Hallo Schwachstarke,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Kurz zu mir: Ich heiße Frank bin 52 Jahre alt und bin nun schon seit mehr als 6 Jahren trocken. Ich war nicht (jedenfalls nicht stark) körperlich abhängig. Dennoch bin ich Alkoholiker, weil ich es einfach nicht fertig gebracht habe, einen Abend mal nicht zu trinken, es sei denn die Zwänge von außen waren stark genug (z.B. dass meine Tochter bei mir übernachtet hat, dann ging das schon noch...).
Und dann habe ich habe ich auch immer mehr getrunken als ich mir vorgenommen habe. In den letzten Monaten bevor ich aufgehört habe, habe ich mir z.B. immer "nur" 3 Flaschen Bier im Supermarkt geholt, nie eine ganze Kiste. Aber wenn dann die 3 Flaschen leer waren bin ich nicht etwa schlafen gegangen, sondern zur Tankstelle und hab mir 2 weitere geholt und dann immer öfter noch ein zweites Mal zur Tanke und wieder 2 Flaschen. Der Verkäufer an der Tanke hat dann schon immer gesagt: "Einen schönen Abend noch, oder bis später mal". Und ich habe mich geschämt wie Hund und bin trotzdem immer wieder hin gerannt....
Ich kann Rina da nur Recht geben, die Diagnose ob du süchtig bist kann dir hier niemand stellen, von daher gibt es hier keine Keule -dennoch muss ich natürlich schon sagen, dass mir dein Alkoholkonsum brutal viel erscheint....
Was genau erschreckt dich denn so an dem Gedanken, nie wieder ein Glas Alkohol trinken zu "dürfen" ? (du darfst natürlich was du willst, nur ist es natürlich so, dass es - falls du eine Abhängigkeit entwickelt hast - nicht bei diesem einem Glas bleiben wird, bzw.wenn es diesmal bei einem Glas bleibt ,weil du dir unbedingt beweisen willst dass du alles im Griff hast, wird es beim nächsten Mal nicht bei einem Glas bleiben oder beim übernächsten Mal...)
Also,was erschreckt dich so an dem Gedanken?
Ist es die Geselligkeit? ...solange deine Gesellschaft nur ein oder 2 Gläser zum Essen trinkt und sich nicht betrinkt kannst du dich genau so unterhalten als wenn du auch trinken würdest.
Ist es der Geschmack? ...sicher das ist natürlich etwas schade. Aber angenommen, du würdest sehr gerne Erdbeeren essen und würdest auf einmal eine Erdbeerallergie entwickeln. Dann würdest du vielleicht denken "Schade, aber dann esse ich eben Weintrauben" , aber der Gedanke NIE wieder Erdbeeren essen zu dürfen würde dich doch nicht wirklich stark belasten,oder?
Oder ist es vielleicht doch die Wirkung? Sicher trinken auch manche Leute die kein Problem mit Alkohol haben ab und zu mal "auf Wirkung", aber eben nur ausnahmsweise, nicht regelmäßig und bestimmt nicht jeden Abend.
Und wenn dich dir Gedanke "Nie wieder trinken" zu stark schreckt, dann gehe es eben Tag für Tag an: "Heute trinke ich nicht". Mich hat der Gedanke zuerst auch erschreckt, aber eigentlich nur so lange wie ich noch getrunken habe. Ich habe dann sehr schnell gemerkt, wie schön ein abstinentes Leben ist. Und ich freue mich immer noch jeden Abend wenn ich ins Bett gehe, dass ich gleich erholsamen Schlaf finden werde, anstatt ins alkoholbedingte Koma zu fallen (denn Schlaf kann man das nicht mehr nennen, wenn man nach mehreren Flaschen Bier ins Bett geht). Und jeden Morgen freue ich mich, dass ich gut erholt aufwache.
Ich muss sagen, mittlerweile finde ich den Gedanke, freiwillig Gift (das ist Alkohol ja letztlich) in mich hineinzuschütten regelrecht absurd. Das gilt eben für mich, mir ist schon klar, dass andere Leute das anders sehen. Das stört mich aber auch nicht. Vor einiger Zeit war ich ein paar Tage beruflich in Spanien, wir sind abends von unseren Kunden ins Restaurant eingeladen worden.Da hat jeder bis auf ich ein bis zwei kleine Gläser Wein zum Essen getrunken. Ich hab Saft getrunken und mich an dem leckeren Essen und der netten Gesellschaft und Unterhaltung erfreut. Niemand aus der Rund von 6 Leuten hat über die Stränge geschlagen und hat mehr als 2 Gläser getrunken. Wenn ich nicht trocken gewesen wäre, hätte es für mich 2 Möglichkeiten gegeben: Entweder ich hätte gar nichts getrunken, weil ich genau wusste dass mich diese 2 Gläser nie "zufrieden gestellt" hätten, oder - das ist wahrscheinlicher -ich hätte vorher schon im Hotelzimmer Alkohol gebunkert. Beides hätte für mich Stress bedeutet: Entweder der Stress "es gibt heute nichts,oder eben viel zu wenig" oder der Stress den Alkohol unauffällig vor den Kollegen zu beschaffen bzw. mitzubringen. Ich war also wirklich froh.... Als mich jemand von den spanischen Kunden gefragt hat, ob ich keinen Wein mag, habe ich einfach gesagt, dass ich gar keinen Alkohol trinke, damit war das Thema durch und niemand hat blöd geguckt oder nachgefragt.
Also mir hat den ganzen Abend nichts gefeht. Ok als mich mein Nachbar nachdem er einen Schluck Wein genommen hat angeatmet hat, fand ich das etwas unangenehm, aber erträglich. Ich muss es ja auch als "trockener Raucher",der ich auch bin, ertragen wenn ich durch die Innenstadt gehe und alle 10 Meter durch den Zigarettenrauch von anderen Passanten gehen muss. Das ist schlimmer, denn das riecht man auf Meter und man kann dem kaum ausweichen.
Also ein trockenes Leben ist wirklich schön und nicht schrecklich. Nur musste ich zuerst trocken werden um das zu merken.
Es ist jedenfalls schon mal super, dass du dir Gedanken um dich machst. Lies dich mal ein wenig durch die Beiträge und durch die Antworten, die du bestimmt noch bekommen wirst. Das wird dir sicher helfen, deine Situation realistisch einzuschätzen und erheblich zu dir zu sein.
Liebe Grüße
Frank