Hallo Muffina,
Also vieles von dem das du schreibst hört sich für mich alles andere als entspannt an! Was für ein Stress schon zu Beginn der Beziehung...Mich macht es immer wieder betroffen, wie Alkohol eben nicht nur den Suchtkranken runter zieht, sondern auch sein Umfeld. Das war bei mir nicht anders, meine ganze Familie hat sehr unter dieser Krankheit gelitten. Deshalb kann ich dir auch nur (wie alle anderen hier) raten, möglichst auf dich zu achten, deine Wünsche zu respektieren, deine Grenzen zu setzen.
Eine glückliche Beziehung ist eine, wo man den anderen liebt und achtet so wie er ist, ihn nicht ändern will und auch mit seinen Fehlern leben kann. Das scheint mir bei euch nicht der Fall zu sein...Dir fällt es jetzt schon schwer mit seinem Konsum klar zu kommen, bitte gehe auf keinen Fall davon aus, dass sich das irgendwann mal beruhigt, einpendelt oder er sich für dich zusammenreisst. Vielleicht geht das eine Weile, wie bei den meisten Alkoholikern, die sich und der Welt beweisen wollen gar keine zu sein...auf lange Sicht ist aber Alkoholismus eine fortschreitende Krankheit, der Konsum wird mehr, die Abstände kürzer, dazu kommt später das Verheimlichen, Verstecken, Leugnen etc...Es wird NIEMALS einfach so besser.
Leider muss ich dir auch ganz ehrlich sagen, dass dein Freund schon viele Anzeichen eines Problemtrinkers / Süchtigen aufzeigt: Verkrampftes kontrollieren (mit Hilfe App), eher Urlaub absagen als den Wein stehen lassen (!!!), sich nach längerer Abstinenzphase regelrecht abschiessen, unterschliedliche Begründungen für sein Trinken parat haben (Runterkommen, Freunde, Feier, Urlaub, Es-sich-Verdienen, Genuss, Lebensstil...etc etc), Kontrollverlust...
Was ich mich auch frage ist... Er bittet mich, ja noch ein paar Wochen abzuwarten und mir seinen Konsum quasi noch etwas anzugucken, um zu sehen, dass es unbedenklich ist. Ob ich - selbst wenn es sich jetzt einpendelt, dass er auf einem relativ normalen Konsumniveau landet - ich jemals wieder ein normales und unbeschwertes Verhältnis zu seinem Konsum bekommen kann.
Das fragst du dich zu Recht. Er hält dich im Moment hin, wie gesagt, er will dir unbedingt zeigen dass es soooo schlimm nicht ist. Ganz ehrlich: Wie klingt das für dich? Klingt das nach einem normalem Verhältnis zu Alkohol? Normal ist was du machst...ab und zu was trinken und eben die meiste Zeit nichts, nicht umgekehrt. Sich nach Regeln und Apps orientieren ist alles andere als entspannt und verlangt enorm viel an Kraft und Disziplin, das bricht auf längere Zeit ein, ähnlich wie bei einer Diät. Und dann holt man alles innerst kürzester Zeit wieder nach und konsumiert noch mehr als zuvor. Man wird nur mit einer langfristigen Lebensumstellung glücklich.
Ich erlaube mir dir dies so zu schreiben weil ich selbst genau diesen Weg gegangen bin. Es hat Jahre gedauert bis ich zum Schluss kam, dass nur die Abstinenz mir ein glückliches Leben verspricht. Aber viele müssen diesen Weg selbst gehen. Du als frisch Angehörige kannst es dir aussuchen, ob du dir das wirklich mit ansehen willst. Bis man zur Trockenheit gelangt muss man vorher meistens sehr lange leiden, immer tiefer sinken, den Tiefpunkt erreichen. Und das dauert sehr sehr lange bei einigen und bei den meisten ein Leben lang, sie schaffen den Absprung nämlich gar nie!
Meine Beziehung hat die Krankheit bis jetzt überwunden. Es war ein langer und harter Weg, involviert sind auch zwei Kinder. Ich bin mir nicht sicher ob ich das alles an der Stelle meines Mannes ausgehalten hätte, ich denke nicht. Er musste so viel durch machen, das ist kein Spass.
Ich weiss dass meine Worte bei dir vielleicht gar nicht ankommen, weil du zu verliebt bist, weil du grosse Hoffnungen in diese Beziehung steckst etc...Aber vielleicht bringen sie dich zum Nachdenken. Du als Ausserstehende kannst ihn nicht zum Aufhören bringen, unmöglich. Wenn er selber nicht will kannst du nichts dagegen tun.
LG
Rina