suchtgedanken im eigentlichen Sinne mehr. Das sind eher so Erinnerungen, die mich ab und zu mal so anfliegen, aber nichts, was mich in irgendeiner Weise triggert. Gedanken sind nun einmal frei und aus dem Unterbewusstsein kommt immer mal wieder dieses oder jenes hoch. Interessant ist eigentlich nur, wie man damit umgeht.

    In deiner Beschreibung, „Wenn sie kommen, dann erkenne ich das an, sage kurz ‚Hallo‘ und gehe dann weiter, wie bei einem alten Bekannten auf der Straße, mit dem ich nichts mehr zu tun haben möchte.“, finde ich mich wieder. So ähnlich geht’s mir auch. Dem „Bekannten“ gebe ich in meinem Denken nicht sonderlich viel Raum, weil sich für mich die oben genannten Lebensweisheit bewahrheitet hat und weiterhin bewahrheitet. Ja, wenn dieser „alte Bekannte“ meinen Weg kreuzt, kriegt er ein kurzes freundliches, aber gelassenes, distanziertes Nicken und nix weiter.

    Er hat mal zu mir dazugehört und in der Tat hatten wir auch unsere guten Zeiten und es tut mir nicht weh, wenn Erinnerungen daran hochkommen. Jetzt will ich ihn nicht mehr in meinem Leben haben, denn ohne ihn geht’s mir richtig gut. Ich vermisse ihn nicht.

    So, wie du das schreibst, scheinst du auch in diese Richtung unterwegs zu sein.


    Noch etwas zu Kontrolle. Das passt für mich gerade auch in diesen Zusammenhang.

    Ich hab dir ja erzählt, dass ich immer wieder mal mit Panikattacken zu kämpfen habe.
    Letztens bin ich diesbezüglich wieder einen Schritt weitergekommen. Ein Mitglied dieses Forums hat mich mit dem Begriff „Fließen Lassen“ erinnert, wie ich ggf. für mich sorgen kann.

    Letztens baute sich in meinem Inneren wieder so ein Panik auf und es hat sich bei mir durchaus schon so eine Angst vor der Angst entwickelt.

    Als ich mich schon zusammenkrümmen, Arme fest um meinen Körper geschlossen in den Armen wiegen wollte, fiel mir der Begriff „Fließen Lassen“ ein. Weil ich die Wirkung von anderen Gefühlen schon kannte, fühlte ich so eine Art Vertrauen oder Bewusstsein in mir, dass ich das wagen kann. - Du musst dazu wissen, dass sich die Angst/ die Panik so schlimm anfühlt, dass man die eigentlich gewiss nicht fließen lassen will. Das fühlt sich für mich nämlich so an, als würde ich das nicht überleben. -

    Ich ließ also fließen und in dem Moment spürte ich, dass die Kontrolle, das Sich-dagegen-Wehren, es nur noch schlimmer gemacht hatte. Durch das Fließen Lassen ließ ich los und spürte unmittelbar schon eine Erleichterung.

    Körperlich setzt mir so eine Panikattacke natürlich zu, ich hatte noch tagelang mit den Auswirkungen der in meinem Körper ausgeschütteten Stresshormone und der Muskelanspannung zu tun. Doch ich weiß, dass das völlig normal ist, und sorge entsprechend für mich.


    LG AmSee

    Hallo Bighara,

    nur kurz, weil ich den Eindruck habe, dass du unter Rechtfertigungsdruck stehst. - Kann mich aber auch täuschen.
    Das, was ich dir geschrieben habe, mag bei dir zwar den Eindruck erweckt haben, dich rechtfertigen zu müssen, aber lass dir von mir versichern, dass du dich nicht rechtfertigen musst.
    Nicht bei mir und auch bei sonst niemand.

    Frohes Schaffen und hohes Aufnahmevermögen heute Abend in der Uni. 🍀


    Wir lesen uns?!

    AmSee13 Nein, der Verlustgedanke trifft es nicht. Auch da greift die Kontrolle umgehend ein bzw. ich empfinde auch keinen Verlust. Der Alkohol fehlt mir nicht. Es ist die Erkenntnis, dass das Loslassen lernen bei mir ein langer Prozess werden wird. Also, die Kontrolle mal nicht durchgehend laufen zu haben, sondern sie auf natürlichem Wege abzuschalten zu können.

    Mein erster Gedanke, als ich das von dir las, war der Gedanke an den sogenannten Inneren Kritiker, der - zumindest bei mir - stets so eine Art Kontrollinstanz war.

    Wie vorhin schon geschrieben, bot der mir in gewisser Weise auch Schutz. Dahinter dürfte durchaus das Empfinden gesteckt haben, dass ich nicht fehl gehen kann, wenn ich mich an ihn halte. Fehler führten mich gefühlsmäßig in die Unsicherheit, ich hatte aber ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit. Deshalb durfte ich mir möglichst keine Fehler erlauben.

    Doch seine Führung, seine dauernde Kontrolle, seine völlig überhöhten Ansprüche haben mir eben auch nicht gut getan. Er hat mir stets das Gefühl gegeben, nicht gut genug zu sein.


    Ein anderer Gedanke kam auf, als ich die zweite Folge deines Podcasts hörte. Was du deine Sucht hast aussprechen lassen, deutet für mich ziemlich deutlich auf Verlustgedanken hin. Deine Sucht war da ziemlich deutlich, als der Alkohol dich darauf hingewiesen hat, dass er immer für dich da war und dir mitgeteilt hat, dass er dich vermisst.

    Hab mich beim Zuhören ein bisschen gegruselt, weil bei mir die Assoziation eines psychisch gestörten Exfreundes hochkam, ja sogar so eines Typen wie in an Falcos Lied, „Jeanny“ von 1985. Im Unterschied dazu ist die Sucht, die du da sprechen lässt, kein Fremder, sondern ein Teil deines Selbst, eben deine Sucht.

    Nach allem, was ich weiß, ist es nicht verwunderlich, dass es etwas mit dir macht, wenn du deine Suchtgedanken ausformulierst und ihnen deine Stimme leihst. Hast du schon mal von dieser Lebensweisheit gehört oder gelesen: „Du bist dort, wo deine Gedanken sind. Sieh zu, daß deine Gedanken da sind, wo du sein möchtest.

    Ich selbst habe in meinem Leben immer wieder erfahren, wie viel Wahrheit in dieser Lebensweisheit steckt. In der Tat bin ich meistens gefühlsmäßig dort, wo ich mit meinen Gedanken bin. Bin ich mit meinen Gedanken bei etwas Traurigem, fühle ich mich traurig, bin ich in meinen Gedanken bei etwas, das mir Angst macht, fühle ich mich ängstlich, fürchte ich mich. Bin ich bei etwas Schönem, Angenehmen, fühle ich mich gut. Und so weiter.

    Insofern lässt sich erklären, warum es dir zusetzt, wenn du deine Suchtgedanken ausformulierst und ihnen deine Stimme leihst.

    Es ist die Erkenntnis, dass das Loslassen lernen bei mir ein langer Prozess werden wird. Also, die Kontrolle mal nicht durchgehend laufen zu haben, sondern sie auf natürlichem Wege abzuschalten zu können.

    So formuliert, würde mir persönlich das wenig Mut machen, sondern mich eher sogar behindern, weil’s mir in gewisser Weise auch Angst machen würde.
    Das suggeriert mir ja, dass ich eigentlich ständig auf der Hut sein muss und dass ich noch laaaaaaaaaaaaaaaaaange durchhalten muss, bis es mir wirklich gut gehen wird.


    Für mich (wieder-) entdeckt habe ich den Begriff „Selbstwirksamkeit“ und was alles so dahinter steckt. Immer, wenn ich eine schwierige Situation bewältige, und bei mir sind das zum Beispiel Panikattacken, die mich überkommen, diese aber selbst mit meinen „Werkzeugen“, meinen Skills bewältigen kann, erfahre ich Selbstwirksamkeit.

    Im Anschluss an eine solche Situation mache ich mir noch einmal bewusst, dass ich das gerade alleine, ohne fremde Hilfe hingekriegt habe und klopfe mir dabei gedanklich auf die Schulter. So stärke ich mich, ermutige mich und nehme mir vor zukünftigen vergleichbaren Situationen die Angst.

    Feedback dazu geben möchte ich dir dazu nicht, dazu müsste ich ins Detail gehen, was mir aber sehr schwer fällt. Außerdem vermischt sich da für mich gefühlt etwas. Das eine ist der Podcast, mit seinen jeweiligen Inhalten und vielleicht auch Intentionen, das andere bist du hier, mit der ich direkt auf ein Teilen deinerseits mit meinen eigenen Erfahrungen antworten kann.

    🤔 Nicht, dass das missverstanden wird. Ich finde es beeindruckend, was du dir da vorgenommen hast, nur (über-)fordert es mich, dir dafür Feedback zu geben.

    Oberflächlich könnte ich das, aber oberflächlich war noch nie meine Sache, geht mir einfach gegen den Strich.

    Entscheidend ist meines Erachtens doch, was sich für DICH richtig anfühlt.

    Im Nachhinein dachte ich mir, dass ich mir eigentlich hätte denken können, dass diese krasse Exponation mit dem Nüchtern Karaoke singen etwas mit mir macht (mit Alkohol früher verknüpft, raus aus Komfortzone, Runterfahren Kontrolle etc.), aber wenn ich meine Welt wieder vergrößern möchte, muss ich solche Situationen irgendwie halt schon auch in Kauf nehmen.

    Eigentlich logisch, dass sie was mit dir macht, und zwar in vielerlei Hinsicht.
    Das eine ist gewiss die Verbindung zum Alkohol, die dich getriggert hat. Er war ja auch 23 Jahre lang dein Begleiter. Alle möglichen positiven, aber auch negativen Erfahrungen sind damit verknüpft und diese Verknüpfung kann nicht rückgängig gemacht, nicht gelöscht werden.

    Da könnte aber noch etwas anderes eine Rolle spielen. Raus durfte nämlich ein Innerer Anteil, der sonst nicht ohne Alkohol rauskommen durfte oder konnte. Dass der Purzelbäume schlägt, ist eigentlich nicht verwunderlich, meine ich.

    Dass der sich wiederum mit der Erinnerung an den Alkohol verknüpft, finde ich auch irgendwie nachvollziehbar. Der muss erst lernen, das Vertrauen haben, dass er auch so einfach raus darf. :)

    Ist doch auch megageil, so eine Erfahrung. Mag sich zwar wegen des Triggerns gefährlich anfühlen, aber im Grunde war’s doch etwas Gesundes. 🤔