Puh, jetzt versuche ich mal zu antworten,
bitte verzeiht, wenn ich nicht auf jeden und auf alle Themen gleichermaßen intensiv eingehe. Ich kann mich die Tage ja nochmal melden 
@Emilie, ja dass du selbst schon mal Menschen nicht als Alkoholiker angesehen hast , es aber nicht ausgesprochen hast, dazu kann ich nur sagen: derjenige hat es ja auch nicht direkt ausgesprochen, nur angedeutet. Aber ich bin in der Beziehung offenbar auch sehr feinfühlig und sensibel. Vielleicht liege ich falsch, aber meine zu spüren, wer in der Gruppe so denkt (und das ist eindeutig die Minderzahl) und wer nicht. Und ich habe auch gespürt, bei demjenigen, der das angedeutet hat, dass da kein böser Wille hinter war. Unüberlegte Äußerungen, sicher...aber wer kann sich davon frei sprechen, nicht ab und zu unüberlegte Äußerungen zu tätigen.
Und hinter deinen Gedanken, Emilie, das jemand anderes eigentlich gar kein Alkoholiker ist, steckte ja sicher auch kein böser Wille, also kennst du das, du räumst es ja jetzt auch als Fehler ein, vielleicht tut es derjenige ja auch irgendwann mal.
Gerchla : "Diese Gruppe ist gefährlich für Dich " ...sicher nicht! Mit der Gruppe bin ich trocken geworden. Ich musste von meinem ersten Besuch an nicht mehr trinken.
"Also, ehrlich. Brauchst Du Diese Gruppe? Würdest Du Dich ohne sie als gefährdet bezeichnen?" ....beides wahrscheinlich ja.
"Oder gibt es evtl. alternative Gruppen in Deiner Umgebung?" ...will ich gar nicht. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich mich eigentlich sehr wohl dort fühle und fast alle Leute dort mag, inkl. übrigens desjenigen, der diese Andeutung gemacht hat, unbedacht eben wie gesagt. Aber das hat eigentlich nur etwas an die Oberfläche gebracht, was ohnehin schon in mir war und das ist vielleicht gar nicht schlecht, dass ich gezwungen war, mich wieder etwas intensiver mit meinem Trinkverhalten von damals auseinander zu setzen. Abstinent zu leben ist mittlerweile sooo normal geworden dass ich es leicht vergessen könnte welche Probleme ich damals hatte es sein zu lassen. Und dieses Vergessen wäre erst recht gefährlich.
Und (siehe auch meine Antwort auf Emilie): es ist die Minderzahl und die wird es in anderen Gruppen auch geben: Viele sind mir sehr zugetan, das merke ich. Ich hatte es schon mal, dass jemand mir gegenüber etwas ähnliches geäußert hat, da war es aber eindeutig erstaunte Verwunderung gepaart mit etwas Neid ( aber kein missgünstiger), so nach dem Motto : "wie, dass geht??? Hätte ich das auch mal in einer so frühen Phase gekonnt, aber das konnte ich leider nicht".
in den Köpfen vieler herrscht eben immer noch das Dogma, dass der Süchtige erst seinen "Tiefpunkt" , was immer das auch sein mag, erreicht haben muss um clean zu werden. Nein, dass stimmt nicht, sage ich! Denkt selber nach! Die Leute die solche Dinge äußeren sind meiner Meinung nach selber Opfer dieses Dogmas. Man kann in jeder Phase der Entwicklung zum Alkoholiker umkehren, aber ab einem gewissen Punkt braucht man Hilfe. So als ob man gegen den Strom schwimmt. Sobald die Strömung stärker wird als die eigenen Kräfte geht es nicht mehr alleine, aber dann kann man sich immer noch Hilfe suchen bevor man beinahe ertrunken ist!
Da, wo die eigenen Kräfte nicht mehr reichen...
proky ,du hast es anders formuliert, meintest aber wohl dasselbe:
"Ab dem Zeitpunkt wo er UNBEWUSST glaubt er braucht den Alkohol in seinem Leben!"
proky , auch das sehe ich ganz genauso wie du:
"Denn es ist aus medizinischer Sicht vollkommen unmöglich einen klaren Punkt zu definieren ab wann das menschliche Unterbewusstsein umschaltet auf Verlangen."
Es gibt keine klare Grenze, der Übergang ist fleißend. Sonst hieße das ja: " Ich bin kurz davor Alkoholiker zu werden und wenn ich heute das eine Bier noch trinke werde ich einer, lasse ich es stehen, bleibe Normalkonsument." Das ist natürlich völliger Schwachsinn.
Gudyo : "deine Meinung über SHG kann ich zu mindesten was meine Gruppe betrifft nicht teilen. Besserwisser gibt es sicher überall, aber man kann bei uns nicht behaupten dass sie die Mehrheit stellen. Und "überaltert" ...naja, das ist relativ wenn ich jetzt 30 wäre...aber zu meiner Altersklasse passt es eigentlich ganz gut. Und mit einer höheren Macht kann ist durchaus was anfangen. Aber wenn bei uns jemand offen äußert nichts mit einer höheren Macht anfangen zu können wird er auch nicht direkt an die frische Luft gesetzt. ;D
Jetzt wo ich meinen Post mit etwas Abstand nochmal überdenke, glaube ich dass es vielleicht sogar ganz war, dass meine Zweifel an die Oberfläche gezerrt wurden. Das schöne hier ist, ich kann heute ja nochmal lesen, was ich vorgestern geteilt habe. 7 Flaschen Bier... das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht täglich aber doch mehrmals die Woche und auch unter der Woche, wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste. Und alleine! Und klammheimlich, das wäre mir peinlich gewesen wenn das jemand gewusst hätte. "Nur" Bier , OK, manchmal Wein, aber meist Bier und nie Schnaps. ...Und dazu meist noch das "gute" mit 5.5%. Jeder Mediziner wird bestätigen, es kommt nur auf die Gesamtmenge Alkohol an, egal ob Bier, Wein oder Schnaps. 3.5l Bier von dem "guten" , Wodka, Whisky und Co haben rund den 7-fachen Alkoholgehalt . Einfache Rechnung, das macht also einen halben Liter Wodka bzw. 2/3 einer Standardflasche. Wenn mir das jemand gesagt hätte, er trinkt mehrmals die Woche mehr als eine halbe Flasche Wodka, hätte ich ihn mit Sicherheit als Alkoholiker angesehen. ... rechnen konnte ich damals auch, total Matsche war mein Hirn vom Alkohol noch nicht. Ich habe aber nicht auf Schnaps umgerechnet, das habe ich einfach ausgeblendet.
und nochmal Gerchla : "oder vielleicht macht es auch Sinn, einfach mal Tacheles zu reden." ...ganz sicher macht das Sinn. Vielleicht bringe ich es auch mal fertig. ich habe aber offen gesagt Probleme damit, das was mich bewegt in Worte zu fassen. Ich meine, einen offenen Angriff lasse ich mir nicht gefallen, den kann ich sehr gut parieren. Aber hier geht es schließlich stark um mein subjektives Empfinden und da scheitert es oft schon daran, meine Gedanken so zu sortieren, dass ich sie ich Worte kleiden kann. Schreiben ist da einfacher. Aber reden ist eben auch wichtig, gerade weil ich es nicht so gut kann , denn: "Wenn du es nicht kannst, tu es so lange bis du es kannst".
Deshalb eben: ich brauche die Gruppe. Das Forum ist für mich eine sehr gute Ergänzung, aber kein Ersatz. Genauso wenig wie die Gruppe ein Ersatz für das Schreiben und Lesen im Forum ist. Aber das sagte ich ja schon...
Ich bin jedenfalls froh, euch gefunden zu habe.
Liebe Grüße und einen schönen Abend!
Frank