Beiträge von Mira

    Hallo Nana

    Es ist nie zu spät (und schon gar nicht mit 28!) und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass du bereits Schädigungen hast. Gesund ist es sicher nicht, aber der Körper kann sich zum Glück wieder regenerieren. Wenn du es zur beruhigung wirklich wissen möchtest, dann bleibt doch nur der Arztbesuch. Selber bin ich zwar nie zum Arzt, ich hab mich einfach nicht getraut und wollte es auch nicht so genau wissen. Falls wirklich etwas nicht mehr gut war, hat sich das nach bald 2.5 Jahren wieder gegeben…..

    Ich verstehe dich, dass du den Alkohol wegen der Wirkung gerne trinkst. Das grosse Problem dabei ist, dass das Blatt plötzlich wenden kann und du dann trinken musst, und dir noch ein zusätzliches, grobes Problem aufgebürdet hast. Den Ausführungen von Gerchla schliess ich mich vollumfänglich an. Und ich hoffe, dass du bald einen Therapeuten findest, bei dem dir wohl ist. Vielleicht gibt es keinen, der 100% passt, aber 80% könnten evtl. auch ausreichen, um an den Problemen zu arbeiten. Gut finde ich, dass du selber immer wieder einen Anlauf machst und nicht einfach die Hände in den Schoss legst.

    Lg
    Mira

    Hi Nicki

    Mit dem Unterschied, dass ich selber nichts mehr zu Hause trinke, läuft es bei Besuch bei uns wie früher ab: Es gibt Alkohol, aber natürlich auch anderes…. Ich hab damit kein Problem.

    Als Gastgeber hätte man es auch etwas im Griff, dass nicht übermässig getrunken wird, sprich man muss ja nicht gleich die Gläser nachfüllen (das mach ich z.B. überhaupt nicht mehr), sobald ein Schluck getrunken wurde. Oder man hat eine einzige Flasche Wein für alle, und nicht zwei oder drei.

    Schlimm finde ich Einladungen, wo es fast nur Alkohol gibt, und das einzige andere Getränk ist Mineralwasser. Es gibt soviele gute Getränke. Und was ich auch nicht leiden kann ist, das oft für nichtalkoholische Getränke nur Plastikbecher verfügbar sind und nur für Wein/Bier Gläser. Das hat zwar jetzt nichts mit dem Thema zu tun, ist mir aber grad eingefallen.

    Aber ich schliesse mich den anderen an: Wenn du dich nicht wohl fühlst dabei, aus welchem Grund auch immer, dann gibt es nichts. Dein Haus, deine Regeln, unhöflich fände ich es nicht.

    Lg Mira

    Hallo Cocoon

    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für deine Schwangerschaft.

    Und, warum solltest du später wieder in alte Gewohnheiten zurückfallen, wenn du dies nicht willst? Diese Schwangerschaft ist - nebst dem Umstand dass es einfach auch so schön ist natürlich - eine super Chance, dein Leben ohne Alkohol zu führen, auch später wenn du stillst. Der Vorteil ist ja auch, dass du schon vorher gemerkt hast, dass du ein Problem mit dem Trinken hast. Ich habe diese Jahre (Schwangerschaft, Stillzeit… ) als sehr glückliche Jahre in Erinnerung, weil ich eben nicht trank/rauchte UND die ganzen hormonellen Schwankungen fallen auch noch weg :) . Aber damals hatte ich noch kein Problem mit dem Alk, so dass ich diese Gelegenheit als Ausstieg hätte nutzen können.

    Lg Mira


    In den ersten zwei Jahren gab es kaum etwas Positives im Suchtausstieg. Die Entzugserscheinungen gingen zwar zurück, dafür wurde aber die Angst stärker spürbar……….. Die Idee, daß da eine rosige Zukunft lauern könnte, die kam erst sehr viel später.

    Danke für diesen persönlichen Beitrag. Ich kann nun etwas besser verstehen, wie du auf deine Linie kommst.

    @Praxx: Auch dir vielen Dank für den interessanten Beitrag. Über einige Fakten bin ich im Internet auch schon gestolpert, anderes war mir neu. Was ich nicht ganz Begriffen habe, ist der Zusammenhang zwischen der Medikamenten-Studie (Baclofen usw) mit dem Placebo-Effekt und dem Kontrollverlust.

    Greenfox


    Worum geht es denn dann? Natürlich will mich hier keiner (direkt) überreden, doch mal wieder zu probieren.

    Greenfox, ich bin sicher, es will dich auch niemand indirekt überreden.

    Und dann noch an alle:
    Mir tut diese Diskussion extrem gut. Ehrlich gesagt wage ich es kaum, über meine Erfahrungen zu berichten, und wenn dann nur sehr vorsichtig diplomatisch, wie auf Zehenspitzen. Ich will einerseits niemanden vor den Kopf stossen, der eben von seiner Sicht der Dinge überzeugt ist, oder noch schlimmer, manchmal denke ich wenn ich jemanden zur Nachahmung animiere und es geht schief, wäre ich noch Schuld daran. Beides ist rational betrachtet etwas unsinnig, das ist mir selber klar. Und dann frag ich mich auch, ob ich überhaupt "richtig" abhängig war, also wirklich eine Alkoholikerin bin/war, dass es bei mir so funktioniert. Aber ich bilde mir diese versäumten Jahre und die grosse Schwierigkeit, da rauszufinden, ja nicht ein!

    Nur, wenn man hier nicht hier darüber schreiben kann, wo dann?

    Was ich gefährlich am - ich nenn ihn mal klassischen - Ansatz finde ist, dass man eine Art vebotene Frucht aus dem Alkohol macht und ihn dadurch erhöht und eine Macht gibt, den er nicht verdient hat.

    Lg Mira

    @ gamma draconis: Ich glaube dir sofort, dass die von dir genannte leitende Psychologin eine erfahrene Person ist. Trotzdem, diese 1% scheinen mir aus der Luft gegriffen. Schon mit einer kurzen Suche im Internet finde ich ganz andere Daten. Aber ich möchte keine Zahlen-Diskussion anzetteln. In diesem Zusammenhang kommt mir das Phänomen des Tunnelblicks in den Sinn. Damit meine ich nicht den Tunnelblick nach zuviel Alkoholkonsum. Sondern, dass man mehr oder weniger unbewusst nur noch diese Argumente/Tatsachen in Betracht zieht, die zum persönlichen Weltbild passen. Und alles andere ausblendet, weil es nicht sein darf.

    @Dietmar
    Wenn es nicht zuviel Mühe kostet, lese ich gerne ein paar interessante Berichte. Aber du musst wirklich nicht erst suchen, wenn du aber ein paar Links zur Hand hast: gerne:)


    Und dann noch zum Schmu(h). Diesen Begriff kannte ich vorher nicht, und mir scheint es auch nicht wichtig die genaue Definition zu kennen (und da gibt es ja sehr viele anscheinend, wie erstaunlich). Und ich habe es auch nie als Gleichung Alkoholismus = Schmu verstandenden, sondern in dem Sinn wie der Begriff hier das erste Mal verwendet wurde.

    Lg Mira

    Guten Tag in die Runde

    Was ich absolut nicht verstehe ist, warum kann man nicht die verschiedenen Ansätze neben sich stehen lassen und akzeptieren? Jeder einzelne hier ist doch in erster Linie froh, es aus der Sucht geschafft zu haben. Das sollte doch die Hauptsache sein. Oder ist die "Trockenheit" (oder von mir aus das Wenig-Trinken bei denen, die trotzdem ab und zu Alkohol zu sich nehmen) oder das suchtfreie Leben von einigen als besser zu bewerten, weil sie es nach Methode xy geschafft haben?

    Es gibt von total Abstinenten bis zu Leuten, die es schaffen wieder "normal" zu Trinken alle Arten von Schattierungen. Und nicht nur Schwarz und Weiss. Die ganz Abstinenten sind nicht zu belächeln und die Existenz von wieder "normal oder kontrolliert-Trinkern" nicht abzustreiten.

    Viele Alkoholiker tauchen ausserdem auch nie in irgendeiner Statistik auf, weil diese weder in eine Klinik gehen noch in eine SHG oder in ein Internetforum.

    Und es gibt nebst dem Ansatz, nie wieder Alkohol zu sich zu nehmen auch Ansätze, wo die Betroffenen trotzdem jeden Tag trinken. Also eigentlich immer noch Alkoholiker sind, aber die Menge ist nicht mehr so dramatisch, so dass mit medizinischer Begleitung trotzdem ein normales Leben möglich ist. Klar könnte man sagen, das ist Nichts, der einzig richtige Weg ist die Abstinenz. Aber wie wär es mit etwas Pragatismus in dieser Hinsicht? Nicht jeder kann/will diesen Weg bestreiten. Ich kenn mich nicht aus - wie z.B. Greenfox - in der Welt der Enzugskliniken mit immer denselben Süchtigen, die es nie lange schaffen. Aber gerade für so Leute wäre das doch ein besserer Weg, als immer wieder in den totalen Absturz zu rutschen. Dasselbe wird auch schwerst Heroinabhängingen angeboten. In der Schweiz gibt es für schwere Fälle staatlich verschriebenes Heroin (ich mein jetzt nicht Methadon), damit trotzdem ein würdiges Leben gelebt werden kann. Das sind natürlich Ausnahmen. Ich hab dieses Beispiel einfach genommen um zu sagen, es gibt nie immer nur eine Lösung, und sicher nie eine die für alle passt.

    @ gamma draconis
    Du schreibst, nur 1% schaffen es aus der Sucht langfristig. Woher hast du diese Zahl? Was ist mit all den Menschen, die es einfach so geschafft haben, und nie in irgendeiner Statistik auftauchen? Gibt es die in deiner Wahrnehmung einfach nicht? Und du schreibst hier einem seit 20 jahren Trockenem (ich glaube es war Dietmar), das sei mal ein guter Anfang. Um im gleichen Absatz zu erzählen, ein Bekannter von dir hat nach 23 Jahren einen Rückfall gehabt. Sorry, aber das finde ich nicht die feine Art. 20 Jahre sind nicht ein guter Anfang! 20 Jahre sind 20 Jahre ein alkoholfreies Leben geführt zu haben. Das ist fantastisch. Und so einem Menschen sollte man gratulieren und nicht so tun, als ob er mit seiner Einstellung (die nicht genau die gleiche ist, wie du sie hast) auf dem Holzweg ist.

    @Dietmar
    Der Ton hat sich u.a. auch verschäft, weil teilweise persönliche ungelöste Differenzen zwischen verschiedenen Schreibern an die Oberfläche kommen.

    Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich mit meinem Weg auch gut fahre. V.a. habe ich keine Angst, wieder Rückfällig zu werden, auch wenn es in meinem nahen Umfeld (also ein paar Meter neben mir ;-)) immer Alkohol hätte. Aber das ist kein Problem. Ich könnte an das Oktoberfest an den Zapfhahnen zum arbeiten gehen, auch das würde mir nichts ausmachen. Denn ich seh das Problem in mir, bei mir, und nicht in der Substanz Alkohol. Was mich davon abhält ist das Wissen, das mein Leben 100% schöner ist so, und die schlimmen Erinnerungen an diese Zeit.

    Liebe Grüsse
    Mira

    Edit/PS: Und ja, m.M.n. darf man es als Schmuh bezeichnen, um die Eingangsfrage zu beantworten.


    Ein bisschen alte Literatur zum Thema

    Danke, sehr unterhaltsam zu lesen. So ist also Plattdeutsch, ich hätte es für Holländisch gehalten. Der Junge wird mit schwarzem Kaffee kuriert, auf was für Ideen man früher gekommen ist.

    Es ist Sitte, wenn eine Frau dabei ist, sie zu fragen, ob sie es erlaubt, daß gestunken werde, und ihr erst dann Rauch ins Gesicht zu blasen.

    Hahaha.. Ok.

    Also gab es auch schon in Zeiten von Tabakblätterrollen süchtige Gewohnheitsraucher. Wenn man dieser Quelle vertrauen kann ;).

    Guten Morgen Pinguin


    Manchmal habe ich wirklich den Verdacht, dass das alles "davor", vor dem Suchtausstieg, vor dem ENTSCHLUSS viel, viel aufreibender, nerviger und anstrengender ist als NACH dem Abprung. nixweiss0

    Ja klar, aber nachher ist alles immer viel einfacher :) .

    Ich glaube ja, du hörst auch bald auf damit. Diese Methode, immer wieder zu probieren, fruchtet irgendwann. Bei mir hat es jedenfalls so geklappt. Irgendwann verleidet es einem dermassen, es immer wieder nicht zu schaffen, das man allein davon genug hat und das Rauchen aus diesem Grund sein lässt. Die Methode "Trial und Error" ist vielleicht nicht die eleganteste, aber Hauptsache ist ja, das Rauchen schlussendlich sein zu lassen.

    Und ich habe x letzte Zigaretten geraucht. Weil man diese ja bewusst noch zu Ende rauchen soll. Schlussendlich hat es dann aber anders geklappt. Wie beim auch beim Alkohol ist der Entschluss, nicht mehr zu rauchen, im Verlauf eines Tages gereift. Und die letzte Zigarette habe ich ganz unbemerkt schon am Vorabend geraucht. Auch der Tag war kein besonderer. Es gibt einfach kein allgemeingültiges Rezept.

    Diese Bilder auf den Packungen gibt es in der Schweiz schon lange; du bist die einzige Person die ich kenne, die sich daran stört! Anscheinend hat es doch eine abschreckende Wirkung.

    Was mich am Rauchen störte, ist dieses "Müssen". Diese Abhängigkeit wollte ich nicht mehr. Aber ich muss zugeben, das Rauchen an sich hat mir schon geschmeckt. Und ich finde, es hat etwas archaisches: Feuer, Rauch, das Anzünden.... eigentlich hab ich gerne geraucht, ja. Also das Rauchen an sich, nicht Raucherin zu sein. Ich hab nach dem Aufhören etwas im Wikipedia über Zigaretten und Rauchen nachgelesen. Und mir dann gedacht, dass das Rauchen heute eigentlich wie Fast-Food-Essen ist: Packungen à 20 Stück, jede Zigi ist schnell geraucht, vorbereitet in der idealen Länge. Alles ist so aufbereitet, dass es kaum kratzt, hunderte Zusatzstoffe sind da drin, damit das Nikotin schneller und besser wirkt, mit Mildmachern, so dass sogar Kinder rauchen könnten, weil es so einfach ist. Eigentlich ein totaler Beschiss, das Ganze. Darauf ausgelegt, möglichst oft am Tag zu rauchen und schön abhängig zu werden und bleiben.

    Das war sicher nicht der Sinn des ursprünglichen Rauchens, diese Form. Wenn man selber ganze Tabakblätter roh verarbeiten müsste, und diese dann z.B. in einer Pfeife oder gerollt raucht, sähen die Rauchgewohnheiten sicher anders aus. Ich könnte mir sogar vorstellen, bei seltenenen Gelegeneheiten eine Zigarre zu rauchen. Aber da ich keine Zigarrrenraucher in meinem Umfeld habe, wird es wohl nie eine geben - was auch nicht so schlimm ist.

    Die ersten 2, 3 Wochen waren für mich etwas schwieriger, als es nach dem Alkohol war. Aber es war kein Krampf, denn ich will ja wirklich nicht mehr jetzt :-). Eben, nachher ist es wirklich einfacher.

    Und ich kann dich verstehen mit dem Image-Problem. Aber du bleibst trotzdem so 8) wie du jetzt bist ;) . Sogar noch viel cooler, weil du dann eigene Herrin über deine Entscheidungen bist.

    Lg Mira


    Nachtrag: Ich hab grad meinen Eintrag vom Juni gelesen: Anscheinend gab es doch eine letzte Zigarette.. aber ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern. Sehr wichtig scheint die nicht gewesen zu sein.

    Hallo Jack

    Herzlich Willkommen im Forum.

    Für heute kann jch sagen, dass ich wohl froh sein kann, dass es in meinem Leben bisher keinen Schicksalsschlag gab, der mich weiter in die Alkoholfalle abgedrängt hat.

    Ja, das kannst du wirklich. Und gut ist, dass du dir jetzt schon diese Gedanken machst und Massnahmen triffst, bevor es überhaupt soweit kommen kann. So eine Situation brachte mich nämlich rückblickend gesehen in den Strudel der Abhängigkeit. Vorher war ich einfach auch eine "Viel-Trinkerin". Allerdings nicht so reflektierend wie du es bist.

    Bist du jetzt auch ohne Alkohol mutiger? Und deine Frau, trinkt sie jetzt auch weniger?

    Lg Mira

    Hallo

    Erstmal herzlich Willkommen hier im Forum.

    Das ist keine einfache Situation, in der du steckst. Vielleicht hilft es dir, wenn du bei einer Beratungsstelle für Angehörige (Co-Alkoholiker) vorbeigehst und dort 1:1 darüber reden kannst. Wenn es dich so sehr belastet, würde ich mir an deiner Stelle hilfe holen.

    Ich War zu der Zeit um ehrlich zu sein zu sehr mit mir selbst beschäftigt.
    Ich möchte aber auch mein Leben noch leben und studieren und ausziehen; mein Partner und ich suchen ein Haus und mit Glück klappt es bald

    Du brauchst doch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du mit mit deinem Leben beschäftigt bist?! So muss es doch gehen im Leben, und deine Mutter ist sicher froh und glücklich, dass du dein Abi hast, und jetzt bereits eine kleine Familie. Du bist nicht verantwortlich für ihr Leben, und ihr wär das vermutlich auch nicht recht wenn du dich verantwortlich fühlst.

    Ich finde es gut, dass du das Thema offen angesprochen hast. Und ihrer Reaktion nach ist ihr durchaus bewusst, dass sie zuviel Trinkt. Sonst hätte sie kaum gesagt, sie möchte es reduzieren. Allerdings finde ich, es ist ein schmaler Grat zwischen Hilfe anbieten und zuviel Einmischen:

    zum Beispiel har sie sich am Freitag 2 Flaschen Wein mitgebracht - ich finde aber heute nur noch eine volle Flasche die andere ist weg

    Ehrlich gesagt halte ich nichts davon, wenn du deine Mutter so kontrollierst. Ändert sich dadurch etwas an der Situation, oder hilft das ihr? Als Mutter würde ich es auch befremdlich finden, wenn sich der junge Verlobte meiner Tochter in meine persönlichen Dinge einmischen würde. Auch wenn er vielleicht recht hat. Aber es gibt trotz allem einen Unterschied zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholismus. Wo deine Mutter genau steht, weiss nur sie.

    Deine Mutter ist eine erwachsene Frau, so wie du jetzt auch. Sie hat dich schon grossgezogen und einiges an Lebenserfahrung. Du fragst, wie du am besten mit ihr umgehst: Einfach ganz normal.. ich würd sie nicht kontrollieren. Du hast ihr ja bereits gesagt, dass du dich um sie sorgst. Aber etwas ändern kann schlussendlich nur sie - wenn sie das möchte. Für mich ist die Frage drängender, wie gehst du damit um, damit du deine Nerven und deine Kraft auf deine eigene kleine Familie verwenden kannst - denn da wirst du gebraucht.

    Alles Gute und Lg
    Mira

    Ich bin nicht mehr in Behandlung seit ca. zwei Monaten und die letzte Phase der Therapie bestand auch schon "nur noch" aus Stabilisierung. Ich kenne auch schon viele Therapeuten, und die meisten haben den Alkoholismus bei mir eher heruntergespielt, so dass er sich so richtig schön entwickeln konnte.

    Manchmal glaube ich, der Alkohol bleibt einem einfach als treuer Begleiter ::) erhalten, auch wenn die anderen Probleme nicht mehr da sind. Allen Carr (ich glaube er war es) hat im Nichtraucher-Buch geschrieben, dass das Rauchen wie eine Krücke war, man aber inzwischen ganz woanders im Leben steht und es einem nichts mehr geben kann, man aber wegen der Sucht trotzdem noch daran festhält. Ich finde, beim Alkohol ist es ähnlich (war es bei mir jedenfalls). Aus einer schwierigen Situtation hab ich angefangen, viel mehr als sonst zu trinken - und dann hat sich das einfach eingebürgert, ich bin nicht mehr davon losgekommen. Obwohl das Problem schon lange nicht mehr da war.

    Auch meinem Mann gegenüber hatte ich mich schon mehrfach "geoutet", aber er bringt trotzdem immer wieder die Weinflaschen mit nach Hause.

    Mein Mann könnte deiner sein ;) . Er hat auch nie den Ernst der Lage begriffen. Ich würd jetzt nicht so weit gehen wie Greenfox schrieb, dass dein Mann "vielleicht nicht will das du aufhörst". Vermutlich ist es die Gedankenlosigkeit, oder einfach das Unverständnis, wenn man selber nicht betroffen ist. Andererseits kann es auch bequem sein, wenn der Partner sich selber ruhig stellt. So lange man trinkt stellt man auch keine grossen Ansprüche. Meiner hat mir tatsächlich mal gesagt, ich soll doch ein Glas Wein trinken… als ich schon lange aufgehört habe und ich mich wegen etwas aufregte.

    Ich würd nochmals das Gespräch suchen, und sehr deutlich sagen worum es geht.

    Seit meinem Ausstieg ist mir der Alkohol im Haus egal; ich fühl mich nie in Versuchung, etwas zu trinken. Am Anfang hatten wir sogar zig offene Rotweinflaschen in der Küche, weil er automatisch jedes Mal beim Kochen eine neue geöffnet hat (weil vorher die angefangen ja immer gleich leer waren….) ABER ich hätte, bei einem erneuten Scheitern, die Konsequenzen gezogen und mir eine eigene Wohnung gesucht. Denn Schlussendlich ist es mein Leben, das den Bach runter geht, Beziehung hin- oder her.

    Du hast erst deine Therapie abgeschlossen. Ehrlich gesagt finde ich es gut, dass die Ehetherapeutin erst in einigen Wochen wieder Zeit hat.

    Bis dahin werde ich vor allem versuchen, mich um mich selbst zu kümmern und Kraft zu tanken für das, was kommt.

    Find ich auch. Wenn du aufhören willst mit dem Alkohol ist das erst einmal sehr positiv und setzt Energien frei. Gleichzeitig die Baustelle Ehe zu kitten; ich weiss ja nicht, aber ich würd eins nach dem anderen machen. Schon alleine, wie du das beschreibst: "schrecklich harte Arbeit", "Horrorbild", "Beziehungsarbeit" :o , Streitereien, Trennung…. Also das ist dann ja schon eher dämpfend. Ist es denn so akut, dass das genau jetzt gemacht werden muss? Oder kannst du dir vorstellen, das eine Zeit lang auf Eis zu legen? Ihr seid auch schon sehr jung zusammengekommen. Mir scheint es so, als ob du auf deinem Weg bist, dich grad sehr veränderst; und das ist nicht so einfach in einer abhängingen und symbiotischen Beziehung, wie du sie beschreibst. Sich wieder ganz als eigene Person zu fühlen… Aber es geht. Schwierig, ich hoff ich schreib nicht zuviel über mich, aber mir scheint als ob ich vieles "verstehe", weil ich mich in vielem wieder sehe.

    Hallo Lars

    Herzlich willkommen hier im Forum, und alles Gute auf deinem Weg.

    Ich hab dich auch mind. 2 Jahrzehnte älter geschätzt und war erstaunt, als ich im 2. Posting dein junges Alter gelesen habe.

    Mein Leben welches keine Bedeutung für mich hatte, ich glaube, ich muss erst lernen, dass es Bedeutung haben kann. Für jemanden der die Möglichkeit hatte ohne Alkohol zu leben stellt sich diese Frage evtl. Nicht, aber ich mzss mein Leben neu kennen lernen, lernen zu leben. Ich will lernen ohne Alkohol zu leben. Für mich ist diese Vorstellung unbeschreiblich schwierig zu verstehen und zu greifen.

    Auch du hattest die Möglichkeit, ohne Alkohol zu leben, hast dich aber anders entschieden. Jetzt willst du einen andere Weg gehen. Du bist noch so jung, pack die Chance und bleib dran. Der Rückfall "muss" nicht kommen.

    Und auch draussen gibt es herzensgute Menschen; allerdings ist es kein Schonraum wie in der Klinik; glücklich, wer einen Freund oder sogar mehrere Freunde und Vertraute hat. Ich hoffe, du hast oder findest einen solchen Freund.

    Lg Mira

    Ich muss mich der Tatsache stellen, dass meine Ehe meine "Erkrankung" vielleicht nicht überlebt hat. ……. Ist das Grund genug?

    Ja klar ist das ein Grund. Das ist nicht Nichts, sondern ziemlich Sch…. . Du bist 33, 17 Jahre Beziehung - mehr als ein halbes Leben. Sicher ist es ein Grund, aber es hilft auch nicht weiter - im Gegenteil.
    Und ohne deine Situation näher kennen zu können behaupte ich einfach mal folgendes: So lange du in dem Fahrwasser bist und soviel trinkst, kannst du nicht richtig einschätzen wie es wirklich um dich und deine Beziehung steht.

    Bei mir war es umgekehrt: Ich dachte immer alles ist gut, und nach dem Aufhören merkte ich, dass vieles für mich doch nicht stimmt. Es wird sich einiges ändern, du wirst dich ändern. Und es ist sicher noch lange nicht alles verloren.

    Nachtrag zum zweitletzten Absatz. Das klingt etwas anmassend und darum möchte ich das korrigieren: Es ist möglich, dass du deine Situation anders beurteilst, wenn du das Problem mit dem Alkohol nicht mehr hast. Du schreibst, ihr habt die letzten Jahre nicht wirklich "gelebt". Auch da kann ich nur für mich sprechen und ich weiss nicht, ob das auf dich zutrifft: Für mich war die Zeit mit dem Alkoholproblem ein Stillstand, nicht nur was die Beziehung betrifft, sondern auch und v.a. für mich als Person. Nachher haben sich jedoch neue Ziele und Ideen abgezeichnet.