Beiträge von FrankUndFrei

    Hallo Emilie,

    ich denke mal das dauert ein wenig bis sich die körperliche Verfassung bessert. Vielleicht fällt dir das jetzt auch nur mehr auf, weil du mehr auf dich achtest.
    Außerdem hatte ich den Eindruck, dass bei mir unter Alkoholeinfluss Erkältungssymptome immer gedämpft wurden. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich Alkohol für ein wirksames Erklärungsmittel halte. Die Symptome haben ja ihren Sinn , der "Mist" muss ja raus durch Husten oder Schnupfen, dann kam es nach dem Suff um so dicker, außerdem schwächt ein Suff natürlich auch die Abwehrkräfte.
    Bei mir hat sich zunächst als ich trocken wurde nur die psychische Verfassung gebessert, kein Wunder,denn erst mal habe ich weiter geraucht wie ein Schlot, ab 30 Kippen aufwärts am Tag. Beides auf einen Schlag zu lassen wäre vielleicht doch etwas viel gewesen.
    Gute 2 Jahre nachdem ich trocken geworden bin durfte ich dann auch von Rauchen frei werden. Da war es umkehrt, da hat sich zuerst meine körperliche Verfassung gebessert, die psychische Verfassung hat zugegebener Maßen in dern ersten Wochen dann erst mal einen Knick nach unten gemacht, aber um so besser ist es dann später geworden.
    Ganz im Ernst, seit ich mit dem Rauchen aufgehört habe (jetzt gute 4 Jahre her) war ich nicht mehr krank. Da habe ich auch angefangen, den Sport weiter auszubauen (Rennen). Am 3.Oktober bin mich meinen ersten offiziellen Halbmarathon (für mich selbst habe ich natürlich vorher schon geprobt) gelaufen und das sogar in einer halbwegs akzeptablen Zeit. Das wäre für mich nicht möglich gewesen wenn ich weiter geraucht hätte. Mit dem Rauchen aufzuhören wäre wiederum bei meinem Alkoholkonsum undenkbar gewesen. Somit ist meine Trockenheit schon die Basis sowohl für meine körperlich als auch für meine psychische Gesundheit.
    Ok das ich mit Dingen die mit Viren und Bakterien zusammenhängen viel weniger Last habe verstehe ich schon. Aber sogar mit Dingen wie Hexenschuss oder so habe ich jetzt mit 52 viel weniger Last als mit 40.
    Also, liebe Emilie, alles braucht seine Zeit und alles hat seine Zeit.
    Aber zunächst mal gute Besserung.
    Liebe Grüße
    Frank

    Hallo Hannah,
    ja, ich habe natürlich leicht reden, ich wohne in einer Großstadt und wir haben hier jeden Abend ein Treffen, Sonn und Feiertags sogar zusätzlich auch noch vormittags. Wir legen unseren Neuen immer ans Herz, das wenn irgend möglich auch zu nutzen und während der ersten 3 Monate täglich zu kommen. Wenn jemand fragt, wie er das zeitlich schaffen soll wird ihm oft gesagt, dass die 2 Stunden am Tag wahrscheinlich nicht mal die Hälfte der Zeit ausmacht, die man früher mit Trinken, Nachschub besorgen, Leergut entsorgen und Erholung vom Trinken zugebracht hat.
    Das stimmt schon, ist allerdings zugegebener Weise oft auch eine theoretische Berechnung, wenns nun mal mit den Arbeitszeiten kollidiert kann man nichts machen...
    Vielleicht findest du ja noch was, wo es zeitlich besser passt.
    Ja, den Wahlspruch Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps hatte ich auch. Allerdings habe ich auch unter der Woche abends getrunken, so das ich oft sicher mit erheblichen Restalkohol und Fahne bei der Arbeit aufgelaufen bin....
    Aber du merkst selber schon, wie lange dein Körper an dem Gift zu knacken hat. und dabei bist du ja noch jung. Das wird nicht einfacher, sich solche Abende zu verpacken.
    Also ich kann mich immer noch freuen, wenn ich abends klar und nüchtern ins Bett gehen kann und morgens darüber, dass ich ohne dicken Kopf, rebellierenden Magen, Würgen, Angst vor dem Tag, der mir bevorsteht u.s.w. aufwache. Das sind die beiden Zeiten das Tages wo es mir immer richtig bewusst wird und ich mich darüber freue, wie toll es ist, trocken zu sein.
    Und diese Freude wird bei dir sicher auch noch kommen.
    Liebe Grüße
    Frank

    also ich lasse das jetzt mal mit dem zitieren, bevor wir 10 ineinander eingebettete Zitate haben und niemand mehr durchsteigt ;D
    Ich wollte dir noch etwas dazu schreiben, wegen der Erkenntnis, die du schon lange hast, dass etwas mit deinem Konsum nicht stimmt.....
    Also, ich kann natürlich nur von mir reden, aber ich hatte diese Erkenntnis auch "irgendwie" schon mit ca. Mitte 20. Meine Wochenenden sahen damals oft so aus: Freitags nachts bis in die Früh um die Häuser ziehe, Samstags bis Mittags pennen , dann die Zähne zusammenbeißen, bis Abends um 10, was das zeitliche Limit war, welches ich mir gesetzt habe bevor ich mir das erste "Reparaturbier" genehmigen"durfte". Das geschah dann oft genug alleine zu Hause, weil ich einfach von Vorabend noch total fertig war. Meist waren es dann so 5 Flaschen (0.5l) Bier. Das war damals ohnedies meine übliche Abendration für unter der Woche und weil Wochenende war und möglichst Schnell "repariert" werden musste gabs an diesen Samstagen meist noch 2 Piccolo (0,25) Sekt oder Wein vorab, dann war ich am Ende natürlich schon wieder knülle. Es ist jetzt schon mindestens 25 Jahre her, aber ich weiß noch genau, dass ich an einem solchem "Reparaturabend" besoffen die Telefonseelsorge angerufen habe und gesagt habe , dass ich Angst habe, Alkoholiker zu sein.
    Die Dame, die ich dran hatte, hat mich allerdings nicht ernst genommen und meinte, ich solle die Leitung nicht blockieren, es wollten schließlich Leute anrufen, die wirklich ein Problem hätten. ...ich will damit nichts gegen die Telefonseelsorge im Allgemeinen gesagt habe, auch die beste Organisation kann schließlich einen Mitwirkenden haben, der etwas daneben ist, oder oder auch nur einen schlechten Tag hat...
    Ich weiß das alles noch sehr genau, obwohl es schon so lange her ist, ich habe also damals schon geahnt, dass etwas nicht stimmt.
    Aber merkst du was? Ich habe damals nicht gesagt: "Ich bin Alkoholiker" oder "ich habe ein Problem" ,sondern "ich habe Angst Alkoholiker zu sein" ...ich habe mir also ein Hintertürchen offen gelassen und außerdem diese gleich die Bekenntnis zu der Krankheit mit Angst besetzt. Ja, Alkoholismus ist eine schlimme Krankheit, aber man kann sie dauerhaft zum Stillstand bringen und wenn man das tut kann man bei bester Gesundheit glücklich und zufrieden uralt werden (ein zum Stillstand gebrachter Alkoholismus steht dem jedenfalls nicht im Wege). Außerdem habe ich diese halbseidene Bekenntnis besoffen vorgebracht. Ich weiß nicht, was passiert, wäre wenn man mich damals ernst genommen hätte und mir z.B. den Besuch einer Selbsthilfegruppe ans Herz gelegt hätte. Ich nehme aber an, es hätte auch nichts geändert.
    Geändert hat sich erst ca.20 Jahre später etwas, mir meinem ersten Besuch in einer Selbsthilfegruppe,wo ich gleich beim Einführungsgespräch unumwunden gesagt habe, dass ich ein Problem mit Alkohol hatte. Das war auch gar nicht schwer, denn ich wusste ja, dass alle anderen hie das selbe Problem haben . Ein paar Wochen später habe ich dann nicht mehr gesagt, dass ich ein Problem mit Alkohol habe, sondern schlicht, dass ich Alkoholiker bin.
    Und ich denke, du hast jetzt auch einen wichtigen Schritt gemacht, hinein in eine Gruppe mit Leuten, die dasssleb Problem haben und hast hier den Problem unumwunden bekannt, das ist wichtig. Vielleicht wäre eine "reale"SHG auch was für dich?! Nicht dass hier die Leute nicht real wären, aber es ist doch etwas anderes, wenn man sich face to face gegenüber sitzt. Die virtuellen Treffen haben natürlich auch ihre Vorzüge , du kannst zu jeder Tages und Nachtzeit schreiben und lesen , u.s.w.

    Ja und dass dein Mann dein Problem nicht richtig ernst nimmt...das geht leider vielen Alkoholikern von unserem Typus so. Ich habe natürlich in den letzen Jahren auch ein wenig über Alkoholismus gelesen. Es gibt da ja diese Einteilung nach Jellinek, die wohl recht weit verbreitet ist. Demnach bin ich - und ich nehme an auch du - ein Alpha-Trinker ohne oder mit nur schwach ausgeprägter körperlicher Abhängigkeit aber mit starker psychischer Abhängigkeit und wir werden nun mal oft nicht ernst genommen weil man uns ja meist nichts anmerkt .Wir kriegen alles recht gut gebacken und sind im Job oft sogar besonders strebsam, erstens eben damit niemand auf die Idee kommt, wir könnten ein Problem mit Alkohol haben und zweitens damit wir uns Abend die "Belohnung" für den stressigen Tag auch redlich verdient haben. Da können wir uns ganz prima vor uns selbst rechtfertigen.

    Selbst wenn ein Kollege morgens mein Fahne riechen sollte, er wird nie auf die Idee kommen ich könnte da ein Problem haben bei der Leistung, die ich erbringe; so war (vielleicht halb unterbewusst) mein Kalkül und ich denke diese Kalkül geht auch meistens auf. Die Kehrseite der Medaille ist eben, dass die Außenwelt (ich meine damit nicht-Betroffene) uns auch dann nicht als Alkoholiker wahrnehmen wenn wir uns Partnern, Verwandten oder Freunden gegenüber offenbaren. Um so wichtige, dass du mir Leuten redest (ob nun virtuell oder real ), die ebenfalls betroffen sind.
    Liebe Grüße
    Frank


    . Allerdings hat er kein Problem damit, aufzuhören und ins Bett zu gehen.


    ...eben das ist der Unterschied.
    zu deiner Frage, wegen "Versuchung widerstehen", die beiden ersten wichtigen Schritte hast du schon getan: die Erkenntnis dass da etwas mit deinem Konsum nicht stimmt, und zum zweiten, dass du schon dabei bits dir Hilfe zu suchen, eben dass du dich hier angemeldet hast
    Ich muss jetzt arbeiten, demnächst mehr...
    Gruß
    Frank

    ...habe vergessen, ich wollte noch fragen: trinkst du die 2 Gläser, aus denen dann 2 Flaschen werden alleine? Es spielt meiner Meinung nach schon eine Rolle ob das wirklich nur ab und an so ist und durch die Situation bedingt... weil du eben in netter Gesellschaft bist und der Abend etwas länger wird.
    Oder ob du dir 2 Gläser alleine gönnen willst und daraus dann zwei Flaschen werden,....
    Ich habe im letzten 3/4 Jahr bevor ich trocken geworden bin nur noch alleine zu Hause getrunken, auch nie tags über, aber jeden Abend an dem ich Gelegenheit hatte. Wenn die Situation entsprechend war, z.B. meine Tochter bei mir war konnte ich mich noch beherrschen. Dennoch sehe ich mich als Alkoholiker, das ist einfach ein Selbstschutz. Es gibt da einfach kein schwarz oder weiß, der Übergang ist fleißend.
    Bei mir schritt die Krankheit (Alkoholismus) z.B. relativ langsam voran, Ich hatte auch Phasen, in denen ich abstinent, bzw. Abstinent mit einzelnen Ausreißern gelebt habe, aber auch da war jeweils durch äußere Zwänge bedingt.
    Die noch einen schönen Abend und gute Nacht.
    LG
    Frank

    Liebe Hannah,
    erst einmal herzlich willkommen im Forum.
    Zu deiner Frage, ob du es schaffen kannst kontrolliert zu trinken...ich denke, die hast du dir in deinem Post schon selbst beantwortet denke ich.


    hab ich aber frei, will ich mir ein oder zwei Gläser Wein gönnen. Das Problem ist aber, dass daraus auch mal 2 Flaschen werden, zuletzt gestern Abend. :-\


    ...das war doch wohl ein gescheiterter Versuch, kontrolliert zu trinken, einer von vielen vorangegangenen, wie ich annehme?! So ging es mir auch, ich hatte auch unzählige gescheiterte Versuche, kontrolliert zu trinken hinter mir, habe mir nie eine Kiste Bier geholt, immer nur 3 Flaschen, und als die alle waren, dann Nachschub geholt, meist von der Tanke, weil der Supermarkt dann schon zu hatte...zum Schluss habe ich fast immer zwei mal am Abend Nachschub geholt.
    Übrigens keine Angst, sooo groß wie die annimmst ist der Verzicht auf Alkohol nicht. Ich habe schon noch sehr kurzer Zeit ein abstinentes Leben als Gewinn begriffen.

    Liebe Grüße

    Frank

    Hallo Stevie,

    ich bin Frank und noch relativ neu hier. Ich wollte dir nur sagen: geh wieder zu deiner Gruppe, denn ich gehe mal davon aus, dass du dich dich da wohl fühlst und gut ausgehoben fühlst, so klang das jedenfalls was du in einem deine letzten Posts darüber geschrieben hast. Und vor allem: Teile dort deinem Rückfall!
    ich bin auch in einer SHG und ich gehe da wirklich gern hin, nicht nur weil ich danke dass ich "muss" um nicht rückfällig zu werden. Klar, denke ich manchmal auch, soll ich gehen, ...oder doch lieber gemütlich auch dem Sofa rumgammeln. Wenn ich dann am Ende doch gegangen bin war ich jedesmal froh dass ich es getan habe.
    Ist wie mit dem Sport ...anfangs muss man sich vielleicht ein bisschen treten, wenn es dann angefangen hat gehts schon besser und hinterher fühlt man sich super.
    Ich habe es übrigens nicht so richtig verstanden, du schreibst , seit gestern hast du getrunken? Heißt das, dass du bis vorgestern trocken warst? Oder meintest du nicht eher, dass du "bis gestern" getrunken hast und seit dem trocken bist. nixweiss0

    ...wie auch immer, du warst ja ne Weile trocken und kennst das tolle Gefühl trocken zu sein, z.B morgens fit aufzuwachen, weil man die Nacht geschlafen und nicht im Koma gelegen hat...und das ohne rebellierenden Magen und ohne Brummschädel, uns so vieles mehr.
    Du hast ja selber geschrieben, wie viel besser ein Leben ohne Alkohol ist.

    Also: aufstehen, Krönchen richten und weiter machen.

    Liebe Grüße

    Frank

    Hallo Thomas,
    toll, herzlichen Glückwunsch zu 28 Tagen,4 Wochen, das ist ja schon eine Menge! Und zudem noch eine Bewährungsprobe bestanden! Angst gehabt und trotzdem alles durchgezogen! Nüchtern und trocken hat man eben viel mehr Mut, merkst du das?
    Ich bin neu hier, aber schon etwas länger trocken. Ich glaube, ich habe früher ein ähnliches Trinkverhalten an den Tag gelegt wie du: Nur Abends, 5 halbe Bier mussten sein, zum Schluss wurden es eher 7 , manchmal sogar noch mehr, Heimlichkeiten und immer der verzweifelte Versuch, meinen Konsum unter Kontrolle zu halte. Wenn es nicht anders ging konnte ich auch abstinent bleiben, sogar über mehrer Wochen, sogar Monate, aber wenn ich die Gelegenheit hatte "musste es sein".
    Ich hatte keine, bzw keine starke Abhängigkeit, der körperliche Entzug verlief seht mild, des einzige Symptom waren Schlafstörungen an den ersten Tag, ich glaube das war bei der ähnlich.
    Aber der Kopf - wie man so sagt die psychische Abhängigkeit -war eben das schlimme.
    Ich war dann seht bald jeden Abend froh, dieses Kampf nicht mehr kämpfen zu müssen und jeden Morgen froh, mit einem klaren Kopf aufzuwachen.
    Vielleicht geht es die ja ähnlich.
    Liebe Grüße
    Frank

    Hallo Gerchla,

    ja, ja, die blöde Fragerei.."warum keinen Alkohol" , so direkt ist mir das allerdings noch nicht untergekommen. Als wir in Spanien mal mit unseren dortigen Kunden Essen waren, haben alle ein Bier genommen als wir auf unseren Tisch warteten, ich eine Apfelschorle, da bin ich gefragt worden, ob ich kein Bier mag, da habe ich gesagt, dass ich gar keinen Alkohol trinke, das war dann OK, es wurde nicht nachfragt.
    Später beim Essen haben sich alle gemeinsam eine Flasche Wein, bestellt, die ging durch 5(!) und ich hatte mein Cola und da war OK. Es ging sowieso mehr ums Essen (fantastisch, wirklich) . Einer der Spanier sagte noch, dass sie sich in Spanien nicht wie vielen anderen Ländern zum Bier oder Wein trinken treffen würden, sondern immer zum Essen. Das Essen sei die Hauptsache,der Wein würde einfach nur dazu gehören. Und mal ehrlich, als ich noch getrunken habe, hätte ich das Bier und den Wein nur dann mit-getrunken, wenn ich mir schon in meinem Hotelzimmer meinen Vorrat für danach gesichert hätte. Wenn mir das nicht gelungen wäre, wäre ich lieber ganz nüchtern als wie halb angefüttert ins Bett gegangen.

    Ich arbeite nicht in unserem Süddeutschen Stammwerk, sondern an einem anderen Standort. Als ich mal da war und ein neuer ein neuer Kollege von wieder noch einem anderen Standort auch, hat der mich gefragt, ob wir ein Bier trinken gehen wollte. Da habe ich ihm gesagt, dass ich kein Bier trinke, aber Hunger habe und dort eine nettes chinesischen Restaurant kenne, ob er nicht dorthin mitkommen wollte, die hätten auch Bier ;). Er ist dann nicht drauf eingegangen. Am nächsten Abend standen wir noch zu mehreren draußen auf dem Werksparkplatz, da hat er vor versammelter Mannschaft lauthals verkündet: "Der Frank wollte gestern nicht mit mir Bier trinken gehen"...der hat wohl was geahnt und das sollte wohl so eine Art Bloßstellung werden, ist aber kräftig nach hinten losgegangen, denn ich hab nicht doof rumgedruckst sondern einfach verkündet: "ich habe die doch gesagt, dass ich kein Bier trinke und ein Essen beim Chinesen als Alternative vorgeschlagen, aber das wolltest du ja nicht." Da ist ihm erstmal die Kinnlade runterfallen. Ich musste den Abend dann nicht alleine essen, er durfte mitkommen - trotz seiner doofen Äußerung. Aber ich habe mich auch gefragt, was den wohl mit ihm los iss, wenn er denn ganz alleine in eine reine Trink- und nicht zu sagen Saufkneipe geht, das hat er freimütig bekannt dass er das den Vorabend getan hat und fand nichts dabei. Ich habe ihn aber natürlich nicht darauf angesprochen, das muss er selber wissen.

    Ein Freund aus meiner Gruppe meinte, er würde auf solche Fragen Antworten: "Ich trinke aus Glaubensgründen nichts", meist käme dann sowas wie: bist du Moslem oder Mormone aber so, da würde er dann sagen : "Nein, ich glaube das mir das nicht gut tut."
    In die Richtung würde ich glaube ich auch schlagen, wenn mich jemand nach dem "Warum" fragen würde nur etwas patziger, so etwa. "ich sehe es nicht ein, warum ich meine Hirnzellen mit einem hochgiftigen Nervengift abtöten sollte, o.ä."
    Mich hat ja auch niemand gefragt, warum ich nicht , bzw. nicht mehr rauche. Von Bekannten die ich lange nicht gesehen habe und die selber noch rauchen und mir eine Zigarette angeboten haben, wurde mir entweder auf die Schulter geklopft (die haben es dann meist selber später gepackt) oder es wurde ganz schnell das Thema gewechselt.
    Ist übrigens ein kleiner Trick, den ich manchmal anwende, wenn ich solche Anwandlungen wie "vielleicht bin ich gar kein Alkoholiker", dann sage ich mir "Selbst wenn nicht, aber es gibt eine riesen Gefahr, dass ich angeschickert einen Rückfall zu Rauchen erleiden würde (das habe ich schließlich nie ausprobiert) und das ist es einfach nicht Wert". Das ist zwar ein etwas anderes Thema, für mich gehört das aber zusammen, ich bin nicht nur Alkoholiker, sondern allgemein so suchterkrankt, die meisten haben neben dem Alkohol noch weitere Baustellen, das Rauchen als zweit Baustelle habe fast alle (bzw. gehabt). Ich würde einmal sagen, bei uns in der Gruppe beläuft sich der Anteil von aktiven/Ex-rauchern auf bestimmt 80% also viel mehr als in der Durchschnittsbevölkerung.
    Für mich gehört das Thema Rauchen zu meiner Gesamt-Sucht-problematik dazu, deshalb war es mir auch ser wichtig auch vom Rauchen loszuommen ..Gesundheit, Geld u.s.w klar, auch, aber die Einsicht, dass das zum "cleanen" Leben dazu gehört (wie gesagt, das ich meine ganz persönliche Meinung) war eine ganz starke Motivation.
    .....eine kleine Baustelle habe ich noch, ich stopfe mich gerade mit Weingummi voll :D ... und bevor mir schlecht wird :P geh ich jetzt schlafen
    Gute Nacht.
    Frank

    Puh, jetzt versuche ich mal zu antworten,
    bitte verzeiht, wenn ich nicht auf jeden und auf alle Themen gleichermaßen intensiv eingehe. Ich kann mich die Tage ja nochmal melden 8)
    @Emilie, ja dass du selbst schon mal Menschen nicht als Alkoholiker angesehen hast , es aber nicht ausgesprochen hast, dazu kann ich nur sagen: derjenige hat es ja auch nicht direkt ausgesprochen, nur angedeutet. Aber ich bin in der Beziehung offenbar auch sehr feinfühlig und sensibel. Vielleicht liege ich falsch, aber meine zu spüren, wer in der Gruppe so denkt (und das ist eindeutig die Minderzahl) und wer nicht. Und ich habe auch gespürt, bei demjenigen, der das angedeutet hat, dass da kein böser Wille hinter war. Unüberlegte Äußerungen, sicher...aber wer kann sich davon frei sprechen, nicht ab und zu unüberlegte Äußerungen zu tätigen.
    Und hinter deinen Gedanken, Emilie, das jemand anderes eigentlich gar kein Alkoholiker ist, steckte ja sicher auch kein böser Wille, also kennst du das, du räumst es ja jetzt auch als Fehler ein, vielleicht tut es derjenige ja auch irgendwann mal.
    Gerchla : "Diese Gruppe ist gefährlich für Dich " ...sicher nicht! Mit der Gruppe bin ich trocken geworden. Ich musste von meinem ersten Besuch an nicht mehr trinken.
    "Also, ehrlich. Brauchst Du Diese Gruppe? Würdest Du Dich ohne sie als gefährdet bezeichnen?" ....beides wahrscheinlich ja.
    "Oder gibt es evtl. alternative Gruppen in Deiner Umgebung?" ...will ich gar nicht. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich mich eigentlich sehr wohl dort fühle und fast alle Leute dort mag, inkl. übrigens desjenigen, der diese Andeutung gemacht hat, unbedacht eben wie gesagt. Aber das hat eigentlich nur etwas an die Oberfläche gebracht, was ohnehin schon in mir war und das ist vielleicht gar nicht schlecht, dass ich gezwungen war, mich wieder etwas intensiver mit meinem Trinkverhalten von damals auseinander zu setzen. Abstinent zu leben ist mittlerweile sooo normal geworden dass ich es leicht vergessen könnte welche Probleme ich damals hatte es sein zu lassen. Und dieses Vergessen wäre erst recht gefährlich.
    Und (siehe auch meine Antwort auf Emilie): es ist die Minderzahl und die wird es in anderen Gruppen auch geben: Viele sind mir sehr zugetan, das merke ich. Ich hatte es schon mal, dass jemand mir gegenüber etwas ähnliches geäußert hat, da war es aber eindeutig erstaunte Verwunderung gepaart mit etwas Neid ( aber kein missgünstiger), so nach dem Motto : "wie, dass geht??? Hätte ich das auch mal in einer so frühen Phase gekonnt, aber das konnte ich leider nicht".
    in den Köpfen vieler herrscht eben immer noch das Dogma, dass der Süchtige erst seinen "Tiefpunkt" , was immer das auch sein mag, erreicht haben muss um clean zu werden. Nein, dass stimmt nicht, sage ich! Denkt selber nach! Die Leute die solche Dinge äußeren sind meiner Meinung nach selber Opfer dieses Dogmas. Man kann in jeder Phase der Entwicklung zum Alkoholiker umkehren, aber ab einem gewissen Punkt braucht man Hilfe. So als ob man gegen den Strom schwimmt. Sobald die Strömung stärker wird als die eigenen Kräfte geht es nicht mehr alleine, aber dann kann man sich immer noch Hilfe suchen bevor man beinahe ertrunken ist!
    Da, wo die eigenen Kräfte nicht mehr reichen...
    proky ,du hast es anders formuliert, meintest aber wohl dasselbe:
    "Ab dem Zeitpunkt wo er UNBEWUSST glaubt er braucht den Alkohol in seinem Leben!"
    proky , auch das sehe ich ganz genauso wie du:
    "Denn es ist aus medizinischer Sicht vollkommen unmöglich einen klaren Punkt zu definieren ab wann das menschliche Unterbewusstsein umschaltet auf Verlangen."
    Es gibt keine klare Grenze, der Übergang ist fleißend. Sonst hieße das ja: " Ich bin kurz davor Alkoholiker zu werden und wenn ich heute das eine Bier noch trinke werde ich einer, lasse ich es stehen, bleibe Normalkonsument." Das ist natürlich völliger Schwachsinn.
    Gudyo : "deine Meinung über SHG kann ich zu mindesten was meine Gruppe betrifft nicht teilen. Besserwisser gibt es sicher überall, aber man kann bei uns nicht behaupten dass sie die Mehrheit stellen. Und "überaltert" ...naja, das ist relativ wenn ich jetzt 30 wäre...aber zu meiner Altersklasse passt es eigentlich ganz gut. Und mit einer höheren Macht kann ist durchaus was anfangen. Aber wenn bei uns jemand offen äußert nichts mit einer höheren Macht anfangen zu können wird er auch nicht direkt an die frische Luft gesetzt. ;D
    Jetzt wo ich meinen Post mit etwas Abstand nochmal überdenke, glaube ich dass es vielleicht sogar ganz war, dass meine Zweifel an die Oberfläche gezerrt wurden. Das schöne hier ist, ich kann heute ja nochmal lesen, was ich vorgestern geteilt habe. 7 Flaschen Bier... das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht täglich aber doch mehrmals die Woche und auch unter der Woche, wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste. Und alleine! Und klammheimlich, das wäre mir peinlich gewesen wenn das jemand gewusst hätte. "Nur" Bier , OK, manchmal Wein, aber meist Bier und nie Schnaps. ...Und dazu meist noch das "gute" mit 5.5%. Jeder Mediziner wird bestätigen, es kommt nur auf die Gesamtmenge Alkohol an, egal ob Bier, Wein oder Schnaps. 3.5l Bier von dem "guten" , Wodka, Whisky und Co haben rund den 7-fachen Alkoholgehalt . Einfache Rechnung, das macht also einen halben Liter Wodka bzw. 2/3 einer Standardflasche. Wenn mir das jemand gesagt hätte, er trinkt mehrmals die Woche mehr als eine halbe Flasche Wodka, hätte ich ihn mit Sicherheit als Alkoholiker angesehen. ... rechnen konnte ich damals auch, total Matsche war mein Hirn vom Alkohol noch nicht. Ich habe aber nicht auf Schnaps umgerechnet, das habe ich einfach ausgeblendet.

    und nochmal Gerchla : "oder vielleicht macht es auch Sinn, einfach mal Tacheles zu reden." ...ganz sicher macht das Sinn. Vielleicht bringe ich es auch mal fertig. ich habe aber offen gesagt Probleme damit, das was mich bewegt in Worte zu fassen. Ich meine, einen offenen Angriff lasse ich mir nicht gefallen, den kann ich sehr gut parieren. Aber hier geht es schließlich stark um mein subjektives Empfinden und da scheitert es oft schon daran, meine Gedanken so zu sortieren, dass ich sie ich Worte kleiden kann. Schreiben ist da einfacher. Aber reden ist eben auch wichtig, gerade weil ich es nicht so gut kann , denn: "Wenn du es nicht kannst, tu es so lange bis du es kannst".
    Deshalb eben: ich brauche die Gruppe. Das Forum ist für mich eine sehr gute Ergänzung, aber kein Ersatz. Genauso wenig wie die Gruppe ein Ersatz für das Schreiben und Lesen im Forum ist. Aber das sagte ich ja schon...
    Ich bin jedenfalls froh, euch gefunden zu habe.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend!
    Frank

    Liebe Forianer,
    mein Name ist Frank, ich bin 52 Jahre alt und möchte mich euch hier vorstellen.
    Ich habe lange überlegt, ob ich mich hier anmelden und hier schreiben soll, aber letztlich, was habe ich zu verlieren.
    Bei mir ist die Sache etwas anders gelagert als bei den meisten, die hier neu starten. Ich bin bereits gute 6 Jahre trocken und mir geht es relativ gut. Ich gehe auch regelmäßig zu einer Selbsthilfegruppe, wo ich mich "eigentlich" auch recht wohl fühle. Eben diese Einschränkung "eigentlich" ist der Hauptgrund, warum ich mich hier angemeldet habe. Es ist nun mal so, dass bei uns, wie wahrscheinlich in den meisten Selbsthilfegruppen, die meisten schwer körperlich abhängig waren und Erfahrung mit Entgiftung, Krankenhaus, Therapie u.s.w. mindestens einmal, viele mehrfach hinter sich haben. Mir ist das alles erspart geblieben, worüber ich auch froh und glücklich bin. Aber dadurch stellt sich manchmal so ein Gefühl bei mir ein, dass ich nicht richtig dazu gehöre und gegen seine Gefühle kann man mit dem Intellekt ja manchmal nur schwer ankämpfen.
    Mir gegenüber hat auch mal jemand zu Andeutungen gemacht, dass ich ja "nur" so und so viel und "nur Abends" und "niemals tagsüber oder gar morgens" getrunken hätte, wo ich so implizit rausgehört habe, dass ich ja gar kein "richtiger" Alkoholiker sei.
    Ich habe ihn gesagt, dass ich es aus eigener Kraft nicht geschafft habe, das Trinken bleiben zu lassen, wenn ich Gelegenheit dazu hatte (Wenn die äußeren Zwänge stark genug waren konnte ich es durchaus lassen). Genausowenig ist es mir gelungen (jedenfalls meistens nicht), es bei 3 Flaschen Bier zu belassen, wenn ich es mir vorgenommen hatte, deshalb auch nur 3 Flaschen im Haus hatte. Es musste dann fast immer Nachschub her, und sei es zum doppelten Preis von der Tanke, das was mir egal, obwohl ich eigentlich ein ziemlich sparsamer, fast schon geizigerer Mensch bin (jedenfalls mir selbst gegenüber). Und eben auch aus den Gründen würde ich auch hierher in die Gruppe gehören.
    Ich weiß sehr gut, dass derjenige, das nicht böse gemeint hat und mir sonst auch recht wohlwollend zugetan ist. Vielleicht schwang auch ein wenig Neid mit, wer weiß. Vielleicht hat er sich hinterher selbst darüber geärgert, das geäußert zu habe, das gehr ja manchaml so....
    Aber dennoch nagte das an mir.....
    Das nagt vor allem an mir, weil ich mich manchmal der Gruppe nicht so richtig zugehörig fühle-obwohl ich fast alle da sehr mag. Eben deshalb fühle ich mich manchmal nicht richtig zugehörig, weil ich solche Gedanken, dass ich gar kein "richtiger" Alkoholiker bin, selbst schon hatte. Vielleicht stimmt das sogar, aber was wohl überhaupt nicht von der Hand zu weisen ist, ist die Tatsache dass ich stark alkoholgefährdet bin. Selbst wenn es mit den 3 Flaschen Bier (0.5l) geklappt hätte, ist ja wohl auch schon ziemlich Banane, sich regelmäßig 1.5l Bier reinzupfeifen , einfach so ohne Anlass und zudem noch alleine. Aber nicht mal das hat ja geklappt. Zum Schluss mussten oft genug musste zwei mal am Abend Nachschub ran, jeweils 2 Pullen. Das wären also 7 :-\
    Ich finde, es macht auch gar keinen Unterschied, ob man im medizinischen Sinne Alkoholiker ist, oder "nur" alkoholgefährdet, denn wenn ich alkoholgefährdet bin und nichts dagegen tue werde ich ja fast unweigerlich früher oder später Alkoholiker.
    Aber irgendwie kann ich trotzdem solche Gedanken, dass ich ja mal "testen" könnte nicht dauerhaft zur Seite schieben....und das obwohl mir gar nichts fehlt und ich glücklich ohne Alkohol bin. Schon verrückt, oder?
    Online - Foren können echte Treffen bei Selbsthilfegruppen nicht ersetzen, aber genauso verhält es sich auch umgekehrt. Das habe ich schon festgestellt als ich vor vier Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe und in einem Nichtraucherforum aktiv war. Da habe ich die Vorzüge so eine online-Forums kennengelernt. Man bekommt vielmehr und viel direkteren Feedback und man kann sich in aller Ruhe hinsetzen und lesen und schreiben......
    So, jetzt aber erst mal genug von mir.
    Vielen Dank fürs Lesen.
    Liebe Grüße
    Frank