Beiträge von AmSee13

    Und schon bist du im öffentlich sichtbaren Unterforum.
    Du kannst diesen Faden nun zur weiteren Vorstellung nutzen und dich ggf. auch in anderen Threads äußern.
    Ein gutes Ankommen wünsche ich dir hier und einen hilfreichen Austausch.

    Grüße

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    Danke für deine kurze Selbstvorstellung. Ich werde dich gleich für den öffentlichen Bereich freischalten und deinen Vorstellungsfaden in das entsprechende Unterforum verschieben.

    Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Eine gewisse Allgemeingültigkeit steckt da schon hinter, das ist korrekt. Deswegen schrieb ich oben von den sogenannten "Big Five", allerdings habe ich mir das nicht ausgedacht sondern ich trage das weiter und wende das an.

    Oh, ich gehe nicht davon aus, dass du dir das nur aufgrund deiner eigenen Erfahrungen ausgedacht hast. Dass Körperliche Bewegung, Ernährungsgewohnheiten, Schlafverhalten usw. entscheidend für das körperliche und psychische Wohlbefinden sind, ist ja nun wahrlich nichts Neues.

    Womit ich ein Problem habe ist das Wort "Bekehrung". "Bekehrung" hat so einen negativen Touch, den das Wort aber nicht verdient. Bekehrung klingt nach Dogmatismus, ist es aber nicht. Das ich mit "Bekehrenden Dogmatimsus" meine Probleme habe, sollte, wer meinen Thread gelesen hat, das eigentlich wissen.

    Ich hab eine Weile überlegt, wie ich das bezeichnen könnte, was mir in deinem Schreiben aufgefallen ist. Ich wollt’s nicht missionarisch nennen - das hat bei mir aufgrund der Geschichte von Missionierung verschiedenster Couleur eher so einen negativen Touch -, obwohl sich auch bei mir mitunter dieser Eindruck aufdrängt. Da sind mir bei dir so einige Formulierungen aufgefallen, die genau diesen Eindruck bei mir hervorrufen.

    Ich selbst sehe das Wort „Bekehrung“ nicht unbedingt im Zusammenhang mit Dogmatismus. Dogmatismus ist etwas, was tatsächlich eher ins Extreme geht und andere Ansichten nicht unbedingt neben sich duldet. So schätze ich dich aber nicht ein, das würde auch nicht zu dem passen, was du sonst schon so geschrieben hast.
    Ja, das Wort „Bekehrung“ hat leider auch im Laufe der Geschichte einen negativen Beiklang bekommen, aber in diesem negativen Sinne habe ich diesen Begriff nicht gemeint, sondern in dem Sinn, was das Wort eigentlich ursprünglich bedeutet: Jemanden zu einer Sinnesänderung veranlassen, jemanden für eine bestimmte Ansicht gewinnen.

    Das an sich ist nicht grundsätzlich etwas Negatives, sondern kann durchaus auch positiv besetzt sein.

    Problematisch wird dieser Begriff erst, wenn anderes, was auch seine Berechtigung hat oder haben könnte, negiert wird.

    Ob letzteres bei dir der Fall sein könnte, kann ich gar nicht beurteilen und will es auch gar nicht.


    Was den Begriff „Grundbausteine“ betrifft, so vermeide ich aus vielleicht nachvollziehbaren Gründen diesen Begriff, auch wenn ich grundsätzlich weiß, was du damit meinst, und diesbezüglich nicht unbedingt anderer Ansicht bin als du.

    Nur dafür braucht es ggf. externe Impulse, um darüber nachzudenken.

    In diesem Zusammenhang denke ich an das, was wir insbesondere Angehörigen immer wieder antworten, und ich denke an das, was hier irgendwo mal zum Thema Motivation angedacht oder diskutiert wurde.
    So, wie du das formulierst, drängt sich mir der Eindruck auf, dass du die Ansicht vertrittst, von außen jemanden aktiv zum Wendepunkt heranführen zu können.
    Das aber funktioniert erfahrungsgemäß - Ausnahmen mag es geben - eben leider nicht, wenn die innere Bereitschaft zur Wende nicht grundsätzlich bereits vorhanden ist. Und das gilt nicht nur für Süchtige.

    Doch AmSee13 , es ist oftmals so einfach. Genauso einfach ist es. Nicht für jeden, das ist klar, aber für ganz viele Menschen ist es so einfach.

    Ich lass dir das gerne, dass du’s für einfach hältst und ich kann dir und deinen Klienten nur wünschen, dass ihr erfolgreich seid. Meine Lebenserfahrung und meine Beobachtungen unterschiedlichster Menschen im Laufe meines Lebens sprechen dagegen, die Dinge zu verallgemeinern. Dein letzter Satz bringt das, was ich das sehe, auf den Punkt:

    Aber wie gesagt, dass muss nicht für jeden passen, soll es nicht, muss es nicht, es wird aber auf Leute passen, das weiss ich.


    Auch ich gehe davon aus, dass dein Ansatz auf Leute passt, und das nicht nur aufgrund deiner eigenen Erfahrungen. Deshalb betrachte ich deinen Post ja auch als Einladung, die eben angenommen werden kann, aber nicht unbedingt muss.


    Viele Grüße

    AmSee

    Hi,

    dann mag ich auch mal meinen „Senf“ dazu geben. Ich kann beide Ansichten nachvollziehen.

    Ich nehme vor dem Hintergrund der sportlichen Ziele und Erfolge von denen du, Honk hier berichtest, dein „Create your best self“ ebenfalls als einen sehr stark leistungsorientierten Ansatz wahr. Und wenn du schreibst, „Aber ein wenig Schweiss soll trotzdem fliessen, daran ist leider kaum ein Vorbeikommen.“ klingst du wie einer dieser typischen Motivationstrainer. Du schreibst ja auch selbst, wie du seit deinem Wendepunkt deinem Fokus sehr zielgerichtet auf dich und deine Zukunftsausrichtung legst. Und nun legst du ja auch deinen berufliche Ausrichtung darauf aus, andere in diese Richtung zu motivieren.

    Zugespitzt wirkt dein Post auf mich, als wenn du Allgemeingültigkeit für deinen Ansatz beanspruchst, die Menschen quasi nur entsprechend bekehrt und motiviert werden müssten.

    Wenn’s doch nur alles so einfach wäre….. Ist es aber nicht.


    Andererseits wiederum sehe ich in Honks Post eine Einladung, die eben angenommen werden kann, aber nicht unbedingt muss. Bei ihm hat‘s funktioniert, warum sollte er seine Erfahrungen und sein erworbenes Wissen nicht mit anderen teilen?
    Im Grunde steht es jedem/jeder frei, ob Honks Angebot für ihn/sie interessant ist oder eben nicht.

    Und Honk selbst darf seine Erfahrungen machen, ob und wie gut sein Ansatz bei anderen Menschen ankommt bzw. funktioniert.


    Wenn ich mein Leben, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein so, wie es jetzt ist, betrachte und in mich hinein spüre, so habe ich in den letzten Jahren tatsächlich auf wundersame Weise mein „best self“ gefunden.

    Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich das bewusst und zielgerichtet so „created“ habe, bei mir war es eher so, dass sich ein Schritt nach dem anderen ergeben hat und ich offen genug dafür war, den jeweils nächsten Schritt zu gehen, und ggf. Hilfe dabei in Anspruch genommen habe.

    Wenn ich gewissermaßen mit dem Anspruch, ich müsse mein „best self“ zu meinem eigenen Wohl nur entsprechend „createn“ an die Sache herangegangen wäre, hätte mich das wohl überfordert, denn der Druck des „Müssens“ hat mich nahezu meinem Leben geprägt und an den Rand der Verzweiflung und darüber hinaus gebracht. Es hat in meinem Leben zweifellos nicht an mangelnder Motivation gelegen, dass ich dieses oder jenes, was „gesund“ gewesen wäre, nicht erreicht hab.


    Dazu noch etwas von mir:

    Nichtsdestotrotz gibt es die sogenannten "Big Five", und dazu gehört Bewegung auf jeden Fall mit dazu. Es muss allerdings kein Triathlon sein, dass ist korrekt. Aber ein wenig Schweiss soll trotzdem fliessen, daran ist leider kaum ein Vorbeikommen.


    Nun bin ich selbst ja durch MS und RLS körperlich und mitunter auch psychisch beeinträchtigt. Was sich aber spürbar positiv auf mein Befinden auswirkt, dem muskulären Abbau entgegenwirkt und bspw. die Symptome des RLS deutlich lindert, ist Bewegung. Ohne ein gewisses ordentliches Pensum an täglicher Bewegung geht’s mir in der Tat deutlich schlechter, das merke ich recht schnell an den schmerzenden Beinen im Ruhezustand an dem Tagen, an denen ich nicht zum Spaziergang rauskomme. Und ich merke es recht schnell, wenn ich meinen krankengymnastischen Übungen nicht nachkomme.

    Ja, natürlich fließt da auch n bisschen Schweiß, aber nun nicht so, dass mir das nennenswert auffallen würde. 😅


    Viele Grüße

    AmSee

    Wenn man gerade so "abrutscht", ist ein Zeitraum von 2 Wochen wahrscheinlich gar keine Zeit oder?

    Hallo Olivia,

    was du gar nicht wirklich weißt, ist, wie tief dein Freund schon vorher in seiner Sucht drin gehangen hat.

    Er hat dir gegenüber geäußert, dass er bereits seit 20 Jahren mit Suizidgedanken zu tun hat. Das deutet darauf hin, dass er größere Probleme hat.

    Ein Zeitraum von zwei Wochen dürfte da mit sehr großer Wahrscheinlichkeit tatsächlich keine Zeit sein. Ob er überhaupt die Kurve kriegt, kann dir niemand sagen. Das wird zur Zeit nicht einmal er selbst können.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    du hast dich hoffentlich von der Diskussion, die in deinem Faden ausgebrochen ist, nicht abschrecken lassen. 😅

    Auf diesen Punkt, den du angesprochen hattest, würde ich gerne noch etwas näher eingehen bzw. auf deine Frage, ob sowas eigentlich auch ein Problem sei.

    Mir ist heute Nachmittag mal eingefallen, dass ich mir selbst auch mal ein "Alkoholproblem" attestiert hatte... Und zwar ist es bei mir so, ich trinke keinen Wein, dem kann ich gaaaaar nichts abgewinnen. Ich finde ab und zu ein Radler (im Sommer, es muss heiß sein und das Radler kalt) ok, aber ansonsten finde ich, ohne Rausch kann ich das auch sein lassen. Wenn ich jedenfalls trinke, dann am liebsten, bis nichts mehr reingeht und ich Spaß habe, ich lache viel und bin etwas anhänglich und alles dreht sich und es ist schön, die Probleme mal weiter weg zu sehen und nicht direkt vor mir. Am nächsten Tag habe ich auch keine Kater oder so, das Leben geht ganz normal weiter. Aber ich sobald ich anfange, höre ich erst auf, wenn nix mehr geht. Und ich trinke gerne Wodka mit allem möglichen gemischt und Sekt und alles was süß ist... Dieses Jahr habe ich noch nichts getrunken, dafür war ich am Tulpensonntag richtig dicht und wir haben lange Party gemacht :thumbup: Ist sowas auch eigentlich auch ein Problem?


    Ob auch du schon ein „Alkoholproblem“ hast, kannst eigentlich nur du selbst wissen bzw. entscheiden.

    Wenn du selbst allerdings diesbezüglich schon nachdenklich geworden bist oder es dir sogar bereits selbst attestiert hast, dann kann das schon ein erster Hinweis sein, der ernst genommen werden sollte.

    Ich will das bei dir nicht harmlos reden, dir aber auch kein Problem attestieren, wo womöglich noch keines existiert.

    Vielleicht hilft dir folgende Information weiter:
    Die Tatsache, Trinkpausen von Wochen und Monaten einlegen zu können, sagt nichts darüber aus, dass man kein Problem hat. Das Problem kann tatsächlich schleichend schon längst bestehen.

    Damit, Alkohol um seiner Wirkung Willen zu konsumieren, fängt das Problem nämlich im Grunde schon an. Nun trifft das aber im Prinzip auch schon auf all die Feierlichkeiten zu, die schon seit Menschengedenken mit Alkohol zelebriert werden.
    Es stellt sich somit die Frage, wo sich eine Grenze ziehen ließe zwischen dem ausschweifenden Konsum anlässlich solcher noch überschaubaren Feierlichkeiten und solchem Konsum, den man tatsächlich als riskant oder sogar ernsthaft problematisch einstufen würde.


    Wie ist das zu bewerten, dass bei dir der Durst mit dem Trinken kommt und das du erst aufhörst, bis nichts mehr rein geht? - Sagen wir‘s mal so: Gänzlich unproblematisch ist das nicht, denn du fährst offenbar voll auf den Rausch ab und dein sogenanntes Belohnungszentrum ist/ wird entsprechend konditioniert.

    Interessant ist zum Beispiel, dass du ausgerechnet Wodka mit allem möglichen gemischt konsumierst. Anders als Korn und andere alkoholische Beimischungen hat der kaum Eigengeschmack, der haut einfach nur ordentlich in die Birne rein. Sekt hat zwar Geschmack, aber der haut auch ordentlich rein.
    Kurz und gut, dir geht’s wie gesagt um den Rausch an sich.

    Dein Konsum muss andererseits aber noch nicht unbedingt ein echtes Problem darstellen. Wenn‘s bei wenigen überschaubaren Ereignissen anlässlich bestimmter Festlichkeiten bleibt, sich dein Konsum nicht auf weitere Anlässe ausweitet und du‘s tatsächlich ohne Probleme kontrollieren kannst, dann ist doch alles ok.

    Bei mir hat sich‘s eben ausgeweitet und es war für mich schließlich nicht mehr zu übersehen, dass mir die Kontrolle tatsächlich entglitt. Ich wusste, als ich mich ernsthaft mit meinem „Problem“ beschäftigte, dass es zweifellos leichter war, es ganz bleiben zu lassen, als es weiterhin mit Kontrolle zu versuchen.

    Nun kann ich dir aus heutiger Perspektive sagen, dass ich definitiv nichts vermisse, nur weil ich nicht mehr trinke. Ich brauche keinen Rausch mehr, um zu feiern, Spaß zu haben, viel zu lachen, um das Gefühl zu haben, dass alles schön ist, und um die Probleme mal weiter weg zu sehen.
    Ich persönlich halte Alkohol inzwischen für gänzlich überschätzt und unter Umständen sogar echt kontraproduktiv.
    Mich reizt so gar nichts mehr daran, Alkohol zu konsumieren. Wenn andere das tun wollen, bitteschön, dürfen sie, ihre Entscheidung, ihr Leben. 😅


    Viele Grüße

    AmSee


    Ich hinterfrage die Veränderungsmotivation bei Anderen nicht mehr und ich versuche es auch nicht mehr zu verstehen, warum die einen noch drin hängen und die Anderen nicht, denn wenn ich eins in diesem Forum gelernt habe, dann dass es wahnsinnig viel grau gibt und viele Wege nach Rom führen.

    Ich denke selten über die Veränderungsmotivation bei anderen nach, eigentlichen nur noch dann, wenn zu Austauschen wie diesem hier kommt. 😉

    Und wie kann ich verständnislos auf die Menschen blicken, die noch in der Sucht drin sind?

    Ich weiß nicht, ob da ein Missverständnis vorliegt. Ich hab aufgrund meiner eigenen Biografie durchaus Verständnis für Menschen, die noch in der Sucht drin sind.

    Anders als früher suche ich aber keine Wege mehr, solche Menschen zu retten. Ich nehm‘s zur Kenntnis, dass sie drin sind, und lebe in dem Bewusstsein, dass das etwas ist, an dem ICH nichts ändern kann.


    Nachtrag: Ich hab das hier wirklich einfach sachlich runtergeschrieben. Für mich war und ist das hier ein Gedankenaustausch auf Augenhöhe, wie ich das sehr schätze. 😄

    Wovor ich aber gewaltig Angst hatte, dass muss ich wirklich so sagen, war die ganze Geschichte um das Trocken werden: "Eingeständnis, Klinik, Entzug, Therapie, für immer und ewig krank, immer Alkoholiker, Stigmata etc etc.".

    Ich habe mich vorher tief mit dem Thema "Aufhören" beschäftigt. Und ich kanns nur wiederholen, so mies und fies ich behandelt worden bin, in einem anderem Forum, haben alle Klischees gestimmt. Und ich konnte mir das nicht vorstellen, mich in diese Welt einzufügen. Auch die Reportagen die es so gibt: Überall die schweren Geschichten, mit Kliniken die Angst machen, ganz miese Vorurteile. Und da, hatte ich einfach Angst vor. Es war für mich nicht vorstellbar, irgendwo anzuklopfen und diesen berühmten Satz zu sagen. Habe ich bis heute übrigens nicht.

    Das kann ich ziemlich gut nachvollziehen, denn ich hatte in der Zeit, bevor ich hier aufschlug, ebenfalls Angst. Ich hatte da das Beispiel und die ganze Geschichte meines Vaters vor Augen. Ich glaubte, Alkoholiker zu sein, beinhaltete „Eingeständnis, Klinik, Entzug, Therapie, für immer und ewig krank, immer Alkoholiker, Stigmata etc etc.". Das hatte ich mit ihm ja auch genau so erlebt.

    Da ich nicht so weit war wie er, Trinkpausen einlegen konnte, nicht auffällig wurde und so weiter, glaubte ich, diesen Weg, der für mich das alles beinhaltete, noch nicht gehen zu müssen. Um das zu verhindern, bemühte ich mich, die Kontrolle über meinen Konsum zu behalten. Und wiegte mich mit Online-Selbsttests in Sicherheit.

    Als mir dann meine regelmäßigen Kontrollverluste (der Durst kam beim Trinken) mulmig wurde, beschloss ich, mich an Menschen zu wenden, die sich mit dem Thema doch auskennen müsste und meldete mich hier an. Und ich geriet zu meinem Glück an ganz andere Ansprechpartner, denn zu einem Bekenntnis/ Eingeständnisse wäre damals noch nicht bereit und auch nicht in der Lage gewesen. Auch ein Arztbesuch wäre zu dem Zeitpunkt für mich noch nicht infrage gekommen.

    Was mich damals ansprach, war eine positive Perspektive nach vorne. Ich konnte Susanne68 und Gerchla vollkommen abnehmen, dass die „zufrieden abstinent“ waren. So etwas hatte ich mir vorher nicht vorstellen können.

    Inzwischen habe ich mit diesem „Eingeständnis“ keine Probleme mehr, manchmal gebrauche ich den Begriff, wenn’s nützlich ist. Ansonsten ist der Begriff für mich nicht wichtig. Da ich das Interesse an Alkohol gänzlich verloren habe, er in meinem Leben überhaupt keine Rolle mehr spielt und ich mit Wasser und Brause tatsächlich vollauf zufrieden bin und gar nix anderes konsumieren will, besteht auch kein Anlass, mir selbst oder jemand anderem gegenüber regelmäßig einzugestehen, Alkoholikerin zu sein und nicht mehr trinken zu dürfen.

    Sucht und Persönlichkeitsstörungen, emotionale Instabilität etc hängen ja auch sehr eng miteinande zusammen, daher erkläre ich mir ,dass es nicht ausreicht ,sein eigenes Sucht Potential zu erkennen ,um den eigenen Untergang zu erkennen sondern auch aktiv an seiner Psychohygiene zu arbeiten ,bzw den Wunsch zu haben ,einiges verändern zu wollen.

    Das sehe ich ganz ähnlich, wobei wir bei „Wunsch“ wieder da wären, wo ich angesetzt hatte.
    Es scheint jedenfalls so, dass dieser „Wunsch“, das, was ich als „echtes“ Wollen bezeichne, aktiv nicht herbeigeführt werden kann, sondern dass das eher eine Glückssache ist, etwas, was der eine dann u.U. wider Erwarten erreicht, der andere aus unerfindlich Gründen (vielleicht aufgrund gewisser Prägungen/ seelischer Verletzungen im Laufe seines Kindes- und Jugendaltes 🤷‍♀️) nicht erreicht.

    Aber jemand, der noch mitten drin steckt in der Sucht ,spürt zwar den Leidensdruck aber schafft es trotzdem nicht ,auszusteigen und wählt scheinbar "freiwillig " den Weg des Untergangs.

    Ich denke ,dass der Blick aus der Sucht heraus so verstellt ist ,dass er womöglich gar nicht mehr sehen kann ,dass er den Untergang wählt und wenn ja,dann vermute ich ,dass es ihm egal ist.

    Ich habe, als ich das vorhin schrieb, nicht nur an Menschen gedacht, die in einer Sucht drin stecken, sondern tatsächlich auch an andere Beispiele.

    Ich weiß es nicht, ob es daran liegt, dass aus der Sucht heraus der Blick verstellt ist. Um das ernsthaft beurteilen zu können, müsste das wohl empirisch untersucht werden. Vielleicht ist es das schon und ich selbst hab nur keine Kenntnis davon.

    Die, an die ich persönlich gedacht habe, waren unter anderem auch Angehörige von Suchterkrankten (wobei Co-Abhängigkeit inzwischen ja wohl auch als eine ernsthafte Suchterkrankung angesehen wird), Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen mit körperlichen Erkrankungen, die aber mit einer halbwegs „gesunden“ Lebensweise weniger mit ihren Erkrankungen zu tun gehabt hätten.

    Bighara , ja und doch irgendwie auch wieder nein.
    In der Tat ist es offenbar bei vielen, die dann aus irgendeiner Sache aussteigen, der entsprechende Leidensdruck, der sie dazu bringt, neue Wege zu suchen und auch zu gehen.

    Wenn es so einfach wäre, müsste man - und die Möglichkeit bestünde bei dem einen oder anderen durchaus bspw. durch Unterlassen oder durch Aussetzen bestimmter Situationen - nur aktiv den Leidensdruck entsprechend erhöhen und dürfte dann davon ausgehen, dass die dann dieses „echte“ Wollen erreichen.

    Das funktioniert nur leider nicht, wie die Realität es leider ja immer wieder zeigt.

    Nein, sage ich deshalb, weil mir inzwischen schon so viele Menschen begegnet sind, deren Leidensdruck tatsächlich zwar unendlich hoch gewesen ist, die aber trotzdem nicht aus ihrem Leidenskreislauf ausgebrochen sind, scheinbar nicht ausbrechen konnten oder wollten.

    Nicht selten waren das Menschen, die aus mir völlig unerfindlichen, für mich persönlich nicht nachvollziehbaren Gründen in einer Art von Opferrolle bleiben wollten. Nicht wenige solche Menschen habe ich als wahre „Energiefresser“ wahrgenommen, was mich schließlich dazu bewogen hat, mich von diesen Menschen zu trennen.

    Und wie groß das Leid erst werden muss, um in die Veränderungsmotivation zu gelangen, ist ne ganz individuelle Kiste.


    Gewiss. Wofür ich selbst überhaupt keine Erklärung habe, ist, warum manche Menschen schließlich sehenden Auges den Untergang wählen. Und damit meine ich nicht die, die Suizid begehen, sondern die, die den Weg wider besseren Wissens bis zum bitteren Ende gehen.

    Hallo Miteinander,

    ich finde Mojos Antwort sehr interessant, weil ich eigene Gedanken und Sichtweisen darin wiedererkenne. 🤔

    Zwar war es bei mir am Ende ein Ereignis, das mich dazu bewog, ausgerechnet hier in diesem Forum einen Austausch über mein Problem zu suchen, aber diesem „Ereignis“ gingen tatsächlich mehrere Ereignisse und Begebenheiten voraus, die schließlich dazu führten, dass ich mein Problem nicht länger vor mir selbst verleugnen konnte und auch nicht wollte.

    Honk hat in seinem Thread geschrieben, man müsse es nur wollen. Er hat damit nicht ganz Unrecht. Wenn das „echte“ Wollen da ist, dann ist alles andere mehr oder minder gar nicht mehr so schwer.

    Ich selbst könnte allerdings aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und sogar meines fachlichen Wissens über „Motivation“ nicht sagen, wie dieses „echte“ Wollen aktiv herbeizuführen ist.

    Ich habe im Laufe meines Lebens so viele Menschen kennengelernt, die zwar irgendwie wollten und durchaus auch gewillt waren, die aber dieses „echte“ Wollen nicht gefunden oder erreicht haben. Warum auch immer. 🤷‍♀️


    Bei mir jedenfalls war das „Wollen“ dann einfach da, ich fühlte endlich eine Bereitschaft, die vorher nicht da war. Und ich geriet zu meinem Glück zu jenem Zeitpunkt genau hier in diesem Forum an die für mich richtigen Gesprächspartner. Ich fand mich einerseits in ihren Erfahrungsberichten wieder und andererseits machte mir der Ausblick auf das, was sie gefunden hatten, Mut zu einem für mich neuen Weg.

    Ich kann nicht behaupten, dass das erste Jahr leicht für mich war. Und das lag nicht daran, dass mir der Alkohol gefehlt hätte, sondern daran, was emotional so bei mir abging.

    Letztlich ist auch mir mit meinem Ausstieg ein ganz großes Geschenk zuteil geworden. Und auch ich habe meine Wege, meine Antworten letztlich in mir selbst gefunden.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    das klingt nach einem hilfreichen Plan, was du dir vorgenommen hast.

    Et kütt wie et kütt sagt der Kölner... Mal sehen wie es kütt!

    Genau, ich bin zwar nicht Kölner, aber ich teile eine solche Lebenseinstellung. 👍

    Wann immer etwas ist, weißt du ja, wo du uns findest. 😉

    Danke für deine guten Wünsche, die ich gerne erwidere. 😀

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    zu dem Folgenden möchte ich dir auch noch gerne etwas schreiben.

    Er hat sogar gesagt, er würde sowas nie vor Kinder machen (trinken/ kiffen), so verantwortungsvoll ist er, und auch ich habe ihn so nie erlebt, darum war ich mir eigentlich schon ein wenig sicher, dass er sich irgendwann ganz für uns entscheidet und das ganze selbstzerstörerische Verhalten ablegt... Falsch gedacht. Beruflich hat er mit schwer erziehbaren Kindern zu tun, das ist das ironische an der ganzen Sache. Er kann so gut nachfühlen, wie es diesen Kindern geht und wie er ihnen helfen kann. Ich denke, so wie er immer erzählt, macht er seinen Job gut.

    Das mag durchaus sein, dass er nachfühlen kann, wie es diesen sogenannten schwer erziehbaren Kindern geht. Wer einen solchen Beruf ergreift, hat nicht selten eine eigene Geschichte, die ihm oder ihr einen besonderen Zugang ermöglicht.

    Das ist aber eine Sache diesen Zugang und dieses Verständnis zu haben und eine ganze andere Sache, selbst soweit von seiner eigenen Vergangenheit genesen und in gewissen Maße „erwachsen“ und souverän zu sein.

    Mojo hat dir diesbezüglich ein paar ganz wertvolle Gedanken mitgeteilt, die ich selbst übrigens teile:

    Er ist (noch) nicht bereit die letzte Verantwortung für sich selbst zu tragen. In diesem Sinne ist er, auf einer gewissen Ebene, sozusagen noch irgendwo im vielleicht spätjugendlichen Alter verhaftet. Eben in der Zeit, wo man diese Grenzen auslotet und überschreitet. Er hat es, in dieser Hinsicht, noch nicht geschafft, den Schritt in ein wirklich Selbst-/Verantwortliches Leben zu setzen.


    Ich glaube dir das sofort, dass du ihn vermisst, und auch Verzweiflung fühlst. Da ist gewiss auch etwas an ihm, was dich besonders angesprochen hat. Nur ist das äußerst fraglich, ob er zumindest zur Zeit der richtige Partner an deiner Seite und ein guter Vater für deine Kinder wäre.

    Eine richtige Partnerschaft zeichnet sich meines Erachtens durch Augenhöhe zwischen zwei tatsächlich erwachsenen, gleichberechtigten Menschen aus, in der ein jeder für sich selbst die volle Verantwortung übernimmt.

    Wenn du dir aber mal deine eigenen Worte näher betrachtest, so zeigt sich da ein Ungleichgewicht.

    Ist es möglich, dass er sich zu viel Druck gemacht hat, seine Sucht abzulegen, gemerkt hat es geht nicht, und deswegen überstürzt alles beendet hat und gerade eine Phase hat, wo er sozusagen richtig in die Sucht abrutscht?

    Das wirkt auf mich so wie Sorgen, die sich Eltern um ihre Kinder machen. Und es steht für mich im Raum, ob du selbst dir Gedanken machst, ihn mit deiner zweifellos verantwortungsbewussten Entscheidung überfordert und in eine solche „Phase“ getrieben zu haben.

    Ich hab letztens in meinem alten Tagebuch von früher aus einer der schlimmsten Zeiten in meiner Familie geblättert. Es war gruselig und es tat mir für das kleine Mädchen, das ich damals war, unglaublich weh, das zu lesen. Mein Vater äußerte damals immer mal wieder, meine Mutter sei schuld, dass er trinke. Als Kind, das die Zusammenhänge nun wirklich nicht überblicken konnte, habe ich das damals geglaubt. Wobei ich selbst wechselseitig mal auf der Seite meiner Mutter stand und sie vor ihm beschützt habe, mal auf der Seite meines Vaters stand und sie als die böse betrachtet habe. Heute weiß ich, dass das, was mein Vater da behauptet hatte, völliger Unsinn war. Wenn einer Schuld an seinem Trinken war, dann nur er!

    Für eine Partnerschaft ist es so schon schlimm, wenn einer von beiden süchtig ist und sich daraus nicht löst, wenn da aber noch Kinder mit im Spiel sind, dann ist das ganz übel.


    Schreib uns ruhig, wenn dir das hilft. Du wirst hier immer wieder ein offenes Ohr finden.

    Viele Grüße

    AmSee

    tut mir leid, ja ich habe Mojo geantwortet, ich bin nicht so chat- und forumserfahren muss ich sagen...

    Kein Problem, das ist überhaupt nicht wichtig. Ich war mir nur nicht sicher, ob du bewusst nur Mojo geantwortet hattest.

    Alles ist möglich, alles ist aber auch gleichzeitig Spekulation. Was ich Dir mitgeben kann, man kann ein Suchtverhalten vor den Kindern nicht verstecken. Das ist glaub ich, bei jedem alkoholgefährdeten Menschen die "dunkle Seite".

    Da kann ich Honk nur zustimmen. Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass alles möglich ist. Gleichzeitig aber bleibt alles Spekulation.

    Es mag sein, dass dein Freund selbst geglaubt hat und möglicherweise noch immer glaubt, er würde sein Suchtverhalten nie vor Kindern zu zeigen. Es ist aber leider Tatsache, dass Sucht ihre Eigendynamik hat, der Konsum im Laufe der Zeit ansteigt und sich immer weniger verbergen lässt.
    Außerdem wirkt sich der Konsum auch außerhalb der Konsumzeiten aus, das merkt man nicht unbedingt, wenn drin steckt.


    Und es ist tatsächlich so, dass Kinder sehr viel mehr mitbekommen, als Erwachsene überhaupt ahnen. Es ist nicht unbedingt so, dass sie das direkt zuordnen könnten, sie spüren nur, dass etwas nicht stimmt. Und das sorgt u.U. für nicht gerade wenig Verunsicherung.

    Ist es möglich, dass er sich zu viel Druck gemacht hat, seine Sucht abzulegen, gemerkt hat es geht nicht, und deswegen überstürzt alles beendet hat und gerade eine Phase hat, wo er sozusagen richtig in die Sucht abrutscht?


    Darüber lässt sich tatsächlich nur spekulieren. Das, was Mojo als „Mitleidsshow“ bezeichnet hat, hätte ich als „Drama-Show“ bezeichnet, wie ich sie persönlich mehr als einmal bei meinem Vater erlebt habe. Und ich kenne sowas nicht nur von ihm….

    Vermutlich glaubt dein Freund selbst, was er dir erzählt hat, aber Mojo hat vollkommen Recht, wenn er schreibt:

    es liegt doch bei IHM, einzig bei IHM ALLEINE ein besserer Mensch zu sein oder zu werden. Das hat ER und niemand anderes sonst in der Hand.


    Wenn er tatsächlich gerade eine „Phase“ haben sollte, so kann nur er allein etwas daran ändern. Es ändert sich leider gar nichts dadurch, dass du dir Sorgen um ihn machst.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    auch wenn du direkt Mojo geschrieben hast, möchte ich dir etwas dazu antworten:

    Für mich ist das Thema einfach indiskutabel, ich habe Verantwortung für zwei Kinder.

    Das finde ich persönlich eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung und ich kann deine Kinder aus eigener trauriger Erfahrung nur dazu beglückwünschen, dass sie eine Mutter haben, die das so sieht und auch umzusetzen bereit ist.

    Ich sehe das genau so wie du, dass das Thema einfach indiskutabel ist.

    Ob er deine vielen Fragen an ihn allerdings überhaupt beantworten kann, ist fraglich.
    Wenn du aber magst, kannst du die eine oder andere Frage an unsere Selbstbetroffenen hier stellen. Vielleicht können die dir mit ihrem Wissen und ihren eigenen Erfahrungen weiterhelfen.

    ich kann nicht mal böse sein und „Arschloch“ über ihn denken weil es eine verdammte Krankheit ist…

    Doch, du darfst sogar böse auf ihn sein, denn das ist in Anbetracht deiner Situation sogar ein ganz normales Gefühl, das du dir nicht versagen musst und auch nicht versagen solltest.
    Du darfst sogar „Arschloch“ über ihn denken, denn selbst wenn es eine Sucht ist, der er verfallen ist, so trägt er trotzdem die Verantwortung für das, was er entscheidet und was er tut.

    Auch wenn es eine Sucht ist, so trifft er eine Wahl und er entscheidet sich für seine Sucht, für den Alkohol, für das Kiffen und gegen dich und ein Leben mit dir und deinen Kindern.

    Und wegen dieser Entscheidung darfst du natürlich böse und fürchterlich enttäuscht sein.

    Viele Grüße

    AmSee